Mein Praktikum im Hochschularchiv – Durchstrukturiert von A bis Z

Zu Beginn meines Praktikums hatte ich natürlich eine ungefähre Vorstellung von dem, was
mich im Archiv erwarten würde: Räume voller Dokumente, Akten und sonstige Archivalien, die
es zu verwahren, sortieren, aufbereiten und systematisch zu erfassen gilt.

Letztlich war es aber auch nur eine abstrakte Vorstellung und nochmal etwas ganz anderes
diese Räume voller Archivalien tatsächlich zu sehen, diese zum Teil sehr alten Dokumente in
den Händen zu halten, zu wissen, dass in diesen Räumlichkeiten die gesamte Geschichte der
RWTH Aachen aufbewahrt wird.
Alles in Allem beeindruckend und auch leicht überwältigend. Schließlich gilt es, all diese
Archivalien so aufzubewahren, dass sie einerseits die Zeit überdauern ohne Schaden zu
nehmen. Andererseits müssen sie so systematisch und geordnet aufbewahrt werden, sodass
sie jederzeit und ohne lange Suche wiedergefunden werden.
Das allein bedarf einer akribischen strukturellen Arbeit und Organisation. Wie akribisch diese
Arbeit tatsächlich ist, wurde mir dann aber auch erst während des Praktikums so richtig
bewusst und überstieg meine Erwartung bei weitem.

Nun war ich darüber hinaus überrascht zu erfahren, dass nicht nur die Arbeit im Archiv
dermaßen durchstrukturiert ist, sondern auch das Praktikum dort mindestens genauso
strukturiert aufgebaut ist.
Schon vor meinem ersten Praktikumstag bekam ich den Praktikantenleitfaden – eine
tabellarische Auflistung der Themen- und Aufgabenfelder, welche im Verlauf des Praktikums
absolviert werden sollten. So konnte ich mir (zu meiner Freude) nicht nur vorab einen Überblick
verschaffen, sondern behielt diesen Überblick auch während des gesamten
Praktikumsverlaufs, da diese Liste Punkt für Punkt bearbeitet und abgehakt wurde.
Aufgrund der Pandemie wurde das Praktikum zudem so aufgebaut, dass ein Teil der Aufgaben
nicht nur vor Ort im Archiv, sondern ebenso im Homeoffice erledigt werden konnten. Selbst
die Module, durch die wir Praktikanten Einblicke in die einzelnen Tätigkeitsbereiche der
Archivarbeit bekommen sollten, konnten teilweise im Homeoffice per Videokonferenz
behandelt werden.
Aufgrund des Leitfadens war immer recht eindeutig, was zu tun war – sollten dennoch
Unklarheiten aufkommen, hatte man jederzeit die Möglichkeit zur Klärung einen der
Praktikumsbetreuer bzw. Mitarbeiter des Archivs zu kontaktieren.

Kurz und knapp mein abschließendes Fazit: Wer Struktur braucht und sucht, wird im
Hochschularchiv auf allen Ebenen fündig. Und wer sein Praktikum während einer Pandemie
absolvieren will, ist hier eindeutig an der richtigen Adresse.

An dieser Stelle noch vielen lieben Dank an das gesamte Team des Hochschularchivs, dass
ich diese Erfahrung machen und für kurze Zeit ein Teil davon sein durfte!

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Ich schließe die Akte „HA/JE 2016-2022“

Seit meinem dritten Bachelorsemester war ich als studentische Hilfskraft im Hochschularchiv der RTWH Aachen eingestellt. Dies ist nun sechs Jahre her und ich habe die maximale Zeit erreicht, die man als studentische-/wissenschaftliche Hilfskraft an der RWTH beschäftigt sein kann.

Die Arbeit im Hochschularchiv ist vielfältig. Der Weg der Archivalie in das Archiv beginnt mit dem ersten Kontakt einer Abgabestelle/-person. Nachdem geklärt ist, ob und was von dem Angebot in die Bestände übernommen wird, wird ein Termin für die Übernahme vereinbart. Sind die Dokumente angekommen, werden diese verzeichnet, umgebettet und kartoniert. Unter Berücksichtigung der gesetzlich vorgegebenen Schutzfristen können die Dokumente dann den Nutzern zur Einsicht vorgelegt werden. Bei der Recherche im Archiv begleiten die studentischen-/ wissenschaftlichen Hilfskräfte die Benutzer gerne oder Übernehmen diese auch gänzlich.

Um Außenstehenden am Arbeitsalltag teilhaben zulassen, weißt das Hochschularchiv eine intensive Social-Media-Arbeit auf. Hier werden regelmäßig Beiträge rund ums Archiv gepostet. Neben diesen Aufgaben gibt es noch viele weitere.

In den sechs Jahren durfte ich mit vielen (langjährigen) Kolleg:innen eng zusammenarbeiten und den Praktikant:innen die Welt des Hochschularchivs zeigen. Dabei bleiben mir viele schöne Momente in Erinnerung. 

Es kamen aber auch einige persönliche Herausforderungen in dieser Zeit auf mich zu. Zum Beispiel konnte ich durch den regelmäßigen telefonischen Kontakt mit Nutzern und internen Stellen der RWTH meine Angst vor dem Telefonieren ablegen und sogar Freude daran entwickeln.

Ich wünsche dem ganzen Team des Hochschularchivs weiterhin eine schöne Zeit und viel Erfolg im weiteren Berufsleben.

Nun schließe ich die Akte „HA/JE 2016-2022“ und lege eine Neue an.

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Kalenderbild Oktober 2022: Postkarte aus Korneliemünster

Bei dem Kalenderbild des Monats Oktober handelt es sich um eine Postkarte von Herrn Gustav Plesslow an den Hochschulinspektor Biernath. Diese geschäftliche Mitteilung stammt vom 03.09.1949 und wurde von Korneliemünster nach Aachen verschickt. Folgendes steht auf der Karte geschrieben:

Sehr geehrter Herr Biernath!

Ich danke Ihnen für Ihre Beiträge zum Jahrbrief 1950. Mir fehlt jetzt nur noch eine Aufstellung der Plaketten, Denkmünzen, Geldpreise, Diplomen, die für ausgezeichneter Leistungen gegeben werden. Könnten Sie mir die noch verfassen?

Mit freundlichem Gruß
 bin ich Ihr Ihnen ergebener

Gustav Plessow

Herr Ernst Biernath (*15.03.1898; † 29.06.1973) war von 1949-1951 Hochschulinspektor an der TH Aachen. Anschließend war er vier Jahre Hochschuloberinspektor.

Dr. Dr. phil. habil.Gustav Plessow (*08.02.1886; † 23.03.1952) war 1941-1952 Apl. Prof. für Anglistik, Amerikanistik und Lexikographie der Technik, ebenso war dieser Leiter des Seminars für Auslandsingenieure und ab 1949 Wahlsenator.

Ob diese Auflistungen Teil des angesprochenen Jahrbriefes 1950 sind und ob diese lediglich interne Verwendung fanden ist unklar.

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Aachens Brunnen I – Brunnen der sieben freien Künste

Den auf dem Karlshof stehenden Brunnen der sieben freien Künste schuf Ottmar Hollmann 1969. Die acht Bronzetafeln bilden die sieben freien Künste (septem artes liberales) ab, ein in der Antike entstandener Fächerkanon. Die sieben freien Künste wurden in zwei Gruppen, nämlichen das Trivium (Dreiweg) und das Quadrivium (Vierweg) unterteilt. Zum Trivium gehörten die Grammatik, die Rhetorik und die Dialektik; das Quadrivium umfasste die Arithmetik, die Geometrie, die Musik und die Astronomie. Traditionell beschreibt dieser Fächerkanon die einem freien Mann zustehende Bildung; im Mittelalter galt er als Vorbereitung auf die weitergehenden Studiengänge Theologie, Jura und Medizin (https://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_freie_K%C3%BCnste).

Die Inhalte der sieben freien Künste wurden zunächst durch Kloster-, Dom- und Kathedralschulen sowie städtische Bildungseinrichtungen und freie Magister (Lehrer) vermittelt. Mit Entstehung der Universitäten wurde die sogenannte Artistenfakultät (Facultas Artium) als vierte Fakultät, neben der Theologie, dem Recht und der Medizin, in das Studium Generale (Allgemeine Studien) integriert und wurde damit zum Vorläufer der Philosophischen Fakultät. Dieser Name war zum Teil schon im 15. Jahrhundert gebräuchlich.

Die achteckige Form zitiert den Grundriss des Oktogons des Aachener Domes, welches aus der Zeit Karls des Großen stammt. Damit bezieht sich der Brunnen auch auf die Hofschule Karls des Großen (https://de.wikipedia.org/wiki/Karolingische_Renaissance#Bildung), daher fehlen die technischen Fächer.

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KulturSpur(en) im alten Regierungsgebäude – Tag des offenen Denkmals 2022

Unter dem Motto „KulturSpur – ein Fall für den Denkmalschutz“ öffnete dieses Jahr wie immer am zweiten Sontag im September das Hochschularchiv der RWTH Aachen seine Pforten für den alljährlichen „Tag des offenen Denkmals“. Unser Archiv boz wieder eine Führung durch das alte Regierungsgebäude und unsere Magazine an. Das Krimi-Motto wurde aufgegriffen durch die Ausführungen des Archivars und Geschäftsführers Dr. Klaus Graf über die nationalsozialistische Vergangenheit des Gebäudes. Zur NS-Zeit befand sich in diesem Gebäude ein Standort der politischen Polizei (Gestapo) des Terrorregimes.

Neben den Vorträgen konnten die Besucher*innen Herrn Graf auch ihre Fragen zur Geschichte des Gebäudes und zur der alltäglichen Arbeit im Archiv stellen.

Obwohl die Pandemie noch nicht ganz überwunden ist, nahmen in diesem Jahr wieder so viele Besucher an der Führung teil wie vor  Corona (etwa 50 Personen). Das Hochschularchiv der RWTH Aachen bedankt sich bei allen, die vorbei geschaut haben und freut sich schon auf das kommende Jahr.

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Kalenderbild September 2022: Die Staatspolizei am Bahnhof im März 1939

Das Bild unseres Jahreskalenders für den Monat September entstammt dem Nachlass der Familie Söller, welcher im Juni 2016 an das Hochschularchiv übergeben wurde. Konkret besteht dieser aus den Fotos mehrerer Alben, die Frau Söller von Ihrer Mutter geerbte hat. Diese arbeitete in den 1940er Jahren als Sekretärin im Institut für Eisenhüttenkunde. In dieser Zeit entstanden auch die meisten Fotos aus dem Besitz der Familie Söller und gewähren einen Einblick in den Alltag an der RWTH Aachen zur Zeit des Nationalsozialismus.

Bei unseren Kalendern der vergangen Jahre wurde bereits mehrmals auf die dunkelste Epoche der deutschen Geschichte Bezug genommen. So wurden einerseits Vorgänge wie der Fall Scheider/Schwerte aufgegriffen, die einer breiten Öffentlichkeit bereits bekannt sind. Anderseits wurden aber auch unbekannte Geschichten erzählt. Dazu zählt etwa die von Katharina Ruland, die sich am 26. Februar 1934 durch Ausfüllen eines Fragebogens um die Einstellung als Dozierende an der RWTH Aachen bewarb. In dem Kalenderbildbeitrag aus August 2018 wird diese Handlung Rulands in den damals allgegenwärtigen Zustand der Überwachung, Unsicherheit und (potenziellen) Verfolgung eingeordnet. 

Die „Stapo“ am Bahnhof (9.5.ad)

Beim Nachlass der Familie Söller handelt es sich ebenfalls um eine noch nicht erzählte Geschichte. So zeigen einige Bilder die Weihnachtsfeier des Instituts für Eisenhüttenkunde von 1941 (Sig. 9.5_w). Auch wurde ein anderes Bild (Sig.: 9.5_c) bereits von uns auf Facebook und Instagram vorgestellt. Andere wiederum weisen einen unmittelbaren Bezug zum Nationalsozialismus auf. So sind auf der hier vorgestellten Bild Beamte der Staatspolizei am Bahnhof im März 1939 zu sehen. Wiederum auf einem anderen Bild (Sig. 9.5_s), das auf der Rückseite mit Die „Damen“ der Stapo beschriftet ist, sind mehrere Sekretärinnen zu sehen, die nach eigener Aussage gezwungen waren, Schreibaufträge für die Gestapo zu übernehmen. Eine dieser Frauen war die Mutter von Frau Söller, die jüdische Mitbürger anschreiben und ihnen Aufforderungen zuschickte, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu versammeln. Sie war sich vollends bewusst, was dies in Wirklichkeit bedeutete, und gab selbst an, in Einzelfällen die betroffenen Personen vorab gewarnt zu haben. Dieses Verhalten zeugt davon, dass es auch in jener Zeit  Personen gab, die nicht nur an ihre eigene Sicherheit dachten, sondern bereit waren, Risiken zum Schutz ihrer jüdischen Mitbürger einzugehen.           

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Kalenderbild August 2022: Aachen und seine Gärten

„Liebes Lenchen!“, so beginnt die Nachricht auf der Postkarte (Sig.: 9.3.h), die auch unser Kalenderbild für den Monat August 2022 stellt. Weiter lautet die Nachricht:

„War gestern gut wieder hier angekommen. Hoffe bis heute noch viel Schlaf nachzuholen. Verbleibe Dir mit den besten Grüßen – der Ewald“

Bei wem es sich um „Lenchen“ oder „Ewald“ handelt oder in welcher Beziehung sie zueinanderstanden, ist uns leider nicht bekannt. Datiert ist die Postkarte vom Verfasser selbst auf den 14. Mai. Das Jahr 1913 verrät uns noch der Poststempel.  

Vorderseite der Postkarte
Rückseite der Postkarte

Das Postkartenmotiv zeigt den Eingang des Hauptgebäudes, welcher für uns heute fremd wirkt. Auf der Treppe zum Eingang befinden sich links und rechts Sockel mit Straßenlaternen. Umgeben ist der Eingangsbereich von mehreren Bäumen und Sträuchern. In diesem „Garten der Technischen Hochschule“, so betitelt ihn die Postkarte selbst, befinden sich zudem mehrere Sitzgelegenheiten in Form von Bänken.

Im Hintergrund steht eine Art Brunnen, welcher geziert ist von einem Piedestal mit Bürste. Bei diesem Brunnen handelt es sich um das „Intze-Denkmal“. Otto Adolf Ludwig Intze war von 1895 bis 1898 Rektor der Hochschule. Zuvor unterrichtete der Professor für Wasserbau, Baukonstruktion und Baustofflehre auch an der selbigen. Besonderen Einfluss genoss Intze auch außerhalb der Hochschule. Nach seinen Forschungserkenntnissen wurden auch noch weit nach seinem Tod im Jahre 1904 Wasserhochbehälter wie Talsperren erbaut. 

Übrig geblieben ist weder etwas vom Denkmal noch vom Garten. Wann genau das Denkmal und der „Garten“ weichen mussten, ist uns nicht bekannt. In Abgleich mit anderen Postkarten bestand der Garten jedoch mindestens bis in Jahre 1921.

Spurlos verschwunden ist Otto Intze aus Aachen jedoch nicht. Noch heute sind eine Straße nahe dem Hauptgebäude und ein Studierendenwohnheim nach ihm benannt.

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Kalenderbild Juli 2022: Die RWTH und ihre „Türme“

Im Jahre 1962 beschloss das Studierendenwerk, gemeinsam mit der Stadt Aachen, dass es an der Zeit war neuen Wohnraum für die inzwischen ca. 10.000 Studierenden der RWTH Aachen zu schaffen. Am Fuße des Lousbergs, an der Rütscher Straße, sollten vier Türme gebaut werden, die Platz für über 900 Studenten bieten. Es dauerte nur drei Jahre, bis der erste Turm am 1. Mai 1965 eröffnet und bezogen werden konnte: das Otto-Petersen-Haus steht nun schon seit 57 Jahren. 

schwarz-weiß Fotografie der Türme, 1963-67
(Fotosammlung 2.2.3 c)

Es dauerte nicht lang, bis auch die anderen Türme eröffnet wurden. Bereits 1966 konnte das Otto-Intze-Haus bezogen werden, 1968 folgten dann das Theodore-von-Kármán-Haus und das Walter-Eilender-Haus.

Aber woher haben „die Türme“ oder „Walter, Theodore und die zwei Ottos“, wie die Gebäude liebevoll von ihren Bewohnern genannt werden, ihre Namen? Alle vier Wohnanlagen wurden nach einflussreichen Personen, die einen Bezug zur RWTH Aachen haben, benannt. 

Otto Petersen (1874-1953) war ein deutscher Eisenhüttenmann und promovierte im Jahre 1906 an der RWTH. 1917 wurde er dann zum Hauptgeschäftsführer und Schatzmeister des Vereins deutscher Eisenhüttenleute ernannt. Er erhielt eine große Anzahl an Auszeichnungen und Titeln, wodurch die Entwicklung des deutschen Eisenhüttenwesens bis heute mit dem Namen Otto Petersen verbunden sind. Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges unterstützte Petersen die NSDAP und wurde zum „Wehrwirtschaftsführer“ und „Leiter der Hauptgeschäftsführung des Hauptringes Eisenerzeugung“ beim Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion ernannt. Aufgrund seiner Kooperation mit den Nationalsozialisten wurde ihm 1948 das passive Wahlrecht entzogen.

Otto Intze (1843-1904) war ein deutscher Bauingenieur und lehrte als Professor für Wasserbau, Baukonstruktion und Baustofflehre an der RWTH Aachen. 1895-98 war er Rektor der RWTH. Während seiner Zeit an der Universität erhielt Intze eine große Anzahl an Ehrungen und Preisen. So wurde ihm beispielsweise von Kaiser Wilhelm I. im Jahre 1884 der „Rothe Adlerorden“ verliehen. Unter seiner Rektoratszeit wurden einige wichtige Veränderungen der Hochschulordnung verzeichnet, wie zum Beispiel die Verleihung des Promotionsrechts.

Theodore von Kármán (1881-1963) war ein ungarisch-amerikanischer Physiker und Luftfahrttechniker und leitete ab dem Jahre 1913 das Institut für Aerodynamik der RWTH Aachen. 1926 erhielt er eine Einladung, beim Aufbau eines Aerodynamischen Instituts am California Institute of Technology zu helfen. 1919 übernahm er dann die Leitung des „Guggenheim Aeronautical Laboratory“ und pendelte seitdem zwischen Aachen und den USA. Mit der Machtübernahme der NSDAP im Jahre 1933 zog sich Kármán aus Deutschland zurück und blieb bis 1949 Direktor des „Guggenheim Aeronautical Laboratory“. Bis heute gilt Theodore von Kármán als Pionier der modernen Aerodynamik und der Luftfahrt- und Raketenforschung. Er war (Ehren-) Mitglied in 41 wissenschaftlichen Gesellschaften in zwölf verschiedenen Ländern. Die Ehrendoktorwürde wurde insgesamt 28-mal an ihn verliehen.

Walter Eilender (1880-1959) war ein deutscher Metallurg und leitete das Institut für Eisenhüttenkunde und Gießerei der RWTH.  Unter anderem wurde er im Oktober 1928 zum Direktor der Fakultät für Stoffwirtschaft, Fachabteilung Hüttenkunde befördert. Diese zählte zu seiner Zeit zur größten und renommiertesten Abteilung in Deutschland. Mehr als die Hälfte aller Hüttenkundler absolvierten ihr Studium an der TH Aachen.

Aber wie lebt es sich in den Türmen? 

Jeder Bewohner bekommt ein 12m² großes Zimmer, Küche und Bad werden mit den Mitbewohnern derselben Etage geteilt. Schon früh haben sich die Türme auf ihre studentischen Einwohner eingestellt. So wurde bereits in den 90ern in alle Häuser ein Internetanschluss verlegt, damit der Gang zur Bibliothek erspart werden konnte. Und auch auf das Zusammenleben wurde wertgelegt. In der Motorbar, die seit 1967 im Otto-Petersen-Haus zu finden ist und von den Studenten selbst betrieben wird, kommen die Bewohner seit nun fast 50 Jahren einmal die Woche zusammen, um gemeinsam zu trinken, zu spielen oder einfach Zeit zu verbringen. „Die Türme“ haben ebenfalls eine gemeinsame Facebook-Seite, auf der alle Informationen über bevorstehende Veranstaltungen zu finden sind. 

Für weitere Informationen über das Zusammenleben in den Türmen lohnt es sich, die Kurzdokumentation vom WDR mit dem Titel „Trautes Heim“ aus den späten 90ern zu schauen. 

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Kalenderbild Juni 2022: Otto Gruber und seine Aquarelle

Am 16. Mai 1953 eröffnet die Fachabteilung der Architektur im Reifmuseum eine ganz besondere Ausstellung: das „Lebenswerk Otto Grubers“. Zu sehen waren Baufotografien, Skizzen, Zeichnungen und auch Aquarelle. Das Kalenderbild Juni war eines dieser Aquarelle. Es stellt sich nun die Frage: Wer war Otto Gruber und was machte diese Ausstellung so besonders?

Blumenaquarell von Otto Gruber (Signatur: G 12)

„Otto Gruber“ ist eigentlich Professor Dr. Ing. Dr. E.h. Otto Gruber. Der Beginn seines wissenschaftlichen Werdeganges befand sich an der TH München. An dieser begann er im Oktober 1903 sein Studium der Architektur, welches er im März 1907 an der TH Karlsruhe beendete. Gruber blieb dieser Universität lange Zeit verbunden. Hier promovierte er 1914 zum Thema „Überlinger Profanbau des 15. und 16. Jahrhunderts“ und schloss daran 1919 seine Promotion zum Thema „Oberdeutsche Bauernhaustypen – ihre geschichtliche Entwicklung und Stammeszugehörigkeit“ an. Später lehrte Gruber an dieser Universität. Erst als Privatdozent, später als ordentlicher Professor. 1928 führte ihn sein Weg schließlich nach Aachen. Ein Jahr nach Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er dann Rektor – ernannt durch das Reichserziehungsministerium.

In dieser Funktion trieb er die „Gleichschaltung“ der Hochschule voran und unterstütze damit die Terrorherrschaft des NS-Regimes. Seine positive Einstellung zum NS-Regime fand sich bereits in seiner Antrittsrede wieder. Gruber war dabei angeblich nie selbst Mitglied der NSDAP. Von 1936-1944 soll er nur ein „Anwärter“ auf eine Mitgliedschaft gewesen sein.

Den Einfluss der NSDAP stütze er an seiner Hochschule durch die Ernennung von Parteimitgliedern zu Dekanen. Zu diesen Personen zählt unter anderem Herwart Opitz. Dieser war neben seiner NSDAP-Mitgliedschaft auch SA-Mann. Seit 1933 richtete er seine Forschungsarbeit auf die deutsche Rüstungsindustrie aus. In seiner Funktion als Leiter des Werkzeugmaschienenlaboratoriums (WZL) ab 1936 richtete er auch dieses Institut nach diesem Ziel aus. (Einen Beitrag zu Herwart Opitz von unserer ASTA findet ihr hier: https://www.asta.rwth-aachen.de/projekte/mahnmale-der-rwth/opitz/)

Neben Grubers Tätigkeit an der RWTH im Dienste des nationalsozialistischen Staates brachte er sich auch außerhalb seiner Rektorenstellung für das Regime ein. Er war dabei Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, dem Reichskriegerbund und weiteren NS-Organisationen. 1936 gründete er selbst die „Mittelstelle für Heimatschutz“. Diese Tarnorganisation der nationalsozialistischen Außenpolitik war unter anderem in Belgien und den Niederlanden aktiv.

Im September 1937 wurde Gruber von Alfred Rosenberg, dem Chefideologen der NSDAP, im Auftrag des Führers zu einer „Kulturtagung“ eingeladen. Der Führer lud ihm im selben Monat ein, dem Empfang des faschistischen Ministerpräsidenten Mussolini in München beizuwohnen. 1938 wurde Gruber in seiner Rolle als Rektor durch Alfred Bruntu abgelöst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Untergang des NS-Regimes stimmte die Militärregierung in Aachen seiner Wiedereinstellung zu. Am 30. Oktober 1947 erfolgte die Ausstellung eines „Entlastungszeugnis“ (Clearance Cerfiticate) durch die Militärregierung. Solche Prozesse der „Entnazifizierung“ waren nicht unüblich: Herwart Opitz, der von Gruber ernannte Dekan und Nationalsozialist, konnte sich nach zwei Anläufen seine Entnazifizierung durch die Militärregierung bestätigen lassen. Opitz wurde später noch Rektor der RWTH (1967-1969).

 Gruber verstarb vier Jahre nach der Ausstellung seines Lebenswerkes im Alter von 74 Jahren. Weitere seiner Aquarelle könnt ihr auf unseren Social Media- Kanälen sehen z. B. hier https://www.instagram.com/p/CcFa0lgIYh-/ oder hier: https://www.instagram.com/p/CX-4m-8Iu4M/.

Quelle:

Datenbank Bundesarchiv zu Otto Gruber: https://www.bundesarchiv.de/nachlassdatenbank/viewresult.php?sid=874c9be628649e857b0d

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Die Sache mit den Schutzfristen… – Teil 2

Vor Kurzem haben wir unsere interne Grafik für die Schutzfrist von Personalakten aktualisiert und wollten euch diese nicht vorenthalten.
Diese Grafik kommt bei uns innerhalb des Praktikanten-Moduls Archivrecht zum Einsatz und soll das Gesetz zur personenbezogenen Akte nach dem ArchivG NRW veranschaulichen.

Allgemein gelten bei personenbezogenen Dokumenten folgende Schutzfristen, die sich von der urheberrechtlichen Schutzfrist unterscheiden:

▪ 10 Jahre nach dem Tod

▪ 100 Jahre nach der Geburt (falls das Todesdatum unbekannt ist)

▪ 70 Jahre nach Entstehung (falls sowohl das Todes-, als auch das Geburtsdatum unbekannt sind)

Je nach Akteninhalt gibt es noch andere Fristen und Aspekte die beachtet und eingehalten werden müssen.

Grafik Schutzfrist Personalakte

In unserer Grafik beginnt die Laufzeit der PA (=Personalakte) im Jahr 1985. Die Person im Beispiel ist im Jahr 2010 verstorben. Die PA wäre also 2020 einsehbar, da hier das Todesdatum bekannt ist und die Schutzfirst nach 10 Jahren endet. Hätten wir diese Information nicht, wäre die Akte bis 100 Jahre nach der Geburt gesperrt. Da wir dieses nicht in unserem Beispiel gegeben haben und die Frau des Verstorbenen im Jahr 2012 noch einen Nachruf der PA hinzugefügt hat, gehen wir von 30 Jahre nach dem letzten Eintrag in der PA aus. Die PA in diesem Beispiel unterliegt demnach im Jahr 2042 keiner Schutzfrist mehr und darf eingesehen werden.

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