Die Entwicklung der Deutschen Luftfahrtforschung: Ein Rückblick auf die DVL und ihre Verbindungen zur RWTH Aachen

Das Kalenderbild des Monats Juni bietet uns ein beinah 90 Jahre altes Informationsblatt, das sich als Einladung der DVL entpuppt und an ihre Mitglieder adressiert ist.Die 

Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) spielte eine zentrale Rolle in der Geschichte der deutschen Luftfahrtforschung. Gegründet im Jahr 1912, entwickelte sich die DVL zu einer bedeutenden Forschungs- und Entwicklungseinrichtung. Besonders prägend war das Jahr 1935, als ein neues Gebäude feierlich eingeweiht wurde. Dieser Anlass bot den Rahmen für einen festlichen „Kameradschaftsabend“, zu dem die Mitglieder der DVL auf besondere Weise eingeladen wurden. Der „Kameradschaftsabend“ im Jahre 1935 war nicht nur ein gesellschaftliches Ereignis, sondern auch ein Symbol für den Aufschwung und die Bedeutung der Luftfahrtforschung in Deutschland. Die Einladung zu diesem Abend war kreativ gestaltet und enthielt amüsante Reime, die die Teilnehmer auf die Veranstaltung einstimmen sollten: „Heut ist der Kameradschaftsabend, heut ist, von Muttern Urlaub habend.“ Das Programm des Abends umfasste eine Vielzahl von Angeboten, darunter Filmvorführungen auf einer Leinwand und Vorträge, die den wissenschaftlichen Austausch förderten und die Gemeinschaft stärkten. Speisen und Getränke rundeten das festliche Ereignis ab und schufen eine angenehme Atmosphäre für die Teilnehmer. Die DVL hatte über die Jahre hinweg enge Verbindungen zur Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen.

Signatur N14-04

Ein prominentes Beispiel ist Prof. Dr. F. Seewald, der an der RWTH promovierte und später bei der DVL in Berlin tätig war. Schließlich kehrte er nach Aachen zurück, um das Amt des Direktors am Aerodynamischen Institut zu übernehmen. Diese Wechselbeziehung zwischen der DVL und der RWTH verdeutlicht die Bedeutung der akademischen und praktischen Zusammenarbeit für die Fortschritte in der Luftfahrtforschung.Während des Dritten Reichs erlebte die Luftfahrtforschung in Deutschland einen gewaltigen Aufschwung, insbesondere unter der Ägide von Hermann Göring als Reichsminister für Luftfahrt. Die Gründung weiterer Forschungsanstalten, wie der Deutschen Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) im Jahr 1936, die später in Luftfahrtforschungsanstalt

 Hermann Göring (LFA) umbenannt wurde, markierte diese Entwicklung. Diese Einrichtungen profitierten von den durch die heimliche Aufhebung der Luftfahrtbeschränkungen des Versailler Vertrages geschaffenen rechtlichen Freiheiten. Die Forschungsanstalten konnten ungehindert arbeiten und neue Technologien entwickeln, die sowohl zivile als auch militärische Anwendungen fanden. Die Geschichte der DVL ist eng mit der Entwicklung der deutschen Luftfahrtforschung verbunden. Von ihrer Gründung im Jahr 1912 bis zur Feier des neuen Gebäudes im Jahr 1935 und darüber hinaus spielte die DVL eine zentrale Rolle bei der Förderung der Luftfahrttechnologie. Die Verbindungen zur RWTH Aachen und die Entwicklungen während des Dritten Reichs zeigen, wie politischer Einfluss und akademische Zusammenarbeit die Fortschritte in der Luftfahrtforschung vorangetrieben haben. Diese historische Perspektive verdeutlicht die Komplexität und die Bedeutung der Luftfahrtforschung für die technologische Entwicklung in Deutschland.

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Die Vertreibung von Dr. Arthur Guttmann: Ein Beispiel nationalsozialistischer Rassenpolitik an der RWTH Aachen 1933

Die Entziehung der Lehrbefugnis jüdischer Professoren an deutschen Hochschulen im Jahr 1933 ist ein dunkles Kapitel der deutschen Wissenschafts- und Bildungsgeschichte. Ein markantes Beispiel ist der Fall des Chemikers Dr. Arthur Guttmann, der an der Technischen Hochschule (TH) Aachen, der heutigen RWTH Aachen, lehrte. Diese Maßnahme war Teil der nationalsozialistischen Politik der „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, die darauf abzielte, das öffentliche Leben und insbesondere das Bildungswesen von sogenannten „nichtarischen“ Einflüssen zu „säubern“.

Arthur Guttmann wurde am 14. April 1881 in Wroclaw (Breslau) geboren. Nach dem Studium der Chemie an den Universitäten München und Breslau promovierte er 1908 zum Dr. rer. nat. Von 1909 bis 1911 arbeitete er als Assistent an der Chemisch-Technischen Versuchsanstalt in Hamburg-Blankenese. 1912 wurde er zum Leiter der Prüfanstalt des Vereins Deutscher Eisenportland-Zementwerke in Düsseldorf berufen. 1926 gründete und leitete er das Forschungsinstitut Deutscher Eisenportland-Zementwerke. Schließlich erhielt er 1930 eine Professur an der Fakultät für Stoffwirtschaft der TH Aachen.

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Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begann die systematische Verdrängung jüdischer Wissenschaftler. Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 war das Instrument, mit dem jüdische Beamte und Wissenschaftler aus dem öffentlichen Dienst entfernt wurden. Dr. Guttmann wurde Opfer dieser Politik. Als Dr. Guttmann den von den Nationalsozialisten eingeführten Fragebogen für deutsche Beamte nur teilweise ausfüllen wollte, begann ein intensiver Schriftwechsel zwischen ihm, dem Aachener Rektor Paul Röntgen und dem Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Schließlich bat Guttmann aus Zeitgründen um seine Entlassung aus dem Schuldienst. Trotz seines Austritts aus der jüdischen Religionsgemeinschaft bestätigte ihm der Düsseldorfer Oberbürgermeister seine „unzweifelhaft jüdische Abstammung“.

Nachdem Guttmann 1934 vergeblich um seine Wiedereinstellung gebeten hatte, emigrierte er 1938 mit seiner Familie nach England. 1941 wurde die Familie wegen angeblichen „Devisenvergehens“ ausgebürgert und ihr Vermögen beschlagnahmt. Nach dem Krieg plante Guttmann die Rückkehr nach Deutschland, starb aber am 3. Dezember 1948 in London.

Arthur Guttmanns wichtigste wissenschaftliche Leistung war die Wiederverwendung von Hochofenschlacke in Baustoffen, insbesondere als Eisenportlandzement. Diese Innovation führte 1916 zur Zulassung von Stahlbetonkonstruktionen und hatte weitreichende Auswirkungen auf die Bauindustrie.

Der Fall Dr. Arthur Guttmann an der RWTH Aachen zeigt die tiefgreifenden Auswirkungen der nationalsozialistischen Rassenpolitik auf das akademische Leben in Deutschland. Guttmanns erzwungene Emigration und die spätere Ausbürgerung seiner Familie stehen exemplarisch für das Schicksal vieler jüdischer Wissenschaftler dieser Zeit. Ungeachtet der politischen Verfolgung bleibt sein Beitrag zur Chemie- und Baustoffforschung unvergessen und wird weiterhin gewürdigt.

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Die MS Nabstein – Ein Stück Schifffahrts- und Modellbaugeschichte

Das Kalenderbild des Monats April zeigt ein Schiffsmodell der M.S. Nabstein, dass seinen Weg in unser Archiv gefunden hat.

Die MS Nabstein, ein Frachtschiff des Norddeutschen Lloyd (NDL), war Teil einer neuen Ära im Schiffbau, die sich nach der Lockerung der Schiffbaubeschränkungen des Potsdamer Abkommens ab 1950 abzeichnete. Infolge dieser Lockerungen begann der NDL mit dem Wiederaufbau und der Erweiterung seiner Flotte. Im Rahmen dieser Bemühungen wurde die Nabstein am 22. Dezember 1959 als eines von sechs Schiffen für den Mittelamerika-Dienst fertiggestellt. Sie wurde von den Werften Bremer Vulkan und Atlas-Werke gebaut und war etwas größer als ihre Schwesterschiffe, mit einem zusätzlichen Paar Ladepfosten an der Hinterkante des Deckshauses.

Eine Besonderheit dieser Klasse war der Einsatz von Kunststoffrettungsbooten, eine Innovation der NDL. Nach jahrzehntelanger Suche nach Alternativen zum traditionellen Baumaterial Holz fiel die Wahl auf glasfaserverstärkten Kunststoff, der eine längere Lebensdauer und eine bessere Widerstandsfähigkeit gegenüber den Elementen bot. Diese Entscheidung wurde durch umfangreiche Tests und Prüfungen der See-Berufsgenossenschaft und des Germanischen Lloyd untermauert. Die Nabstein und ihre Schwesterschiffe wurden im Mittelamerika-Dienst eingesetzt, der Routen von Europa zu verschiedenen Häfen in Mittel- und Südamerika umfasste. Sie transportierten hauptsächlich Stückgut und gelegentlich auch Passagiere. Nach der Fusion von NDL und HAPAG gingen die Schiffe in den gemeinsamen Besitz von Hapag-Lloyd über. In den 1970er Jahren wurden die Schiffe schließlich von Hapag-Lloyd an verschiedene Reedereien verkauft. Einige der Schiffe fuhren unter neuen Namen und Flaggen noch bis in die 1990er Jahre, andere wurden bereits in den 1980er Jahren abgewrackt.

Einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung der Erinnerung an Schiffe wie die Nabstein leisteten Modellbauer wie Richard Wagner, Gründer der Firma RIWAG in Flensburg. Seit den 1930er Jahren bis in die frühen 1970er Jahre produzierte RIWAG detailgetreue Schiffsmodelle aus Holz im Maßstab 1/1000 bis 1/200, die nicht nur bei Werften und Reedereien, sondern auch bei Sammlern und Liebhabern großen Anklang fanden. Obwohl nur wenige Informationen über Richard Wagner und die RIWAG vorliegen, ist ihr Beitrag zur maritimen Geschichte und zur Modellbaukunst unbestritten. Neben Namen wie WIKING und KOSTER kann die RIWAG als einer der führenden Hersteller von Schiffsmodellen genannt werden, und ihre Modelle tragen dazu bei, die Vielfalt und Schönheit der Seefahrt festzuhalten.

Die MS Nabstein und ihre Modellnachbauten sind somit nicht nur Relikte vergangener Tage, sondern auch Symbole des Fortschritts in der Schifffahrt und der handwerklichen Kunst des Modellbaus, an die es sich zu erinnern lohnt.

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Widerstand und Wandel: Der Hochschulwahlkampf und das Erbe der 68er-Bewegung

Der Artikel „Wollt ihr den totalen Wahlkampf?“, das Thema unseres Kalenderbildes für den Monat Februar, herausgegeben vom Politischen Arbeits-Kreis (PAK) in den RWTH-Mitteilungen, gibt einen tiefen Einblick in die politische Landschaft an der Hochschule. Der Beitrag ist ein faszinierendes Beispiel für das Engagement und die Haltung der 68er-Generation. In dieser Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs und der politischen Rebellion spiegelte sich die Unzufriedenheit der Studenten mit den bestehenden Normen und ihr Wunsch nach Veränderung in verschiedenen Protestformen wider.  

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Die Erwähnung von „grinsenden Patriarchen“ und „konservativen Beschönigungsparolen“ im Zusammenhang mit politischen Wahlkämpfen verdeutlicht die Ablehnung der Studenten gegenüber traditionellen, als überholt empfundenen konservativen Strömungen. Die turbulenten 1960er Jahre waren geprägt von der Ablehnung etablierter gesellschaftlicher Normen durch viele junge Menschen, darunter auch Studenten, die nach alternativen Ideologien suchten.  

Kritisiert wurden vermeintlich leere Wahlversprechen und die Illusion materieller Vorteile wie eine kostenlose studentische Krankenversicherung. Hier findet sich die für die 68er-Generation charakteristische Sehnsucht nach authentischer politischer Repräsentation, die sich gegen oberflächliche politische Strategien wandte.

Die Forderung nach einer klareren und konkreteren Darstellung politischer Programmpunkte auf Plakaten und Flugblättern zeigt den Wunsch nach Transparenz und Integrität in der politischen Kommunikation.Hier wird die Forderung der 68er-Generation nach einer Anhebung der politischen Diskussion auf ein anspruchsvolleres Niveau mit der Forderung nach klaren Visionen und konkreten Umsetzungsplänen erkennbar.

Die undemokratischen Praktiken an der Fakultät III für Maschinenbau, die die Diskussion über eine neue Prüfungsordnung ohne Beteiligung der Studenten vorangetrieben hat, entsprechen der allgemeinen Unzufriedenheit über autoritäre Strukturen: Die Forderung nach einer öffentlichen Fakultätssitzung am Ende des Artikels zeigt den Wunsch nach demokratischer Mitbestimmung und Offenheit, wie er für die 68er-Generation typisch war.

Der anhaltende Kampf um demokratische Rechte und die Mitbestimmung der Studierenden wird durch die Kritik an den Professoren und Dozenten der Chemie deutlich, die sich „gegen die Mitbestimmung der Studierenden verschworen“ haben sollen.Die Enttäuschung über die geringe Beteiligung der Studierenden an den außerordentlichen Fachschaftssitzungen verweist möglicherweise auf die Schwierigkeiten, junge Menschen auch in Zeiten des sozialen Wandels zu mobilisieren und für eine aktive Beteiligung zu gewinnen.

So zeichnet der Artikel ein lebendiges Bild von Studenten, die sich vehement gegen veraltete Hierarchien und undemokratische Strukturen auflehnen. Angetrieben von einem starken Wunsch nach politischer Veränderung und einer kritischen Haltung gegenüber etablierten Normen, reflektiert der Artikel das Wesen der 68er-Generation, die nachhaltige Auswirkungen auf Politik, Gesellschaft und Universitäten hatte.

Der vollständige Artikel (Sig. 12013 A) kann im Hochschularchiv angefordert werden.

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Das Herzstück der RWTH-Historie: Mein Praktikum im Hochschularchiv der RWTH Aachen 

Im Rahmen meines Masterstudiums der Politikwissenschaft ist es Pflicht, ein berufsvorbereitendes Praktikum zu absolvieren. Durch Zufall wurde ich durch einen Aushang in der Bibliothek des Instituts für Politikwissenschaft auf das Praktikumsangebot des Hochschularchiv aufmerksam. Da ich eine extreme Vorliebe für historische Dokumente habe und historische Kenntnisse für Politikwissenschaftler:innen relevant sind, entschied ich mich spontan für ein Praktikum im zentralen „Gedächtnis“ der RWTH. Die Arbeit im Archiv gestaltet sich abwechslungsreich und interessant, da die Archivbestände die gesamte Geschichte der RWTH vom Gründungsjahr 1870 bis heute dokumentieren. Dementsprechend bietet das Hochschularchiv eine Fülle an geschichtsträchtigen Dokumenten, Fotos, Vorlesungsverzeichnissen, Personalakten, Nachlässen, Matrikeln etc. Auch die Arbeitsaufgaben zeichnen sich durch ein hohes Maß an Abwechslung und Vielfalt aus, denn mehrmals wöchentlich erreichen das Archiv neue Anfragen zu den unterschiedlichsten Ereignissen oder Personen. Die damit verbundenen umfangreichen Recherchen haben mir immer sehr viel Spaß gemacht. Darüber hinaus deckt das „Gedächtnis“ der RWTH ein äußerst vielschichtiges und spannendes Arbeitsspektrum ab. Dazu gehören u.a. die Digitalisierung von alten Materialien für eine saubere Konservierung, die Erstellung von Videos zu wichtigen Personen/Anliegen der RWTH im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit sowie die standardmäßige Erfassung von Nachrufen, Pressespiegel, Amtlichen Bekanntmachungen sowie Rundschreiben. Hinzu kommen spannende Einblicke in die administrativen und organisatorischen Abläufe eines Universitätsarchivs.

Das Modul Paläographie (Lehre von alten Schriften) empfand ich als recht schwierig, aber auch als positiv herausfordernd. Auch das Modul Archivrecht war sehr lehrreich und informativ, da mir die rechtlichen Hintergründe des Archivwesens bis dahin unbekannt waren. Besonders beeindruckt hat mich während meines Praktikums die ständige Präsenz des Universitätsarchivs der RWTH in den sozialen Medien (z.B. Instagram ,Facebook), die für ein historisches Archiv eine so große Rolle spielt. Auf diese Weise lassen sich alte Dokumente und moderne Technik optimal verbinden.

Zusammengefasst: Wer ein Faible für den Umgang mit historisch bedeutsamen Akten und Anfragen hat, ist für ein Praktikum im Universitätsarchiv bestens geeignet. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir dieses Praktikum ermöglicht und mich mit den Arbeitsabläufen im Archiv vertraut gemacht haben.

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Der Aachener Putsch rheinischer Separatisten 1923

Das Hochschularchiv der RWTH Aachen ist ja im alten Regierungsgebäude untergebracht. Bei den Führungen anlässlich des Tags des offenen Denkmals jeweils im September spielt das im Treppenhaus befindliche Kriegerdenkmal eine große Rolle. Wir haben es als Kalenderbild im September 2018 hier bereits vorgestellt. Das Gedenken gilt nicht nur den im Ersten Weltkrieg gefallenen Regierungsbeamten, sondern auch drei Polizisten, die bei dem Separatistenputsch am 26. Oktober 2023 ums Leben kamen.

Wir sind daher sehr dankbar, dass uns das Stadtarchiv Aachen die neue Publikation „Der Aachener Putsch rheinischer Separatisten“ (hrsg. von Thomas Müller, René Rohrkamp, Aachen 2023) als Geschenk überlassen hat. Das Buch wird begleitet von einer Online-Dokumentation mit weiteren Quellen. Ebenfalls im Internet abrufbar ist die Berichterstattung der Aachener Zeitungen im Rahmen des Angebots zeitpunkt.nrw (Beispiel: Aachener Anzeiger vom 29. Oktober 1923). Hörenswert ist ein WDR-Zeitzeichen zum Thema.

Im Krisenjahr 1923 riefen rheinische Separatisten als Teil einer zunächst breiten Bewegung, die sich in Abkehr von Preußen einen eigenen rheinischen Staat wünschte, am 21. Oktober 1923 in Aachen eine „Rheinische Republik“ aus. In den Morgenstunden dieses Tages wurde das Regierungsgebäude besetzt (Buch, S. 103). Einer der Anführer des Putsches, Leo Deckers, residierte im Regierungsgebäude, das von bewaffneten Männern gesichert wurde (ebenda, S. 105). Am 25. Oktober, als nur noch die Verwaltungszentrale im Regierungsgebäude von den Separatisten gehalten wurde, versuchte die Polizei vergeblich, das Gebäude zu stürmen. Dabei verloren drei Polizisten das Leben (ebenda, S. 130, 154). Erst am 2. November setzte die belgische Besatzung dem Aufstand ein Ende und ließ unter anderem das Regierungsgebäude räumen.

Obwohl das Denkmal im ehemaligen Regierungsgebäude eine bemerkenswerte Geschichtsquelle darstellt, wird es in dem Buch übergangen.

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Maria Lipp: Vorreiterin für Wissenschaft und Gleichberechtigung

Auf dem Kalenderbild des Monats Januar, das die Ehrenpromotion von Wilhelm Heemeyer 1958 an der RWTH Aachen zeigt, sitzt Maria Lipp  mit bedeutenden Persönlichkeiten der Hochschule, darunter Rektor Dr. F. Rudolf Jung, an einem Tisch (Sig. 3.1.8_k). Der Moment wurde im Senatssitzungssaal festgehalten, bevor die Feierlichkeiten mit einem gemeinsamen Frühstück im Hotel Quellenhof fortgesetzt wurden.

Die Lebensgeschichte von Maria Lipp, geborene Bredt-Savelsberg, beginnt am 6. April 1892 in Stolberg/Rheinland. Als Adoptivtochter des Aachener Chemikers Julius Bredt trat sie in die Fußstapfen ihres Stiefvaters und schrieb sich im Wintersemester 1913/14 als achte Studentin überhaupt an der „Königlichen Technischen Hochschule“ in Aachen ein.

Nachdem sie 1917 ihr Diplom in Chemie mit Auszeichnung erhalten hatte, setzte sie ihre akademische Laufbahn fort. Im Jahr 1918 promovierte sie als erste Frau an der Aachener Hochschule. Maria Lipp setzte ihre Pionierarbeit fort und habilitierte sich 1923 als erste Frau an der TH für das Fach Organische Chemie. Ihre Arbeit behandelte die „Chemie der hydroaromatischen Verbindungen, Chemie des Camphers und der Terpene“.

Auch nach der Heirat mit ihrem Kollegen Peter Lipp setzte Dr.-Ing. habil. Maria Lipp ihre Tätigkeit als Privatdozentin und Assistentin ihres Mannes fort. Ihr Einfluss auf die Chemiestudentinnen war unübersehbar. Zahlreiche Dissertationen zwischen 1918 und 1931 widmeten sich dem von ihr erforschten Thema „Kampfer“.

Die Jahre 1938 und 1943 markierten entscheidende Schritte in der Karriere von Maria Lipps, als sie zur außerordentlichen Professorin und schließlich zur Ordinaria für Organische Chemie ernannt wurde – beides erstmals für eine Frau an der TH. Für ihre langjährigen Verdienste erhielt sie 1942 das „Treuedienst-Ehrenzeichen“, und obwohl diese Auszeichnung in die politische Zeit des Dritten Reiches fiel, bleibt ihre politische Gesinnung Spekulation.

Nach den Herausforderungen des Kriegsendes bemühten sich Maria und ihr Mann, den Lehr- und Forschungsbetrieb aufrechtzuerhalten. Auch nach dem Krieg blieb sie ihrer Universität treu, wurde 1949 erneut zur Ordinaria ernannt und bekleidete von 1954 bis 1956 das Amt der Dekanin. 1960 wurde Maria Lipp emeritiert und verstarb am 12. Dezember 1966 in Köln. Ihr Vermächtnis als Trägerin des „Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland“ und als Wegbereiterin für Frauen in der Wissenschaft lebt weiter.

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Jahresrückblick 2023: Entwicklungen und Erfahrungen im Hochschularchiv der RWTH Aachen

Mit dem Kalenderbild 2023 blicken wir auf das vergangene Jahr im Hochschularchiv zurück. Es zeigt unseren langjährigen Mitarbeiter Oliver Zantis, zusammen mit einer ehemaligen Praktikantin und der charmanten Spitzdame Franzi, der ständigen Begleiterin unseres Archivars Dr. Klaus Graf. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf verschiedene Entwicklungen und Erlebnisse, die das Hochschularchiv im vergangenen Jahr geprägt haben.Im Jahr 2023 hat das Hochschularchiv der RWTH Aachen nicht nur Archivgut gesichert, sondern auch innovative Wege gefunden, mit den Herausforderungen des Platzmangels umzugehen. Eines der wichtigsten Ereignisse war die Bereitstellung eines neuen Ausweichkellers, der den Weg für eine kreative Neugestaltung ebnete. Als das Team erfuhr, dass uns der Ausweichkeller zur Verfügung gestellt wurde, beschlossen wir, diesen Raum optimal zu nutzen. Kurzerhand wurden Europaletten bestellt und geschickt arrangiert, um nicht nur Platz für das vorhandene Archivgut, sondern auch für zukünftige Schätze zu schaffen. Diese praktische Lösung erwies sich als wegweisend, um dem wachsenden Platzbedarf des Archivs gerecht zu werden.

Ein weiteres Highlight war die Unterstützung durch talentierte Praktikantinnen. Ihr Enthusiasmus und ihre frischen Perspektiven trugen nicht nur zur effizienten Bearbeitung der verschiedenen Aufgaben eines Archivs, sondern auch inspirierende Dynamik in unser Mitarbeiterteam. Die Zusammenarbeit mit ihnen ermöglichte es, unsere Ziele gemeinsam zu erreichen und den Archivalltag mit neuen Ideen zu bereichern.Ein wichtiger Schritt zur Verstärkung des Teams war die Einstellung von Frau Kardoudi und Herrn Luckner. Frau Kardoudi brachte ihre Expertise im Bereich Social Media ein und half, die Aktivitäten des Archivs auch online sichtbarer zu machen. Herr Luckner unterstützte insbesondere die Archivarbeit im Projekt „Bauingenieurwesen“. Die Integration der neuen Teammitglieder stärkte nicht nur unsere Kompetenzen, sondern förderte auch die Weiterentwicklung des Archivs. Das Jahr 2023 war zweifellos geprägt von Veränderungen, Zusammenarbeit und innovativen Lösungen. Wir freuen uns sehr auf 2024, wenn dann hoffentlich weitere spannende Kapitel in der Geschichte unseres Hochschularchivs geschrieben werden.

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Die unsichere Lage am Aerodynamischen Institut in der Nachkriegszeit

Unser Kalenderbild des Monats November zeigt eine sorgfältig von Hand gezeichnete technische Skizze aus dem Archiv des Instituts für Aerodynamik der RWTH Aachen. Die Quelle ist bei uns unter der Signatur N14-03 zu finden. Die wissenschaftliche Grafik widmet sich vor allem der Grundlagenforschung in der Mechanik und stellt die Erforschung von Strömungsvorgängen bei hohen Geschwindigkeiten dar. Sie entstand nach dem Zweiten Weltkrieg in den Jahren 1945-1946. Die Skizze gibt einen Einblick in die schwierige universitäre Nachkriegssituation und zeigt, mit welch einfachen Mitteln der damalige Universitätsbetrieb kurz nach dessen Wiederaufnahme organisiert wurde. Sie stammt aus einer unsicheren Zeit, in der nicht klar war, ob und in welchem Umfang das Institut seine Arbeit fortsetzen würde. Denn insbesondere in den Weltkriegsjahren 1941-1944 war das Aerodynamische Institut in Aachen massiven Luftangriffen ausgesetzt und wurde schließlich nach Sonthofen im Allgäu verlegt. Zudem wurde kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Forschung auf dem Gebiet der Aerodynamik in Deutschland verboten. Aufgrund der großen Entfernung zwischen Sonthofen und Aachen fand in den Jahren 1945/46 ein intensiver und reger Briefwechsel zwischen den beiden Institutsstandorten statt. Prof. Dr. Friedrich Seewald (1895-1974), der damalige Direktor des Aerodynamischen Instituts in Aachen, stand in diesen beiden Jahren in regelmäßigem Briefkontakt mit seinen Kollegen in Sonthofen. In einem seiner zahlreichen Briefe fügte er auch die vorliegende Skizze aus dem Forschungsbereich Mechanik über Strömungsversuche an verschiedenen Messgeräten bei. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war es Seewald ein großes Anliegen, die aerodynamische Forschung an den Hochschulen wieder aufzunehmen bzw. weiter auszubauen (https://www.aia.rwth-aachen.de/der-lehrstuhl/historisches/).

Deshalb unterhielt er bis zur vollständigen Rückverlegung des Instituts nach Aachen im Jahre 1947 – trotz Kommunikations- und Sprachbarrieren – eine ständige und kontinuierliche Korrespondenz mit Sonthofen. Da Sonthofen (wie das gesamte Westallgäu) nach dem Zweiten Weltkrieg unter französischer Besatzung und Aachen unter britischer Militärregierung stand, erfolgte der schriftliche Forschungsaustausch neben Deutsch auch in Französisch und Englisch. Diese technische und forschungsrelevante Skizze der damaligen Zeit ist vor allem vor diesem historischen Hintergrund interessant und aufschlussreich, da das Wissenschaftsgebiet der Mechanik damals nur einem sehr kleinen Personenkreis zugänglich war. Dies, obwohl gerade für den (schnellen) Wiederaufbau in der Nachkriegszeit eine allgemeine Zugänglichkeit zu Mechanik und Technik wichtig war. Dabei ist zu berücksichtigen, dass während der Besatzungszeit zwischen 1945 und 1949 die jeweiligen Militärregierungen großen Einfluss auf die Lehrinhalte des Aerodynamischen Instituts der RWTH (wie auch auf alle universitären Einrichtungen) hatten. Darüber hinaus ist diese Skizze ein wichtiges zeitgenössisches Dokument der Nachkriegszeit, das uns deutlich vor Augen führt, wie einfach eine wissenschaftliche Zeichnung ohne technische oder elektronische Hilfsmittel erstellt werden konnte. 

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Ein Blick zurück – mein Praktikum im Hochschularchiv der RWTH

Als angehende Fachangestellte für Medien und Informationsdienste hatte ich vor Beginn meines Praktikums lediglich theoretische Kenntnisse darüber, welche Rolle Archive in unserer Gesellschaft einnehmen und welche Aufgaben ungefähr auf mich zukommen würden. Während meiner Zeit im Archiv konnte ich nicht nur mein theoretisches Wissen vertiefen, sondern auch wertvolle Praxiskenntnisse sammeln.Von der Aufnahme neuer Bestandsunterlagen bis zur ewigen Verwahrung gibt es mehr Schritte als es zunächst den Anschein hat. Alles was aufgenommen wird muss archivgerecht verwahrt und so verzeichnet werden, dass es zwischen Dokumenten aus mehreren Jahrzehnten auffindbar ist. Da durch stetig neue Abgaben der Bestand des Archivs kontinuierlich wächst, ist die Arbeitsauslastung, die für die Aufbereitung des neuen Materials anfällt, konstant hoch.

Wer wie ich eine Vorliebe für Ordnung hat, wird im Archiv nicht enttäuscht, denn dort ist Struktur ein integraler Part des täglichen Ablaufs. Das Praktikum wird hier durch einen Praktikumsleitfaden unterstützt, welcher die wichtigsten Aspekte der Arbeit festhält und eine strukturierte zeitliche Planung erlaubt. Aufgaben wie das Erfassen von Promotionskarten und Matrikelbucheinträgen, oder das Formulieren von Beiträgen für den Social-Media-Kanal des Hochschularchivs kann auch im Homeoffice erledigt werden. Das Hochschularchiv der RWTH legt zudem einen großen Wert auf eine gute Social-Media-Präsenz, um Interessierten einen Blick in unsere Arbeit zu ermöglichen.

Auch der Kontakt mit den Nutzern des Archivs war sehr interessant, da sich so der Sinn der Aufbewahrung erschlossen hat. So wollte ein Nutzer eine 70 Jahre alte Akte einsehen, um sich herzuleiten, wo die Fotos aus dem Nachlass ihrer Eltern entstanden sind.Darüber hinaus wird es im Archiv ermöglicht, eigenverantwortlich und selbstständig zu arbeiten und die Arbeit nach Absprache zu organisieren. Das Team ist sehr herzlich und geduldig, welches das allgemein bereits angenehme Arbeitsumfeld unterstützt. Kurz gesagt: Wer neugierig ist und ein Interesse an Archiven und deren Arbeit hat, empfehle ich wärmstens ein Praktikum beim Hochschularchiv der RWTH zu wagen.Ich für meinen Teil fühle mich bei meiner neuen Berufswahl bestärkt, und bedanke mich herzlichst bei meinen Kollegen für ein tolles Praktikum!

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Kalenderbild Oktober 2023: Ein Computermuseum für die RWTH Aachen

Unser Kalenderbild des Monats Oktober zeigt einen Ausschnitt aus dem nun geschlossenen Computermuseum der RWTH Aachen. Auf dem Foto sieht man das EAI 8800 Scientific Computing System.Das Museum entstand in Zusammenarbeit mit dem Rogowski-Institut für Elektrotechnik der RWTH, welches veraltete Hardware als Ausstellungsstücke stiftete.

Signatur 2.14_j

Das Kernstück dieser Ausstellung war eine Rechenanlage vom Typ Zuse Z22 der RWTH aus dem Jahr 1958.Prof. Dr. Med. Hans Dieter Ohlenbusch (+ 04.01.1988) hat zur Eröffnung des Computermuseums im Jahre 1987 folgende Rede verfasst und vorgetragen:„Für mich als Mediziner war es schon immer ein Phänomen, wie wenig Geschichtsbewusstsein in seinem eigenen Bereich der Ingenieur im allgemeinen entwickelt.Umso dankbarer war ich seinerzeit, dass dieses Thema, wenn auch nur für einen begrenzten Bereich, von Herrn Ameling aufgegriffen wurde, mit der Idee der Gründung des „Computer-Museums Aachen“.Die in und um Aachen in früheren Zeiten vertretenen Handwerksberufe sind bereits in einschlägigen Museen, wie beispielsweise dem Handwerksmuseum in Stolberg, vertreten. Doch wird dort immer nur ein kleiner Bereich der betreffenden Zukunft dargestellt. Außer im deutschen Museum ist noch nirgends der Versuch unternommen worden, die Geschichte der Technik in möglichst geschlossener Form darzustellen. Der Bereich der, wenn ich es als Laie einmal so ausdrücken darf, Computer und deren Entwicklung ist dort aber nur kümmerlich vertreten und ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich das Engagement der z.T. hier versammelten Museumsbauer begrüßen. Vielleicht wird dieses Haus die Keimzelle für ein Technik-Museum, das in unserer alten Kaiserstadt mit seiner RWTH einen würdigen Standort hätte.So darf ich dem Computer-Museum Aachen, das in viel bescheidenerem Umfang im Jahre 1975 eingerichtet wurde, einen guten Start in diesen neuen Räumen und eine wohlwollende Aufnahme beim interessierten Publikum wünschen.“ (Aktensignatur 12146)

Uns als Archiv hat vom Rektorat der Auftrag erreicht, alle Informationen über die Sammlungen der RWTH Aachen zusammenzutragen. Nach umfangreichen Recherchen wurden die Ergebnisse an das Rektorat übermittelt und auch auf der 

Website des Hochschularchivs veröffentlicht. Dabei hat sich unter anderem herausgestellt, dass das Computermuseum auch eine ehemalige Sammlung bis zum Jahre 2009 besessen hatte, bevor es im Rahmen der Neuausrichtung des Campus Melaten geschlossen wurde.

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Das Hochschularchiv bietet zum Tag des offenen Denkmals (Sonntag 10.09.2023 17:00 Uhr) wieder eine Führung an

Wie in den vergangenen Jahren lädt das Hochschularchiv der RWTH Aachen wieder zu einer Führung am Tag des offenen Denkmals ein.

Dauer: etwa anderthalb Stunden.

Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft wurde Aachen preußisch. Das klassizistische Regierungsgebäude des Architekten Johann Cremer am Theaterplatz ist neben Stadttheater und Elisenbrunnen ein Zeugnis der neuen preußischen Machtverhältnisse. In und am Gebäude erinnern Gedenktafeln an die Gefallenen der Separatistentage (Aachener Putsch rheinischer Separatisten vor hundert Jahren) und beider Weltkriege sowie an die Gefangenen der Gestapo im Nationalsozialismus. Das Gebäude ist heute unter anderem Sitz des Hochschularchivs der RWTH Aachen. Wir stellen nicht nur den geschichtsträchtigen Bau, sondern auch die Aufgaben und Tätigkeit unseres Archivs vor, wobei auch ein Magazinraum besucht werden wird. 

Wir freuen uns auf Sie/Euch!

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Kalenderbild August 2023: „Viel Feind, Viel Ehr“ 

Unser Kalenderbild aus dem Monat August zeigt einen Artikel aus der „Deutschen Kriegszeitung“ aus dem Jahr 1914. Zu finden ist diese Quelle bei uns unter der Signatur SP11b und wurde uns bereits 2007 aus dem Privatbesitz von Herrn Guido Lachau übergeben. Im Text wird betont, dass das Deutsche Reich die „gelbe Gefahr“ unterschätzt habe. Dies bezieht sich vermutlich auf die Tatsache, dass Japan als ehemaliger Verbündeter und Freund Deutschlands nun ein Ultimatum stellte. Der Artikel kritisiert die Unverfrorenheit Japans, ein Land, das von Deutschland unterstützt wurde, als es in den Weltkrieg verwickelt war. Eine interessante These des Artikels ist, dass Japan von Großbritannien „vorgeschickt“ wurde.

SP11 b

Hier wird angedeutet, dass das Vereinigte Königreich Japan für seine eigenen geopolitischen Ziele benutzt haben könnte. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Deutschland und Großbritannien zu dieser Zeit Rivalen waren und sich in einem Wettlauf um Kolonien und Einfluss in der Welt befanden. Die Behauptung, Japan sei von Großbritannien beeinflusst oder unterstützt worden, könnte daher als Kritik am britischen Einfluss in der internationalen Politik gemeint sein. Die Fotografie des Kronprinzen Rupprecht von Bayern in der Mitte des Artikels könnte als Symbol für die Standhaftigkeit und den Mut des deutschen Volkes auch angesichts solcher Herausforderungen durch vermeintliche Verbündete dienen. Die Verwendung von Bildern prominenter Persönlichkeiten und Adeliger war in dieser Zeit üblich, um den Patriotismus und die Einheit des Landes zu stärken. In den ersten Monaten des Ersten Weltkrieges herrschte in Deutschland Kriegseuphorie. Die Bevölkerung und die Medien waren von nationalistischem Stolz erfüllt und versuchten, die Kriegsanstrengungen zu unterstützen und die Moral aufrechtzuerhalten. Der Artikel in der „Deutschen Kriegszeitung“ spiegelt diese Stimmung wider und versucht, die Sorgen und Ängste der Menschen zu beruhigen, indem er das Vertrauen in die eigene Stärke und die Überlegenheit des Deutschen Reiches betont. 

Die Schikanen Japans gegenüber Deutschland sind ein weiterer Aspekt, der verdeutlicht, wie komplex und vielschichtig die geopolitischen Beziehungen zu Beginn des 20. Die Welt befand sich in einem gewaltigen Konflikt, der sich rasch ausbreitete und Nationen auf der ganzen Welt in Mitleidenschaft zog. Der Zeitungsartikel von 1914 bietet einen faszinierenden Einblick in die politische und mediale Landschaft der damaligen Zeit. Er zeigt, wie die „gelbe Gefahr“ und die Rolle Großbritanniens die öffentliche Wahrnehmung und das Narrativ beeinflusst haben könnten. Der Artikel ist ein wichtiges historisches Dokument, das uns daran erinnert, wie geopolitische Kräfte und Propaganda die öffentliche Meinung in Kriegszeiten beeinflussen können.

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Kalenderbild Juli 2023: Die Hitlerunterschrift

Die vorliegende Urkunde dokumentiert die Verleihung des Kriegsdienstkreuzes der 2. Klasse an Herrn Dr.-Ing. Friedrich Seewald (1895-1974) im Jahr 1941. Anfang 1925 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt und bekleidete dort auch die Position des Leiters der aerodynamischen Abteilung. Zum Zeitpunkt der Urkundenverleihung war er Professor für Strömungslehre an der renommierten Technischen Hochschule in Aachen und gleichzeitig Direktor des Instituts für Strömungslehre. Während der Zeit der NS-Diktatur in Deutschland hatte er zeitweise auch die Leitung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt inne. Es ist erwähnenswert, dass er im Jahr 1945 aus der Mitgliederliste gestrichen wurde.

Das Kriegsverdienstkreuz war eine Auszeichnung, die während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland verliehen wurde. Adolf Hitler stiftete es am 18. Oktober 1939. Es gab insgesamt vier Klassen des Kriegsverdienstkreuzes: das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse ohne Schwerter, das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern, das Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse ohne Schwerter und das Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse mit Schwertern.

Das Kriegsverdienstkreuz wurde sowohl an Soldaten als auch an Zivilisten verliehen, die sich durch herausragende Leistungen im Krieg oder bei der Unterstützung des Krieges hervorgetan hatten. Es war nicht erforderlich, dass die Empfänger direkt am Kampfgeschehen beteiligt waren. Personen, die in der Rüstungsindustrie, der Wirtschaft, der Verwaltung oder anderen Bereichen tätig waren und einen bedeutenden Beitrag zur Kriegsanstrengung leisteten, konnten ebenfalls ausgezeichnet werden.

Die Verleihung des Kriegsverdienstkreuzes erfolgte durch die zuständigen Institutionen des nationalsozialistischen Regimes wie das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) oder das Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion. Die Auszeichnung erfolgte entweder aufgrund von Vorschlägen oder aufgrund spezifischer Verdienste der Empfänger.

Es ist wichtig zu beachten, dass das Kriegsverdienstkreuz eine rein militärische Auszeichnung war und nicht mit dem später eingeführten Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verwechselt werden sollte. Das Bundesverdienstkreuz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt.

Die Ehrung von Herrn Dr.-Ing. Seewald fand am 1. Mai 1941 in Berlin-Johannisthal statt. Das Dokument wird durch die Unterschrift von Adolf Hitler, wie in der Überschrift erwähnt, gekennzeichnet. Auf der Urkunde ist zudem der Reichsadler als Prägung unten links erkennbar.

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Kalenderbild Juni 2023: Die Notwendigkeit einer Schwimmhalle an der Technischen Hochschule Aachen

Unser Kalenderbild des Monats Juni zeigt einen Auszug aus der „Denkschrift zur Errichtung eines Hallenschwimmbades an der Technischen Hochschule Aachen“. Verfasst wurde diese Denkschrift von Hubert Contzen, der von 1925 bis 1937 Direktor des Instituts für Leibesübungen der RWTH war. Die genaue Entstehungszeit der Denkschrift ist auf 1929 datiert, wie aus einer Skizze wie auch aus einem zeitgenössischen Artikel der Lokalpresse hervorgeht.

Aus einem der Denkschrift beigefügten Briefwechsel geht hervor, dass sich Dr. Piwowarsky, Professor für Eisenhüttenkunde, im Jahre 1933 um die Errichtung einer Schwimmhalle an der RWTH Aachen bemühte. Dazu wandte er sich schriftlich an Contzen. Direktor Contzen reagierte positiv auf die Anfrage und fügte seiner Antwort einen eigenen Beitrag bei – eine Denkschrift, die er einige Jahre zuvor selbst verfasst hatte. 

Die Denkschrift enthält detaillierte Informationen über die Notwendigkeit und Machbarkeit einer eigenen Schwimmhalle. Contzen betont darin die Bedeutung des Schwimmsports und das große Interesse der Studierenden: „Das Fehlen eines Hallenschwimmbades wird äußerst unangenehm empfunden, umso mehr als gerade für das Schwimmen, diesen gesündesten Sport, ein großes Interesse bei der studierenden Jugend besteht.“ 

Contzen weist auch auf die wirtschaftlichen Vorteile einer eigenen Schwimmhalle an der Universität hin: „Die einzigen sächlichen Kosten – und Kosten überhaupt würden gegebenenfalls durch die Wasserbeschaffung entstehen.“ 

Der Wasserverbrauch und die damit verbundenen Kosten könnten durch den Verkauf von Schwimmkarten gedeckt werden. Ein Zitat aus der Denkschrift verdeutlicht dies: „Zur Aufbringung dieser Summe müssten demnach täglich 60 Schwimmkarten zu 0,20 RM. gelöst werden, eine Zahl, die als durchaus sicher angenommen werden kann.“

Die Denkschrift zeigt also, dass eine eigene Schwimmhalle an der Universität mit einer effektiven Finanzierung realisierbar wäre. Darüber hinaus wird erwähnt, dass die Hochschule bereits über das erforderliche Baugrundstück verfügt und die notwendigen Nebenräume wie Duschen und Umkleiden in der Sporthalle (Talbothalle) genutzt werden könnten. Dies würde die Bau- und Betriebskosten erheblich reduzieren. In der Denkschrift wird auch auf die Möglichkeit einer kostengünstigen Energieversorgung und Warmwasserbereitung durch das universitätseigene Kraftwerk hingewiesen.

Obwohl die Bemühungen um eine eigene Schwimmhalle an der RWTH Aachen vielversprechend waren, konnte das Projekt nicht verwirklicht werden. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges verhinderten die Realisierung des Bauvorhabens. Heute schwimmen die Studierenden der RWTH Aachen an verschiedenen Standorten. Der Schwimmunterricht und die Sportkurse finden in verschiedenen Hallen wie der Osthalle, der Elisabethhalle und der Ulla-Klinger-Halle statt.

Mehr Informationen zum Thema Hochschulsport, unter anderem auch das Schreiben an Direktor Contzen, finden sie in der Ausstellung des Hochschularchivs zur „Sportgeschichte der RWTH Aachen“.

(Quelle: HArch Aachen, Sig.: 494)

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Die Plattform Transkribus: Entschlüsselung der Vergangenheit mithilfe künstlicher Intelligenz?

Die Fähigkeit, scheinbar unleserliche Texte zu entschlüsseln, ist eine wichtige Kompetenz für Historiker*innen, Archivar*innen und eigentlich alle, die sich mit diesen Quellen auseinandersetzen wollen oder müssen. Dieses Handwerk muss oft über Jahre hinweg erlernt werden. Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung wurde jedoch auch versucht, dieses Problem durch den Einsatz von Datensätzen und algorithmischen Systemen zu lösen.

Handschriftliche Mitteilung auf einer Postkarte (Sig.: 9.3.r).

Unter der Leitung der Universität Innsbruck wurde im Rahmen des Horizon 2020 EU-Projekts „READ“ die Plattform Transkribus entwickelt. Auf dieser Plattform wird mittels OCR („optical character recognition“, dt.: Texterkennung) und Algorithmen für maschinelles Lernen aus einem Quelltext ein digitaler Text generiert. Die Website selbst ist einfach zu bedienen. Das zu transkribierende Objekt kann als Fotografie (JPEG oder PNG) hochgeladen werden und wird dann innerhalb kurzer Zeit von dem Programm transkribiert.

Nach eigenen Angaben wurden bereits über 40 Millionen Textseiten über die Plattform erschlossen. Auf Anregung unseres Archivars und Geschäftsführers, Herrn Dr. Klaus Graf, haben auch wir die Plattform probeweise genutzt und sind zu einem gemischten Ergebnis gekommen.

Testobjekte waren drei Quelltexte aus unserem Bestand, die bereits von uns Mitarbeiter*innen oder durch Herrn Graf erschlossen wurden. Der erste Text, der von einer Postkarte stammt, wurde fast vollständig korrekt erfasst (40 von 47 Wörtern). Bei den aufgetretenen Fehlern handelt es sich zumeist um das falsche Erkennen einzelner Buchstaben. Nur einmal kam es zu einem Verrutschen in der zu lesenden Zeile, was zu drei falschen Worttranskriptionen führte.

Der zweite Text, ebenfalls ein Postkartentext mit inhaltlich vergleichbarem Schwierigkeitsgrad, wurde nur noch zu weniger als der Hälfte richtig erkannt. Einzelne Buchstaben wurden sowohl falsch erkannt als auch teilweise ganz ausgelassen.

Als drittes Testobjekt diente ein Schreiben an den Rektor. Transkribus erkannte dabei ca. 70 % der Worte korrekt. Ausgeklammert sind dabei jedoch die Fehler, die durch Worttrennungen entstanden sind. Außerdem traten Schwierigkeiten bei Wörtern auf, die nicht mit Tinte, sondern mit Bleistift geschrieben und daher heller als der Rest des Textes waren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Transkribus wie jede Plattform Vor- und Nachteile hat. Mit dem Programm können kostenlos und benutzerfreundlich Texte durch eine KI transkribiert werden, wodurch alte Texte einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Dabei ist zu beachten, dass die Ergebnisse nie vollständig korrekt sind; die Fehlerquote ist je nach Text sehr unterschiedlich. Eine Überprüfung und Korrektur der Ergebnisse durch eine paläographisch geschulte Person bleibt daher unerlässlich.

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Kalenderbild Mai 2023: EUROAVIA – Studierende für die Luftfahrt 

Das Kalenderbild des Monats Mai zeigt ein Dokument des Vereins Euroavia aus dem Jahre 1959. Das Schreiben war das Ergebnis der im März desselben Jahres abgehaltenen ersten Versammlung des Vereins Euroavia, bei der dieser auch gegründet wurde.

Schreiben der EUROAVIA (Sig.: 1541)

Das Ziel der Gründer, welche eine Gruppe Studenten der Universität Aachen war, bestand darin, eine europaweite Vereinigung aller Studenten der Luft- und Raumfahrttechnik zu erschaffen. Dadurch sollten zukünftige Probleme im Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik bezüglich fehlender Kommunikation und mangelnder Ressourcen vermieden werden.An der verfassungsgebenden Veranstaltung vom 9. bis zum 17. März 1959 nahmen dazu Studenten aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden teil, um gemeinsam den Verein Euroavia zu gründen und Studenten der Luft- und Raumfahrttechnik europaweit zu vernetzen. Ebenfalls sollte auch eine Verbindung zum industriellen Sektor geschaffen werden. 

Den Vorsitz des Vereins übernahm der Aachener Student Jean Roeder. Aus diesem Treffen ging auch das vorliegende Dokument hervor, welches an den Minister für Wirtschaft und Verkehr, Dr. Franz Meyers gerichtet war. Mit diesem wollten die Vereinsmitglieder auch auf politischer Ebene im Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik mehr europäische Zusammenarbeit anregen.Der heutige Hauptsitz der Euroavia ist in der niederländischen Stadt Delft angesiedelt. Aktuell sind 37 Hochschulen aus über 18 europäischen Ländern Mitglieder der Euroavia. Dazu werden auch regelmäßige Kongresse, Workshops und auch Austauschprogramme veranstaltet. 

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Kalenderbild April 2023: Ein Rektor und seine Kunst

Der Ursprung dieses Aquarells entspringt dem kreativen Schaffen Otto Grubers. Es stellt eine realistische Landschaft dar, bei dem der Fokus auf ein Gebäude gelenkt wird, das von Bäumen umringt ist und mit diesen leicht verschmilzt. Der See im Vordergrund des Aquarells spiegelt die Natur wider und lässt durch ein Farbspiel das Gesamtkonzept etwas düster erscheinen. Diese Stimmung ist ebenfalls im grau angehauchten Himmel wider zu erkennen. Die in dem Aquarell erkennbare Kälte ist auch im Leben des Malers wiederzufinden.

Landschaftsaquarell (Signatur G43)

Nachdem Otto Gruber zunächst eine Professur für Baukonstruktionslehre an der RWTH innehatte, wurde er im Jahr 1934 zum Rektor der Hochschule ernannt. Schon in seiner Antrittsrede offenbarte Otto Gruber seine Sympathie für das nationalsozialistische Regime und während seiner Amtszeit als Rektor trieb er aktiv die Gleichschaltung der Hochschule mit den Zielen und Vorstellungen des NS-Staates voran. Darüber hinaus trat er auch in mehrere nationalsozialistische Vereinigungen, darunter der NS-Dozentenbund, bei.

Unter ihm wurden ausgewiesene Nationalsozialisten in Leitungspositionen der Lehrstühle eingesetzt, wie beispielsweise Alfred Buntru und Herwart Opitz. Ebenfalls war er mitverantwortlich für die Verfolgung von jüdischen oder politisch andersdenkenden Professoren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte er seine Biografie insofern ab, dass er selbst auf die Liste Röntgens gelangte, auf der Professoren eingetragen waren, welche durch Nationalsozialisten verfolgt wurden. Am 25. Januar 1957 verstarb Otto Gruber in Aachen und hinterließ eine Vielzahl an Werken. Diese wurden, kurz vor seinem Tod im Jahre 1953, in der Ausstellung der Fachabteilung Architektur im Reiff-Museum, unter dem Namen „Lebenswerk Grubers“ präsentiert. Darunter waren neben Baufotos, weitere Aquarelle, Zeichnungen sowie Skizzenbücher. Beiträge über die Aquarelle Otto Grubers wurde auf unser Internetseite u. A. in den Monaten Juni 2020 und Juni 2022 veröffentlicht.

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Kalenderbild März 2023: Aachen, Barbarossa und ein Radleuchter

Vor einiger Zeit erhielt unser Archiv eine Replik einer Bodenplatte des „Barbarossaleuchters“ vom Domkapitel vom Hohen Dom zu Aachen. Von diesen Repliken wurden insgesamt 300 Stück angefertigt von denen wir Nummer 158 erhielten. Wir haben uns gefragt: Wie hängt dieser Leuchter mit der Geschichte Aachens zusammen und was ist auf der Bodenplatte zu sehen?

Replik der Bodenplatte (S 5183)

Der Barbarossaleuchter des Aachener Doms erhielt seinen Namen durch den Beinamen des Kaisers Friedrich I. Dieser Zuname, welcher als „Rotbart“ übersetzt werden kann, entwickelte sich jedoch erst nach seinem Tod während des 13. Jahrhunderts. Der heute bekannte Mythos um „Friedrich Barbarossa“ entstand erst im 19. Jahrhundert im Verlauf der deutschen Nationalbewegung.

Die historische Person des Friedrich I. ließ zusammen mit seiner Gemahlin Beatrix von Burgund den Radleuchter zwischen 1165 und 1170 auf Antrag anfertigen. Vermutlich wurde der Kronleuchter vom Aachener Goldschmied Wilbert hergestellt.

Bei einem „Radleuchter“ handelt es sich um ein Beleuchtungselement, welches der Form eines Speichenrades nachempfunden ist. Der Barbarossaleuchter setzt sich aus acht Kreissegmenten zusammen und enthält insgesamt 48 Kerzen. Der Kronleuchter soll in seiner Gestaltung die Stadtmauern und Stadttore Jerusalems darstellen.

Die abgebildete Bodenplatte ist eine Replik der sechzehnten Bodenplatte. Dargestellt ist die 8. Seligpreisung der Bergpredigt mit dazugehörigen lateinischen Text:

BEATI QUI PERSECUTIONE PACIUNTUR P[RO]PT[ER] IUSTICIAM Q[UONIAM] E[ST] R[EGNUM] C[OELOUM]

Übersetzt heißt dies: Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, den ihnen gehört das Himmelreich.

Mit der Stiftung des Leuchters sollte Maria, die Mutter Jesu Christi, als Schutzpatronin der Kirche, als auch Karl der Große, der Gründer der Kirche, geehrt werden.

Noch heute ziert er das Kuppeldach des Aachener Doms. An diesem Ort begann am 9. März 1152 die wendungsreiche Lebens- und Herrschaftsgeschichte des Friedrich des I. mit seiner Krönung zum römisch-deutschen König. Die Herrschaft des Friedrich Barbarossa endete 3.000 Kilometer von Aachen entfernt im Fluss Saleph bei Silifke in der Süd-Türkei. In diesem ertrank Barbarossa am 10. Juni 1190, während er sich auf einem Kreuzzug befand.

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Kalenderbild Februar 2023: „Die Karriere von Dr. Friedrich Graf Stenbock-Fermor“

Unser Kalenderbild des Monats Februar zeigt den ehemaligen Kanzler der RWTH, Dr. Friedrich Graf Stenbock-Fermor (1908-2002), zusammen mit seiner Frau, Leonore Gräfin Stenbock-Fermor, auf einem Ball im Jahre 1962. 

Die RWTH Aachen ist eine der führenden technischen Universitäten in Deutschland und hat sich im Bereich technologischer Innovationen und akademischer Exzellenz einen Namen gemacht. Im Laufe der Jahre hat die Universität mehrere Kanzler gehabt, die eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung ihrer Richtung und der Leitung ihrer akademischen Forschungsprogramme gespielt haben. 

Einer dieser Kanzler war Dr. Friedrich Graf Stenbock-Fermor. Im Jahre 1954 übernahm er die Leitung der Hochschulverwaltung und wurde in dieser Funktion 1961 zum Kanzler ernannt. Während seiner Amtszeit spielte er eine entscheidende Rolle bei der Ausweitung der akademischen Programme der Universität und half dabei die RWTH Aachen als Zentrum für innovative Forschung in den Bereichen Wissenschaft und Technologie zu etablieren.
 
Einer der wichtigsten Beiträge von Graf Stenbock-Fermor war die Ausweitung der internationalen Reichweite der Universität. Er schuf Partnerschaften und Zusammenarbeiten mit Universitäten und Forschungsinstitutionen auf der ganzen Welt. Außerdem lag sein Fokus auf der interdisziplinären Forschung. Er ermutigte die Zusammenarbeit zwischen Forschern aus verschiedenen Bereichen und half, eine unterstützende Umgebung für innovative und bahnbrechende Forschung zu schaffen. Dieser Schwerpunkt auf interdisziplinärer Forschung ist seitdem zu einem Markenzeichen der RWTH geworden.
Graf Stenbock-Fermors Bemühungen führten zu großen Erfolgen. Während seiner Amtszeit verdoppelten sich die Studentenzahlen. Die Anzahl der Ordinarien (ordentlicher Professor, Inhaber eines Lehrstuhls) verdreifachte sich sogar, was zu einem enormen Anstieg an Hochschulbediensteten insgesamt führte. Während seiner Kanzlerschaft begleitete er außerdem die Gründung der Philosophischen Fakultät (1965) und der Medizinischen Fakultät (1966).
                                                        
Neben seiner Tätigkeit als Kanzler war Graf Stenbock-Fermor auch in der Lehre tätig. Als Honorarprofessor hielt er regelmäßig Vorlesungen in Straf-, Arbeits- und Staatsrecht. Er war außerdem Mitarbeiter der Zeitschrift „Wissenschaftsrecht, Wissenschaftsverwaltung, Wissenschaftsförderung“ und veröffentlichte zahlreiche Publikationen aus der praktischen Berufsarbeit.
19 Jahre lang, bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 30.06.1973, leitete Graf Stenbock-Fermor die Hochschulverwaltung. Im Jahre 1973 wurde ihm das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Die RWTH ehrte ihn mit der Verleihung der Würde eines Ehrensenators.

(Quellen: HArch Aachen, Sig. 160c, Sig. 242, Sig. 6078)
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Kalenderbild Januar 2023: Die Erfolgsgeschichte der „LZ 127 Graf Zeppelin“

Die „LZ 127 Graf Zeppelin“ war ein von der deutschen Zeppelingesellschaft (Luftschiffbau Zeppelin GmbH) betriebenes Luftschiff, das von 1928 bis 1937 in Betrieb war. Sie trug den Namen des deutschen Grafen und Firmengründers Ferdinand von Zeppelin, der die Entwicklung von steifen Luftschiffen im frühen 20. Jahrhundert vorangetrieben hatte.

Die Graf Zeppelin wurde in den Zeppelinwerken in Friedrichshafen gebaut und absolvierte ihren Jungfernflug am 18. September 1928. Sie war 236 Meter lang und hatte einen maximalen Durchmesser von 12,6 Metern. Das Luftschiff wurde von fünf Maybach VL-2 12-Zylindermotoren angetrieben und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 129 km/h.

Das Luftschiff wurde hauptsächlich für den kommerziellen Personenverkehr eingesetzt und absolvierte mehrere Überfahrten über den Atlantik während seiner Betriebszeit. 1929 unternahm es seinen ersten kommerziellen Flug von Deutschland in die USA, und im selben Jahr absolvierte es die erste Weltumrundung eines Luftschiffs. Dabei wurden innerhalb von 35 Tagen in 6 Etappen insgesamt 49.618 km zurückgelegt. Unter Hugo Eckener, dem Nachfolger Zeppelins, wurde mit dem LZ 127 ein regelmäßiger Luftschiffverkehr zwischen Deutschland und Brasilien, mit Zwischenstopps in Sevilla, eingerichtet. Bis zum Ende des Jahres 1935 wurden durch diese Verbindung insgesamt 12.000 Passagiere und eine große Anzahl an Zeppelinpost unfallfrei transportiert.

Das Luftschiff wurde auch für wissenschaftliche und militärische Zwecke eingesetzt. Es absolvierte mehrere Flüge zur meteorologischen Forschung und wurde zur Erprobung neuer Navigations- und Kommunikationsausrüstung verwendet. 1933 wurde die Graf Zeppelin von der deutschen Marine zu Ausbildungs- und Aufklärungsmissionen verwendet. Auch die Politik machte sich das Luftschiff zu eigen. Die Graf Zeppelin flog unter anderem eine Propagandafahrt über den Reichsparteitag der NSDAP am 02. September 1933.

Trotz ihrer Erfolge wurde die Graf Zeppelin 1937 aus dem Dienst genommen, nachdem das Luftschiff Hindenburg explodiert war. Die Graf Zeppelin befand sich gerade über dem Atlantik, als das Unglück bekannt wurde. Den Passagieren wurde die Nachricht allerdings bis zur Landung in Friedrichshafen am 08. Mai 1937 vorenthalten. Der Untergang der Hindenburg markierte das Ende der Ära des Luftschiffverkehrs. Das Luftschiff wurde außer Dienst gestellt und verschrottet.

Heute gilt die Graf Zeppelin neben der „Graf Zeppelin II“ und der Hindenburg als eines der erfolgreichsten und bekanntesten Luftschiffe des 20. Jahrhunderts. Sie hat mehrere Rekorde während ihrer Betriebszeit aufgestellt und hatte eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung der Luftschifftechnologie und des Luftverkehrs.

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Jahresbericht 2022 des Hochschularchivs der RWTH Aachen

Nach zwei Jahren Pandemie kehrt im Hochschularchiv langsam wieder der „normale“ Arbeitsalltag zurück. Die Mitarbeiter*innen arbeiten wieder vor Ort; es können wieder Nutzer ohne Einschränkungen vorbei kommen. Doch die Zeit des Homeoffice hat uns gezeigt, dass ein systematischer Erneuerungsprozess im digitalen Bereich erforderlich ist. Daher beschäftigen wir uns im Jahr 2022 mit der digitalen Reorganisation des Archivs; ein Vorgang, der nach mehr als zehn Jahren überfällig ist. Die Anschaffung des Servers, die eigentlich in diesem Jahr vorgenommen werden sollte, konnte aus organisatorischen Gründen leider nicht umgesetzt werden. Langfristig ist dieser aber weiterhin geplant. Um trotzdem Fortschritte machen zu können, haben wir uns zwei neue Festplatten zugelegt und planen im Verlauf des kommenden Jahres die Anschaffung eines neuen Mitarbeiter-PCs.

Unser Augenmerk liegt dabei auf der Digitalisierung von Archivalien. So können Informationen, beispielsweise durch das Verbleichen von Papier, nicht mehr verloren gehen. Außerdem können in digitaler Form Metadaten wie das Alter, den Verfasser oder die Provenienz abgespeichert und so der Zugriff auf auf insgesamt mehr Informationen erleichtert werden.

Außerdem erreichte uns in Form einer privaten Spende ein neuer Scanner. Da wir uns bisher für Scans stets die historische Bibliothek aufsuchen mussten, ist der neue Scanner eine große Entlastung für das gesamte Team des Hochschularchivs und erleichtert den Arbeitsalltag enorm.

Nachdem wir in den letzten eineinhalb Jahren fast durchgängig jeweils zwei Praktikant*innen zur selben Zeit betreut haben, befinden wir uns gerade in einer Phase des Leerlaufs. Nicht nur deswegen, sondern auch der Tatsache geschuldet, dass uns in den letzten Monaten besonders wenige Anfragen erreichen, können wir unser Augenmerk auf andere Dinge, wie zum Beispiel die Digitalisierung oder intensiver Social-Media-Arbeit richten.

Im Herbst letzten Jahres hat eine Mitarbeiterin das Hochschularchiv verlassen. Zum Wintersemester wird eine weitere Mitarbeiterin gehen, wofür im Gegenzug seit April eine ehemalige Praktikantin unser Team verstärkt. Den ehemaligen Mitarbeiterinnen des Hochschularchivs wünschen wir auf diesem Wege noch einmal alles Gute für ihren  zukünftigen Weg.

Insgesamt verläuft das Jahr 2022 für das Hochschularchiv bis dato sehr produktiv. Im weiteren Verlauf ist geplant, den Digitalisierungs- bzw. Reorganisierungsprozess weiter vorantreiben. Wir hoffen, dass dieser Anfang 2023 ein Ende finden wird und freuen uns schon darauf, unsere Ideen für Folgeprojekte angehen zu können.

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Mein Praktikum im Hochschularchiv der RWTH Aachen

Als ich mein Studium an der RWTH im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften begonnen habe, wurde mir häufig diese eine Frage gestellt: Was kann man denn mit diesem Studium überhaupt anfangen? Was möchtest du später werden? Da das Studium allerdings eine Vielzahl von unterschiedlichen Berufsschwerpunkten vermittelt und somit einem viele verschiedene Zukunftsaussichten ermöglicht, ist eine Berufswahl schwieriger als man sich vorstellt. Viele Berufe im geisteswissenschaftlichen Bereich richten den Fokus auf einen Alltag hinter einem Schreibtisch. Aus diesem Grund war es für mich umso spannenden einen Eindruck über den Alltag eines Archivars zu erhalten und das Praktikum beim Hochschularchiv der RWTH bietet eine beträchtliche Anzahl an Möglichkeiten in diese Arbeitswelt einzutauchen.
Natürlich verbringt man bei dem Praktikum eine gewisse Zeit hinter dem Schreibtisch, um Fotos zu digitalisieren, Videos anzufertigen oder Anfragen zu beantworten. Aber im Archiv geht es nicht nur darum Akten, welche seit mehreren Jahrzehnten dort lagern aufzubewahren. Vielmehr geht es um die Geschichte dahinter, um das Leben und die Leidenschaft, welche in den Akten schlummern. Aus diesem Grund war es besonders spannend zu erfahren, dass das Hochschularchiv viele Anfragen erhält, welche nicht nur für Veranstaltungen gedacht sind, sondern dass es viele Leute auf dieser Welt gibt, welche mehr über ihre Familiengeschichte und den Werdegang beispielsweise über ihre Großeltern in Erfahrung bringen wollten.

Es gibt darüber hinaus immer Aufgaben, welche im Archiv selbst erledigt werden müssen. Jedes Jahr kommen Akten, Abschlussarbeiten, Bücher, Fotosammlungen und Nachlässe von ehemaligen Professoren hinzu, welche dem Archiv einen Teil ihrer Forschung/Arbeit oder aber auch einiger besonderer Gegenstände vermachen. Daher verändert sich das Archiv ständig und es muss viel aufgearbeitet werden, um Platz für neues Material zu schaffen. Hierzu zählt beispielsweise das Umbetten von Akten, das Entfernen von Tacker Nadeln oder das erneute Zusammenkleben gerissener Dokumente, um diese besser zu erhalten. Die Arbeit in einem Archiv ist also eine Wiederholung bereits mehrmals ausgeführter Schritte, um bereits vergessenes für die Nachwelt festzuhalten. Die Arbeit im Archiv kann somit mit einem lebendigen Organismus verglichen werden, welcher ständig Veränderungen ausgesetzt ist und ununterbrochen expandiert.

Deshalb bietet das Praktikum auf eine besondere Art und Weise die Möglichkeit, sich mit Vergangenem, aber auch mit der Zukunft auseinanderzusetzen. Das Archiv versucht über die verschiedensten Social-Media-Plattformen sich an den Geist der Zeit anzupassen. Zudem werden viele Fotos digital gespeichert und es wird versucht Bücher und andere Digitalisate für Bürger zur Verfügung zu stellen.
Das Praktikum im Hochschularchiv ist daher eine besondere Erfahrung, welche mir besondere Einblicke gewähren, welche für meinen weiteren Werdegang von großer Wichtigkeit sein werden.

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Kalenderbild Dezember 2022: Schnee-Landschaft

„Der Winter ist ein rechter Mann,

kernfest und auf die Dauer;

sein Fleisch sich fühlt wie Eisen an

und scheut nicht süß noch sauer.

War je ein Mann gesund, ist er´s

Er krankt und kränkelt nimmer…“

Der Winter, Matthias Claudius

Aha, Winter. Stimmt, es ist ja schon Dezember! Die Jahreszeit ist auf unserem aktuellen Kalenderblatt deutlich zu erkennen an der schneebedeckten Landschaft; wobei „Landschaft“ ein etwas großes Wort für diese Szenerie ist.

Trotzdem: Jemandem aus der Studentenverbindung Pomerania Aachen waren diese schneebedeckten Bäume und Sträucher, der verschneite Weg, der nach dem Zaun (oder ist es eine Mauer?) vielleicht in einen Park führt, es wert, abgelichtet zu werden. Die Fotografie war seinerzeit noch aufwendiger und teurer, deshalb mögen die Motive immer sorgfältig und weniger spontan ausgewählt worden sein.

So wurde der Prototyp der ersten Kleinbildkamera erst im Jahre 1925 vorgestellt; im Gegensatz zu den zuvor üblichen Boxkameras stellte die kompakte Leica-Kamera eine hochmoderne Neuerung dar. In Zeiten digitaler Fotografie, die heutzutage täglich millionenfach beispielsweise über unsere Mobiltelefone geschieht, kann man sich das kaum noch vorstellen. Erst im Jahr 1936 kam übrigens die Erfindung des Farbfilms hinzu. Insofern gehörte man seinerzeit eher zu den „happy few“, wenn man  eine Kamera sein Eigen nennen durften. Zum Glück auch für das Hochschularchiv der RWTH Aachen, denn solche Bilder stellen eine interessante und im wahrsten Sinne des Wortes anschauliche Archivalie dar.

Vielleicht hat der Fotograf den immer wiederkehrenden Zauber des (ersten) Schnees einfangen und festhalten wollen, der mit seiner weißen Decke alles hell, neu und sauber erscheinen lässt. Wie bereits einige der an dieser Stelle gezeigten Fotos stammte auch dieses aus dem auf einem Flohmarkt erworbenen Album, dessen Besitzer Kurt Grün hieß und der an der RWTH Aachen ab 1929 studierte.

Zum Monat Dezember jedenfalls passt das Foto ganz wunderbar; das Fest der Feste naht mit großen Schritten und die Hoffnung auf eine weiße Weihnacht gibt es alle Jahre wieder. Vielleicht, vielleicht, dürfen wir uns dieses Jahr darüber freuen.

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Kalenderbild November 2022: Pro honore – die Springorum-Münze der RWTH Aachen

„MENS AGITAT MULEM“ – oder auf Deutsch „der Geist bewegt die Materie“ mit dieser Inschrift des Revers offenbart die Springorm-Münze ihre wissenschaftliche Zugehörigkeit. Ausgezeichnet werden mit der Ehrung die besten Studierenden der verschiedenen Studiengänge. Dazu zählen alle, die ihre Abschlussprüfung zum Beispiel in Form einer Bachelor- oder Masterarbeit mit Auszeichnung abschließen könnten. Fernen werden auch die besten 10 Prozent des Studiengangs nach fakultätsinternen Verfahren geehrt.

Revers der Springorum-Münze

Vergeben wird die Ehrung, wie die Legende verrät, von „Freunden der Aachener Hochschule“. Der Förderverein der RWTH Aachen, welcher damit gemeint ist, zeichnet seit 1925 Studierende durch die Springorum-Münze aus. Seit 2006 wird die Auszeichnung in Form einer Ehrennadel vergeben.

Benannt ist die Münze nach Friedrich Springorum (1858-1938), welcher auf dem Avers in Form eines Porträts, in welchem er nach links blickt, verewigt ist. Springorum war deutscher Ingenieur, Unternehmer und Mitbegründer des Fördervereins proRWTH. Die RWTH verlieh ihm die Ehrenbürgerschaft.

Avers der Springorum-Münze

Entworfen wurde die Münze selbst durch Friedrich Bagdons (1878-1937) seines Zeichens Bildhauer. In den 20er-Jahren gestaltete er neben der Münze hauptsächlich Kriegerdenkmäler. Später widmet sich der Künstler deutschnationaler Gesinnung der nationalsozialistischen Staatskunst und schuf eine Büste Hitlers oder arbeitete am Tannenberg-Denkmal mit durch sein Hindenburg-Standbild.

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Mein Praktikum im Hochschularchiv – Durchstrukturiert von A bis Z

Zu Beginn meines Praktikums hatte ich natürlich eine ungefähre Vorstellung von dem, was
mich im Archiv erwarten würde: Räume voller Dokumente, Akten und sonstige Archivalien, die
es zu verwahren, sortieren, aufbereiten und systematisch zu erfassen gilt.

Letztlich war es aber auch nur eine abstrakte Vorstellung und nochmal etwas ganz anderes
diese Räume voller Archivalien tatsächlich zu sehen, diese zum Teil sehr alten Dokumente in
den Händen zu halten, zu wissen, dass in diesen Räumlichkeiten die gesamte Geschichte der
RWTH Aachen aufbewahrt wird.
Alles in Allem beeindruckend und auch leicht überwältigend. Schließlich gilt es, all diese
Archivalien so aufzubewahren, dass sie einerseits die Zeit überdauern ohne Schaden zu
nehmen. Andererseits müssen sie so systematisch und geordnet aufbewahrt werden, sodass
sie jederzeit und ohne lange Suche wiedergefunden werden.
Das allein bedarf einer akribischen strukturellen Arbeit und Organisation. Wie akribisch diese
Arbeit tatsächlich ist, wurde mir dann aber auch erst während des Praktikums so richtig
bewusst und überstieg meine Erwartung bei weitem.

Nun war ich darüber hinaus überrascht zu erfahren, dass nicht nur die Arbeit im Archiv
dermaßen durchstrukturiert ist, sondern auch das Praktikum dort mindestens genauso
strukturiert aufgebaut ist.
Schon vor meinem ersten Praktikumstag bekam ich den Praktikantenleitfaden – eine
tabellarische Auflistung der Themen- und Aufgabenfelder, welche im Verlauf des Praktikums
absolviert werden sollten. So konnte ich mir (zu meiner Freude) nicht nur vorab einen Überblick
verschaffen, sondern behielt diesen Überblick auch während des gesamten
Praktikumsverlaufs, da diese Liste Punkt für Punkt bearbeitet und abgehakt wurde.
Aufgrund der Pandemie wurde das Praktikum zudem so aufgebaut, dass ein Teil der Aufgaben
nicht nur vor Ort im Archiv, sondern ebenso im Homeoffice erledigt werden konnten. Selbst
die Module, durch die wir Praktikanten Einblicke in die einzelnen Tätigkeitsbereiche der
Archivarbeit bekommen sollten, konnten teilweise im Homeoffice per Videokonferenz
behandelt werden.
Aufgrund des Leitfadens war immer recht eindeutig, was zu tun war – sollten dennoch
Unklarheiten aufkommen, hatte man jederzeit die Möglichkeit zur Klärung einen der
Praktikumsbetreuer bzw. Mitarbeiter des Archivs zu kontaktieren.

Kurz und knapp mein abschließendes Fazit: Wer Struktur braucht und sucht, wird im
Hochschularchiv auf allen Ebenen fündig. Und wer sein Praktikum während einer Pandemie
absolvieren will, ist hier eindeutig an der richtigen Adresse.

An dieser Stelle noch vielen lieben Dank an das gesamte Team des Hochschularchivs, dass
ich diese Erfahrung machen und für kurze Zeit ein Teil davon sein durfte!

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Ich schließe die Akte „HA/JE 2016-2022“

Seit meinem dritten Bachelorsemester war ich als studentische Hilfskraft im Hochschularchiv der RTWH Aachen eingestellt. Dies ist nun sechs Jahre her und ich habe die maximale Zeit erreicht, die man als studentische-/wissenschaftliche Hilfskraft an der RWTH beschäftigt sein kann.

Die Arbeit im Hochschularchiv ist vielfältig. Der Weg der Archivalie in das Archiv beginnt mit dem ersten Kontakt einer Abgabestelle/-person. Nachdem geklärt ist, ob und was von dem Angebot in die Bestände übernommen wird, wird ein Termin für die Übernahme vereinbart. Sind die Dokumente angekommen, werden diese verzeichnet, umgebettet und kartoniert. Unter Berücksichtigung der gesetzlich vorgegebenen Schutzfristen können die Dokumente dann den Nutzern zur Einsicht vorgelegt werden. Bei der Recherche im Archiv begleiten die studentischen-/ wissenschaftlichen Hilfskräfte die Benutzer gerne oder Übernehmen diese auch gänzlich.

Um Außenstehenden am Arbeitsalltag teilhaben zulassen, weißt das Hochschularchiv eine intensive Social-Media-Arbeit auf. Hier werden regelmäßig Beiträge rund ums Archiv gepostet. Neben diesen Aufgaben gibt es noch viele weitere.

In den sechs Jahren durfte ich mit vielen (langjährigen) Kolleg:innen eng zusammenarbeiten und den Praktikant:innen die Welt des Hochschularchivs zeigen. Dabei bleiben mir viele schöne Momente in Erinnerung. 

Es kamen aber auch einige persönliche Herausforderungen in dieser Zeit auf mich zu. Zum Beispiel konnte ich durch den regelmäßigen telefonischen Kontakt mit Nutzern und internen Stellen der RWTH meine Angst vor dem Telefonieren ablegen und sogar Freude daran entwickeln.

Ich wünsche dem ganzen Team des Hochschularchivs weiterhin eine schöne Zeit und viel Erfolg im weiteren Berufsleben.

Nun schließe ich die Akte „HA/JE 2016-2022“ und lege eine Neue an.

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Kalenderbild Oktober 2022: Postkarte aus Korneliemünster

Bei dem Kalenderbild des Monats Oktober handelt es sich um eine Postkarte von Herrn Gustav Plesslow an den Hochschulinspektor Biernath. Diese geschäftliche Mitteilung stammt vom 03.09.1949 und wurde von Korneliemünster nach Aachen verschickt. Folgendes steht auf der Karte geschrieben:

Sehr geehrter Herr Biernath!

Ich danke Ihnen für Ihre Beiträge zum Jahrbrief 1950. Mir fehlt jetzt nur noch eine Aufstellung der Plaketten, Denkmünzen, Geldpreise, Diplomen, die für ausgezeichneter Leistungen gegeben werden. Könnten Sie mir die noch verfassen?

Mit freundlichem Gruß
 bin ich Ihr Ihnen ergebener

Gustav Plessow

Herr Ernst Biernath (*15.03.1898; † 29.06.1973) war von 1949-1951 Hochschulinspektor an der TH Aachen. Anschließend war er vier Jahre Hochschuloberinspektor.

Dr. Dr. phil. habil.Gustav Plessow (*08.02.1886; † 23.03.1952) war 1941-1952 Apl. Prof. für Anglistik, Amerikanistik und Lexikographie der Technik, ebenso war dieser Leiter des Seminars für Auslandsingenieure und ab 1949 Wahlsenator.

Ob diese Auflistungen Teil des angesprochenen Jahrbriefes 1950 sind und ob diese lediglich interne Verwendung fanden ist unklar.

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Aachens Brunnen I – Brunnen der sieben freien Künste

Den auf dem Karlshof stehenden Brunnen der sieben freien Künste schuf Ottmar Hollmann 1969. Die acht Bronzetafeln bilden die sieben freien Künste (septem artes liberales) ab, ein in der Antike entstandener Fächerkanon. Die sieben freien Künste wurden in zwei Gruppen, nämlichen das Trivium (Dreiweg) und das Quadrivium (Vierweg) unterteilt. Zum Trivium gehörten die Grammatik, die Rhetorik und die Dialektik; das Quadrivium umfasste die Arithmetik, die Geometrie, die Musik und die Astronomie. Traditionell beschreibt dieser Fächerkanon die einem freien Mann zustehende Bildung; im Mittelalter galt er als Vorbereitung auf die weitergehenden Studiengänge Theologie, Jura und Medizin (https://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_freie_K%C3%BCnste).

Die Inhalte der sieben freien Künste wurden zunächst durch Kloster-, Dom- und Kathedralschulen sowie städtische Bildungseinrichtungen und freie Magister (Lehrer) vermittelt. Mit Entstehung der Universitäten wurde die sogenannte Artistenfakultät (Facultas Artium) als vierte Fakultät, neben der Theologie, dem Recht und der Medizin, in das Studium Generale (Allgemeine Studien) integriert und wurde damit zum Vorläufer der Philosophischen Fakultät. Dieser Name war zum Teil schon im 15. Jahrhundert gebräuchlich.

Die achteckige Form zitiert den Grundriss des Oktogons des Aachener Domes, welches aus der Zeit Karls des Großen stammt. Damit bezieht sich der Brunnen auch auf die Hofschule Karls des Großen (https://de.wikipedia.org/wiki/Karolingische_Renaissance#Bildung), daher fehlen die technischen Fächer.

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KulturSpur(en) im alten Regierungsgebäude – Tag des offenen Denkmals 2022

Unter dem Motto „KulturSpur – ein Fall für den Denkmalschutz“ öffnete dieses Jahr wie immer am zweiten Sontag im September das Hochschularchiv der RWTH Aachen seine Pforten für den alljährlichen „Tag des offenen Denkmals“. Unser Archiv boz wieder eine Führung durch das alte Regierungsgebäude und unsere Magazine an. Das Krimi-Motto wurde aufgegriffen durch die Ausführungen des Archivars und Geschäftsführers Dr. Klaus Graf über die nationalsozialistische Vergangenheit des Gebäudes. Zur NS-Zeit befand sich in diesem Gebäude ein Standort der politischen Polizei (Gestapo) des Terrorregimes.

Neben den Vorträgen konnten die Besucher*innen Herrn Graf auch ihre Fragen zur Geschichte des Gebäudes und zur der alltäglichen Arbeit im Archiv stellen.

Obwohl die Pandemie noch nicht ganz überwunden ist, nahmen in diesem Jahr wieder so viele Besucher an der Führung teil wie vor  Corona (etwa 50 Personen). Das Hochschularchiv der RWTH Aachen bedankt sich bei allen, die vorbei geschaut haben und freut sich schon auf das kommende Jahr.

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Kalenderbild September 2022: Die Staatspolizei am Bahnhof im März 1939

Das Bild unseres Jahreskalenders für den Monat September entstammt dem Nachlass der Familie Söller, welcher im Juni 2016 an das Hochschularchiv übergeben wurde. Konkret besteht dieser aus den Fotos mehrerer Alben, die Frau Söller von Ihrer Mutter geerbte hat. Diese arbeitete in den 1940er Jahren als Sekretärin im Institut für Eisenhüttenkunde. In dieser Zeit entstanden auch die meisten Fotos aus dem Besitz der Familie Söller und gewähren einen Einblick in den Alltag an der RWTH Aachen zur Zeit des Nationalsozialismus.

Bei unseren Kalendern der vergangen Jahre wurde bereits mehrmals auf die dunkelste Epoche der deutschen Geschichte Bezug genommen. So wurden einerseits Vorgänge wie der Fall Scheider/Schwerte aufgegriffen, die einer breiten Öffentlichkeit bereits bekannt sind. Anderseits wurden aber auch unbekannte Geschichten erzählt. Dazu zählt etwa die von Katharina Ruland, die sich am 26. Februar 1934 durch Ausfüllen eines Fragebogens um die Einstellung als Dozierende an der RWTH Aachen bewarb. In dem Kalenderbildbeitrag aus August 2018 wird diese Handlung Rulands in den damals allgegenwärtigen Zustand der Überwachung, Unsicherheit und (potenziellen) Verfolgung eingeordnet. 

Die „Stapo“ am Bahnhof (9.5.ad)

Beim Nachlass der Familie Söller handelt es sich ebenfalls um eine noch nicht erzählte Geschichte. So zeigen einige Bilder die Weihnachtsfeier des Instituts für Eisenhüttenkunde von 1941 (Sig. 9.5_w). Auch wurde ein anderes Bild (Sig.: 9.5_c) bereits von uns auf Facebook und Instagram vorgestellt. Andere wiederum weisen einen unmittelbaren Bezug zum Nationalsozialismus auf. So sind auf der hier vorgestellten Bild Beamte der Staatspolizei am Bahnhof im März 1939 zu sehen. Wiederum auf einem anderen Bild (Sig. 9.5_s), das auf der Rückseite mit Die „Damen“ der Stapo beschriftet ist, sind mehrere Sekretärinnen zu sehen, die nach eigener Aussage gezwungen waren, Schreibaufträge für die Gestapo zu übernehmen. Eine dieser Frauen war die Mutter von Frau Söller, die jüdische Mitbürger anschreiben und ihnen Aufforderungen zuschickte, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu versammeln. Sie war sich vollends bewusst, was dies in Wirklichkeit bedeutete, und gab selbst an, in Einzelfällen die betroffenen Personen vorab gewarnt zu haben. Dieses Verhalten zeugt davon, dass es auch in jener Zeit  Personen gab, die nicht nur an ihre eigene Sicherheit dachten, sondern bereit waren, Risiken zum Schutz ihrer jüdischen Mitbürger einzugehen.           

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Kalenderbild August 2022: Aachen und seine Gärten

„Liebes Lenchen!“, so beginnt die Nachricht auf der Postkarte (Sig.: 9.3.h), die auch unser Kalenderbild für den Monat August 2022 stellt. Weiter lautet die Nachricht:

„War gestern gut wieder hier angekommen. Hoffe bis heute noch viel Schlaf nachzuholen. Verbleibe Dir mit den besten Grüßen – der Ewald“

Bei wem es sich um „Lenchen“ oder „Ewald“ handelt oder in welcher Beziehung sie zueinanderstanden, ist uns leider nicht bekannt. Datiert ist die Postkarte vom Verfasser selbst auf den 14. Mai. Das Jahr 1913 verrät uns noch der Poststempel.  

Vorderseite der Postkarte
Rückseite der Postkarte

Das Postkartenmotiv zeigt den Eingang des Hauptgebäudes, welcher für uns heute fremd wirkt. Auf der Treppe zum Eingang befinden sich links und rechts Sockel mit Straßenlaternen. Umgeben ist der Eingangsbereich von mehreren Bäumen und Sträuchern. In diesem „Garten der Technischen Hochschule“, so betitelt ihn die Postkarte selbst, befinden sich zudem mehrere Sitzgelegenheiten in Form von Bänken.

Im Hintergrund steht eine Art Brunnen, welcher geziert ist von einem Piedestal mit Bürste. Bei diesem Brunnen handelt es sich um das „Intze-Denkmal“. Otto Adolf Ludwig Intze war von 1895 bis 1898 Rektor der Hochschule. Zuvor unterrichtete der Professor für Wasserbau, Baukonstruktion und Baustofflehre auch an der selbigen. Besonderen Einfluss genoss Intze auch außerhalb der Hochschule. Nach seinen Forschungserkenntnissen wurden auch noch weit nach seinem Tod im Jahre 1904 Wasserhochbehälter wie Talsperren erbaut. 

Übrig geblieben ist weder etwas vom Denkmal noch vom Garten. Wann genau das Denkmal und der „Garten“ weichen mussten, ist uns nicht bekannt. In Abgleich mit anderen Postkarten bestand der Garten jedoch mindestens bis in Jahre 1921.

Spurlos verschwunden ist Otto Intze aus Aachen jedoch nicht. Noch heute sind eine Straße nahe dem Hauptgebäude und ein Studierendenwohnheim nach ihm benannt.

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Kalenderbild Juli 2022: Die RWTH und ihre „Türme“

Im Jahre 1962 beschloss das Studierendenwerk, gemeinsam mit der Stadt Aachen, dass es an der Zeit war neuen Wohnraum für die inzwischen ca. 10.000 Studierenden der RWTH Aachen zu schaffen. Am Fuße des Lousbergs, an der Rütscher Straße, sollten vier Türme gebaut werden, die Platz für über 900 Studenten bieten. Es dauerte nur drei Jahre, bis der erste Turm am 1. Mai 1965 eröffnet und bezogen werden konnte: das Otto-Petersen-Haus steht nun schon seit 57 Jahren. 

schwarz-weiß Fotografie der Türme, 1963-67
(Fotosammlung 2.2.3 c)

Es dauerte nicht lang, bis auch die anderen Türme eröffnet wurden. Bereits 1966 konnte das Otto-Intze-Haus bezogen werden, 1968 folgten dann das Theodore-von-Kármán-Haus und das Walter-Eilender-Haus.

Aber woher haben „die Türme“ oder „Walter, Theodore und die zwei Ottos“, wie die Gebäude liebevoll von ihren Bewohnern genannt werden, ihre Namen? Alle vier Wohnanlagen wurden nach einflussreichen Personen, die einen Bezug zur RWTH Aachen haben, benannt. 

Otto Petersen (1874-1953) war ein deutscher Eisenhüttenmann und promovierte im Jahre 1906 an der RWTH. 1917 wurde er dann zum Hauptgeschäftsführer und Schatzmeister des Vereins deutscher Eisenhüttenleute ernannt. Er erhielt eine große Anzahl an Auszeichnungen und Titeln, wodurch die Entwicklung des deutschen Eisenhüttenwesens bis heute mit dem Namen Otto Petersen verbunden sind. Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges unterstützte Petersen die NSDAP und wurde zum „Wehrwirtschaftsführer“ und „Leiter der Hauptgeschäftsführung des Hauptringes Eisenerzeugung“ beim Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion ernannt. Aufgrund seiner Kooperation mit den Nationalsozialisten wurde ihm 1948 das passive Wahlrecht entzogen.

Otto Intze (1843-1904) war ein deutscher Bauingenieur und lehrte als Professor für Wasserbau, Baukonstruktion und Baustofflehre an der RWTH Aachen. 1895-98 war er Rektor der RWTH. Während seiner Zeit an der Universität erhielt Intze eine große Anzahl an Ehrungen und Preisen. So wurde ihm beispielsweise von Kaiser Wilhelm I. im Jahre 1884 der „Rothe Adlerorden“ verliehen. Unter seiner Rektoratszeit wurden einige wichtige Veränderungen der Hochschulordnung verzeichnet, wie zum Beispiel die Verleihung des Promotionsrechts.

Theodore von Kármán (1881-1963) war ein ungarisch-amerikanischer Physiker und Luftfahrttechniker und leitete ab dem Jahre 1913 das Institut für Aerodynamik der RWTH Aachen. 1926 erhielt er eine Einladung, beim Aufbau eines Aerodynamischen Instituts am California Institute of Technology zu helfen. 1919 übernahm er dann die Leitung des „Guggenheim Aeronautical Laboratory“ und pendelte seitdem zwischen Aachen und den USA. Mit der Machtübernahme der NSDAP im Jahre 1933 zog sich Kármán aus Deutschland zurück und blieb bis 1949 Direktor des „Guggenheim Aeronautical Laboratory“. Bis heute gilt Theodore von Kármán als Pionier der modernen Aerodynamik und der Luftfahrt- und Raketenforschung. Er war (Ehren-) Mitglied in 41 wissenschaftlichen Gesellschaften in zwölf verschiedenen Ländern. Die Ehrendoktorwürde wurde insgesamt 28-mal an ihn verliehen.

Walter Eilender (1880-1959) war ein deutscher Metallurg und leitete das Institut für Eisenhüttenkunde und Gießerei der RWTH.  Unter anderem wurde er im Oktober 1928 zum Direktor der Fakultät für Stoffwirtschaft, Fachabteilung Hüttenkunde befördert. Diese zählte zu seiner Zeit zur größten und renommiertesten Abteilung in Deutschland. Mehr als die Hälfte aller Hüttenkundler absolvierten ihr Studium an der TH Aachen.

Aber wie lebt es sich in den Türmen? 

Jeder Bewohner bekommt ein 12m² großes Zimmer, Küche und Bad werden mit den Mitbewohnern derselben Etage geteilt. Schon früh haben sich die Türme auf ihre studentischen Einwohner eingestellt. So wurde bereits in den 90ern in alle Häuser ein Internetanschluss verlegt, damit der Gang zur Bibliothek erspart werden konnte. Und auch auf das Zusammenleben wurde wertgelegt. In der Motorbar, die seit 1967 im Otto-Petersen-Haus zu finden ist und von den Studenten selbst betrieben wird, kommen die Bewohner seit nun fast 50 Jahren einmal die Woche zusammen, um gemeinsam zu trinken, zu spielen oder einfach Zeit zu verbringen. „Die Türme“ haben ebenfalls eine gemeinsame Facebook-Seite, auf der alle Informationen über bevorstehende Veranstaltungen zu finden sind. 

Für weitere Informationen über das Zusammenleben in den Türmen lohnt es sich, die Kurzdokumentation vom WDR mit dem Titel „Trautes Heim“ aus den späten 90ern zu schauen. 

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Kalenderbild Juni 2022: Otto Gruber und seine Aquarelle

Am 16. Mai 1953 eröffnet die Fachabteilung der Architektur im Reifmuseum eine ganz besondere Ausstellung: das „Lebenswerk Otto Grubers“. Zu sehen waren Baufotografien, Skizzen, Zeichnungen und auch Aquarelle. Das Kalenderbild Juni war eines dieser Aquarelle. Es stellt sich nun die Frage: Wer war Otto Gruber und was machte diese Ausstellung so besonders?

Blumenaquarell von Otto Gruber (Signatur: G 12)

„Otto Gruber“ ist eigentlich Professor Dr. Ing. Dr. E.h. Otto Gruber. Der Beginn seines wissenschaftlichen Werdeganges befand sich an der TH München. An dieser begann er im Oktober 1903 sein Studium der Architektur, welches er im März 1907 an der TH Karlsruhe beendete. Gruber blieb dieser Universität lange Zeit verbunden. Hier promovierte er 1914 zum Thema „Überlinger Profanbau des 15. und 16. Jahrhunderts“ und schloss daran 1919 seine Promotion zum Thema „Oberdeutsche Bauernhaustypen – ihre geschichtliche Entwicklung und Stammeszugehörigkeit“ an. Später lehrte Gruber an dieser Universität. Erst als Privatdozent, später als ordentlicher Professor. 1928 führte ihn sein Weg schließlich nach Aachen. Ein Jahr nach Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er dann Rektor – ernannt durch das Reichserziehungsministerium.

In dieser Funktion trieb er die „Gleichschaltung“ der Hochschule voran und unterstütze damit die Terrorherrschaft des NS-Regimes. Seine positive Einstellung zum NS-Regime fand sich bereits in seiner Antrittsrede wieder. Gruber war dabei angeblich nie selbst Mitglied der NSDAP. Von 1936-1944 soll er nur ein „Anwärter“ auf eine Mitgliedschaft gewesen sein.

Den Einfluss der NSDAP stütze er an seiner Hochschule durch die Ernennung von Parteimitgliedern zu Dekanen. Zu diesen Personen zählt unter anderem Herwart Opitz. Dieser war neben seiner NSDAP-Mitgliedschaft auch SA-Mann. Seit 1933 richtete er seine Forschungsarbeit auf die deutsche Rüstungsindustrie aus. In seiner Funktion als Leiter des Werkzeugmaschienenlaboratoriums (WZL) ab 1936 richtete er auch dieses Institut nach diesem Ziel aus. (Einen Beitrag zu Herwart Opitz von unserer ASTA findet ihr hier: https://www.asta.rwth-aachen.de/projekte/mahnmale-der-rwth/opitz/)

Neben Grubers Tätigkeit an der RWTH im Dienste des nationalsozialistischen Staates brachte er sich auch außerhalb seiner Rektorenstellung für das Regime ein. Er war dabei Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, dem Reichskriegerbund und weiteren NS-Organisationen. 1936 gründete er selbst die „Mittelstelle für Heimatschutz“. Diese Tarnorganisation der nationalsozialistischen Außenpolitik war unter anderem in Belgien und den Niederlanden aktiv.

Im September 1937 wurde Gruber von Alfred Rosenberg, dem Chefideologen der NSDAP, im Auftrag des Führers zu einer „Kulturtagung“ eingeladen. Der Führer lud ihm im selben Monat ein, dem Empfang des faschistischen Ministerpräsidenten Mussolini in München beizuwohnen. 1938 wurde Gruber in seiner Rolle als Rektor durch Alfred Bruntu abgelöst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Untergang des NS-Regimes stimmte die Militärregierung in Aachen seiner Wiedereinstellung zu. Am 30. Oktober 1947 erfolgte die Ausstellung eines „Entlastungszeugnis“ (Clearance Cerfiticate) durch die Militärregierung. Solche Prozesse der „Entnazifizierung“ waren nicht unüblich: Herwart Opitz, der von Gruber ernannte Dekan und Nationalsozialist, konnte sich nach zwei Anläufen seine Entnazifizierung durch die Militärregierung bestätigen lassen. Opitz wurde später noch Rektor der RWTH (1967-1969).

 Gruber verstarb vier Jahre nach der Ausstellung seines Lebenswerkes im Alter von 74 Jahren. Weitere seiner Aquarelle könnt ihr auf unseren Social Media- Kanälen sehen z. B. hier https://www.instagram.com/p/CcFa0lgIYh-/ oder hier: https://www.instagram.com/p/CX-4m-8Iu4M/.

Quelle:

Datenbank Bundesarchiv zu Otto Gruber: https://www.bundesarchiv.de/nachlassdatenbank/viewresult.php?sid=874c9be628649e857b0d

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Die Sache mit den Schutzfristen… – Teil 2

Vor Kurzem haben wir unsere interne Grafik für die Schutzfrist von Personalakten aktualisiert und wollten euch diese nicht vorenthalten.
Diese Grafik kommt bei uns innerhalb des Praktikanten-Moduls Archivrecht zum Einsatz und soll das Gesetz zur personenbezogenen Akte nach dem ArchivG NRW veranschaulichen.

Allgemein gelten bei personenbezogenen Dokumenten folgende Schutzfristen, die sich von der urheberrechtlichen Schutzfrist unterscheiden:

▪ 10 Jahre nach dem Tod

▪ 100 Jahre nach der Geburt (falls das Todesdatum unbekannt ist)

▪ 70 Jahre nach Entstehung (falls sowohl das Todes-, als auch das Geburtsdatum unbekannt sind)

Je nach Akteninhalt gibt es noch andere Fristen und Aspekte die beachtet und eingehalten werden müssen.

Grafik Schutzfrist Personalakte

In unserer Grafik beginnt die Laufzeit der PA (=Personalakte) im Jahr 1985. Die Person im Beispiel ist im Jahr 2010 verstorben. Die PA wäre also 2020 einsehbar, da hier das Todesdatum bekannt ist und die Schutzfirst nach 10 Jahren endet. Hätten wir diese Information nicht, wäre die Akte bis 100 Jahre nach der Geburt gesperrt. Da wir dieses nicht in unserem Beispiel gegeben haben und die Frau des Verstorbenen im Jahr 2012 noch einen Nachruf der PA hinzugefügt hat, gehen wir von 30 Jahre nach dem letzten Eintrag in der PA aus. Die PA in diesem Beispiel unterliegt demnach im Jahr 2042 keiner Schutzfrist mehr und darf eingesehen werden.

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Kalenderbild Mai: Ein Lagebericht der RWTH Aachen 1947 – Zerstörungszustand, Situation ihrer Mitglieder und Bedarfswünsche

Wir befinden uns im Jahr 1947 und es wird versucht, die Baustellen, die durch den Zweiten Weltkrieg entstanden sind, zu ermitteln und Lösungen für diese zu finden. Mit diesem Anliegen wendet sich das amerikanische Hilfswerk von Milwaukee an die Stadt Aachen. Die Stadt wollte die Hochschule dabei miteinbeziehen und erbat dafür „Unterlagen über Lehrkörper, Studenten, Zerstörung, dringenden Bedarf“. Dieses Anliegen wurde am 10. Mai 1947 an die Universität formuliert und um eine eilige Bearbeitung gebeten, da der Bericht zeitnah dem Sozialminister zugestellt werden sollte. Am 13. Mai 1947, also vor genau 75 Jahren, wurde der Lagebericht der Hochschule dann mit dem folgenden Inhalt übermittelt:


 

Die gegenwärtige Lage der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, 1947 – Seite 1 von 2 (Quelle: 964 b)

Die gegenwärtige Lage der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen

Die technische Hochschule Aachen ist, ebenso wie die Stadt, durch die Bombardements, die Belagerung und die Evakuierung in personeller und materieller Hinsicht mit einzigartiger Schwere getroffen worden.

Etwa die Hälfte der Gebäude und Einrichtungen ist zerstört oder schwer beschädigt. Der mit Ende 1944 einsetzende Wiederaufbau hat, hauptsächlich infolge der knappen Materialzuweisung, nur sehr langsame Fortschritte machen können. Infolgedessen sind alle Veranstaltungen von Lehre und Forschung stark behindert, die größere Räumlichkeiten und Zurüstungen erfordern.

Die Spezialbüchereien der einzelnen Institute und auch ihre Apparaturen sind in beträchtlichem Ausmaße verloren gegangen, teils durch Zurückhaltung in anderen Ländern und Besatzungszonen.

Von der Hauptbibliothek sind alle Zeitschriften, die vor 1935 erschienen sind und in der Nähe von Aachen in einem Bunker untergebracht waren, noch im Januar 1945 durch Sprengung des Bunkers vernichtet worden. Besonders hemmend ist, daß der laufende Bedarf an Büchern, Papier sowie sonstigen Lehr- und Forschungsmitteln für Studierende und Dozenten auch nicht in bescheidenstem Ausmaß gedeckt werden kann.

Am 3. Januar 1946 wurde die Technische Hochschule trotz schwerer Bedenken wieder eröffnet. Es war ein großes Wagnis, denn es mußten zunächst die primitivsten Lebensbedingungen für die Hochschulangehörigen und vor allem für die zu erwartenden Studierenden geschaffen werden.

Die Zahl der Studierenden beträgt im laufenden Sommersemester 1040. Infolge des numerus clausus konnten von den etwa 2000 Bewerbern in diesem Semester nur etwa 120, davon 40 Lehramtskandidaten, aufgenommen werden.

Der Personalbestand des Lehrkörpers und der Verwaltung ist überaus lückenhaft und unzureichend. Von 45 Ordinariaten und Extraordinariaten sind z.Zt. nur 25 besetzt. Die Auffüllung des Lehrkörpers wird einerseits durch die Überlastung der Entnazifizierungsinstanzen übermäßig hinausgezögert, anderseits auch dadurch erschwert, daß sich das Kabinett des Landes Nordrhein-Westfalen die Berufung auf die Lehrstühle vorbehalten hat.

Die für die Gesamtbevölkerung Aachens bestehenden Lebenserschwernisse wirken sich auf den geistigen Arbeiter besonders ungünstig aus, wobei wir besonders darauf hinweisen möchten, daß aus den eingangs erwähnten Gründen Aachen hinsichtlich Wohnung, Ernährung und Heizung ganz besonders schlecht gestellt ist. Ganz abgesehen von der geringen Kalorienzahl, die durchschnittlich weit hinter dem Minimum zurückbleibt, (z.Zt. sind es nicht einmal 1000 Kalorien) fehlt es an Eiweiß, Fett und vitaminhaltigen Lebensmitteln.

Die schwierige Lage der Technischen Hochschule wird besonders durch folgende Probleme gekennzeichnet:

  1. Unzureichende Verpflegung der Studierenden und Dozenten
  2. Unzureichende Bekleidung
  3. Fehlen von Lehrbüchern, Lehrmaterialien und Büromaterialien

Zu 1) Es ist zwar gelungen, eine allerdings nur „zeitgemäße“ Verpflegung (nächste Wort auf Seite 2)


 

Die gegenwärtige Lage der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, 1947 – Seite 2 von 2 (Quelle: 964 b)

Verpflegung für die Studierenden zu sichern, aber die Verpflegung ist durchaus ungenügend, obgleich die zusätzliche Schülerspeisung eine wertvolle Hilfe gebracht hat. Die mangelhafte Ernährung im Verein mit unzureichender Unterbringung und Heizung gefährdet die Gesundheit der Studierenden erheblich. Nach der noch in Gang befindlichen ärztlichen Kontrolle hat der größere Teil der Studierenden Untergewicht und ist daher für Krankheiten anfällig.

Zu 2) Auch hier liegt kein Sonderproblem für die Studierenden und Hochschulangehörigen vor; es ist höchstens insofern für den größten Teil besonders vordringlich, als die meisten Studierenden aus dem Feld kommen und natürlich nur ungenügend mit Wäsche, Zivilkleidung, Schuhwerk und den Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs wie Schnürsenke[l,] Seife usw. versorgt sind.

Zu 3) Jetzt ist die Lage die, daß Lehrbücher praktisch gar nicht mehr erhältlich sind und die Bereitstellung von Papier, Laboratoriumsbedarf usw. auch für die geringsten Anforderungen gänzlich unzureichend ist. Der augenblickliche Papierbedarf für Unterrichtungszwecke ist:

  • Schreibpapier   10000 kg
  • Zeichenpapier   3000 kg
  • Pauspapier   1000 kg
  • Millimeterpapier   100 kg
  • Papier mit halblogarithmischer Teilung   40 kg
  • Papier mit doppeltlogarithmischer Teilung   40 kg

Für Lehr- und Forschungszwecke werden in erheblichem Umfang fotographisches Material, Filme und Platten gebraucht. Der Bedarf für die nächste Zeit ist ungefähr:

  • photographische Filme   Format 6 x 9 cm2   1000 Meter
  • [photographische Filme] Format 24 x 36 mm2 200 Meter
  • besonders gelatinearmer Film für elektronenoptische Versuche   Format 6 x 9 cm2   100 Meter
  • photographische Platten (Kontrastplatten) für Diapositive   Format 8×10 cm2   1500 Stück
  • Entwickler Metol – Hydrochinon   50 Liter
  • Fixiersalz   50 kg

Weiterhin besteht ein sofortiger dringender Bedarf an 10 Schreibmaschinen.

Amerikanische Hilfe wäre der Hochschulbibliothek sehr willkommen, um die durch den Krieg entstandenen Lücken im Bestand der amerikanischen wissenschaftlichen Zeitschriften wieder auszufüllen, die in einer besonderen Anlage aufgeführt sind.


 

Foto vom Inneren des stark zerstörten Hauptgebäudes. Der Entstehungszeitpunkt wird auf 1945 geschätzt. Auf der Rückseite des Fotos steht: Blick vom Zeichensaal des Ersten Stocks des Hauptgebäudes Templergraben 55 (im Hintergrund Dom und Rathaus). Zerstört im 2.Weltkrieg. (Quelle: 2.1.1_f)

In der zum Schluss genannten Anlage vom 13. Mai 1947 wurden dabei 46 verschiedene Zeitschriften aufgelistet. Lediglich die Jahrgänge von 1935 bis 1939 waren noch vorhanden. Die aus den vorherigen Jahrgängen waren alle verloren gegangen und die nach 1939 hatte man nicht erhalten. Hier nur ein paar der angeforderten Journale: Journal of the Franklin Institute aus Philadelphia und Physical Review aus Minneapolis.

Zur Veranschaulichung des Zustandes zeigt das hier beigefügte Foto den Zeichensaal des Hauptgebäudes nach einer Schätzung um 1945. Die Decke des Raumes scheint offen zu sein sowie der Boden. Durch die verbrannten Balken kann man in den darunter liegenden Raum schauen, wo man die Fenster sehen kann.

Diese Dokumente sind ein wichtiges Zeugnis, um die Situation der Hochschule nach dem Zweiten Weltkrieg zu erfassen. Die Akte 964 b bietet darüber hinaus noch viele weitere interessante Unterlagen von Juli 1945 bis März 1952.

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Eintauchen in das Gedächtnis der RWTH

Arbeiten im Homeoffice

Arbeiten im Homeoffice

Für die Erarbeitung einer Hausarbeit hatte ich mich intensiver mit Archivalien auseinandersetzen müssen. Da ich dies sehr spannend fand, habe ich mich für ein freiwilliges Praktikum beim Hochschularchiv beworben.

Das Vorstellungsgespräch mit Filis gab mir direkt das Gefühl mit einem tollen Team arbeiten zu werden. Auch mit den anderen Kollegen lief die Zusammenarbeit stets gut und alle waren sehr hilfsbereit und unterstützten einen bei seinen Aufgaben, sodass ich mich schnell in der Lage sah, selbstständig zum Beispiel Anfragen zu beantworten.

Generell war die Arbeitsatmosphäre sehr angenehm, da einem genug Zeit für die Bearbeitung der Aufgaben gegeben wurde und man sich seine Aufgaben zum Teil auch selbst aussuchen konnte. Einen positiven Einfluss auf die Arbeitsatmosphäre hatte aber auch der überaus niedliche „Mitarbeiter“ Okami – Filis‘ Hund, der sie oft auf der Arbeit begleitete.

Das Aufgabenspektrum war vielseitig, so lernte ich unter anderem Akten umzubetten, Anfragen zu beantworten, Social-Media-Beiträge zu erstellen, Bücher in die Archivbibliothek aufzunehmen sowie Abgaben zu verzeichnen. Aber auch in die administrativen Tätigkeiten, wie zum Beispiel das Abheften von Rundschreiben, bekam ich einen Einblick.

Diese Vielfalt an Einsatzbereichen und auch die verschiedenen Module, in denen einem die unterschiedlichen Aspekte der Archivarbeit nähergebracht werden, lässt einen vollends in die Arbeit in einem Archiv Einblick nehmen und in einige Bereiche auch eintauchen. 

Die Bearbeitung von Anfragen fand ich am spannendsten, da man so, wenn das Archiv Akten zu dem Thema hat, viele verschiedene Archivalien sichten konnte. Das ein oder andere Mal kam man sich wie ein richtiger Detektiv vor, der anhand weniger Informationen und den richtigen Hinweisen folgend, die passenden Archivalien aufspüren musste.
Auch aufgrund dessen habe ich mich dazu entschieden – mit meinem Mitpraktikanten zusammen – das Video über den Ablauf der Bearbeitung einer Anfrage zu machen.

Das Praktikum war in seiner Gesamtheit sehr spannend und interessant und trotz kleiner Einschränkungen aufgrund der pandemischen Lage habe ich das Gefühl, die Arbeit in einem Archiv gut kennengelernt zu haben.

Für die stets freundliche Unterstützung und gute Zusammenarbeit möchte ich mich beim gesamten Team des Hochschularchivs bedanken.

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Praktikum beim Gedächtnis der RWTH Aachen

Das Kalenderbild April ist ein Praktikanten-Rückblick. Wir durften uns immer über zahlreiche Unterstützung freuen. Ohne diese wäre einiges im Archiv nicht möglich gewesen. Die Praktikant:innen haben die Mitarbeiter:innen des Hochschularchivs entlastet und neue Ideen mit reingebracht, welche wenn möglich in die Tat umgesetzt wurden.

Auch während der Pandemie ist unter Berücksichtigung der Auflagen ein Praktikum bei uns möglich. Zwar ist die enge Zusammenarbeit etwas erschwert, aber wir geben stets unser bestes jedem/r Praktikant:in ein zufriedenstellendes Praktikumserlebnis bei uns zu geben.

Wenn ihr auch noch auf der Suche nach einem vielseitigen Praktikum seid und Interesse an den alltäglichen Aufgaben im Archiv seid, dann könnt ihr uns gerne eure Bewerbungsunterlagen unter archiv@rwth-aachen.de oder über den Postweg zukommen lassen.

Etwas detailliertere Informationen könnt ihr auf unserer Webseite und auf YouTube bekommen. Zudem posten wir regelmäßig Praktikumsberichte.

Wir freuen uns auf die zukünftigen Praktikanten und wollen uns an dieser Stelle noch einmal herzlich bei allen vergangen Praktikanten bedanken und wünschen diesen alles Gute für ihre weiteren Wege.

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Kalenderbild März: Wolf Dill – Geschichte eines Studierenden

Studierendenausweis von Wolf Dill, 1964-1967 (Quelle: S 5169)

Das Kalenderbild zum März 2022 zeigt einen Studierendenausweis, der 1964 an den Studierenden der Elektrotechnik Wolf Dill (*1944 in Leverkusen) ausgestellt worden ist. Er stammt aus einer privaten Abgabe von Herrn Dill aus dem letzten Jahr, die bereits digitalisiert wurde. Damit erhielt das Archiv neben dem abgebildeten Ausweis und einer Zweitschrift auch sein Studienbuch, in dem alle besuchten Lehrveranstaltungen und Fachsemester bescheinigt sind, sowie Belege der Studienbeitragszahlungen. Die Veröffentlichung erfolgt unter Zustimmung von Herrn Dill.

Anhand dieser Dokumente wissen wir einiges über seinen Studienverlauf. Es lässt sich feststellen, dass Dill sich 1964 an der RWTH Aachen eingeschrieben hat und sich 1977, nach 25 Fachsemestern, exmatrikulierte. Damit studierte Dill unter sechs verschieden Rektoren, u. a. Aschoff, Opitz und Schwerte.

1971 legte er seine Diplom-Hauptprüfung an der Fakultät für Elektrotechnik ab. Anschließend strebte er eine Promotion im Bereich der Nachrichtentechnik an. 1981 erhielt Wolf Dill seinen Dr. -Ing. Titel im Fach Bergbau zum Thema „Verminderung der schwellenden Belastung der Hobelkette“ und bekam dazu die „Borchers-Plakette“ verliehen.

Diese studiengangsübergreifende Auszeichnung, benannt nach Professor Dr. Dr.-Ing. E.h. Wilhelm Borchers (gest. 1925), einem ehemaligen Rektor der RWTH, wird bei Erreichen eines Doktortitels vergeben, wenn die Prüfung „summa cum laude“ absolviert wurde.

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Akten zum Reiffmuseum digitalisiert (397a+b)

Die Akten zum Reiffmuseum findet ihr digitalisiert auf unserer Webseite unter diesem Link bei den digitalen Angeboten.

Diese Inhalte erwarten euch dort:

Akte 397 a

Reiffmuseum (01.12.1920 – 12.05.1931)

  • Schriftwechsel zum Abhalten von Kuratoriumssitzungen, Sitzungsprotokolle;
  • Feststellung einer Geschäftsordnung;
  • Schriftwechsel bzgl. Ausstattung des Museums, Verkauf von Museumsstücken;
  • Tätigkeitsberichte 1923/24, Mai 1924 – Juni 1926;
  • Kostenaufstellung für Gemäldeausstellung;
  • Schriftwechsel bzgl. Instandhaltung der Privatgrabstätte des Prof. Reiff;
  • Bericht über Sonderausstellungen Mai 1929 – März 1930.

 

Akte 397b

Reiffmuseum (24.02.1900 – 07.07.1914)

  • Schriftwechsel zur Schenkung des Prof. Reiff zu seinen Lebzeiten,
  • Errichtung eines besonderen Gebäudes für Kunstgeschichte,
  • Errichtung des Reiff-Museums,
  • Festetzung von Besuchszeiten;
  • Kostenaufstellungen, Rechnungen;
  • Eintrittskarten;
  • Testament des Prof. Reiff.
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Video: „Goldenes Fotoalbum“

In diesem Video zeigen wir euch ein Fotoalbum (Signatur: 9.2.), welches dem scheidenden Professor Dr. Carl Lemcke von seinen Aachener Freunden übergeben wurde. Datiert ist hier der März 1885. Dabei ist ein Brief von Heinz von Dessauer, der das Fotoalbum seines Großonkels Carl Lemcke der Hochschule überlässt.

Erstellt wurde das Video von Francine Bock und Laura Klinkenberg. Als Videomusik wurde „Semper Fidelis 1890 – United States Marine Band“ verwendet. 

Das Video findet ihr auf unserem YouTube-Channel

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Kalenderbild Februar 2022: Oche Alaaf! – Karnevalsfeier der Studentenverbindung Pomerania , Anfang der 1930er Jahre

Karnevalsfeier der Studentenverbindung Pomerania, Anfang der 1930er Jahre (Quelle: Fotosammlung 7.1.20.a)

Das zweite Kalenderbild dieses Jahres ist ein Foto der Karnevalsfeier der Pomerania-Studentenverbindung. Das Foto stammt aus den 1930ern. Auf dem Foto sind mehrere verkleidete Männer, vermutlich die Mitglieder der reinen Männerverbindung, und Frauen zu sehen, sowie Instrumente und Luftschlangen. Die Stimmung der Pommern, wie sie sich selbst nennen, und ihres Besuchs wirkt ausgelassen.

Die „Landsmannschaft im CC [Coburger Convent] Pomerania Halle-Aachen“ ist eine Studentenverbindung im Coburger Convent. Der Coburger Convent ist ein Korporationsverband, also ein Verband diverser Studentenverbindungen, Landsmannschaften und Turnerschaften. Die Pomerania wurde am 09. November 1792 gegründet und ist daher eine der ältesten deutschen Verbindungen. Ursprünglich stammt die Verbindung aus Halle in Sachsen-Anhalt, Gründungsort war die Martin-Luther-Universität. Aufgrund der napoleonischen Zeit und Kriegen kam es zu einer Umsiedlung nach Frankfurt, sowie der Abwanderung von Mitgliedern. Am 11.09.1865 wurde die „Landsmannschaft Pomerania“ erneut gegründet. 1936 kam es aufgrund eines Verbotes der Nationalsozialisten zur Auflösung der Studentenverbindung in Halle. Allerdings bestand in Wismar ein jüngerer Pomerania-Verband, der 1922 nach Aachen übersiedelte. 1952 schlossen sich die beiden Bünde zu Pomerania Halle-Aachen zusammen. Der Sitz der Verbindung lag hier in Aachen, da sich die Hallenser Pomerania aufgrund der Teilung Deutschlands nicht in Halle neu formieren konnte, ebenfalls gab es Bedenken, dass ein Erhalt der Verbindung an beiden Standorten nicht möglich wäre. Aufgrund der Geschichte der beiden Verbindungen lässt sich schließen, dass es sich bei den Männern auf dem Foto um Mitglieder des ehemals in Wismar ansässigen, jüngeren Pomerania-Verbunds handeln muss.

Die Pomerania ist seit jeher ein pflichtschlagender und farbentragender Studentenverbund. Pflichtschlagend bezeichnet hierbei die Pflicht innerhalb des Pomerania-Verbundes, dass jeder Verbundsbruder während seiner Studienzeit mindestens drei Mensuren gefochten haben muss. Doch was ist eine Mensur? Eine Mensur ist ein streng reglementiertes Fechtduell zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Verbindungen. Die Teilnehmer sind dabei bis auf Teile ihres Gesichtes vor Schnittwunden und Verletzungen geschützt. Der Schwerpunkt lag nicht auf Sieg oder Niederlage, der Verteidigung der eigenen Ehre oder dem Ansehen der Verbindung, sondern darauf, persönliches Wachstum zu fördern und Tapferkeit zu erlangen. So gilt beispielsweise eine Verletzung, ein sogenannter „Schmiss“ nicht als Niederlage. Der Schmiss zählte in den 30er Jahren sogar zum stereotypischen Erkennungsmerkmal für Studenten. Es scheint, als würden einige der auf dem Foto abgelichteten Männer solche Narben erahnen lassen. Der Schmiss war ebenfalls ein Zeichen für Sorgfalt und Disziplin, um die Angst vor der bedrohlichen Situation des „Paukens“, wie das Fechtduell auch genannt wird, zu überwinden.

Farbentragend bezeichnet die diversen Farbkombinationen, die die Studentenverbindung repräsentieren sollen, auch als „Coleur“ bekannt. Die Pomerania tragen himmelblau-weiß-schwarz, wobei die Farbe schwarz die Freundschaft und ewige Treue der Mitglieder zueinander ausdrücken soll.

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Talare: Mehr als Muff von tausend Jahren

1.2.1_3_lose Sammlung

1.2.1_3_lose Sammlung

Im heutigen Beitrag geht es um Talare. Das sind Obergewänder, die von Professoren, Absolventen und Juristen  zu offiziellen Anlässen getragen wurden. In sehr seltenen Fällen werden sie auch noch heute getragen.  Das Wort Talar stammt vom lateinischen talaris ab. Übersetzt bedeutet talaris vestis knöchellanges Gewand. Der Talar wurde bereits im Mittelalter aufgrund der kalten und zugigen Universitätshallen als Überkleid getragen.

In den 1920er Jahren bis 1951 fanden an der Aachener Universität Diskussionen statt, in denen das Tragen von Talaren thematisiert und mehrheitlich durch Abstimmung beschlossen wurde  (Sig.: 1476). Optisch veränderten sich die Talare im Laufe der Zeit. Die Talare unterschieden sich in ihren Farben und Verarbeitungen, was ermöglichte, verschiedene universitäre Positionen auf den ersten Blick zu erkennen und zu unterscheiden. Der Rektor beispielsweise trug einen purpurfarbenen und goldverbrämten (am Saum verzierten) Mantel, und der Prorektor trug selbigen in dunkelrot. Farblich waren  ebenfalls Aufschläge für die jeweiligen Institute festgelegt worden, zum Beispiel hellrot (blutrot) für die Medizin (Sig.: 1476). Viele Professoren besaßen eigene Talare, aber es bestand auch die Möglichkeit, diese von der Universität zu leihen. Es gab auch Professoren, die ihre Talare verkauften, wie ein Brief aus Halle an die RWTH belegt, in dem ein Professor seinen Talar zum Verkauf anbot (Sig.: 947). Zudem besitzt das Hochschularchiv in seinen Beständen viele Rechnungen zu Talaren. Die Kosten für die Festgewänder, welche die Universität oftmals vorstreckte, wurden von den Professoren dann in mehreren Raten zurückgezahlt  (Sig.: 1476).

Die Problematik der Talare wurde auch in der studentischen 1968er-Bewegung aufgegriffen. Doch was waren die allgemeinen Ziele dieser studentischen Bewegung? Ende der 1960er Jahre gab es u.a. viele Demonstrationen von Studenten gegen den Vietnam-Krieg und die Notstandsgesetze von 1968. Dazu kam die Auseinandersetzung von Studenten mit älteren Professoren, welche von der Zeit des Nationalsozialismus geprägt waren. Man wollte eine Veränderung an den Universitäten, die RWTH Aachen mit inbegriffen, sowie eine Aufarbeitung des Zeitraumes von 1933 bis 1945 bewirken, um daraus Konsequenzen und somit politische Verhaltensänderungen zu ziehen. Im Zeitgeist dieser Bewegung wurde auch das Tragen der Talare als Anzeichen für die Rückschrittlichkeit der Universitäten gesehen.  Kritisiert wurde die zeitgemäße Symbolik der Talare, welche für ein Überleben alter Vorstellungen und Werte stand. Durch ein Transparent aus Hamburg mit dem Aufdruck Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren geriet die Problematik der Talare vermehrt in die Schlagzeilen. Somit wurde das  zunehmend schlechte Image der Talare innerhalb der studentischen Bewegung verstärkt.

Juliane Hoheisel hat hierzu einen wissenschaftlichen Aufsatz mit dem Titel „Zwischen Muff und Würde. Verschwinden und Wiederkehr des Talars an deutschen Universitäten nach 1945“ verfasst. Forschungsschwerpunkt ist der Zeitraum von 1945 bis in die 1990er Jahre; es wird ein umfassender Einblick in die Thematik der Talare gegeben. Hoheisel erläutert in ihrem Werk eindrucksvoll die Talarkultur im Wandel der Zeit, weshalb wir, als Team des Hochschularchivs, diesen Aufsatz nur weiterempfehlen können. Hinterfragt wird von Hoheisel, ob  die knöchellangen Gewänder nach heutigem Wissensstand noch getragen werden sollten. Dies ist eine sehr interessante Frage. Lesen Sie sich doch auch einmal ein!

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Jahresbericht 2021 des Hochschularchivs der RWTH Aachen

Hochschularchiv von außen

Homeoffice bestimmte auch in diesem Jahr nach wie vor unseren Arbeitsalltag. Sowohl die Mitarbeiter des Hochschularchivs als auch unsere Praktikanten erledigten einen großen Teil der Aufgaben von zu Hause aus. Genutzt wurde hierfür überwiegend der Cloud-Dienst Sciebo. Jedoch wird voraussichtlich im Sommer 2022 ein eigener Server genutzt werden können, wodurch unsere Arbeitsprozesse noch weiter digitalisiert und effizienter werden können. Der Sciebo-Speicherplatz wurde bereits in diesem Jahr um 500GB für uns erhöht, womit wir mehr Speichermöglichkeiten haben. Allgemein wurden mehr potenzielle Aufgaben für das Homeoffice geschaffen, um stets produktiv sein zu können.

Im Sommer 2021 konnten wir zeitweise unter Berücksichtigung der aktuellen Schutzmaßnahmen wieder verstärkt vor Ort arbeiten. Unsere zahlreichen Praktikanten unterstützten uns in dieser Zeit tatkräftig dabei, die Aufgaben abzuarbeiten, welche im Homeoffice nur bedingt oder gar nicht bearbeitet werden konnten.

Aufgrund der steigenden Covid-Fallzahlen sind wir seit dem Winter wieder verstärkt im Homeoffice aktiv. Außerdem trat die 3G-Regel im Hochschularchiv für Mitarbeiter und Benutzer in Kraft. Trotz dieser Umstände sind wir weiterhin bemüht, eine Nutzung vor Ort unter Berücksichtigung der aktuellen Maßnahmen zu ermöglichen.

Aufgrund unserer begrenzten räumlichen Kapazitäten war das Hochschularchiv weiterhin auf der Suche nach neuen Optionen. Ein Ausweichkeller wurde uns zur Lagerung von Archivalien im politikwissenschaftlichen Institut angeboten. Erste Messungen wurden vorgenommen, um die Archivtauglichkeit zu überprüfen. Aufgrund einer defekten Lüftung müssen die Messungen jedoch erneut vorgenommen werden, da die Luftfeuchtigkeit starke Schwankungen aufwies. Solche bedeuten für Archivalien immer eine Gefahr, da so die durchaus reale Gefahr der Schimmelbildung besteht. Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Lüftung noch nicht repariert. Neue Messungen werden voraussichtlich im neuen Jahr vorgenommen in der Hoffnung, dass dieser Ort doch als Ergänzung unserer räumlichen Kapazitäten fungieren kann.

Das Projekt der Promotionskarten von 1901 bis 2000 wurde in diesem Jahr weitergeführt. Es ist abzusehen, dass wir dieses Projekt 2022 beenden können. Im Anschluss werden wir verstärkt einen Teil der Vorlesungsverzeichnisse im Homeoffice digitalisieren.

Um die Öffentlichkeit weiterhin am Archivalltag teilhaben zu lassen, wurden pro Woche drei Beiträge auf unseren Social-Media-Kanälen veröffentlicht sowie pro Monat drei Blogbeiträge auf unserer Webseite publiziert.

2021 haben uns drei Mitarbeiterinnen verlassen, welchen wir an dieser Stelle noch einmal weiterhin viel Erfolg auf ihren Wegen wünschen. In das Team ist dafür eine ehemalige Praktikantin als Mitarbeiterin dazu gekommen.

Insgesamt haben wir als Team 2021 produktiv gemeistert. Optimistisch schauen wir auf den kommenden Sommer und hoffen, dass durch den neuen Server mehr Möglichkeiten für unsere Arbeitsprozesse gegeben sind.


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Kalenderbild Januar 2022: Alle Wege führen zum Dom (omnes viae cathedralem ducunt)

Sig. 964b

 Das erste Kalenderbild dieses Jahres zeigt einen Stadtplan Aachens vom Ende der 1940er Jahre. Wie in der Legende zu sehen ist, sind einige Sehenswürdigkeiten eingezeichnet worden, die nachfolgend gemäß Ihrer Nummerierung vorgestellt werden sollen.

① Das Reiff-Museum wurde 1908 eröffnet und umfasst die Sammlung des Professoren für Figuren- und Landschaftszeichnen des Kunsthistorischen Instituts, Franz Reiff. Heute befindet sich in dem Gebäude die Fakultät für Architektur.1 (Link momentan nicht erreichbar) 2Zum Reiff-Museum haben wir im April auch einen Beitrag auf Instagram und Facebook gepostet.

② Das Suermont Museum, oder auch Suermont-Ludwig Museum, befindet sich auch heute noch in dem früheren Stadtpalais eines Kratzenfabrikanten und wurde im Jahre 1901 an jenes angebaut.3

③ Die Gaststätte zum Bärenhof existiert heutzutage nicht mehr, jedoch gibt es an diesem Standort ein anderes Restaurant mit ähnlichem Namen.

④ Die Pädagogische Akademie existiert heute in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr. Nach 1945 wurden aus den Pädagogischen Akademien Pädagogische Hochschulen.(vgl. BLANKERTZ, Herwig: Die Geschichte der Pädagogik. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart, Wetzlar 1992, S. 241 ff.) 1980 wurde die Pädagogische Hochschule in Aachen der RWTH eingegliedert.5 Seit 1989 existiert jedoch keine pädagogische Fakultät mehr, sodass die Verantwortung für das Lehramt seitdem weitestgehend der Philosophischen Fakultät obliegt.6

⑤ Das Priesterseminar wurde 1932 gegründet und dient der Aus- und Weiterbildung römisch-katholischer Priesteramtskandidaten.7

⑥ Mit „Studentenbunker“ wird wohl der im Jahre 2013 abgerissene Bunker an der Rütscherstraße gemeint sein, der während des Zweiten Weltkriegs die Anwohner vor Bombenanschlägen geschützt hatte.8

⑦ Das Neue Kurhaus wurde 1916 fertiggestellt und hat seitdem einige Veränderungen durchgemacht. Nachdem es im Zweiten Weltkrieg großen Schaden genommen hatte, wurde es im Februar 1953 nach seiner Wiederinstandsetzung als Veranstaltungsort für Konzerte und andere Events wiedereröffnet. Das 1976 dort eingezogene Casino wurde 2015 aufgrund von Sanierarbeiten am Kurhaus, zunächst vorübergehend, verlegt. Nach mehreren Interessenten und einer mehr als Verdopplung der angedachten Sanierungskosten, wird das Gebäude nach Fertigstellung voraussichtlich vom benachbarten Eurogress mitgenutzt werden (vgl. Stadt Aachen (Hrsg.): Aachen im Aufbau 1952. Verwaltungsbericht der Stadt Aachen für das Jahr 1952, Aachen 1953, S. 87). 9

⑧ Am Theaterplatz befindet sich noch immer das 1825 eröffnete Theater und seit 1963 die Reiterstatue „Der fröhliche Hengst“ von Gerhard Marcks.10 11

⑩ Der Hangeweiher im 1910 angelegten Kaiser-Friedrich-Park gehört auch heute noch zu den beliebten Ausflugszielen Aachens. Das dort 1850 eröffnete und auch heute noch genutzte Freibad, war damals die erste Aachener Schwimmanstalt.12

⑫ Die Stadtbibliothek wurde im Juli 1831 eröffnet nachdem der 1828 verstorbene Ratsherr Peter Dautzenberg der Stadt seine umfangreiche Bibliothek überlassen hatte, mit der Bedingung diese mit der Ratsbibliothek zusammen der Öffentlichkeit nutzbar zu machen. Die Stadtbibliothek wurde zudem 1977 mit der 1936 gegründeten Stadtbücherei zusammengelegt.13

⑬ Zum Quäkerklubhaus haben die Recherchen leider nichts ergeben. Die Quäker oder auch die Religiöse Gemeinschaft der Suchenden, sind eine Gemeinschaft von Suchenden ohne Dogma, die ihre Lebensart teilen. Die Quäker Aachen wurden im Jahre 1946 gegründet.14

⑯ Zum Filmtheater Bavaria konnte nur folgendes ermittelt werden: Im Jahre 1951 wurde das „Neue(s) Bavaria“ am Holzgraben eröffnet.  Es wird jedoch an einer Stelle auch erwähnt, dass es zuvor das Aachener Bavaria-Theater gegeben habe.15

Zu den Orten Café Küppers, „Die Brücke“ (Hindenburgstraße) sowie zu den Filmtheatern Kaiserstraße und Skala konnten leider keine Informationen gefunden werden.

Bei genauerem Blick auf die Stadtkarte lassen sich Änderungen im Straßenverlauf feststellen. So kam beim alten Kurhaus (heute Bushof) die Hauptstraße (Kurhausstraße) parallel zur Komphausbadstraße dazu.
Es haben sich außerdem Straßennamen verändert, so heißt zum Beispiel die Straße, die zum Theaterplatz führt, heutzutage Theaterstraße und nicht mehr Hindenburgstraße.

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Kalenderbild Dezember 2021: Besinnlichkeit und Rückkehr zum Wesentlichen

Weihnachtskarte an die RWTH Aachen von 1963; Quelle: Akte 166

 

Zum Abschluss unserer Kalenderbildreihe 2021 präsentiert euch das Hochschularchiv – natürlich passend zur Jahreszeit – eine Weihnachtskarte, die im Jahr 1963 an die RWTH Aachen geschickt wurde.

Bei dem Motiv auf der Karte handelt es sich um eine schlichte und minimalistische Zeichnung in schwarz-weiß. Gezeigt wird eine winterliche Szenerie im Wald: Ein Eichhörnchen klettert einen Baum hoch, während eine kleine Gruppe von Rehen Richtung Futterkrippe wandert.

Trotz Schlichtheit, Farblosigkeit und fehlender christlicher Symbolik wirkt das Motiv dennoch nicht weniger weihnachtlich.

Das mag einerseits darauf zurückzuführen sein, dass das Weihnachtsfest im Winter stattfindet und Darstellungen von verschneiten Landschaften, Nadelwäldern oder Tieren an einer Futterkrippe unweigerlich mit der Winterzeit und diese wiederum mit Weihnachten assoziiert werden.

Andererseits lässt sich diese Gleichsetzung von winterlichen und weihnachtlichen Motiven auch mit einer fortschreitenden Verweltlichung des Weihnachtsfestes erklären. Inzwischen hat Weihnachten über seinen theologischen Ursprung hinaus einen globalen Feierstatus erlangt, der deutlich über den Bezug auf ein rein christliches Fest und die Kirche hinausreicht. So wird die Weihnachtszeit in „westlichen Ländern christlichen Glaubens“ auch in nicht-christlich geprägten Familien mitsamt ihren Bräuchen und Traditionen (oder zumindest Elementen davon) zelebriert.

Kritiker sehen hier vor allem eine Verunreinigung des modernen Weihnachtsfestes durch religionsfremde Motive und Erscheinungsformen.

Genannt wird u. a. der Begriff der Profanierung, womit die Entchristlichung von Weihnachten gemeint ist: Der theologische Gehalt verliert an Bedeutung, während zunehmend Kitsch und Sentimentalität im Vordergrund stehen.

Ein weiterer Kritikpunkt wird mit dem Begriff der Kommerzialisierung beschrieben: Weihnachten gilt im Einzelhandel bekanntermaßen als umsatzstärkste Zeit des Jahres. Traditionell wird die Weihnachtszeit mit der Adventszeit eingeläutet, dagegen startet die Weihnachtssaison im Einzelhandel mit der Vorweihnachtszeit, deren Beginn nicht klar definiert ist, häufig schon ab Ende August/Anfang September mit dem Verkauf von bspw. Weihnachtsgebäck startet.

Während die Weihnachtszeit also ursprünglich mit der Adventszeit startete und so bis zum eigentlichen Fest zunehmend eine gewisse Weihnachtsstimmung erzeugte, wird mit der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes und mit dem dadurch bedingten verfrühten Start der Weihnachtssaison im Einzelhandel eine verfrühte und künstliche Weihnachtsstimmung erzeugt.

So wird die eigentliche Bedeutung von Weihnachten in den Hintergrund gestellt. Denn unabhängig von Kommerz, Religion und Tradition ist Weihnachten inzwischen vor allem eines: ein Fest der Familie, Liebe und Besinnlichkeit.

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Die Sache mit den Schutzfristen…

Einblick in die Autorenliste zum Jahrbuch der Technischen Hochschule zu Aachen Erster Jahrgang 1941

Dem Hochschularchiv wurde vor einiger Zeit dankenswerterweise von der Hochschulbibliothek das Digitalisat zum Jahrbuch der Technischen Hochschule zu Aachen (Erster Jahrgang) 1941 überlassen. Das Buch ist derzeit bei uns nicht mehr auffindbar.

Durch Recherchen ist uns bewusst geworden, dass wir nicht das vollständige Digitalisat veröffentlichen dürften, denn zu den vielen unterschiedlichen Autoren gehören jeweils andere urheberrechtliche Schutzfristen, die es zu beachten gilt. Gemeinfrei sind nur Beiträge, deren Autor 70 Jahre tot ist.
Die Einsicht in das Dokument bei uns stellt jedoch kein Problem dar.

Die Mitarbeiter:innen des Hochschularchives haben zu jedem Autor die Lebensdaten sowie den groben Werdegang zusammengetragen. Diese Übersicht zeigt, wer damals für das erste Jahrbuch schrieb.

 


Allgemein gelten bei personenbezogenen Dokumenten folgende Schutzfristen, die sich von der urheberrechtlichen Schutzfrist unterscheiden:

  • 10 Jahre nach dem Tod;
  • 100 Jahre nach der Geburt (falls das Todesdatum unbekannt ist);
  • 70 Jahre nach Entstehung (falls sowohl das Todes-, als auch das Geburtsdatum unbekannt sind).
Diese Schutzfristen gelten natürlich nicht für gedruckte Veröffentlichungen. Aber bei deren Nachnutzung ist die urheberrechtliche Schutzfrist zu beachten.

 

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Ein Praktikum im „Gedächtnis“ der RWTH

Für mein Studium der Gesellschaftswissenschaften war ich auf der Suche nach einem Pflichtpraktikum. Doch einen Praktikumsplatz während einer Pandemie zu finden, stellte sich für mich als eine große Herausforderung heraus. Fast ein halbes Jahr lang bekam ich immer die selbe Antwort: „Aufgrund der Coronaauflagen können wir aktuell keine Praktikant*innen aufnehmen.“ Umso glücklicher war ich, als ich bereits nach einigen Tagen eine Antwort vom Hochschularchiv der RWTH bekam. Nach einem kurzen Austausch per E-Mail und einem Vorstellungsgespräch über Telefon wurde mir ein Platz in zwei Wochen zugesagt.

Schon vor meinem Praktikum war ich an der Archivarbeit interessiert und überlege nach meinem Studium eine Ausbildung zur Archivinspektorin zu absolvieren. Daher erfreute es mich, endlich einen ersten Eindruck hinter die Kulissen eines Archivs zu bekommen.

Bereits an meinem ersten Arbeitstag wurde ich sehr freundlich von Filis empfangen. Sie zeigte mir die Räumlichkeiten und übergab mir einen strukturierten Praktikumsleitfaden, inklusive dem Zugang zu einer Anzahl an Anleitungen.

Dadurch, dass sich zur Anfangszeit meines Praktikums nur maximal zwei Personen im Archiv aufhalten durften, bestand die erste Zeit meines Praktikums hauptsächlich daraus, einige obligatorische Aufgaben von zu Hause zu erledigen. Doch entgegen meiner Erwartungen, dass dieser Abschnitt meines Praktikums sehr eintönig werden würde, bekam ich eine große Anzahl verschiedener Aufgaben. Promotionskarten digitalisieren, verschiedenste Artikel schreiben und Transkribieren alter Matrikelbücher waren nur ein paar meiner Aufträge.

An dieser Stelle muss ich ein Lob und meinen Dank an Herrn Graf und alle Mitarbeiter*innen des Hochschularchivs aussprechen, welche mir vom ersten Tag an, insbesondere durch den Praktikumsleitfaden und die Anleitungen, eine klare Struktur für mein Praktikum trotz der vielen Stunden im Homeoffice gezeigt haben. Während meiner Zeit im Homeoffice waren sie immer zu erreichen und standen bei Nachfragen hilfsbereit zur Seite. Außerdem stellten sie durch eine Reihe an Zoom-Gesprächen sicher, dass ich auch zu Hause ständig Kontakt zu verschiedenen Mitarbeiter*innen hatte.

Meine liebsten Aufgaben während meiner Zeit war das Verfassen verschiedenster Artikel für die Social-Media Plattformen des Archivs. Da ich auch in meiner Freizeit gerne Texte verfasse, machten mir vor allem die kreativen Aufgaben Spaß. Ich durfte für Instagram und Facebook eine Reihe an „Bilderfreitagen“ erstellen, dessen Thema ich mir selbst aussuchen durfte. Außerdem habe ich eine Reihe an Artikeln für die Webseite verfasst, wie zum Beispiel einen Bericht über Talare während der 68er-Bewegung oder einen Beitrag aus der Reihe der Kalenderbilder.

Neben den Arbeiten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit haben mir aber auch besonders gut die archivarischen Tätigkeiten gefallen. Beispielsweise die Module „Paläographie“ (Transkribieren alter Texte) und „Urheberrecht“ bei Herrn Graf haben mir einen tiefen Einblick in den Arbeitsalltag eines Archivars gegeben. Speziell diese Module brachten mir sehr viele neue Fähigkeiten bei und machten mir bewusst, warum sich das Archiv selbst als „Gedächtnis“ der RWTH bezeichnet.

Am interessantesten war jedoch das Reparieren alter Akten. Denn ich persönlich finde es sehr spannend, durch das Herumblättern einen Einblick in das Leben der Vergangenheit zu bekommen und dafür zu sorgen, dass die Geschichte erhalten bleibt.

Nach dem Abschluss meines Praktikums im Hochschularchiv der RWTH Aachen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass mir die Arbeit in einem Archiv sehr viel Spaß macht. Das Praktikum hat mir in meiner beruflichen Orientierung weitergeholfen, da mir sowohl die archivarischen Tätigkeiten als auch besonders die Öffentlichkeitsarbeit gezeigt haben, dass ich mir einen Beruf in diesem Bereich vorstellen kann. Durch die unterschiedlichen Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit waren immer wieder meine Kreativität und Eigeninitiative gefragt. Ich habe mich stets zum Team dazugehörig gefühlt, da mir von Anfang an diese Aufgaben ohne Bedenken überlassen wurden und ich Verantwortung übernehmen durfte. Daher kann ich jedem empfehlen, der sich für Archivarbeit und unsere Geschichte interessiert, ein Praktikum im Hochschularchiv der RWTH Aachen zu absolvieren.

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Kalenderbild November 2021: Studentenverbindungen unter dem Druck des Nationalsozialismus – Karikaturen aus dem Album der „Pomerania“

Karikaturen im Pomerania Album, 1933/1934 Quelle: Pomerania Fotoalbum 7.1.39-41

Das Kalenderbild des Monats November zeigt eine Auswahl an Karikaturen aus dem Fotoalbum der Studentenverbindung „Pomerania“ in Aachen. Entstanden sind diese in den Jahren 1933/34. Das Album enthält eine Reihe an Fotos, Flugblättern und Karikaturen dieser Verbindung und wurde von unserem Archivar Herr Dr. Klaus Graf für das Hochschularchiv erstanden.

Ursprünglicher Besitzer des Albums war Kurt Grünwald, geboren am 03.10.1909 in Essen. Er studierte Ingenieurwissenschaften an der RWTH Aachen ab 1929 und trat im selben Jahr in die Studentenverbindung ein. In seinem Album sammelte Grünwald Erinnerungen an Aktivitäten und Feste der „Pomerania“ in Form von Fotografien. Es sind aber auch einige Karikaturen zu finden, welche einen Einblick in die Gefühlswelt und das Alltagsleben der Landsmannschaft geben. Ob Grünwald diese Karikaturen selbst zeichnete oder diese von anderen Personen erhielt, ist leider nicht bekannt.

Im Jahre 1939 kehrte Kurt Grünwald mit einem abgeschlossenen Studium und dem Titel „Diplomingenieur“ in seine Heimatstadt Essen zurück. Er verstarb am 09.06.1976 in Melle (Niedersachsen).

Die offizielle Gründung der Landsmannschaft Pomerania fand am 09. November 1792 statt. Studenten aus Pommern, welche an der Universität Halle an der Saale studierten, schlossen sich zu dieser Verbindung zusammen. Daher leitete sich auch der Name „Pomerania“ ab. Einige Unterlagen belegen jedoch, dass ihre Wurzeln bis in das Jahr 1717 zurückreichen. Damit ist sie eine der ältesten Studentenverbindungen Deutschlands. Die Farben der „Pomerania“ sind Blau und Weiß, wie die pommerschen Landesfarben. Mitglieder tragen himmelblaue Mützen. Füxe, so werden eventuelle Anwärter auf einen Platz in der Verbindung genannt, tragen zusätzlich ein sogenanntes Fuchsenband in den Farben blau-weiß.

Die „Pomerania“ in Aachen wurde eigenständig im Jahre 1920 am Polytechnikum in Wismar als „Freie Verbindung Pomerania“ gegründet. Im Jahre 1922 siedelte sie dann nach Aachen um und nannte sich „Freie akademische Verbindung Pomerania“. Am 02.03.1924 wurden sie dann in eine Landsmannschaft umgewandelt und damit in die DL (Deutsche Landsmannschaft) aufgenommen.

Durch den Druck des Nationalsozialismus mussten sich die meisten Studentenverbindungen auflösen. So auch die „Pomerania“ in Halle (1936) und in Aachen (1935). Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstand die Verbindung in Aachen im Mai 1952 aufs Neue. Durch die Teilung Deutschlands und die Entstehung der DDR besaß die Universität in Halle jedoch keine Möglichkeiten für eine Neugründung. Daher entschloss man sich zu einer Fusionierung der beiden Studentenverbindungen, sodass am 18.11.1952 der Verschmelzungsvertrag unterzeichnet wurde. Bis heute existiert die Verbindung unter dem Namen „Landsmannschaft im CC der Pomerania Halle-Aachen“.

Weitere Informationen über die Geschichte der „Pomerania“ in Halle und Aachen finden sie in unserem Beitrag zum Kalenderbild des Monats Januar 2021.

Die Karikaturen entstanden während der Zeit, in der Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, und die NSDAP die Reichtagswahl im März 1933 gewann. Die Partei war schon sehr früh bemüht, studentische und akademische Mitglieder zu gewinnen. So gründete sie bereits 1926 den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB), welcher eine neue Organisationsform der Studenten in „Kameradschaften“ anstrebte. Diese sollte die Studentenverbindungen ersetzen.

Schnell wurde klar, dass auch Studentenverbindungen nicht von der Gleichschaltung ausgeschlossen waren. Mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, erlassen am 07.04.1933, durften die Nationalsozialisten politische Gegner oder jüdische Beamte ohne Grund aus dem Dienst entlassen oder in den Ruhestand versetzen. Dieses Gesetz wurde auch auf die Studentenverbindungen angewandt. So mussten von nun an die Abstammungsverhältnisse aller Mitglieder der Verbindungen geklärt werden und alle Juden, Halbjuden, Vierteljuden und mit Juden verheiratete Mitglieder ausgeschlossen werden.

Viele versuchten mit Ausnahmeregelungen oder Anträgen einen Ausschluss zu umgehen, aber die meisten Mitglieder traten freiwillig aus, um ihren Verbindungen keinen Schaden zuzufügen.

Es gab allerdings auch Studentenverbindungen, die sich weigerten, die Maßnahmen umzusetzen. Zu ihnen zählten insbesondere die Mitglieder der Convente, denen auch die „Pomerania“ angehören. Wie bereits erwähnt, konnten die Verbindungen jedoch nichts gegen die Übermacht der Nationalsozialisten tun. Und so blieb ihnen nichts anderes übrig als die Suspension (Freiwillige Einstellung des aktiven Betriebs).

Diese Karikaturen spiegeln genau diese Spannungen an den Universitäten und in den Studentenverbindungen wieder. Alle Zeichnungen wirken sehr ernst und dunkel. Keine Spur von den Festen und den guten Zeiten, die eine Mitgliedschaft in einer Verbindung einst versprach. Stattdessen erblickt man nur seriöse und traurige Motive. Wie etwa einen kleinen Mann, der die Beine eines anderen umarmt und dabei am Kopf gestreichelt wird. Oder einen Kopf, in den eine Art Bohrmaschine etwas einzupflanzen scheint. Könnten dies Andeutungen auf die Gehirnwäschen und die Unterlegenheit gegenüber der Nationalsozialisten gewesen sein?

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Philipp Lenard #deutungskämpfe

ein Beitrag des Hochschularchivs der RWTH Aachen

Im Rahmen der Blogparade #Deutungskämpfe hat Matthias Röschner vom Archiv des Deutschen Museums in München „Philipp Lenard – Physiker, Nobelpreisträger und NS-Ideologe: Konstruierte Wirklichkeit“: vorgestellt. Da der spätere Nobelpreisträger Lenard auch an der Technischen Hochschule in Aachen kurze Zeit wirkte, stellte sich für uns die Frage, was wir aus Archivalien unseres Archivs zu Lenard beisteuern können. Das ist leider sehr wenig.

Philip Lenard war von 1896-97 als Dozent für Physik an der RWTH Aachen tätig[1]. Adolf Wüllner warb Lenard an, um die Nachfolge des ordentlichen Professors Otto Wiener anzutreten, welcher nach Gießen berufen wurde[2]. Auch wenn die Anstellung in Lenards Augen vorerst ein Rückschritt bedeutete, da er eine niedrigere Position einnahm als in Breslau, konnte er in Aachen umgehen mit der praktischen Arbeit beginnen. Hier machte Lenard u. a. wichtige Teilentdeckungen zur der Strahlung von Röntgen, welche nach Aussagen Lenards jedoch nicht gebührend Erwähnung fanden[3]. Philipp Lenard zählte von 1886/97 zu den Extra-Ordinarien der RWTH[4].

Es gibt nur wenige Dokumente zu Lenard im Hochschularchiv. Er erscheint in den Vorlesungsverzeichnissen: VV 1896/97 S. 12, 117; VV 1897/98 S. 122. Außerdem sind Auszüge aus den Akten 508a und 964b sowie die Karteikarte zu Lenard sind bei uns online einsehbar.

Eine kleine biographische Eintragung zu Lenard lässt sich ebenso in der Übersicht der Übersicht der Professor:innen und Dozent:innen der RWTH Aachen in den Digitalen Angeboten des Hochschularchivs der RWTH Aachen finden.

Fußnoten:
[1] Hochschularchiv RWTH Aachen Akte 508a
[2] Hochschularchiv RWTH Aachen Akte S5020, darin: Philipp Lenard: Erinnerungen eines Naturwissenschaftlers. Der Kaiserreich, Judenherrschaft und Hitler erlebt hat, S. 41 ff.
[3] ebd.
[4] Hochschularchiv RWTH Aachen Akte 964b

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Kalenderbild Oktober: Ein Sprung in die Vergangenheit der RWTH

Deutsches Akademisches Jahrbuch – Daten der Technischen Hochschulen, Leipzig Verlag von J.J. Weber von 1877 (Quelle: Hochschularchivbibliothek Ba 1877)

Der Kalenderbildbeitrag im Oktober 2021 ist über das „Deutsche Akademische Jahrbuch – Daten der Technischen Hochschulen“ aus dem Jahre 1877. Das Buch ist nicht nur ein Hingucker für sich, sondern enthält auch eine Vielzahl von aufschlussreichen Informationen über nationenübergreifende Universitäten im Jahr 1875/1876.

Das Deutsche Akademische Jahrbuch kann mit anderen Jahrbüchern verglichen werden. Ein Beispiel hierfür ist das Jahrbuch der Rheinisch-Westfälische Technischen Hochschule. Der größte Unterschied hierbei ist das breite Spektrum von Universitäten und Fakten.

In den Jahrbüchern der RWTH-Aachen erhält man einen breit gefächerten Einblick in die Leistungen und Fortschritte, welche die RWTH in diesem Jahr erbracht hat. Allerdings ist dies nicht der einzige Fokus dieser Werke. In den Jahrbüchern der RWTH erhält man auch die unterschiedlichsten Erhebungen und Diagramme in Bezug auf die Studierendenanzahl der entsprechenden Jahrgänge. Anders ist es bei dem Deutschen Akademischen Jahrbuch. Hier liegt die Besonderheit darin, dass viele unterschiedliche Universitäten aufgelistet werden. Beispiele hierfür wären die Preußische Universität in Breslau oder die Deutsche Reichsuniversität in Straßburg.

Des Weiteren erhält man auch Informationen über eine mögliche Aufnahme in das Studium an der RWTH, ebenso wie die Kosten der akademischen Ausbildung sowie über mögliche Stipendien und Fördermöglichkeiten.

Im Falle der RWTH Aachen, welche zum Zeitpunkt des Buches noch den Namen „Königlich Rheinisch-Westfälische Polytechnische Schule“ trug, erhält man einen knappen Einblick in die Geschichte und Gründung der heutigen Hochschule. Anders als bei den nachfolgenden Jahrbüchern wird nicht nur die Studierendenzahl erhoben, sondern auch nach Herkunft und Abschluss unterteilt. Daraus erschließt sich eine weitaus detailliertere Statistik. Bereits 6 Jahre nach der Gründung 1870 brachte die Hochschule mehr als 400 Studierende aus den unterschiedlichsten Ländern und mit verschieden angestrebten Abschlüssen unter.

Wer mehr über die Gründung und die Geschichte der RWTH erfahren möchte, kann sich auf den Seiten der RWTH informieren und ist beim Hochschularchiv an der richtigen Adresse.

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Jahresbericht 2020 des Hochschularchivs der RWTH Aachen

Das Jahr 2020 war für unser Archiv nicht nur aufgrund der Pandemie besonders anspruchsvoll, sondern auch da das 150-jährige Hochschuljubiläum in dieses Jahr fiel. Dementsprechend gab es schon vor allem Ende des Jahres 2019 eine erhöhte Anfragendichte, die jedoch noch ohne die Problematiken des Homeoffice bewältigt werden konnte. Das aufgrund der Pandemie das Jubiläumsjahr an der RWTH nicht so imposant gefeiert werden konnte, wie sich von allen Beteiligten gewünscht, ist für uns jedoch selbstverständlich. Wir hoffen, dass die öffentlichen Feierlichkeiten nach der Krise nachgeholt werden können.

Mit einem Homeoffice-Konzept wurde von Hochschularchiv ab Mitte März 2020 gearbeitet. Das erste Konzept war darauf aufgelegt das insgesamt nur 8 Stunden vor Ort gearbeitet werden durfte. Inzwischen arbeitet die Hälfte der Belegschaft (3 der 6 festangestellten Hiwis) ihre komplette Arbeitszeit über oder zumindest große Teile ihrer Arbeitszeit über vor Ort. Dabei wird jedoch darauf geachtet, dass immer nur eine Person vor Ort ist. Generell ist es jedoch allen Mitarbeitern freigestellt auch komplett im Homeoffice zu arbeiten.

In den Zeiten des harten Lockdowns wurden bei Anfragen vermehrt mit Digitalisaten gearbeitet, um auszugleichen, dass die Benutzer nicht vor Ort die Akten einsehen konnten. Wir sind stolz darauf auch innerhalb dieser schwierigen Zeiten Anfragen innerhalb von ungewöhnlich kurzer Zeit beantwortet haben zu können. 

Der Austausch von Dateien wird über die Dropboxalternative „Sciebo“ vorgenommen und funktioniert so weit sehr gut. Die vor Ort arbeitenden Mitarbeiter versorgen dadurch die im Homeoffice befindenden Personen.

Die Absprache der Mitarbeiter untereinander sowie mit den Praktikant/Innen erfolgte durch eine Whatsapp-Gruppe (später Telegram-Gruppe), sowie Absprachen untereinander via Text, Sprachnachrichten und Telefonaten. Außerdem schrieben schon vor der Pandemie die Mitarbeiten Rundmails in Form von „Tagesmitteilungen“, in welchen sie die erledigten und ausstehenden Arbeiten des Tagesgeschäfts für alle zusammenfassen. Zudem führte jeder Mitarbeiter einmal die Woche ein Telefonat mit dem Geschäftsführer Herr Dr. Klaus Graf.

Während des „new normals“ hat sich das Hochschularchiv der RWTH Aachen dennoch entschlossen weiterhin Praktikant/Innen zu betreuen und diesen Entschluss nicht bereut. Unser Archiv möchte vor allem Geisteswissenschaftlern im Bachelor, welche ein Pflichtpraktikum benötigen, somit die Chancen geben ihr Studium in Regelstudienzeit abzuschließen. Die Betreuung der Praktikanten findet je nach Regelungen der Regierung und eigenem Ermessen der Mitarbeiter entweder online oder vor Ort statt. Dennoch wird stetig daran gearbeitet die Qualität des Praktikums hoch zu halten. Module, welche die Praktikanten im Laufe ihres Aufenthalts im Hochschularchiv durchlaufen werden, werden sofern möglich und notwendig, online gehalten.

Da wir als Team versucht haben nicht nur die Einschränkungen, sondern auch die Chancen der Pandemie zu erkennen, haben wir uns verstärkt auf ein Verzeichnisprojekt konzentriert, welches auch von Zuhause aus durchgeführt werden konnte. Dadurch konnte ein großer Anteil der Promotionskarten von 1901-2000 im Homeoffice verzeichnet und bald der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Zudem hat das Hochschularchiv seine Beitragsfrequenz in den Social Media Kanälen (Instagram, Facebook und dem eigenen Blog) erhöht um in einer Zeit, in der so häufig Transparenz fehlt welche zu liefern.

Wenn wir auf das Jahr 2020 zurückblicken, können wir als Team dementsprechend mit Stolz feststellen, dass wir uns der Krise gestellt und sie gut gemeistert haben. Das „new normal“ wurde von uns verinnerlicht und wir achten sehr auf die Einhaltungen der Regelungen der Regierung und der Universität, dennoch versuchen wir alles in unserer Macht stehende zu tun, um den Arbeitsbetrieb dennoch reibungslos aufrechtzuerhalten.

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Tag des offenen Denkmals 2021 – Schein & Sein

Am Sonntag, dem 12.09.2021, fand nach einem Jahr digitaler Pause wieder der Tag des offenen Denkmals auch bei uns statt. Trotz langer Pause fanden dennoch einige Besucher den Weg zu uns. Themen des Tages waren, dargeboten in verschiedenen Vorträgen, das Regierungsgebäude, die Separatistenbewegung und unsere Archiv- und Öffentlichkeitsarbeit.

Vortrag über das alte Regierungsgebäude und die Gedenktafel an seiner Fassade
Herr Dr. Graf hält im inneren des Gebäude einen Vortrag zur Separatistenbewegung im Rheinland

Neben diesen Vorträgen öffneten wir auch die Pforten unserer Magazine. Unser Archivar Herr Dr. Graf stellte in unseren „heiligen Hallen“ unsere tägliche Arbeit und unser Archiv an sich vor. Unsere Mitarbeiterin Frau Falldorf stellte dazu den Bereich der Bestandserhaltung vor – eine unserer zentralen Aufgaben als Archiv.

Die praktische Bestandserhaltung gezeigt an diversen Gerätschaften

Passend zum Thema der Veranstaltung – Schein & Sein – stellten wir unseren Besuchern zudem Archivalien zum medienbekannten Fall Schwerte/Schneider vor.

Wir bedanken uns herzlich bei unseren Besuchern für ihr Interesse und verabschieden uns – bis zum nächsten Jahr!

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Kalenderbild September 2021: Büffetrechnung anlässlich der Feier der Kammersieger an der RWTH

Lieferbestätigung der Restaurant Elisenbrunnen GmbH für die RWTH Aachen, 26.09.1978 (Quelle: Akte 12121)

Das Kalenderbild des Monats September zeigt eine Bankett- und Veranstaltungsbuchung des Restaurants Elisenbrunnen für die RWTH Aachen aus dem Jahre 1978. Anlass war eine Feier zu Ehren der Leistungswettbewerbe der deutschen Kammern. Hierbei handelt es sich um einen jährlichen Wettbewerb der deutschen Handwerkskammern. Die klassenbesten Handwerker/-Innen treten zunächst auf Kammerebene und dann auf Länder- und Bundesebene an.

An der RWTH gab es gleich fünf ehemalige Auszubildende, die Preise im Wettbewerb errungen haben: In Mechanik haben Hans Fourné, Angel Alvarez-Mendez und der Feinmechaniker Heinz Rochhausen in ihrem jeweiligen Fach sogar einen Platz unter den bundesweit besten Drei erreicht. Der Feinmechaniker Guido Xhonneux landete auf dem dritten Platz auf Landesebene, die Tischlerin Ursula Mahneke wurde zwar Kammerbeste, schied aber aufgrund gesundheitlicher Probleme für den nächsten Wettbewerb aus. Karl Klinner war in seinem Mechanik-Fach ebenfalls Kammersieger.

Anlässlich der Umstände lud der damalige Rektor der RWTH, Prof. Dr. Ottmar Knacke, für den 26.09.1978 „im kleinen Gästekreis die Sieger der Leistungswettbewerbe der deutschen Kammern aus den letzten Monaten… um 18:30 im Gästehaus der Hochschule (Alte Maastrichter Straße) zu einem Umtrunk mit kaltem Büffet“ ein. Aufgetischt wurden Fleisch, Fisch, Salate und Backwaren. Die Getränke wurden von der Personalkantine der RWTH gestellt. Bei dem Empfang ging es ruhig zu: Laut Getränkerechnung wurden insgesamt 60 Flaschen Bier konsumiert. Insgesamt kostete die Bewirtung der Gäste die RWTH fast 800 D-Mark. Hinzu kam noch Blumengesteck und -schmuck der Hochschulgärtnerei.

Es nahmen 45 Leute an dem Empfang des Rektors teil. Darunter waren neben den Gewinner/innen noch Prorektor Gillissen, Teile der Verwaltung und des Personalrates, Verantwortliche der Betriebsschule, die Ausbilder der Sieger sowie weitere Mitarbeiter und Mitglieder der entsprechenden Institute und Meisterausschüsse.

Professor Knacke nutzte die Feierlichkeiten des Abends außerdem, um sich bei den Ausbildern zu bedanken. Allen voran galt sein Dank dem besonderen Engagement der Mitarbeiter, die sich bereit erklärten, die aufgrund der Arbeitsmarktlage schwer vermittelbaren Jugendlichen wie zum Beispiel Schwerbehinderte auszubilden.

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„Und was musst du da so machen?“ – Praktikumsbericht

Spaß beim Transkribieren

Als ich Familien/Freunden davon erzählt habe, dass ich mich für ein Praktikum im Archiv beworben habe, habe ich das ein oder andere Mal gehört: „Ah klingt interessant, aber ich glaube, für mich wäre das nichts“ oder „Und was musst du da so machen?“ Was genau zu meinen Aufgaben gehören würde, wusste ich zu Anfang auch nicht, da ich absolut keine Vorerfahrung mit Archivarbeit hatte. Da ich im Zusammenhang mit meinem Studium „Gesellschaftswissenschaften“ allerdings gerne mit jeglicher Art von Quellen arbeite, wollte ich unbedingt mal im Archivalltag mitarbeiten.

Spätestens ab dem Einführungstag war ich davon überzeugt, dass das Praktikum im Archiv abwechslungsreich sein würde. Durch einen Modulplan und „obligatorische Aufgaben“ hatte ich sofort das Gefühl, dass ich die Archivarbeit in allen Bereichen kennenlernen darf. Nach einer Führung durch die Magazine (Räume, in denen das Archivgut gelagert wird) war der erste Eindruck, den ich festgehalten habe, dass Archivarbeit „endlos“ ist und es immer was zu tun gibt.

Schon in meiner ersten Woche habe ich gelernt, wie Akten umgebettet werden (dass dabei auch ein kleines Bügeleisen verwendet wird, hätte ich vorher nie gedacht ;)), habe das Archiv durch den Dreh einer Room-Tour schnell besser kennengelernt (in den Etagen der Magazine kann man sich schnell mal verlaufen :D) und durfte erste Anfragen selber beantworten. Daran kann man sehen, dass man direkt das Vertrauen aller Mitarbeiter/innen bekommen hat, Verantwortung für eigene Aufgaben zu übernehmen. Es war ein super freundliches und angenehmes Arbeitsklima. Ich habe mich immer auf den „Arbeitstag“ im Archiv gefreut, da ich wusste, dass ich was Neues dazulernen werde. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich Sachen selber erarbeiten konnte/durfte und unter keiner Art von Zeitdruck arbeiten musste.

Als ich das Praktikum noch mal habe Revue passieren lassen für diesen Bericht, ist mir erst mal bewusst geworden, wie viel ich wirklich in diesen 7 Wochen in unterschiedlichen Bereichen gelernt habe. Dazu zählt das angesprochene Umbetten von Akten, die Beantwortung von Anfragen, das Erstellen von Social-Media-Beiträgen, die Bibliotheksorganisation, das Verzeichnen von Beständen, die Digitalisierung eines Fotoalbums und vieles mehr. Durch die Module wie Archivrecht oder Paläographie konnte ich auch theoretisches “Handwerk” lernen, um sie im Archivalltag anzuwenden. So wusste ich z. B. besser, welche Informationen problemlos übermittelt werden konnten und bei welchen Anfragen nochmals Rücksprache gehalten werden musste. Außerdem kann ich erlernte Recherchemöglichkeiten auch für das Studium verwenden, die das Finden von Quellen erleichtern.

Ein großer Dank gilt dem gesamten Archivteam für diese lehrreiche Zeit und für die Möglichkeit, trotz der Corona-Situation das Praktikum zu absolvieren.

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Die Sammlungen der RWTH Aachen – Geschichte in allen Fakultäten

Neben der Sammlung des Hochschularchivs existieren momentan neun weitere Sammlungen an der RWTH: Die Sammlung von künstlichen Herzklappenprothesen, die Sammlung des Reiffmuseums, die Röhrensammlung, die Nachrichtentechnische Sammlung, die Mineralische Sammlung, die Medizinhistorische Sammlung, die Sammlung von Getriebemodellen, die Zoologische Sammlung und die Sammlung von Mathematischen Modellen. Außerdem antwortete das Zuse-Computer-Museum, welches RWTH-extern ist und aus RWTH-Beständen Exponate übernommen hat.

Wir vom Hochschularchiv der RWTH Aachen haben in den letzten paar Monaten eine Bestandsaufnahme dieser Sammlungen gemacht. Dafür mussten viele Telefonate geführt und einige Telefonate mit den verschiedenen Fakultäten geführt werden. Doch jetzt können wir euch die überarbeitete Version der Sammlungsauswertung der RWTH zur Verfügung stellen, welche auch die aktuellen Kontaktpersonen der jeweiligen Sammlungen benennt.

Die Erstellung der Liste hat einige Monate in Anspruch genommen, dennoch sind wir als Team der RWTH Aachen sehr froh, dass wir mit dieser Ausarbeitung weitere Forschungen an der RWTH voranbringen können und hoffen, dass unsere Auswertung in Zukunft von Studenten unserer Hochschule sowie anderen Interessierten weiter ausgearbeitet und als Referenz genutzt werden kann.

Bei Rückfragen über die Sammlungen der RWTH, sowie den Materialien die das Hochschularchiv hierzu zusätzlich bereithält kann sich jedermann gerne bei uns melden. Wir freuen uns sehr auf jedes Anliegen zu antworten.

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Kalenderbild August 2021: Baloise Marine Insurance Company Ltd.

Die Aufnahme zeigt einen Teil der Sammel-Akte Nr. 1192b, die völlig unterschiedliche Inhalte bewahrt.
 
Das Schreiben mit dem schönen Briefkopf stammt aus April 1951 und wurde von der Versicherungsgesellschaft Baloise Marine Insurance Company Ltd. verfasst. Konkret geht es sich hier um die Versicherung eines Radar-Gerätes der Firma Decca Radar Limited. Genauer eines Komplett-Set „Decca Marine Radar Typ 159B“. Dieses Gerät wurde von der RWTH Aachen gekauft und musste mit einem Dampfer aus England nach Deutschland überführt werden.

Die Lieferung erfolgte am 26.04.1951 mit dem Dampfer „Krautsand-Motor-vessel“ von London nach Duisburg. Dieser Versicherungsschein ist das Zeugnis dieses Transfers.

Beeindruckend ist die Tatsache, dass das Versicherungsunternehmen, das 1863 gegründet wurde, heute noch existiert.

Sogar das Schiff lässt sich noch ermitteln: Die „Krautsand“ ist ein Frachtschiff der Stader Schiffswerfte Otte-Stade Germany. Es wurde 1950 gebaut und sein Heimathafen ist Georgetown. Das Schiff hat einem Gewicht von 618 Tonnen, iner Gesamtlänge von 50,02×7,52 m und ein Bruttoraumzahl von 384 m³. Diese und weitere Informationen können sind hier zu finden.

Wie viele Informationen man anhand eines einzelnen Aktenblattes ermitteln und rekonstruieren kann, ist jedes Mal aufs Neue faszinierend!

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Kalenderbild Juli: Ein Schmucktelegramm für die RWTH

Welche Archivalie präsentiert denn das Hochschularchiv im Juli? Richtig erkannt: Die Collage eines Schmucktelegramms vom 12.04.1957 (Signatur: Akte 12057). Dieses wurde von Prof. Hugo Strunz, Dekan der Technischen Universität Berlin-Charlottenburg, an Prof. Rudolf Jung, den damaligen Rektor der RWTH Aachen, versendet. Anlass war die Ernennung von Ernst Kohlmeyer zum Doktor ehrenhalber. Der Text auf der Innenseite lautet:

Verehrte Magnifizenz

Die Ehrung von Herrn Kollegen Kohlmeyer empfinden wir

zugleich auch als grosse Auszeichnung unserer

Hochschule in Berlin die uns verpflichten wird die

wissenschaftlich kollegialen Bande zwischen unseren

Hochschulen noch enger als bisher zu knüpfen ich habe

morgen Konfirmation meines ältesten Sohnes sodass ich 

leider am Festakt nicht teilnehmen kann darf ich meinen

Wünschen für einen guten Verlauf der Feier die Bitte

anfügen Herrn Kollegen Kohlmeyer als erster die

Glückwünsche der gesamten Berliner Fakultät zu

übermitteln.

Ihr Ihnen ergebener H. Strunz Dekan

Das Hochschularchiv besitzt darüber hinaus noch zahlreiche weitere Informationen zur Ehrung von Ernst Kohlmeyer. Neben Notizen wie z. B. Teilnehmerlisten, Sitzordnungen sowie Zu- bzw. Absagen von eingeladenen Personen sind noch ein Foto der Urkunde und der Schriftverkehr (inkl. Antrag) rundum die Titelverleihung vorhanden. Da Kohlmeyer jedoch nicht an der RWTH angestellt war, sind Informationen zu seiner Person auf einen Lebenslauf und eine Liste seiner Veröffentlichungen begrenzt. Insgesamt verfasste Ernst Kohlmeyer mehr als 75 wissenschaftliche Beträge.

Prof. Ernst Kohlmeyer (geb. 1885, gest. 1962) studierte von 1902 bis 1905 Hüttenwesen in Berlin. Während seiner Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter (1907-1912) schloss er 1909 seine Promotion ab. Nach einigen Jahren bei verschiedenen Wirtschaftsunternehmen kehrte Kohlmeyer als ordentlicher Professor für Hüttenkunde und Chemische Technologie an die Universität Charlottenburg zurück (1927-1945). Nach einer kurzen Unterbrechung  arbeitete  er als Lehrbeauftragter für Spezielle Metallhüttenkunde von 1949 bis zu seiner Emeritierung 1954. Mit der Verleihung des Titels des Ehrendoktors 1956 würdigte die RWTH Aachen seine Leistungen.

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Praktikum während der Corona-Pandemie?

Arbeiten im Homeoffice mit Katze Susi

Auf der Suche nach einem Praktikum für das Fach Literatur- und Sprachwissenschaften stand ich vor einer schwierigen Frage: Wo möchte ich später arbeiten? Praktisch gesehen kommt jeder Bereich infrage, der etwas mit Schrift oder Sprache zu tun hat. Durch eine schon früh geprägte Leidenschaft sowohl für Bücher als auch für die Vergangenheit, konnte ich die Wahl auf den Bereich der Bibliothek und des Archivs eingrenzen. Aufgrund bereits erworbener Erfahrung im Bereich der Bibliotheksarbeit fiel meine Wahl für dieses Praktikum daher auf das Archiv. Auf das Hochschularchiv im Speziellen bin ich durch eine Online-Veranstaltung über Praktika in den geisteswissenschaftlichen Fächern aufmerksam geworden.

Zunächst war ich mir unsicher, ob das Hochschularchiv während der Pandemie überhaupt noch Praktikanten annimmt. Doch diese Zweifel wurden nach einem kurzen Vorab-Telefonat behoben und einer Bewerbung stand nichts mehr im Wege.

Das Praktikum an sich fand aufgrund der Kontaktbeschränkungen zum Teil im Homeoffice statt. Anfangs hatte ich ein wenig Zweifel, ob es im Archiv denn so viele Aufgaben gibt, die von Zuhause aus erledigt werden können. Doch aufgrund der guten Organisation durch die Mitarbeiter und den vielfältigen Aufgaben im Archiv waren diese Sorgen unbegründet. Spätestens nach meinem ersten Online-Modul mit Herrn Dr. Graf stellte ich fest, dass viele Aufgaben dieses Praktikums auch im Homeoffice erledigt werden können.

Jedem Praktikanten wird zu Beginn ein Praktikumsleitfaden gegeben, auf dem verschiedene Aufgaben und Module stehen. Somit kann sichergestellt werden, dass der Praktikant bis zum Ende des Praktikums auch jeden Bereich der Archivarbeit kennengelernt hat. Ich finde dieses Konzept sehr sinnvoll. Besonders in der momentanen Situation wegen Corona, in der ich als Praktikantin verhältnismäßig wenig Zeit im Archiv verbringen konnte, kann durch diesen Leitfaden vermieden werden, dass Praktikanten sich nur mit einer Aufgabe bzw. nur mit Homeoffice-Aufgaben befassen und so nur einen kleinen Einblick ins Archiv erlangen.

Neben den vorgegebenen Aufgaben, wie zum Beispiel dem Umbetten einer Akte, Verfassen von Social-Media-Beiträgen und transkribieren von alten Handschriften, bleibt noch genug Platz für eigene Ideen und frei gewählte Aufgaben. Für mich persönlich fing das Praktikum mit Beiträgen für die Social-Media-Plattformen und Recherche für Anfragen an. Besonders gut gefallen hat mir die Bestandserhaltung, bei der Akten unter anderem von Schmutz und Metall befreit und in eine schadstofffreie Mappe neu abgeheftet werden.

Zum Abschluss möchte ich mich bei Herr Dr. Graf und allen Mitarbeitern des Archivs herzlich dafür bedanken, dass sie durch ihren Einsatz das Praktikum auch unter diesen erschwerten Umständen ermöglicht haben.

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Kalenderbildbeitrag Juni: Plakat zur Kriegsanleihe, Erster Weltkrieg

Quelle: Sammlung Plakate P34_1

Das Kalenderbild des Monats Juni zeigt ein Plakat des Ersten Weltkrieges. Dieses ist ein Teil unserer Sammlung Plakate und trägt die Signatur P34_1. Die verschiedenen Plakate habe sich über die Jahre aus verschiedenen, teils unbekannten Quellen in unserem Archiv eingefunden. Daher wurden diese in unserer Einrichtung vorliegenden Plakate zu einer gesonderten Sammlung zusammengefasst und entsprechend verzeichnet.

Auf dem zu sehenden Plakat ist ein Aufruf zu lesen:

„Helft, daß wir den Siegeslorbeer erringen

Zeichnet die Kriegsanleihe“

Das Wort „Siegeslorbeer“ nimmt Bezug auf den Lorbeerkranz, der als Zeichen des Sieges getragen wurde. Auch die Person auf dem Plakat trägt einen klassischen Lorbeerkranz in der rechten Hand und einen weiteren um das Schwert in der linken Hand. Der Lorbeerkranz und seine bildliche Manifestation reichen bis ungefähr 152 v.Chr. zurück. Bereits im antiken Griechenland wurde dem Lorbeerkranz eine große Bedeutung beigemessen, er galt damals allerdings noch als Zeichen der gesundheitlichen und moralischen Reinigung sowie der Sühne.

Mit dem Plakat wird dazu aufgerufen, Unterstützung bei der Erringung ebendieses Siegeslorbeers zu leisten. Es wird dazu aufgefordert, sich an der Kriegsanleihe zu beteiligen.

Die Kriegsanleihe ist eine Anleihe, die vom Staat ausgegeben wurde und der Finanzierung eines Krieges dienen sollte. Im konkreten Beispiel geht es dabei um die Finanzierung des Ersten Weltkrieges. Neben Deutschland finanzierten sich auch Österreich-Ungarn und die Schweiz über Kriegsanleihen.

Zwischen 1914 und 1918 wurde der deutsche Staat bei der Durchführung des Krieges mit insgesamt 98 Milliarden Mark von seinem Volk unterstützt. Damit konnten circa 60% der Kosten durch den Ersten Weltkrieges seitens Deutschlands gedeckt werden. Das Konzept der Kriegsanleihe reicht bis in das Mittelalter zurück, war jedoch stets umstritten.

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Die polytechnische Schule zu Aachen

Cremer Robert (1826-1882), Hauptgebäude der Technischen Hochschule, Aachen: Aula. Foto auf Karton, 39,5 x 47,3 cm (inkl. Scanrand). Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Inv. Nr. BZ-F 02,029.

Cremer Robert (1826-1882), Polytechnische Schule, Aachen. (Aus: Atlas zur Zeitschrift für Bauwesen, hrsg. v. G. Erbkam, Jg. 21, 1871): Details. Stich auf Papier, 29,3 x 44,1 cm (inkl. Scanrand). Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Inv. Nr. ZFB 21,008.

Das Buch „Die polytechnische Schule zu Aachen“ wurde von Robert Cremer verfasst und Ferdinand Esser herausgegeben. Es erschien 1871 und befasst sich mit den beiden Ursprungsgebäuden der neugegründeten Schule. Das Originalbuch befindet sich in der Zentralbibliothek der RWTH Aachen. Über die digitalen Sammlungen der Universität Stuttgart findet man das Buch digitalisiert. Die Universität Aachen und die Deutsche National Bibliothek bieten ebenfalls ein Digitalisat als PDF-Datei öffentlich zugänglich an, jedoch in einer schlechteren Qualität. Die Technische Universität Berlin bietet in ihrem Architekturmuseum online die beste Qualität der 11 Drucke und, im Buch nicht zu sehende, Fotos der Gebäude bzw. Innenansichten von Robert Cremer.

Robert Cremer wurde am 27. Dezember 1826 in Aachen geboren und studierte Architektur an der Berliner Bauakademie. 1862 zog es ihn zurück in seine Geburtsstadt und er entwarf den Neubau der geplanten polytechnischen Schule in Aachen. Zwei Entwürfe arbeitete er heraus. Der Erste orientierte sich am italienischen Stil der römischen Schule des 16. Jahrhunderts und der Zweite als freientworfenen Ziegelsteinrohbau nach dem Vorbild des Stuttgarter Polytechnikums, welches im 14. oder 15. Jahrhundert erbaut wurde. Die Entscheidung fiel auf die zweite Variante. In Aachen verewigte sich Robert Cremer des Weiteren mit dem Bau der Strafanstalt sowie mit der umfassenden Restaurierung des Grashauses, das als erstes Aachener Rathaus von besonderer historischer Bedeutung für die Stadt Aachen ist. Zu diesen Arbeiten finden sich ebenfalls Drucke im Architekturmuseum der TU Berlin.

Das Buch befasst sich mit den Architektonischen Aspekten des ursprünglichen Gebäudekomplexes, der aus dem Hauptgebäude und dem chemischen Laboratorium besteht. Thematisiert werden der Aufbau mit Blick auf die verwendeten Materialien, Maße etc., sowie die Ventilation und Wasserleitungen. Insbesondere für Architektur- und Bauingenieurstudenten finden sich interessante Details. Da im chemischen Laboratorium naturgemäß mit teils aggressiven Stoffen gearbeitet wurde, war eine ausreichende Be- und Entlüftung essentiell. Man kann anhand der Aufzeichnungen, die gewährleistenden Maßnahmen nachvollziehen und über die damaligen „einfachen“ Mittel staunen. So wurde z.B. die Ventilation u.A. mit Hilfe von Brettkasten, die mit Strohlehm und Segeltuch umwickelt wurden, gefördert. So können auch fachfremde Menschen das ein oder andere spannende Detail entdecken.

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Kalenderbild Mai: Eine ungewöhnliche Archivalie

Memory mit Aufnahmen der RWTH-Gebäude, zum 150. Jubiläum der RWTH Aachenm, erstellt 2020 (Quelle: Akte S5165)

Das letzte Jahr war ein Schwieriges. Vermutlich wird 2020 den Meisten als DAS „Coronajahr“ in Erinnerung bleiben. Als Historikerin frage ich mich immer, ob es später in den Schulbüchern seinen Platz finden wird. Viel Negatives ist letztes Jahr  passiert, aber für die RWTH steht dieses Jahr auch für einen großen Meilenstein: Das 150-Jährige Jubiläum unserer Hochschule. Auch wenn die Feierlichkeiten leider aufgrund der Pandemie nur eingeschränkt stattfinden konnten, waren wir als Archiv in den letzten zwei Jahren sehr in der Erarbeitung einzelner Konzepte für das Jubiläum eingespannt. So wie für das Jubiläums-Memo  der RWTH Aachen, von dem unser Kalenderbild Mai berichtet.

Das Kalenderbild zeigt eine der Archivalien, auf die ich persönlich besonders stolz bin. Denn zu den allermeisten Archivalien, welche man in einem Archiv findet, hat man normalerweise als Mitarbeiter keine persönliche Verbindung. Dieses Foto zeigt jedoch eine dieser seltenen Ausnahmen: Es ist ein Belegexemplar des Jubiläums-Memo der RWTH zum 150-Jährigen Geburtstag unserer Hochschule. Dies haben wir zugeschickt bekommen, weil wir an der Erarbeitung mitgeholfen haben. Auf den einzelnen Memory-Karten sieht man historische und aktuelle Bildern der bekanntesten Gebäude unserer Hochschule. Viele dieser Fotos sind aus unserer Fotosammlung, welche auch digitalisiert ist, entnommen.  Wir sind sehr dankbar, dass wir an diesem Projekt mitarbeiten konnten und freuen uns, dass es im RWTH Shop einen so guten Anklang gefunden hat.

Schaut doch auch mal im Shop vorbei und guckt euch dieses und anderer Jubiläumsprodukte der RWTH an. Vielleicht findet ihr ja etwas, was euch interessiert. Damit ihr in ein paar Jahren, wenn Normalität eingekehrt ist, 2020 zumindest ein wenig positiver in Erinnerung habt.

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Video: Die RWTH Aachen vor und während Corona

Mensa der RWTH vor Corona und während Corona

Aachen befindet sich, so wie der Rest Deutschlands, momentan im  Lockdown, mit dem die deutsche Bevölkerung ab dem 16. Dezember 2020 konfrontiert wurde und der sich mittlerweile mehrmals verlängert hat.

Viele Geschäfte in der Innenstadt bleiben immer noch geschlossen. Die RWTH scheint leer zu sein. Und das ist sie größtenteils auch. Der Unterricht findet online statt, die Mitarbeiter befinden sich im Home-Office. Die Gebäude, und somit auch die Hörsäle und Lernräume, sind für Studenten geschlossen. Lediglich die Bibliothek kann mit Termin noch besucht werden.

Das Leben in der Stadt und insbesondere an der RWTH hat sich beruhigt. Die Plätze bleiben leer. Anderen Menschen begegnet man hier weniger.

Bei dieser Pandemie und den entsprechenden Maßnahmen handelt es sich um ein geschichtlich relevantes Ereignis. Daher hat sich das Hochschularchiv der Aufgabe angenommen, dies anhand von Zeitzeugenberichten zu dokumentieren, die jeder Freiwillige uns zusenden kann. Dadurch sollen individuelle Eindrücke und einzelne Ereignisse für die Zukunft festgehalten werden.

Um diese Eindrücke auch bildlich festzuhalten, haben wir verschiedene Orte der Stadt und besonders der RWTH für euch besucht. Unser Ziel ist es, die derzeitige Situation sowohl in meist belebten Bereichen des Stadtzentrums als auch am Campus der RWTH zu veranschaulichen. Neben Aufnahmen von diesem Jahr gibt es auch eine Gegenüberstellung mit Bildern aus den Vorjahren. Einen kleinen Vorgeschmack bietet euch dieses Bild.

Ersteller des Videos sind Julie Vandegaar und Jennifer Heck-Neuser. Das ganze Video findet ihr auf unserem YouTube-Kanal

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Kalenderbild April: Gedenken an die Gefallenen des 1. Weltkriegs

Fotosammlung 1.1 Cou

Das Kalenderbild April zeigt den Studenten Willi Coutellier. Willi ist ein gefallener Kölner des 1. Weltkrieges. Sein Name ist heute noch in der RWTH Aachen präsent. Er ist mit etwa 170 Gefallenen, aus dem Zeitraum 1914-1918, auf der Gedenktafel im Eingang zur Aula verewigt. Coutellier ist am 12.12.1914 bei Langemark verstorben. Sein Studium nahm er im Wintersemester 1913/14 auf. Genaue Informationen zur Studienrichtung liegen uns leider nicht vor. Was sich jedoch sagen lässt, ist dass er sich noch am Anfang seines Studiums befand, bevor er sich als Kriegsfreiwilliger meldete.

Am 2. Juli 1925 wurde die Gedenktafel in der Aula enthüllt. Am folgenden Tag druckte das „Politische Tagesblatt“ die Ansprache zur Einweihung des damaligen Rektors Bonin ab. In dieser gedachte er der Toten, „die starben für Deutschlands Glück“. Die Tafel steht in Verbindung mit der Erinnerungskultur der RWTH. Der Rektor bat schon 1918 die Familien der gefallenen Studenten, Bilder ihrer verstorbenen Söhne an die RWTH zuschicken, da man ein Album der im Krieg gestorbenen Studenten anlegen wolle.
Der Spruch „Als es galt fürs Vaterland, treu die Klinge war zur Hand, doch es war zum letzten Gang“ ist in goldenen Buchstaben über den Kriegsgefallenen vorzufinden.

Willi ist ein Sinnbild für die gefallenen Studierenden des 1. Weltkrieges. Das Hochschularchiv der RWTH Aachen hält ihn und die anderen Gefallenen in Ihrem Gedächtnis (sprich den Beständen) in Ehren. Falls ihr mehr über diese Thematik erfahren wollt, sei es auf privatem oder wissenschaftlichem Interesse, könnt ihr uns gerne per Mail oder Telefon kontaktieren.

Gerne könnt ihr euch auch online unseren Ausstellungskatalog zum 1. Weltkrieg anschauen. In diesem haben die Mitarbeiter des Hochschularchivs in der Vergangenheit eine repräsentative Auswahl an Dokumenten aus unseren Beständen zum 1. Weltkriegs zusammengestellt.

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Architektur und Aachen – Eine Universität und ihre Fakultät

Seit dem Jahre 1878 werden in Aachen Architektinnen ausgebildet. 1908 wurde das Reiff-Museum eröffnet, welches seitdem zukünftigen Architekt*innen als Ausbildungsort dient.

Das nach Franz Reiff benannte und durch sein Testament zum Bau veranlasste Gebäude funktioniert zudem als Museum und bildet seither einen festen Bestandteil der Gebäude der RWTH Aachen.

Exkurs: Franz Reiff
(* 12. Januar 1835 in Aachen; † 11. April 1902 ebenda)

Reiff wurde 1870 als Professor nach Aachen berufen. Zu seinem Fachgebiet zählt das Figuren- und Landschaftszeichnen. Bekannt ist er unter anderem für das von ihm in Auftrag gegebene Sammlung von Kopien alter Meister. Zweck dieser Sammlung war es, die Werke seinen Schüler*innen greifbarer zu machen. Als Bedingung diese Kopien und eigener Werke der RWTH (damals: Königliche Technischen Hochschule Aachen) zu hinterlassen war der Bau eines eigenen Gebäudes für ebendiese Sammlung. Den Namen dieses Gebäudes als „Reiff-Museum“ setzte er ebenfalls in diesem Testament fest.

Seit diesen frühen Anfängen hat sich im Gebiet der Architektur als auch in der Ausbildung von Architekt*innen in Aachen einiges getan. Über den Gewinn der Stadtplanerausbildung im Jahre 1968, wachsende Studierendenzahlen, die zum Anbau an das Reiff-Gebäude führten bis zur Bologna-Reform im Jahre 2006/7 machte das Fach an der RWTH einige Entwicklungen durch.

Der im Jahre 1998 emeritierte Universitätsprofessor Gerhard Curdes widmet sich in seiner kürzlich erschienenen Monographie: „Architektur und Städtebau: 130 Jahre Lehre und Forschung an der RWTH Aachen. Eine Annäherung und Materialverdichtung in drei Bänden“ dieser Fakultätsgeschichte. Curdes selbst trägt seit seiner Einberufung seinen Beitrag zur Geschichte der zweiten Fakultät bei.

1971 wurde er von der RWTH eingestellt und hielt dort verschiedenste Positionen inne. Dazu zählten beispielsweise seine Tätigkeit als Professor oder Mitglied des Fachbereichsrates. Von 1992 bis 1994 war er zudem Dekan der Fakultät Architektur.

Seine Monographie mit Beiträgen verschiedenster Autoren unterteilt sich in drei Bände: Band I: 1870 bis 1945, Band II: 1945 bis 2000 und Band III: Rückblicke – Biographien – Daten. Alle drei Bände entstanden im engen Zusammenspiel mit verschiedenstem Quellenmaterial und behandeln nicht nur die Historie der Fakultät Architektur, sondern auch ihre heutige Gestalt.

Das Hochschularchiv durfte Teil des Entstehungsprozesses der Monographie sein und konnte mehrere seiner Archivalien Herr Curdes zur Verfügung stellen.

Als Dank wird unser Archiv im Vorwort unter “Dank” erwähnt und uns wurde ein Exemplar der dreiteiligen Monographie freundlicherweise geschenkt. Das Werk ist nun Bestandteil unsere Bibliothek und kann unter der Signaturen Gd Arc 1-3 bei Interesse eingesehen werden.

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Die Vergangenheit hautnah erleben

Fotos von Julie Vandegaar (Bibliothek, Hauptgebäude, Audimax und C.A.R.L.)

Ein Praktikum sollte der Studierende nicht als lästige Pflicht ansehen, denn es kann so viel mehr bewirken und deutlich lehrreicher sein als vielleicht das Studium an sich. Im Rahmen der Ausbildung sollen ebenfalls praktische Erfahrungen gesammelt werden, um im zukünftigen Beruf einfacher Fuß zu fassen. Was schließlich in der Praktikumsphase erlernt wird, hängt allerdings alleinig vom Praktikumsgeber ab.

Ich habe mich neben meinem Pflichtpraktikum entschieden, ein weiteres Praktikum zu machen und meine Wahl fiel bewusst auf das Hochschularchiv. Ein Praktikum beim Archiv der RWTH Aachen ist alles andere als langweilig oder veraltet, wie manche dies vielleicht denken könnten. Ein Archiv ist nicht nur eine Sammlung von historisch bedeutenden Schriftstücken, sondern auch eine Anlaufstelle für unterschiedliche Fragen zur Vergangenheit. Neben der Erhaltung und Betreuung von unterschiedlichsten Dokumenten ist die Recherche ein wichtiger Teil der Arbeit im Archiv. Hier reicht es meistens nicht einfach nach einem Begriff zu suchen und die entsprechenden Akten zu holen. Manchmal bedarf es etwas Reflexion und eine längere Suche in den Akten, um an die Informationen zu gelangen, die man vergeblich sucht. Zudem ist auch das Verfassen von Texten, sei es für die Webseite des Hochschularchivs oder die Social-Media-Kanäle, ein fester Bestandteil. Mein Wunschberuf sollte sich im Bereich Journalismus befinden und da ist die Verarbeitung von unterschiedlichen Quellen relativ bedeutend. Mir war klar, dass ich im Hochschularchiv den Umgang mit Quellen und die umfangreiche Recherche erlernen würde. Dass ich jedoch die Möglichkeit bekomme, so viele Texte anzufertigen, war für mich eine große Überraschung.

Das Praktikum ist beim Hochschularchiv gut strukturiert. Es gibt eine Liste an Modulen und Aufgaben, die der Praktikant*in abarbeiten soll. Dies sind Module wie Archivrecht, Recherche oder Paläografie. Außerdem wurde intensiv auch mit Sciebo gearbeitet. Eine Cloud, die das gemeinsame Arbeiten und Teilen von Dokumenten ermöglicht und somit auch das Homeoffice. Ohne diese Plattform wäre das Praktikum wahrscheinlich gar nicht erst möglich gewesen, da Mitte Dezember 2020 erneut ein sogenannter Lockdown beschlossen wurde. Einige Module konnten dann zum Beispiel per Videokonferenz stattfinden, wie unter anderem auch das Modul Paläografie. Was auf den ersten Blick erstaunlich oder gar unmöglich scheint, konnte durch technologische Mittel durchaus gut gemeistert werden. Zu Beginn war ich natürlich auch skeptisch und es war mir ein Rätsel, wie ich so eine ältere Schreibweise überhaupt ansatzweise verstehen könnte. Doch durch eine stets gute Vorbereitung seitens der Archiv-Mitarbeiter*innen und mit ein bisschen Eigenwillen war auch dies möglich.

Zudem habe ich gelernt, welche Sortierungsmöglichkeiten es gibt und wie das Hochschularchiv seine Dokumente aufbewahrt. Des Weiteren habe ich ein Fotoalbum digitalisiert, womit jetzt schneller gearbeitet werden kann. In direkten Kontakt mit einer Akte kommt man auch beim Umbetten. Hier werden Archivalien in neue Mappen umsortiert, Metallgegenstände von den Blättern entfernt und Schäden restauriert. So können zukünftige Rostflecken vermieden und der allgemeine bessere Erhalt garantiert werden, damit auch in 50 Jahren der Inhalt noch lesbar und nachvollziehbar ist. Durch die Beantwortung von Anfragen, die täglich im E-Mail-Postfach des Archivs eintreffen, konnte ich die unterschiedlichen Anliegen wahrnehmen, eine intensive Recherche betreiben und diese beantworten. Durch diese Tätigkeit wurde mir klar, was ein Archiv alles für Aufgaben erfüllt und wie vielfältig diese sein können. Obwohl ich teilweise ins Homeoffice musste, konnte ich erstaunlich viel von zu Hause machen, wie Promotionskarten in einer Excel-Tabelle digitalisieren oder aus einer Matrikelliste transkribieren. Für kreative Ideen gab es sehr viel Freiraum und auch Social Media-Beiträge kann es nie genug geben. Dementsprechend gibt es beim Hochschularchiv immer etwas zu tun und dies bleibt sicherlich auch in Zukunft so. Schließlich kann ich ein Praktikum beim Hochschularchiv nur empfehlen, denn hier erhält man einen einmaligen Einblick in Dokumente und Bilder, die man vermutlich so noch nie gesehen hat und erfährt Dinge, die man sich so nie erträumen hätte können.

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Kalenderbild März 2021: Eine Anfrage wie sie im Buche steht

Anfrage der Mayerschen Buchhandlung an das Sekretariat der Technischen Hochschule, gestempelt zum 06.03.1956 ———————–Quelle: Akte 145

Das Dokument

Der heutige Beitrag bezieht sich auf das oben zu sehende Dokument aus der Akte mit der Signatur 145. Hierbei handelt es sich um eine Anfrage von der Buchhandlung Mayersche, welche an das Sekretariat der Technischen Hochschule gerichtet wurde.

Die Mayersche wurde 1817 von Jacob Anton Mayer in Aachen gegründet und war 2019 das viertgrößte Buchhandelsunternehmen in Deutschland. In dem Dokument vom 02. März 1956 benötigt die Buchhandlung eine Anschrift eines Herrn Kurt Postal (Hostal?) wegen einer Forderung. Unter seiner von ihm angegebenen Adresse war er nicht mehr zu erreichen. Am 06. März 1956 ist das Schreiben bei der Universität eingegangen, was der Stempel belegt.

Auf dem Brief findet man zudem handschriftliche Notizen, was häufig so praktiziert wurde. Ein handschriftlicher Nachtrag vom 07. März 1956 hält fest, dass die gesuchte Person nie an der Universität gewesen ist und die Mayersche dahingehend kontaktiert wurde. Damit wurde das Vorgehen abgeschlossen. Das Dokument ist also nun schon mehr als 65 Jahre alt.

Im oberen Abschnitt findet man außerdem Werbung zu der vierbändigen Bücherreihe des Bertelsmann-Lexikons. Darunter ein Hinweis zu dieser und die Kosten zum Ersteigern. Unter den handschriftlichen Nachträge findet man zudem noch die damaligen Bankdaten der Buchhandlung.

Anfragen

Anfragen ähnlichen Inhalts haben uns auch schon im Archiv erreicht. Des Öfteren wurden wir auch schon wegen Kontaktdaten angefragt, aber noch häufiger, ob eine bestimmte Person an der RWTH war.

Die uns vorliegende Anfrage musste negativ beantwortet werden, was bei unserer Tätigkeit auch vorkommt. In solchen Fällen versuchen wir den Anfragenstellern neue Anlaufstellen zu bieten, wo sie eventuell fündig werden könnten. Da unser Hochschularchiv erst seit 1967 existiert, wurde nämlich zum Beispiel auch das Stadtarchiv mit Materialien zur RWTH versorgt.

Die briefliche Anfrage, wie sie uns hier vorliegt, wird allerdings immer seltener. Die meisten Anfragen erreichen uns heute per Mail oder telefonisch. Vor Corona kam es auch ab und an vor, dass spontan Besucher bei uns vorbeikamen mit Anfragen im Gepäck.

Akte 145 – Anfragen von 1945 bis 1957

Die Akte 145, der diese Archivalie entstammt, ist eine Sammlung von Anfragen aus der Zeit von 1945 bis 1957. Diese sind unterschiedlichen Typs, sowohl äußerlich als auch inhaltlich, aber chronologisch sortiert. Optisch sind die Dokumente sowohl klein als auch groß, handschriftlich als auch mit Schreibmaschine geschrieben sowie es auch bei dem uns vorliegenden Dokument ist. Die Anfragen kommen dabei sowohl von ehemaligen Studenten, aber auch anderen Instituten, Universitäten, Arbeitgebern, Firmen und so weiter.

Darunter ist zum Beispiel eine Anfrage, wo sich nach einem Studenten und seinem Abschluss erkundigt wurde. Der nachfolgende Schriftverkehr hält fest, dass dieser Student sein Zeugnis gefälscht und angegeben hatte, seine Urkunde wurde durch Brandbomben schwer beschädigt und sei deswegen nicht mehr leserlich. Und dieser scheint nicht der Einzige zu sein, der die damaligen Umstände ausgenutzt hatte. Die Akte bietet darüber hinaus viele weitere spannende Inhalte und ist ein Abbild der damaligen Zeit.

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Kalenderbild Februar 2021: Die fünfte Jahreszeit und die lange Tradition dahinter

Foto vom Kostümfest an der RWTH Aachen, 1967 Quelle: Fotosammlung 3.2.8_cf

Wenn überall verkleidete Menschen unterwegs sind und zu lauter Musik tanzen, dann ist wieder Karneval. Auch am 28. Januar 1967 wurde anscheinend schön gefeiert, wie uns das Bild anhand der abgebildeten Personen zeigt. Am Sonntagabend ab 20 Uhr konnten sich RWTH-Angehörige in der Mensa unter dem Motto „Was Ihr (sein) wollt…“ gut amüsieren. Im Hochschularchiv werden zahlreiche weitere Aufnahmen aufbewahrt. Beispielsweise von den Kostümfesten und Winterfesten aus den Jahren 1961 oder 1966.

Karneval oder auch Fasching ist ein Brauch, der die Zeit vor der vierzigtägigen Fastenzeit feiert. In vielen Ländern der Welt wird Karneval gerne und gut zelebriert. Jedoch hat jedes Land seine Besonderheiten. In Deutschland beginnt die „fünfte Jahreszeit“ traditionell am 11. November um 11:11 Uhr und endet mit dem Aschermittwoch. Eine kleine Unterbrechung gibt es zur Weihnachtszeit vom 1. Advent bis zur Ankunft der „Heiligen Drei Könige“ am 6. Januar.

Wer denkt, Karneval wäre eine Erfindung der Neuzeit, der irrt sich. Die Kulturgeschichte des Karnevals begann bereits vor 5.000 Jahren im damaligen Mesopotamien. Eine altbabylonische Inschrift aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. bestätigt, dass ein siebentägiges Fest gefeiert wurde, und dies wurde nach Beginn des neuen Jahres als symbolische Hochzeit eines Gottes zelebriert. Die Inschrift vermittelte schon damals die Idee des Gleichheitsprinzips bei Feierlichkeiten, wo der Versklavte seinem über ihn herrschenden Herren gleichgestellt wurde. Dieses Prinzip begleitet den Karneval bis heute noch. Im alten Rom feierte die ganze Stadt die Saturnalien. Drei Tage lang im Dezember befand sich Rom im Ausnahmezustand. Die Festtage wurden zu Ehren von Saturn gefeiert und um den Abschluss der Winteraussaat zu würdigen. Im Mittelalter, etwa vom 12. bis zum 16. Jahrhundert, gab es um den 6. Januar sogenannte Narrenfeste, wo viel parodiert wurde. Ab dem 17. Jahrhundert tauchte der Karneval in vielerlei Quellen auf und ähnelte immer mehr dem Brauch, den wir heute kennen. Eins ist allerdings bis heute noch nicht ganz klar, woher der Begriff Karneval überhaupt stammt. Die Brauchtumsforscher vermuten eine Ableitung aus dem Lateinischen „carne vale“, was übersetzt so viel bedeutet wie „Fleisch, lebe wohl“. Der lateinische Begriff soll sich dann im Mittelalter zu „carnelevarium“ beziehungsweise ‎„Vorfastenzeit“ entwickelt haben und im 17. Jahrhundert wurde dieser zu einem italienischen Substantiv „carnevale“. An Karneval nehmen die Menschen allerdings nicht nur vom Fleisch Abschied, sondern lassen in der Fastenzeit auch oft Süßigkeiten oder Alkohol weg (Quelle 1 & Quelle 2).

Bis heute begeistern die farbenprächtigen und kreativen Kostüme, stimmungsvolle Musik sowie Prunksitzungen mit lustigen, aber auch politischen Büttenreden alljährlich die kleinen und großen Karnevalsliebhaber. Viele Menschen lieben es, sich in der „fünften Jahreszeit“ zu verkleiden, denn es ist die Gelegenheit schlechthin, der eigenen Rolle zu entfliehen und in eine ganz Neue zu schlüpfen. Mit einem Kostüm können andere Verhaltensweisen aufgezeigt werden, die in den eigentlichen Alltagsrollen nicht gezeigt werden können oder wollen. Besonders an Karneval ist, dass in dieser Zeit sich ganz neue Möglichkeiten des Kontakts und der Kommunikation eröffnen. Die Menschen können für eine Weile ihre Alltagssorgen vergessen, um Spaß zu haben und die Vorfastenzeit gemeinsam zu feiern.

In diesem Jahr ist allerdings vieles ganz anders. Die Corona-Pandemie hat nicht nur das soziale Leben stark eingeschränkt, sondern auch das kulturelle und somit auch den Karneval. Bereits der Beginn der „fünften Jahreszeit“, der 11. November 2020, konnte nicht wie gewohnt mit Menschenmassen und Feiern eingeläutet werden. Zu gefährlich seien Menschenansammlungen derzeit und zu hoch das Risiko, das Virus weiterzuverbreiten. Schon im September 2020 war klar, dass der Karneval in der Saison 2020/21 weitgehend ausfallen muss. Die Narrenzeit, wie wir sie sonst kennen wird es dieses Jahr also nicht geben, aber dies ist nicht der erste Ausfall. In der Geschichte des Kölner Karnevals gab es ab 1823 sogar mehrfache Absagen. Oftmals waren Kriege oder schwere Konflikte die Ursache. 1871 konnte der Rosenmontagszug wegen dem Deutsch-Französischen Krieg nicht stattfinden. Zwischen 1915 und 1926 war der Erste Weltkrieg sowie die anschließende Besatzung des Rheinlandes die Ursache. Auch während des Zweiten Weltkriegs war ans Feiern kaum zu denken, doch auch Konflikte innerhalb des Festkomitees oder die Weltwirtschaftskrise 1931 und 1932 sorgten dafür, dass der Zug abgeblasen werden musste. Obwohl die Jecken in Köln als wetterfest gelten und nichts sie eigentlich aus der Ruhe bringen kann, musste der Zug 1968 wegen des schlechten Wetters entfallen. Anlässig des zweiten Golfkrieges 1991 wurde der Rosenmontagszug aus Anteilnahme nicht veranstaltet. Stattdessen zogen einige Kölner spontan unter dem Motto „Kamelle statt Bomben“ los. Mit dieser Aktion wurde übrigens auch der „Geisterzug“ wieder eingeführt.

Nun steigt die Hoffnung nach dem Ausfall für die Saison 2020/21, dass 2021/22 wieder die ganze Welt gemeinsam feiern, schuckeln und fröhlich lachen kann.

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Das Gestern – das Heute – das Morgen

Das Verhältnis von Archiven zur Erinnerungskultur

#Archiverinnerungskultur – ein Beitrag zur Blogparade

9.3 Postkartensammlung Vorlass-Nachlass Breuer

Erinnerungskultur begreife ich als eine Art Konfrontation mit der Vergangenheit. Lange lebt man vor sich her und begreift lediglich das Hier und Jetzt. Doch ist die Welt, in der wir leben, nicht eine, die aus vergangenen Ereignissen resultiert? So, wie Ursache und Wirkung miteinander zusammenhängen, ist das Heute das Resultat der Vergangenheit. Auch die Gegenwart ist die Vergangenheit von morgen. Wie könnte es also gelingen, zu leben, ohne das Vorher zu begreifen? Und kommt man hier nicht auch schnell an den Punkt zu fragen wie man die Vergangenheit zugänglich macht?

Unsere Realität besteht aus zeitlichen Abfolgen, die stetig einander ablösen. Wie der Philosoph Sartre einst resümierte, ist die Vergangenheit etwas, das nicht mehr ist und die Zukunft existiert noch nicht. Das Sein liegt irgendwo dazwischen und nicht wirklich greifbar.

Es gilt daher, alle Informationen unserer Welt aufzubewahren. Archive dienen ebendiesem Zugang zu den zurückliegenden Geschehnissen. Sie bewahren Bilder, Schriftstücke, Pläne und vieles mehr auf, das uns die Erinnerung erleichtern und im Heute zugänglich machen kann.

Der Unterschied zwischen Erzählung und Entdeckung des Vergangenen liegt in der Vergegenwärtigung. Ich verstehe, dass Dinge passiert sind aber wirklich klar wird es erst, in dem ich es für mich selber erfahrbar mache.

Unser Archiv ist das Hochschularchiv der RWTH Aachen. Wir bewahren alle Informationen rund um die RWTH Aachen seit ihrer Gründung 1870 auf. Immer wieder zeigen sich Menschen interessiert an der Geschichte unserer Universität und sie erhalten Einblick in Dokumente. In anderen Archiven geschieht dasselbe zu anderen Themenbereichen.

Aber was wäre das für eine Welt, in der die Erinnerungskultur lediglich aus einem Erinnern bestünde und nicht aus einem Zugänglichmachen durch Archive wie unserem?

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Das Modul Paläografie – digital umgesetzt von Herrn Dr. Klaus Graf

Screenshot vom Modul

Praktikanten werden von uns in verschiedenen Modulen geschult. Da diese derzeit online stattfinden müssen, waren einige Umstrukturierungsmaßnahmen erforderlich. Wie das am Beispiel des Paläografie-Moduls funktioniert hat, haben wir zwei unserer Praktikant*innen gefragt:

Praktikantin Julie Vandergaar:

Zu Beginn war ich allgemein skeptisch, Module beim Hochschularchiv online zu erlernen. Ich dachte, so würde ich vielleicht nicht alles direkt verstehen oder, dass es aus technischen Gründen (Internet oder Konferenz-Plattform) schwieriger sein könnte. Vor allem bei dem Modul Paläografie war es mir ein Rätsel, wie das funktionieren sollte und ich eine ältere Schreibweise ohne direkten Vergleich entziffern könnte. Doch es stellte sich heraus, dass unser Archivar, Herr Graf bestens vorbereitet war und alles in Bewegung gesetzt hatte, um uns das Modul unter diesen Umständen so gut es geht beizubringen. Herr Graf hatte sein iPad mit angebunden, um uns die Buchstaben vorzumalen, was sehr hilfreich war. Ohne dieses wäre es wahrscheinlich deutlich schwieriger gewesen. Wir haben dann begonnen einen Text zu lesen und parallel haben wir jedes Mal bei einem neuen Buchstaben, diesen auf ein separates Blatt aufgemalt. Anschließend haben wir gemeinsam versucht, die Schrift zu entziffern und wir wurden während des Moduls stets unterstützt und korrigiert. Natürlich wäre es wahrscheinlich schöner gewesen, wenn das Modul in Präsenz hätte stattfinden können, da dann besser über meine Arbeit geschaut hätte werden können und ich mich mit der anderen Praktikantin besser hätte austauschen können. Jedoch war es auch schön, von zu Hause teilnehmen zu können, wo ich mit genügend Material vorgesorgt hatte und viel Platz zum Arbeiten hatte. Meine Schlussfolgerung ist, dass das Modul auch online sehr gut abgelaufen ist und ich diese Abhaltungsform ebenfalls sehr empfehlen kann.

Praktikantin Jennifer Heck-Neuser:

Ich fand das Online-Modul Paläografie gut. Zwar habe ich das Modul nicht als Präsenz-Modul kennenlernen können, kann mir aber ein paar Vor- und Nachteile der Online-Version vorstellen. Die Nachteile sehe ich darin, dass Herr Graf manchmal Schwierigkeiten damit hatte, herauszuhören, wer ihm gerade geantwortet hat und dass man sich gegenseitig nicht gut helfen konnte. Die Vorteile sehe ich darin, dass die Informationen, also das, was Herr Graf aufgeschrieben hat, für alle Teilnehmer gleich gut zu sehen war und weitere Hintergrundinformationen leicht entweder über den Bildschirm geteilt oder selbst recherchiert werden konnten.

Alles in allem fand ich das Online-Modul sehr gut und lehrreich. 

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Kalenderbild Januar 2021: Pomerania – eine Studentenverbindung mit Geschichte

Das Jahr 2020 liegt gar nicht lange zurück und nun starten wir alle in ein – hoffentlich besseres – Jahr 2021. In diesem Sinne wünschen wir euch allen ein frohes neues Jahr!

Wir präsentieren euch das Bild zum Januar des neu erstellten Kalenders für 2021.

Mitglied der Studentenverbindung Pomerania Aachen, Stiftungsfest 1932                     Quelle: Pomerania Fotoalbum 7.1.34.i

Auf diesem seht ihr ein Mitglied der Studentenverbindung Pomerania Aachen, welches im Rahmen eines Stiftungsfestes im Jahre 1932 aufgenommen wurde. Das zu sehende Bild befindet sich in einem Fotoalbum, in das viele derartige Fotos eingepflegt wurden.

Das Album wurde von unserem Archivar Herrn Dr. Graf auf einem Flohmarkt erworben. Der ehemalige Besitzer des Albums heißt Kurt Grünwald. Er war der Sohn von Paul Grünwald, einem Abteilungsvorsteher der Firma Krupp. Kurt Grünwald wurde am 03.10.1909 in Essen geboren und legte seine Abiturprüfung auf der Krupp-Realschule ab. Ab 1929 studierte er an der RWTH Aachen Ingenieurswissenschaften und kehrte im Jahre 1939 in seinen Heimatort Essen zurück. Verstorben ist Kurt Grünwald am 09.06.1976 im niedersächsischen Melle. Die Informationen zu seiner Person haben wir vom Stadtarchiv Essen erhalten.

Die Landsmannschaft Pomerania wurde in Aachen 1920 gegründet. Sehr viel früher allerdings, offiziell im Jahre 1792, entstand in Halle an der Saale eine Studentenverbindung von Studenten aus Pommern, welche sich ebenfalls Landsmannschaft Pomerania nannte. Unterlagen bezeugen aber, dass es in Halle bereits 1717 Studenten aus Pommern gab, die blaue Schleifen trugen. Dieses Himmelblau der Schleifen, welches später mit Weiß oder Weiß-Rot kombiniert wurde, wurde zur Farbe der Studentenverbindung.

Durch die Napoleonische Zeit und den Kriegen kam es dann unter anderem zu Verboten und Beitritten zu anderen Verbindungen. Die Studentenverbindung machte einige Umwandlungen durch, zum Beispiel wurde 1819 das Prinzip aufgehoben, nur Studenten aufzunehmen, die gebürtig aus Pommern stammen. Letztlich musste die Landsmannschaft Pomerania sich jedoch auflösen.

Im Jahr 1865 wurde sie aber wiedergegründet. Farblich wurde das Himmelblau der ersten Pomerania beibehalten und mit Weiß kombiniert. Wenige Jahre später wurde die Kombination von Blau und Weiß durch Schwarz erweitert. Das Schwarz soll die Freundschaft unter den Mitgliedern bis in den Tod hinein symbolisieren.

Wie viele andere Verbindungen konnte die Pomerania in Halle dem Druck des Nationalsozialismus nicht standhalten und musste sich 1936 auflösen.

Die Pomerania in Aachen ist 1920 unabhängig von der Pomerania in Halle entstanden. Da die Verbindung in Halle aufgrund der DDR nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder neu gegründet werden konnte, entschied man sich zu einer Fusionierung. So wurden 1952 die beiden Studentenverbindungen unter den neuen Namen „Landsmannschaft Pomerania Halle-Aachen“ mit Sitz in Aachen miteinander verbunden.

Seit 1870 ist die Pomerania ein Mitglied des Corburger Convents, das früher noch Corburger Landsmannschaftler Convent hieß, und war in den Jahren 1961 und 2011 Präsidierende des Corburger Convents. Als ein Mitglied desselben ist sie im Goldenen Kartell mit fünf weiteren Verbindungen freundschaftlich verbunden, besonders eng mit der Landsmannschaft Ghibellinia Tübingen.

Noch heute trägt die Pomerania die Farben Himmelblau-Weiß-Schwarz und besitzt ein Haus in Aachen, in direkter Nähe zur RWTH. Die Studentenverbindung steht noch heute für eine Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig unterstützt und zu mehr Erfolg verhilft.

Wenn ihr mehr über die Studentenverbindung Pomerania erfahren wollt, seht euch unseren Beitrag zu dieser an: „Studentenverbindung Pomerania“

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Kalenderbild Dezember 2020: „Buon Natale“

Unser letztes Kalenderbild 2020 zeigt eine Weihnachtspostkarte von Hans von Mangoldt aus dem Jahre 1962. Zu sehen sind Weihnachts- und Neujahrswünsche in verschiedenen Sprachen an den Hauswänden einer belebten Wohn- und Einkaufsstraße.

Kaum ein anderes Fest begeistert auf der Welt so viele Menschen wie das Weihnachtsfest. Der eigentliche Sinn von Weihnachten liegt darin, dass Christen die Geburt von Jesus Christus feiern. Doch auch wenn die religiöse Bedeutung inzwischen im Hintergrund steht, sind die Weihnachtstage eine Zeit für Familie/Freunde, der Besinnlichkeit und der Tradition. Diese Tradition sieht in jedem Land, in jeder Familie unterschiedlich aus. Und vielleicht ist es genau das, was bei „Frohe Weihnachten“ immer mitschwingt: Nicht unbedingt der religionsgeschichtliche Hintergrund, sondern auch, dass man eine ruhige, besinnliche Zeit wünscht und das bei jedem einzelnen das in Erfüllung geht, was er mit dieser Zeit verbindet.

Weihnachtspostkarte von Hans von Mangoldt vom 18. Dezember 1962 Quelle: Akte 166

Und genau dieser Weihnachtswunsch kann in unterschiedlichen Sprachen rübergebracht werden, bedeutet aber im Kern immer das Gleiche. So wünscht man sich in Deutschland „Frohe Weihnachten“, was ursprünglich aus dem mittelhochdeutschen stammt und „in den heiligen Nächten bedeutet“.  In anderen Ländern klingt das folgendermaßen:

  • „Merry Christmas“ (England)
  • „Hyvää Joulua“ (Finnland), 
  • „Buon Natale“ (Italien),
  • „Prettige Kerstdage“ (Niederlande),
  • „Joyeux Noel“ (Frankreich),
  • „God Jul“ (Norwegen/Schweden/Dänemark).
  • „Bonas Festas“ (Fröhliche Ferien,Portugal).

Hinter diesen Wünschen stecken unterschiedliche Traditionen. So bringt beispielsweise in England traditionell der Father Christmas in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember die Geschenke (Christmas Eve) und in Frankreich stellen die Kinder am Abend des 24. Dezember ihre Schuhe für Père Noël (Weihnachtsmann) bereit, in welche er in der Nacht die Geschenke hineinlegt. Das skandinavische Weihnachtsfest hingegen ist das Julfest. In Schweden wird zum Beispiel immer am 13. Dezember in jedem Jahr Lucia gefeiert. Das Luciafest (Lichterfest) ist ein vorweihnachtlicher Feiertag und somit die Hauptfestivität vor Weihnachten. Das gemeinschaftliche Saunabad am 24. Dezember ist eine finnische Besonderheit, zusammen mit dem „gebackenen Schweden“, einem Festtagsgericht aus Schweinefleisch. In Norwegen hingegen gibt es Weihnachtsprügel, an denen die Kinder großen Spaß haben. Dabei werden die Menschen mit Ruten aus dem Bett gejagt. Am 13. Januar endet dann das Julfest in ganz Skandinavien.  In Spanien gehört es eher zum Brauch, aufwendige Krippen anstatt Weihnachtsbäume aufzustellen. Diese gehen häufig über die einfache Darstellung der Hauptcharaktere (Maria, Josef und Jesus in der Krippe) hinaus. Heiligabend wird am 24. Dezember mit einem Abendessen für die ganze Familie gefeiert und Geschenke bringen hier die Heiligen Drei Könige am 06. Januar. Warum auf dieser Karte nicht das spanische „Feliz Navidad“ zu finden ist, bleibt unerklärlich, allerdings lernen wir, was man sich zu Ostern wünscht: „Felizes Pascuas“. Natürlich wird in den unterschiedlichen Ländern nicht überall genauso Weihnachten gefeiert wie beschrieben. Trotzdem ist es immer wieder schön, auch andere Traditionen kennenzulernen (Quelle 1 und Quelle 2).

Auch etliche Neujahrwünsche sind auf dieser Postkarte zu finden:

  • Happy New Year (englisch)
  • godt nytt ar (norwegisch)
  • godt nytar (dänisch)
  • gott nytt år (schwedisch)
  • prospero ano nuevo (spanisch)
  • onnellista uutta vuotta (finnisch)
  • buon anno (italienisch)
  • gelukkig nieuwjaar (niederländisch)
  • bonne annee (französisch)
  • feliz ano novo (portugiesisch)

Ganz selbstverständlich feiert die ganze Welt Ende Dezember Silvester und startet somit in ein neues Jahr. Seinen Namen, Silvester, hat das beliebte Jahresendfest allerdings erst seit dem 16. Jahrhundert, denn 1582 wurde der letzte Tag des Jahres vom heutigen Heiligabend auf den 31. Dezember verlegt, den Todestag von Papst Silvester I. Heute ist es allerdings eher ein weltliches Fest. Überall wünscht man sich ein gutes und frohes Neues Jahr. Dies Wunsch ist vielleicht in diesem Jahr noch ein Ticken ernster gemeint, als in anderen Jahren. Wer wünscht sich nicht ein besseres Jahr als 2020? (Quelle)

Auch wenn man nichts Genaueres zu dem Ort und dem Maler dieser Postkarte sagen kann, zeigt sie dennoch, was für unterschiedliche Traditionen hinter Weihnachts- und Neujahrswünschen stecken können. Diese können bei Weitem nicht in ihrer Vielfältigkeit erfasst werden. Und genau das ist ja auch das Schöne: jeder kann diese Feste auf seine Art und Weise begehen. So wünschen wir Euch/Ihnen als gesamtes Team des Hochschularchivs eine schöne Weihnachtszeit und vor allem: Bleibt gesund!

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Herr Graf antwortet: „Was ist ein Archiv?“

Am 26.08 erschien unser Youtube-Video „Was ist ein Archiv?“, in dem unsere ehemalige Praktikantin Greta Ziegler Freunde und Familie zum Thema „Archiv“ ausfragte.

Im heutigen Video beantwortet unser Archivar und Geschäftsleiter Herr Dr. Klaus Graf diese Fragen als Fachmann.
Falls ihr also schon immer mal wissen wolltet, wie ein Archiv an seine Archivalien kommt, wie man Archivar*in wird oder warum es überhaupt Archive gibt, werden diese und weitere Fragen in diesem Video geklärt.


Lasst uns gerne weitere Fragen und Anregungen da – als Kommentar unter diesem Post oder in den Youtube-Kommentaren.

Unter diesem Link findet ihr unser Video:

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Unser Kalender 2021

Auf diesem Bild könnt ihr das Deckblatt zu unserem Kalender für das Jahr 2021 sehen. Dieses wurde von mir erstellt. Die „2021“ besteht aus verschiedenen Bildern und Dokumenten, die in unserem Archiv lagern. Auch die Bilder der einzelnen Monate sind Archivalien des Hochschularchives der RWTH Aachen.

Zu sehen sind auf diesen beispielsweise Fotos aus einem Album der Studentenverbindung „Pomerania“, Fotos von Veranstaltungen, die an der RWTH stattfanden oder Dokumente, welche die Vorgänge rund um die Universität belegen. Zu jedem dieser Kalenderbilder wird zum ersten Freitag eines jeden Monats ein Beitrag erstellt, der euch über das Bild des jeweiligen Monats detaillierter informiert. Bereits seit dem Jahre 2007 erstellen wir einen Kalender mit interessanten Archivalien. Seit jeher wird versucht, euch mit abwechslungsreichen Dokumenten die Historie der einstigen Königlichen Rheinisch-Westphälischen Polytechnischen Schule zu Aachen, aufzuzeigen.

Für einen kleinen Betrag von 10 Euro kann der aktuelle Kalender in Druckform käuflich erworben werden. Hierfür könnt ihr uns gerne über die üblichen Wege kontaktieren. Der Kalender ist aber auch immer, so wie die vorherigen, als PDF-Datei auf unserer Webseite einzusehen und kann von euch heruntergeladen werden.

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Berufsfeldpraktikum im Hochschularchiv der RWTH

Matrikelbücher in Magazin 4

Im Rahmen meiner Ausbildung zur Lehrerin ist festgeschrieben, dass ein außerschulisches Berufsfeldpraktikum (BFP) absolviert werden soll. Ziel dieses ist es, sich zum einen eine Auseinandersetzung mit außerschulischen Lernorten des eigenen Faches als auch einen Einblick in berufliche Möglichkeiten außerhalb des Schuldienstes zu bekommen. Mit meiner Fächerkombination Biologie und Geschichte standen mir mehrere Möglichkeiten offen. Im Rahmen meines Studiums der Biologie wie außerhalb dessen hatte ich bereits im Labor gearbeitet. Auch waren mir durch spezielle Lehramtspraktika bereits außerschulische Lehr- und Lernangebote bekannt. So entschied ich mich, mein BFP zum Fach Geschichte zu absolvieren.

Aufmerksam geworden bin ich auf die Praktikantenstelle durch die glückliche Fügung eines Aushangs in der Bibliothek des historischen Instituts. Vom Praktikum versprach ich mir nicht nur die Erfüllung der oben angesprochenen Punkte, sondern auch einen Einblick in die Arbeit eines Archivs an sich. Sinnvoll hielt ich dieses Praktikum insbesondere im Blick auf meine spätere Arbeit als Lehrerin im Fach Geschichte, da Archive einen Sammelpunkt von Quellen darstellen und ohne Quellenarbeit dem Geschichtsunterricht sein zentraler Dreh- und Angelpunkt fehlen würde.

Glücklicherweise erfüllte das Praktikum meine nicht besonders geringen Ansprüche. In einer netten und entspannten Arbeitsatmosphäre wurde einem die Arbeit in einem Archiv nähergebracht, teils von dem studentischen Mitarbeiter*innen teils vom Archivar Herr Dr. Graf selbst. Dabei gliederte sich das Praktikum nach einem Modulhandbuch und schaffte dabei den Spagat zwischen festgeschriebenen Aufgaben, die ein umfassendes Praktikum gewährleisteten, als auch freien Aufgaben, die einem selbst genug Spielraum für eigene Spezialinteressen ließen.

Die Module erstreckten sich über das weite Feld der Archivarbeit von tatsächlicher Quellenarbeit, beispielsweise dem Umbetten oder dem Entziffern des Geschriebenen (Paläografie) zu organisatorischen Aufgaben beispielsweise der Verzeichnung von Akten. Geholfen hat mir dabei vor allem dabei das Modul Paläografie, da dieses Feld eine meiner persönlichen Schwächen darstellt. Würde ich mich damit aber nicht weiter auseinandersetzten, würde mir ein großer Teil an Quellenmaterial verschlossen bleiben.

An eigenen Projekten habe ich beispielsweise das Fotoalbum in Zusammenarbeit mir einer anderen Praktikantin digitalisiert und dieses darauf selbst verzeichnet. Dabei bin ich sogar recht warm geworden mit dem Verzeichnungsprogramm Midosa XML, was zunächst komplex wirkt und auch ist, aber man sich schnell die Funktion, die man benötigt, mit Hilfestellung beibringen kann. 

Abschließend möchte ich mich bei allen Mitarbeiter*innen des Hochschularchivs bedanken die dieses Praktikum, auch unter den gegebenen Umständen zu weit mehr gemacht haben als zu einem lästigen Pflichtpraktikum.

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Mens agitat molem – Der Geist bewegt die Materie

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Anlässlich des 150 jährigen Jubiläums der RWTH Aachen stellten wir Anfang des Jahres Klaus Ricking´s „Der Geist bewegt die Materie“ auf unsere Webseite.
 Das Buch erzählt den Werdegang der 1870 eröffneten polytechnischen Schule von der Grundsteinlegung durch den preußischen König Wilhelm I. bis zur heutigen Zeit als eine der weltweit bedeutendsten geltenden technischen Universitäten. In der Anfangszeit musste die neugegründete Schule gegen allerlei Widerstände ankämpfen, so war ihre Ansiedlung aus Sicht der vorwiegend katholischen Aachener Bevölkerung zu preußisch-protestantisch. Im Laufe der Zeit entwickelte sie sich jedoch zu einer immer höher anerkannten Universität, insbesondere ist dies auf die wissenschaftliche Gleichstellung durch das Habilitations- und Promotionsrecht zurückzuführen. Die TH wurde zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Aachener Region. Infolge der Besetzung durch die alliierten Truppen nach der Niederlage im ersten Weltkrieg, entwickelte sich die Hochschule zu einer Hochburg nationaler Einheit. Im dritten Reich giff das Reichsministerium für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung in die Lehre und wissenschaftliche Arbeit an der RWTH ein und ordnete Lehre und Forschung unter. Bei Kriegsende waren rund 70 % der Gebäude zerstört und die Hochschule faktisch am Boden. Erst am 3. Januar 1946 war die Wiederaufnahme eines eingeschränkten Lehrbetriebes möglich, der noch ein Jahr auf die restlichen Einrichtungen warten musste. In den folgenden 15 Jahren wuchs die RWTH enorm, die Fläche um beinahe das dreifache und die Studentenzahlen wie an keiner anderen Universität Deutschlands. Neue Fächer und Fakultäten kamen hinzu sowie Mitte der 60er Jahre die philosophische und medizinische Fakultät.

Die erste Auflage von „Der Geist bewegt die Materie“ erschien 1995. Die Veröffentlichung auf unserer Homepage nahm Klaus Ricking zum Anlass zur Modifikation einiger Mängel. Die Lesbarkeit wurde mithilfe einer neuer Seitenzählung erleichtert und Abbildungen ausgetauscht.  Insbesondere muss auch der damalige Erscheinungszeitpunkt berücksichtigt werden. Im Jahr des Jubiläums wurde das Doppelleben des ehemaligen TH-Rektors Hans Schwerte aufgedeckt und dominierte die Feierlichkeiten, sodass die Rolle der RWTH im Dritten Reich sowie der Umgang mit ihr nach 1945 in den öffentlichen Fokus rückte. Zum damaligen Zeitpunkt gab es keine wissenschaftliche Forschung hierzu und noch 2012 beklagte der Historiker Rüdiger Hachtmann innere Widerstände, die eine sachlichen Auseinandersetzung boykottieren. In den 2000er Jahren wurde im Auftrag des Rektorats eine umfassende biographische Personendatenbank erstellt aus der zahlreiche Veröffentlichungen resultierten, die erneut die kritiklose Mentalität nach der NS-Zeit verdeutlichen. Aufgrund dieser nach 1995 erschienenen Arbeiten hat Klaus Ricking das Literaturverzeichnis ergänzt. 

Quelle: Ricking, Klaus: Der Geist bewegt die Materie. Mens agitat molem. 125 Jahre Geschichte der RWTH Aachen. 2. Auflage. Aachen: Mainz, 2020. (Sg. 1995/2)

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Kalenderbild November 2020: 55 Jahre Philosophische Fakultät – Die Geschichte eines Umbruchs

Quelle: Akte S 5145

Das Kalenderbild dieses Monats zeigt das Cover des Studienführers für den Bachelor of Arts von 2007/8 der philosophischen Fakultät. Dieser enthält generelle Informationen zur Bewerbung und dem Aufbau des Bachelors, sowie Ansprechpartner und Informationen zu den einzelnen Studiengängen der philosophischen Fakultät, inklusive exemplarischer Studienverlaufspläne.

Der Bachelor of Arts wurde im Wintersemester 2004/2005, im Zuge der Bologna-Reform, an der RWTH Aachen eingeführt. Diese Umstellung von dem Magister- hin zum Bachelor-/Masterstudium sollte insbesondere zu einer Vereinheitlichung von Studiengängen und -abschlüssen sowie zu einer kürzeren Studienzeit führen. Zurück geht diese Reform auf die Magna Charta Universitatum, die anlässlich des 900. Jubiläums der Universität von Bologna 1988 von 388 Universitäten unterzeichnet wurde. Weiterhin wurde mit der Lissabon-Konvention von 1997 an der internationalen Anerkennung von Abschlüssen gearbeitet. Die Vorgängerin der Bologna-Reform ist die Sorbonne-Erklärung von 1998, in der bereits ein zweistufiges Abschluss- und Punktesystem vorgesehen waren. Schließlich wurde ein Jahr später, 1999, diese durch die Bologna-Erklärung konkretisiert.

Das Vorgängerstudium, der Magister, wurde 1957 wiedereingeführt. Wie auch im Studienführer zu lesen ist, studierte man im Magister drei, anstatt wie im Bachelor, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, zwei Fächer. Der Magister Artium beispielsweise, war also ein Studium mit breiterer Orientierung, das sich aus mehreren, vor allem nicht-technischen, Fächern zusammenstellte. Zudem bereitete diese Art des Studiums nicht auf einen spezifischen Beruf vor.

Die Philosophische Fakultät der RWTH Aachen wurde 1965 gegründet, somit feiert sie dieses Jahr ihr 55-jähriges Jubiläum. Zu ihr gehörten anfangs die Lehrstühle Anglistik, Deutsche Philologie, Neuere Deutsche Literaturgeschichte, Alte, Mittlere und Neuere Geschichte und Romanische Philologie.

1970 wurde Hans Schneider/ Schwerte zum Rektor ernannt, der sich später als ehemaliger Nationalsozialist entpuppen sollte.  Bis heute ist er der einzige Rektor, der der Philosophischen Fakultät angehörte.

Zu deren Ausbildungsschwerpunkten gehörte zu Beginn die Lehramtsausbildung aber auch neue Studienmöglichkeiten wurden entwickelt. Dieser Ausbau an Lehrangeboten wurde jedoch Mitte der 70er Jahre gestoppt und dadurch auch einige Studiengänge komplett gestrichen. Wieder andere wurden in eigene Fakultäten umgewandelt, wie bspw. Pädagogik oder Wirtschaftswissenschaften in den 70ern und 80ern. Im weiteren Verlauf kämpften die Studierenden dieser Fakultät um die Erhaltung einiger Studiengänge, was ihnen allerdings nur teilweise gelang, vor allem im Bereich der Lehrerausbildung. Nach der eben beschriebenen Umstellung durch den Bologna-Prozess fallen immer mehr Studiengänge weg. Auf der anderen Seite werden aber auch neue, diesmal Ein-Fach, Studiengänge angeboten.

Wenn ihr genaueres über die Geschichte der philosophischen Fakultät erfahren wollt, schaut doch mal bei diesem Beitrag unserer Website vorbei, der anlässlich des 50. Jubiläums angefertigt wurde.

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Das Archiv – Nicht mein erster Gedanke aber die beste Wahl

Bei der Recherche am Karteikartenschrank

Als Studentin der Gesellschaftswissenschaften stehen einem vier Fächer als Spezialisierung zur Auswahl: Politik, Soziologie, Theologie und Geschichte. Spätestens nach dem zweiten Semester war mir klar, dass ich meiner Leidenschaft und somit dem Fach Geschichte treu bleiben und folglich auch in dieser Richtung mein Praktikum absolvieren wollte. Meine erste Assoziation von einer Arbeit mit Geschichte war, ganz klassisch, das Museum, was jedoch aufgrund der Umstände durch die Covid-19-Pandemie unerreichbar schien. Durch eine Vorlesung, die ich bei der wissenschaftlichen Leiterin des Archivs, Frau Prof. Roll, besucht habe, stieß ich durch ihre Erwähnung auf das Archiv der RWTH Aachen.

Nach einem regen Mailverkehr mit ihr und vor allem auch Filis Falldorf, konnte ich das Praktikum kulanterweise zu der von mir angegebenen Zeit absolvieren, obwohl bereits zwei weitere Praktikantinnen dort arbeiteten. Daher hatte ich zuerst Angst „zu viel“ oder überflüssig zu sein. Nach der Einführung, die ich kurz vor Praktikumsantritt erhalten habe, war dieses Gefühl aber aufgrund der ausführlichen Erklärung der Aufgaben und der herzlichen Stimmung direkt verflogen. Sogar ganz im Gegenteil: Die unterschiedlichen Erfahrungsstände ermöglichten eine produktive Zusammenarbeit, auch unter uns Praktikanten. So konnten die Erfahreneren den Neuen Sachen erklären und die brachten wiederum einen neuen Blick auf die Dinge mit.

Im Laufe meines Praktikums bin auch ich diesen Weg vom Neuling hin zur erfahrenen Praktikantin gegangen. Dabei haben mir vor allem der Leitfaden für Praktikanten und die Offenheit der Mitarbeiter geholfen. Auf dem Leitfaden finden sich verschiedene obligatorische Aufgaben und Module, in denen man die verschiedenen Arbeiten im Archiv kennen und beherrschen lernt. Dazu zählen bspw. „Bestandserhaltung“, „Paläographie“ aber auch „Recherchemöglichkeiten“. Vor allem letzteres ist nicht nur im Archivalltag bei der Beantwortung von Benutzeranfragen hilfreich, sondern wird mir sicherlich auch im weiteren Verlauf meines Studiums zugutekommen. Die so erlernten Fähigkeiten konnte ich dann in meiner Arbeit anwenden, die man stark nach seinen eigenen Interessen und Vorlieben orientieren konnte.

Welche Arbeiten mir am besten gefallen haben, hat sich über die Zeit des Praktikums hinweg immer wieder gewandelt, was auch mit dem Zuwachs an Erfahrung einher ging. Zu Beginn habe ich viele Social-Media-Beiträge recherchiert und verfasst, die ja aufgrund des Mediums wie Instagram oder Facebook nicht allzu lang sein sollten und somit auch weniger tiefe Recherchearbeit erforderten, was am Anfang, wo ich noch nicht so sehr mit der Bestandssuche vertraut war, optimal war. Mit steigender Kenntnis der Recherchemöglichkeiten stieg nicht nur mein Interesse daran, Anfragen zu beantworten, sondern auch mein Ehrgeiz, dies möglichst gut und ausführlich zu tun, wozu ich an meinem letzten Tag glücklicherweise nochmal die Chance hatte.

Zwischendurch kam auch meine kreative Ader nicht zu kurz, sei es durch das Reparieren von Dokumenten, das mich sehr an meine Bastelliebe erinnerte, das Digitalisieren von alten Fotoalben, was besonders für mich war, da ich selber Fotoalben anfertige, das kreative Schreiben eines Drehbuchs für unser Room-Tour-Video oder des Praktikumsberichts hier. In meiner alternativen Sonderaufgabe konnte ich sogar mein Ordnungsbedürfnis voll ausleben, indem ich die Ordner der Archivverwaltung neu strukturiert habe.

Deshalb war das Praktikum im Hochschularchiv letztendlich die beste Wahl: Die Arbeitsatmosphäre war sehr freundlich, genauso wie alle Mitarbeiter. Zudem war es eine erste Bestätigung, dass Arbeit im Bereich Geschichte möglich ist, und zwar nicht nur in dem klassischen engen Rahmen, den ich bisher kannte.

Zum Schluss möchte ich unserem Archivar Herr Dr. Graf und allen Mitarbeitern des Archivs herzlich für dieses großartige Praktikum danken, die dieses egal ob in Präsenz oder aus dem Home-Office so besonders gemacht haben!

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600 Follower bei Instagram!

Wir, das Hochschularchiv der RWTH Aachen sind in den sozialen Netzwerken aktiv. Hierzu gehören Facebook und Instagram. Bei Letzterem können wir bereits über 600 Follower vorweisen. Hierauf sind wir sehr stolz.

Zu Beginn waren wir im Umgang mit den sozialen Medien unsicher. Insbesondere mit der Handhabung von Facebook und Instagram und dem Teilen von Beiträgen hatten wir keine Erfahrung. Doch wir haben hier schnell rein finden und mithilfe von social-media-Plänen und -Strategien eine entsprechende Reichweite erzielen können.

Für uns war es unvorstellbar, innerhalb kürzester Zeit ein derart großes und wohlwollendes Feedback zu erhalten! Dafür bedanken wir uns und sehen dies als Ansporn, fleißig weiter an unserer Präsenz in den sozialen Medien zu arbeiten.

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Kalenderbild Oktober 2020: Die alma marTHa in meiner Alma Mater

Quelle: Sammlung Frauen

Das Kalenderbild des Oktobers dreht sich um das Thema Frauen an der RWTH. Der Frauenanteil der RWTH stieg von 1968 bis 1980 aufgrund der 60er Jahre Bewegung von 7 auf 28 Prozent an. Im Zuge dessen wurde 1987 der Arbeitskreis der Frauenförderung an der RWTH gegründet (AFRA). Da auch in anderen Universitäten des Landes die Zahl der weiblichen Studierenden rasant stieg, wurde 1989 die Landeskonferenz der Frauenbeauftragten der Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen in Aachen gegründet. Dort wurde entschieden, dass jede Universität eine Frauenbeauftragte bestimmen sollte. Um dessen gerecht zu werden, wurde 1991 Frau Brigitte Gilles als erste Frauenbeauftragte der RWTH Aachen gewählt. Inzwischen wurde das Amt der Frauenbeauftragte um einige Aufgabenbereiche erweitert und ist das heutige Gleichstellungsbüro.

Unser Kalenderbild stammt aus den ersten Tagen des neuen Amtes. Unter der Leitung von Frau Gilles, einer Symbolfigur der Frauengeschichte an der RWTH, wurde im Oktober 1992 die erste Informationsbroschüre zu diesem Thema herausgebracht. Gemeint ist die alma marTHa, welche in ihrem Namen ein geschicktes Wortspiel beinhaltet. Es ist eine Anspielung auf die Bezeichnung Alma Mater, welches in Nordamerika und im deutschsprachigen Raum als Synonym für die Institutionen der Universität genutzt wird. Dabei stammt diese Bezeichnung aus dem Lateinischen: Das römische “Epithet alma” bedeutet übersetzt so viel wie nährend oder gütig, wohingegen die Vokabel “mater” mit Mutter übersetzt wird. Der Name der Informationsbroschüre für Frauen an der RWTH ist also geschickt gewählt und wird nur noch dadurch abgerundet, dass sich bewusst dazu entschieden wurde mater in marTHa umzuändern, um den RWTH-Bezug zu schaffen.

In diesem Heft fand sich zudem ein Flyer zur Frauenvollversammlung. Dieser Flyer wurde noch von Hand skizziert und dann vervielfältigt. Er ist ein weiterer Beweis dessen, dass in den frühen 90er Jahren die Frauengeschichte der RWTH einen weiteren Meilenstein erreichte. Die Frauengeschichte an der RWTH endet nicht bei Maria Lipp, der ersten Professorin der RWTH. Das Hochschularchiv hat dementsprechend noch viel mehr zu diesem Thema in seinen Beständen. Schaut gerne mal ganz bequem und sicher von Zuhause in unsere Onlineausstellung, beispielsweise zum Thema Pionierinnen der Wissenschaft und erfahrt mehr zu diesem Thema. Alternativ könnt ihr uns natürlich auch gerne eine Mail schreiben. Wir freuen uns über euer Interesse. 

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Erster digitaler Tag des offenen Denkmals

Heute findet bundesweit der Tag des offenen Denkmals unter dem Motto „Chance Denkmal: Erinnern, erhalten, neu denken“ statt. „Erinnern und erhalten“, das passt sehr gut zu uns und unserer Arbeit im Archiv, die sich genau diesen Themen widmet. Gerade in der jetzigen Zeit ist der Begriff „neu denken“ passend, da auch die Umsetzungen des Tags des offenen Denkmals dieses Jahr digital gedacht wird.

Hierzu präsentieren wir euch eine Room-Tour durchs Archiv, damit ihr einen kleinen Eindruck bekommt, wie bei uns das Motto gelebt wird. Wir freuen uns schon auf die Zeit, wenn wir euch wieder persönlich im Archiv begrüßen dürfen.

Die Room-Tour findet ihr auf unserem Youtube-Kanal.
Hier findet ihr noch mehr zum Tag des offenen Denkmals.

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Kalenderbild September 2020: 35 Jahre Uniklinikum Aachen – Ein Jubiläum für Klinik und Universität

Signatur 2.16 ak

Unser Kalenderbild des Monats September zeigt eine Aufnahme des Uniklinikum Aachens, welche als Bestandteil einer Fotoreihe zwischen 1975 und 1980 beim Bau des Gebäudes von Helmut Kommans aufgenommen wurde. Der Fotograf überließ uns sein Werk, anhand dessen ich nun einen kurzen Einblick in die Geschichte unserer Universitätsklinik geben möchte.


Durch die Gründung der Medizinischen Fakultät am 18. Juni 1966 wurden die städtischen Krankenhäuser zwar zur Universitätsklinik ernannt, doch durch Raumknappheit und die steigende Patientenzahl wurde ein Neubau schnell erforderlich. Zudem konnte bei einer neuen Klinik die Idee, Krankenversorgung, Forschung und Lehre, kurz: Theorie und Praxis, unter einem Dach zu vereinen, umgesetzt werden – ein Modell, das zu dieser Zeit einmalig in Europa war. So wurden und werden weiterhin Vorlesungen, Vorträge, Forschungseinrichtungen und die praktische Arbeit am Patienten in einem Gebäude untergebracht. Auch der Sammelbau der Biologie, zu dem wir ebenfalls einige Dias archivierten, ist ein Teil dieses Konstrukts.
Bevor das Uniklinikum aber am 21. März 1985 feierlich eingeweiht werden konnte, verzögerten sich die Bauarbeiten, die 1975 begonnen wurden, deutlich.


Entworfen wurde das Uniklinikum von den Aachener Architekten „Weber,Brand & Partner“ in Zusammenarbeit mit Benno Schachner. Die Fotografie verdeutlicht die außergewöhnliche Architektur des Uniklinikums, bei der die Gebäudetechnik mit rotem Stahlgerüst und den gelb gestreiften Rohren sichtbar bleibt. Auch die Innenarchitektur ist mit der Farbgestaltung in Grün-, Silber und Gelbtönen außergewöhnlich und präsentiert den Stil der „technischen Moderne“, in  dem die Klinik entworfen wurde. Das ungewöhnliche Aussehen soll dabei das Ziel verdeutlichen, auf allen Ebenen – ärztlich, technisch, didaktisch und administrativ – „ein sinnvolles Zusammenwirken (…) zu erreichen“.


In diesem Jahr sollen rund 418 Millionen Euro in verschiedene Bau- und Sanierungsprojekte als Maßnahmen des Modernisierungsprogramms des Landes NRW investiert werden. So soll das Ziel der sinnvollen Zusammenarbeit unterstützt und der hohe Standard der Universitätsklinik der RWTH Aachen weiterhin gewährleistet werden, damit sie auch in Zukunft alle Menschen so unterstützen kann, wie sie es benötigen.

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Lebendige Geschichte im Hochschularchiv

Geschichte ist eine kontrovers beurteilte Thematik. Während die einen davon schwärmen, reißen die anderen Witze, man solle doch endlich die Vergangenheit hinter sich lassen und im Jetzt ankommen. Egal welche Meinung jemand vertritt, eines scheinen die meisten zu wissen: „Studiere das nicht!“, sagen sie, „Damit findest du ja doch keinen Job.“
In der Oberstufe war mir trotzdem klar, dass oben genannte Reaktionen mich nicht mehr beeindrucken –  komme, was wolle, ich wollte Geschichte studieren! Und da ich bis zum Studienbeginn noch Zeit hatte, die genutzt werden wollte, entschloss ich mich dazu, praktische Erfahrungen zu sammeln. Bei beruflichen Interessen, die Engagement erfordern, Interessen also wie meine im historischen Themengebiet, kann es nicht schaden, Praktika zu absolvieren.
Durch Erzählungen stieß ich bei meiner Suche auf das Hochschularchiv und bewarb mich auf gut Glück. Nicht einmal eine Woche später absolvierte ich meine Einführung bei Filis Falldorf.

Erst durch mein Praktikum wurde mir bewusst, welche Unwissenheit und Vorurteile gegenüber Archiven verbreitet sind, sodass mich die Frage „Was ist ein Archiv?“ sehr beschäftigte.

Von Anfang an fühlte ich mich wohl. Alle Mitarbeiter*innen waren freundlich, entgegenkommend und nett. Auch war meine Unerfahrenheit kein Problem. Ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie wenig Ahnung ich anfangs vom Archivwesen hatte und wie ich nach dem ersten Telefonat mit Frau Falldorf „Was genau ist ein Archiv?“ bei Google eingab, nur so zur Sicherheit. Zwar hatte ich das übliche Allgemeinverständnis dafür, was man sich unter dem Begriff „Archiv“ so vorzustellen hat, doch war das doch recht schwammig. Und wo war die Grenze zwischen einem „normalen“ und einem Hochschularchiv?
Durch die Module, die jeder Praktikant bei den Mitarbeiter*innen und bei Herrn Dr. Graf durchläuft, bekam ich eine gute Übersicht über das Grundkonstrukt und die Arbeit im Archiv. So erhielt ich zum Beispiel eine Einführung in die Paläografie, in Websitegestaltung, zuverlässige und korrekte Recherchemöglichkeiten, Online-Präsentationen, Bibliotheksorganisation und vieles mehr. Besonders gut gefielen mir dabei das Modul „Urheberrecht“ und das Umbetten alter Akten, die von Büroklammern befreit, vor Schimmel bewahrt werden müssen, usw. Aber auch die anderen Module waren interessant und bereiteten mich gut auf die praktische Arbeit vor, die bald begann.

Von Anfang an wurde mir gesagt, dass viel Wert auf „Learning by Doing“ gelegt werde und so konnte ich mich sehr schnell selbst einbringen und Verantwortung übernehmen. Dabei orientierte ich mich an einem mir anfangs ausgehändigten Leitfaden, der verschiedene Aufgaben auflistete und keine Langeweile aufkommen ließ. Ich wurde damit allerdings nie allein gelassen und konnte immer auf Hilfe und Unterstützung vertrauen. Durch gute Gespräche und Kommunikation war es ebenfalls möglich, meine obligatorischen Aufgaben mit meinen Interessen zu verbinden. So darf man sich die Sonderaufgabe zum Beispiel frei aussuchen, beim Video drehen durfte ich Vorschläge äußern und sie umsetzen, um nur wenige Beispiele zu nennen.
Ein Praktikum beim Hochschularchiv hält unglaublich viele Möglichkeiten für einen bereit, die Zeit auf unterschiedlichste Weise zu nutzen und Ideen umzusetzen, was vor allem an der Vielfältigkeit der Arbeit liegt. Vom Beantworten einer Anfrage über das Umbetten und Verzeichnen von Akten bis hin zu Social Media stehen einem alle Wege offen sich einzubringen. Besonders interessant ist dabei, dass jede Aufgabe eine Überraschung sein kann. Eine Anfrage eines Benutzers kann sich auf jedes nur mögliche Thema beziehen, das Entziffern von alten Schriften kann mal leichter, mal schwieriger sein und täglich hat man die Chance neue Einblick zu erlangen in all die Einzelschicksale aus längst vergangener Zeit. Sei es ein über 100 Jahre altes Fotoalbum, das verschiedene Teile Aachens abbildet, Personalakten von den Student*tinnen, die bereits vor bis zu 150 Jahren die RWTH Aachen besuchen, oder die Frauen in der Wissenschaft wie zum Beispiel Eleanor von Erdberg, die bei mir besonderen Eindruck hinterlassen haben – befinde ich mich im Hochschularchiv, spüre ich die Geschichte aus den Magazinen flüstern. Und das Wunderbare ist, dass, egal wie klein die zu erledigende Aufgabe auch sein mag, man selbst etwas zu diesem für die Ewigkeit gedachten Gedankengut beitragen kann.

Ich jedenfalls habe die Zeit im Hochschularchiv sehr genossen und möchte mich hiermit bei Herrn Dr. Graf und seinen Mitarbeiter*innen bedanken. Ich bin sehr dankbar, dass ich trotz der Corona-Lage die Möglichkeit bekommen habe, das Archiv, die damit verbundene Arbeit und das nette Team kennen zulernen.

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Das Verfahren des Hochschularchivs der RWTH Aachen während der Corona-Krise

Alle Mitarbeiter/-innen versuchen den Archivbetrieb aufrechtzuerhalten und arbeiten an verschiedenen Projekten im Homeoffice wie zum Beispiel dem Verzeichnen von Promotionskarten.

Ein Austausch des Teams findet per Mail, telefonisch und im WhatsApp-Chat statt. Via Mail verschicken die Mitarbeiter/-innen nach getaner Arbeit eine Tagesmitteilung, die alle über den aktuellen Stand in Kenntnis setzt. Jede/r meldet sich überdies mindestens einmal die Woche telefonisch bei dem Geschäftsführer und Archivar, Dr. Klaus Graf, um sich mit diesem persönlich auszutauschen.

Alle Aufgaben, die nicht dringend im Archiv verrichtet werden müssen, werden von zu Hause erledigt. Zum Datenaustauch nutzen wir die Campuscloud „Sciebo“. Anfragen zum Fotobestand können beispielweise, da dieser zum Großteil digitalisiert ist, im Homeoffice beantwortet werden. Alle weiteren Anfragen werden schnellstmöglich bearbeitet, sobald jemand vor Ort ist.

Das Archiv ist jede Woche mindestens acht Stunden besetzt. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen gestatten wir nur dringende Benutzungen vor Ort. Für diese Benutzung haben wir Regeln festgesetzt, die die Hygiene während der Einsicht der Archivalien gewährleisten soll. Weil wir nur wenige Benutzungen zulassen, haben wir uns als Team dazu entschieden, einen höheren Anteil als sonst einzuscannen und zu fotografieren, um dies zu kompensieren.

Außerdem versuchen wir mit dem Teilen von drei Beiträgen pro Woche – anstelle der üblichen zwei – auf unseren Social-Media-Kanälen Facebook und Instagram mit Archivnutzern und anderen Interessierten im Kontakt zu bleiben.

Wie das Verfahren bei unseren Kollegen in anderen Archiven ist, könnt ihr bei der Blogparade erfahren.

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Kalenderbild August 2020: Ehre, wem Ehre gebührt – Die Borchers-Plakette an der RWTH

Borchers-Plakette, verliehen an Dr. Hans-Karl Janssen

Wie aufmerksamen Leser*innen in unserem Posting am 29. April bekannt sein wird, ist auf manchen Promotionskarten der RWTH vermerkt, dass die betreffende Promotion mit einer Borchers-Plakette ausgezeichnet wurde. Nun stellt sich die Frage, was diese Auszeichnung bedeutet und welchen Hintergrund diese besitzt.

Vergeben wird die Borchers-Plakette als besondere Ehrung bei Erreichung eines Doktortitels an der RWTH durch den Rektor. Vorgabe ist dabei, dass die Prüfung mit dem Zusatz „mit Auszeichnung“ („summa cum laude“) absolviert werden muss. Die Ehrung ist dabei studiengangübergreifend. Dem Ausgezeichneten wird zudem seit 2006 eine Ehrennadel überreicht.

Namensgeber der Auszeichnung ist Professor Dr. Dr.-Ing. E.h. Wilhelm Borchers. Dieser war Angehöriger der RWTH in Form der Rolle des Ordinarius für Metallhüttenkunde vom 1. Oktober 1897 bis zu seinem Tode am 6. Januar 1925. Die Bezeichnung „Ordinarius“ beschreibt dabei die Person, die einen Lehrstuhl an einer Hochschule innehält. Wie in seinem Titel durch das Kürzel „Dr. Ing. E.H.“ (Doctor honoris causa) vermerkt wurde er mit einem Ehrendoktortitel bei seiner Promotion ausgezeichnet.

Professor Dr. Dr.-Ing. E.h. Wilhelm Borchers bekleidete von 1904 bis 1909 das Amt des Rektors. Die Borchers-Stiftung wurde in dieser Amtszeit, genauer am 01. Juli 1909, gegründet.

Rückseite einer Promotionskarte

Am Beispiel der gezeigten Promotionskarte sieht man, dass die Auszeichnung zusammen mit den Datum ihrer Verleihung auf der Rückseite der Promotionskarte vermerkt ist.

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Kalenderbild Juli 2020: Der Rektor, die Studenten der RWTH und die 60er Jahre – Eine aufwühlende Kombination

Unser Kalenderbild Juli zeigt zwei Fotos von einer Störaktion sowie die Stellungnahme des damaligen Rektors, H. Opitz, zu anderen Protestaktion im Zuge der 1968er Bewegung an der RWTH Aachen.

Auf den Fotos sieht man hier eine klassische Form des Protestes, wie sie oft an den Hochschulen dieses Landes vorgetragen wurde. Mit Rufen störten Studenten die Veranstaltung. Sie forderten mit ihren bekannten Slogans „Unter den Talaren – Muff von tausend Jahren“ die Hochschulen dazu auf, sich zu entnazifizieren. Auf den Fotos ist eine Störaktion zu sehen, welche sogar so weit ging, dass die Polizei gerufen werden musste.

Störaktion im Zuge der 1968er-Bewegung an der RWTH Aachen Quelle: Fotosammlung 8.3.1. (l.o.), 8.3.1_c (l.u.) , Akte 12013 b (r.)

Doch wie wild es wirklich in der RWTH während der 1968er-Bewegung zuging, erahnt man erst, wenn man sich die Zeit nimmt, die Stellungnahme des Rektors Herwert Opitz vom 12.06.1968 durchzulesen. Natürlich machen die Fotos auf den ersten Blick einen besseren Eindruck als der schlichte schwarze Text auf weißem Papier, dennoch hat er mich persönlich mehr fasziniert.

Dieser beschreibt die gewaltsame Seite der 60er-Jahre an der RWTH. Es ist hierbei jedoch vorsichtig mit der Quelle umzugehen – Fotografien lügen seltener, Worte sind da kritischer. Es ist offensichtlich, dass die Stellungnahme des Rektors nur auf die negativen Auswirkungen seiner Widersacher eingeht. Denn das waren die Studenten, welche seiner Meinung nach protestieren. Auch wenn man versucht, die Quellen möglichst kritisch zu betrachten, muss man zugeben, dass man eine neue Ebene der Bewegung kennenlernt.

Das sogenannte „Komitee“ aus Widersachern versperrte die Türen und versuchte, gewaltbereit ihre Mitstudenten vom Eintritt in das große Hörsaalgebäude und das Reiffmuseum abzuhalten. Dabei wurde sogar einer ihrer Kommilitonen so verletzt, dass er Schnittwunden erlitt, welche teilweise genäht werden mussten. Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet. Hier wurde es also sehr ernst.

Die 60er-Jahre an unserer RWTH waren also sehr turbulent. Sie stellen eine spannende Forschungsthematik dar, mit der wir uns als Team immer wieder gerne beschäftigen. 2018 haben wir zum Beispiel im Rahmen der Ausstellung „Flashes of the Future“ im Ludwig Forum einen kleinen Teil dieser Ausstellung mit Dokumenten aus unseren Beständen mitgestaltet. Online haben wir dazu einen Ausstellungskatalog für euch bereitgestellt. Darüber hinaus bietet das Archiv zu diesem Thema viele weitere Archivalien. Also kommt gerne vorbei und stöbert selbst in unseren Beständen! 

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Kalenderbild Juni 2020: Alle guten Dinge sind Drei – Ein Aquarell von Otto Gruber

Aus der langen Liste der Rektoren, welche die RWTH Aachen seit ihrer Gründung am 10. Oktober 1870 geleitet haben, sticht Otto Gruber ganz besonderes hervor. Er leitete die Hochschule nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten von 1934 bis 1937 und förderte in diesem Zeitraum die „Nazifizierung“ des Hochschulwesens enorm. Mit dem Kalenderbild (Kb.) Juni findet nun bereits zum dritten Mal eines seiner Aquarelle Eingang in den Jahreskalender des Hochschularchives.

Aquarell vom Otto Gruber, Rektor der RWTH Aachen von 1934-1937 (Quelle: Sammlung Gruber)

Erstmalig präsentierten wir ein Aquarell Grubers im Juni 2014 und erneut im April 2018. Wenn man diese beiden Aquarelle  mit dem aktuellen Kalenderbild vergleicht, fällt eine zentrale Gemeinsamkeit auf. Alle drei Aquarelle vermitteln dem Betrachter einen ruhigen, ja fast schon idyllischen Eindruck der dort abgebildeten Landschaften: sei es ein Friedhof mit verschieden ländlichen Gebäuden im Hintergrund (Kb. Juni 2014), ein Dorf in Mitten von Feldern (Kb. April 2018) oder ein Lands-/Gutsherrenhaus im Grünen (Kb. Juni 2020). Auffällig ist zudem der Umstand, dass Gruber bei allen Bildern viele unterschiedliche Grüntöne verwendet hat, welche den Betrachter – neben den Motiven selbst – zum Innehalten und Reflektieren animieren.

Unser diesjähriger Kalender ist jedoch kein gewöhnlicher, da er ganz im Zeichen des 150-Jährigen Jubiläums der RWTH Aachen steht. Auch wenn Otto Gruber der Hochschule „nur“ vier Jahre lang vorstand, so ist dieser Zeitraum für die gesamtgeschichtliche Entwicklung des Aachener Hochschulwesens umso gewichtiger angesichts des historischen Kontextes der Machtergreifung der Nationalsozialisten unter der Führung Adolf Hitlers.

Unter diesem Gesichtspunkt sind die o.g. Kalenderbilder aus den Jahren 2014 und 2018 entstanden. Sie beschreiben den Werdegang Otto Grubers, seine Rolle im nationalsozialistischen Staat als Rektor der RWTH Aachen und berücksichtigen auch seine weitere Lebensgeschichte nach Gründung der BRD. Das aktuelle Kalenderbild soll angesichts des 150-jährigen Jubiläums noch einmal hervorheben, welchen Einfluss Otto Grubers auf die Entwicklung der RWTH genommen hat.

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Studentenverbindung Pomerania

Unser Archivar, Herr Dr. Klaus Graf, kam vor einiger Zeit in den Besitz von dem leicht abgegriffenen braunen Fotoalbum, welches ich beim Schreiben gerade vor mir liegen habe. Er hatte es auf einem Flohmarkt gekauft. Beim ersten Hinschauen war ich ein wenig verwirrt, was dieses Exemplar denn nun mit der Hochschule zu tun haben könnte. Doch man muss wohl Henri Cartier-Bresson immer rechtgeben wenn er schreibt: „Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.“ Denn beim zweiten Hinsehen wurde mir der wahre Wert des Fotoalbums bewusst.

Der Besitzer dieses Fotoalbums, wie ein Blick auf die Rückseite eines seiner Portraits verrät, heißt Kurt Grünwald. Im Fotoalbum selber befindet sich keine Auskunft über seine Geburts- und Sterbedaten. Dafür mussten wir das Essener Stadtarchiv bemühen. Kurt Grünwald war der Sohn von Paul Grünwald, ein Abteilungsvorsteher bei der Firma Krupp. Er wurde am 3.10.1909 in Essen geboren und hat im Jahr 1928 seine Abiturprüfung in der Krupp-Oberrealschule in Essen abgelegt. Er kehrte ihm Jahre 1939 mit dem Titel des Diplomingenieurs wieder nach Essen zurück. Verstorben ist Kurt Grünwald am 09.06.1976 in Melle (Niedersachsen).  Außerdem schickte das Stadtarchiv Essen uns eine Fotografie zum Abgleich mit dem Fotoalbum. Durch den Bildabgleich konnten wir verifizieren, dass der Kurt Grünwald, den uns das Stadtarchiv Essen beschrieb auch wirklich die Person aus dem Fotoalbum ist.

Das Stadtarchiv Essen, für deren Mithilfe wir uns hiermit herzlich bedanken wollen, hat also schon einige Informationen für uns bereitgestellt. Doch erst ein Blick in die einzelnen Seiten des Fotoalbums füllen die bloßen Eckdaten seines Lebens mit Geschichten.

Grob lässt sich das Fotoalbum in 3 Themenbereiche gliedern: Vor dem Eintritt in die Studentenverbindung, nach Eintritt in die Studentenverbindung Landsmannschaft „Pomerania“ und ein Sammelsurium an unterschiedlichen Werken am Ende des Fotoalbums.

Kurt Grünwald begann sein Studium im Jahre 1929 in Aachen und trat zuerst der Landsmannschaft „Pomerania“ bei. Über die Landsmannschaft „Pomerania“ ist bekannt, dass sie am 09.11.1792 an der Universität Halle an der Saale von Studenten aus Pommern gegründet wurde. Der Name „Pomerania“ lässt sich vom Namen der Gründungsstadt der Pommern ableiten. Laut Unterlagen der Universität Halle traten bereits 1717 Studenten aus Pommern in Halle der „Pomerania“ bei, somit zählt die Landsmannschaft „Pomerania“ zu eine der ältesten Studentenverbindungen in Deutschland. Die pommerschen Landesfarben himmelblau-weiß wurden zu den Farben der Verbindung, wobei schwarz als Symbol der lebenslangen Freundschaft bis zum Tode hinzugefügt wurde.

Jene Aachener Pomerania, so wie wir sie heute kennen, hat ihren Ursprung in zwei verschiedenen Studentenverbindungen desselben Namens.
Die erste Pomerania wurde in Halle am 9.11.1792 gegründet und hatte dort ihren Sitz bis zur zwangsweisen Auflösung. Die zweite Pomerania wurde in Wismar am Polytechnikum  gegründet (12.5.1920). Diese siedelte nach Aachen über und bildeten zunächst die Freie akademische Verbindung Pomerania.

Diese (erste) Aachener Pomerania wurde Mitglied der DL (Deutsche Landsmannschaft) 1924-26. Da man in Aachen nur eine kleine Altherrenschaft hatte, war die Anschaffung/Unterhaltung eines Hauses nicht möglich. Stattdessen wurden wechselnde Kneiplokale belegt. Das kann man auch gut am Fotoalbum nachvollziehen. Viele der Versammlungen fanden an den unterschiedlichsten Orten statt.
In der Zeit des Nationalsozialismus kam das Verbindungswesen in ganz Deutschland unter die Räder und die Pomerania in Aachen als auch in Halle, die bis dahin zwei getrennte Verbindungen in der DL waren, wurden suspendiert.

Nach dem Krieg rekonstituieren sich beide Verbindungen. 1952 kam es dann zur Vereinigung beider Verbindungen aus der die heutige Aachener Pomerania hervorgegangen ist, und die sich auf Alte Herren aus beiden Verbindungen stützt. Insofern findet sich im heutigen Wappen sowohl der Wahlspruch der alten Pomerania Halle als auch der alten Pomerania Aachen. Ebenso ist im Wappen ein Teil des Stadtwappens von Aachen als auch von Halle zu sehen.
Seit 1961 besitzt die Pomerania auch ein Haus in der Turmstraße 4, welches zentral zur RWTH liegt.

Mit der Landsmannschaft feierte Kurt Grünwald ein Karnevalsfest, verbrachte mit ihr einen Mensurtag in Mausbach und besuchte den Pelzerturm, wie die Fotos dokumentieren. Auch der Besuch einer Vorlesung bei Professor Benrath für anorganische und Elektrochemie, der auch Direktor eines Laboratoriums war, ist auf einem der Fotos zu sehen. Zudem scheint Grünwald Freunde in den Mitgliedern der „Pomerania“ gefunden zu haben. – So fanden wiederholte Grenzlandfahrten zwischen 1929 und 1931 von Eupen nach Malmedy statt. An diesen nahmen auch die „Pommerdamen“, die Diplomingenieure Lehning und Schmidt teil. Zudem besuchte die „Pomerania“ eine Weihnachtskneipe und einen Exbummel in Derichsweiler. Im Jahre 1931 schloss sich eine Grenzlandfahrt nach Monschau an. Auch mit sportlichen Erfolgen beispielsweise beim Faustball, wo sie den 2. Platz belegten, konnten sie überzeugen. Vom 03. bis zum 05.07.1931 fand das 12. Stiftungsfest der Landsmannschaft „Pomerania“ in Aachen statt. Und auch die Damen kamen nicht zu kurz, wie Bilder vom Begrüßungsabend und dem Frühschoppen in Kornelimünster belegen. Am Ende des Fotoalbums wird zudem eine Exkursion im Jahre 1935 nach Bochum, Hamborn, Haspe, Soest abgebildet. Aber auch der Nationalsozialismus, der zunehmend Einzug in Aachen hielt, wird dokumentiert.

Wie die Bilder im Fotoalbum belegen, handelt es sich bei der „Pomerania“ um eine Studentenverbindung, die, wie auch anderen Studentenverbindungen, den Studierenden eine Möglichkeit für gemeinsame Aktivitäten bot und auch heute noch bietet.

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Kalenderbild Mai 2020: Nachschlagen in der Vergangenheit

Jubiläumsausgabe 100 Jahre Aachener Adressbuch 1838 bis 1938 (Quelle: Hochschularchivbibliothek Hb 1938)

Unser Kalenderbild zum Mai zeigt eine Jubiläumsausgabe zum 100-jährigen Bestehen des Aachener Adressbuches von 1838 bis 1938. Dieses Werk wurde uns von der Bibliothek des Historischen Instituts der RWTH überlassen und stellt eine besondere Publikation in unserer Bibliothek dar. Das Adressbuch in gebundener Form gibt es zwar heute immer noch, aber die Internetnutzung hat deren Gebrauch so gut wie abgelöst. 1938 war man allerdings auf ein solches Nachschlagewerk noch angewiesen.

Ganz links in der Collage ist das Coverbild des Buches zu erkennen. Die beiden anderen Fotos zeigen Seiten aus dem Werk, wo aufgelistet wird, wo die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) damals ihre Standorte hatte, gekrönt von einem Hakenkreuz. Die rechte Seite gibt eine Übersicht zu den verschiedenen Behörden. Eine weitere Seite dieses Buches hält außerdem fest, dass Adolf Hitler damals der Ehrenbürger der Stadt Aachen war.

Neben diesen Inhalten hat dieses Buch noch mehr als Adressen und Namen zu bieten. Darin ist auch die Entwicklungsgeschichte zum damaligen Adressbuch mit Bildern festgehalten. Das erste Aachener Adressbuch wurde 1838 von der Druckerei und Verlagsanstalt „Peter Ulrichs“ gedruckt. Die Adressbücher von 1838 bis 1970 von Aachen sind online einsehbar, sowie auch deren Vorgänger. Außerdem findet man in diesem Werk: Telefonnummern, Werbungen, einen Rückblick und Ausblick von Aachen mit Fotos und Zeichnungen zur Straßenverteilung. Es ist also mehr als bloß ein Adressbuch – es hält ein Stück der Geschichte von Aachen fest.

 

 

 

 

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Das Mysterium um den Namen der RWTH

Signatur: 2.1.10-e

Eine der häufigsten Anfragen, welche wir bekommen, bezieht sich auf die unterschiedlichen Namenswechsel unserer Hochschule. Der Name unserer Hochschule änderte sich im Laufe der Zeit ständig. Nachvollziehbar, dass es deswegen oft zu Verwirrungen kommt. Wir haben versucht, die groben Meilensteine zur Namenswahl der RWTH zusammenzustellen. 

Die verschiedenen Namen der RWTH über die Jahre hinweg hängen hauptsächlich mit der Entwicklung des Bildungswesens zusammen. Die im 19. Jahrhundert in Deutschland gegründeten Bildungsinstitutionen im technischen Bereich übernahmen nach und nach von 1825 bis 1868 die Bezeichnung Polytechnikum. Diese waren noch eher kaufmännisch-industriell ausgerichtet.

Mit der zunehmenden Akademisierung der technischen Lehre (verstärkte Anwendung der Mathematik und wissenschaftlicher Methoden) änderte sich auch die Struktur der Polytechnika, wodurch sie zwischen den Jahren 1872 und 1885 in „Technische Hochschulen“ umbenannt wurden. Des Weiteren bestand in den früheren Jahren der Hochschule eine ständige Auseinandersetzung zwischen dem preußischen Handels- und dem Bildungsministerium, welche in der Ausrichtung der Schule unterschiedliche Ansichten hatte. Dazu kommt, dass eine weitere Diversifizierung in den Fächern (Fakultäten/Abteilungen für Elektrotechnik und Chemie wurden gegründet) die Bildungsanstalt rasch wachsen ließ und sie sich erneut stark wandelte. Dies führte wahrscheinlich zu erneuten Namenswechseln.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wiederum waren ca. 70% der Universitäten zerstört. Der darauffolgende Wiederaufbau und die in den Sechzigern folgenden Fakultäten für Geisteswissenschaften und Medizin schienen nun eine stabile und beständige Hochschule zu begründen. Außerdem waren die technischen Fächer weitestgehend als akademische Disziplinen etabliert, was eventuell zu dem ausbleiben massiver Reformen (und Namensumbenennungen) geführt hat. Wer genau für die Namensumbennenungen verantwortlich war und warum gerade diese Namen gewählt wurden, ist für uns leider nur schwer nachzuvollziehen, da dieses Phänomen nicht nur der RWTH geschuldet ist, sondern auch den damaligen Deutschen Bildungswesen und dessen Reformen, über die wir keine Unterlagen besitzen.

The Mystery about the Name of the RWTH

One of the most frequent requests that we get is about the different name changes of our college. The name of our college has changed in the past quit often, so it´s really understandable how confusing it can be. We tried to collect all the milestones of the name changes of the RWTH for you.

The different names of the RWTH over the years are mostly reasoned with the hallmarks of the education system developments. The educational institutions of the technical sector, which were established in 19th century Germany, changed their names between 1825 and 1868 to “Polytechnikum“. These institutions were mainly focused on commercial and industrial training.

The structure of the Polytechnika changed with the growing academization of the technical teachings and doctrines (coming with an increased use of mathematics and scientific methods). Therefore, they were renamed as “Technische Hochschulen“ between 1872 and 1885. In the early years of our college, there was a constant dispute between the Prussian Department of Commerce and the Prussian Ministry of Education, which had different viewpoints on the orientation of our college. The further expansion in the different subjects (for example, how faculties/departments of electrical engineering and chemistry were founded) allowed the educational institution to grow fast, and let the colleges make immense changes once again. This led to more potential name changes as well.

After the Second World War, nearly 70% of German colleges were destroyed. The following reconstruction, rehabilitation and the addition of the Faculty of Humanities and Medicine seemed to establish a stable and permanent college in Aachen. Furthermore, the technical subjects were largely established in the academic disciplines, which eventually led to an absence of bigger reforms (and name changes). Unfortunately, those who are responsible for the name changes and why exactly they chose this name cannot be uncovered. At the time of the phenomenon, the name was not only owed by RWTH, but also by the German education system, and our archive doesn‘t have any corresponding documents to discover that information.

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Wichtige Informationen bezüglich der Corona-Pandemie

Aufgrund der Corona-Pandemie hat sich das Hochschularchiv der RWTH dazu entschlossen, vorwiegend und bis auf Weiteres, seine Arbeiten in den Homeofficebereich zu verlagern. Wir werden jedoch trotzdem versuchen, unsere Social-Media-Kanäle wie gewohnt zu bespielen und euch bei neuen Informationen auf dem Laufenden zu halten.

Gerne könnt ihr uns eure Anfragen dennoch per Mail zuschicken. Wir werden versuchen, diese dennoch so umfangreich und schnell wie möglich zu beantworten. Dringende Benutzungen müssten zuvor telefonisch mit uns besprochen werden. Für den Fall, dass Antworten etwas länger Zeit in Anspruch nehmen, bitten wir um Verständnis.

Wir wünschen euch allen, dass ihr bei bester Gesundheit bleibt!

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Ein kleiner Wegweiser im Web-Dschungel: Die Links des Hochschularchivs auf einen Blick (Tag der Archive 2020)

Herzlich willkommen zum 10. Tag der Archive. Der heutige Tag findet unter dem Motto „Von der Depesche bis zum Tweet“ statt.
Kommunikation findet bei uns aktuell auf etlichen verschiedenen Kanälen statt.
Was ganz gut ist, da wir auch in der aktuellen Situation, Stichwort „Corona“, kommunizieren wollen. Normalerweise schließen wir uns an dem Tag der Archive mit dem Stadtarchiv Aachen kurz, um euch dort an einem eigenen Stand unser Hochschularchiv zu präsentieren. Am Sonntag werden wir jedoch nicht daran teilnehmen, da man vorsorglich wegen des Corona-Virus Versammlungen meiden soll. Dafür wollen wir aber durch einen „Tweet“ bzw. einem Blogbeitrag via virtueller Ausstellung auf uns aufmerksam machen.

In diesem Blogbeitrag wollen wir hier erstmals eine Linksammlung erstellen, um auf unser digitales Angebot aufmerksam zu machen.

Unsere Onlinepräsenz im Allgemeinen – Instagram, Facebook, Blog und YouTube:
Ganz im Zeichen des Mottos haben wir nachgeschaut, wann unser erster Post auf Facebook abgesetzt wurde – „Tweets“ haben wir nicht. Uns findet man aktuell nicht auf Twitter, dafür auf Facebook (https://www.facebook.com/ArchivRWTH), Instagram (https://www.instagram.com/hochschularchiv_rwth_aachen/), YouTube (https://www.youtube.com/channel/UC1UyrjPMZrwfuly0oNf9Omw?view_as=subscriber) und auf unserem Blog (https://www.archiv.rwth-aachen.de/). Doch wie lange machen wir das schon? Seit dem 22.08.2013 nutzen wir Facebook, um euch da draußen über uns und unsere Arbeit zu informieren. Dabei sind eine Menge Beiträge zustande gekommen. Nach Sichtung der Artikel haben wir einen Kurzfilm auf YouTube hochgeladen, auf dem wir für euch Eindrücke aus den letzten 7 Jahren Öffentlichkeitsarbeit nochmal als Extrakt zusammengestellt haben (https://youtu.be/f3ifouLq4e8).

Unser Blog – Kalender, Blogbeiträge, Öffnungszeiten:
Wir verstehen uns vor allem als Bürgerarchiv. das heißt: Dienstleister für unsere Benutzer und freuen uns über jeden Besucher. Für alle die es nicht bis in unser Haus schaffen, pflegen wir den Kontakt nicht nur via Facebook, sondern auch mittels YouTube und Instagram.
Unsere Homepage (https://www.archiv.rwth-aachen.de/) wird regelmäßig aktualisiert. Dort gibt es die Möglichkeit via Online-Recherche einen großen Teil unserer Archivalien zu ermitteln.

Direkt auf der Startseite erscheint regelmäßig ein Beitrag mit Themen aus unserem Archiv.
Wer sich für Studentenverbindungen an der RWTH Aachen interessiert, sollte unbedingt den Blogbeitrag dazu lesen: https://www.archiv.rwth-aachen.de/2019/10/16/studentische-zeichen-in-aachen-ein-viel-groesseres-thema-als-man-erwartet/.).
Wir geben jährlich einen hauseigenen Kalender mit ausgewählten Exponaten heraus. Den Kalender von diesem Jahr, sowie die der letzten Jahre könnt ihr auch online anschauen und herunterladen. (https://www.archiv.rwth-aachen.de/digitale-angebote/). Die Motive werden jeden Monat im „Kalenderbild des Monats“ auf unserer Homepage aufgegriffen und erläutert. Hier findet Ihr den Beitrag zum Kalenderbild März (https://www.archiv.rwth-aachen.de/2020/03/06/kalenderbild-maerz-2020-erinnerungen-an-aachen/).

Auf unserem Blog kann man auch unsere Öffnungszeiten einsehen (https://www.archiv.rwth-aachen.de/kontakt/). Denn trotz des umhergehenden Corona-Virus haben wir dennoch für Benutzer geöffnet. Sie sind immer herzlich willkommen!

Unser YouTube-Kanal:
Unsere Onlinearbeit kann man jedoch nicht nur „lesen“, sondern auch „sehen“ im ganz wörtlichen Sinne. Seit einigen Jahren sind wir auch auf YouTube präsent (https://www.youtube.com/channel/UC1UyrjPMZrwfuly0oNf9Omw?view_as=subscriber). Unsere Followerzahl des YouTube-Kanals ist zwar noch nicht allzu groß, aber dennoch versuchen wir, wie jetzt zum Tag der Archive, ihn immer wieder zu bespielen. Für den Tag der Archive haben wir, wie schon erwähnt, eine Zusammenstellung unserer 7 Jahre Öffentlichkeitsarbeit auf Facebook geleistet. (https://youtu.be/f3ifouLq4e8) Doch auch sonst haben wir einige Videos zu bieten.

Habt ihr vielleicht Interesse an einem Praktikum? Dann schaut euch doch unser Video dazu an! In diesem erklärt euch eine ehemalige Praktikantin, was sie bei uns alles gelernt hat und wieso sie es so empfehlenswert findet. (https://www.youtube.com/watch?v=VS7_J1yKGOI&t=15s)

Oder braucht ihr Nachhilfe bei der Paläographie? Die 10 goldenen Regeln werden euch dabei sicher helfen. (https://www.youtube.com/watch?v=z0YsJAbAOcU&t=1s)

Außerdem darf in der Auflistung unserer Videos natürlich nicht unser Imagevideo fehlen. Dies findet ihr hier: (https://www.youtube.com/watch?v=f8WbR7uU8_o).

Unsere Unterstützung bei Ausstellungen von Museen und unser Online-Angebot dazu:
Doch natürlich findet Öffentlichkeitsarbeit bei uns nicht nur online statt. Zu unserer Aufstellung in den sozialen Netzwerken haben wir natürlich auch Öffentlichkeitsarbeit im klassischen Sinne. Wir nehmen am Tag der Archive sowie am Tag des offenen Denkmals teil (da unser Archiv im Alten Regierungsgebäude der Stadt Aachen gelegen ist und einige Denkmäler zu bieten hat). Außerdem haben wir schon an vielen Ausstellungen mitgeholfen und einige selbstständig erstellt.

Die RWTH Aachen feiert dieses Jahr ihr 150. Jubiläum. Das Centre Charlemagne arbeitet derzeit an einer Ausstellung unter dem Motto: „Lernen. Forschen. Machen. 150 Jahre RWTH Aachen“. Wir, als Hochschularchiv der RWTH Aachen, steuern mit unseren Archivalien umfangreich dazu bei. Am Freitag, dem 15. Mai 2020 um 19 Uhr ist Eröffnung. Der Eintritt ist frei! Weitere Informationen dazu findet ihr unter https://www.centre-charlemagne.eu/ausstellungen/kommende-ausstellungen-2/.

Wir haben schon an vielen anderen Präsentationen mitgeholfen, wie an der 1968er-Ausstellung im Ludwig Forum. Außerdem haben wir schon früher einige Ausstellungen selbstständig erstellt. Ihr findet diese ebenfalls auf unserem Blog. (https://www.archiv.rwth-aachen.de/prasentationen/)

Abschließend geben wir euch noch zweierlei Anregungen mit auf dem Weg:
Zum Thema Kommunikation, IT und Vernetzung empfehlen wir euch die Chronik von 1958 bis 2018
des heutigen IT Centers der RWTH Aachen. Dort wird aufgezeigt, wie die Kommunikationstechnologien Ihren Einzug in die RWTH Aachen gefunden haben: https://www.itc.rwth-aachen.de/global/show_document.asp?id=aaaaaaaaaayyzsv.

Auf der Homepage des Arbeitskreis Kölner Archivarinnen und Archivare zeigen zwölf der Kölner Archive als Gemeinschaftsprojekt zum Tag der Archive Quellen aus ihren Beständen in einer virtuellen Ausstellung:
http://www.koelnerarchive.de/index.php?id=8.


Wir freuen uns auf noch viele weitere „Tweets“ für euch!
In diesem Sinne einen schönen Tag der Archive allerseits ?. Auch wenn die Erstellung eines Blogbeitrages uns viel Spaß gemacht hat, freuen wir uns schon darauf, in vermutlich zwei Jahren wieder einen Stand im Stadtarchiv zu belegen und euch dann dort persönlich zu treffen.

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Kalenderbild März 2020 – Erinnerungen an Aachen

Fotosammlung 9.2.by

Welcher Aachener kennt unser Kalenderbild für den Monat März wohl nicht?

Das Aachener Rathaus ist mehr als nur ein beliebtes Touristenziel oder ein wunderschöner Ort für die Eheschließung! Mitten im Herzen von Aachen wurde das Gebäude in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet und löste somit das Grashaus in seiner Funktion als Rathaus ab. Zwischen 936 und 1531 war das Rathhaus der Ort für die Festmähler der Aachener Königskrönungen. Der Krönungssaal kann auch heute noch besichtigt werden. 

Die Aufnahme vom Aachener Rathaus entstand vor 1885 und stammt aus einem Album, welches uns überlassen wurde. Der Titel des Albums lautet „Dem scheidenden Herrn Professor Dr. Carl von Lemcke von seinen Aachener Freunden März 1885“. Carl von Lemcke wurde am 26. August 1831 Schwerin geboren. Er war vom 01.10.1877 bis 31.03.1885 Ordinarius für Allgemeine Kunstgeschichte und Ästhetik an der TH Aachen. Der Titel des Fotoalbums lässt vermuten, dass von Lemcke das Album vor seinem Wechsel an die Technische Hochschule Stuttgart als Abschiedsgeschenk erhalten hatte. In diesem sind Portraits von verschieden Personen und Bilder von Gebäuden als Erinnerung an die Zeit in Aachen enthalten. Neben dem Aachener Rathaus durften hier beispielsweise der Aachener Dom und der Elisenbrunnen nicht fehlen! 

http://www.route-charlemagne.eu/Stationen/Rathaus/

https://de.wikipedia.org/wiki/Aachener_Rathaus

https://www.archiv.rwth-aachen.de/lehrkoerper/

https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Lemcke

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Win-Win-Situation: Archivarin trifft auf Hochschularchiv

Unser Hochschularchiv ist, wie jede kleine Abteilung der RWTH, ein bunter Haufen voller Hiwis, Ehrenämtlern und Praktikanten. Der Weg in das Hochschularchiv verläuft für unsere Mitarbeiter nicht immer besonders gradlinig. Wieso jeder Einzelne in Aachen ist, was derjenige so eigentlich sonst so macht und wie das Leben bei ihm bisher so verlaufen ist – dass interessiert uns doch immer, wenn man auf neue Menschen trifft. Auch ich muss zugeben, dass es mir nicht anders ergangen ist, als ich vor einigen Monaten das erste Mal unsere neue Mitarbeiterin, Janine Holzum, getroffen habe. Besonders spannend fand ich dabei, dass Sie, anders als wir alteingesessenen Hiwis, nicht ihren Bachelor in Geschichte, Politik oder Theologie gemacht hat, sondern in dem Fachbereich Informationswissenschaften: Archiv. Janine und ich haben deswegen ein kleines Interview geführt, um zu skizzieren, wie „die Neue“ denn so ihren Weg zu uns gefunden hat – und wieso das auch gut so ist!

Frage (Sarah): Du bist also Archivarin…. soso. Wie bist du denn auf die Idee gekommen Archivarin zu werden? Kann man das eigentlich studieren? Kann man damit überhaupt Geld verdienen? Findet man damit überhaupt einen Job?


Antwort (Janine): Tatsächlich wollte ich gar nicht Archivarin werden (lach). Nachdem ich als Kind lesen gelernt hatte, wollte ich immer Bibliothekarin werden. Leider war im Kreis Viersen und Umgebung, meinem Einzugsbereich, keine einzige Stelle zu finden. Eines Tages kam ein Anruf von Herrn Friebel (damals Zuständiger für die Auszubildenden vom Kreis Viersen) ob ich nicht eine Ausbildung im Archivwesen machen möchte, da die Ausbildung in der Bibliothek und im Archiv simultan sei. (Das entsprach nicht ganz der Wahrheit, was ich ziemlich schnell während meiner Ausbildung herausfand.) So jedenfalls sah mein Einstieg in die Archivwelt aus. Beim Kreis Viersen habe ich dann in 2,5 Jahren Ausbildungszeit meinen Abschluss als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste (FaMI) mit Fachrichtung Archiv absolviert. Die Entscheidung für das Archivstudium in Potsdam war mein persönliches Bekenntnis für den Beruf des Archivars. Nach den rund 8 Jahren Archivpraxis hat man die Arbeit mit all Ihren Facetten gern gewonnen. Aber die wirklich spannenden Bereiche bleiben einem als FAMI einfach verwehrt. Also war für mich der logische Weg auf meine Ausbildung aufbauend das Archivars- Studium abzuschließen.

In diesem Moment müssen Janine und ich herzlich lachen. Diese Fragen kennt wohl jeder, der sich nach seinem Abitur dazu entschlossen hat eine gesellschaftswissenschaftliche Richtung einzuschlagen. Es fühlt sich befremdlich für mich an tatsächlich mal am anderen Ende des Tisches zu sitzen und ihr dieselben quälenden Fragen zu stellen, welche ich selbst so sehr hasse. Doch zum Glück nimmt Janine es mit Humor. Sie weiß wie es gemeint ist und so beginne ich mir alles zu notieren.

Frage (Sarah): Puh nach acht Jahren Archivpraxis muss man sich ja wirklich sicher sein! Aber dann hast du nicht einfach so studiert wie wir anderen nicht wahr? Für dich gab es keine Erstiwoche, Studentenpartys und Vollversammlungen oder? Bei dir war das alles ein wenig anders.

Antwort (Janine): Mein Studium war in erster Instanz eine Fortbildung von 26 Modulen, an der ich im Rahmen einer Fernweiterbildung an der Fachhochschule Potsdam teilgenommen habe. Die Inhalte der Fernweiterbildung stimmen mit denen im Direktstudium so ziemlich überein. Daher kann man sich die Leistungen im Anschluss anerkennen lassen. Das bedeutet, dass eine Kommission alle wesentlichen Aspekte prüft und dann entscheidet, ob man ins 7. Semester des Direktstudiums eingestuft werden kann. In diesem Semester habe ich dann meine Bachelorarbeit geschrieben und meinen Titel Bachelor of Arts, des Bachelorstudiengangs Archiv erworben. In meiner Lebenssituation als arbeitende Mutter war dies die einzige Möglichkeit die Archivwissenschaften zu studieren. Ein Präsenzstudium in Potsdam oder Marburg wäre für mich nie in Frage gekommen. Neben dem umfang- und abwechslungsreichen Input hat mir besonders gefallen, dass ich in einem gewissen Rahmen selbstständig über die Organisierung und Strukturierung meiner Lernphasen entscheiden konnte. Bis auf die fixen Klausur- und Hausaufgabentermine waren wir, meine Kommilitonen und ich, angehalten selbstständig zu denken und zu arbeiten. Neben den zur Verfügung gestellten Informationen auf der Lernplattform Moodle, musste immer noch eine Menge Recherchearbeit betrieben werden. Das habe ich wirklich gerne gemacht. Mein Steckenpferd waren alle IT betreffenden Inhalte – Also XML, HTML, Webtechnologien, Datenbanken usw. Kritisch fand ich teilweise die Problematik keine oder erst verspätete Rückmeldungen von Professoren auf meine Fragen zu erhalten.

Frage (Sarah): Du hast also viel reingesteckt und viele kleinere und größere Opfer gebracht um Archivarin zu werden. Aber siehst du die Arbeit als Archivarin eher als Beruf oder als Berufung an? Und hat sich dies im Laufe der Zeit geändert?

Antwort (Janine): Am Anfang musste ich einfach einen Job haben. Als junger Mensch macht man sich neben den Arbeitsbedingungen, Gehalts- und Aufstiegsmöglichkeiten nicht wirklich Gedanken über ethische oder gesellschaftliche Aspekte eines Ausbildungsberufs. Ich glaube schon, dass man eine gewisse Neigung haben und gewisse Tugenden mitbringen muss – trotzdem, das volle Bewusstsein, über die Verantwortung in diesem Beruf, hat sich erst mit der Erfahrung, also mit der Arbeit selbst und mit einer gewissen persönlichen Reife eingestellt. Wenn man älter wird nimmt man sich selber nicht mehr so wichtig und bekommt eher einen Blick für die Zukunft – Eine Zukunft, in der die heutigen Archivare nicht mehr da sein werden – im Gegensatz zu unseren wertvollen Dokumenten – sofern wir heute unsere Arbeit gut gemacht haben. Deswegen kann ich ehrlich sagen, dass der Beruf heute zu einer Berufung geworden ist.

Frage (Sarah): Schön das wir eine Berufungsarchivarin zu uns ans Land gezogen haben und nicht nur jemanden, der nur mit halben Herzen dabei ist (lach). Doch wie bist du eigentlich an das Hochschularchiv der RWTH Aachen gekommen? Denn hier in Aachen kann man ja gar nicht Archivwesen studieren?

Antwort (Janine): Da ich nach meinem Studium keine passende Stelle als Archivarin bekommen habe, studiere ich derzeit in meinem Erziehungsurlaub an der RWTH Aachen Lehramt Sek. II Biologie und Informatik. Als Studentin dieser Institution habe ich die Möglichkeit, als studentische Hilfskraft im Hochschularchiv als Archivarin zu arbeiten. Glücklicherweise hat mir das Archiv nach meiner Initiativbewerbung eine Stelle angeboten. Das gibt mir die Chance, in eine für mich neue Archivsparte hineinzuschnuppern und Berufspraxis als Archivarin zu sammeln.

Frage (Sarah): Und was erhoffst du dir konkret bei der Arbeit im Hochschularchiv? Was ist vielleicht anders als bei deiner Arbeit davor? Was gefällt dir hier besonders gut?

Antwort (Janine): Für mich ist das ein besonderer Gewinn, da es mir nochmal eine ganz neue Perspektive auf die Zusammenarbeit mit Fachfremden (Studenten) gegeben hat. Ich habe festgestellt, dass die Kollegen sehr motiviert und innovativ an die an sie gestellten Aufgaben herangehen. Besonders die Tatsache, dass sie nicht aus der Fachwelt kommen, bewirkt, dass ich eine Menge von Ihnen lernen kann.

Im Hochschularchiv bekomme ich die Möglichkeit, das im Studium erworbene Fachwissen zu erproben und anzuwenden. Es fühlt sich gut an, neben dem Lernen auch einer praktischen und sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. Das Hochschularchiv ist besonders stark im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit unterwegs: Bilderfreitag, Kalenderbild, das Zuarbeiten bei Ausstellungen und diverse Projekte usw. Dazu werden die neuen Medien (Facebook, Instagram) intensiv eingesetzt. Das gefällt mir besonders gut. Daneben ist das Aufgabenfeld sehr breit: Benutzerbetreuung, Bestände- und Magazinpflege, Verzeichnungsarbeit und der beratende Kontakt mit den abliefernden Stellen der RWTH Aachen.

Frage (Sarah): Und gibt es eigentlich eine „Lieblingsaufgabe“ die du als Archivarin bzw. hier hast? Und wenn ja welche?

Antwort (Janine): Meine Lieblingsaufgabe ist es Mädchen für alles zu sein 🙂
es gibt eigentlich auch nichts, dass ich nicht gerne mache. Ich transkribiere gerne; ich mag den Kontakt mit Menschen (Zusammenarbeit mit dem Archivträger, Beratung von Benutzern); ich arbeite gerne mit dem PC (auch die Suche nach Systemfehlern macht mir Spaß). Die Ideenfindung des Bilderfreitags läuft manchmal schleppend an, aber hinterher ist man immer stolz auf seinen kleinen Artikel; die Verzeichnung und Digitalisierung von unterschiedlichen Archivalien-Gattungen ist aufgrund des Eigen-Charakters schon total abwechslungsreich. Mein innerer Drang nach Ordnung wird bei dieser Arbeit dank Tektonik und Systematik voll befriedigt (lach). Besonders spannend und verantwortungsvoll ist sicherlich auch das Bewerten. All diese Tätigkeiten werden durch das Ausheben und Reponieren von Archivgut und durch außerordentliche Tätigkeiten wie das Rücken von Unterlagen im Zwischenarchiv (= das Schließen, der durch Kassation entstandenen Bestands-Lücken innerhalb einer Regalanlagen) und der Restauration von belasteten Archivalien nochmals körperlich aufgelockert. Also lange Rede kurzer Sinn: Ich mag diese Abwechslung und ich liebe die Öffentlichkeitsarbeit.

Frage (Sarah): Soweit so gut, den Lebenslauf haben wir also schon mal gut gemeistert.

Hierbei lachen  wir beide, denn es ist ungewohnt so miteinander zu sprechen, wo man im Hochschularchiv doch einander schon per du ist und Späße miteinander treibt.

Kommen wir nun zu der spannenden Frage, wie Du die Aufgabe eines Archivars einem Laien in kurzen Sätzen erklären würdest?

Antwort (Janine): Die Aufgabe eines Archivs ist es in Zuständigkeit des Auftraggebers (=Träger), für einen entsprechend abgegrenzten Bereich Informationen zu beschaffen, zu erhalten, zu erschließen und bereitzustellen. In der Archivwelt definiert der Satz „Das Gedächtnis der Gesellschaft“ ein Archiv gut.

Verwaltungen müssen als Nachweis ihrer Tätigkeit transparent arbeiten. Auch das wird durch die Bestände der Kreis-, Stadt- und Landesarchive gewährleistet.
Und nicht zuletzt ist das Archiv Dienstleister der Bevölkerung für die Bereitstellung von beweiskräftigen Originaldokumenten und sonstigen Informationen. Als Beispiel führe ich gerne den Präzedenzfall meiner Freundin an. Sie benötigte dringend Unterlagen zu ihrem Haus, um beweisen zu können, dass dieses vor langer Zeit rechtens erbaut worden ist. Andernfalls hätte der Abriss auf eigene Kosten gedroht. Fündig wurde Sie damals im Landesarchiv NRW.

Frage (Sarah): Sooo…. Und nun eine kurze Spaßfrage zum Schluss: Bist du ein Harry Potter Fan? In welchem Haus wärst du laut Pottermore.com (https://my-pottermore.wizardingworld.com/sorting-hat)?

Antwort (Janine): Ich bin ein leidenschaftlicher Harry Potter Fan und werde sicherlich mal das Schloss besuchen 🙂 Das Pottermore hat mich den Gryffindors zurgeteilt 😉
Daneben lese ich alles Mögliche von Fantasy über historisches, Comics, Krimis und Psychothriller aber auch Fachzeitschriften, Kochzeitschriften und Klatschblätter 😉

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Kalenderbild Februar: Ein Meilenstein aus der Gründungsgeschichte der RWTH Aachen

Collage 4

Handgeschriebenes Verfassungsstatut der Königlichen Rheinisch-Westfälischen Polytechnischen Schule in Aachen vom 20. April 1870. Quelle: Akte 405 b

Kalenderbild Februar: Ein Meilenstein aus der Gründungsgeschichte der RWTH Aachen.

Der Monat Februar wird geziert von einem Schriftstück aus unserem Bestand mit der Signatur 405 b. Es ist datiert vom 20. April 1870 und nichts Geringeres als das Verfassungsstatut der Königlichen Rheinisch-Westfälischen Polytechnischen Schule in Aachen.

Es enthält die wesentlichen Grundsätze der Hochschule. Also beispielsweise die Trägerschaft, die Aufgaben der Institution, den Sitz, die Regelungen zur Verwaltung usw.

Hier folgt die Transkription der ersten und letzten Seite der Statuten:

  1. copia
  2. Verfassungsstatut
  3. Der königlichen Rheinisch-Westphälischen
  4. Polytechnischen Schule in Aachen.
  5. §1.
  6. Die Polytechnische Schule ist eine technische Hochschule. Sie
  7. ist Staatsanstalt und ihre Einrichtung und Verwaltung
  8. wird von der Staatsregierung geregelt.
  9. §2.
  10. Die Anstalt besteht aus einer allgemeinen Schule und
  11. aus mehreren Fachschulen für einzelne Zweige der Technik.
  12. Vorläufig werden eröffnet: eine Fachschule für Bau, und
  13. Ingenieurwesen, eine Fachschule für Maschinenbau und mecha =
  14. nische Technik und eine Fachschule für chemische Technik und
  15. Hüttenkunde.
  16. §3.
  17. Der ordentliche Unterricht umfaßt die nachfolgend
  18. verzeichneten Disziplinen:
  19. Algebraische Analysis. Differential, und Integralrech =
  20. nung. Ebene und sphärische Trigonometrie. Analytische Geo=
  21. metrie der Ebene. Analytische Mechanik. Angewandte
  22. Mechanik

_______

  1. in den nicht mit praktischen Uebungen verbundenen
  2. Unterrichtsgegenständen, sofern der Studirende an
  3. den zugehörigen Repetitionen nicht theil genommen
  4. hat, von dem Ausfall einer Prüfung abhängig ge=
  5. macht werden.
  6. Für das Zeugnis ist eine Gebühr von einem
  7. Thaler an die Anstalltskasse zu entrichten; für die
  8. Prüfung in jedem Unterrichtsgegenstand hat der
  9. Studirende eine Gebühr von drei Thalern zu zahlen;
  10. Dieselbe verbleibt den prüfenden Lehrern.
  11. 21
  12. Die Verwaltung der Anstalt im Einzelnen wird
  13. durch eine Regulativ geregelt.
  14. [Berlin] 20 April 1870
  15. der Minister für Handel, Gewerke, und öffentliche Arbeiten.
  16. gez Graf [Heinrich Friedrich August] Itzenpiltz
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Kalenderbild Januar: Echo der Vergangenheit – 150 Jahre RWTH Aachen

Quelle: Hochschularchivbibliothek. Gq 1970/1, S. 13.

Quelle: Hochschularchivbibliothek. Gq 1970/1, S. 13.

Der Kalender für dieses Jahr steht ganz im Zeichen des 150-jährigen Jubiläums der RWTH Aachen. Das Ziel war es, möglichst verschiedene Bilder auszuwählen, die unterschiedliche Facetten der RWTH widerspiegeln. Für den Anfang bot es sich an, ein Bezug zur Gründung der RWTH herzustellen. Aus diesem Grund zeigt das Kalenderbild für Januar die Titelseite der Montagsausgabe der Zeitung „Echo der Gegenwart“ vom 15. Mai 1865, dem Tag der Grundsteinlegung der RWTH.

Das Titelbild besteht neben der Kopfzeile mit allgemeinen Informationen zur Tagesausgabe der Zeitung aus zwei markanten Bestandteilen. Im oberen Bereich ist ein Porträt von Wilhelm I abgebildet, der von 1861 bis 1880 König von Preußen und von 1871 bis 1880 der erste Kaiser des Deutschen Reiches war. Im unteren Teil der Titelseite ist ein Gedicht anlässlich der Gründung der „Polytechnischen Anstalt“ zu lesen:

Heut‘, Rheinland, braus‘ dein Jubelsang, Zu Salven und zu Glockenklang, Und Rhein und Mosel rauschet drein: „Wir wollen treu dem König sein.“ Zum Himmel klar, Trag‘ Zollerns Aar Von Rheinlands Bergen frei und hehr, Den Schwur der Treu‘ „vom Fels zum Meer.“

So huldigt Rheinland allzumal Zu Aachen bei dem Kaisersaal: „ In Treue soll am deutschen Rhein Des starken Preußens Reichswacht sein.“ Zum Himmel klar Trag‘ Zollerns Aar Von Rheinlands Bergen frei und hehr, Den Schwur der Treu‘ „vom Fels zum Meer.“

„Mit Gott für König, Vaterland!“ O Wort, das jeden Hader bannt Mit dem das Volk den Feind zerhau’n, Die Kön‘ge unsre Dome bau’n. Zum Himmel klar Trag‘ Zollerns Aar Von Rheinlands Bergen frei und hehr, Denn Preußens Ruhm „vom Fels zum Meer.“

Die Kirche und die Wissenschaft Erstarken in der Freiheit Kraft, Und Dom und Polytechnikum, Sie künden beid‘ des Königs Ruhm. Zum Himmel klar Trag‘ Zollerns Aar Von Rheinlands Bergen frei und hehr, Des Volkes Dank „vom Fels zum Meer.“

Von Kaiser Karols Heldengruft Wie Weihrauch und wie Maienduft Steig‘ für des Königs Majestät Zum Himmel unter Dankgebet: Zum Himmel klar Dem Herrscherpaar Die Huldung, die Ihm Rheinland zollt, So warm, wie feiner Reben Gold!

So, Rheinland, braus‘ dein Jubelsang, Zu Salven und zu Becherklang, Und Rhein und Mosel rauschet drein: „Wir wollen treu dem König sein.“ Wie Gold so wahr, Wie Sonnen klar, Wie es seit fünfzig Jahren war, So heute, und so immerdar!

– Ric.Schüren

Dieses Gedicht spiegelt den Zeitgeist jener Epoche anschaulich wider: Die Verehrung und Lobpreisung des Kaisers sowie des Deutschen Reichs, welches 1845 durch Wilhelm I repräsentiert wird, stehen im Mittelpunkt. Es finden sich noch weitere Verweise zur deutschen Geschichte und Kultur (z. B. die Stärke des Kaiserreiches bzw. die des Volkes). Dabei ist es bemerkenswert, dass die RWTH lediglich einmal in der vierten Strophe namentlich genannt wird („Polytechnikum“), und ansonsten nur räumlich verortet wird (Aachen bzw. das Rheinland). Daraus wird ersichtlich, dass die Bedeutung der Grundsteinlegung der RWTH in akademischer Hinsicht damals noch nicht absehbar war und dieser Akt vom Besuch des Kaisers in Aachen überschattet wurde. Jetzt, 155 Jahre später, nimmt die RWTH eine bedeutende Rolle ein: nicht nur in Aachen, sondern auch in Deutschland und der ganzen Welt. Für die Stadt Aachen stellt sie den mit Abstand größten Arbeitgeber dar, während die Hochschule im restlichen Land und auch international einen exzellenten Ruf im Bereich der Naturwissenschaften genießt.

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Jubiläumskalender 2020

Kalender-Cover-aktuell

Noch auf der Suche nach einem Geschenk oder wollt ihr euch vielleicht selbst beschenken? Dann habt ihr jetzt die Gelegenheit dazu:

Jedes Jahr bringen wir einen neuen Kalender raus, wo euch Dokumente, Fotos, Geräte, Postkarten, Zeitschriften, Plaketten, Zeichnungen, Bücher und vieles mehr aus unserem Archiv präsentiert werden. Den Archivkalender könnt ihr im A3-Format für eine Gebühr von 10 € bei uns erwerben. Habt ihr Interesse? Dann meldet euch bei uns. Hier sind unsere Kontaktdaten: https://www.archiv.rwth-aachen.de/kontakt/ .

Unter folgendem Link könnt ihr euch die digitale Version dazu anschauen: https://www.archiv.rwth-aachen.de/…/Kalender-2020-aktuell1.p… .

Und unter diesem Link findet ihr unsere Kalender der letzten Jahre: https://www.archiv.rwth-aachen.de/…/kalender-des-hochschul…/… .

Zu jedem Kalenderbild gibt es, wie immer, dann jeden Monat einen Bericht, den wir mit euch teilen. Also bleibt dran!

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Kalenderbild Dezember 2019: Krupp von Bohlen und Halbach – Ehrendoktor mit NS-Vergangenheit

Wer kennt die 3.1.30_cWeltfirma Krupp nicht? Am 18. Mai 1961 wurde schon dem zweiten Mitglied der Krupp-Familie, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, die Ehrendoktorwürde durch Rektor Winterhager und den Senat verliehen. 60 Jahre nach der Ehrendoktorverleihung seines Großvaters Friedrich Krupp wurde Krupp von Bohlen und Halbach „in Anerkennung seiner Leistungen beim Wiederaufbau der Krupp-Werke und Forschungsstätten sowie in Würdigung seines Einsatzes für die Entwicklung neuartiger maschineller Anlagen, die das Ansehen des deutschen Maschinenbaus in der Welt gefördert haben“ in das auf dem Foto zu sehende Hauptgebäude der RWTH eingeladen. Jeder von Rang und Namen in den Bereichen der Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft durfte der Verleihung und der anschließenden Feier im Kurhotel Quellenhof beiwohnen. So sind auch die glänzenden Wagen mit Essener Kennzeichen auf dem Foto nicht verwunderlich, denn der Essener Oberbürgermeister Nieswand war nur einer der hohen Ehrengäste des öffentlichen Lebens.

Was bei den Festlichkeiten und den Laudationes über das beispiellose Tempo des Wiederaufbaus der Krupp-Werke und der Auflistung der technischen Errungenschaften Krupps -angefangen bei der ersten chemischen Großanlage aus Titan bis hin zum Bau eines Stahlwerkes in Indien- untergeht, ist Krupps NS-Vergangenheit. Schon 1937 wurde Krupp von Adolf Hitler zum Wehrwirtschaftsführer ernannt, ein Jahr später wurde er Leiter der Rüstungsabteilung und Mitglied der NSDAP. Der erhöhte Rüstungsbedarf nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verschaffte der Firma hohen Profit. Des Weiteren beschäftigte Krupp als alleiniger Inhaber der Firma ab 1943 tausende Zwangsarbeiter, später auch Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge.

1948 gab es ein gesondertes Verfahren im Rahmen der Nürnberger Prozesse, Krupp wurde zu zwölf Jahren Haft und Einziehung seines Vermögens wegen Einsatz von Zwangsarbeitern und Plünderung von Wirtschaftsgütern im besetzten Ausland verurteilt. 1951 erhielt er Amnestie und erlangte zwei Jahre später sein Vermögen unter mehreren Bestimmungen (siehe Mehlemer Vertrag). Es dauerte nicht lange und die Firma wird wieder der führende Stahlproduzent in Europa.

Nun aber wieder zurück zur RWTH: Angesichts dieses Wissens zu Krupps NS-Vergangenheit sieht man die Ehrendoktorverleihung, insbesondere die Laudationes, mit anderen Augen. Rektor Winterhager präsentiert Krupp von Bohlen und Halbach als Opfer von Vergeltungswillen und Willkür und umgeht Krupps NS-Vergangenheit größtmöglich. Dies ist keine große Überraschung, da Winterhager selbst ehemaliger Truppenführer der SA, NSDAP-Mitglied und Experte bei kriegsrelevanten Forschungsaufträgen für die Luftwaffe war.

Aus wissenschaftlicher und technischer Sicht mag Krupp von Bohlen und Halbach besondere Leistungen vollbracht haben, dies verhindert aber nicht, dass die Ehrendoktorverleihung einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

Quellen: Fotosammlung 3.1.30_c Akte 999b

https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/96006968 https://media.essen.de/media/histiorisches_portal/historischesportal_dokumente/friedhoefe/friedhofsfuehrer_1/Krupp_von_Bohlen_und_Halbach_Alfried.pdf https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Winterhager https://de.wikipedia.org/wiki/Alfried_Krupp_von_Bohlen_und_Halbach#Verm%C3%A4chtnis

(Alle Links zuletzt aufgerufen am: 06.12.2019)

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Das Archiv – Geschichte zum Anfassen

PraktikumsfotoAuf das Archivwesen wurde ich zum ersten Mal im Rahmen eines Seminars in meinem Geschichtsstudiengang aufmerksam. Mit den Teilnehmern meines Seminares und dem Dozenten besuchten wir ein Archiv in Köln und erfuhren von den Mitarbeitern eine Menge interessanter Informationen zur Arbeit im Archiv. Schnell wurde für mich selbst klar, dass ich mein Pflichtpraktikum in einem Archiv leisten will. Ich erkundigte mich nach Archiven in Aachen und wurde auf das Hochschularchiv der RWTH Aachen aufmerksam. Als Studierender der Universität zu Köln hatte ich zu Beginn Sorge, dass lediglich RWTH-Studenten für ein Praktikum im Hochschularchiv in Frage kämen. Doch zu meinem Glück sagte mir eine freundliche Stimme am Telefon, dass das Hochschularchiv für alle Studierenden offen steht und jeder ein Praktikum absolvieren darf.

Nach Abschicken meiner Bewerbungsunterlagen wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Dieses Gespräch führte ich mit Filis und Herrn Graf, dem Geschäftsführer des Archivs. Filis erklärte mir einiges über die Arbeit im Hochschularchiv und gab mir einen Leitfaden für Praktikanten mit. Dieser Leitfaden sah einige Module vor, die für ein erfolgreiches Praktikum gemacht werden müssen.

Zwei Wochen vor Beginn meines Praktikums machte Filis eine Einführung mit mir, erklärte mir nochmal meine kommenden Aufgaben im Detail und zeigte mir die Räumlichkeiten des Hochschularchivs, genauer die Magazine in denen die Archivalien der RWTH aufbewahrt werden. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus: Alle diese historischen Dokumente, Akten, Bücher und Plakate und ich bin mittendrin. Viele Menschen verknüpfen mit dem Archiv einen Ort der Langeweile, an dem sich alte verstaubte Bücher und Akten meterhoch türmen. Doch mir als Geschichtsstudenten und seit Kindheit geschichtsinteressierten Menschen bereitet so ein Ort große Freude. Immer wieder stoppte ich an irgendwelchen Kisten, um mir die Inhalte anzuschauen. An meinem ersten Tag durfte ich an einem Kalenderbild arbeiten, das jeden Monat auf der Homepage des Hochschularchivs hochgeladen wird. Die Fertigstellung des Kalenderbildes erfüllte mich schon mit Stolz, denn zum ersten Mal habe ich meinen Beitrag zur Arbeit im Hochschularchiv geleistet. Matrikelbücher transkribieren, Dokumente umbetten, Verzeichnen von verschiedenen Akten in das System gehörten zu meinen weiteren Aufgaben, die ich mit Freude, aber auch manchmal mit Frust erledigte. Frust, weil ich beim Umbetten manchmal winzige Klammern, die viermal in dieselbe Stelle getackert wurden, entfernen musste, ohne dabei das Papier zu beschädigen. Doch die Freude überwog stets bei den anstehenden Aufgaben.

In den Modulen wurden mir und den anderen Praktikanten die Fertigkeiten für die Arbeit im Archiv näher gebracht. In Modulen wie Websitegestaltung oder Videobearbeitung lernten wir, worauf es heutzutage beim Archiv auch ankommt: Die sozialen Medien spielen auch im Archivwesen eine Rolle. Denn auf diese Weise kann man mehr Menschen erreichen und sie für die Archivarbeit begeistern. In seinen Modulen brachte uns Herr Graf die zentralen und allgemeinen Themen des Archivwesens bei: „Archivrecht“, „Urheberrecht“ oder „Recherchemöglichkeiten“ hießen einige der Module, in denen wir viel von ihm lernten.

Als Geschichtsstudent stellte ich mir oft vor, wer schon alles dieses fast 100 Jahre alte Matrikelbuch, das vor mir lag und das ich transkribieren musste, noch in der Hand hatte. Es fühlte sich oftmals an wie eine Reise in die Vergangenheit. Mich hat es immer mit Freude erfüllt, so ein Buch in die Hand zu nehmen. Mir wurde klar, dass ich ein Stück Geschichte in der Hand hielt. Das Archiv ist im wahrsten Sinne Geschichte zum Anfassen.

Ich möchte mich sehr herzlich bei Dr. Graf und den Mitarbeiterinnen Filis und Sarah bedanken, die mir stets hilfsbereit zur Seite standen und mir viel beigebracht haben.

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Alle Wege führen zum Hochschularchiv

Heute teilen wir mit euch ein Video, was unsere ehemaligen Praktikanten Suar, Miriam und Melina erstellt haben. Da es immer wieder vorkommt, dass Besucher uns im historischen Institut nicht auffinden können, hatten unsere Praktikanten die Idee ein Video zu machen, was euch mehrere Wege aufzeigt, wie ihr zu uns finden könnt.

Vielen Dank an Suar Abbas, Miriam Weyers und Melina Vogler für die freundliche Mitwirkung!

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Nicht nur staubige alte Bücher

Praktikumsbericht BildSchon vor einem Jahr hatte ich mich dazu entschlossen, im Hochschularchiv ein Praktikum machen zu wollen. Abgesehen davon, dass ich für meinen Masterstudiengang ein Praktikum absolvieren muss, wollte ich unbedingt eins machen, um Erfahrungen dazu zu gewinnen und Abwechslung zum Studieren zu haben. Unter anderem durch meinen Vater kam ich dann zum Archiv der RWTH, der Uni meiner Heimatstadt. Das Bewerbungsgespräch führte ich noch mit Filis Vorgängerin Claudia und es verlief reibungslos – ich hatte meinen Praktikumsplatz.

Ein Jahr später sitze ich hier und mache mein spannendes Praktikum, das mindestens so gut ist, wie erwartet. Durch die obligatorischen Aufgaben, die jeder Praktikant erledigen soll und durch die ständig unerwartet aufkommenden Aufgaben, wird einem hier bestimmt nicht langweilig. Das Team ist sehr nett und man wird nicht unter Druck gesetzt. Die Atmosphäre ist stets angenehm und fröhlich. Und hier kann ich ein wenig meine Leidenschaft für alte Bücher ausleben. In den Magazinen stapeln sich Akten, Baupläne, Plakate und Bücher und manchmal findet man sogar etwas, das man hier nicht erwartet hat, z.B. eine Krawatte vom RWTH Merchandise.

Neben einfacheren Aufgaben wie umräumen, Akten umbetten oder ähnlichem, begegnen einem auch immer wieder Herausforderungen. Für eine Anfrage mussten wir z.B. einen Text transkribieren, der in alter Sütterlin-Handschrift geschrieben war – und das nicht gerade leserlich. Nach mehreren Stunden, die wir immer mal wieder zusammen über dem Text brüteten, haben wir schließlich alle Wörter entziffern können, was ein Erfolgserlebnis nach mehrmaliger Verzweiflung war! Die Teamarbeit und die Abwechslung, die man erfährt, wenn man hier arbeitet, sind einfach großartig.

Beeindruckend fand ich auch das Umbetten von alten Akten. Dabei wird Seite für Seite aus dem alten Umschlag genommen und in eine neue Mappe gebettet, die aus besonderer, papierfreundlicher Pappe besteht. Außerdem wird spezielles Plastik zum Einheften benutzt, das das Papier nicht auf Dauer angreift und zerstört. Dann müssen Tackernadeln, Klebestreifen oder ähnliches, also alles, was Spuren auf dem Papier hinterlassen könnte, entfernt werden, um die Akte für die Ewigkeit zu konservieren. Ist ein Papier gerissen, kann es mit einer besonderen Folie geklebt werden. Manchmal müssen auch Rückstände vom Papier mit einer Art Radiergummi entfernt werden. Je älter die Akte, desto vorsichtiger muss man mit den Seiten umgehen und sie umbetten. Dabei liest man nebenbei immer wieder interessante Dinge oder kann sich fesche Fotos aus alten Personalakten ansehen.

Zu den obligatorischen Aufgaben gehört aber auch Digitalisierung und Videoerstellung. Jeder Praktikant muss mindestens ein Dokument einscannen, damit es auch online einsehbar und die Benutzung noch einfacher ist. Damit geht die Digitalisierung zwar langsam voran, aber besser langsam als gar nicht. Das Video hingegen soll etwas aus dem Archiv näher erklären und für die Masse zugänglich sein. Dabei darf man sich selbst etwas überlegen, dass man filmen und erläutern will. Ich habe dafür mit zwei anderen Praktikanten den Weg zum Archiv gefilmt, denn das Gebäude ist ein wenig wie das verrückte Labyrinth und der Mitarbeiterraum des Archivs nicht ganz so einfach zu finden. Mithilfe des Videos aber jetzt hoffentlich einfacher!

Alles in allem wird man immer komplett mit eingebunden und hat nahezu dieselben Aufgaben wie die Mitarbeiter, bzw. man nimmt ihnen Aufgaben ab. Man fühlt sich gut aufgehoben und Langeweile gibt es quasi nicht. Trotzdem wird man nicht erschlagen mit Aufgaben. Das Praktikum war ausgeglichen und wirklich toll und abwechslungsreich.

Danke an alle!

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Kalenderbild November: Winston Churchill zu Besuch in Aachen

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Quelle: Fotosammlung 3.2.1.ae_ChurchillAdenauer

Das Kalenderbild des Monats November zeigt Bundeskanzler Konrad Adenauer  und zu dem Zeitpunkt den ehemaligen britischen Premierminister Winston Churchill in einem Gespräch bei der Aachener Karlspreisverleihung 1956 im Rathaus.

Im Zweiten Weltkrieg war Aachen die erste Stadt, die von den Alliierten befreit wurde. Aachen war wochenlang Kriegsschauplatz. Die Zivilbevölkerung musste sogar zwangsevakuiert werden. 1944 wurde Aachen befreit und die verbliebenen Einwohner hofften auf bessere Zustände.

Nach Jahren des Hasses und der geistigen Indoktrination durch die Nationalsozialisten gründete der Aachener Textilkaufmann Dr. Kurt Pfeiffer einen Lesekreis, die  „Corona Legentium Aquensis“. Mit finanzieller Unterstützung Pfeiffers konnte der Lesekreis an Bedeutung gewinnen und Ausstellungen sowie Vortragsreihen mit Politikern, Wissenschaftlern und Kulturschaffenden aus ganz Europa durchführen. Die Diskussionen im Lesekreis regten Pfeiffer an, darüber nachzudenken, wie man öffentlichkeitswirksam und aktiv bei einer friedlichen Gestaltung der Zukunft Europas mitwirken kann, ohne jedoch den langwierigen Entscheidungsprozesse der politischen Parteien und Parlamente durchführen zu müssen.

Am 19. Dezember 1949 stellte Pfeiffer seine Idee der Stiftung eines Aachener Europa-Preises im Suermondt-Museum vor. Seine Vorstellung wurde von den Anwesenden positiv aufgenommen. Mit dem Preis sahen alle Beteiligten die Möglichkeit, an die fast vergessene europäische Vergangenheit Aachens zu erinnern, den Blick Europas auf Aachen zu lenken und den Namen der Kaiserstadt über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt zu machen. Am 14. März 1950 wurde die „Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises der Stadt Aachen“ gegründet.

Winston Churchill ist wohl einer der bekanntesten Preisträger. Eigentlich bekam er den Preis schon 1955 zugesprochen. Doch Churchill, an den Folgen eines Schlaganfalls leidend, konnte den Preis nicht persönlich entgegennehmen und tat dies dann ein Jahr später. Es war Churchills erster Besuch seit der Potsdamer Konferenz im Juli 1945, als die wichtigsten Staats- und Regierungschefs über die Neuordnung Europas berieten. Den Ruf des Befürworters eines vereinten Europas begründete er 1946 mit einer viel beachteten Rede in Zürich. Er sprach sich für eine  Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland aus, denn dies wäre der erste Schritt für eine Neubildung Europas. Churchills angestrebte Vereinigung Europas sollte auch den Kalten Krieg entschärfen. In seiner Aachener Rede strebte er auch einen Ausgleich mit der Sowjetunion an. Sehr zur Verwunderung Adenauers, der die Laudatio hielt und von einer Öffnung gegenüber der Sowjetunion nichts wissen wollte. Feuerwehrmänner trugen den Sessel mit dem 82-jährigen Churchill die Stufen zum Reichssaal hinauf. Er begrüßte die Anwesenden auf der Preisverleihung auf Deutsch. Dies war ein Zeichen des Respekts.

Die Verleihung des Preises an Winston Churchill wurde mit der Anerkennung seiner Verdienste um die Verteidigung des höchsten menschlichen Gutes, der Freiheit und den Aufruf, die Zukunft Europas durch Einigung zu sichern, begründet.

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Doch mehr als eine Pflichtleistung!

Foto PraktikumsberichtIm Rahmen der Prüfungsordnung meines Studiums der Literatur- und Sprachwissenschaften bin ich bei der Suche nach einem Praktikum auf die Website des Hochschularchivs der RWTH gestoßen. Da das Hochschularchiv laufend Praktika anbietet, habe ich mich beworben und erhielt sehr bald auch die Möglichkeit eines persönlichen Gespräches. Das Gespräch führte ich mit Frau Falldorf und Herrn Graf (dem Archivar des Hochschularchives) und sie eröffneten mir, dass ich das Praktikum während des gewünschten Zeitraumes mit einer Dauer von acht Wochen im Hochschularchiv absolvieren könne.

Zunächst habe ich mir nicht wirklich viel darunter vorstellen können, welche Tätigkeiten in einem Archiv anfallen. Meine vorherige Vorstellung von der Arbeit in einem Archiv gleicht allerdings nicht der tatsächlichen Arbeit; so habe ich mich schon förmlich im Archiv herumstehen und staubige Akten tragen sehen. Sehr bald stellte ich fest, dass das Hochschularchiv eine sehr moderne Einrichtung ist.

Während des Praktikums absolviert man Unterrichtseinheiten, sogenannte ,,Module“. Dazu gehören beispielsweise ,,Archivrecht“, ,,Paläographie“ oder ,,Videobearbeitung“. Insgesamt habe ich in den Modulen alles rund um das Archiv gelernt.

Meine Aufgaben im Archiv waren sehr vielfältig:

Ich habe Akten umgebettet, also enteist (von Büroklammern und Tackernadeln befreit), gesäubert, geglättet und dazu beigetragen, dass selbige in einem guten Zustand verbleiben. Zudem habe ich Akten verzeichnet, also ihnen eine Signatur gegeben und diese im Archivbestandsystem „Midosa XML“ erfasst. Es hat mir sehr viel Freude bereitet, mit den Akten zu arbeiten, da diese unter anderem interessante Dokumente beinhalten, die Auskunft über das Leben der Menschen rund um die RWTH und den Werdegang der RWTH selbst seit ihrer Gründung im Jahre 1870 geben.

Zudem habe ich Anfragen beantwortet und im Zuge dieser Dokumente eingescannt, Informationen gesammelt und Termine zu Einsichten verschiedenster Unterlagen vereinbart. Aber vor allem hatte ich Freude daran, zur Social-Media-Präsenz des Hochschularchivs beitragen zu können. Das Hochschularchiv ist bei Facebook, Instagram und auf der Website präsent. Ich habe Beiträge geschrieben, Fotos geteilt und dadurch für mich persönlich feststellen können, dass mir dies viel Spaß bereitet. Dank des Praktikums im Hochschularchiv denke ich nun zu wissen, dass ich mich beruflich nach dem Studium im Bereich Social-Media, bzw. Marketing und PR sehe. Meine Arbeit konnte ich selbstständig verrichten und ich habe meiner Kreativität freien Lauf lassen dürfen. Auch meine Affinität zur Sprache und deren Gebrauch ist hier nicht zu kurz gekommen, weshalb ich jedem meiner Kommilitonen und Kommilitoninnen des Studiengangs Literatur- und Sprachwissenschaften nur empfehlen kann, das Praktikum hier zu absolvieren. Letzten Endes war das Praktikum für mich nicht nur eine Pflichtleistung, sondern eine persönliche Bereicherung und kreative Entfaltungsmöglichkeit.

Zu guter Letzt möchte ich mich aber bei Frau Falldorf, Frau Schmidtmann und Frau van den Eynden dafür bedanken, dass sie mich so herzlich aufgenommen haben und mir nie das Gefühl gaben, „nur eine Praktikantin“ zu sein. Das Hochschularchiv der RWTH ist eine Begegnungsstätte auf Augenhöhe, in der man respektvollen Umgang erfährt und jede Hilfe bekommt, die man benötigt!

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Studentische Zeichen in Aachen – Ein viel größeres Thema als man erwartet

Vor einigNeues_Dokument_2019-10-08_11.57.28_1[1]er Zeit brachte unser Archivar, Herr Dr. Klaus Graf, uns ein Exemplar der Rheinischen Heimatspflege (2/2019. Jg. 56) mit und bat uns diesen in unsere kleine aber feine Bibliothek aufzunehmen. Ich muss zugeben, dass ich zuerst nicht wirklich wusste, was dieses unscheinbar aussehende Heft mit der RWTH zu tun haben sollte. Erst nachdem ich darauf aufmerksam gemacht wurde, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Im Inneren dieses Heftes gibt es einen sehr interessanten Aufsatz von Thomas Kreft mit dem Titel „Studentische Zeichen in Aachen“.

Und dieser Aufsatz hat es in sich! Thomas Kreft schreibt lebhaft, anschaulich und dennoch argumentativ untermauert. Er zieht einen erzählerischen Bogen von der Hofschule in der Pfalz über das erste Kolleg der Jesuiten bis zu unserer geliebten RWTH. Er beschreibt etwas, was ich zugegebener Weise oft aus den Augen verliere. Die studentischen Zeichen fern von den Universitätsbauten. In seinem dargestellten Rundgang durch die Stadt Aachen zeigt er die studentischen Auswirkungen auf die Gestaltung des Hauptbahnhofs und des Puppenbrunnens ebenso auf wie die Tatsache, dass die Häuser der Verbindungen das Stadtbild prägen.

Thomas Krefts lesenswerter Aufsatz hat mich zum Nachdenken angeregt. Es hat mich die Schönheit Aachens in einem neuen Licht sehen lassen und mich aufmerksamer durch die Stadt gehen lassen.

Neugierig geworden auch ein wenig auf Spurensuche zu gehen wie Thomas Kreft? Wir haben in unserem Archiv auch einiges zu studentischen Kooperationen und studentischen Verbindungen. Wer auch gerne ein wenig Indiana Jones spielen möchte und wie ich die „geheimen Zeichen“ und „unerforschten Hinterlassenschaften“ der Studenten verschiedener Jahrzehnte (und sogar Jahrhunderte!) und ihrer Verbindungen erforschen möchte, kann dies jeder Zeit gerne in unseren Öffnungszeiten tun.

Für diejenigen, die eine kleine Einstiegshilfe in diese Thematik brauchen haben wir ein Findmittel mit möglicherweise hilfreichen Akten zusammengestellt rund um das Thema studentische Kooperationen und Studentenverbindungen an der RWTH. Also auf geht’s Spurenforscher*innen, Historiker*innen und jene, die es mal werden wollen. Hier gibt es reichlich zu erkunden!

    Studentische KorporationenNeues_Dokument_2019-10-08_11.57.28_2[1]

910: Verordnungen und Bitten; Verordnungen des Rektors und Senats aus Anlass der Vorgänge beim Kaiserkommers am 26.01.1904 und 28.02.1904; Schlagende Verbindungen bitten um größeren Fechtsaal, 17.10.1904

297: Bücher; Verzeichnis der Korporationen und Vereinigungen Im WS 1931/32; „Aus dem Leben der Studentenschaft der TH Aachen“ Juli 1932-Juni 1933

438: Verzeichnis der Korporationen und studentischen Vereinigungen an der TH nach dem Stand vom SS 1935, vom 3.5.1938

3023:  Verzeichnis 1946-1947

1011: Verzeichnis der Vertretung der Aachener Korporationen (VDAK) angehörigen Korporationen, Stand 1.06.1951 / Frage der Satisfaktion bei schlagender Verbindung (Senat 15.12.1955, TOP 8b)

148: Studentische Verbindungen an der TH Aachen 1953

286: Korrespondenz mit dem Rektor unter anderem über Ausstellung der akademischen Verbindung „Germania“ 1956

1996: Verzeichnis 1959-1964

GA 1961: Engler, Peter/ Schnecke, Harald: Die studentischen Verbindungen. In: Aachen. Rheinisch Westfälische Technische Hochschule. Hg. V. Dr. Anton Kurze. Aachen: AWEG Max Kurz, 1961, S. 293.

GA 1995/3: S.60 1970-1995 (für wie, siehe GA 1961)

S 011: Beteiligung der Burschenschaft „Teutonia“ an der 100-Jahr-Feier, ca. 1970

S 012: „Aachener Korporationen 1870-1970“ Broschüre zur Hundertjahrfeier, 1970

12144: Rektorreden, 20.06.1986- 21.02.1986; Grußwort des Rektors Prof. Ohlenbusch zum Festkommers des Conventes der Aachener Korporationen, 18.01.1985

12147: Ansprachen des Rektors; Rektorreden, 1.06.1988-12.12.1988; Ansprache des Rektors Prof. Habetha anlässlich des Marktfrühschoppens der Aachener Korporationen, 05.06.1988

12148: Reden des Rektors, 21.12.1988-07.07.1989; Ansprache des Rektors Prof. Habetha anlässlich des Marktfrühshoppens der Aachener Korporationen, 04.06.1989 (in Vertretung: Prof. Kerner)

12149: Reden des Rektors, 18.8.1989 – 15.10.1990; Ansprache des Rektors Prof. Habetha anlässlich des Marktfrühshoppens der Aachener Korporationen, 23.06.1990

Studentenverbindung

1317: Jubiläen, Kongresse, sonstige Veranstaltungen; Einladungen von Studentenverbindungen, stud. Vereinigungen, Lehrstühlen der TH, anderen Universitäten der Stadt AC, Vereinigungen von Politikern zu Veranstaltungen, Feiern und Kongressen; März 1964 – März 1967

Einzelne Studentenverbindungen

„Agricola“ Akademischer Verein an der T.H. Aachen -AMA, Jg. 1949, S. 208: Gründungsdatum. 22.07.1947; kurze Übersicht über den Zweck der Vereinigung

Akademischer Architektenverein -In Festschrift 1870/1920, S. 411-467, vor allem S. 447-449.

Akademisches Collegium -AMA Jg. 1949, S. 208: Gründungsdatum: 28.02.1948; kurze Übersicht über den Zweck der Vereinigung

Akademischer Yachtclub -N 0106-D, S. 265: Senat genehmigt am 03.11.1966 ihre Satzung -N 0106-E, S. 7v: Senat genehmigt am 12.12.1968 Satzungsänderung

Akademische Vereinigung Aachen (AVA) -AMA, Jg. 1949 S. 208: Gründungsdatum: 07.02.1947; kurze Übersicht über den Zweck der Vereinigung

Akademische Vereinigung für Bauingenieure -AMA, Jg. 1950, S. 301f: Akademische Vereinigung für Bauingenieure, Gründungsdatum: 08.07.1949, Kurzbericht von Helmut Graefe A.V. Montania-Aachen -In Festschrift 1870/1920, S. 411-467, vor allem S. 459-460.

Baltia (Katholisch-Deutsche Studenten-Verbindung in Danzig) -Kc Bal: Festschrift der Katholisch-Deutschen Studenten-Verbindung „Baltica“ in Danzi (K.D.St.V.), 1904-1979, Aachen, 1979 -Kc Bal: K.d.St.V. Baltia_Danzig in Aachen

Burschenschaft Teutonia – In Festschrift 1870/1920, S. 411-467. Vor allem S. 463-466. -Kc Teu: 100 Jahre Aachener Burschenschaft Teutonia

Christlich-Demokratischer Hochschulring (CDH) -AMA, Jg. 1949, S. 208: Gründungsdatum 03.12.1947; kurze Übersicht über den Zweck der Vereinigung -AMA, Jg. 1950, S. 299-301: „Das Wesen und die Zielsetzung des Christlich-Demokratischen Hochschulrings (CDH) der TH Aachen“, von Jürgen Burghartz -2996: Satzung und Korrespondenz 1952/53

Collegium Politicum -N 0106-B, S. 106 v.: Senat Satzung wird am 21.02.1963 vom Senat genehmigt

Corona Academica -AMA, Jg. 1949, S. 208: Gründungsdatum: 25.02.1948; kurze Übersicht über den Zweck der Vereinigung -AMA Jg. 1950, S. 298: „Corona Academica“, Kurzbericht von Wilhelm Berndgen -Photos: AMA, Jg. 1950, S. 298, Photo 2.13

Corps Borussia Breslau zu Köln -2996: Satzung und Korrespondenz 1953/54

CV Philisterzirke -Kc Phi: 100 Jahre CV-Philisterzirkel

Eurocia -N 0106-C, S. 129v: Senat genehmigt am 12.05.1966 unter Voraussetzung zweier Abänderungen deren Satzung

Fliegergruppe Aachen -N 0106-D, S. 265: Senat genehmigt am 03.11.1966 ihre Satzung. Sie soll gebeten werden, mit der schon bestehenden „Akademischen Fliegergruppe“ Kontakt aufzunehmen, um Interessenkollisionen zu vermeiden

Freisoziale Hochschulgruppe -N 0103, S. 306-313: Genehmigungsverfahren, Satzung

General- Union Palästinischer Studenten -N 0106-C, S. 129f.: Senat genehmigt trotz Bedenken des Rechtsrats der Hochschule deren Satzung (Voraussetzung: mindestens 15 arabische Studenten palästinischer Herkunft müssen vorhanden sein)

Griechische Studentenvereinigung -N 0106-D, S. 191f.: Senat stimmt am 19.01.1967 ihre Satzung zu.

Hochschulgruppe Aachen der Studentenmission in Deutschland -N 0106-B, S. 31f.: Als studentische Vereinigung vom Senat am 27.06.1963 anerkannt

Hüttenmännische Vereinigung -AMA, Jg. 1949, S. 208: Gründungsdatum: 17.07.1947; kurze Übersicht über den Zweck der Vereinigung

Iberischer und Lateinamerikanischer Studentenverein -N 0106-C, S. 129: Dessen Satzung wurde am 12.05.1966 vom Senat genehmigt

Internationaler Studentischer Bund, Gruppe Aachen -AMA, Jh. 1949, S. 208: Gründungsdatum: 20.03.1948; kurze Übersicht über den Zweck der Vereinigung

Israelische Studentenvereinigung -N 0106-B, S. 19: Als studentische Vereinigung vom Senat am 25.07.1963 anerkannt -12121: Besuch aus Israel

Katholische Deutsche Studenten-Verbindung Bergland -Kc Ber: 50 Jahre K.d.St.V. Bergland -Kc Ber/1: 75 Jahre K.d.St.V. Bergland

Katholischer Studentenverein Carolinga -In Festschrift 1870/1920, S. 411-467, vor allem S. 449-451.

Katholische Deutsche Studenten-Verbindung Frankonia -In Festschrift 1870/1920, S. 411-467, vor allem S. 454-457. -Kc Fra: 100 Jahre K.d.St.V. Frankonia -Kc Fra/1: 75 Jahre K.d.St.V. Frankonia

Katholische Deutsche Studenten-Verbindung Kaiserpfalz -Kc Kai: K.d.St.V. Kaiserpfalz zu Aachen in CV

Katholischer Studentenverein Wiking -In Festschrift 1870/1920, S. 411-467, vor allem S. 466-467. Korps Delta -In Festschrift 1870/1920, S. 411-467, vor allem S. 451454

Korps Marko-Guestphalia -In Festschrift 1870/1920, S. 411-467, vor allem S. 457-459.

Luxemburgische Studentenverbindung / Akademischer Verein „D’Letzebuerger“ S 5060: Enthält: Kopien der Satzung von 1915/16 und 1952; Kopie des „Bierkomment des Akademischen Vereins „D’Letzebuerger“, Aachen 1909.

Marchia Aachen -Kc Mar: 100 Jahre Marchia

Mittel- und Ostdeutsche Studentenvereinigung -N 0106-B, S- 108: Gegründet am 24.07.1961 durch Zusammenschluss: „Vereinigung heimatvertriebener, Sachgeschädigte und aus der SBZ verdrängter dt. Studenten (VHDS) in Aachen“. „Bund Ostpreußischer Studierender (BOSt) in Aachen“, „Schlesische Studenten in Aachen“ Ihre Satzung am 21.02.1963 vom Senat genehmigt

Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund an der TH Aachen -AMA, Jg. 1941, S. 38-42: Bericht von Werner Rauterkus: „Der Nationalistische Deutsche Studentenbund an der Technischen Hochschule zu Aachen. Entwicklung, Arbeit und Aufgabe der Kameradschaften“

Norddeutsche Hochschulgruppe -AMA, Jg. 1949, S. 208: Gründungsdatum: 07.09.1948, kurze Übersicht über den Zweck der Vereinigung

Politischer Arbeitskreis (PAK) -N 0106-E, S. 22-34: Senat beschloss am 02.11.1968, Anerkennung als Studentische Vereinigung nicht auszusprechen. Am 23.11.1968 Beschluss aufgehoben. N 0106-E, S. 46v: Senatssitzung vom 02.11.1968 -N 0106-E, S. 5v-6v: Senat genehmigt unter Vorbehalt einer Änderung seine Satzung (Sitzung vom 12.12.1968)

Pyramide -AMA, Jg. 1950, S. 302: „Eine neue studentische Vereinigung, die Pyramide“, Kurzbericht von Peter Hammerschmid

Sängerschaft Germania zu Aachen -297: Aufgeführt im Verzeichnis d. Korporationen im WS 1932/33

Sozialistischer Deutscher Studentenbund, Hochschulgruppe Aachen (SDS) -N 01016-D, S. 32: Satzung vom Senat anerkannt (1.04.1967) -N 0106-E, S. 22-34: Am 02.11.1968 beschloss der Senat, seine Anerkennung als studentische Vereinigung zurückzuziehen Am 23.11.1968 wurde der Beschluss aufgehoben -N 0106-E, S. 46v: Senatssitzungsbeschluss vom 02.11.1968

Studentenhilfe e.V. -AMA Jg. 1950, S. 296f.: Satzung der Studentenhilfe e.V.

Studentische Sozialistische Arbeitsgemeinschaft -3023,3: Genehmigung ihrer Gründung, 15.02.1946 -AMA Jg. 1949, S. 208: Gründungsdatum: 13.01.1947; kurze Übersicht über den Zweck der Vereinigung

Turnerschaft Rheno-Borussia -In Festschrift 1870/1920, S. 411-467, vor allem S. 460-463.

Vereinigung Irakischer Studenten an der RWTH Aachen -N 0106-C, S. 77: Senat genehmigt am 30.06.1966 ihrer Satzun

Verein Deutscher Studenten Aachen-Breslau II – Fotoverzeichnis 2.13_a, Vereinschronik (Sig. Kc Att)

Verein für Berg- und Hüttenleute an der T.H. Aachen -AMA, Jg. 1949, S. 208: Gründungsdatum: 12.11.1946; kurze Übersicht über den Zweck der Vereinigung

Verein zur Förderung der politischen Bildung -N 0106-B, S. 106v: Seine Satzung wird am 21.02.1963 vom Senat genehmigt.

Weinheimer Corps e.V. -Kc WSC/1: Neubeginn der Weinheimer Corps nach 1945

Wingolfsverbindung Chattia -N 0106-C, S. 56: Deren Satzung wird unter der Voraussetzung anerkannt, dass die Paragraphen 3 und 5 so gefasst werden, dass nur Studenten der RWTH (nicht der PH) aufgenommen werden können. (Senatssitzung vom 8.07.1966) -N 0106-D, S. 152: Senat hebt am 09.03.1967 seinen Beschluss vom 28.07.1966 dahingehend auf, dass auch Studenten der PH aufgenommen werden können

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Berichte eines „Kellerkindes“? – Praktikumsbericht

Bild Praktikumsbericht Wie oft wurde ich schon mit diesem Klischee konfrontiert?! Archive sind dunkel, staubig und man ist die ganze Zeit in irgendwelchen Kellern. Ich kann sagen: Nein!

Im Gegensatz zu vielen anderen Praktikanten hier am Hochschularchiv der RWTH ging ich, durch meine studentische Stelle an einem anderen Archiv, schon mit dieser Vorerfahrung in mein Praktikum.

–          Moment studentische Stelle? Anderes Archiv? Warum dann noch das Praktikum?

Jaja, ich kann eure Gedanken hören. Die Antwort ist ganz einfach. Ich wollte mal was Anderes sehen, zudem noch neue Erfahrungen sammeln und vielleicht auch mit neuen Inspirationen zurückkehren. Nebenbei sieht es im Lebenslauf ganz nett aus, und zudem stand eh noch ein Pflichtpraktikum an. Also warum nicht fünf Fliegen mit einer Klappe schlagen? Ist ja fast wie beim tapferen Schneiderlein ;). Da bot es sich an, dass gerade an meiner Uni, der Rheinischen Friedrichs-Wilhelm-Universität Bonn das Programm „Erlebnis Archiv“ angeboten wurde. Ich habe mich also angemeldet, und mich für das Hochschularchiv der RWTH Aachen entschieden.

–          Moment du kommst aus Bonn und machst dein Praktikum in Aachen? Gab es nichts Näheres?

Auch hier kann ich wieder eure Gedanken hören. Ja, es hätte nähere Stellen gegeben. Aber um mal unseren betreuenden Professor zu zitieren: „In kleinen Archiven kann man sehr viel lernen.“ Zudem wohnen meine Eltern in der Nähe von Aachen, ich bin hier also aufgewachsen und irgendwie mit der Stadt und der Hochschule verbunden, war diese doch immer Ziel unserer schulischen Exkursionen. So ich hatte mich also erfolgreich beworben und habe anschließend ein Bewerbungsgespräch erfolgreich gemeistert. Also konnte mein Praktikum losgehen. Ich startete an einem Donnerstag und wurde erst einmal zwei Stunden von Frau Falldorf in die Geheimnisse des Archives eingeweiht.

–          Was für Geheimnisse gibt es denn da?

Das müsst ihr schon selbst rausfinden, ich empfehle ein Praktikum ;). Damit ihr schon mal wisst was auf euch zukommt: Das Praktikum im Archiv ist in Module und obligatorische Aufgaben unterteilt. Dies gibt dem Ganzen Struktur und, besonders für die ersten Tage einen Leitfaden an dem man sich orientieren kann. Zu den obligatorischen Aufgaben gehört das Umbetten und Verzeichnen von Akten, die Erstellung eines Kalenderbildes, posten eines Beitrages zum „Bilderfreitag“ auf Facebook und Instagram, das Verfassen eines Praktikumsberichts und bis vor kurzem noch das Korrekturlesen von Karteikarten. Dazu kommen noch Module bei den Mitarbeitern, die einen Einstieg in die verschiedenen Programme und Tätigkeiten erleichtern und erklären. Ein ebenso elementarer Teil des Praktikums sind die Module beim Archivleiter Herrn Dr. Graf, die einen theoretischen Einblick in die Arbeit eines Archivars bieten. Über diesen Katalog aus Modulen und obligatorischen Aufgaben hinaus bietet das Hochschularchiv viel Raum für persönliche Stärken und Vorlieben. Dem, der sich noch weiter mit dem Thema Archiv beschäftigen möchte, empfehle ich wärmstens den Blog von Herrn Dr. Graf, mit dem Namen Archivalia. Ihr seht schon das Hochschularchiv ist auch digital gut aufgestellt.

–          Also nichts mit Kellerkind?

NEIN!

Abschließend lässt sich sagen, dass ich mich hier sehr wohl und gut aufgehoben gefühlt habe, dass ich viele neue Inhalte und Ideen mitnehmen werde und mein Praktikum gerne in Erinnerung behalte. Ich möchte mich bei Fillis, Sarah, Janine, Franz und Herrn Dr. Graf für die schöne Zeit und die vielen neuen interessanten Einblicke bedanken.

Das Bild ist unter dem Link zu finden.

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Kalenderbild Oktober: „27 000 Studenten in Aachen. Existenzkampf an den Hochschulen“

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Aachener Prisma von 1973 (Signatur:10210)

Auf unserem Kalenderbild für den Monat Oktober ist das Titelbild der Studentenzeitschrift „Aachener Prisma“ von November 1973 zu sehen.

Das Bild zeigt eine Statue zweier Männer, die mit bloßen Körpern miteinander kämpfen. Der Untertitel darunter lautet: „27 000 Studenten in Aachen. Existenzkampf an den Hochschulen“. Mit dem Bild wird der Konkurrenz- und Existenzkampf an den Universitäten symbolisch dargestellt. Seit dem zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Studierenden nämlich immer stärker an, sodass sich die Studierendenzahl innerhalb weniger Jahre vervielfachte.

Der Ausgabe der Aachener Prisma zufolge, verzeichnete die RWTH 1973 etwa 27 000 Studierende, womit sich die Anzahl innerhalb von drei Jahren verdoppelt hatte. Noch 1972 waren es nur ca. 15 000. Damit stieg der Druck auf die Universität und auch auf die Stadt, denn die Lehrenden mussten sich auf eine viel höhere Anzahl Lernwilliger einstellen und Wohnraum war knapp geworden. Der plötzliche Anstieg stellte die RWTH somit schon vor rein logistische Herausforderungen. Alle Studierenden mussten in Lehrveranstaltungen aufgenommen und unterrichtet werden. Eine persönlichere Lehre in kleinem Kreis war dabei schwierig. Zudem musste sich die RWTH gegenüber anderen Hochschulen profilieren und ihren Status als hervorragende Universität bewahren.

Auch wenn die Gesamtzahl der Studierenden nach 1991 wieder leicht fiel (innerhalb von zehn Jahren von ca. 37 000 auf 27 000 Studenten), beträgt sie derzeit etwa 45 000. Die Universität ist inzwischen eher auf so viele Studierende eingestellt, deshalb gibt es Vorlesungen für ca. 1000 Leute. Auch heute stellt dies die Lehrenden vor logistische Herausforderungen, da viele Hörsäle nicht für solche Menschenmengen ausgelegt sind. Der größte Hörsaal, im Auditorium Maximum, fasst 1200 Leute und wird deshalb viel genutzt. Dank moderner Technik, werden viele Vorlesungen aber auch per Video noch in andere Hörsäle live übertragen. Die Gratwanderung zwischen der Stoffmenge und der gezielten und besten Vermittlung des Stoffs, gilt es für die Lehrenden zu meistern.

Damit hat der Konkurrenzkampf aber wohl den absoluten Existenzkampf abgelöst. Vor allem der Fokus auf die Naturwissenschaften bzw. das Technische, das ja auch im Namen zu finden ist, grenzt die RWTH von eher geisteswissenschaftlichen Universitäten ab und hebt sie hervor. Daher ist sie bei vielen Studierenden beliebt. Die große Bandbreite an Studiengängen und Lehrveranstaltungen bieten zahlreiche Möglichkeiten seine Ausbildung zu gestalten. Trotzdem muss man sich als Einzelner gegen viele andere Studierende beweisen.

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Manchmal lohnt es sich, genauer hinzuschauen…

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Signatur: 870

Der zu sehende Brief ist am 12. Januar 1915 in der Sütterlinschrift verfasst worden. Auf den ersten Blick scheint er ein wichtiges Dokument zu sein, bei genauerem Hinsehen stellt man aber fest, dass es sich um einen Beschwerdebrief eines Herrn Dr. Boecker handelt. Nach langer Arbeit haben wir ihn erfolgreich transkribieren können:

Aachen, Salvatorstr. 16 den 12 Januar 1915

Euer Magnificenz beehre ich mich, mitzuteilen,

daß meine Dienstwohnung dicht neben dem Kneiplokale der Teutonia gelegen ist und nur eine dünne Mauer mich davon trennt.

In Friedenszeit mußte ich an jedem Kneipabend, der bis Morgens 5 Uhr sich ausdehnte,

auswärts eine Schlafstelle aufsuchen. Jetzt während des Krieges ist in der vorigen Nacht

bis 3 Uhr diesen Morgen Klavier gespielt worden, so daß ich nicht schlafen konnte,

was mir um so mehr wehe tat als ich an schwerem Bronchialkatarh seit 4 Wochen leide

und im Schlafe einige Ruhe suche.

Ich bitte, der Teutonia bedeuten zu wollen,

auf mich kranken Mann, der demnächst 80 Jahre alt wird Rücksicht zu nehmen und mir

und sich selbst die Nachtruhe zu gönnen.

Hochachtend Rektor der Salvatorkirche. Dr. Boecker

In Zusammenarbeit von Miriam Weyers und Melina Vogler erstellt und transkribiert.

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Praktikumsbericht: Geschichtsbegegnung im Hochschularchiv

praktikumsfotoAnfang diesen Jahres habe ich mich für ein Praktikum im Hochschularchiv der RWTH  beworben. Da ich angenommen wurde, bin ich mit gemischten Gefühlen hingegangen; mit freudiger Erwartung und Aufregung, was mich da erwartet. Ich habe eine sehr gute Einführung von Frau Falldorf erhalten.

Am ersten Tag wurden mir die verschiedensten Programme, wie man etwas im Hochschularchiv ausfindig macht, gezeigt. Als Verzeichnungsprogramm, sprich Datenbank, ist hier z.B. Midosa XML zu nennen. Es gibt neben den Datenbanken noch ein Karteikartensystem. Die Datenbank und das Karteisystem sind größtenteils identisch,  ergänzen sich aber auch manchmal je nach Projekt. Eine Aufgabe war es, die Karteikarten nach alten Signaturen zu überprüfen und diese ggf. durch neue Signaturen zu ersetzen.

Dann kamen die ersten Anfragen. Zum einen suchte jemand nach Informationen über seine verstorbenen Verwandten. Zum anderen erreichten uns viele Anfragen von Personen die nach ihren Hausarbeiten und Diplomen fragten. Auch zwei Journalisten haben Anfragen gestellt. Der erste Journalist hat für ein Buch recherchiert, dass er schreiben wollte und die zweite Journalistin wollte wissen, ob eine bestimmte Person, die im Internet bloggt und die RWTH als ehemaligen Studienplatz angibt, auch wirklich an der RWTH studiert hat. Es machte Spaß für die verschiedensten Anfragen zu recherchieren.

Außerdem durfte ich zwei Artikel zu Kalenderbildern anfertigen und einen Bilderfreitag, welche dann auf dieser WebseiteFacebook und Instagram veröffentlicht wurden. Eines der Kalenderbilder war  ein Schreiben aus dem Jahre 1901. Es war ein Vertrag zwischen der RWTH und der Aachener und Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft. Die alte Handschrift zu entziffern war für mich sehr faszinierend. Dieser Brief musste transkribiert werden. Eine grobe Transkribierung dazu lag bereits vor. Das andere Kalenderbild war eine Zeichnung des Wespienhauses, das heutzutage nicht mehr in Aachen steht. Ich fand es sehr interessant, hier auch immer wieder etwas über Aachens Geschichte zu erfahren.

Die Praktikumsmodule, die das Hochschularchiv anbietet, finde ich interessant. Für mich war sehr viel neu und ich konnte mein Wissen stets ausbauen. Egal, ob der Archivar Herr Dr. Graf oder seine Mitarbeiterinnen, Frau Falldorf, Frau van den Eynden oder Frau Schmidtmann die Module gemacht hatten, sie brachten alles sehr verständlich rüber. Es wurde zum Beispiel über Internetrecherche gesprochen. Das Thema Urheberrecht, welches man als Modul bei Herrn Dr. Graf absolviert, ist zwar ein recht trockenes Thema, dennoch hat Herr Dr. Graf es spannend verpackt und deutlich erklärt. Hierzu hat er auch Beispiele eingebracht, dass es in verschiedenen Ländern auch andere Gesetze gibt als in Deutschland, z.B. die Panoramafreiheit. Was habe ich noch gelernt? Ich habe gelernt Abgaben umzubetten. Dafür muss u.a. darauf geachtet werden, dass Metall von den Archivalien entfernt wird. Außerdem müssen die Dokumente dann in neue, archivgerechte Aktenmappen geheftet werden. Meiner Meinung nach sind die Aufgaben sehr spannend und abwechslungsreich gestaltet.

Das gesamte Praktikum war sehr bereichernd für mich, da ich sehr viel Neues gesehen und gelernt habe. Ich bin froh im Hochschularchiv gewesen zu sein und auch mehr über die Tätigkeit eines Archivars bzw. einer studentischen Hilfskraft im Hochschularchiv erfahren zu haben. Es ist jedem zu empfehlen, das Hochschularchiv zu besuchen. Es ist ein Ort, an dem man der Geschichte begegnen kann.

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Tag des offenen Denkmals 2019


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Am 08.09.2019 fand unser alljährlicher Tag des offenen Denkmals statt. Diesmal unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur.“ Hier gaben wir einen Ausblick auf die Gebäudegeschichte des Regierungsgebäudes und die Denkmäler zum ersten und zweiten Weltkrieg. Darüber hinaus öffneten wir unsere Pforten zum Hochschularchiv, wo man einen Einblick in unserer Archivarbeit erhielt und in ein Magazin reinschnuppern konnte.

Habt ihr auch Interesse dabei zu sein? Dann schaut doch nächstes Jahr vorbei. Am 13.09.2020 ist es wieder soweit.

Wir danken unseren Besuchern für das Interesse und freuen uns auf den nächsten Tag des offenen Denkmals!

 

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Kalenderbild September: Hildegart Pleus – Ein Paradigma für den Eintritt der Frauen in eine universitäre Ausbildung

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PA 8128

Unser Kalenderbild zeigt den Personalbogen, der am 18.10.1903 in Mönchengladbach geborenen Hildegart Pleus. Sie war von 1946 bis 1965 als Professorin an der pädagogischen Akademie in Aachen tätig.

Ihre Reifeprüfung legte sie nach ihrem Schulbesuch des Oberlyzeums in Lüdinghausen von 1920 bis 1923 ab. In den Jahren 1923/24 konnte sie dort ebenfalls die Lehrbefähigung für Volks-, mittlere und höhere Schulen erzielen. Die Lehrbefähigung erhielt Hildegart Pleus am 29. Februar 1924 mit dem Prädikat „Gut“.

Auf der Rückseite des Personalbogens ist zu sehen, dass sie die Lehrbefähigung für die Fächer Mathematik, Biologie und Deutsch erhielt und ihre pädagogische Prüfung am 5. März 1935 in Berlin ablegte.

Erst im 19. Jahrhundert war es Frauen möglich, sich akademisch weiter zu bilden. Dies war nicht zuletzt der Verdienst der Frauenrechtsbewegung im 19. Jahrhundert, die Bildungschancen erkämpfte und eine Bildungsreform anstrebte. Aufgrund der Initiative der Frauen wurde das erste Mädchengymnasium im Jahre 1893 in Karlsruhe eröffnet. Zunächst gingen Mädchen und Jungen in getrennte Schulen. Die Schulen der Mädchen nannten sich „Lyzeen“.

Dennoch war es noch immer nicht möglich, dass sie nach erfolgreichem Abschluss eine Universität oder eine Hochschule besuchen und ein Studium absolvieren konnten.

Auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es nicht üblich, dass Frauen eine akademische Bildung erreichen konnten. Selbige war zunächst der begüterten Gesellschaftsschicht vorbehalten. Vor dem ersten Weltkrieg kündigten die Nationalsozialisten an, den Anteil weiblicher Studierender auf unter 10 Prozent senken zu wollen, änderten allerdings schon im Jahre 1935 ihre Meinung zu diesem Vorhaben. 1939 erreichte der Anteil studierender Frauen mit 50 Prozent und knapp 250.000 Studentinnen kriegsbedingt ihren Zenit.

Hildegart Pleus zählt somit zu den Frauen des 20. Jahrhunderts, die nicht nur studieren konnten, sondern auch einen Zugang in den Wissenschaftsbetrieb erhielten. Sie ist ein Paradigma für den Eintritt der Frauen in die universitäre Ausbildung vor allem, da sie nicht nur selbst ein Mädchengymnasium besuchen konnte, sondern  einen Universitätsabschluss erzielte und selbst als Professorin tätig war.

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Vorlesungsverzeichnisse, eine wichtige Quelle für die Geschichte der RWTH Aachen University

  AMA 1Seit der Gründung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule im Jahr 1870 wurden gedruckte Verzeichnisse der akademischen Veranstaltungen ausgegeben, die für das Personal und die Lehrpläne eine bedeutende Quelle darstellen. Bis 2004/05 gab es diese Publikation als Druckerzeugnis.
 
Wer sie einsehen möchte, findet unter unseren „Digitalen Angeboten“ Digitalisate bis derzeit Sommersemester 1967 vor. Bei einigen gibt es eine Schrifterkennung im PDF, das ist aber für alle geplant.
 
Die gedruckten Vorlesungsverzeichnisse gibt es nicht nur in Aachen, sondern in einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Bibliotheken im deutschsprachigen Raum. Man findet die Standorte in der sogenannten Zeitschriftendatenbank. Für den Jahrgang 1970 zum Beispiel sind die Bibliotheken unter diesem Link aufgeführt: von Wien bis Greifswald, von Regensburg bis Bochum. Natürlich kann man die Jahrgänge auch über Fernleihe bestellen.
 
AMA 2Wer nur einige Angaben aus den Vorlesungsverzeichnissen benötigt, kann uns gerne eine Email schicken. Wir recherchieren dann kostenlos und scannen, falls erforderlich, gebührenfrei ein paar Seiten.
 
Im Rahmen unserer Öffnungszeiten können die VV gern bei uns vom ersten bis letzten Jahrgang eingesehen werden. Eine Ausleihe ist grundsätzlich nicht möglich. Für (sehr seltene) Ausnahmen sprechen Sie uns bitte an.
 
Außerhalb des Hochschularchivs kann man die VV in Aachen vor allem in der Hochschulbibliothek einsehen. Die älteren muss man leider aus dem Magazin bestellen, die Jahrgänge 1960 bis 2004/05 stehen im Lesesaal (Infozentrum 2. Obergeschoss, auf der linken Seite, siehe Bild). Die Öffnungszeiten sind sehr viel großzügiger als bei uns: bis Mitternacht lässt sich in ihnen schmökern.
 
AMAEs gibt noch weitere Standorte (Mathematik-Bibliothek und Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung), aber deren Öffnungszeiten sind nicht so bürgerfreundlich wie die der Hochschulbibliothek.
 
Ab 2001 wurden die Vorlesungsverzeichnisse auch elektronisch veröffentlicht. Die in der Zeitschriftendatenbank eingetragene URL  http://www.campus.rwth-aachen.de/rwth/all/groups.asp führt zu den elektronischen Ausgaben (man kann rechts oben die Semester einstellen). Diese sind aber auch in RWTH Publications und, dauerhaft archiviert, in der Deutschen Nationalbibliothek online nutzbar. Ab 2018/19 dient RWTHonline als Nachweis.
 
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Kalenderbild August- Der Fall Schwerte- Schneider

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Das diesmonatige Kalenderbild bildet die Umschlagseite eines Buches zum Fall Schwerte- Schneider ab.

Hans Schwerte war von 1970- 1973 Rektor der RWTH Aachen. Gemeinhin war er als liberaler Professor der RWTH hochgeschätzt. Am 27.04.1995 wurde dieses Bild endgültig, durch eine Selbstanzeige Schwertes zerstört. Dies war nämlich nicht seine richtige Identität gewesen. Hans Schwerte wurde, nicht wie er angegeben hatte, am 03.10.1910 in Hildesheim geboren, sondern als Hans Ernst Schneider am 15.12.1909 in Königsberg.

Schneider war seit 1936 als Gaufachstellenleiter in der Abteilung Volkssturm und Heimat, und später als stellvertretender Abteilungsleiter bei der NS-Kulturgemeinde tätig gewesen. 1937 trat er dann der NSDAP sowie der SS bei, wo er einen rasanten Aufstieg erlebte. 1938 wurde er zum hauptamtlichen Referenten des „Rasse- und Siedlungshauptamtes“ und darauffolgend zum Referenten des Amtes „Ahnenerbe“ ernannt. In diesem Bereich soll er, nach eigenen Angaben, nur volkskundliche Forschung betrieben haben. Es ist jedoch heute bekannt, dass dieses Amt den Transport von Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager organisierte. Während dieser Tätigkeiten war Schneider vermehrt in Österreich und den Niederlanden eingesetzt worden. 1940-1942 wurde er dann dauerhaft in die Niederlande abkommandiert, dort war er als Verbindungsoffizier des „Ahnenerbes“ tätig. Das primäre Ziel war die „Germanisierung der Niederlande“. Bis 1945 war er anschließend Leiter der Dienststelle „Germanischer Wissenschaftseinsatz“ welche mit der Entwicklung des Konzeptes „Totaler Kriegseinsatz in der Wissenschaft“ betraut war. 1945 wechselte Schneider in das Amt III C („Kultur“) des Reichhauptamtes. Hier beteiligte er sich an der Umgruppierung von Teilen des SD- Apparates und vermutlich auch an der Aktenvernichtung.

Ende April floh Schneider dann nach Lübeck, wo er die neue Identität, Hans Schwerte annahm. Nach eigenen Angaben wohl aus Angst vor Verfolgung. Mit Hilfe eines Arztes und seiner Frau wurden alle Spuren der NS-Vergangenheit beseitigt, und Hans Schneider für im Krieg gefallen erklärt. Mit seiner neuen Identität stand dann einer Promotion in Erlangen im Jahr 1948 nichts mehr im Wege. 1958 folgten die Habilitation und der Einstieg in die wissenschaftliche Laufbahn mit einer dortigen Dozentenstelle. 1964 wurde Schwerte zum außerplanmäßigen Professor, 1965 dann zum ordentlichen Professor berufen. Von 1970-1973 war er, wie oben bereits erwähnt, dann Rektor der RWTH Aachen. 1983 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen, und 1990 wurde er zum Ehrensenator ernannt. Schon seit seiner Berufung gab es Gerüchte über eine falsche Identität, die sich jedoch erst zwischen 1989 und 1994 verdichteten und im Juni 1994 als Information an den damaligen Rektor Habetha getragen wurden. Dies blieb jedoch ohne Folgen. Die Aufklärung des Falles begann erst ein Jahr später, möglicherweise auf Druck niederländischer Medien. Der Zusammenhang zur folgenden Selbstanzeige Schwertes ist bis heute ungeklärt, wie noch viele andere Aspekte dieses Falles. Im Mai 1995 verzichtete Schwerte auf die Würden des Ehrensenators, sowie auf das Bundesverdienstkreuz, beides wurde ihm anschließend aberkannt. Im selben Jahr wurde ihm die Ehrung zum Professor vom Wissenschaftsministerium gegen arglistiger Täuschung entzogen, auf eine Entziehung des Doktorgrades verzichtete man 1996 jedoch. Auch die Ermittlungen gegen ihn wegen Beihilfe zum Mord wurden im Oktober 1996 eingestellt. Am 18.12.1999 verstarb Schwerte dann, ohne seinen alten Namen wieder aufgenommen zu haben, in Marquardstein/ Oberbayern.

 

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Kalenderbild Juli: Wespienhaus- ein schönes Gebäude aus dem alten Aachen

Wespienhaus_neu

Akte 1137

Auf unserem Kalenderbild des Monats Juli ist die Fassade vom Wespienhaus zu sehen, das an der Kleinmarschierstraße 45 / Ecke Heppionsgasse (Elisabethstraße) stand.

Das Bild zeigt eine symmetrische Vorderfront im Maßstab 1:100. Leider sind wenige Informationen und Erinnerungen über das Wespienhaus überliefert. Der Bau begann im Jahr 1734 und wurde im Jahr 1737 vollendet.

Architekt war Johann Josef Couven. Dieser hat mehrere Gebäude in Aachen entworfen. Zum Beispiel begann er zwischen 1728 und 1732 gemeinsam mit Gilles Doyen das Aachener Rathaus umzugestalten. Er entwarf die Neugestaltung der Rathaustreppe mit dem Eingangsportal. 1735 gestaltete er das Blausteinbecken für den Karlsbrunnen auf dem Rathausplatz. Dazu konstruiert er später noch zwei bronzenen Fischskulpturen.

Der Name für das Haus stammt von Johann von Wespien. Er war Tuchfabrikant und Bürgermeister der Reichstadt Aachen. Er wurde in den Jahren 1756 und 1759 gewählt. Innerhalb seiner zweiten Amtszeit verstarb er.

Das Anwesen war am Anfang ein repräsentatives Privathaus. 1838 wurde es durch Joseph van Gülpen zu einer Tuchfabrik umfunktioniert. Im Jahr 1901 wurde das Untergeschoss aus wirtschaftlichen Gründen zu einem Ladenlokal. Dies war nicht so gewinnbringend wie erhofft und somit musste die komplette Innenausstattung verkauft werden.  Die Stadt Aachen wollte das Haus kaufen, hierfür fehlte jedoch Budget.

Das Objekt wurde 1940 von dem Architekten Johann Everling rekonstruiert. Über den Grund des Wiederaufbaus das Wespienhaus gibt es leider keine Informationen.  Am 14. Juli 1943 wurde das Wespienhaus durch einen Funkenflug schwer beschädigt, kurz danach wurde es durch Sprengbomben vollständig zerstört.

Quelle: Akte 1137 – Hochschularchiv RWTH Aachen

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Kalenderbild Juni: Versicherung und RWTH?

Kalenderbild Juni

Signatur: 397 b

Bei dem Kalenderbild Juni handelt es sich um einen Brief von der Aachener und Münchner Feuer-Versicherungs-Gesellschaft. Hierbei geht es um die Zusicherung der Finanzierung eines Kunstmuseums an der RWTH, die damals königliche Technische Hochschule hieß. Der Briefkopf der Vereinbarung besteht aus zwei Wappen, die leicht schräg aufgestellt wurden. Auf dem einen Abzeichen ist ein Adler (steht für die Stadt Aachen) und auf dem anderen ist ein Mönch abgebildet (steht für die Stadt München). Darunter ist ein Banner mit dem Namen Aachener und Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft. Unterhalb wächst eine Blume nach oben und verziert und verbindet die beiden Wahrzeichen miteinander. Die Spitze des Briefkopfes wird durch eine Burg gekrönt.

Der Text des Briefes lautet:

      Aachen, den 17. Juni 1901

   An den Rektor der königlichen Technischen Hochschule Herrn Professor Dr. von Mangoldt Hochwohlgeboren.

Hier.

In Erwiderung auf die geehrte Zuschrift vom 28. vor. Mts. (vorherigen Monats) benachrichtigen wir Sie ergebenst, daß wir die Höhe des Beitrags, welchen wir für die Begründung eines Kunstmuseums an der königlichen Technischen Hochschule in Aussicht genommen haben, auf M (Mark) 30.000 festgesetzt haben. Und zwar knüpfen wir diese Zuwendung an die gleichen Bedingungen, von welchen die Stadt Aachen und der Aachener Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit ihre Beihülfen (Beihilfen) abhängig gemacht haben.

 Hochachtungsvoll!

Aachener und Münchner Feuer-Versicherungs-Gesellschaft.

Die Direktion

 gez. Dorst

Es ist interessant zu erfahren, wie man Briefe vor über 100 Jahren verfasst hat. Da erkennt man, dass sich manche Begrifflichkeiten im Laufe des Jahrhunderts verändert haben. Der Aufbau der schriftlichen Übereinkunft unterscheidet sich aber kaum von unseren aktuellen Briefen.

Die Aachener und Münchener Versicherung, welche mittlerweile in die Generali Deutschland Gruppe integriert wurde, hat damals zur Gründung der Hochschule beigetragen und fördert diese heute noch.

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Eine Führung durch das Gedächtnis der RWTH

Letzte Woche Dienstag, am 04.06.2019 haben wir, das Team des Hochschularchivs der RWTH, in Zusammenarbeit mit RWTHextern erneut zu einer Führung geladen. Die Teilnehmerzahl wurde auf 20 Personen begrenzt und etwa genauso viele fanden wir auch am genannten Treffpunkt an. Diese große Zahl an Interessenten freut uns natürlich immer sehr, weil wir gerne die Bedeutsamkeit unseres Archivs und der Archivkultur im Allgemeinen den Zuhörern vermitteln.

Gerne machen wir dafür auch mal ein Auge zu und schließen eins der Magazine des Archivs auf, damit die Besucher über die zahlreichen unterschiedlichen Archivalien staunen können, welche die Historie der RWTH lebendig verkörpert. Außerdem ist seit einigen Jahren in unserer Führung ein Einblick in die Arbeit eines Archivars zu sehen. Wir zeigen auf, welche alltäglichen Arbeiten das Archivwesen für die Mitarbeiter bereithält und stellen vor wie wir Akten umbetten um sie „bis zum Ende des Universums“ haltbar zu machen. Auch die modernen Aspekte der Archivarbeit zeigen wir hier auf: Wir sind nicht nur auf diesem Blog fleißig. Unser digitaler Fußabdruck lässt sich auch auf Facebook, Instagram und YouTube finden. In der Führung wollen wir genau dies auch rüberbringen. Ein Archiv ist gar nicht so staubig und langweilig wie man denkt. Auch wir sind im 21. Jahrhundert angekommen und um Teil unseres Teams zu sein muss man Technik verstehen und nicht ablehnen!

Jedoch legen wir in unseren Führungen auch Wert darauf Wissenswertes über den Sitz des Archivs, dem Alten Regierungsgebäude am Theaterplatz, zu vermitteln. Die Baugeschichte dieses Gebäudes reicht 200 Jahre zurück und ist voller spannender Wendungen und Anekdoten – Wusstest du zum Beispiel, dass Bismarck hier mal gearbeitet hat? Aber auch die schlechten Ausschnitte der Geschichte des Gebäudes werden bei uns vermittelt. Anhand des Gestapodenkmals im Haupteingang und des Separatistendenkmals an der Treppe des Foyers wollen wir diese Einschnitte bei jeder Führung verdeutlichen.

Durch diese Führungen wollen wir das Gedächtnis der RWTH den interessierten Besuchern vorstellen und verdeutlichen, wieso wir eine wichtige Aufgabe in sämtlichen Bereichen der Wissensvermittlung einnehmen.

Wir bedanken uns sehr bei allen Interessenten für die gespitzten Ohren und die Nachfragen, welche zeigen, dass sie auch wirklich interessiert bei der Sache waren und freuen uns sehr darüber, dass die Zusammenarbeit mit der RWTHextern so ausgezeichnet geklappt hat. Gerne stehen wir auch in Zukunft für weitere Führungen zur Verfügung.

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Beruflicher Neuanfang- vielleicht im Archiv ?

LianeIch bin aus gesundheitlichen Gründen auf der beruflichen Neuorientierung unterwegs. Durch eine Maßnahme bei der Tertia, bin ich auf das Archiv der RWTH aufmerksam geworden. Ich ging mit gemischten Gefühlen zum Vorstellungsgespräch, dass Herr Graf und Filis mit mir führten. Aber schon nach dem ersten Gespräch waren meine Anspannungen verschwunden. Ich spürte sofort eine Sympathie, die mir sagte, das wird ein nettes Miteinander haben werden.

Mein erster Praktikumstag war ein Donnerstag, der 4.04.2019. Ich wurde von Filis durchs Archiv geführt und wir haben alle Formalitäten geklärt. Um schon mal einen kleinen Einblick in das, was mich ab dem nächsten Tag in einem Archiv erwartet, zu bekommen, habe ich zum Abschied nach dem ersten Tag, der schon nach 2 Stunden beendet war, einen Praktikumsleitfaden mit nach Hause bekommen. Zu Hause angekommen, ließ es mir keine Ruhe, mich dem Leitfaden zu widmen. Als ich ihn gelesen hatte, war ich mir sicher, dass ich keine Langeweile verspüren werde und es zudem noch interessant werden würde.

Im Praktikumsleitfaden ist aufgelistet, welche Aufgaben ich erledigen und welche Module ich absolvieren muss, um das Praktikum erfolgreich abzuschließen. Zu den Pflichtaufgaben gehören unter anderem das Verzeichnen und Umbetten von Akten, sowie das Korrekturlesen der Findbuchdateien. Die Module sollen dem Praktikanten Wissen vermitteln, dass für die Arbeit im Archiv vonnöten ist. Einige Module werden von Herrn Graf, dem Geschäftsführer des Hochschularchivs selbst durchgeführt und andere von den studentischen Mitarbeiterinnen. Des Weiteren gehört die optimale Aufbewahrung  der Archivalien zur alltäglichen Aufgabe eines Archivsmitarbeiters. Akten müssen in speziellen Archivmappen umgebettet und von Büroklammern und von Plastik befreit werden.  Die Beantwortung von Anfragen und Recherchen gehören ebenfalls zu den Aufgaben von Praktikanten. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass hat mir besonders großen Spaß gemacht, da ich mit eigenen Augen lesen konnte, wie der Interessent für diese Arbeit dankbar war.

Was ich aber vor allem noch betonen muss, ist das Arbeitsklima. Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, der ich hier gegenüberstand, ist mir schon lange nicht mehr begegnet. Es ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Jeder hatte seine Projekte und seinen Aufgabenbereich und trotz allem, wurde sich hier die Zeit genommen und auch mal über andere Dinge ein Pläuschchen gehalten.  Außerdem habe ich hier nicht das Gefühl gehabt für jemanden bestimmten oder andere zu arbeiten, sondern es war ein miteinander arbeiten.  Ganz wichtig ist die Öffentlichkeitsarbeit. So gibt es zum Beispiel jeden Freitag einen Bilderfreitag von den studentischen Mitarbeitern oder auch Praktikanten verfasst, der auf Facebook und Instagram zu finden ist.

Ich kann nur sagen, dass ich viele neue Erkenntnisse, was die Arbeit in einem Archiv anbelangt, mitnehme.

Ich wünsche allen studentischen Mitarbeitern und Herr Graf alles Gute für die Zukunft und allen zukünftigen Praktikanten eine interessante und schöne Zeit im Archiv.

LG eure Liane

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Praktikumsbericht: Eine Reise durch die Zeit

Neues Dokument 2019-05-07 14.48.56_1Mit Geschichte verbinden viele Menschen einen langweiligen Schulunterricht, ab und an gab es einen Museumsbesuch, der möglicherweise auch nicht interessanter war als die Schulbank zu drücken. So erging es zumindest mir in meiner Schulzeit. Geschichte war mir damals zu theoretisch und es wurde nie das besprochen, was einen am meisten interessierte. Nach meiner Ausbildung zur Köchin, machte ich dennoch mein Abi nach und studiere jetzt Gesellschaftswissenschaften an der RWTH Aachen. Meine Schwerpunkte gelten der neuzeitlichen Geschichte, sowie der internationalen Politik. Es war aber auch direkt klar, dass ich im ersteren Bereich ein Praktikum machen möchte. Ein Studienfreund brachte mir daraufhin das Hochschularchiv der RWTH näher. Hier ist Geschichte nicht nur blasse Theorie, sondern ist zum Anfassen und Erleben da. Da die RWTH seit 1870 besteht, haben Akten und Bilder schon eine Menge turbulenter Zeiten erlebt und auch überlebt. Solche Akten in den Händen zu halten ist tatsächlich ein bisschen so, wie in eine Zeitmaschine zu steigen und durch die Zeit zu reisen. Damit dies so bleibt, besteht die Aufgabe eines Archivs darin, die Archivalien weiterhin im guten Zustand für die Zukunft zu erhalten.

 Bevor man sich jedoch auf Zeitreise begibt, gibt es natürlich Regeln und Aufgaben die mit Hilfe der freundlichen Mitarbeiter erklärt werden. Der sogenannte Praktikantenleitfaden enthält viele Module, um das Arbeiten in einem Archiv zu lernen. So wird einem das sorgfältige Umbetten von Akten näher gebracht oder Herr Dr. Graf schult einen im Umgang der Paläographie, also dem Lesen von alten Schriften.

Schön fand ich immer die Bilderfreitage, die von uns Praktikanten erstellt werden, wodurch man sich in ein bestimmtes Thema/Bild der RWTH Geschichte einlesen kann, um dann einen kleinen Bericht zu verfassen. Dieser wird dann jeden Freitag auf Facebook und Instagram geteilt. Durch Absprache mit den Mitarbeitern kann man auch eine kleine Bilderserie verfassen, die jeden Dienstag geteilt wird und in dem man eine kleine historische Geschichte der RWTH zu einer bestimmten Thematik ausarbeitet. Ich entschied mich hier für das Bauprojekt des Super C und der dazugehörigen Baugeschichte.

Wichtig ist auch, dass man neben den Modulen eine kleine obligatorische und selbstständige Aufgabe übernimmt. Ich habe mich hier dem Archivieren von Personalakten verschrieben. Personalakten archivieren ist eine wichtige und nicht endende Aufgabe des Archivs. Die ehemaligen Angestellten der Hochschule sind die Basis der RWTH. Sie geben dem Ganzen ein Gesicht und ermöglichten den Studenten ein reibungsloses Studium.

Alles in allem muss man sagen, dass die drei Monate Praktikum rasant vergingen. Es wurde zum Glück nie langweilig. Selbst wenn man den Leitfaden abgearbeitet hatte, gab es noch genug zu tun. Die Archivarbeit endet nie und muss immer wieder auf den aktuellen Stand gehalten werden, damit auch in Zukunft die Geschichte der RWTH erhalten bleibt. Neben vielen neuen Dingen die ich mir, dank der Mitarbeiter, angeeignet habe, habe ich zudem noch unglaublich nette Menschen kennengelernt, auf deren Hilfe für kleine und große Probleme immer Verlass ist.  Wer also ebenfalls auf Zeitreise gehen möchte, um Geschichte rund um die Hochschule zu entdecken, der ist im Archiv sehr gut aufgehoben.

Hiermit möchte ich mich bei Herrn Dr. Graf und seinen Mitarbeiterinnen für die tolle Zeit bedanken.

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Kalenderbild Mai: Als Student in Aachen wohnen

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Sig.: ZHV 1/40a, S. 2.

Als Folge des Krieges wurde der Wohnraum in Aachen knapp. Die Zahl der Studierenden nach Kriegsende stieg von 2000 auf 6000 an. Aus dieser Situation heraus entschloss sich die technische Hochschule dazu, ein Studentendorf zu planen. Damit sollte eine gute und preiswerte Unterkunft für die Studierenden geschaffen werden. Die Studierenden in Aachen nehmen stetig zu. Waren es 1970 noch 13.500, so stieg die Zahl bis zum Jahr 2000 schon auf ca.27.500. Derzeit beträgt die Zahl der Studierenden ca.45.000.

Unser Kalenderbild zeigt eine Aufstellung der Wohnheime von 1972.

Es gab 14 Wohnheime mit 2215 Bettenplätzen und zudem noch 20 private Wohnheime mit ca.400 Bettenplätzen.

Während es 1972 ca.15.000 Studenten waren, wuchs in den letzten Jahrzehnten die Anzahl der Studierenden um tausende. Viele neue, moderne Wohnanlagen sind seit 1972 dazu gekommen. So zum Beispiel: Bärenstr.5 und 19–21, Eckertweg 20, Am Weißenberg 16–18 u.v.m..

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Ein Einblick in das Leben Otto Blumenthals – Eine Lebensgeschichte rekonstruiert durch Briefe

Entlassungsschreiben Blumenthals (Signatur: 508)

Entlassungsschreiben Blumenthals (Signatur: 508)

Die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (auch unter ihrem Akronym SUB Göttingen bekannt) stellte am 03. April diesen Jahres eine besondere Sammlung Briefe auf ihrer Webseite zur Verfügung. Die 61 Briefe von Otto Blumenthal, einem bekannten Mathematiker, Wahlaachener und ehemaligen Mitglied der RWTH, an seinen Lehrer und Förderer David Hilbert sind wichtige Quellen und zeugen von dem engen Verhältnis beider zueinander. Datiert sind die Briefe von 1906 bis 1939. Die Brieffreundschaft der beiden endete erst mit Hilberts Tod. Die Digitalisate sind aus dem Nachlass David Hilberts.

Wir vom Hochschularchiv haben auch einen Brief, welcher einen Einblick in das Leben Blumenthals liefert. Doch dieser ist von einer anderen Natur als das freundliche Hin und Her der Brieffreunde. Jener Brief vom 22. September 1933 ist das Entlassungsschreiben Blumenthals aus seinem Dienst an der RWTH. Der Grund für die Entlassung? Paragraph 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Blumenthal, der sich selbst zum Protestantismus hatte taufen lassen, war von Geburt her jüdisch. Dies reichte aus um ihn von seinem Lehrstuhl in der Mathematik, welchen er zu diesem Zeitpunkt fast 28 Jahre an der RWTH bekleidet hatte, zu entlassen.

Der damalige Rektor Paul Röntgens versuchte noch mit einem Bittschreiben dagegen vorzugehen, blieb aber leider erfolglos. Aufgrund der Judenverfolgung wurde Blumenthal zusammen mit seiner Frau im April 1943 in das KZ Herzogenbusch verschleppt. Danach wurden sie ins Durchgangslager Westerbork gebracht, wo seine Frau starb. Blumenthal selbst kam im Januar 1944 in das Ghetto Theresienstadt und verstarb dort im selben Jahr an einer Lungenentzündung.

Um an den Leidensweg der Koryphäe Blumenthal zu erinnern, gibt es im Hauptgebäude der RWTH eine Gedenktafel, sowie eine im Boden eingelassene Tafel von der Vereinigung „Wege gegen das Vergessen“, die vor seinem letzten Wohnsitz in der Limburger Straße 22 eingelassen wurde.

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Einzug neuer Regale in Hochschularchiv

Am 18.03.2019 haben wir für unser Magazin 3 neue Regale erhalten. Für die Beschaffung der Regale mussten wir uns durch eine Menge Papierkram kämpfen. Bevor die Regale jedoch überhaupt bei uns einziehen konnten, mussten wir erstmal Platz für diese schaffen. Über die Jahre hinweg hatte sich auf der leeren Fläche im Magazin 3 einiges gesammelt: Abgaben, unbrauchbare Elektronik und datenschutzgerecht zu entsorgender Abfall, welcher für die Entsorgung gesammelt wurde. Insgesamt haben wir mit unseren Praktikanten und ehrenamtlichen Mitarbeitern, sowie mit der Hilfe des neuen Angestellten für die technischen Probleme des Instituts, welcher sich dem Elektroschrott annahm, all diese Aufgaben erledigt. Danach musste Einiges an bürokratischen Hürden in Angriff genommen werden – ganz typisch deutsch. Aber am Ende waren sie dann (endlich) hier. Nun heißt es in den kommenden Wochen Ärmel hochkrempeln und anpacken helfen: Die Archivalien und Abgaben müssen nun in ihren neuen Bestimmungsort einziehen. Wir freuen uns, dass unser Archivgut jetzt neuen Platz in den Regalen finden wird.

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Gedicht „Archivzeit“

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Gedicht von unserem Praktikanten Joshua Krott (Signatur der Akte: 397 b)

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Kalenderbild April: Flashes of the Past

04_Eröffnung Ausstellung Ludwig ForumUnser Kalenderbild von April zeigt die Eröffnung der Ausstellung „Flashes of the Future – Die Kunst der 68er oder die Macht der Ohnmächtigen“. Die Eröffnung war am 19. April 2018 im Ludwigforum. Als Schirmherr wurde der Bundespräsident Franz-Walter Steinmeier geehrt. Die Ausstellung wurde von der Kunststiftung der Länder gefördert und wir als Hochschularchiv durften einen Teil der 280 Kunstwerke aus dieser Zeit beisteuern.

Denken wir heute an die 68er-Bewegung, dann kommen uns Bilder in den Sinn wie das Woodstock-Festival in Amerika. Musiker wie Jimi Hendrix oder Janis Joplin begeisterten Millionen mit ihrem Psychedelic Rock und Uschi Obermeier gründetet als Hippie die Kommune 1 mit. Die Zeichen von „Love, Peace and Harmonie“ hatten jedoch ernste Hintergründe. So gab es im Frühjahr 1968 den Prager Frühling, auch gingen viele für das Ende des Vietnamkriegs auf die Straße. In Deutschland gab es Studentenbewegungen die dafür protestierten und dies nicht immer friedlich. Das allgemeine Gefühl stand jedoch im Zeichen des Umbruchs, des Neuen vorher nicht dagewesenen. Die Jugend entwuchs ihren elterlichen Autoritäten und forderte Selbstbestimmung und eine konsequente Auseinandersetzung mit den Folgen des zweiten Weltkrieges. Die 68er sind auch heute noch für viele eine ganz besondere Zeit, die es davor und danach so nie wieder gab. Kein Wunder, dass die Ausstellung, die am 19. August 2018 ihren Abschluss fand, ein großer Erfolg war.Wir danken, dass wir Teil dieser außergewöhnlichen Exposition sein durften.

Auf unserer Homepage unter der Rubrik „Präsentationen“ könnt ihr euch unseren Ausstellungskatalog dazu anschauen. Die da gezeigten Dokumente sind nur ein kleiner Ausschnitt aus unseren umfangreichen Beständen. Es lohnt sich also auch bei uns im Archiv nach weiteren Archivalien auf die Suche zu begeben.

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Ein Praktikum im Hochschularchiv: Von „kleinen“ und „großen“ Taten

Seite aus dem Matrikelbuch 1932-1951 und Vorlesungsverzeichnis

Seite aus dem Matrikelbuch 1932-1951 und Vorlesungsverzeichnis 1899.

Wenn man ein Studium der Geisteswissenschaften absolviert, steht man im Hinblick auf sein späteres Berufsleben vor einem kleinen Problem: Anders als ein Ingenieur oder Lehrer haben wir keinen klar vorgezeichneten Weg zum späteren Beruf, sondern unzählige Möglichkeiten, von denen wir manchmal nicht einmal wissen, dass sie existieren. So bietet es sich im Laufe des Studiums an, mithilfe von Praktika erste Berufserfahrungen zu sammeln, um herauszufinden, welche Arbeit zu einem passt und welche Talente man dafür mitbringen muss. Doch als Studentin der RWTH Aachen mit einem vollen Stundenplan stellte es sich als gar nicht so leicht heraus, eine geeignete Stelle zu finden, die es mir gleichzeitig ermöglichte, auch weiterhin meinen studentischen Pflichten nachzukommen.

Nach einiger Recherche und Erkundungen bei Kommilitonen stieß ich auf das Hochschularchiv der RWTH Aachen als möglichen Praktikumsgeber. Auf dessen Homepage wurde ich auch schnell unter der Rubrik „wir suchen…Praktikanten“ fündig und bewarb mich spontan auf eine Stelle. Nach einem ersten Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und dem Leiter des Archives war für mich sehr schnell klar: Hier möchtest du auf jeden Fall ein Praktikum absolvieren. Nun werden sich manche die Frage stellen: Warum denn gerade in einem Archiv, wenn man auch eine Werbeagentur, einen Verlag oder eine Regierungseinrichtung wählen könnte? Die Antwort darauf ist ganz einfach: Ich bevorzugte das Hochschularchiv aufgrund der exzellenten und durchdachten Praktikantenbetreuung. Anders als in vielen großen Einrichtungen hat man hier flexible Arbeitszeiten und feste Ansprechpartner, die jeder Zeit Fragen beantworten können und bei den anfallenden Aufgaben unterstützend zu Seite stehen. Das Praktikum hat durch den „Leitfaden“ des Archives einen Katalog von Arbeitsschritten und kleinen Unterrichtseinheiten, die der Praktikant in freier Reihenfolge sowohl bei den Mitarbeiterinnen als auch bei der Archivleitung absolviert. So besteht der Arbeitsalltag aus „kleinen“ und „großen“ Taten, die durch Abwechslungsreichtum und Substanz bestechen. Zu den „kleinen“ Taten gehören z.B. das Umbetten einer Akte oder das Verzeichnen einer Studienarbeit, wobei ich hier betonen muss, dass dies zwar „kleine“, aber auf keinen Fall unwichtige, Aufgaben sind. Jeder Handgriff im Archiv hat den Zweck, etwas für die Ewigkeit zu schaffen und als Praktikant trägt man von Anfang zu diesem Ziel bei. Zu den „großen“ Taten zählen unter anderem die Recherchearbeiten, die man zur Beantwortung der Anfragen von Interessierten aus aller Welt, durchführt. Man folgt den Spuren derer, die lange vor uns an der RWTH waren, manchmal sogar bis in das Gründungsjahr 1870 zurück. Mittels alter Matrikelbücher, Zeitungsausschnitten, Fotografien, aber auch durch die Nutzung moderner Hilfsmittel, wie digitalisierter Datenbanken, tastet man sich Schritt für Schritt an zuvor unbekannte Orte und Personen heran und hilft dabei, ihr Leben und Werk sowie ihren Bezug zur Universität Aachen herauszuarbeiten.

Wenn ich nach vier Monaten nun abschließend zurück auf meine Zeit im Hochschularchiv der RWTH Aachen blicke, dann kann ich nur sagen, dass sich jeder Moment gelohnt hat. Ich habe mein Wissen erweitern können, eine umsichtige und stets freundliche Betreuung erfahren und jenseits meines Studiums erste berufliche Eindrücke sammeln können.

Ich bedanke mich an dieser Stelle nochmal in aller Form bei Herrn Dr. Klaus Graf und seinen drei Mitarbeiterinnen für die gute Zeit im Archiv.

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Kalenderbild März: „Teilen wie im richtigen Leben, neu erfunden für das Web.“, lautet das Motto von Google+.

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Unser Kalenderbild im März zeigt unsere Seite auf dem Netzwerk Google+.

Das soziale Netzwerk wurde vom US-amerikanischen Unternehmen Google LLC ins Leben gerufen. Am 28. Juni 2011 ging es online und hatte im April 2015 111 Millionen monatliche aktive Nutzer und im April 2016 3 Millionen registrierte Benutzer.

Am 7 November 2011 startete unter Google+, Seiten für Unternehmen und Organisationen unter dem Namen „+Pages“. Fortan war es möglich sich als Unternehmen oder Verein zu präsentieren. Auch wir als Hochschularchiv der RWTH Aachen sind dort aktiv. Unser erster Beitrag ging am 22.11.2011 online. Bis heute haben wir dort 95 Follower, die wir über aktuelle Sachen informieren.

Im Oktober 2018 wurde bekannt, dass Google+ Anfang April eingestellt wird. Nutzer können ihre Daten bis zum 2. April sichern und archivieren. Danach werden alle privaten Profile nicht mehr zugänglich sein.

Gründe für das Einstellen ist ein Desinteresse an der sozialen Plattform. User äußerten sich ironisch über die Seite: „Google+ ist das Fitness Studio des Internets. Alle angemeldet, aber keiner geht hin.“

Des Weiteren war die Plattform immer werbefrei, es kam also kein finanzielle Spritze beim Unternehmen an, was dazu führte das die Seite nicht gepflegt und weiterentwickelt wurde. CEO Sundar Pichai gibt sich jedoch optimistisch, wenn es um ein neues Konzept von Google+ geht: „Man muss sich von der damaligen Zeit distanzieren, Google ist erwachsen geworden. Ein neues Netzwerk wird sicher kommen.“

Wir dürfen gespannt sein und sind als Hochschularchiv ganz sicher wieder dabei.

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Freiwillig acht Wochen im Archiv verbringen?

Neues Dokument 2018-12-07 15.16.14_1Nazi-Akten mit Teilnehmerbogen zum Reichsparteitag, Prozessakten zum Schmuggel unter Studenten oder Stundenpläne aus dem 19. Jahrhundert – dies sind nur ein paar Beispiele für die breitgefächerte Aktenbestand des Hochschularchivs der RWTH.

Mich hat immer gestört, dass in der Schule der Geschichtsunterricht ausschließlich mit dem Fokus auf ganz Deutschland stattfand. Bei mir kamen aber oft Fragen zur regionalen Geschichte auf: Wie haben sich die beiden Weltkriege auf Aachen ausgewirkt? War die RWTH nationalsozialistisch? Und wie sah das mit den ersten Frauen an der RWTH aus? Und genau zu solchen Fragen findet man hier im Archiv die Antworten. Wissenschaftler und Privatpersonen senden die unterschiedlichsten Anfragen, die ich als Praktikant schnell selbstständig bearbeiten darf. Wie ein Detektiv sucht man dann nach Stichworten, die zur Anfrage passen könnten und stöbert in Akten und Büchern. Denn entgegen meiner Erwartungen ist dies kein staubiges Museum! Die Akten, seien sie auch noch so alt und fragil, darf ein Praktikant, übrigens auch ein Besucher, anfassen und lesen.

Nach einem Praktikum im Hochschularchiv kann ich nun behaupten, Matrikelbücher von 1871 und Dokumente aus den beiden Weltkriegen in der Hand gehalten zu haben. Unterlagen, die die meisten nur als Fotos aus Geschichtsbüchern kennen!

Beim Umbetten von Akten, d.h. deren Überführung in einen archivgerechten Zustand, und durch die Beantwortung von Anfragen habe ich Dokumente gefunden, die mich zur weiteren Recherche im Rahmen unserer „Bilderfreitage“ inspiriert haben. Nun weiß ich beispielsweise nach einer Recherche zu einer Wettbewerbszeichnung des Elisenbrunnens, dass diese Sehenswürdigkeit, an der ich als Aachenerin andauernd vorbeilaufe, nicht das Original, sondern eine Rekonstruktion nach dem Zweiten Weltkrieg ist!

Die Mitarbeiter trauten mir zahlreiche Aufgaben zu und halten sich als Helfer, Berater und Korrekturleser bereit. In Modulen mit ihnen und dem Archivar, Herrn Graf, werden die nötigen Kompetenzen der Archivarbeit gelehrt. Nun fragen sich die meisten wohl: Wozu, wenn ich doch gar kein Archivar werden will? Natürlich werde ich mein Wissen, wie ich eine Akte für die Aufbewahrung bis in die Ewigkeit vorbereite, höchstwahrscheinlich nicht im Alltag benötigen. Dafür werden mir aber meine hier erlernten oder vertieften Kompetenzen bezogen auf Recherchemöglichkeiten und Urheberrecht bestimmt im Studium noch weiterhelfen! Darüber hinaus, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal fähig wäre, die Schrift aus dem 16. Jahrhundert entziffern zu können. Aber genau dies habe ich im Paläographie-Modul erlernt.

Wer also einfach nur seinen Horizont erweitern möchte und geschichtliches Interesse mitbringt, wird das Praktikum ebenso wertschätzen wie ein Student, der auf der Suche nach einem Pflichtpraktikum ist! Die angenehme Atmosphäre und der seltene Umgang mit Praktikanten, diese nicht als Last, sondern vielmehr als kompetente Aushilfe wahrzunehmen, führen nun dazu, dass es mir schwerfällt, zu gehen.

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Kalenderbild Februar 2019: Die rätselhafte Postkarte

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Sig. 12.1.3.j

Das Kalenderbild für den Februar 2019 stellt uns alle vor ein kleines Rätsel. Es stammt aus einem Nachlass, der dem Archiv überlassen wurde. Der Nachlass selbst besteht aus den verschiedensten, alten Postkarten, die Gebäude und Personen der RWTH Aachen im frühen und späten 20. Jahrhundert darstellen. Die vorliegende Fotografie zeigt ein Gruppenbild, auf dem 16 Männer unterschiedlichen Alters posieren. Sie alle tragen leicht verschmutzte Arbeitskleidung und halten in ihrer Mitte ein Schild mit der Aufschrift „Elektrowerkstatt 1925“. Wer die Männer auf der Postkarte waren und zu welcher Institution sie innerhalb der Hochschule gehörten, ist uns leider nicht bekannt. Der einzige Hinweis, der überhaupt ihre Zugehörigkeit zur Universität bestätigt, ist der Bleistiftvermerk „TH Aachen“, der in feiner Handschrift auf die Rückseite der Karte gezeichnet wurde.

Welchen Aufgabenbereich die Männer speziell abdeckten, ist leider nicht überliefert. Wir können nur vermuten, dass sie entweder dem Fachbereich Elektrotechnik zugehörten und eventuell Studenten und Dozenten aktiv bei Beratung, Aufbau und Durchführung von Versuchen bzw. Testobjekten unterstützt haben oder, dass sie allgemein für die Instandhaltung der Universität und ihrer Gerätschaften zuständig waren und die gerade defekten Maschinen der einzelnen Fachschaften in ihrer Elektrowerkstatt reparierten. Vielleicht halfen sie auch bei Beidem. Gehen wir davon aus, dass die Männer auf unserer Postkarte ähnliche Arbeiten verrichteten, wie heute die Angestellten der Elektro-und Elektronikwerkstatt des Institutes für Allgemeine Mechanik der RWTH Aachen, dann hätten die Arbeiter der Elektrowerkstatt im Jahre 1925 wissenschaftliche Mitarbeiter betreut, ihnen bei der Inbetriebnahme von Versuchsanlagen geholfen sowie eigene Elektroniker ausgebildet.

Unsere rätselhafte Postkarte kann uns zwar leider nicht die Namen der auf ihr abgebildeten Männer verraten und auch nicht, welche Tätigkeiten die 16 ausgeführt haben. Doch gibt sie uns einen ganz entscheidenden Hinweis: eine Universität kann nicht allein durch Professoren und Studenten bestehen. Sie ruht auf den Schultern der Männer (und Frauen), die mit Zuverlässigkeit, Fleiß, und Geschicklichkeit konstruieren, reparieren und betreuen. Ohne sie wäre die RWTH Aachen heute nicht Arbeitergeber und Ausbildungsstätte für tausende von Menschen aus aller Welt. Für jeden Einzelnen von uns gilt heute genauso, wie für die Männer auf dem Bild:

„Wer sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat, hat bestes Rüstzeug für das Leben“

Richard von Weizsäcker (1920 – 2015)

Quelle: https://gutezitate.com/zitat/103466

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Kalenderbild Januar 2019: Aller Anfang ist schwer… ein Stundenplan der alten Schule.

1_VV 1973 74 Im Jahre 2019 bietet die Rheinisch Westfälische Hochschule Aachen eine schier unglaubliche Anzahl an Studiengängen für Männer und Frauen aus aller Welt: von Chemie über Raumfahrtechnik bis hin zu Geographie ist für beinahe jedes Interesse ein Forschungsfeld vertreten. Von ihren Anfängen bis zur ihrer Vielfalt im Jahre 2019 war es jedoch ein weiter Weg.

Das Kalenderbild 2019 zeigt einen Ausschnitt aus ebendiesen ersten Jahren. Zu sehen ist der „Stunden-Plan für die Polytechnische Schule zu Aachen“ aus dem Studienjahr 1873/74, also nur drei Jahre nach ihrer Eröffnung im Jahre 1870. Wir sehen, dass eine Studienwoche von Montag bis Samstag reichte und mit Ausnahme von Sonnabend jeder Tag um sieben Uhr in der Früh begann und bis 19.00 Uhr am Abend andauerte. Überraschend ist hierbei, dass dies nicht die Stundenplanübersicht für einen bestimmten Studiengang ist, sondern für alle damals angebotenen Fächer. So belegen die Studenten in ihren ersten Jahren an der Hochschule alle die gleichen Veranstaltungen. Dazu heißt es im Kursbuch von 1873/74: „die Studienpläne sind so eingerichtet, dass möglichst lange Zeit die Studien der vier Fachschulen dieselben Fächer begreifen, um nach dem ersten oder auch zweiten Studienjahre, nachdem der Studirende [sic] seine Fähigkeiten selbst kennen gelernt hat, einen etwaigen Uebertritt [sic] von einem Fache zum andern zu erleichtern“(S.24).

Was heißt dies nun konkret für einen Studenten im Jahre 1873/74? Der Student kann der Übersicht entnehmen, dass das erste Studienjahr weiß markiert ist, das zweite gelb, das dritte grün, das vierte für Architekten sowie Ingenieure rot und für Maschinentechniker blau. Die Abkürzungen So. und Wi. zeigen, ob die Veranstaltung im Sommer-bzw. Wintersemester angeboten wird. Die römischen Ziffern (I. bis IV.) weisen auf das Studienjahr hin und die Buchstaben A. J. G. M. Ch. und H. stehen für Architekten, Ingenieure, Geodäten, Maschinentechniker, Chemiker und Hüttenleute. Als Erklärungsbeispiel dient uns der vergrößerte Ausschnitt: dort ist ersichtlich, dass die gelb unterlegte Lehrveranstaltung „Wasserbau I. Elemente. Intze. A.J.II. So“ immer montags von sieben bis acht Uhr im Sommersemester für Studenten des zweiten Lehrjahres stattfindet und sich an Architekten und Ingenieure richtet.

Es zeigt sich also, dass die RWTH Aachen in ihren ersten Jahren einige Unterschiede zur heutigen Zeit aufweist. Zu allererst richtete sich die Universität mit ihrem rein naturwissenschaftlichen Ausbildungsprogram ausschließlich an junge Männer. Der Schwerpunkt lag insbesondre auf „Maschinenbau, den chemischen Gewerbe, dem Hüttenfach, dem Ingenieurwesen und dem Hochbau“. Weibliche Studierende sowie gesellschaftswissenschaftliche Fächer waren damals ausgeschlossen.  Die RWTH Aachen hat sich im Laufe von beinahe 150 Jahren also um einiges verändert und weiterentwickelt. Aus der „Polytechnischen Schule“ wurde eine Hochschule mit eigenem Promotionsrecht und aus ehemals 32 Dozenten und 225 Studenten wurden 547 Professoren (Stand 2017) und 45256 Studierenden beider Geschlechter.   https://de.wikipedia.org/wiki/RWTH_Aachen https://www.archiv.rwth-aachen.de/web/rea/Seite/zeitleiste.htm

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Kalenderbild Dezember – Doctor of Immortality, Hiwi-Hinrichtungen und Weihnachtswahn

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Sig. 10210

Das Aachener Prisma war eine Zeitschrift des AStA von 1953 bis 1982. Hier sehen wir die 12. Ausgabe des Jahres 1975.

Auf dem Bild ist das Cover der Zeitschrift abgebildet. Speziell zur Weihnachtsausgabe ist die Collage in Rot gestaltet, im Gegensatz zu den sonst schwarz-weißen Deckblättern mit ihren abstrakt-deskriptiven Bildern und Collagen. Der Notizzettel mit „Nicht vergessen: „Das Fest der Liebe!“ (Viel kaufen)“ kritisiert die rein materialistische Ausrichtung des Festes. Ein zurechtgeschnittenes Bild eines Obdachlosen und ein weißer Streifen bilden eine angedeutete Geschenkverschnürung. Zuletzt schmücken noch die Daten der Feiertage und ein „Love!“ in Kreideoptik die Seite. Nicht gerade subtil, aber wenn wir an die Weihnachtsfeste unseres Jahrtausends denken, ist Subtilität wohl auch nicht nötig.

Themen waren unter anderem Nachrichten des AStA, politische Stellungnahmen und Kommentare sowie Betrachtungen des erweiterten Universitätskosmos mit Bildungspolitik, Fernstudien, akademische Grade und Hiwi-Stellen. Mit Satire, Humor und Fakten wurden Themen besprochen, die von Interesse für die studentischen Leser waren. Besonders beliebte Ziele von Spott waren vor allem die Universität, die Politik und die Wirtschaft, deren Systeme und Handlungen gezielt aufs Korn genommen wurden.

So rät der erste Autor schon dazu, eine kirchliche Universität in den USA zu gründen, um von dort aus Doktortitel in alle Welt zu verkaufen. Durch den Schutz, den Kirchen in den USA genießen, und die einfachen Möglichkeiten dort sowohl Kirchen als auch Universitäten zu gründen, wäre dies eine ausgezeichnete Möglichkeit vor Weihnachten noch ein wenig Geld zu verdienen. Eine Empfehlung, die ich übrigens allen Lesern auch heute noch weiterreichen kann, da sich an den Umständen nur wenig geändert hat. Wer also schon immer stolzer Besitzer des Titels „Doctor of Immortality“ sein wollte, hat auch heute noch die Möglichkeit dazu.

In diesem Stile geht es weiter, von einem (fiktiven) Interview zum Forschungsfeld der (ebenso fiktiven) Hättologie, der Wissenschaft Niederlagen in augenscheinliche Siege zu verwandeln; über Kritik an der Bildungspolitik und dem Einfluss der Wirtschaft auf diese; bis hin zu einer Betrachtung der Lebensumstände der Arbeiterklasse in Russland. Einige oder eher die meisten der Themen kommen dem Leser auch heute noch aktuell vor. So ist die Bildungspolitik weiterhin ein Zankapfel für alle Beteiligten, die globale Politik scheint viel von der Hättologie gelernt zu haben und Betrug mit unverdienten Titeln und Graden ist nicht erst seit Guttenberg ein Problem. Trotz der 43 Jahre, die seither vergangen sind, hat sich scheinbar wenig an den Themen geändert, die präsentiert werden.

Auch geboten werden Buchempfehlungen zu einer großen Bandbreite an Werken, ein Veranstaltungskalender, der die kommenden Theatervorstellungen präsentiert, und ein karikativer Comic samt weihnachtlichem Witz.

Gekostet hat so ein Jahresabo des Prismas damals noch 18.- DM, zuzüglich 6.- DM für den Versand. Dafür bekam man monatlich eine Ausgabe zugesandt. Wie üblich für kleinere Zeitschriften finanziert aber auch diese sich durch Werbung. Jede zweite Seite wird zusätzlich geschmückt durch eine oder mehrere Anzeigen, von denen einige durchaus fremd anmuten für jemanden, der in der Zeit der Internetwerbung und Zielgruppenanalysen aufgewachsen ist. „Rum and Maple … auch Frauen lieben sein Aroma“ wirbt da ein Tabak oder auch „Zinkstaubfarbe schützt den Stahl!“. Überhaupt finden sich viele Anzeigen für Tabak und Zigaretten, besonders in mehreren der anderen Ausgaben konkurrieren diverse Hersteller mit ganzen Seiten um die Leser. Aber auch Versicherungen, Autohändler, Technikläden und lokale Copyshops präsentieren ihre Waren und Dienste. Und ein „Dr.Müller`s Sex-Shop mit Non Stop-Kino“ (heute ein Friseursalon) preist seine Colorfilme an. Hier finden wir vielleicht eine der größten Veränderungen. Die Art und Präsentation der Werbung hat sich stark verändert, ebenso wie es die Geschäftszweige selbst taten. Es bleibt wohl doch nicht alles beim Alten. Wenn schon nicht politisch, dann doch im Alltag.

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Ein Praktikum, auch noch im Archiv?

Ein guter Freund von mir hat einmal, nach einigen Wirrungen, ein Studium der Geschichtswissenschaften in Bonn begonnen. Was ich davon gesehen habe war zwar interessant, aber am Ende der Gespräche blieb immer eine Frage: was macht man damit? Archäologe, Bibliothekar, Archivar, etc, die Auswahl ist breit gefächert. Nichts davon war das, was mein Freund sich erhofft hatte. Gerade ein Archivar wollte er nicht werden, zu langweilig, zu weit ab von dem was irgendwie erfüllend wäre. Damals musste ich ihm zustimmen, auch ich konnte mir nicht vorstellen wie dieser Beruf auch nur entfernt Spaß machen könnte. Den ganzen Tag in etwas verbringen das wir uns als eine Mischung aus Besucherloser Bibliothek und einstaubendem Museum vorstellten. Deshalb war ich zuerst etwas skeptisch als mir von Kommilitoninnen ein Praktikum im Hochschularchiv der RWTH vorgeschlagen wurde. Aber Pflichtpraktikum ist Pflichtpraktikum und wenn Freunde das sagen muss ja wohl etwas dran sein, oder? Also habe ich die Bewerbung losgeschickt und einen Vorstellungstermin absolviert. Noch war ich skeptisch, würde ich diesmal mehr tun als nur einzuscannen? Spoiler: es heißt digitalisieren und gehört auch dazu. Aber fangen wir vorne an. Der frisch gebackene Praktikant im Hochschularchiv ist keine reine Kaffeemaschine. Anhand von Modulen bekommt man schrittweise beigebracht wie die Archivarbeit funktioniert und was es alles zu tun gibt. Hat man erklärt bekommen was es wie zu tun gilt kann man loslegen. Sie oder er darf Anfragen bearbeiten, Archivalien umbetten und Bestanderhaltung durchführen, Recherchieren, Digitalisieren, Korrekturlesen, Bestände verzeichnen und in der Öffentlichkeitsarbeit mitwirken. Alles unter dem wachsamen Auge der Mitarbeiterinnen, die stets für Fragen offen sind und weiterhelfen wo es nur geht, Korrekturlesen und selbst beim vierten Mal nachfragen nur leicht genervt sind. Zusätzlich lehrt Dr. Graf noch weitere theoretische Kompetenzen wie Urheberrecht, Paläographie oder Archivrecht. Es ist eine unerwarteterweise sehr abwechslungsreiche Arbeit bei der man abends immer wieder das Gefühl hat, wirklich etwas geschafft zu haben. Seien es nun einige hartnäckig Tackernadelverseuchte Akten aus der Nazizeit die man erfolgreich vor der Verschmutzung durch Rost bewahrt und in neue Umschläge umgebettet hat, oder eine besonders komplizierte Anfrage auf die man kurz vor dem Aufgeben doch noch eine zufriedenstellende Antwort geben konnte. Erwähnenswert ist auch die Atmosphäre. Wo man als Praktikant in einem Unternehmen immer nur ein Besucher ist, sich an den Zuständigen hängt und still seine kleine Beschäftigungstherapie abarbeitet; ist man im Hochschularchiv schnell ein wichtiger Teil des Teams. Vorschläge werden aufgenommen, Meinungen erfragt und Arbeit wertgeschätzt. Nachdem ich nun über einen Monat im Hochschularchiv verbracht habe muss ich sagen: so langweilig wie erwartet ist der Beruf des Archivars eindeutig nicht. Wer ein Interesse an Geschichte und alten Texten hat wird sich im Archiv gut aufgehoben fühlen. Sig 122b Deutsche Universitätszeitung 1949 Seite 7 -geschnittenSig 122b Deutsche Universitätszeitung 1949 Seite 15 -geschnitten                                             Bildsignaturen: Sig.122b. Aus der Deutschen Universitätszeitung (4. Jahrgang, Nr. 23; Veröffentlicht am 2. Dezember 1949)

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Another day at the archive

Es scheinen sich fast schon Generationen von Praktikanten an der Türschwelle des Hochschularchivs die Klinke in die Hand gedrückt zu haben. Gesellschafts- aber auch Literatur- und Sprachwissenschaftler, die noch auf der Suche nach dem obligatorischen Pflichtpraktikum sind, werden hier am Hochschularchiv fündig. Nun geht auch meine Zeit hier zu Ende und meine letzte Aufgabe ist es, meine Erlebnisse hier archivgerecht niederzuschreiben. Die Klischees übIMG-20181116-WA0000er das Archiv sind natürlich allgegenwärtig. Staubtrocken, dröge und langweilig. Dies wird jedoch jeder verneinen, der schon mal am Hochschularchiv tätig war. In der täglichen Arbeit mit den Akten, Bildern und Dossiers begegnen euch nicht nur die Einflüsse der NS-Diktatur (z.B. bei der Entlassung des jüdischen Luftfahrttechnikers Theodore von Kármán), sondern auch der Studentenbewegung 1968 auf das Zusammenleben der RWTH. Geschichtliches Interesse kommt hier natürlich auch zu Gute. Aber nun zu den Aufgaben während des Praktikums. In sogenannten Modulen sollen vielfältige Aufgaben abgeschlossen werden, um einen zu abwechslungsarmen Arbeitstag zu verhindern. Dazu gehören nicht nur Aufgaben wie das Verzeichnen (Einpflegen von Archivmaterial in das Computerprogramm Midosa), oder das Umbetten, bei dem Akten neu abgeheftet werden (keine korrodierten Büroklammern!). Ebenso häufig kommen Anfragen an das Hochschularchiv. Privatpersonen suchen nach Freunden und Verwandten oder Historiker suchen nach Informationen für ihre wissenschaftlichen Arbeiten. Das Team des Hochschularchivs leistet hier viel Unterstützung. Doch es geht nicht nur um Aufgaben, die streng als Archivarbeit bezeichnet werden können, sondern auch um Öffentlichkeitsarbeit. Im Netz gilt es, den Klischees des Archivs entgegenzuwirken. Dazu gehören nicht nur die veröffentlichten Bilderfreitage und Kalenderbilder, sondern auch die Pflege der sozialen Netzwerke. Erst seit kurzer Zeit sind wir auch bei Instagram  zu finden. Lasst also ein Like und ein Abo da. 😉 Aber es blieb nicht nur beim praktischen Arbeiten, auch die Theorie kommt im Hochschularchiv nicht zu kurz. Mit dem Geschäftsführer und Archivar Herrn Graf absolvieren die Praktikanten Module, die theoretisches Hintergrundwissen vermitteln sollen. Thematisch geht es hier z. B. um den Konflikt zwischen Informationsfreiheitsgesetz und des Archivgesetzes. An dieser Stelle bleibt mir nur noch mich bei den Mitarbeitern hier zu bedanken, die mich so freundlich aufgenommen haben. In dem Sinne sei allen verzweifelt nach Praktika suchenden Menschen das Hochschularchiv empfohlen.

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Kalenderbild zum Monat November: Senatsfeier

Nicht wenige Studierende beklagen sich immer wieder über die überbordende Bürokratie an Hochschule. Formulare müssen fristgerecht in einem unbekannten Gebäudekomplex eingereicht, Anmeldungen zu Veranstaltungen durchgeführt und der BAföG-Antrag inklusive mehrseitigem Anhang abgegeben werden. Dennoch muss eine große Organisation wie die RWTH Aachen auf einen großen Verwaltungsapparat zurückgreifen, um einen möglichst reibungslosen Ablauf für Studierende, sowie die Angestellten an der Universität zu gewährleisten.

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Sig. 11.2 g

Zu den Aufgaben des Senats gehört die Selbstverwaltung der Hochschule und gibt Empfehlungen an das Rektorat. Dazu gehören z.B. der Haushaltsplan für die weitere Entwicklung der Hochschule und Stellungnahmen zu den pro Semester einmal durchgeführten Evaluationen zur Lehre. Gerade an einer technischen Hochschule ist eine solche Kooperation mit der Wirtschaft sinnvoll. Selbstständige Entscheidungen kann der Senat nicht treffen bis auf den Beschluss zur Verleihung von akademischen Ehrungen. Das führt uns zu dem Kalenderbild des Novembers, das lediglich den Titel „Senatsfeier“ trägt, ohne dass der Anlass erläutert wird.

Auch wenn der Anlass der Feier nicht bekannt ist, sind die Kleidungen der vordersten drei Personen bemerkenswert. Talare gelten seit dem Mittelalter als ein gängiges Kleidungsstück von Professoren. An den Farben des Gewandes lässt sich die jeweilige Fakultät ableiten, da jedoch die Hochschulen keinen einheitlichen Farbkanon verwendeten, ist auch die Zuordnung der Farben zu den Fakultäten auf dem Bild nicht möglich.

Zu den besonderen Anlässe, zu denen der Senat zu einer Feier zusammenkommt, gehören die Würdigung besonderer Leistungen in Forschung und Lehre von Persönlichkeiten der Hochschule. Der Titel des Ehrensenators gilt als höchste Auszeichnung, die eine Universität vergeben kann. Besonderes Engagement von Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und von Stiftungen wird ebenso oftmals mit dieser besonderen Ehre ausgezeichnet. Wer jedoch aus welchem Grund in diesem Bild geehrt wird, geht aus dem Bild nicht hervor. Nicht nur die Kleidung, sondern auch das Ambiente, das mit Blumen reich geschmückt wurde, weist auf eine besondere Feier hin. Ein ebenso in einem Talar gekleideter Mann hält im Bild mittig eine Rede an einem reich mit Blumen ausgestatteten Pult. Dies lässt den Schluss zu, dass diese Veranstaltung zu einer Ehren gehalten wird.

Seit dem Beginn der Studentenrevolten Ende der 1960er Jahre wurde der Talar abgeschafft. Berühmtheit erhielt ein Transparent von den Asta-Vorsitzenden Detlev Albers und Gert Hinnerk Behlmer mit der Aufschrift „Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren“. Eine Anspielung auf die aus Sicht der oben genannten Akteure fehlende Aufarbeitung des Nationalsozialismus bei der Professorenriege. Aufgrund dessen lässt sich das Bild zumindest zeitlich grob einordnen. Ob bei dieser Senatsfeier an der RWTH ebenfalls Studierende gegen die Professoren protestierten, ist hingegen unklar.

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NAFF zu Gast im Hochschularchiv

Vor zwei Wochencollage hat das Hochschularchiv erneut seine Türen für eine Führung durch die Magazine geöffnet. Gemeinsam mit der wissenschaftlichen Leiterin des Hochschularchivs, Frau Dr. Christine Roll haben wir den interessierten Frauen des Netzwerk Aachener Führungsfrauen (NAFF) Eindrücke in den Archivalltag vermitteln können. Außerdem konnten wir diesen unsere Ausstellungsstücke aus der Ausstellung „Frauenstudium im Wandel der Zeit – kleine Einblicke in die Geschichte der RWTH“, welche wir von Juli bis August im Internationalen Zeitungsmuseum Aachens ausgestellt hatten, vorzeigen und diese genauer in persönlichen Gesprächen erläutern. Wir haben uns sehr gefreut Teil dieses Rahmenprogramms sein zu dürfen und bedanken uns für die vielen interessierten Fragen und positiven Rückmeldungen.

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Kalenderbild zum Oktober: Glückwunschschreiben von E. Baronetzky, Rektor der staatlichen Ingenieursschule für Textilwesen, an Herrn Schwerte, Rektor der Rhein.-Westf. technische Hochschule Aachen, zum 100jährigen Bestehen der RWTH Aachen

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S025

Aachen, den 16.10.1970

Magnifizenz,

Wenn eine kleine Institution wie die Staatliche Ingenieursschule für Textilwesen Aachen am heutigen Tage einer großen Ausbildungsstätte wie der RWTH Aachen zu ihrem 100 jährigen Bestehen gratuliert, so tut sie das in dem Bewusstsein, sich dieser Ausbildungsstätte aus Tradition besonders verbunden zu fühlen. War das Bestehen der Textilingenieursschule doch letzlich der Grund, dass hier in Aachen …

Zu sehen ist die Vorderseite des handgeschriebenen Briefes, welche mit einer Stadtansicht der Stadt Aachen in schwarz-weiß verziert ist. Der Briefkopf ist ein Abdruck eines Kupferstiches des Künstlers Matthäus Merian d. Ä. und zeigt detailliert die Stadt Aachen und ihre Umgebung. Schaut man sich als Betrachter das Bild genauer an, scheint es so, als ob der Betrachter auf einem nahegelegenen Hügel steht und auf die Dächer der Stadt sowie die bewirtschafteten Felder vor den Toren der Stadt Aachen herunterschaut. Die Umgebung der Stadt sowie die Bauern, Reisenden und Händler sind eher schemenhaft und undeutlich erkennbar und fallen im Gesamtbild kaum auf. Die Stadt selbst ist deutlich detaillierter abgebildet, was durch die unterschiedlich gemusterten Hausdächer und die detailgetreue Abbildung von Dom und Rathaus deutlich wird. Dom und Rathaus fallen durch ihre Größe im Gesamtbild auf, da beide im Zentrum der Stadt über alle Gebäude hinausragen. Achtet man auf die Stadtmauern und den Graben, kann man sich herleiten in welchem Jahrhundert die Stadt Aachen auf dem Bild abgebildet worden ist. In diesem Fall ist auch der Künstlername Matthäus Merian eine große Hilfe, da dieser um 1642 deutsche Städte als Kupferstiche abgebildet hat. Durch diese Erkenntnisse kann man sagen, dass dieses Bild der Stadt Aachen zwischen 1642 und 1650 entstanden ist. Achtet man auf die beiden Buchstaben in der oberen Mitte des Bildes, kann man erahnen, dass dort das Wort Aachen als Beschreibung des Bildes stehen soll. Der beidseitig handbeschriebene Brief ist von Egon Baronetzky, Rektor der staatlichen Ingenieursschule für Textilwesen verfasst worden, welcher Hans Schwerte, dem Rektor der RWTH Aachen für das 100-jährige Bestehen der RWTH Aachen gratuliert. Auf der zweiten Seite des Briefes lobt er das Verhältnis beider Institute zueinander und für die Region Aachen. Er hofft, dass sich die Zusammenarbeit in Zukunft verstärken und die beiden Institute noch lange miteinander arbeiten werden. Aus den Glückwünschen und dem Datum des Briefes kann man darauf schließen, dass die RWTH Aachen im September 1870 gegründet worden ist. Neben diesem Brief gibt es weitere Briefe und Telegramme mit Glückwünschen von allen Universitäten, mit denen die RWTH zu dieser Zeit Kontakt hatte. Teilweise sind diese Briefe Rückmeldungen auf die versendeten Anfragen für die Teilnahme an der 100-Jahr-Feier vom 14.10.1970 bis 16.10.1970.

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Erlebnis Entheften: Praktikumsbericht

20180928_143410Um als Geschichtsstudent einen Einblick in einen Beruf außerhalb der Lehrerlaufbahn kennenzulernen, absolvierte ich am Hochschularchiv der RWTH Aachen ein vierwöchiges Praktikum. Hierauf bin ich durch das Programm „Erlebnis Archiv“ aufmerksam geworden, das vom Landschaftsverband Rheinland ins Leben gerufen wurde. Es ermöglicht Studierenden insbesondere der Geschichtswissenschaft einen unkomplizierten Weg in ein Praktikum in einem Stadt-, Hochschul- oder Wirtschaftsarchiv.

Die Praktikanten des Hochschularchivs werden anhand eines Leitfadens, der praxisorientiert Einblick in alle relevanten Aufgabenkomplexe, die im Archiv anfallen, gibt, durch ihr Praktikum geführt. Neben praktischen Tätigkeiten enthält dieser theoretische Module, die durch den Archivar, Herrn Dr. Klaus Graf und die Mitarbeiterinnen, geleitet werden und die in wichtige Hilfsmittel und rechtliche Grundlagen der Archivarbeit einführen.

Die anfallenden Aufgaben enthalten naturgemäß relativ viel bürokratische Arbeit am Computer, die Arbeit mit EDV-Programmen ist aber nur ein Teil der Arbeit. Als Geschichtsstudent hat mich insbesondere das sogenannte Umbetten begeistert. Es ist zentral für die ordnungsgemäße Erhaltung der Archivbestände. So müssen zum Beispiel Heftklammern der Originalakte entfernt werden, damit die Dokumente nicht durch Rost angegriffen werden, denn die Archivalien sollen bestenfalls für die Ewigkeit im Archiv verbleiben und zugänglich sein. Das Interessante ist hier aber nicht der handwerkliche Teil der Arbeit, sondern der inhaltliche Zugang zu den Dokumenten. So bergen Bewerbungsunterlagen, die kurz nach Wiederaufnahme des Hochschulbetriebs nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, Informationen über stark durch den Krieg und die NS-Zeit geprägte Schicksale, über Mitläufer, Täter und Opfer und über die schweren Jahre des Neubeginns, die immer wieder, in jedem Lebenslauf, den man vom Rest der Bewerbung „entheften“ muss, aus einer anderen Perspektive beleuchtet werden. Man arbeitet in diesem Aufgabenfeld also unmittelbar an der Quelle und kann seine Fähigkeiten im wissenschaftlichen Schreiben durch die Öffentlichkeitsarbeit des Archivs erweitern, indem man eine Quellenkritik für interessante Dokumente verfasst und im Onlineauftritt des Archivs veröffentlicht.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der abwechslungsreichen Arbeit im Archiv. Alle Studierenden, die an einem Praktikum im Hochschularchiv interessiert sind, empfehle ich, weitere Praktikumsberichte zu lesen, um auch andere Aufgabenbereiche der Praktikanten näher kennenzulernen. Ich kann die Absolvierung eines Praktikums im Archiv auch ans Herz legen, weil das Arbeitsumfeld sehr angenehm ist. Die Arbeitszeiten sind relativ flexibel und Anregungen und Wünsche kann man mit den Mitarbeiterinnen auf Augenhöhe besprechen, sodass man sich als Teil eines Teams fühlt, in dem man seine Fähigkeiten sinnvoll einbringen kann.

Bei Herrn Dr. Graf und den Mitarbeiterinnen des Archivs möchte ich mich zuletzt in aller Form dafür bedanken, in das Berufsfeld „Archivar“ in einer so angenehmen Atmosphäre eingeführt worden zu sein.

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Unsere Bibliothek hat Zuwachs bekommen:

BrancoDas Buch „Wilhelm Branco (1844-1928)- Geologe- Paläontologe- Darwinist. Eine Biografie“ von Winfried Mogge ist ab sofort bei uns erhältlich. Wer immer schon etwas über Wilhelm Branco wissen wollte, ist mit diesem Buch gut beraten. Wie der Titel schon verspricht, war Branco ein vielseitig interessierter und engagierter Wissenschaftler. Winfried Mogge beleuchtet dabei sowohl sein Privatleben als auch seine verschiedenen wissenschaftlichen Einsatzfelder. Auf dem Foto ist außerdem unsere Karteikarte zu ihm abgebildet und ein Vorlesungsverzeichnis, wo erwähnt wird, dass er 1881 an unsere Universität berufen wurde. Unter folgendem Link könnt ihr euch schon mal einen Überblick über ihn und seinen Werdegang verschaffen: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Branca.

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Tag des offenen Denkmals 2018

CollageWir bedanken uns bei den zahlreichen Teilnehmern unserer Führung zum Tag des offenen Denkmals. Gestern Nachmittag durften wir, wie jedes Jahr, einen Beitrag zum Tag des offenen Denkmals leisten. Unter dem Motto „Entdecken was uns verbindet“ informierten wir über die Geschichte des Gebäudes und das Archivwesen mit all seinen Facetten. Wir haben für euch einige Eindrücke zusammengestellt, die ihr euch gerne anschauen könnt. Bei Interesse könnt ihr gerne nächstes Jahr dabei sein!

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Kalenderbild September: Was das Hochschularchiv mit der Separatistenbewegung verbindet

Sig. Hochschularchiv - Kriegerdenkmal

Sig. Hochschularchiv – Kriegerdenkmal

Wenn man sich auf den Weg in das Hochschularchiv begibt, dann begegnet man dem obenstehenden Kriegerdenkmal prominent im Treppenhaus. Doch was genau steckt hinter diesem Denkmal?

Zuerst einmal sollte man festhalten, dass dieses Denkmal mittels des Spruches „Aus der Nacht unserer Gräber erwachse als Frucht des Opfers der Friede“ auf im Separatistenaufstand des Jahres 1923 getötete Polizisten verweist. Das Kriegerdenkmal erinnert jedoch nicht rein ausschließlich an die während des Separatistenaufstandes getöteten Polizisten; es soll zusätzlich die Erinnerung an die acht im Ersten Weltkrieg gefallenen Regierungsbeamten des ehemaligen Regierungsgebäudes wachhalten. Darüber hinaus kommt diesem Denkmal eine noch weitere Bedeutung zu: Es soll ebenfalls an die Naziopfer und Gefallenen des Zweiten Weltkrieges erinnern, wie die linke Tafel anzeigt („1939-1945 unseren Toten zum Gedächtnis“). Der Kopf des Soldaten, der oberhalb angebracht ist, unterstreicht hierfür die sowohl martialische, als auch heldenhafte Symbolik des Denkmals.

Der Separatistenaufstand des Jahres 1923 ist eine Nachwehe des Ersten Weltkrieges und steht in einem engen Zusammenhang mit dem Begriff der Rheinischen Republik. Darunter fasst man die Bestrebungen, einen eigenen Staat im Rheinland zu gründen. Dies geht auf die harten Restriktionen des Versailler Vertrages des Jahres 1919 zurück. Die linksrheinischen Gebiete wurden seit 1919 von belgischen, französischen und britischen Truppen besetzt. Aachen selbst befand sich bereits 1918 unter französischer als auch belgischer Besatzung, wobei die französische Besatzung bereits im Jahre 1920 endete, während die belgische Besatzung elf Jahre andauerte. Genau zu dieser Zeit entstanden (zwischen 1918 und 1923) separatistische Überlegungen. Anhänger eines solchen Gedankenguts nannten sich Separatisten, Sonder- oder Freibündler (Quelle). Ihren Höhepunkt erlebte diese Bewegung 1923, als unter anderem die Reichsverwaltung zerschlagen und ein eigener Verkehrsapparat eingerichtet wurde. Es kam zu zahlreichen Gründungen von separatistischen Organisationen entlang der Rheinlinie. Eine von diesen war die „Rheinische Unabhängigkeitspartei Frei Rheinland“, die eine Abspaltung des Rheinlandes von Preußen forderte, sowie für die Errichtung einer Rheinischen Republik eintrat.

Auch in Aachen wurde im August 1923 ein Büro für die Rheinische Unabhängigkeitspartei eröffnet. Zudem begann man mit der Verteilung von Pamphleten mit separatistischen Parolen. Die erste geschlossene Versammlung der Separatisten fand am 13.09.1923 statt, bei der ein Rheinstaat propagiert wurde. Am 21. Oktober desselben Jahres wurde dann im Rathaus die unabhängige Rheinische Republik ausgerufen. Infolgedessen besetzten diverse separatistische Gruppen unter der Führung von Leo Deckers und Dr. Guthardt öffentliche Gebäude wie die Post, das Rathaus oder die Reichsbank (Quelle). Die Lage heizte sich weiter auf, sodass am Folgetag sowohl Bürger als auch Gewerkschaftler und Studenten die Büros der Separatisten stürmten, nachdem am gleichen Tag Schüsse von Separatisten auf Gegendemonstranten in der Nähe des Theaters gefallen waren. Zusammen mit der Polizei wurde schließlich am 25.10. das von den Separatisten belagerte Regierungsgebäude gestürmt, wobei die drei Polizisten, an die das Kriegerdenkmal erinnert, getötet wurden. Um die Situation zu entschärfen, griff folglich die belgische Besatzungsmacht konsequent ein: die TH wurde geschlossen, alle nicht aus Aachen stammenden Studenten wurden ausgewiesen wie auch der Polizeipräsident. Die Reichsregierung konnte sich in diesen Konflikt nicht einbringen, da der Versailler Vertrag ihnen untersagte, militärische Truppen in das Rheinland und das Ruhrgebiet zu schicken (Quelle). Als tatsächliche Machthaber wurden die Separatisten von den Belgiern anerkannt, denn diese unterstützten, wie auch die Franzosen die Errichtung eines unabhängigen rheinischen Staates, der eng mit Frankreich und Belgien zusammenarbeitet. Die Separatisten konnten sich jedoch nicht lange an dieser Position halten aufgrund der vorherrschenden sozialen Problemen; schließlich konnten sie nicht einmal ihre eigenen Anhänger ausreichend mit Nahrung und Geld versorgen. Am 02.11. unternahmen die Separatisten einen letzten Anlauf, dass Aachener Rathaus zu besetzen, doch unter dem Befehl des belgischen Hochkommissars Baron Edouard Rolin-Jaequemyns (Quelle), der den Druck von Großbritannien und den USA spürte, die einer Loslösung des Ruhrgebietes einschließlich des Rheinlandes wegen der unabsehbaren internationalen politischen und ökonomischen Konsequenzen negativ gegenüber standen, wurde das Ende der separatistischen Regierung angeordnet, indem die Separatisten die Stadt verlassen mussten (Quelle). Damit war die separatistische Bewegung gescheitert, doch vergessen ist sie nicht, wie das Kalenderbild bzw. das Kriegerdenkmal im Treppenhaus auf dem Weg zum Hochschularchiv zeigt.

Sig. Hochschularchiv - Inschrift

Sig. Hochschularchiv – Inschrift

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Ein Praktikum im Hochschularchiv – mehr als nur Kaffee kochen

Ich befand mich im vierten Semester des Bachelor-Studienganges Gesellschaftswissenschaften der RWTH und fand es an der Zeit, mein sehr theorielastiges Studium mit einem Praktikum beim Hochschularchiv aufzulockern. Es ist die eine Sache, sich mit Geschichte zu befassen, aber eine andere, sie hautnah im Archiv zu erleben und erhalten zu dürfen.

Ich fühlte mich während des Praktikums oftmals in der Zeit zurückversetzt. Dies lag besonders an den alten Briefen, Postkarten und Fotos, die mit sauberer Schreibschrift und ihren Aufnahmen von heute kaum noch erkennbaren Gebäuden, Vorplätzen und Kleidungsstilen Momentaufnahmen ihrer Zeit widerspiegelten.

Es gab jedoch auch unleserliche Briefe und Sachakten, deren Lektüre durch das Praktikantenmodul „Paläographie“ stark erleichtert wurde. Sowie das Schreiben im 16. Jahrhundert ein Handwerk war, so erlernte ich während des Praktikums die Kunst, diese alten Schriften zu lesen und die zehn goldenen Regeln der Paläographie anzuwenden.

Das Archiv bietet eine Vielzahl an Praktikantenmodulen und betraut einen mit viel Selbständigkeit und Verantwortung. Darunter fällt „Bewertung“, die Bürde zu entscheiden was archivwürdig ist und übernommen werden soll. Man lernt im „Archivrecht“ alles Grundlegende zu Datenschutz und Sperrfristen und im Modul „Urheberrecht“ den Umgang mit geistigem Eigentum. Der Exkurs über Recherchemöglichkeiten bietet einem noch über das Studium hinaus die Möglichkeit der Bibliotheks- und Archivnutzung online.

Die Module sind zwar Pflicht, bieten aber abwechslungsreiche und willkommene Aufgaben. Ich konnte mich oft nicht entscheiden, welches ich zuerst angehen möchte. Besonders Umbetten und Verzeichnen gaben mir stets das Gefühl etwas am Tag geleistet zu haben. Ein Gefühl, das man in vielen Praktika vielleicht nicht hat.

Die Beantwortung von eingehenden Anfragen gehörte zu den spannendsten und obligatorischsten Aufgaben, dies wurde besonders aufregend, wenn es internationale Anfragen auf Englisch waren. Man vertieft sich, ehe man sich versieht, in die akribische Recherche nach Themen, Personen und Orten, von denen und ihrem Wirken man sonst vielleicht nie etwas erfahren hätte. Das Stöbern in der Geschichte Aachens und der RWTH war nicht nur interessant, sondern machte auch erfinderisch. Ich weiß noch, als uns Studierendenverzeichnisse, Nachrufe und das Gefallenendenkmal des Ersten Weltkrieges (am Eingang der Aula) Aufklärung über den Verbleib von Architekturstudenten boten.

Mein Praktikum half mir bei meiner Berufsorientierung auf jeden Fall weiter und war mehr als nur ein Pflichtpraktikum. Sollte ich keine Laufbahn im Archivwesen einschlagen, so werde ich mit Sicherheit meine Abneigung gegenüber korrodierten Tackerklammern und Klebeband beibehalten. Den Hang zur Ordnung werde ich erst recht übernehmen. Ich durfte viel lernen, das ich aus meinem Praktikum mitnehmen möchte. Besonders im Umgang mit Menschen – seien es Nutzer oder Mitarbeiter. Bei Letzteren möchte ich mich für die Hilfe, Arbeitsatmosphäre und schöne Zeit bedanken.

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Unsere Empfehlung: Website zum E-Learning Bestandserhaltung

Die Website E-Learning Bestandserhaltung (https://www.bestandserhaltung.eu/home.html) bietet für all diejenigen Einblicke, die sich noch nicht mit der Thematik Bestandserhaltung befasst haben. Entworfen und gestaltet wurde die Website von fünf Archiven aus Belgien, Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden. Sie ist optisch sehr modern und ansprechend gestaltet und dürfte somit auch die jüngere Generation ansprechen. Online klickt man sich durch die verschiedenen Aufgaben. Durch die visuelle Unterstützung von Videos wird der Kurs aufgelockert und bietet zudem noch einen praxisnahen Einblick, den man als Außenstehender in der Form wahrscheinlich nicht erhalten würde.

Inhaltlich fiel auf, dass wir als Hochschularchiv bereits den dort angeführten Standards innerhalb unserer Möglichkeiten gerecht werden. Dementsprechend befürworten wir die dort angeführte Methodik und haben keinerlei negative Punkte gefunden.

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Kalenderbild zum August: NS-Fragebogen zur Einstellung von Katharina Ruland als Dozierende

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Signatur: SP2

Bei der Frau, die in einem weißen Kittel auf dem schwarz-weiß Foto in der linken oberen Ecke zu sehen ist, handelt es sich um Katharina Ruland. Sie bewarb sich am 26. Februar 1934 als Dozierende an der RWTH und hat dazu einen entsprechenden Fragebogen ausgefüllt. Die erste Seite des Fragebogens (auf die zweite Seite wird später noch Bezug genommen) ist unser Kalenderbild für den Monat August.

Bereits auf den ersten Blick wird deutlich, dass die erste Seite des Fragebogens in drei Bereiche aufgeteilt ist. Neben dem bereits erwähnten Foto sind im oberen Teil die privaten Daten, sowie solche mit Bezug zur Universität selbst zu finden, während im unteren Teil die bisherige wissenschaftliche Laufbahn beschrieben wird.

Über Katharina Ruland erfahren wir, dass sie am 29. April 1891 in Köln geboren wurde, unverheiratet ist und keine Kinder hat. Sie studierte von 1915 bis 1920 in Bonn, promovierte und hatte im Anschluss daran zwei Assistenzstellen inne. Bei ihrer zweiten Stelle war sie von 1928 bis 1929 in Aachen beschäftigt. Der Fragebogen gibt keine Auskunft darüber, wann Katharina Ruland anfing am Chemischen Institut (Fakultät Stoffwirtschaft) zu arbeiten. Jedenfalls entschloss sie sich, die Dozentenschaft anzustreben und dafür den abgebildeten Fragebogen auszufüllen.

Für sich genommen ist der Fragebogen nichts Besonderes, da sein Verwendungszweck – d. h. die Einstellung als Dozierende – als etwas „Normales“ erscheint. Diese Einschätzung ändert sich aber dramatisch, wenn man den Fragebogen in den zeitlichen Kontext einordnet und zwar zu Beginn der NS-Zeit. Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die vollständige Macht über die Weimarer Republik und fingen an diese nach und nach in eine Diktatur zu verwandeln. Ein zentraler Bestandteil dabei war die Unterdrückung bzw. Beseitigung aller Regimefeinde (Parteien, Verbände etc.), sowie unliebsamer bzw. regimekritischer Personen. Gewiss, unmittelbar nach der Machtübernahme übte sich das NS-Regime in Zurückhaltung, um keine außenpolitischen Reaktionen zu provozieren, die die Pläne der Nationalsozialisten vorzeitig vereitelt hätten. Nachdem aber das NS-Regime seine Macht zementiert hatte, wurden Parteien, Verbände und alle regimekritischen Menschen überhaupt immer brutaler und in aller Öffentlichkeit verfolgt. Grundlage für diese Verfolgungen waren häufig Denunziationen aus dem persönlichen Umfeld der verfolgten Personen durch Freunde oder Arbeitskollegen. Auch behördliche Unterlagen wie Personalakten bzw. Fragebögen haben hierbei eine Rolle gespielt. So konnte es sein, dass Angaben zur Staatsangehörigkeit, Religion und Parteizugehörigkeit im schlimmsten Fall über das Leben einer Person entscheiden konnten.

Die Einstellung Katharina Rulands zum NS-Regime lässt sich aufgrund fehlender Informationen nicht eindeutig feststellen. Ihre deutsche Staatsangehörigkeit lässt vermuten, dass es ihr besser erging als anderen gesellschaftlichen Gruppen wie bspw. den Juden. Auf der zweiten Seite des Fragebogens (die hier nicht abgebildet ist) erfahren wir, dass Ruland keine Beziehung zur Jugendbewegung bzw. zur Hitlerjugend oder vergleichbaren Vereinigungen hatte und auch kein Mitglied der NSDAP war. Insofern hat es den Anschein, als ob sie eine „Durchschnitts-Bürgerin“ war. Mit Gewissheit lässt sich dies aber nicht sagen, da sich ihr weiterer Werdegang aufgrund der fehlenden Informationen nicht rekonstruieren lässt. Auch ist – zumindest theoretisch – die Möglichkeit nicht auszuschließen, dass manche Angaben nicht der Wahrheit entsprachen.

Der von ihr ausgefüllte Fragebogen gewährte dem Leser bzw. Betrachter einen guten Eindruck in ein allgegenwärtiges Gefühlszustand der damaligen Zeit: dem Gefühl einer permanenten Unsicherheit, der Angst als Staatsfeind verfolgt zu werden und dem Umstand, dass das eigene Leben u. U. nur von den Buchstaben auf einem Blatt Papier abhängen konnte.

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Juli von Kaven

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Signatur: Akte 34 a

Das Kalenderbild Juli zeigt einen Brief von dem ehemaligen Direktor August von Kaven an den neu ernannten Ingenieur M. J. Jacobs. Königlich erhebt sich am damaligen offiziellen Briefkopf der Hochschule ein Adler mit weit ausgebreiteten Schwingen, ausgestattet mit den Symbolen der Macht: Krone, Reichsapfel und Zepter. Zum Verständnis hier eine Transkribierung seines Briefes:

Aachen, den 30. Juli 1877

Die Direction der königl. Rhein. Westphäl. Polytechnischen Schule

An den Ingenieur Herrn A(ndreas) J(acobus) Jacobs 

-Hier-

Anbei übersende ich Ihnen mit meinem Glückwunsche das Diplom-Zeugnis.

Zum Gebrauche bei Versendungen von Zeugnissen erhalten Sie eine Anzahl Copien (Kopien) beigefügt.

(Streichung der nächsten vier Zeilen)

Der Director

Gezeichnet: von Kaven

Ad acta (Lat.: Zu den Akten legen)

Zum Zeitpunkt des Briefes war August von Kaven bereits sieben Jahre als Direktor für die Hochschule tätig. Der am 19.03.1927 geborene Bremer wurde am 01.10.1870 zum ordentlichen Professor ernannt und begann 1870 seinen Dienst als erster Direktor der Hochschule. Bis 1879 dauerte seine Dienstzeit an, aber das war nur eine seiner zahlreichen Positionen.

Zum einen war von Kaven an der Fakultät für Bauingenieurwesen angestellt mit dem Schwerpunkt auf dem Lehrgebiet „Wege und Eisenbahnbau“. Außerdem war er als Vorsteher der Fachschule für Ingenieurwesen und Hochbau (1871-1879) und Vorstand der Fachschule für Ingenieurwesen (1879-1882) aktiv. Zudem war er ordentlicher Lehrer für Wege- und Eisenbahnbau und auch Leiter in diesem Bereich für die Modell- und Plansammlung (1871-1891).

Er ist der Namensgeber für den bekannten Kavenring, ein Ehrenring der RWTH. Dieser wird für besondere Verdienste um die Hochschule verliehen. Der Ring trägt eine Gravur an der Innenseite: Von Kaven und Mens Agitat Molem (Lat.: Der Geist bewegt die Materie). Dazu wird dann noch eine Urkunde überreicht. Aber das war nicht das Einzige: Nach ihm wurde auch eine Straße benannt – die Kavenstraße. Diese befindet sich nicht unweit der Studententürme. Und es gibt ein Grabdenkmal auf dem Aachener Westfriedhof, das an ihn erinnert. August von Kaven hat also deutlich seine Spuren in ganz Aachen hinterlassen. Bis zu seinem Tod für die Hochschule tätig, verstarb August von Kaven im Alter von 64 Jahren am 19.05.1891 in Aachen.

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Gipsform des Kavenrings

Das Archiv bietet neben diesem Brief von ihm auch Fotos, seine Ernennungsurkunde zum Direktor, Einträge in Vorlesungsverzeichnissen und noch vieles mehr. Wer also auf der Suche nach Informationen zu August von Kaven ist – es lohnt sich reinzuschauen! Unter diesem Link könnt ihr zudem mehr über ihn und seinen Werdegang erfahren.

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Wie schnell die Zeit im Archiv doch vergehen kann!

Abschlussbericht

Quelle: https://pixabay.com/de/uhr-taschenuhr-uhrwerk-uhrmacher-3179167/

Entgegen meiner ursprünglichen Erwartung ist meine Zeit im Hochschularchiv sehr schnell vergangen. Ehe ich es überhaupt bemerkt habe, befinde ich mich schon in meiner letzten Praktikumswoche und möchte die Zeit, in der ich diesen Abschlussbericht schreibe, dafür nutzen, um meine Erfahrung noch einmal in Ruhe Revue passieren zu lassen. Dabei komme ich zu dem Schluss, dass meine ursprünglichen Annahmen darüber, wie mein Praktikum verlaufen könnte, und meine Erfahrungen an dessen Ende widersprüchlicher nicht sein könnten.

Als ich mich für einen Praktikumsplatz im Hochschularchiv beworben habe, tat ich dies unter der Annahme, dass die Arbeit nicht sonderlich abwechslungsreich, sondern eher langweilig und eintönig sein würde. Auch die bloße Vorstellung einer Praktikumsdauer von drei Monaten hat – um einmal ganz ehrlich zu sein – nicht wirklich dazu geführt, dass ich meinem ersten Tag im Archiv entgegengefiebert habe. Umso mehr bin ich froh darüber sagen zu können, dass ich mich so sehr getäuscht habe. In den vergangenen drei Monaten hatte ich zahlreiche und z. T. sehr verschiedenartige Aufgaben zu erfüllen. Häufig galt es, immer wieder aufs Neue kreativ zu sein und dabei zugleich einem bestimmten Arbeitsschema zu folgen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Insofern war ein langweiliger und eintöniger Arbeitstag undenkbar und meine Annahmen über das Arbeiten im Archiv wurden einer 180-Grad-Wende unterzogen.

Bereits der erste Praktikumstag hielt für mich eine Überraschung bereit: Ich wurde lediglich durch das Archiv geführt und es wurden die ganzen Formalien abgeklärt. So endete der Tag bereits nach 1,5 Stunden. Mal davon abgesehen, dass dieser angenehm kurz war, erhielt ich etwas, was mich zum einen überrascht hat, zum anderen aber auch dahingehend motiviert hat, mich auf meinen ersten „richtigen“ Arbeitstag zu freuen: den Praktikantenleitfaden. Denn bereits ein kurzer Blick auf diesen hatte mir gezeigt, dass ich einiges an Arbeit vor mir hatte und Langeweile ausgeschlossen war.

Im Praktikantenleitfaden ist detailliert aufgelistet, welche obligatorischen Aufgaben ich erledigen und welche Module ich absolvieren muss, um mein Praktikum erfolgreich abzuschließen zu können. So gehören bspw. zu den Pflichtaufgaben das Verzeichnen und Umbetten von Akten sowie das Korrekturlesen der Findbuchdatei. Die Module sollen dem Praktikanten Wissen vermitteln, das für die Arbeit im Archiv unabdingbar ist. Dabei werden manche Module (z. B. Recherchemöglichkeiten und Bewertung) von Herrn Graf, dem Geschäftsführer des Hochschularchives, und andere Module (z. B. Bibliotheksorganisation und Magazine/Registratur) von den Mitarbeitern vermittelt. Ein in diesem Zusammenhang sehr interessanter To-Do-Punkt ist die „alternative Sonderaufgabe“.

Diese wird bei jedem Praktikanten individuell festgelegt, je nach dem was so gerade ansteht. Im meinem Fall bedeutet dies jeden Freitag beim Auf- und Umräumen im Magazin vier mitzuhelfen. Diese Aktion ist Bestandteil einer Inventur, die kurz nach meinem Praktikumsbeginn initiiert wurde. So habe ich – zusammen mit anderen Praktikanten und Mitarbeitern – seitdem jeden Freitag umgebettet, aufgeräumt, Abfall entsorgt und angefangen, die im Zuge der Inventur umgebetteten Akten zu verzeichnen. Nie vergessen werde ich den Anblick, als wir sämtliche kassierten Akten, den Papiermüll und einen Haufen Elektroschrott entsorgt hatten. Der dadurch frei gewordene Platz kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Nur um dies einmal in Zahlen auszudrücken: Wir haben ca. 20 Kubikmeter Abfall entsorgt.

Was ich aber – neben der Arbeit an sich – am besten finde, ist das im Archiv herrschende Arbeitsklima. Gewiss jeder hat seinen eigenen Aufgabenbereich und (Verzeichnis-)Projekte, die er oder sie vorantreibt. Aber an jedem Arbeitstag kam es immer wieder vor, dass man sich zwischendurch mal zusammengesetzt und über alles möglich gequatscht hat – nur nicht über die Arbeit selbst! Der Arbeitsoutput hat darunter nicht gelitten, sodass man am Ende jedes Tages sagen kann: „Wir haben heute was geschafft.“ Ich selbst habe dies sehr genossen und mich auch stets über die mir entgegengebrachte Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit gefreut. Auch die flachen Hierarchien haben dazu beigetragen, dass ich als Praktikant das Gefühl hatte, nicht „für jemanden“ zu arbeiten, sondern vielmehr „mit anderen“. Dadurch hat sich bei mir in kurzer Zeit ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt, das der Grund dafür ist, dass sich meine Zeit gefühlt hier so schnell dem Ende zugeneigt hat.

Summa summarum kann ich all denjenigen, die ein Praktikum im Hochschularchiv in Erwägung ziehen, nur versichern, dass sie dies nicht bereuen werden. Ich habe mich vom ersten Tag an sowohl in fachlicher als auch in menschlicher Hinsicht sehr gut aufgehoben gefühlt und hoffe, dass zukünftige Praktikanten die gleichen Erfahrungen wie ich machen können.

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Kalenderbild des Monats Juni

06-34a-UebersichtDiplomHauptpruefung1881Unser Kalenderbild des Monats Juni stellt eine handschriftliche Übersicht der Diplomhauptprüfungen des Jahres 1881 da. Auf den ersten Blick schmückt elegante Schreibschrift das Dokument, auf den zweiten erschwert das die Lektüre. Solche Akten gehören zum Alltag des Archivwesens. Abwechslung im Archivalltag bieten die, von Person zu Person unterschiedlichen, Schreibstile, jedoch bringen diese auch Probleme bei der Transkription mit sich.

Im Juli fand die Prüfungen der Kandidaten statt. Die Tabelle unterteilt sich in Namen der zu „prüfenden Kandidaten“, diese hießen in diesem Fall Seehusen und Matthysen. Ersterer machte seine Prüfung in Bauingenieurswesen und der zweite in Maschinenbau. Die nächste Spalte widmet sich dem „Gegenstand der Diplomprüfung“, diese richteten sich nach dem fachspezifischen Programm und Fächerangebot des Studienjahres 1881. Im Bauingenieurwesen bedeutete dies Baumaterialienlehre, Wasserbau, Brückenbau, praktische und darstellende Geometrie, Eisenbahnbau und höhere Baukonstruktion. Maschinenbau setzte hingegen Wissen über Kinematik, Fabrik-Anlagen, Lokomotiven, Eisenschiffe und Dampfmaschinen voraus. Zuletzt kommen in der Tabelle die Namen der „prüfenden Lehrer“, die Zeit der Ausführung und Art der Prüfung. Diese Übersicht wurde von Professor Gizycki unterzeichnet.

Dieser weitgefasste Anforderungsrahmen verdeutlicht die für damalige Zeiten umfassende Ausbildung und Vorbereitung auf weitreichende Aufgabenstellungen des kommenden Berufslebens. Das Diplomstudium war in den 1880er-Jahren noch eine Seltenheit und versprach Anerkennung sowie einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Gegenwärtig sind Diplome sogar der weitverbreitetste Bildungsgrad Deutschlands, ihre Erfolgsgeschichte wich jedoch zunehmend einer europaweiten Harmonisierung der Studiengänge. Der 1999 ins Leben gerufene Bologna-Prozess sollte bis 2010 Diplom- und Magister-Studiengänge an das Bachelor- und Master-System angleichen. Die einen schätzen die neu gewonnene Mobilität und Vergleichbarkeit für europäische Studierende, die anderen sehen individuelle akademische Freiheiten gefährdet. Was sind eure Gedanken zu diesem Wandel?

Ihr fragt euch, ob die zu prüfenden Kandidaten die Prüfung bestanden haben? Aus unseren Beständen geht hervor, dass Seehusen mit der Note „gut“ und Matthysen mit „sehr gut“ bestanden haben. Solltet ihr Verwandte haben, deren Abschluss ihr hier vermutet, dann schaut doch gerne mal in unseren Beständen nach oder kommt vorbei. Wir würden uns freuen! (Sig. 34 a)

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Kalenderbild Mai: Fremder Blick in bekannte Räume

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Etwas fremd dieser Blick in den Saal des 1925 erbauten Hauses der Studentenschaft in der Turmstraße, welchen unser Kalenderbild für den Mai da bietet. Ein Kronleuchter prangert an der Decke, alle Tische sind weiß gedeckt und vereinzelt mit Blumen dekoriert. Irgendwie scheint es, als könnte man sich dort nicht ohne korrekt angelegtes Jackett oder salonfeines Abendkleidchen blicken lassen. Das Bild selbst stammt aus dem Nachlass des 1949 geborenen Günter Breuer und ist eigentlich eine Postkarte.

Das Haus der Studentenschaft wurde am 07.11.1925 eröffnet, also kurz nach der Gründung des ersten allgemeinen Studentenausschuss 1919 (oder auch bis heute unter dem Namen ‚AStA‘ bekannt), der Öffnung der ersten ‚Mensa academica‘ (damals noch in der Talbothalle) 1920, sowie der Etablierung des ‚Verein Studentenwohl Aachen‘, den man auch gut einen Vorgänger des Studentenwerks nennen kann. Außerdem herrschte 1920 ein nie gekannter Hochstand an Studenten mit 1400 an der Zahl. Heute kaum noch vorstellbar, wo beinahe jeder Hörsaal in den Naturwissenschaften mehr fassen muss, aber damals wird dieser Hochstand die sozialen Ausbauten wohl auch zwingend nötig gemacht haben. Vor allem, wenn man die soziale Not bedenkt, die der erste Weltkrieg (1914-1918) und sein jähes Ende ausgelöst hatte. (Quelle)

Leider weilte das Haus der Studentenschaft nicht lange, denn bereits in den Wirren des zweiten Weltkrieges (1939-1945) wurde es gründlich von Bomben zerstört, wie so viel Wohnraum in dieser Zeit auch. Die Studenten zogen derweil um in einen Hochbunker der Stadt Aachen, wurden aber dazu verpflichtet neue Unterkünfte zu schaffen und bauten das Haus der Studentenschaft wieder auf. Ebenfalls war die Versorgungslage eine gänzlich andere, geradezu katastrophal, was viele ausländische Studenten dazu veranlasste, Lebensmittelspenden an die Kommilitonen nach Deutschland zu senden. (Quelle)

Heute kennt niemand mehr das ‚Haus der Studentenschaft‘, denn es ist viel eher unter dem Namen ‚Studierendenwerk Aachen‘ bekannt und ist ein modernes Dienstleistungsunternehmen für um die 60.000 Studierende, dass sich um Belange wie Essen zu fairen Preisen, günstigen Wohnraum, Bafög und zuverlässige Kinderbetreuung kümmert. Es befindet sich also immer noch im Dienste der Studierendenschaft, entfremdet unseren Blick in den Saal von 1925 aber noch ein Stückchen mehr, wo er doch so wenig mit dem heutigen Anblick gemein hat. (Quelle)

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Kalenderbild zum April: Dörfliches Idyll unter blauem Himmel – Ein Aquarell von Otto Gruber

Friedlich schaut es aus. Die weiße Kirche inmitten des Bildes unter dem großen hellblauen Himmel, den kein Wölkchen trübt. Warme Farben auf sanften Schwüngen, hinter schattenspenden04-Gruber-Aquarellden Bäumen ein paar einzelne Dächer, wie versteckte Rückzugsorte. Man spürt die warmen Sonnenstrahlen förmlich auf der Haut. Das Aquarell verwischt alle harten Konturen. Idyll ziert den Titel schon ganz richtig.

Ganz im Gegenteil zu dem Leben des Malers Otto Gruber. Am 16. Mai 1883 in Offenburg geboren, studierte er an der Technischen Hochschule Karlsruhe und der Technischen Hochschule München Architektur. Nach seiner Diplom-Hauptprüfung 1907 begann er bei Friedrich Ostendorf eine Beamtenlaufbahn als Regierungsbauführer und promovierte 1914. Doch schon brach der erste Weltkrieg an, an dem Gruber als Kriegsfreiwilliger und Offizier teilnahm. Mehrmals wurde er verwundet. 1919 habilitierte er sich und wurde 1920 zum Regierungsbaumeister (Assessor) ernannt. Nachdem er aus dem Staatsdienst ausgeschieden war und einige Zeit als Teilhaber des Architekturbüros Gruber & Gutmann wirkte, wurde er 1921 zum Privatdozenten ernannt und schließlich 1924 zum außerordentlichen Professor berufen. 1928 folgte er einem Ruf an die RWTH Aachen und übernahm dort als ordentlicher Professor den Lehrstuhl für Baukonstruktionslehre, Baugefügelehre und Baustofflehre. Während seiner Zeit an diesem Lehrstuhl, den er bis 1950 leitete, war er außerdem von 1934 bis 1937 Rektor der RWTH, also zu Hochzeiten des Nationalsozialismus.

Seine Rolle im nationalsozialistischen Staat scheint nicht so ganz klar zu sein. Einerseits sprach er sich in seiner Antrittsrede klar für Adolf Hitler aus und besetzte Leitungspositionen mit Nationalsozialisten und Parteimitgliedern. Andererseits jedoch, setzten sich viele seiner späteren Kollegen für ihn ein, als seine Konten gesperrt und er beurlaubt werden sollte und behaupteten, er hätte stets für das Wohl der Studenten gearbeitet und sei gegen seinen Willen in die NSDAP eingetreten. Außerdem bezeichneten sie ihn als unersetzbar und Studenten sowie Lehrende schätzten ihn, wegen seines guten Umgangs mit Menschen und seinen Fähigkeiten als Zeichner.

1950 emeritierte er, wegen eines Herzleidens und starb am 24. Januar 1957 hier in Aachen auch daran.

Wie seine Rolle in der NS-Zeit auch immer gewesen sein mag, mit der in diesem Aquarell dargestellten Idylle hatte Grubers Leben wenig zu tun. Schön, dass er trotzdem solch idyllische Bilder malen konnte.

(Quellen: Bild: 04 Gruber Aquarell aus: Sammlung Gruber; Information: https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Gruber; Akte aus dem Hochschularchiv RWTH (Sig.: 1910))

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Von Schnitzelbildern und Ginkgo-Bäumen – Warum ein Praktikum im Hochschularchiv auch mehr sein kann als die Erfüllung einer Pflichtleistung

Im BA Literatur- und Sprachwissenschaft gibt es zwei große Probleme, denen sich die Studentenschaft zu stellen hat: Einen mindestens 6-wöchigen Auslandsaufenthalt und ein mindestens 5-wöchiges Pflichtpraktikum.

Während mir die Beschaffung des Auslandsaufenthalts wenige Probleme bereitete, denn hier war ich motiviert und interessiert, sah das bei dem Pflichtpraktikum leider anders aus. Wie viele meiner Kommilitonen fragte ich mich beinahe ständig: „Was soll ich machen?“ Die Vorlesung der Berufsperspektiven verschaffte mir da auch nur wenig Abhilfe. Ich kannte nun zwar einige Berufe ganz grob im Profil, aber irgendwie blieben sie damit auch so vielsagend nichtssagend, wie die große Masse an sich auch. Auf der einen Seite drückte mich also die graue Masse, auf die ich so gar keine Lust hatte und auf der anderen Seite die Zeit, die mir durch die Finger ran, wie feiner Sand.

Abhilfe verschaffte mir eine liebe Kommilitonin, die mir dann das Praktikum im Hochschularchiv empfahl. Sie sagte mir, es wäre ganz interessant, die Leute wären nett und es wäre so nahe am Theater ganz gut erreichbar. Nachdem ich den Schock verdaut hatte, dass die RWTH ein eigenes Archiv hat, von dem ich noch nie zuvor etwas gehört hatte, zuckte ich unentschlossen die Schultern. „Was macht man denn so im Archiv?“ Ich wusste es nicht. Darüber war sogar die Berufsperspektiven-Vorlesung ausgefallen. Ihre Augen begannen zu glänzen und sie erzählte mir wunderbare Geschichten. Von mir erntete sie nur ein unsicheres Lächeln. Ich glaubte ihr nicht so ganz, aber ihr Eifer überzeugte mich irgendwie. Ein Praktikum im Hochschularchiv also!

Was kann man dazu sagen, was meine Vorgänger/innen nicht schon gesagt haben? Entscheidet ihr euch für ein Praktikum im Archiv, erwartet euch viel – und noch viel mehr! Es gibt eher handwerkliche Aufgaben, wie das Umbetten, wo ihr alte Akten mit liebevoller Sorgfalt auf nicht mehr und nicht weniger, als ihre Lagerung bis in alle Ewigkeit vorbereitet. Dann gibt es eher bürokratische Aufgaben, wie das Verzeichnen, bei der Akten in die Datenbanken eingetragen werden, um den Zugriff zu ermöglichen. Außerdem könnt ihr euch in der Öffentlichkeitsarbeit versuchen, wenn ihr Bilderfreitage und Kalenderbilder vorbereitet und später im Internet einstellt.

Und damit ist nur das täglich Brot genannt! Immer wieder kommen Anfragen rein, die euer ganzes detektivisches Geschick fordern können. Menschen brauchen eure Hilfe, Akten über Verwandte zu finden, suchen nach Gebäuden, die längst nicht mehr stehen oder wühlen sich mit euch durch die skandalöse Geschichte so manches ehemaligen RWTH-Mitglieds. Und habt ihr euch jemals Gedanken über den Ginkgo-Baum gemacht, der vor dem Super C steht?

Dabei arbeitet ihr selbstständig, aber nicht alleingelassen. Mit kompetenter Selbstverständlichkeit bekommt ihr den theoretischen Hintergrund, den ihr braucht und den, den ihr nie geglaubt habt zu brauchen, aber dann doch braucht. Macht eine Reise durch die Wunder der (gratis) Informationsbeschaffung, denkt euch den Kopf wund über einem Zettel, der mit noch etwas schlimmerem beschrieben ist, als es meine Handschrift jemals sein könnte (und seid danach auch noch stolz!) oder sprecht mit Herrn Graf über die Grenzen des Urheberrechts und wie ihr eure nächste Präsentation mit Schnitzelbildern ausschmücken könnt, ohne auch nur die geringsten Probleme zu bekommen. Zudem unterstützt euch ein wirklich nettes Team, das ihr jederzeit auch mit den dümmsten Fragen löchern könnt, ohne dass sie euch böse sind. Wisst ihr dann doch nicht weiter oder seid einfach nicht so sozial unterwegs? Kein Problem, denn es gibt auch Anleitungen, die von anderen Praktikanten erstellt wurden und werden und die deshalb meist gut verständlich sind.

Ja, ihr habt richtig gehört! Ihr macht Sachen, die andere auch nach euch noch benutzen. Dabei geht es beileibe nicht nur um Anleitungen. Vom ersten Tag an, hinterlasst ihr Spuren im Archiv, denn von da an seid ihr Teil des Teams und übernehmt als solcher wichtige Aufgaben.

Mir hat es am Ende sehr viel Spaß gemacht und ich bin glücklich, das Praktikum angetreten zu sein. Der Teil aus der grauen Masse, der sich ‚Archivwesen‘ nennt ist um so vieles bunter geworden und ich fühle mich, als hätte ich ein wirklich gutes Bild von der Arbeit eines Archivars bekommen. Ein klareres Bild jedenfalls, als mir eigenständige Recherche im Internet oder diverse Vorlesungen hätten liefern können…

Die Arbeitsatmosphäre hat mich ebenfalls überzeugt, das Praktikum am Hochschularchiv der RWTH weiterzuempfehlen. Man ist eben nicht einfach der blöde nervige Praktikant, der an irgendeinen Tisch gesetzt wird und eine Aufgabe bearbeiten darf, die sonst keiner machen will, sondern man ist Teil des Teams und bekommt eher noch die interessantesten Aufgaben zugeschoben, weil man daran gut lernen kann.

Aber wieso kommt ihr nicht und schaut selbst? Es ist sicher keine verschwendete Zeit!

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Praktikum in einer Zeitmaschine

Mitten in meinem Studium, es war das fünfte Semester, besuchte ich eine Vorlesung über „Geschichtliche Grundbegriffe“. Ich müsste lügen, wenn ich behaupte, dass der Titel dieser Veranstaltung sofort meine Aufmerksamkeit und meine Begeisterung hatte. Ich rechnete mit einer drögen und mit theoretischen Begrifflichkeiten überfrachteten Veranstaltung. Doch kam es glücklicherweise anders. Wer an Archive denkt, mag ein Bild mit staubigen Akten und mit Regalreihen, in denen sich allerhand Archivalien stapeln, im Kopf haben. Sicherlich mag da etwas dran sein, jedoch sind Archive darüber hinaus etwas, was es sonst nur in Romanen und Filmen gibt: Zeitmaschinen! Denn – wie ich in der anfangs erwähnten Vorlesung erfuhr – entscheiden Archive darüber, was an Vergangenheiten zukünftige Benutzer in einem Archiv vorfinden werden.

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Zu meinem Praktikum im Hochschularchiv der RWTH gehörte ein gut strukturierter und organisierter Modulplan. Verschiedene und abwechslungsreiche Aufgaben, die von dem Praktikanten absolviert werden, eröffnen einen guten Einblick was es heißt, in einer – um auf den vorherigen Abschnitt zurückzukommen – Zeitmaschine zu arbeiten. So besteht eine Aufgabe darin, Akten danach zu bewerten, ob sie überlieferungswürdig sind oder kassiert (d. h. vernichtet) werden können. So wird entschieden, welche Akten zukünftige Benutzer zur Verfügung haben werden und vielleicht sogar im Rahmen wissenschaftlicher Forschungsarbeiten verwenden werden.

Des Weiteren gehört die Sorge um die adäquate Aufbewahrung der Archivalien zur alltäglichen Aufgabe eines Archivmitarbeiters. Akten müssen in spezielle Pappordner umgebettet und von Plastik sowie rostanfälligem Material wie z. B. Tacker- und Büroklammern befreit werden. Mit einer fachgerechten Software werden dann Akten verzeichnet und in die Online-Findbücher eingespeist. Beim Verzeichnen werden u. a. – je nach Archivale – Angaben zum Verfasser, zur Entstehungszeit und zum Inhalt gemacht. Freilich erhält jede Archivale eine eigene Signatur, um sie in den Magazinen auffinden zu können. Was ein wenig banal und manchmal in der Tat etwas eintönig sein kann, ist allerdings von großer Wichtigkeit. Was nützen Regale voller Archivgut, wenn nicht zügig eine bestimmte Akte aufgefunden und einem Nutzer bereitgestellt werden kann, da Akten schlampig oder schlimmstenfalls nicht verzeichnet worden sind? Bestandserhaltung und sorgsames Verzeichnen ermöglichen also, dass auch zukünftige Generationen ihre Fragen an das Archivgut herantragen können.

Mehrfach wurde er schon erwähnt: Der Benutzer. Nicht zuletzt ihm soll ein Archiv von Nutzen und ihm bei seiner Anfrage behilflich sein. Selbstverständlich gehören die Beantwortung von Anfragen und die dazu gehörige Recherche auch zur Aufgabe des Praktikanten. Hierbei zeigen sich gut sortierte Magazine und sorgfältige Verzeichnisse von Vorteil, um effektiv eine Anfrage beantworten zu können. Nichtsdestotrotz erfordert die Recherche manchmal eine gewisse Hartnäckigkeit, da bisweilen das Durchprobieren verschiedener Suchbegriffe erforderlich ist, bis die vom Nutzer nachgefragten Archivalien gefunden sind. Umso größer fällt aber dann die Freude aus, die Anfrage nach längerer Recherche positiv beantworten zu können. Meistens bedankt sich auch der Anfragensteller und dann kann es sogar vorkommen, dass das Archiv in einer Publikation erwähnt wird, für welche es Archivalien bereitgestellt hat.

Von den unterschiedlichen Aufgaben im Archivalltag sei zu guter Letzt noch die aktive Öffentlichkeitsarbeit erwähnt. Damit die Archivalien, die nicht gleich für eine Anfrage benötigt werden, nicht versauern, zeigt das Hochschularchiv der RWTH z. B. jeden Freitag auf Facebook und Google+ Archivgut aus seinen Beständen. Das Recherchieren nach interessanten Archivalien und das Schreiben passender Texten hat mir besonders viel Freude bereitet. Und bei jedem dieser „Bilderfreitage“ gelangt ein kleines Stück Vergangenheit in die Gegenwart einer Zukunft.

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Kalenderbild März: Rein in die Schulden – raus aus den Schulden

Das Kalenderbild für den Monat März zeigt eine Staatsanleihe des Deutschen Reichs aus dem Jahre 1916. Auf dem kunstvoll gestalteten Wertpapier ist oben links der Reichsadler zu sehen, daneben der Titel „Anleihe des Deutschen Reichs“. Des Weiteren behütet die Germania, welche in der linken Spalte mit Schwert und Schild zu sehen ist, die Anleihe. Die Germania gilt als Verkörperung Deutschlands, deren Sinngehalt variierte. Zur Zeit des 1. Weltkrieges dürfte der nationalistische und kriegerische Aspekt dominiert haben.

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Der Wert der Anleihe beträgt 100 Mark, ein damals nicht unerheblicher Betrag, schließlich entsprach dies in etwa dem Monatslohn eines Facharbeiters. Dabei waren 100 Mark noch der geringste Wert, mit dem solch eine Anleihe herausgegeben wurde. Die hier gezeigte Anleihe lässt noch nicht erkennen, wofür der Staat das Geld benötigte. Es liegt freilich auf der Hand, dass mit den Wertpapieren der Krieg, der in Europa wütete und in verheerende Material- und Menschenschlachten mündete, mitfinanziert werden sollte. Da Deutschland isoliert dastand und keinen Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten hatte, musste aus anderen Quellen Geld in die Staatskasse gespült werden. Freilich hätte man die Bürger durch Steuererhöhungen direkt verstärkt zur Kasse bitten können. Doch hätte dies – mitten im Weltkrieg – wohl nur zu Unmut in der Bevölkerung geführt. Daher bot man der Bevölkerung – und eben nicht nur der Mittel- und Oberschicht, sondern auch der Arbeiterklasse – an, eine Anleihe zu erwerben, die Gewinn abzuwerfen versprach. Der Zinssatz der hier abgebildeten Schuldverschreibung schlägt nämlich – aus heutiger Sicht – mit sagenhaften 5 % zu Buche, der dem Inhaber halbjährlich jeweils am 2. Januar und am 1. Juli auf Zinsscheinen gutgeschrieben wurde. Doch ist Vorsicht im Umgang mit diesem Dokument geboten: Wer schlampig mit dem Zinsschein umging, sodass etwa eine Ecke verloren ging, verlor die Gültigkeit seines Scheins.

Wie stand es nun um die Gewinnaussichten? Wer sich eine üppige und rasche Rendite versprach, der täuschte sich jedoch darüber hinweg, dass der Inhaber einer solchen Schuldverschreibung diese nicht einfach kündigen konnte. Das Deutsche Reich behielt sich nämlich vor, die hier erwähnte Anleihe frühestens zum 1. Oktober 1924 zu kündigen. Mit Blick auf die Reparationsleistungen nach dem gegen Frankreich gewonnen Krieg von 1870/71 erhoffte man sich aber, die Anleihen mit ebensolchen Leistungen nach einem siegreichen Krieg wieder ausgleichen zu können. Als schließlich der ersehnte Sieg ausblieb und Deutschland nun seinerseits Reparationen leisten musste und zur Finanzierung des sogenannten „Ruhrkampfes“, in welchem belgische und französische Truppen wegen unzureichender Zahlung das Ruhrgebiet besetzten, ließ der deutsche Staat immer mehr Geld drucken, bis es zur Hyperinflation von 1923 kam. Da das Geld nichts mehr wert war, war der Staat zwar seine Schulden los, doch das Geld der Inhaber von Anleihen wertlos. Erst durch die Beendigung des Ruhrkampfs und die Einführung der Rentenmark 1923 durch Gustav Stresemann stabilisierte sich die deutsche Wirtschaft. Immerhin wurden Anleihen vor dem 1. Juli 1920 mit neuen Anleihen aus der Anleiheablösungsschuld von 1925 ausgeglichen.

Internetquellen: Christen, Peter: Deutsches Finanzministerium lässt einzigartige Dokumente deutscher Wirtschaftsgeschichte in London versteigern.

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Kalenderbild Februar: Wer ist der Mann neben dem Eisbären?

Das Kalenderbild für den Monat Februar zeigt einen Eisbären neben einem Mann im Trenchcoat. Gut, sofern Eisbären nicht plötzlich kalte Tatzen bekommen haben und daher dazu übergangen sind, Schuhe zu tragen und auf zwei Beinen zu gehen, handelt es sich bei dem vermeintlichen Eisbären offensichtlich um einen Menschen im Kostüm. Doch die viel spannendere Frage lautet, wer ist der Herr neben dem pelzigen Gesellen?

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Sig. 9.4.3

Um den Herren auf dem Foto handelt es sich um keinen Geringeren als den Mathematiker Herrn Prof. Dr. Reutter. Reutter wurde am 26.08.1911 in Karlsruhe geboren und verstarb ebendort am 28.08.1990. 1953 auf den Lehrstuhl für Mathematik, insbesondere Darstellende Geometrie, an der RWTH Aachen berufen, verübte er dort einen großen Teil seiner Zeit als Hochschullehrer (1953–1979). Sein Wissen über viele Disziplinen innerhalb der Mathematik fand bei seinen Kollegen große Anerkennung.

Dass das damals noch recht junge Studienfach namens „Informatik“ 1971 als Nebenfach für den Diplomstudiengang Mathematik an der Universität Aachen belegt werden konnte und schließlich schon zum Wintersemester 1972/73 zum eigenständigen Diplomstudiengang mit 76 Studienanfängern innerhalb der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät avancierte, ist nicht zuletzt das Verdienst dieses Hochschullehrers. Freilich wäre das ohne die Unterstützung von den Professoren der benachbarten Studiengänge nicht möglich gewesen. Von 1965–1970 übernahm Prof. Dr. Reutter zudem die Leitung des Rechenzentrums.

Kurz nach dem 70. Geburtstag des Mathematikers verlieh ihm die RWTH Aachen die akademische Würde eines Ehrensenators, wie aus dem Schreiben des damaligen Rektors (Sig. 12083) zu entnehmen ist:

„Rektor und Senat der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen haben auf Beschluß des Senats Herrn Professor Dr. rer. techn. Fritz Reutter aus Aachen in Anerkennung seiner großen Verdienste um Erhalt, Konsolidierung und Ausbau des Instituts für Geometrie und Praktische Mathematik, um die Leitung des Rechenzentrums sowie insbesondere um die Hochschulselbstverwaltung und damit um die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen die Würde eines Ehrensenators verliehen.“

In seiner Rede zur Ernennung zum Ehrensenator ermutigt er u. a. Absolventen, sich nicht allzu sehr in Sorgen zu verlieren, keinen angemessenen Arbeitsplatz zu finden.

„Heute erscheinen die Aussichten für die Zukunft vielen wieder getrübt. Die Ungewissheit, wie sich bevorstehende Strukturänderungen an den Hochschulen auswirken, die finanziellen und personellen Restriktionen, die Sorge nach Abschluss des Studiums, keinen befriedigenden Arbeitsplatz zu bekommen, gehören zu den Anlässen für die Sorgen. Wenn ich an 1945 zurückdenke, wo es ungleich viel größere Schwierigkeiten gab, dann bestünde eigentlich kein Grund zu Pessimismus, wenn der Wille und die Einsatzbereitschaft bei allen Beteiligten sich mit damals messen kann.“ (Sig. 12083. S. 5).

Angesichts der Bologna-Reform mit der Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge kommt seinen Worten nach wie vor Aktualität zu, wenn er davor warnt, dass „man [nur] nicht versuchen [darf], den Freiraum für eigenverantwortliches Handeln durch zu viele Regeln soweit einzuschränken, dass der Mut zur Eigeninitiative (ohne die wissenschaftliches Leben nicht denkbar ist) ganz unterdrückt wird.“ (Sig. 12083. S. 5).

Reutter genoss bei seinen Kollegen hohes Vertrauen und war dazu in der Lage, im Falle von Konflikten zu einem für alle Beteiligten guten Ausgleich zu kommen. So verwundert es nicht, dass er auch ein Herz für Eisbären hatte. Mit welchem Anliegen konnte Reutter ihm wohl behilflich sein?

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Kalenderbild Januar: Grüße aus Aachen

Frohes neues Jahr!

Die abgebildete Postkarte vom 19.02.1923, auf deren Vorderseite das Hauptgebäude (mittig) der technischen Hochschule Aachen, das Hansemann-Denkmal (rechts) und das Marschiertor (links) zu sehen ist, bietet ein kompaktes Stück Aachener Stadt-Geschichte. Warum denn nicht das neue Jahr gleich mit einem kleinen Rundgang im Aachener Stadtkern beginnen? Auch demjenigen, dem das zu anstrengend ist und / oder ohnehin die nicht unbekannten Bauten kennt, der wird sich bestimmt an diesem kleinen Rundgang in Schriftform dennoch erfreuen.

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Sig. 9.3.d

Begeben wir uns nun zum Hauptgebäude der Hochschule Aachen am Tempelgraben: Dieses Bauwerk entstand zwischen 1865 und 1870. Aus Platzgründen wurde das Gebäude schließlich zwischen 1926 und 1928 erweitert (siehe Signatur 434). Weitere Umbauarbeiten erfolgten 1939/40, so wurde etwa das Quecksilber-Laboratorium (Signatur 485) umgebaut und erneuert und schließlich 1940 die neu errichtete Aula eingeweiht. Unglücklicherweise erlitt das Hauptgebäude im Zuge des Zweiten Weltkrieges schwere Beschädigungen, welche aber bis zu den frühen 1950er größtenteils beseitigt werden konnten.

Springen wir großzügig ein paar Straßen weiter und besuchen wir David Justus Ludwig Hansemann, der heute nahe der Monheimsallee wohnhaft ist. Hansemann (1790–1864) absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und brachte es in seinem Leben zu Wohlstand. Er gründete fleißig Unternehmen in Aachen und verwendete einen nicht unerheblichen Teil seiner Gewinne für gemeinnützige Zwecke. Seine Tätigkeiten erstreckten sich auch auf die Politik, so wurde er z. B. etwa 1828 Mitglied des Stadtrates. Ebenfalls machte er sich für ein stärkeres Mitspracherecht des zwar vermögenden, aber an politischen Einfluss mangelnden Bürgertums stark. Berühmt wurde sein Satz „In Geldsachen hört die Gemütlichkeit auf“, den er am 08. Juni 1847 im Preußischen Landtag von sich gab, womit er den damaligen Finanzminister Franz von Dueseberg angriff, welcher ohne Absprache Schulden aufgenommen hatte. Hansemann zu Ehren wurde am 29.09.1888 das bekannte „Hansemann-Denkmal“ nahe der Monheimsallee eingeweiht.

Noch ein letzter Sprung zum Marschiertor an der Franzstraße: Etwa um 1300 fertiggestellt stammt es mit seinen über 700 Jahren aus dem Mittelalter. Das massive Tor war das Südtor der äußeren Aachener Stadtmauer und dürfte mit einer Breite von insgesamt 23,8 Metern – wenigstens vor dem Aufkommen von Kanonen – bestens gegen Belagerer gewappnet gewesen sein. Einem Brandbombenangriff am 14. Juli 1943 hielt das Bollwerk (freilich) nicht stand und wurde schwer beschädigt. Durch Spenden konnte glücklicherweise das Tor 1959 vollständig wiederhergestellt bzw. rekonstruiert werden. Heute ist das Marschiertor keineswegs bloß Überrest aus einer vergangenen Zeit, sondern wird außerdem von Vereinen genutzt.

  Internetquellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Hauptgeb%C3%A4ude_der_RWTH_Aachen https://de.wikipedia.org/wiki/David_Hansemann http://www.aachener-zeitung.de/blogs/serendipity/index.php?/archives/386-David-Hansemann-und-seinDenkmal.html http://www.aachener-nachrichten.de/news/wirtschaft/david-hansemann-unternehmer-sozialreformer-visionaer-1.886215 https://de.wikipedia.org/wiki/Marschiertor

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Archiv ist…mehr als gedacht!

 LeaPlum_2Die Leiterin des Hochschularchivs, Frau Prof. Dr. Roll, hatte im Rahmen einer ihrer Vorlesung die Möglichkeit, dort ein Praktikum zu absolvieren, vorgestellt und somit mein Interesse geweckt. Da ich Gesellschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Soziologie studiere, hatte ich dies zuvor nicht in Betracht gezogen. Nach einem ersten Gespräch verständigten wir uns auf einen Praktikumsbeginn im Oktober. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur eine abstrakte Vorstellung meiner zukünftigen Tätigkeiten auf Basis der vorab ausgehändigten Modulübersicht und ging dementsprechend gespannt in meine erste Woche im Archiv. Mein Praktikum begann in medias res mit dem Besuch eines Filmteams der WDR Lokalzeit Aachen, das Bilder und Urkunden von Maria Lipp für einen Beitrag abfilmte. Dies war ein guter Indikator für die kommende Zeit. Archivalltag ist alles – aber nicht vorhersehbar! Die Modularisierung einiger Praktikumsbestandteile verbindet Theorie und Praxis anschaulich. Darüber hinaus erhält man die Gelegenheit, sich auch in Bereichen auszutesten, die man sonst nicht erschließen würde. In meinem Fall trifft dies besonders auf die viel erwähnte Paläographie zu. Ohne das zugehörige Modul hätte ich mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals mit alten Schriften beschäftigt. Ich muss eingestehen, dass die dort erworbenen Kenntnisse während des Stöberns mehrfach Anwendung gefunden haben, auch wenn ich eingangs davon nicht sonderlich überzeugt war. Im Großen und Ganzen zeichnet sich das Praktikum durch eine gesunde Mischung aus anspruchsvollen und entspannten Tätigkeiten aus. (Für mich) überraschenderweise habe ich durch dieses Praktikum Gefallen an Öffentlichkeitsarbeit gefunden. Dies war im Vorhinein für mich in keinster Weise erstrebenswert und hatte für mich den Stellenwert des „Irgendwas mit Medien“. Durch die aktive Nutzung Facebooks lernte ich die technischen Möglichkeiten dessen aus Unternehmersicht kennen. Der geschäftliche Umgang mit Facebook unterscheidet sich stark von der privaten Nutzung. Es gilt ungleich mehr Faktoren zu beachten, um Beiträge zu erstellen, die für NutzerInnen interessant genug sind, um sie zu bemerken, aber auch präzise genug, um schnell erfassbar zu sein. Im Zuge dessen konnte ich mir die Archivbestände durch Sichtung einer Vielzahl an Archivalien erschließen. Besonders imponiert hat mir die freie, selbstständige und kollegiale Arbeit. Jeder hat seinen eigenen Zuständigkeitsbereich und trotzdem kann man sich zu jedem Zeitpunkt auf die KollegInnen verlassen. Auch wir PraktikantInnen sind Teil des Teams. Jeder denkt mit und trotzdem arbeitet man weitestgehend eigenständig sowie selbstverantwortlich. Daraus ergibt sich ein großer Gestaltungsspielraum. Zudem gibt es einen großen Pool an Aufgaben, die es zu erfüllen gilt. Somit kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile oder gar Untätigkeit auf. Meine Zeit im Archiv ist wie im Flug vergangen. Es war eine aufregende und lehrreiche Zeit mit einem starken Team, das mich mit offenen Armen aufgenommen und mir Raum gegeben hat, meine Ideen gemeinsam umzusetzen. An dieser Stelle möchte ich eine klare Empfehlung an alle Praktikumssuchenden aussprechen. Hier habt ihr die Möglichkeit strukturiert und selbstbestimmt als Teammitglied zu arbeiten.

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Irgendein Praktikum? – Nein, ein ganz besonderes!

PraktikantinSchwaebisch„Und was machst du jetzt nach der Schule?“ „Erstmal ein Praktikum beim Hochschularchiv“ „Aha, also etwas mit Akten?“ – Ja klar, aber mit noch viel mehr!

Die Aufgaben in einem Hochschularchiv sind unglaublich vielseitig. Durch mein Praktikum habe ich die Chance bekommen, all diese Aufgaben kennenzulernen.

Selbst Aufgabenbereiche mit den unspannenden Bezeichnungen wie „Umbetten“ oder „Verzeichnen“ machen erstaunlicherweise sehr viel Spaß. Ich selbst hätte nie gedacht, was für ein tolles Gefühl es sein kann, Dokumente mit speziellem Kleber zu reparieren und mit einem Latexschwamm zu reinigen. Der Gedanke, dass man die Akten so für die Ewigkeit haltbar macht oder dies zumindest versucht, ist einfach schön.

Generell hat mich die Nähe zu all den unterschiedlichen Dokumenten, die aus einer früheren und damit auch fremden Zeit stammen, sehr beeindruckt. Man kann unglaubliches geschichtliches Wissen besitzen, aber es ist dennoch etwas ganz anderes und vor allem besonderes, wenn man ein Dokument aus einer vergangenen Zeit dann in den Händen hält. Das hat mich immer wieder fasziniert.

Das Umbetten bot außerdem die Gelegenheit, spannende Dokumente zu entdecken! Um diese dann mit der Öffentlichkeit zu teilen, gab es die Möglichkeit, einen Facebook-Post zu erstellen. Die Idee des Bilderfreitags mit der „Archivalie der Woche“ fand ich von Anfang an eine tolle Idee. Sich dafür einen interessanten Text zu überlegen, hat mir immer Freude gemacht.

Es gab aber noch vieles weiteres, was ich lernen durfte! Im Modul „Archivrecht“ habe ich etwas über die langen Sperrfristen gelernt, im Modul „Bewertung“ über den Druck, der auf einem Archivar lastet, das „Richtige“ aufzuheben und im Modul „Paläographie“  alte Schriften zu lesen.

Nicht zu vergessen zu erwähnen ist eine der Hauptaufgaben im Archiv: das Beantworten von Anfragen. Jede Anfrage stellt einen vor neue Herausforderungen. So kam es beispielsweise, dass wir einmal im Team damit beschäftigt waren, Unterschriften zu vergleichen, weil wir den Namen eines Dekans, der gesucht wurde, herausfinden wollten. Das haben wir am Ende auch zum Glück geschafft!

Meistens wird man für seine Recherchebemühungen auch mit einer netten Dankesmail belohnt. Darüber habe ich mich auch immer sehr gefreut.

Natürlich gibt es auch Dinge, die weniger spannend sind. Das Einscannen von Vorlesungsverzeichnissen zum Beispiel. Aber auch das muss gekonnt sein! Und das Korrekturlesen der sogenannten Findbuchdatei muss schließlich auch von jemandem erledigt werden. Wie bei den wenigsten Praktika, hat man im Hochschularchiv auch das Gefühl, eine Unterstützung zu sein.

Was ich außerdem gelernt habe: sechs Wochen können verdammt schnell vergehen!  Ich hatte nicht nur eine besonders lehrreiche, sondern auch eine  sehr erlebnisreiche Zeit. Deshalb bin ich auch sehr traurig, dass es so schnell zu Ende ging. Ich nehme aus dem Praktikum sehr viel mit und bin daher sehr dankbar, dass ich es im Hochschularchiv machen durfte, obwohl ich noch keine Studentin bin.

Insgesamt kann ich nur bestätigen, ein Praktikum im Hochschularchiv lohnt sich wirklich und bereichert einen ungemein. Ich möchte mich beim gesamten Team für jegliche Einweisungen und Hilfestellungen bedanken. Ich hab mich während meines Praktikums immer sehr wohl und gut aufgehoben gefühlt.

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Kalenderbild November: Großes Labor mit kleinen Strukturen

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Sig.: Rückseite der AMA 1997/1998

Das Kalenderbild des Monats November zeigt ein Foto des AN-Instituts „Adavanced Micro Electronic Center Aachen“. Dies ist auch bekannt als AMICA, welches von Schnee umgeben und der Sonne bestrahlt, die Rückseite der ALMA MATER AQUENSIS (AMA) der Jahre 1997 und 1998 ziert. Die AMA war ein Magazin, in dem alles rund um die stattgefundenen Ereignisse der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule zu lesen war, also das Jahrbuch der RWTH. Im Allgemeinen gilt AMICA als Brücke zwischen Physik  und Elektrotechnik.

AMICA wurde 1997 nach einem Beschluss der nordrhein-westfälischen Landesregierung durch den ehemaligen Leiter des Instituts für Halbleitertechnik Herrn Professor Heinrich Kurz gegründet und wird von der gemeinnützigen AMO GmbH, Gesellschaft für Angewandte Mikro- und Optoelektronik, geleitet. Inzwischen feierte das Nanotechnologiezentrum am 7.Juli sein 20-jähriges Jubiläum und hat seit seiner Gründung eine beachtliche Entwicklung hingelegt.

Die Amo hat sich internationales Ansehen verschafft und kooperiert mit über 200 führenden Industriepartnern aus der ganzen Welt. Weiterhin ist sie durch ihre Herstellung des Graphen Transistor ein prominenter Teil des europäischen Projekts „Graphene Flagship“ geworden. Im 400 Quadratmeter großen Reinraumlabor werden, neben der Optimierung von Bauteilen für Kommunikationsmedien wie Handy und Computer, auch wesentliche Bauelemente eines Computers erforscht wie zum Beispiel „high-k-Isolatoren“.

Nach dem plötzlichen Tod des Geschäftsführer Professor Heinrich Kurz übernahm im Februar 2017 Professor Dr. Max Christian Lemme die Leitung der AMO GmbH. Er förderte die Reinrauminfrastruktur der  AMICA und die Ausrichtung der Amo im Bereich der Mikro- und Nanoelektronik. Die Tradition des Gründers soll durch ihn fortgesetzt werden. Die Amo als „Pfadfinder“ für neue Technologien und AMICA dient als der zuverlässige Partner, um diese zu verwirklichen.

Festzustellen ist auch, dass das Nanotechnologielabor AMICA nicht nur eine äußerst wichtige Rolle für die AMO spielt, sondern auch für Studenten viele Möglichkeiten bietet. Diese  können dort Teil des internationalen Forschungsteams werden und ihre Abschluss- oder Doktorarbeit schreiben.

Abschließend lässt sich sagen, dass AMICA ein großes und bedeutsames Labor der RWTH ist, in dem neue Technologien erforscht werden und sie noch zukünftig vielversprechende Innovationen entwickeln werden.

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Kalenderbild Oktober: wat jehen mia die andan an?

10Oktober_Asta-Studienführer_Collage

Signatur: S5096

KalenderOktoberBild2Das Kalenderbild des Monats Oktober zeigt die Vorder- und Rückseite des 136-seitigen Studienführers der RWTH Aachen aus dem Jahr 1963. Damit war es der erste Studienführer, den der Allgemeine Stundentenausschuss (kurz AstA) seit 1957 herausgegeben hat, und diente, wie auch heutige Ausgaben, der Informations- und Orientierungshilfe von Erstsemester-Studenten. Zusammen gestellt und redigiert wurde diese Ausgabe von Ingemar Lange, dem damaligen Pressereferenten des AstA.

Schon beim ersten Betrachten des Hefts fallen einem dieKalenderOktoberBild1 Zeichnungen einiger Aachener Wahrzeichen auf: die Plastik Karls des Großen am Karlsbrunnen, den Aachener Dom, das Ponttor, die Pferdestatue am Theater,das Hauptgebäude der RWTH sowie das damals noch junge Audimax-Hörsaalgebäude, welches 1954 errichtet wurde. Darüber hinaus werden aber auch zeitlose Themen für Student/innen angesprochen; vielseitig fließen sie in die Collage ein: Mietzahlungen, Vorurteile gegenüber den Ingenieursfächern, unzählige Graphen und Formeln, Liebesangelegenheiten und die Anmerkung „wat jehen mia di andan an?“ auf Öcher Platt sprechen pars pro toto für das KalenderOktoberBild3Aachener Studentenleben allgemein.

Für die Zeichnungen verantwortlich ist Prof. Dipl.-Ing. Konrad Schalhorn. Von ihm liegen dem Archiv noch weitere Bilder vor. Seine Skizzen lassen auf seinen persönlichen Hintergrund schließen: von 1958 bis 1965 studierte er Architektur an der RWTH – so erschließt sich auch sein Augenmerk auf Gebäude und Kunst und die Verwirklichung dieses Designs auf Millimeterpapier. Prof. Schalhorn ist auch für die Spende des Studienführers und der Vorlagezeichnung an das Archiv zu danken.

Des Weiteren wurde unter Schmeissers Amtszeit auch der Bau des ersten Wohnheimturms an der Roermonder Straße, des Otto-Petersen-Hauses, veranlasst. Es wurde 1965 fertiggestellt. Schmeisser trat sein Amt als Rektor der RWTH jedoch bereits einen Monat nach Veröffentlichung des Studienführers im Oktober am 12. November an Prof. Aschoff ab, unter dessen Leitung beispielsweise die Philosophische Fakultät gegründet wurde – für mich als Literaturwissenschafts- und Philosophiestudentin ein Meilenstein in der Aachener Hochschulgeschichte!

Signatur: 1.2.1 Kar

Was passierte sonst im Jahr 1963?

Am 7. Mai dieses Jahres hatte die RWTH einen schweren Verlust zu betrauern: Theodore von Kármán, Leiter des Aachener Instituts für Mechanik und flugtechnische Aerodynamik und Gründer der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen, von der ihr schon auf unserem letzten Kalenderblatt mehr erfahren habt, verstarb. Nach ihm sind viele Einrichtungen der Universität und sogar eine Straße benannt. Das Kármán-Auditorium, welches gegen Mitte der 1970er Jahre fertiggestellt wurde, hat übrigens mit Beginn des Sommersemesters dank der Fertigstellung des neuen Hörsaalgebäudes C.A.R.L. am Westbahnhof nach nunmehr fast 50 Jahren ausgedient. Es ist noch unklar, ob es umfassend saniert werden soll – da es unter Denkmalschutz steht, wird es der Stadt aber wohl zumindest erhalten bleiben.

Quellen: Fotos/Scans aus dem Archivbestand, Alma Mater Aquensis 1963, Websitenlinks, Gerald Eimer: http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/karman-auditorium-hat-bald-ausgedient-1.1581178 (eingesehen: 07.07.2017)

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„Höllische Nachbarn“ im Hochschularchiv der RWTH – Das Modul Paläographie

Sig.: 508 b; Vorderseite

Bei unserer Recherche zu einer Anfrage sind wir auf einen außergewöhnlichen Fund gestoßen. Zwischen all den oftmals langweilig wirkenden Sachakten entdeckten wir einen Beschwerdebrief eines damaligen Dozenten an den ehemaligen Rektor Röntgen. Er beschreibt die angeblichen Fantasiegespinste einer Frau aus seiner Nachbarschaft, welche er mit nationalsozialistischem Jargon denunziert. Da uns der Vorfall interessierte, recherchierten wir weiter und fanden den diesem Schreiben vorausgegangenen handschriftlichen Beschwerdebrief eben dieser Nachbarin. Darin beschreibt sie ihre Sicht der Dinge.

Als uns der Brief jedoch in die Hände gefallen ist, konnten wir zunächst kaum ein Wort nach der Kopfzeile entziffern. Während diese noch in den uns bekannten römischen Buchstaben verfasst ist, ist der nachfolgende Text in einer althochdeutschen Schreibschrift verfasst. Hier sieht ein d aus wie ein v, es gibt je nach Position im Wort verschiedene s-Buchstaben, das ch erinnert an ein y – und darüber hinaus haben noch zahlreiche weitere Probleme das Lesen erschwert. Erst durch das Modul Paläographie bei Herrn Graf lüftete sich das Geheimnis um diesen kuriosen Nachbarschaftsstreit.

Hier lernten wir zunächst die zehn goldenen Regeln der Paläographie (unter anderem, dass es sich im Zweifel immer um ein w handelt und man notfalls ein Wort rückwärts zu entziffern versuchen sollte). Dann dröselten wir einzelne gut leserliche Worte und Textzeilen auf und übertrugen jeden Buchstaben auf ein separates Blatt. Auf dieses konnten wir bei schwierigeren Textstellen zurückgreifen. Nach und nach entschlüsselte sich uns so der Brief. Doch bevor Sie unsere Übertragung lesen, versuchen Sie doch einmal selbst, den ein oder anderen Satz zu entschlüsseln! Falls Sie Hilfe dabei brauchen, können Sie folgendes Video anschauen, das von uns Praktikanten zu diesem spannenden und hilfreichen Modul erstellt wurde. Wir sind auf jeden Fall sehr glücklich, das Modul Paläographie mit so einem interessanten Zufallsfund vorstellen zu können.

Nachfolgend finden Sie unsere Transkription des Textes:     Aachen, den 28.5.33. Hochverehrter Herr Prof. Dr. Röntgen,  

Endes-Unterzeichnete erlaubt sich Euer Magnifizenz, folg. zu Ihrer Beurteilung zu unterbreiten:

Sig.: 508 b; Rückseite

Wir bewohnen seit 3 Jahren das Parterre im Hause Rütscherstr. 52. Der Privat Dozent H. Dr. Schröder der techn. Hochschule bewohnt seit 3 Monate [sic!] die 2te Etage desselben Hauses. Das Dienstmädchen des Herrn Dr. Schröder hat die üble Gewohnheit den Mülleimer, der Mittags 12 Uhr geleert wird, entweder in meinen [sic!] Vorgärtchen hineinzuschmeißen, wo frisch alles wächst, oder in den Flur bis Abends spät zu stellen; oft noch den Kindersportwagen dabei. Der Hauseigentümer sowie das Hausgesetz verbieten solches, der Flur muß frei sein. Dem H. Dr. Schröder wurde es mitgeteilt. Er versprach auch Abhülfe, aber trotzdem war es immer dasselbe.

Dieses ist die Grundlage für den folg. großen Streit. Ich nehme an, daß Frau Dr. Schr. mit den Herausforderungen Ihres Dienstmädchens uns gegenüber einverstanden ist, da sie samt Mädchen sogar meine verh. Tochter, die nicht im Hause wohnt, auf der Straße ausgelacht haben; und als meine Tochter sich später darüber beschwerte, wir uns noch Grobheiten mußten sagen lassen.

Am Dienstag Abend, dem 23. d. M. kam es nun zum offenen Streit.

Der Eimer stand bis 6 Uhr Abends in der Straße, wurde dann vom Dienstmädchen in den Flur gestellt. Um 7 Uhr als die Familie der I Et. (?) [sic!] nach Hause kam, von dieser in unsere Schlafzimmer Tür gestellt.

Darauf befahl ich meiner Tochter den Eimer in die Straße zu stoßen. Als gegen 8 Uhr Herr Dr. Schr. mit seiner Familie nach Hause kam, erlaubte sich das Dienstmädchen die Schimpfnamen – „wer hat den Eimer herausgestellt, den ich hereingestellt habe, diese Saubande und s. w.“

Mein Mann öffnete die Küchentür und frug – „gehen diese Schimpfnamen uns an?[“] Herr Dr. Schr. gebot darauf meinem Mann Ruhe, lächerlich in unserer eigenen Wohnung. Dann drehte er sich um, er stand fast in unsere Küche hinein, er hob den schweren Stock, [den] er bei sich führte und wollte mit der Krücke auf meine 33 jähr. Tochter schlagen. Mein Mann suchte den Schlag zurück zu halten mit dem linken Arm und [er] hielt ihn über den Arm ins Gesicht auf das linke Auge, welches noch heute in verschiedenen Farben zu sehen ist. Dann holte er zum 2ten Schlag aus worauf meine Tochter die ernste Situation überblickend 2 kleine allu. Milchkesselchen schnappte, in den Flur schmiß ohne jedoch den H. Dr. zu treffen. Frau Dr. Schr. stand mit dar neben mit dem Riemen des Sportwagens, ebenfalls zum Schlagen bereit. Es folgten dann noch ein[ige] Schimpfereien, und ich schloss unsere Wohnung ab; um alles weitere zu verhüten.

Ich hätte mir gewünscht, Sie hochverehrter Herr hätten diesen Mann gesehen, wie der sich benahm. Ich frage Sie nun: ist das national-akademisch??? Ist das der Erfolg der großen Rede des Herrn Dr. Sch.??

Es ist unerhört, daß sich ein 70 jähr. alter, unbescholtener Mann, der 36 Jahre in Staatsdiensten gestanden und unter eigener Lebensgefahr in der Besatzungszeit dem Staate Dienste geleistet und Inhaber des Verdienstkreuzes I. Kl. ist – sich von einem jungen Mann, muß das Gesicht schänden lassen?? Das hochverehrter Herr nur zur [sic!] Ihrer Kenntnis und Beurteilung.

 Mit vorzügl. Hochachtung Frau Hein. Jansen geb. Louise [Fey/Fich/Fech] Rütscherstr. 52 p.


von Alina Menden und Sarah Schmidtmann

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Die Kunst des richtigen Lesens

Zur Grundausbildung eines Archivars gehört beispielsweise neben Fertigkeiten im Verzeichnen und der Bestandserhaltung auch das Transkribieren alter Texte. Dabei verhält es sich wie beim Übersetzen vom Lateinischen ins Deutsche: Übung macht den Meister!

Seit Jahren weist Klaus Graf seine Studenten – und auch die Mitarbeiter und Praktikanten des Hochschularchivs – in die Kunst der Paläographie, der Lehre von alten Schriften, ein und formulierte aus diesem Grund zehn Regeln, die dem Laien als kleine Unterstützung beim Transkribieren dienen sollen. In einem kurzen Video stellen unsere beiden Praktikantinnen diese vor:

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Macht und Pracht im Hochschularchiv der RWTH

TdoD_2017_5Am 10. September 2017 war es wieder soweit: Wie jedes Jahr öffneten die Mitarbeiter des Hochschularchivs auch am vergangenen Sonntag das Tor des alten Aachener Regierungsgebäudes für die Besucher des Tag des offenen Denkmals.

So steht die Geschichte des 1827 von Johann Peter Cremer erbauten Gebäudes am Theaterplatz ganz im Zeichen des diesjährigen Mottos: Macht und Pracht. Napoleon Bonaparte und Otto von Bismarck sind wohl die prominentesten Namen, die in Zusammenhang mit dem Gebäude stehen dürften. Doch auch die unangenehmen Seiten der deutschen Geschichte sind an dem Gebäude nicht spurlos vorbeigegangen, wenn man dabei an das an die Separatistentage in Aachen erinnernde Denkmal im Treppenhaus des Gebäudes denkt oder an die Gedenktafel am Eingang des Gebäudes, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert, da die GESTAPO ab 1933 in einem Teil des Hauses untergebracht war.

Das Motto des diesjährigen TdoD lässt sich außerdem an der Geschichte der RWTH Aachen University verdeutlichen, wie die Mitarbeier des Hochschularchivs durch eine Reihe von Archivalien, die während der Führung durch die Räumlichkeiten auslagen, demonstrierten.

Mit ca. 60 Besuchern war auch der diesjährige TdoD ein voller Erfolg und wir bedanken uns daher für das Interesse der Besucher und freuen uns schon auf den nächsten Denkmaltag!

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Verstaubt und dröge? Von wegen! – Mein Praktikum im Hochschularchiv

Als Studentin der Literaturwissenschaft habe ich häufig mit alten Texten zu tun – selten bekommt man da eines der kostbaren Originale in die Hand. Ganz anders ist das im Archivwesen: hier arbeitet man buchstäblich eigenhändig mit wunderbaren, erschreckenden, andächtigen und häufig total überraschenden Zeitzeugnissen – und zwar selbstständig, von Anfang an.

Was ich schnell in meiner Zeit als Praktikantin des Hochschularchivs gelernt habe: kaum eine Akte ist so langweilig, wie sie von außen aussieht! Man findet in jedem Karton mitreißende Familiengeschichten, bahnbrechende Lebenswege und Dokumente aus Zeiten, die den Studierenden meines Alters sonst sehr fern sind.

Das Hochschularchiv macht Geschichte hautnah erfahrbar und greifbar. Die größte Freude war es mir immer, die persönlichen Anliegen der Nutzer des Archivs zu beantworten. Täglich wenden sich Leute ans Archiv, um Informationen zu ihren Vorfahren, Verwandten oder Bekannten zu erhalten. Nicht selten steckt die eine oder andere faszinierende oder traurige Geschichte dahinter, die wir Praktikanten dann während der Recherche aufdecken. Fast fühlt man sich wie ein Detektiv, wenn man beispielsweise einen Nachbarschaftsstreit durch verschiedene Briefwechsel auflöst oder von Menschen liest, die sich für ihre Herkunft in den 30er-Jahren rechtfertigen und um das Leben ihrer Familie bangen mussten.

Am schönsten an dieser Arbeit sind die vielen Dankesmails und –anrufe von Personen, denen wir mit unserer Recherche weiterhelfen konnten. Und das ist im Wesentlichen – zumindest in meinen Augen – die Aufgabe eines Archivs. Den Zugang zu Informationen bereiten, die, so klein und unbedeutend sie auch erscheinen mögen, für manche Menschen eine große Bedeutung haben könnten. Den Spaß an dieser Arbeit habe ich jeden Tag im Büro des Archivs zu spüren bekommen, denn an keinem anderen Ort habe ich jemals ein so tolles und motiviertes Arbeitsklima erlebt! Nicht zuletzt die vielen gemeinsamen Mittagspausen, in denen wir über Serien, die Uni und Gruselgeschichten erzählt, vor allem aber viel genascht haben, waren jeden Morgen ein guter Grund, um vorfreudig zum Praktikum zu gehen. Aber auch die Selbstständigkeit der Praktikanten wird vom Archivteam gefördert: vom ersten Tag an wird man auf die Archivalien „losgelassen“ und für eigene Ideen oder Projekte ist immer Platz und reichlich Unterstützung vorhanden. Hier wächst man an seinen Aufgaben und darüber hinaus. So bleibt mir nur jedem zu raten, ein Praktikum im Hochschularchiv in Erwägung zu ziehen.

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Meine Zeit im Hochschularchiv – Mehr als nur ein Pflichtpraktikum !

Wenn mich Kommilitonen fragen würden, was ich ihnen für ein Studium in den Gesellschaftswissenschaften auf jeden Fall ans Herz legen würde ist meine Antwort klar: Ein Praktikum im Hochschularchiv. Doch wieso ist das so?

Da gibt es zum einen die objektiven Gründe: Das PrSoSe 1968 198aktikum im Hochschularchiv ist keins dieser typischen „Kaffeekocher“- und „Zuarbeiter“-Praktika. In ihm lernt man nicht jemanden nach dem Mund zu reden und acht Wochen lang bloß beschäftigt zu wirken. Hier hat man einen eigenen Modulkatalog, der von den Praktikantinnen abgearbeitet werden muss. Dadurch wird anhand von obligatorischen Aufgaben sowie kurzen Vorträgen und Übungen das Wissen der Praktikanten erweitert und ein fester Rahmen gegeben. So einen durchdachten Praktikumsplan hatte in meinem Freundeskreis kein Anderer. Zum Modulkatalog gehörte zum Beispiel das Modul „Paläographie“ indem wir einen von uns ausgesuchten Brief zu transkribieren lernten. Wir lernten aber auch Webeinträge zu verfassen und bei Facebook, Google+ und unserer Internetseite Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und das „harte Faktenwissen“ über Urheber- und Archivrecht. Im Laufe der Zeit und der Abarbeitung des Modulkatalogs hatten wir immer mehr Spielraum und wurden immer selbständiger. In dieser freundlichen Atmosphäre wurde man zum Mitdenken, Mitentscheiden und auch mal Selbstentscheiden angeregt. Wir wurden von den anderen Mitarbeitern auf einer Augenhöhe behandelt und ermutigt, über uns hinauszuwachsen und uns selbst kennen zu lernen.

Nach dem Modul „Verzeichnen eines (Teil-)Bestandes“ bekam ich meinen eigenen kleinen Teilbestand zum Verzeichnen. Ein volles Regal wollte verzeichnet, sortiert und archivgerecht gelagert werden. Meine Freunde verstanden die Welt nicht mehr als ich ihnen stolz Fotos von meinem Fortschritt zeigte und ihnen am Freitagabend schon erzählte, was ich Montag machen werde- und das ich mich darüber freue.

Und da sind wir auch bei den persönlichen Gründen: Das Praktikum im Hochschularchiv hat mir persönlich wahnsinnig viel Spaß gemacht. Die Mitarbeiterinnen des Hochschularchivs waren schnell mehr „Freunde“ als „Kollegen“ und wir haben viel gelacht. Von ihnen habe ich viel Unterstützung bekommen und Sicherheit, wenn ich gerade dabei war, etwas Neues zu erlernen, aber auch genügend Freiraum, etwas so zu machen, wie ich es möchte – ein seltenes Glück! Durch die Bilderfreitage und das Beantworten der Anfragen lernte ich auch aus anderen Bereichen stetig hinzu. Für ein Kalenderbild lernte ich alles über die Beschaffenheit von Ringflügel, für eine Anfrage mal etwas zur proRWTH, dem Förderverein, einzelnen Professoren oder der FVA, der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen: Jeder Tag brachte mir ein bisschen mehr Sicherheit und Routine, aber auch eine neue spannende Thematik, die es zu entdecken gab.

Die einzelnen Module haben mir alle genau so viel Spaß gemacht wie das beschriebene Modul „Verzeichnen eines (Teil-)Bestandes“ und auch die anderen anfallenden Tätigkeiten habe ich genossen – so sehr, dass ich mich freue hier bald ehrenamtlich arbeiten zu dürfen – ein Gütekriterium an sich!

Auch wenn ich es vorher wirklich nicht geglaubt habe, ist nun „Archivarin“ eine Berufsperspektive, welche ich in Betracht ziehe und ich bin sehr dankbar, dass mir dies von dem Hochschularchiv aufgezeigt wurde. Aus diesen Gründen kann ich jedem Gewi- und LuS-Studenten nur ans Herz legen hier sein Praktikum zu machen.

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Kalenderbild September: Freizeitaktivitäten an der RWTH – Mehr als nur Hochschulsport !

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Signatur: 8.2.2 ap

Als Studentin der RWTH kenne ich natürlich das Angebot des Hochschulsports, habe viele Freunde die beim Kontakthüpfen ihre Pfunde purzeln lassen. Leider muss ich zugeben, dass ich darüber hinaus mir nie über weitere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung der RWTH Gedanken gemacht habe. Dabei bietet die RWTH ein weites Spektrum an studentischen Eigeninitiativen und wissenschaftlichen Vereinigungen an. Diese Erkenntnis habe ich vor allem durch die Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Foto gewonnen.

Auf dem Kalenderbild des Monats  Septembers sieht man das Werk einer solchen wissenschaftlichen Vereinigung, der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen. Die FVA wurde schon in Jahre 1920 unter der Leitung von Theodore von Kármán und Wolfgang Klemperer gegründet. Damals wurde der Segelflug als Möglichkeit gesehen eine Lücke im Versailler Friedensvertag auszunutzen. Durch ein Verbot der Siegermächte war es den Deutschen nicht erlaubt in der motorisierten Luftfahrt Forschungen voranzutreiben (wie bei jeder zu militärischen Zwecken nutzbaren Forschung), jedoch galt dieses Verbot nicht für die militärisch nicht ernst genommenen Gleitflugzeugbauten. Vor allem durch die Unterstützung Kármáns wurde die deutsche Forschung im Gebiet der Strömungslehre durch diese wissenschaftliche Vereinigung geprägt. Die Anfangsjahre der FVA verliefen somit sehr erfolgreich, jedoch mussten ab der Machtübernahme der NS-Regierung viele organisatorische und politische Einschränkungen hingenommen werden und ab 1940 wurde der Flugplatz der FVA durch die Luftwaffe belegt. Durch einen Luftangriff wurde die Flugzeughalle der FVA im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört.  Am 13. November 1950 erfolgte die Neugründung der FVA. Als eines der ersten Projekte nach dem Krieg wurde der im Bild abgebildete Ringflügel in Angriff genommen.

Auf dem oben sichtbaren Foto sieht man das erste Modell eines Ringflügels, welcher unter Aufsicht des Ingenieurs J. Herrmann entstand. Ziel dieser Arbeit war es, die Flugeigenschaften eines solchen Flugzeuges zu untersuchen. Man erhoffte sich eine Minimalisierung des Baugewichts und mit Hilfe des, kurze Zeit vorher wiederbelebten, Lehrstuhls für Flugzeugbau wollte man die deutsche Forschung wieder vorantreiben. Die Hoffnung der FVA war es, die deutsche Forschung, welche im Jahre 1945 stehengeblieben war, wieder mit einem spannenden Forschungsobjekt zu beleben. Das erste kleine Modell flog auch erfolgreich.

Aufgrund der erfolgreichen Flüge des Modells wurde bald mit der Erarbeitung eines großen Ringflügels begonnen.  Dadurch, dass die Berechnungen für das große Modell und Windkanaltests erst 1955 ermöglicht werden konnte, wurde das Flugzeug ohne hinreichende Berechnungen trotzdem erbaut. Erst später stellte sich dann heraus, dass der Ringflügel im Schnellflug die Tendenz hatte über ein kopflastiges Moment die Rückenfluglage aufzusuchen – das Flugzeug war also nicht flugfähig. Die kostspieligen und umfangreichen Umbauarbeiten wollte die FVA nicht vornehmen, weshalb der Rohbau nach weiteren zwei Jahren um Platz zu schaffen wieder zerstört wurde.

Noch heute lebt die FVA als wissenschaftliche akademische Fliegergruppe und Teil der Idaflieg (Interessensgemeinschaft deutscher akademischer Fliegergruppe) als Dachverband weiter. Die FVA sucht immer neue Mitglieder unter den Student/innen der RWTH und FH. Dabei sind zwar Kenntnisse auf dem Gebiet erwünscht, aber nicht zwingend notwendig. Jeder ist willkommen und kann hier  weitere Informationen zum Eintritt finden.

Denn unserer RWTH hat noch viel mehr zu bieten, als man im ersten Moment denken könnte. Deswegen sollte sich jeder die Zeit nehmen, alle Angebote der RWTH zu sichten! Weitere Informationen über die historische Geschichte der FVA finden sich bei uns in der eigenen Bibliothek des Hochschularchivs,  welche gerne besucht werden darf.

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Kalenderbild August: Vom Chemischen Laboratorium zu Talsperren

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Sig.: 9.3.bh

Das aktuelle Kalenderbild ziert eine Postkarte mit dem Foto des Chemischen Laboratoriums, das an der Stelle des heutigen Super-C stand. Das Gebäude entstand als Teil der Königlichen Polytechnischen Akademie, welches 1869 vom damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm gründete wurde. Von 1875 bis 1879 wurde das Laboratorium neben dem heutigen Hauptgebäude im Stile des Klassizismus erbaut, jedoch im Laufe des Zweiten Weltkrieges zerstört. Das Gebäude entwarf der Architekt Franz Clemens Ewerbeck in Zusammenarbeit mit dem späteren Rektor des Polytechnikums, Otto Intze, als Baukonstrukteur.

Sig. 1.2.1. Intze

Sig.: 1.2.1. Intze

Otto Intze wurde am 17. Mai. 1843 in Laage geboren. Sein Talent für Ingenieurswesen zeigte sich schon bei seiner ersten Arbeitsstelle bei einer britischen Eisenbaugesellschaft, die ihn nach Russland führte. Dort bemerkte man, dass Intze schnell ohne jegliche Vorkenntnisse ingenieurwissenschaftliche Zusammenhänge erfasste und in der Lage war, sie weiterzuentwickeln. Deshalb entschied er sich in Hannover Ingenieurswesen zu studieren. Im Dezember 1872 wurde Otto Intze in Aachen an der Polytechnischen Akademie zum Professor in Baukonstruktion, Baustofflehre und Wasserbau ernannt. Otto Intzes größter Verdienst war die Schaffung des Intze-Prinzips, das die Wasseraufbewahrungstürme verbesserte und sie preisgünstiger machte. Dadurch konnte die moderne Wasserversorgung im Ruhrgebiet schneller und sicherer ausgebaut werden.

Im Laufe der Zeit spezialisierte er sich auf die Projektierung von Talsperren. Besonderes Augenmerk legte er auf die Sicherheit der entstehenden Talsperren, da sie oft brachen und Todesopfer forderten. Um diesem vorzubeugen, entschloss sich Otto Intze die natürliche Form der Täler zu nutzen und sie in den Bau miteinzubinden. Hierbei kam ihm sein Prinzip zur Hilfe: So baute er die Sperren mehrere Meter in den Felsen hinein und verwendete als Mörtel eine Mischung aus Kalk, Sand und Trass, woraus ein besonders harter Mörtel entstand. Die Mauern baute er im bogenförmigen Grundriss. Zur Stabilisierung der Mauern entstanden keilförmige Aufschüttungen aus Lehm. Ziel war es, stabile Talsperren zu schaffen, die seinen Vorstellungen nach ewig halten würden. In der Realität mussten die ersten in den Dreißigern des 20. Jahrhunderts wegen drohenden Bruches abgerissen werden. Der Großteil ist jedoch bis heute erhalten. Von 1898 bis 1901 war Otto Intze zum Rektor der Aachener Polytechnischen Akademie berufen. In seiner Amtszeit war er bei den Studierenden aufgrund seines lebendigen und sowohl Theorie, als auch Praxis miteinander verbindenden, Vortragstiles beliebt. Am 28. Dezember 1904 starb er in Aachen.

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Von Dokumenten zu You-Tube-Videos: Meine Zeit im Hochschularchiv

Auf der Suche nach einem Pflichtpraktikum für mein Studium der Gesellschaftswissenschaften empfahl mir eine Freundin das RWTH-Hochschularchiv. Nachdem ich mir die Praktikumsberichte durchgelesen und die Website genauer angesehen hatte, folgte ich ihrem Rat und bewarb mich dort. Nach einem Bewerbungsgespräch begann meine lehrreiche Zeit im Archiv.

Nach einer kurzen Einführung in die grundlegenden Aufgaben, die ein Praktikant bewältigen muss, wie im Magazin die Akten sortieren oder Findbuchdatei korrigieren, lebte ich mich immer mehr in den Alltag des Archivs ein. Als Krönung der Aufgaben galt das Anfragen-Beantworten. Sobald eine Anfragenmail aufleuchtete, erschien in den Augen sämtlicher Mitarbeiter ein Glanz der Begeisterung, denn dies bedeutete, dass der Erwählte im Archiv nach den Dokumenten suchen durfte und damit einen Einblick in vergangene Zeiten erhielt. Aber auch so stöberte man in Dokumenten herum, sei es für das Umbetten der Dokumente, um sie vor dem Verfall zu bewahren oder um Fotos einzuscannen. Von Anfang an wurde ich mithilfe von Modulen in die Aufgabenbereiche, aber auch in das Wissen eines Archivars, eingeführt, wie das oben beschriebene Umbetten der Dokumente das Modul der Bestandserhaltung darstellte. Fünf Module wurden vom Archivleiter Herr Graf persönlich gehalten: Informationsrecherche, Archivrecht, Urheberrecht, Paläographie und Bewertung, die sowohl sehr informativ und spannend als auch auf den Alltag anwendbar waren.

Enorm viel Wert wurde auf die Digitalisierung und Online-Präsenz des Archivs gelegt. Dadurch hofft Herr Graf an neue Dokumente zu gelangen, denn: Je mehr das Archiv auf sich aufmerksam macht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Institute Akten abgeben. Auch die Öffentlichkeit auf die Existenz des Archivs aufmerksam zu machen, gehört zu den Anliegen. So wurden verschiedene Möglichkeiten der Präsenz diskutiert, von Snapchat bis hin zu Jodel. Geeinigt hat man sich auf YOU-Tube Videos (Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=VS7_J1yKGOI), woraufhin wir in Gruppenarbeit ein Video gegen Ende meines Praktikums realisieren durften. Immer wieder durfte ich Texte schreiben, die entweder im Weblog, Google+ oder Facebook veröffentlicht wurden (siehe der Bilderfreitag https://www.facebook.com/ArchivRWTH/?ref=aymt_homepage_panel ).

Dank der humorvollen Mitarbeiterinnen und einer entspannten Atmosphäre, die noch zusätzlich von Franz, dem Archivhund, gefördert wurde, war es nie peinlich Fragen zu stellen.

Insgesamt war das Praktikum im Hochschularchiv eine meiner besten Zeiten im Studium. Wenn ich mich für ein Praktikum entscheiden müsste, würde ich es immer wieder hier machen, denn: Es war äußerst gut strukturiert (siehe die Module), half mir neue Blickwinkel auf das Archivwesen und die Welt zu gewinnen und hatte die besten Mitarbeiter, die man sich vorstellen kann. Deshalb Danke Claudia, Filis, Janine, Joana, Herr Graf, Sarah, Alina und Franz. 🙂

 

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Vielfältig, hilfreich und produktiv, so war es im Hochschularchiv

Als ich auf der Suche nach einer Praktikumsstelle im Rahmen des Pflichtpraktikums meines StudiengaIMAG0154nges Gesellschaftswissenschaften war, stieß ich auf die Seite des Hochschularchivs der RWTH Aachen. Wegen der durchweg sehr positiven Praktikumsberichte auf der Homepage und meinem Studienschwerpunkt in dem Fach Geschichte, entschloss ich mich, Kontakt zum Hochschularchiv aufzunehmen und mich auf eine freie Praktikumsstelle zu bewerben, welche ich schließlich auch bekam.

Ab dem ersten Tag im Hochschularchiv machte mir das Praktikum sehr viel Spaß. Dies lag zum einen an dem top organisierten Ablauf des Praktikums. Dieser zeigt sich daran, dass jeder Praktikant eine Reihe von Modulen belegen muss, welche alle Seiten der Archivarbeit beleuchten. Diese reichen vom Modul Paläographie (das Lesen alter Schriften) – bei welchem ich regelrecht verzweifelte, am Ende aber doch ein Erfolgserlebnis hatte, als ich zumindest bruchstückhaft einen in alter deutscher Handschrift verfassten Text entziffern konnte -, über das Modul Umbetten und Bestandserhaltung von alten Akten – bei dem ich Dokumente aus der NS-Zeit umbettete und auch beim 100sten Mal Heil-Hitler-Lesen zusammenzuckte –  bis hin zum Modul Websitegestaltung und Online-Präsentation, da die Onlinepräsenz für ein modernes Archiv unerlässlich ist. Durch die verschiedenen Module wurden die vielfältigen und abwechslungsreichen Bereiche der Archivarbeit erst richtig deutlich.

Doch nicht nur das Ableisten der Module gehörte zu meinen Praktikumstätigkeiten. Auch das Erledigen alltäglicher Archivarbeit, wie das Beantworten von Anfragen, das Einscannen von Fotos, das Verfassen von Artikeln zum Bilderfreitag und zum Kalenderblatt des Monats, spielte eine große Rolle. Dass ich während dieser alltäglichen Arbeiten so viel in so kurzer Zeit lernte, lag vor allem in dem Vertrauensvorschuss der mir gegeben wurde. Ab dem ersten Tag durfte ich Aufgaben selbstständig erledigen, wuchs mit meinen Aufgaben und der Bestätigung, die ich für diese bekam und fühlte mich sofort als Teil des Archivmitarbeiterteams. Bei Fragen war jederzeit gerne jemand zur Stelle, um sie wenn nötig auch noch ein drittes Mal zu erklären. Ein angenehmeres, besseres und konstruktiveres Arbeitsklima kann man sich eigentlich nicht wünschen.

Meine Freunde, welche sich größtenteils nicht für Geschichte interessieren, waren am Anfang skeptisch und konnten sich nicht vorstellen, was ich überhaupt den ganzen Tag in so einem Archiv machte. Nachdem ich aber immer mehr von den vielfältigen Aufgaben meiner Praktikumsstelle und spannenden Funden in den Akten erzählte, wurden sie immer begeisterter und betonten vor allem, dass es wohl keine Praktikumsstelle gäbe, die durch die verschiedenen Module so gut strukturiert und organisiert sei. Ich kann ein Praktikum im Archiv also nicht nur geschichtsbegeisterten Studenten empfehlen, da es wirklich so viele verschiedene Aufgaben gibt, dass jeder etwas für sich entdecken kann.

Mittlerweile bin ich echt traurig, dass die Praktikumszeit so schnell vorbeiging und werde mit Sicherheit in Zukunft ab und zu mal vorbeischauen. Ein großes Dankeschön an alle Mitarbeiter für eine ganz tolle Praktikumszeit, die Hilfe in allen Bereichen, die persönlichen Gespräche und vor allem auch die Süßigkeitenkiste 🙂

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Kalenderbild Juli: Der mysteriöse Architekt

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Quelle: Sammlung Confeld von Felbert

Die „Zeichnung einer Unbekannten Stadt (1909)“ ist eine von zahlreichen Tuscheskizzen und Bauzeichnungen des Architekten und Malers Eugen Confeld von Felbert. Die Sammlung wurde 2010 dem RWTH Hochschularchiv als Schenkung aus Österreich überreicht.

1.V. Villa in Berlin-Grunewald erbaut vom Architekten Eugen Confeld von Felbert

Villa Woringer

Trotz zahlreicher Recherchen ist nur weniges über seinen Lebenslauf bekannt. Am 1. März 1856 wurde Eugen Confeld von Felbert in einer jüdischen Familie in Krefeld geboren. Ab 1885 studierte er Architektur in Brüssel bei Henryk Beyaert. Nach weiterem Studium bei Franz Ewerbeck am Polytechnikum Aachen (heutiges RWTH Aachen) erwarb er am 25. Juli.1879 seinen Diplomabschluss. Zwischen 1880 und 1888 erbaute er in Amsterdam zahlreiche Speicherbauten. Ab 1890 lebte und baute Confeld in Berlin, wo er vermutlich 1933 verstarb, da sein Name nicht mehr im Adressbuch auftauchte.

Eines seiner bekann6291182457_0a7e890daftesten Projekte ist das Landhaus Woringer in Berlin Grunewald. Erbaut 1894/95 ist es eines der interessantesten frühen Landhäuser. Das Zwerchhaus enthält zahlreiche Elemente aus der Romanik, sowie Renaissance und ist im Fachwerk im Schweizerstil gehalten.

Ein weiteres Projekt ist die Villa an der Boothstraße 5. Hier übertrug Confeld mittelalterliche Burgmotive auf einen modernen Bau, beispielsweise den Rundturm mit Treppenhaus.

Weitere Informationen zu Confeld von Felbert finden sich in der 2013 vom Hochschularchiv organisierten Ausstellung zum Thema „Architektur an der RWTH“.

Bildquellen:

– https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Confeld_von_Felbert#/media/File:Hagenstra%C3%9Fe_3_Berlin-Grunewald.jpg

– http://archivalia.hypotheses.org/10841

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Praktikum im Hochschularchiv?

ScreenshotWir freuen uns immer über die tatkräftige Unterstützung durch Praktikanten. In unserem neuen Video schildert unsere ehemalige Praktikantin Janina Janneck ihre Erfahrungen der insgesamt sechs Wochen, die sie bei uns verbracht hat.

Alle Interessierten können sich per Mail an archiv@rwth-aachen.de melden.

Weitere Eindrücke zum Praktikums- und Archivalltag bieten zudem alle bisher auf dieser Seite veröffentlichten Praktikumsberichte sowie unser Imagevideo.

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Kalenderbild Juni: RWTH Rektor unter RCDS-Einfluss?

Das abgebildete Flugblatt wurde im Rahmen der ausstehenden Wahlen des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) vom Marxistischen Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) veröffentlicht.

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Quelle: Sammlung Alexander Lohe

Der am 20. Mai 1971 als Bundesverband gegründete MSB Spartakus bestand bis zur Wende 1990 und war ein Studentenverband der Deutschen Kommunistische Partei. Seit den 1970er Jahren bildete er einen der bundesweit einflussreichsten Studentenverbände mit zeitweise bis zu 6.500 Mitgliedern. Seine Wurzeln finden sich in der Studentenbewegung der 1960er Jahre. Die politischen Ziele und Leitlinien des MSB Spartakus waren unter anderem die soziale Lage der Studenten – dabei vor allem die individuelle und institutionelle Verbesserung der Studienbedingungen und das BAföG – , die Verteidigung des politischen Mandats der Studentenschaft, sodass die Stellungnahme zu politischen Fragen jeder Art weiterhin stattfinden konnte und der Sozialismus. Der MSB Spartakus nahm eine Frontstellung gegenüber als „linksradikal“ gewerteter Gruppen und dem Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) ein.

Auf den letztgenannten RCDS bezieht sich auch das vorliegende Flugblatt. Der 1951 in Bonn gegründete RCDS gilt als ältester und größter immer noch bestehender politischer Studentenverband. Nachdem er seine Position in den Studierendenparlamenten in den 1960er Jahren zeitweise stärken konnte, wurde er durch die Studentenbewegung in die Defensive gedrängt und konnte erst zu Beginn der 1990er Jahre , nach dem Zusammenbruch linker Studentenverbände (wie zum Beispiel auch dem MSB Spartakus), wieder Fuß in den lokalen Studentenvertretungen fassen. Er vertritt ein christlich-abendländisches Menschenbild, eine freiheitlich-demokratische Grundordnung, sowie die soziale Marktwirtschaft und ist europäisch orientiert. Durch den wiederkehrenden Versuch aktiver Neonazis an einer Mitarbeit im RCDS ist er immer wieder Kritik ausgesetzt.

Das vorliegende Flugblatt thematisiert die Einflussnahme des RCDS auf den damaligen Rektor der RWTH Aachen, Günter Urban. Urban studierte von 1947-1953 Kunstgeschichte, Archäologie und Volkskunde an den Universitäten in Frankfurt am Main und Pisa. 1972 wurde ihm der Lehrstuhl für Baugeschichte und Denkmalpflege der Fakultät für Architektur an der RWTH Aachen übertragen. Nachdem er 1979 Prorektor wurde, war Urban ab 1980 bis 1984 Rektor der RWTH Aachen.

In dem vorliegenden Flugblatt wirft der MSB Spartakus Rektor Urban vor, dass dieser mit dem RCDS sympathisieren würde, was er an einer Weigerung Urbans festmachte, den Genehmigungsstempel unter ein Plakat des MSB Spartakus zu setzen. Grund für die Weigerung Urbans war der Vorwurf des MSB Spartakus an den RCDS, dass diesem der Einsatz von Pershing-II- Raketen lieber sei als Bildung. Da Urban diese Äußerung als ziemlich drastisch einstufte, hielt er zuerst Rücksprache mit dem damaligen Vorsitzenden des RCDS, Ustorf, bevor er die Plakate zur Veröffentlichung abstempelte, nachdem dieser sein Einverständnis gegeben hatte. Diese Aktion nutzte der MSB Spartakus als Aufhänger, um seine Vorwürfe gegenüber dem RCDS zu untermauern: Sie würden nach Lust und Laune genehmigen oder verweigern, sie würden die Studenten „verschaukeln“ und nun auch noch die Geschäfte des Rektorats übernehmen. Um dies zu verhindern, schließt das Flugblatt des MSB Spartakus mit einer Aufforderung, den MSB Spartakus zu wählen und den Worten: „Gemeinsam kippen wir den rechten AStA!“

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Man sagt, das Internet vergisst nie, doch ein gutes Archiv vergisst auch nie

Für mein Pflichtpraktikum habe ich sieben schöne Wochen im Archiv der RWTH verbracht. Jedes Mal, wenn ich davon erzählt habe, folgte die gleiche Reaktion aus ungläubigen, fragenden Augen. „Und was machst du da so? Das ist doch bestimmt total langweilig.“ Tatsächlich konnte sich kaum jemand aus meinem Bekannten- und Freundeskreis vorstellen, was in einem Archiv wirklich gemacht wird. Die Erfahrungen, die ich hier sammeln durfte, haben mir gezeigt, wie vielfältig und spannend Archivarbeit sein kann. Das Vorurteil des staubigen dunklen Kellerraums, in dem den ganzen Tag Akten sortiert werden, ist falsch!

Zugegeben, ich war selbst anfangs etwas überrascht, wie viele Bereiche der Alltag eines Archivmitarbeiters umfasst. Als Praktikantin hatte ich die Möglichkeit, durch vorgegebene Module in Aspekte vom Archivgesetz bis zur Videobearbeitung hineinzuschauen und mir Grundlagen anzueignen. Ich habe aus jedem Bereich positive Erfahrungen ziehen können, auch wenn ich zuerst dachte, mich nicht dafür begeistern zu können. Im Modul über Paläographie lernte ich die Kunst alte Schriften zu lesen. Dies ist eine mühsame, doch zugleich erfüllende Fähigkeit, die für jeden, der sich für Geschichte und/oder ältere Originaltexte interessiert, hilfreich ist. Das Wissen darüber konnte ich während eines Museumsbesuchs in meiner Freizeit direkt anwenden. Meine Mutter staunte nicht schlecht, als ich ihr einige Zeilen eines älteren handgeschriebenen Briefes vorlesen konnte. Oder als ich einem Freund über das Erlernte zum Urheberrecht berichtete, war die Reaktion ehrliches Interesse und ein längeres Gespräch entstand. Ein Praktikum im Hochschularchiv bedeutet also fürs Leben lernen.

Besonders gut hat mir außerdem die freundliche Atmosphäre gefallen, in welcher man sich vom ersten Tag an wohl fühlt. Die Angst vor Fehlern wird einem dadurch schnell genommen und es ist kein Beinbruch, wenn man viele Fragen hat. Am besten hat mir gefallen, wie viel Verantwortung ich übernehmen durfte. Ich hätte nie gedacht von Anfang an Mails beantworten zu dürfen oder je in einem Video für YouTube mitzuwirken. Das Recherchieren in den verschiedensten Akten habe ich als sehr lehrreich und zudem spaßig empfunden. Nie zuvor habe ich einen so direkten Einblick in die Geschichte bekommen – unglaublich was man dort alles findet! In einigen Akten gibt es unzählige Briefe an ehemalige Rektoren, im ordentlichsten Deutsch geschrieben oder frühere Diplomprüfungsordnungen (aus welchen ich u.a. gelernt habe, dass die Note „befriedigend“ um 1920 „ziemlich gut“ genannt wurde).

Ich bin froh einen so tollen Platz für mein Praktikum gehabt zu haben und es macht mich stolz, einen kleinen Beitrag zum Hochschularchiv geleistet zu haben.

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Kalenderbild Mai: Per Mausklick zur Literatur

Ga1970, S.349-O

Ga1970, S.349-O

Jeder Student der RWTH Aachen sollte mindestens einmal im Laufe seines Studiums in der Universalbibliothek der RWTH Aachen gewesen sein. Bezug zu dieser nimmt unser Kalenderbild aus dem Monat Mai. Auf diesem Bild sind Studenten abgebildet, die im großen Lesesaal im Neubau der Aachener Hochschulbibliothek lernen. Am 10. Oktober 1870 wurde die Bibliothek gegründet. Zu dieser Zeit diente sie bereits als wissenschaftliche Universalbibliothek, denn dort ist Literatur aller an der Hochschule vertretenden Fächer bestell- und ausleihbar.

1966 wurde der Neubau am Templergraben bezogen. Dieser umfasst drei Lesesäle mit 270 Arbeitsplätzen. Der damalige Buchbestand der Bibliothek umfasste 340.000 Bände und 4.100 Zeitschriften mit einem jährlichen Zuwachs von 25.000 Bänden.

Sechs Jahre zuvor erlebte die Hochschulbibliothek mit dem Beginn der Ausbildung von Gewerbelehrern eine folgenschwere Entwicklung. Die Fakultät für Allgemeine Wissenschaften erhielt hierzu Lehrstühle für vier neue Disziplinen: Pädagogik, Soziologie, Psychologie und Politische Wissenschaften. Ebenso kamen Lehraufträge für Katholische und Evangelische Theologie hinzu. Damit sind zu den bereits vorhandenen Fächern Philosophie, Kunstgeschichte und Geographie neben Technik und Naturwissenschaften neue Disziplinen dazugekommen, die an die Literaturversorgung sehr hohe Ansprüche stellten.

Für den Umgang mit diesem Zuwachs war ein gutes System zur Beförderung von Büchern ausschlaggebend. Wie auch heute funktionierte die Ortsausleihe, im Gegensatz zu benachbarten Universitätsbibliotheken, über den Sofortdienst. Die Bestellung ging über die Hochkantförderanlage in das Büchermagazin. Dort wurde das Buch herausgesucht und per Kastenförderanlage in die Ausleihe befördert. Heutzutage ist das System soweit fortgeschritten, dass es nur noch einen Mausklick und einer kurzen Wartezeit bedarf bis man die Literatur in den Händen hält.

Quellen

Gerhart Lohse, Die Bibliothek der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen 1959-1979, Band 1, Aachen 1981.

Hans Martin Klinkenberg, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen 1870|1970, Stuttgart 1970.

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Aus Alt mach Neu

Unbenannt

Quelle: Danny Schiprowski

Wie sieht es eigentlich in einem Gedächtnis aus? Und was genau passiert dort, wenn man sich an etwas Bestimmtes erinnert? Diese Frage bleibt hier zwar im biologischen Sinne unbeantwortet, doch im Metaphorischen kann das „Gedächtnis der RWTH“ hier auftrumpfen.

Im Zuge eines Praktikums startete ich also meinen ersten Tag im Hochschularchiv, bei dem mir zunächst mein Arbeitsplatz gezeigt, die Mitarbeiter vorgestellt und die Räumlichkeiten erläutert wurden. So ein Archiv benötigt neben den standardmäßigen Büroräumen nämlich ganz schön viel Platz, um all seine Dokumente, Fotos, Karten und anderweitige Gerätschaften sicher und geschützt aufzubewahren, sowie diese der Nachwelt nutzbar zu erhalten. Dafür gibt es fünf Magazine, in denen die Archivalien lagern und einen Benutzerraum, in dem die jeweiligen Dokumente eingesehen werden können. Nutzer stellen nämlich neben der fachgerechten Aufbewahrung ebenfalls einen großen Teil der Archivarbeit dar. So passiert es zum Beispiel, dass ein Alumnus Informationen über seine Arbeit an der RWTH wünscht, oder ein Forscher aus einer anderen Stadt mehr über das Wirken oder die Forschung eines ehemaligen Aachener Kollegen erfahren möchte. Diese Anfragen werden meist per E-Mail beantwortet, doch manchmal müssen die Nutzer auch persönlich Akteneinsicht nehmen.

Sobald ich mich also orientiert hatte, konnte die eigentliche Arbeit beginnen. Die verschiedenen Aufgaben, die anfielen, wurden hierbei zunächst von einer Mitarbeiterin erläutert, woraufhin ich selbst die Aufgabe erledigen musste. So lernte ich das Archiv rasch kennen und konnte auch von Anfang an unbekannte Aufgaben übernehmen. Doch trotz der Einweisung des Personals blieben die Arbeiten fordernd. Dies lag zum einen an der schieren Menge an Informationen in den Archivalien, die man verarbeiten und strukturieren muss, zum anderen machte mir deren Form das Leben auch nicht immer leicht.

Da half es, dass durch das Modulsystem für Praktikanten Struktur in das Erlernen der neuartigen Aufgaben kam. So erlernte ich zuerst die grundlegenden Aufgaben der genauen Recherche mit den Findmitteln des Archivs, angemessenen Kontakt mit den Anfragenstellern und Vorgänge der Registratur. Diese Voraussetzungen ermöglichten es Einblick in die Arbeits- und Funktionsweisen des Archives zu nehmen, und schufen die Vorbedingungen, auch Aufgaben zu erfüllen, deren jeweilige erforderlichen Akten einen erstmal vor ein Rätsel stellten.

So benötigt man zwingend grundlegende Kenntnisse des Archivgesetzes, des Informationsfreiheitsgesetzes und des Urheberrechtes um sich der rechtlichen Parameter seiner Arbeit bewusst zu sein und abschätzen zu können, ob bestimmte Auskünfte überhaupt erteilt werden dürfen. Des Weiteren muss man sich in Paläografie, der Lehre alter Schriften auskennen, um alte Akten zu entziffern, die noch in Kurrent- oder Sütterlinschrift geschrieben sind. Das sind jedoch eher Fähigkeiten inhaltlicher Natur, die aber nicht darüber hinwegtäuschen sollten, dass man ebenfalls über Bestandserhaltung Bescheid wissen muss, damit die Archivalien einer langen Aufbewahrungsdauer entsprechend erhalten und gleichzeitig nutzbar bleiben.

Diese Nutzbarmachung ist ein ganz entscheidender Punkt, denn so gesehen ist nämlich die Archivarbeit eine Dienstleistung, die Informationen rund um die RWTH bereitstellt und dabei hilft, eine Überlieferung der Universitätsgeschichte zu gewährleisten. Dabei lernt man natürlich auch die Geschichte der RWTH besser kennen. Außerdem stellte das abwechslungsreiche Arbeitsfeld das flexible Denken immer wieder auf die Probe, wenn beispielsweise hundert Jahre alte Schrifstücke, Plakate oder Ähnliches Social Media gerecht, für Facebook und Co., zur Präsentation aufbereitet werden sollten. Dieses für Archive noch nicht sehr verbreitete Verfahren war für mich als Praktikant ein toller Weg, alle Aspekte der Archivarbeit anzuwenden und gleichzeitig in eine moderne, publikumsnahe Form zu überführen. Es wissen nämlich viel zu wenige Menschen von den tollen Informationsmöglichkeiten eines Archives, die Jedem offen stehen!

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Neues von der „(Lithographischen) Anstalt“

4April_Sig.932

Signatur: Akte 932

Auf unserem aktuellen Kalenderbild ist ein detailreicher Briefkopf zu sehen, der zeigt, dass Geschichte selbst an simplen Dingen spürbar werden kann. Viel mehr als es heute der Fall ist, waren Briefköpfe ein wichtiges Aushängeschild für Firmen.

Die „La Ruell’sche Accidenzrduckerei und lith. Anstalt“, die den zugehörigen Brief 1907 an die Königliche Technische Hochschule (RWTH) schrieb, geht auf Joseph La Ruelle (*31. März 1822; +8. August 1900) zurück. Inhaltlich bezieht sich der Brief auf einen Druckauftrag der Hochschule für Personalverzeichnisse, indem die Druckerei über gestiegene Kosten informiert. La Ruelle veröffentlichte unter anderem 1871 den „Aachener Anzeiger“ zum ersten Mal, welcher täglich unabhängig von Politik und Konfession erschien und daher eine breite Masse an Lesern erreichte. Er gilt daher als Schöpfer des Typs des Generalanzeigers in Deutschland. Er verlegte außerdem das „Politische Tagesblatt“, welches zwei Mal täglich erschien und ab 1881 einen wöchentlichen Generalanzeiger für die Kreise Monschau, Eupen, Jülich, Düren, Schleiden, Geilenkirchen, Heinsberg, Erkelenz und den Landkreis Aachen.

La Ruelles Akzidenzdruckerei fertigte seine Zeitungen selbst an und war eine Zeit lang führend im Umkreis. So war sie auch die erste Druckerei in Aachen mit einer Rotationsmaschine. Gelegenheitsdrucke wie etwa Prospekte, Einladungen oder Briefe waren eine gute zusätzliche Einnahmequelle. Genau deswegen war der Briefkopf auch so ein wichtiges Werbemittel. Die Druckerei hatte hier die Möglichkeit, etwas von ihrer Arbeit zu zeigen. Auf einem Bild kann man ihren damaligen Standort (Johanniterstraße, in der Nähe des heutigen Karlsgrabens) und zugleich die angebotenen Leistungen sehen. Inhaber war zur Entstehungszeit des Bildes La Ruelles Schwiegersohn Joseph Deterre, der bereits einige Jahre vor La Ruelles Tod die Geschäfte übernahm.

Die lebendige Gestaltung der Schrift, die Arbeit mit verschiedenen Schriftarten und die fein ausgearbeiteten Details machen diesen Briefkopf zu etwas Besonderem. Was damals als zweckmäßige Werbung gedient haben mag, lässt sich heute wie ein Kunstwerk betrachten.

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Kalenderbild März: Lesen will gelernt sein

Naturgemäß finden sich in einem Archiv auch immer wieder alte Akten, mit denen man nicht immer sofort etwas anzufangen weiß, so auch das Kalenderbild des Monats März (Sig. 840). Ein solches Dokument sieht durch die unbekannte Schrift zunächst einmal ungewohnt aus und macht es auf den ersten Blick für uns heutzutage vermeintlich nicht zu entziffern. Durch die besonderen Schwünge und Ausprägungen der Buchstaben entsteht sogar ein eleganter Eindruck, der nicht wirklich zu den eher massiv anmutenden Formen der gebrochenen (Stempel-) Schrift passt. Um herauszufinden, was sich hinter dem Dokument eigentlich verbirgt, benötigt man Kenntnisse in Paläographie, also in der Lehre alter Schriften. Hierbei entziffert man die Wörter Stück für Stück und orientiert sich an bekannten Formen. Eine mühsame aber unerlässliche Fähigkeit, möchte man mit Quellen arbeiten.

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Die hier verwendete Kurrentschrift legt nach ihrer Transkription folgenden Inhalt dar:

 

Der Minister der geistlichen Unterrichts und Medizinal-Angelegenheiten

Berlin 10.64., den 18. August 1909

 

Nach dem daß Gesetz, betreffend die Bereitstellung von Mitteln zur Diensteinkommenßverbesserung für die unmittelbaren Staatßbeamten, zur Außführung gelangt ist, sind die Mehraußgaben zu ermitteln, welche darnach in dem nächstjährigen Staatl. Haushaltßetat einzustellen sind. Zu dem Ende sind die nach Maßgabe deß Runderlasseß vom 11. Steptember 1892-H III 2537 einzureichenden Nachweisungen über den Stand der Besoldungen am 1. Oktober 1909 auf den Mehrbedarf zu erstrecken, welcher infolge der neuen Besoldungßordnung bei dem Wohnungßgeldzuschüssen und bei den Bezügen der Diätarisch beschäftigten Beamten entstehen.

Die Nachweisungen sind dementsprechend nach der für den dießjährigen Oktobertermin anderweit vorgeschriebenen, in drei Exemplaren beigefügten Vordrucken baldigst auszustellen und für dieseß Jahr biß zum 15. September einzureichen. Indem ich noch bemerke, daß die Nachweisungen selbstredend auf die am 1. Oktober d. Jß. Fällig werdenden Gehaltß u.s.w. Zulagen zu berücksichtigen haben, mache ich den nachgeordneten Behörden die pünktliche Innehaltung deß gestellten Terminß noch besonders zur Pflicht.

Gesehen.

Aachen den 23. August 1909

Der Regierungspräsident.

An die nachgeordneten Behörden

An den Herren Rektor der Königlichen Technischen Hochschule in Aachen

 

Es handelt sich also um ein Dokument, in dem die Modalitäten eines geänderten Einkommens für Staatsbeamte und die damit verbundenen Etatänderungen thematisiert werden. So war es möglich durch paläographische Kenntnisse und ein wenig Übung ein zunächst scheinbar völlig unleserliches Dokument zu entziffern. Nach dieser beinahe detektivischen Arbeit ernüchtert der eher profane Inhalt des Dokuments unter Umständen. Doch wer weiß, was sich hinter der nächsten „unleserlichen“ Seite versteckt.

 

Anmerkung: Das in diesem Dokument vorkommende sogenannte „runde S“ gibt es heutzutage in dieser Form nicht mehr, daher wurde es in der Transkription durch ein ß ersetzt.

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Kalenderbild Februar: Von Düsenflugzeugen in Bahnhöfen und anderen Kuriositäten

9.4.5.w_CremerReutterDass selbst alte Bilder auch heute noch aktuell sind, zeigt das Kalenderbild des Monats Februar durch  das lebhafte Duo der beiden Professoren Fritz Reutter und Hubert Cremer. So ist deren Vita und ihr Wirken an der RWTH bis heute spürbar, wie zum Beispiel am Rechen- und Informationszentrum, an dessen Planung und Arbeit sie maßgeblich beteiligt waren.

Doch fangen wir einmal ein wenig früher an: Hubert Cremer war lange Jahre Professor für Mathematik am Lehrstuhl und Institut für Mathematik und Großrechneranlagen, dessen Direktor er auch schließlich am 5.9.1960 wurde. Des Weiteren war er von 1961 bis 1965 auch Leiter des Rechenzentrums und beschäftigte sich somit mit der (elektronischen) Datenverarbeitung. Seine Vorlesungen über elektronische Rechenanlagen und die damit verbundenen Kolloquien und natürlich sein Wirken außerhalb dieser Veranstaltungen sorgte in den Kreisen der Industrie und der Verwaltung für die Erkenntnis, dass die elektronische Datenverarbeitung in Zukunft in enormem Maße an Bedeutung gewinnen würde. Hubert Cremer war jedoch kein trockener Akademiker, sondern lebte auch seine kreative Seite aus, indem er Gedichte wie das folgende Verfasste:

Der Lichtblitzzug

Da mir die Erde nicht genug,

fahr ich mit Einsteins Lichtblitzzug.

Der Einstein ist der Kondukteur,

das gibt doch sicher ein Malheur.

Daß ich mich zeitlich orientir,

trag ich die Lichtuhr stets bei mir;

die Bahndammuhren gehen nicht gleich;

das ist fast wie Österreich.

Und 10 hoch 50 Meter mißt des Zuges Länge, daß Ihr’s wißt;

Er führt die Klassen 1,2,3,;

Ein Postabteil ist auch dabei.

Auch ein Speisewagen führt

Der Lichtzug mit, wie sich’s gebührt;

Doch immer komm ich hin, oh Schreck,

denn er ist 1000 Meilen weg.

In meinem Abteil fährt ganz keß

Ein Kind, behauptend folgendes:

Es führ zum Zwillingsbruder, der

Ein Großpapa und Greis schon wär.

Das All durchsausen, welch Genuß!

Ach das war Bahnhof Sirius.

Wo nimmt der Zug die Energie?

Sein Motor heißet Phantasie!

(Cremer, Hubert (1982): Carmina Mathematica. J.A. Mayer: Aachen. S.57)

Passend zu dieser Materie äußerte Cremer zu dem Architekten des neu entstehenden Rechenzentrums in den 1960er Jahren: “Sie müssen sich vorstellen, daß Sie einen Bahnhof für die erste Eisenbahn zu bauen hätten, von dem in absehbarer Zeit auch Düsenflugzeuge starten müssen” (RWTH Aachen (1967): Alma Mater Aquensis. Berichte aus dem Leben der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Essen, S.43)

Ebendiese visionäre Haltung in Bezug auf das neue Feld der Informationstechnologie prägte sein Handeln und sein Engagement an der RWTH und führte zu der Zusammenarbeit mit Fritz Reutter. Reutter, seines Zeichen Inhaber des Lehrstuhls für Geometrie und praktische Mathematik, wurde sein Nachfolger und Leiter des Rechenzentrums und wirkte auf dessen Bau und Förderung hin. Wie Cremer setzte sich auch Reutter für den Ausbau der Rechen- und Informationstechnologie an der RWTH ein und gestaltete als Vorsitzender des vorbereitenden Ausschusses für das Studium der Informatik den neu enstehenden Studiengang der Informatik wesentlich mit. Dieses Engagement beider Herren prägte die RWTH nachhaltig und war vermutlich durch ihren kreativen Geist bedingt, der sie schon früh erkennen ließ, wie zukunftsträchtig „ihre“ Technologie seien würde. Dies führte dazu, dass Reutter zum Ehrensenator der RWTH ernannt (eine bedeutsame Würde der Universität), und Cremer durch die Ehrenplakette der Hochschule in Gold geehrt wurde.