Kalenderbild September 2022: Die Staatspolizei am Bahnhof im März 1939

Das Bild unseres Jahreskalenders für den Monat September entstammt dem Nachlass der Familie Söller, welcher im Juni 2016 an das Hochschularchiv übergeben wurde. Konkret besteht dieser aus den Fotos mehrerer Alben, die Frau Söller von Ihrer Mutter geerbte hat. Diese arbeitet in den 1940er Jahren als Sekretärin im Institut für Eisenhüttenkunde. In dieser Zeit entstanden auch die meisten Fotos aus dem Besitz der Familie Söller und gewähren einen Einblick in den Alltag an der RWTH Aachen zur Zeit des Nationalsozialismus.

Bei unseren Kalendern der vergangen Jahre wurde bereits mehrmals auf die dunkelste Epoche der deutschen Geschichte Bezug genommen. So wurden einerseits Vorgänge wie der Fall Scheider/Schwerte aufgegriffen, die einer breiten Öffentlichkeit bereits bekannt sind. Anderseits wurden aber auch unbekannte Geschichten erzählt. Dazu zählt etwa die von Katharina Ruland, die sich am 26. Februar 1934 durch Ausfüllen eines Fragebogens um die Einstellung als Dozierende an der RWTH Aachen bewarb. In dem Kalenderbildbeitrag aus August 2018 wird diese Handlung Rulands in den damals allgegenwärtigen Zustand der Überwachung, Unsicherheit und (potenziellen) Verfolgung eingeordnet. 

Die “Stapo” am Bahnhof (9.5.ad)

Beim Nachlass der Familie Söller handelt es sich ebenfalls um eine noch nicht erzählte Geschichte. So zeigen einige Bilder die Weihnachtsfeier des Instituts für Eisenhüttenkunde von 1941 (Sig. 9.5_w). Auch wurde ein anderes Bild (Sig.: 9.5_c) bereits von uns auf Facebook und Instagram vorgestellt. Andere wiederum weisen einen unmittelbaren Bezug zum Nationalsozialismus auf. So sind auf der hier vorgestellten Bild Beamte der Staatspolizei am Bahnhof im März 1939 zu sehen. Wiederum auf einem anderen Bild (Sig. 9.5_s), das auf der Rückseite mit Die „Damen“ der Stapo beschriftet ist, sind mehrere Sekretärin zu sehen, die nach eigener Aussage gezwungen waren, Schreibaufträge für die Gestapo zu übernehmen. Eine dieser Frauen war die Mutter von Frau Söller, die jüdische Mitbürger anschreiben und ihnen Aufforderungen zuschickte, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu versammeln. Sie war sich vollends bewusst, was dies in Wirklichkeit bedeutete, und gab selbst an in Einzelfällen die betroffenen Personen vorab gewarnt zu haben. Dieses Verhalten zeugt davon, dass es auch in jener Zeit  Personen gab, die nicht nur an ihre eigene Sicherheit dachten, sondern bereit waren, Risiken zum Schutz ihrer jüdischen Mitbürger einzugehen.           

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