Ein Praktikum, auch noch im Archiv?

Ein guter Freund von mir hat einmal, nach einigen Wirrungen, ein Studium der Geschichtswissenschaften in Bonn begonnen. Was ich davon gesehen habe war zwar interessant, aber am Ende der Gespräche blieb immer eine Frage: was macht man damit? Archäologe, Bibliothekar, Archivar, etc, die Auswahl ist breit gefächert. Nichts davon war das, was mein Freund sich erhofft hatte. Gerade ein Archivar wollte er nicht werden, zu langweilig, zu weit ab von dem was irgendwie erfüllend wäre. Damals musste ich ihm zustimmen, auch ich konnte mir nicht vorstellen wie dieser Beruf auch nur entfernt Spaß machen könnte. Den ganzen Tag in etwas verbringen das wir uns als eine Mischung aus Besucherloser Bibliothek und einstaubendem Museum vorstellten. Deshalb war ich zuerst etwas skeptisch als mir von Kommilitoninnen ein Praktikum im Hochschularchiv der RWTH vorgeschlagen wurde. Aber Pflichtpraktikum ist Pflichtpraktikum und wenn Freunde das sagen muss ja wohl etwas dran sein, oder? Also habe ich die Bewerbung losgeschickt und einen Vorstellungstermin absolviert. Noch war ich skeptisch, würde ich diesmal mehr tun als nur einzuscannen? Spoiler: es heißt digitalisieren und gehört auch dazu. Aber fangen wir vorne an. Der frisch gebackene Praktikant im Hochschularchiv ist keine reine Kaffeemaschine. Anhand von Modulen bekommt man schrittweise beigebracht wie die Archivarbeit funktioniert und was es alles zu tun gibt. Hat man erklärt bekommen was es wie zu tun gilt kann man loslegen. Sie oder er darf Anfragen bearbeiten, Archivalien umbetten und Bestanderhaltung durchführen, Recherchieren, Digitalisieren, Korrekturlesen, Bestände verzeichnen und in der Öffentlichkeitsarbeit mitwirken. Alles unter dem wachsamen Auge der Mitarbeiterinnen, die stets für Fragen offen sind und weiterhelfen wo es nur geht, Korrekturlesen und selbst beim vierten Mal nachfragen nur leicht genervt sind. Zusätzlich lehrt Dr. Graf noch weitere theoretische Kompetenzen wie Urheberrecht, Paläographie oder Archivrecht. Es ist eine unerwarteterweise sehr abwechslungsreiche Arbeit bei der man abends immer wieder das Gefühl hat, wirklich etwas geschafft zu haben. Seien es nun einige hartnäckig Tackernadelverseuchte Akten aus der Nazizeit die man erfolgreich vor der Verschmutzung durch Rost bewahrt und in neue Umschläge umgebettet hat, oder eine besonders komplizierte Anfrage auf die man kurz vor dem Aufgeben doch noch eine zufriedenstellende Antwort geben konnte. Erwähnenswert ist auch die Atmosphäre. Wo man als Praktikant in einem Unternehmen immer nur ein Besucher ist, sich an den Zuständigen hängt und still seine kleine Beschäftigungstherapie abarbeitet; ist man im Hochschularchiv schnell ein wichtiger Teil des Teams. Vorschläge werden aufgenommen, Meinungen erfragt und Arbeit wertgeschätzt. Nachdem ich nun über einen Monat im Hochschularchiv verbracht habe muss ich sagen: so langweilig wie erwartet ist der Beruf des Archivars eindeutig nicht. Wer ein Interesse an Geschichte und alten Texten hat wird sich im Archiv gut aufgehoben fühlen. Sig 122b Deutsche Universitätszeitung 1949 Seite 7 -geschnittenSig 122b Deutsche Universitätszeitung 1949 Seite 15 -geschnitten                                             Bildsignaturen: Sig.122b. Aus der Deutschen Universitätszeitung (4. Jahrgang, Nr. 23; Veröffentlicht am 2. Dezember 1949)

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Another day at the archive

Es scheinen sich fast schon Generationen von Praktikanten an der Türschwelle des Hochschularchivs die Klinke in die Hand gedrückt zu haben. Gesellschafts- aber auch Literatur- und Sprachwissenschaftler, die noch auf der Suche nach dem obligatorischen Pflichtpraktikum sind, werden hier am Hochschularchiv fündig. Nun geht auch meine Zeit hier zu Ende und meine letzte Aufgabe ist es, meine Erlebnisse hier archivgerecht niederzuschreiben. Die Klischees übIMG-20181116-WA0000er das Archiv sind natürlich allgegenwärtig. Staubtrocken, dröge und langweilig. Dies wird jedoch jeder verneinen, der schon mal am Hochschularchiv tätig war. In der täglichen Arbeit mit den Akten, Bildern und Dossiers begegnen euch nicht nur die Einflüsse der NS-Diktatur (z.B. bei der Entlassung des jüdischen Luftfahrttechnikers Theodore von Kármán), sondern auch der Studentenbewegung 1968 auf das Zusammenleben der RWTH. Geschichtliches Interesse kommt hier natürlich auch zu Gute. Aber nun zu den Aufgaben während des Praktikums. In sogenannten Modulen sollen vielfältige Aufgaben abgeschlossen werden, um einen zu abwechslungsarmen Arbeitstag zu verhindern. Dazu gehören nicht nur Aufgaben wie das Verzeichnen (Einpflegen von Archivmaterial in das Computerprogramm Midosa), oder das Umbetten, bei dem Akten neu abgeheftet werden (keine korrodierten Büroklammern!). Ebenso häufig kommen Anfragen an das Hochschularchiv. Privatpersonen suchen nach Freunden und Verwandten oder Historiker suchen nach Informationen für ihre wissenschaftlichen Arbeiten. Das Team des Hochschularchivs leistet hier viel Unterstützung. Doch es geht nicht nur um Aufgaben, die streng als Archivarbeit bezeichnet werden können, sondern auch um Öffentlichkeitsarbeit. Im Netz gilt es, den Klischees des Archivs entgegenzuwirken. Dazu gehören nicht nur die veröffentlichten Bilderfreitage und Kalenderbilder, sondern auch die Pflege der sozialen Netzwerke. Erst seit kurzer Zeit sind wir auch bei Instagram  zu finden. Lasst also ein Like und ein Abo da. ;) Aber es blieb nicht nur beim praktischen Arbeiten, auch die Theorie kommt im Hochschularchiv nicht zu kurz. Mit dem Geschäftsführer und Archivar Herrn Graf absolvieren die Praktikanten Module, die theoretisches Hintergrundwissen vermitteln sollen. Thematisch geht es hier z. B. um den Konflikt zwischen Informationsfreiheitsgesetz und des Archivgesetzes. An dieser Stelle bleibt mir nur noch mich bei den Mitarbeitern hier zu bedanken, die mich so freundlich aufgenommen haben. In dem Sinne sei allen verzweifelt nach Praktika suchenden Menschen das Hochschularchiv empfohlen.

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Kalenderbild zum Monat November: Senatsfeier

Nicht wenige Studierende beklagen sich immer wieder über die überbordende Bürokratie an Hochschule. Formulare müssen fristgerecht in einem unbekannten Gebäudekomplex eingereicht, Anmeldungen zu Veranstaltungen durchgeführt und der BAföG-Antrag inklusive mehrseitigem Anhang abgegeben werden. Dennoch muss eine große Organisation wie die RWTH Aachen auf einen großen Verwaltungsapparat zurückgreifen, um einen möglichst reibungslosen Ablauf für Studierende, sowie die Angestellten an der Universität zu gewährleisten.

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Sig. 11.2 g

Zu den Aufgaben des Senats gehört die Selbstverwaltung der Hochschule und gibt Empfehlungen an das Rektorat. Dazu gehören z.B. der Haushaltsplan für die weitere Entwicklung der Hochschule und Stellungnahmen zu den pro Semester einmal durchgeführten Evaluationen zur Lehre. Gerade an einer technischen Hochschule ist eine solche Kooperation mit der Wirtschaft sinnvoll. Selbstständige Entscheidungen kann der Senat nicht treffen bis auf den Beschluss zur Verleihung von akademischen Ehrungen. Das führt uns zu dem Kalenderbild des Novembers, das lediglich den Titel „Senatsfeier“ trägt, ohne dass der Anlass erläutert wird.

Auch wenn der Anlass der Feier nicht bekannt ist, sind die Kleidungen der vordersten drei Personen bemerkenswert. Talare gelten seit dem Mittelalter als ein gängiges Kleidungsstück von Professoren. An den Farben des Gewandes lässt sich die jeweilige Fakultät ableiten, da jedoch die Hochschulen keinen einheitlichen Farbkanon verwendeten, ist auch die Zuordnung der Farben zu den Fakultäten auf dem Bild nicht möglich.

Zu den besonderen Anlässe, zu denen der Senat zu einer Feier zusammenkommt, gehören die Würdigung besonderer Leistungen in Forschung und Lehre von Persönlichkeiten der Hochschule. Der Titel des Ehrensenators gilt als höchste Auszeichnung, die eine Universität vergeben kann. Besonderes Engagement von Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und von Stiftungen wird ebenso oftmals mit dieser besonderen Ehre ausgezeichnet. Wer jedoch aus welchem Grund in diesem Bild geehrt wird, geht aus dem Bild nicht hervor. Nicht nur die Kleidung, sondern auch das Ambiente, das mit Blumen reich geschmückt wurde, weist auf eine besondere Feier hin. Ein ebenso in einem Talar gekleideter Mann hält im Bild mittig eine Rede an einem reich mit Blumen ausgestatteten Pult. Dies lässt den Schluss zu, dass diese Veranstaltung zu einer Ehren gehalten wird.

Seit dem Beginn der Studentenrevolten Ende der 1960er Jahre wurde der Talar abgeschafft. Berühmtheit erhielt ein Transparent von den Asta-Vorsitzenden Detlev Albers und Gert Hinnerk Behlmer mit der Aufschrift „Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren“. Eine Anspielung auf die aus Sicht der oben genannten Akteure fehlende Aufarbeitung des Nationalsozialismus bei der Professorenriege. Aufgrund dessen lässt sich das Bild zumindest zeitlich grob einordnen. Ob bei dieser Senatsfeier an der RWTH ebenfalls Studierende gegen die Professoren protestierten, ist hingegen unklar.

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NAFF zu Gast im Hochschularchiv

Vor zwei Wochencollage hat das Hochschularchiv erneut seine Türen für eine Führung durch die Magazine geöffnet. Gemeinsam mit der wissenschaftlichen Leiterin des Hochschularchivs, Frau Dr. Christine Roll haben wir den interessierten Frauen des Netzwerk Aachener Führungsfrauen (NAFF) Eindrücke in den Archivalltag vermitteln können. Außerdem konnten wir diesen unsere Ausstellungsstücke aus der Ausstellung „Frauenstudium im Wandel der Zeit – kleine Einblicke in die Geschichte der RWTH“, welche wir von Juli bis August im Internationalen Zeitungsmuseum Aachens ausgestellt hatten, vorzeigen und diese genauer in persönlichen Gesprächen erläutern. Wir haben uns sehr gefreut Teil dieses Rahmenprogramms sein zu dürfen und bedanken uns für die vielen interessierten Fragen und positiven Rückmeldungen.

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Kalenderbild zum Oktober: Glückwunschschreiben von E. Baronetzky, Rektor der staatlichen Ingenieursschule für Textilwesen, an Herrn Schwerte, Rektor der Rhein.-Westf. technische Hochschule Aachen, zum 100jährigen Bestehen der RWTH Aachen

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S025

Aachen, den 16.10.1970

Magnifizenz,

Wenn eine kleine Institution wie die Staatliche Ingenieursschule für Textilwesen Aachen am heutigen Tage einer großen Ausbildungsstätte wie der RWTH Aachen zu ihrem 100 jährigen Bestehen gratuliert, so tut sie das in dem Bewusstsein, sich dieser Ausbildungsstätte aus Tradition besonders verbunden zu fühlen. War das Bestehen der Textilingenieursschule doch letzlich der Grund, dass hier in Aachen …

Zu sehen ist die Vorderseite des handgeschriebenen Briefes, welche mit einer Stadtansicht der Stadt Aachen in schwarz-weiß verziert ist. Der Briefkopf ist ein Abdruck eines Kupferstiches des Künstlers Matthäus Merian d. Ä. und zeigt detailliert die Stadt Aachen und ihre Umgebung. Schaut man sich als Betrachter das Bild genauer an, scheint es so, als ob der Betrachter auf einem nahegelegenen Hügel steht und auf die Dächer der Stadt sowie die bewirtschafteten Felder vor den Toren der Stadt Aachen herunterschaut. Die Umgebung der Stadt sowie die Bauern, Reisenden und Händler sind eher schemenhaft und undeutlich erkennbar und fallen im Gesamtbild kaum auf. Die Stadt selbst ist deutlich detaillierter abgebildet, was durch die unterschiedlich gemusterten Hausdächer und die detailgetreue Abbildung von Dom und Rathaus deutlich wird. Dom und Rathaus fallen durch ihre Größe im Gesamtbild auf, da beide im Zentrum der Stadt über alle Gebäude hinausragen. Achtet man auf die Stadtmauern und den Graben, kann man sich herleiten in welchem Jahrhundert die Stadt Aachen auf dem Bild abgebildet worden ist. In diesem Fall ist auch der Künstlername Matthäus Merian eine große Hilfe, da dieser um 1642 deutsche Städte als Kupferstiche abgebildet hat. Durch diese Erkenntnisse kann man sagen, dass dieses Bild der Stadt Aachen zwischen 1642 und 1650 entstanden ist. Achtet man auf die beiden Buchstaben in der oberen Mitte des Bildes, kann man erahnen, dass dort das Wort Aachen als Beschreibung des Bildes stehen soll. Der beidseitig handbeschriebene Brief ist von Egon Baronetzky, Rektor der staatlichen Ingenieursschule für Textilwesen verfasst worden, welcher Hans Schwerte, dem Rektor der RWTH Aachen für das 100-jährige Bestehen der RWTH Aachen gratuliert. Auf der zweiten Seite des Briefes lobt er das Verhältnis beider Institute zueinander und für die Region Aachen. Er hofft, dass sich die Zusammenarbeit in Zukunft verstärken und die beiden Institute noch lange miteinander arbeiten werden. Aus den Glückwünschen und dem Datum des Briefes kann man darauf schließen, dass die RWTH Aachen im September 1870 gegründet worden ist. Neben diesem Brief gibt es weitere Briefe und Telegramme mit Glückwünschen von allen Universitäten, mit denen die RWTH zu dieser Zeit Kontakt hatte. Teilweise sind diese Briefe Rückmeldungen auf die versendeten Anfragen für die Teilnahme an der 100-Jahr-Feier vom 14.10.1970 bis 16.10.1970.

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Erlebnis Entheften: Praktikumsbericht

20180928_143410Um als Geschichtsstudent einen Einblick in einen Beruf außerhalb der Lehrerlaufbahn kennenzulernen, absolvierte ich am Hochschularchiv der RWTH Aachen ein vierwöchiges Praktikum. Hierauf bin ich durch das Programm „Erlebnis Archiv“ aufmerksam geworden, das vom Landschaftsverband Rheinland ins Leben gerufen wurde. Es ermöglicht Studierenden insbesondere der Geschichtswissenschaft einen unkomplizierten Weg in ein Praktikum in einem Stadt-, Hochschul- oder Wirtschaftsarchiv.

Die Praktikanten des Hochschularchivs werden anhand eines Leitfadens, der praxisorientiert Einblick in alle relevanten Aufgabenkomplexe, die im Archiv anfallen, gibt, durch ihr Praktikum geführt. Neben praktischen Tätigkeiten enthält dieser theoretische Module, die durch den Archivar, Herrn Dr. Klaus Graf und die Mitarbeiterinnen, geleitet werden und die in wichtige Hilfsmittel und rechtliche Grundlagen der Archivarbeit einführen.

Die anfallenden Aufgaben enthalten naturgemäß relativ viel bürokratische Arbeit am Computer, die Arbeit mit EDV-Programmen ist aber nur ein Teil der Arbeit. Als Geschichtsstudent hat mich insbesondere das sogenannte Umbetten begeistert. Es ist zentral für die ordnungsgemäße Erhaltung der Archivbestände. So müssen zum Beispiel Heftklammern der Originalakte entfernt werden, damit die Dokumente nicht durch Rost angegriffen werden, denn die Archivalien sollen bestenfalls für die Ewigkeit im Archiv verbleiben und zugänglich sein. Das Interessante ist hier aber nicht der handwerkliche Teil der Arbeit, sondern der inhaltliche Zugang zu den Dokumenten. So bergen Bewerbungsunterlagen, die kurz nach Wiederaufnahme des Hochschulbetriebs nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, Informationen über stark durch den Krieg und die NS-Zeit geprägte Schicksale, über Mitläufer, Täter und Opfer und über die schweren Jahre des Neubeginns, die immer wieder, in jedem Lebenslauf, den man vom Rest der Bewerbung „entheften“ muss, aus einer anderen Perspektive beleuchtet werden. Man arbeitet in diesem Aufgabenfeld also unmittelbar an der Quelle und kann seine Fähigkeiten im wissenschaftlichen Schreiben durch die Öffentlichkeitsarbeit des Archivs erweitern, indem man eine Quellenkritik für interessante Dokumente verfasst und im Onlineauftritt des Archivs veröffentlicht.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der abwechslungsreichen Arbeit im Archiv. Alle Studierenden, die an einem Praktikum im Hochschularchiv interessiert sind, empfehle ich, weitere Praktikumsberichte zu lesen, um auch andere Aufgabenbereiche der Praktikanten näher kennenzulernen. Ich kann die Absolvierung eines Praktikums im Archiv auch ans Herz legen, weil das Arbeitsumfeld sehr angenehm ist. Die Arbeitszeiten sind relativ flexibel und Anregungen und Wünsche kann man mit den Mitarbeiterinnen auf Augenhöhe besprechen, sodass man sich als Teil eines Teams fühlt, in dem man seine Fähigkeiten sinnvoll einbringen kann.

Bei Herrn Dr. Graf und den Mitarbeiterinnen des Archivs möchte ich mich zuletzt in aller Form dafür bedanken, in das Berufsfeld „Archivar“ in einer so angenehmen Atmosphäre eingeführt worden zu sein.

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Unsere Bibliothek hat Zuwachs bekommen:

BrancoDas Buch „Wilhelm Branco (1844-1928)- Geologe- Paläontologe- Darwinist. Eine Biografie“ von Winfried Mogge ist ab sofort bei uns erhältlich. Wer immer schon etwas über Wilhelm Branco wissen wollte, ist mit diesem Buch gut beraten. Wie der Titel schon verspricht, war Branco ein vielseitig interessierter und engagierter Wissenschaftler. Winfried Mogge beleuchtet dabei sowohl sein Privatleben als auch seine verschiedenen wissenschaftlichen Einsatzfelder. Auf dem Foto ist außerdem unsere Karteikarte zu ihm abgebildet und ein Vorlesungsverzeichnis, wo erwähnt wird, dass er 1881 an unsere Universität berufen wurde. Unter folgendem Link könnt ihr euch schon mal einen Überblick über ihn und seinen Werdegang verschaffen: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Branca.

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Tag des offenen Denkmals 2018

CollageWir bedanken uns bei den zahlreichen Teilnehmern unserer Führung zum Tag des offenen Denkmals. Gestern Nachmittag durften wir, wie jedes Jahr, einen Beitrag zum Tag des offenen Denkmals leisten. Unter dem Motto „Entdecken was uns verbindet“ informierten wir über die Geschichte des Gebäudes und das Archivwesen mit all seinen Facetten. Wir haben für euch einige Eindrücke zusammengestellt, die ihr euch gerne anschauen könnt. Bei Interesse könnt ihr gerne nächstes Jahr dabei sein!

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Kalenderbild September: Was das Hochschularchiv mit der Separatistenbewegung verbindet

Sig. Hochschularchiv - Kriegerdenkmal

Sig. Hochschularchiv – Kriegerdenkmal

Wenn man sich auf den Weg in das Hochschularchiv begibt, dann begegnet man dem obenstehenden Kriegerdenkmal prominent im Treppenhaus. Doch was genau steckt hinter diesem Denkmal?

Zuerst einmal sollte man festhalten, dass dieses Denkmal mittels des Spruches „Aus der Nacht unserer Gräber erwachse als Frucht des Opfers der Friede“ auf im Separatistenaufstand des Jahres 1923 getötete Polizisten verweist. Das Kriegerdenkmal erinnert jedoch nicht rein ausschließlich an die während des Separatistenaufstandes getöteten Polizisten; es soll zusätzlich die Erinnerung an die acht im Ersten Weltkrieg gefallenen Regierungsbeamten des ehemaligen Regierungsgebäudes wachhalten. Darüber hinaus kommt diesem Denkmal eine noch weitere Bedeutung zu: Es soll ebenfalls an die Naziopfer und Gefallenen des Zweiten Weltkrieges erinnern, wie die linke Tafel anzeigt („1939-1945 unseren Toten zum Gedächtnis“). Der Kopf des Soldaten, der oberhalb angebracht ist, unterstreicht hierfür die sowohl martialische, als auch heldenhafte Symbolik des Denkmals.

Der Separatistenaufstand des Jahres 1923 ist eine Nachwehe des Ersten Weltkrieges und steht in einem engen Zusammenhang mit dem Begriff der Rheinischen Republik. Darunter fasst man die Bestrebungen, einen eigenen Staat im Rheinland zu gründen. Dies geht auf die harten Restriktionen des Versailler Vertrages des Jahres 1919 zurück. Die linksrheinischen Gebiete wurden seit 1919 von belgischen, französischen und britischen Truppen besetzt. Aachen selbst befand sich bereits 1918 unter französischer als auch belgischer Besatzung, wobei die französische Besatzung bereits im Jahre 1920 endete, während die belgische Besatzung elf Jahre andauerte. Genau zu dieser Zeit entstanden (zwischen 1918 und 1923) separatistische Überlegungen. Anhänger eines solchen Gedankenguts nannten sich Separatisten, Sonder- oder Freibündler (Quelle). Ihren Höhepunkt erlebte diese Bewegung 1923, als unter anderem die Reichsverwaltung zerschlagen und ein eigener Verkehrsapparat eingerichtet wurde. Es kam zu zahlreichen Gründungen von separatistischen Organisationen entlang der Rheinlinie. Eine von diesen war die „Rheinische Unabhängigkeitspartei Frei Rheinland“, die eine Abspaltung des Rheinlandes von Preußen forderte, sowie für die Errichtung einer Rheinischen Republik eintrat.

Auch in Aachen wurde im August 1923 ein Büro für die Rheinische Unabhängigkeitspartei eröffnet. Zudem begann man mit der Verteilung von Pamphleten mit separatistischen Parolen. Die erste geschlossene Versammlung der Separatisten fand am 13.09.1923 statt, bei der ein Rheinstaat propagiert wurde. Am 21. Oktober desselben Jahres wurde dann im Rathaus die unabhängige Rheinische Republik ausgerufen. Infolgedessen besetzten diverse separatistische Gruppen unter der Führung von Leo Deckers und Dr. Guthardt öffentliche Gebäude wie die Post, das Rathaus oder die Reichsbank (Quelle). Die Lage heizte sich weiter auf, sodass am Folgetag sowohl Bürger als auch Gewerkschaftler und Studenten die Büros der Separatisten stürmten, nachdem am gleichen Tag Schüsse von Separatisten auf Gegendemonstranten in der Nähe des Theaters gefallen waren. Zusammen mit der Polizei wurde schließlich am 25.10. das von den Separatisten belagerte Regierungsgebäude gestürmt, wobei die drei Polizisten, an die das Kriegerdenkmal erinnert, getötet wurden. Um die Situation zu entschärfen, griff folglich die belgische Besatzungsmacht konsequent ein: die TH wurde geschlossen, alle nicht aus Aachen stammenden Studenten wurden ausgewiesen wie auch der Polizeipräsident. Die Reichsregierung konnte sich in diesen Konflikt nicht einbringen, da der Versailler Vertrag ihnen untersagte, militärische Truppen in das Rheinland und das Ruhrgebiet zu schicken (Quelle). Als tatsächliche Machthaber wurden die Separatisten von den Belgiern anerkannt, denn diese unterstützten, wie auch die Franzosen die Errichtung eines unabhängigen rheinischen Staates, der eng mit Frankreich und Belgien zusammenarbeitet. Die Separatisten konnten sich jedoch nicht lange an dieser Position halten aufgrund der vorherrschenden sozialen Problemen; schließlich konnten sie nicht einmal ihre eigenen Anhänger ausreichend mit Nahrung und Geld versorgen. Am 02.11. unternahmen die Separatisten einen letzten Anlauf, dass Aachener Rathaus zu besetzen, doch unter dem Befehl des belgischen Hochkommissars Baron Edouard Rolin-Jaequemyns (Quelle), der den Druck von Großbritannien und den USA spürte, die einer Loslösung des Ruhrgebietes einschließlich des Rheinlandes wegen der unabsehbaren internationalen politischen und ökonomischen Konsequenzen negativ gegenüber standen, wurde das Ende der separatistischen Regierung angeordnet, indem die Separatisten die Stadt verlassen mussten (Quelle). Damit war die separatistische Bewegung gescheitert, doch vergessen ist sie nicht, wie das Kalenderbild bzw. das Kriegerdenkmal im Treppenhaus auf dem Weg zum Hochschularchiv zeigt.

Sig. Hochschularchiv - Inschrift

Sig. Hochschularchiv – Inschrift

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Ein Praktikum im Hochschularchiv – mehr als nur Kaffee kochen

Ich befand mich im vierten Semester des Bachelor-Studienganges Gesellschaftswissenschaften der RWTH und fand es an der Zeit, mein sehr theorielastiges Studium mit einem Praktikum beim Hochschularchiv aufzulockern. Es ist die eine Sache, sich mit Geschichte zu befassen, aber eine andere, sie hautnah im Archiv zu erleben und erhalten zu dürfen.

Ich fühlte mich während des Praktikums oftmals in der Zeit zurückversetzt. Dies lag besonders an den alten Briefen, Postkarten und Fotos, die mit sauberer Schreibschrift und ihren Aufnahmen von heute kaum noch erkennbaren Gebäuden, Vorplätzen und Kleidungsstilen Momentaufnahmen ihrer Zeit widerspiegelten.

Es gab jedoch auch unleserliche Briefe und Sachakten, deren Lektüre durch das Praktikantenmodul „Paläographie“ stark erleichtert wurde. Sowie das Schreiben im 16. Jahrhundert ein Handwerk war, so erlernte ich während des Praktikums die Kunst, diese alten Schriften zu lesen und die zehn goldenen Regeln der Paläographie anzuwenden.

Das Archiv bietet eine Vielzahl an Praktikantenmodulen und betraut einen mit viel Selbständigkeit und Verantwortung. Darunter fällt „Bewertung“, die Bürde zu entscheiden was archivwürdig ist und übernommen werden soll. Man lernt im „Archivrecht“ alles Grundlegende zu Datenschutz und Sperrfristen und im Modul „Urheberrecht“ den Umgang mit geistigem Eigentum. Der Exkurs über Recherchemöglichkeiten bietet einem noch über das Studium hinaus die Möglichkeit der Bibliotheks- und Archivnutzung online.

Die Module sind zwar Pflicht, bieten aber abwechslungsreiche und willkommene Aufgaben. Ich konnte mich oft nicht entscheiden, welches ich zuerst angehen möchte. Besonders Umbetten und Verzeichnen gaben mir stets das Gefühl etwas am Tag geleistet zu haben. Ein Gefühl, das man in vielen Praktika vielleicht nicht hat.

Die Beantwortung von eingehenden Anfragen gehörte zu den spannendsten und obligatorischsten Aufgaben, dies wurde besonders aufregend, wenn es internationale Anfragen auf Englisch waren. Man vertieft sich, ehe man sich versieht, in die akribische Recherche nach Themen, Personen und Orten, von denen und ihrem Wirken man sonst vielleicht nie etwas erfahren hätte. Das Stöbern in der Geschichte Aachens und der RWTH war nicht nur interessant, sondern machte auch erfinderisch. Ich weiß noch, als uns Studierendenverzeichnisse, Nachrufe und das Gefallenendenkmal des Ersten Weltkrieges (am Eingang der Aula) Aufklärung über den Verbleib von Architekturstudenten boten.

Mein Praktikum half mir bei meiner Berufsorientierung auf jeden Fall weiter und war mehr als nur ein Pflichtpraktikum. Sollte ich keine Laufbahn im Archivwesen einschlagen, so werde ich mit Sicherheit meine Abneigung gegenüber korrodierten Tackerklammern und Klebeband beibehalten. Den Hang zur Ordnung werde ich erst recht übernehmen. Ich durfte viel lernen, das ich aus meinem Praktikum mitnehmen möchte. Besonders im Umgang mit Menschen – seien es Nutzer oder Mitarbeiter. Bei Letzteren möchte ich mich für die Hilfe, Arbeitsatmosphäre und schöne Zeit bedanken.

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