Kalenderbild Juli 2020: Der Rektor, die Studenten der RWTH und die 60er Jahre – Eine aufwühlende Kombination

Unser Kalenderbild Juli zeigt zwei Fotos von einer Störaktion sowie die Stellungnahme des damaligen Rektors, H. Opitz, zu anderen Protestaktion im Zuge der 1968er Bewegung an der RWTH Aachen.

Auf den Fotos sieht man hier eine klassische Form des Protestes, wie sie oft an den Hochschulen dieses Landes vorgetragen wurde. Mit Rufen störten Studenten die Veranstaltung. Sie forderten mit ihren bekannten Slogans „Unter den Talaren – Muff von tausend Jahren“ die Hochschulen dazu auf, sich zu entnazifizieren. Auf den Fotos ist eine Störaktion zu sehen, welche sogar so weit ging, dass die Polizei gerufen werden musste.

Störaktion im Zuge der 1968er-Bewegung an der RWTH Aachen
Quelle: Fotosammlung 8.3.1. (l.o.), 8.3.1_c (l.u.) , Akte 12013 b (r.)

Störaktion zu sehen, welche sogar so weit ging, dass die Polizei gerufen werden musste.

Doch wie wild es wirklich in der RWTH während der 1968er-Bewegung zuging, erahnt man erst, wenn man sich die Zeit nimmt, die Stellungnahme des Rektors Herwert Opitz vom 12.06.1968 durchzulesen. Natürlich machen die Fotos auf den ersten Blick einen besseren Eindruck als der schlichte schwarze Text auf weißem Papier, dennoch hat er mich persönlich mehr fasziniert.

Dieser beschreibt die gewaltsame Seite der 60er-Jahre an der RWTH. Es ist hierbei jedoch vorsichtig mit der Quelle umzugehen – Fotografien lügen seltener, Worte sind da kritischer. Es ist offensichtlich, dass die Stellungnahme des Rektors nur auf die negativen Auswirkungen seiner Widersacher eingeht. Denn das waren die Studenten, welche seiner Meinung nach protestieren. Auch wenn man versucht, die Quellen möglichst kritisch zu betrachten, muss man zugeben, dass man eine neue Ebene der Bewegung kennenlernt.

Das sogenannte „Komitee“ aus Widersachern versperrte die Türen und versuchte, gewaltbereit ihre Mitstudenten vom Eintritt in das große Hörsaalgebäude und das Reiffmuseum abzuhalten. Dabei wurde sogar einer ihrer Kommilitonen so verletzt, dass er Schnittwunden erlitt, welche teilweise genäht werden mussten. Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet. Hier wurde es also sehr ernst.

Die 60er-Jahre an unserer RWTH waren also sehr turbulent. Sie stellen eine spannende Forschungsthematik dar, mit der wir uns als Team immer wieder gerne beschäftigen. 2018 haben wir zum Beispiel im Rahmen der Ausstellung „Flashes of the Future“ im Ludwig Forum einen kleinen Teil dieser Ausstellung mit Dokumenten aus unseren Beständen mitgestaltet. Online haben wir dazu einen Ausstellungskatalog für euch bereitgestellt. Darüber hinaus bietet das Archiv zu diesem Thema viele weitere Archivalien. Also kommt gerne vorbei und stöbert selbst in unseren Beständen! 

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