Kalenderbild April: Flashes of the Past

04_Eröffnung Ausstellung Ludwig ForumUnser Kalenderbild von April zeigt die Eröffnung der Ausstellung „Flashes of the Future – Die Kunst der 68er oder die Macht der Ohnmächtigen“. Die Eröffnung war am 19. April 2018 im Ludwigforum. Als Schirmherr wurde der Bundespräsident Franz-Walter Steinmeier geehrt. Die Ausstellung wurde von der Kunststiftung der Länder gefördert und wir als Hochschularchiv durften einen Teil der 280 Kunstwerke aus dieser Zeit beisteuern.

Denken wir heute an die 68er-Bewegung, dann kommen uns Bilder in den Sinn wie das Woodstock-Festival in Amerika. Musiker wie Jimi Hendrix oder Janis Joplin begeisterten Millionen mit ihrem Psychedelic Rock und Uschi Obermeier gründetet als Hippie die Kommune 1 mit. Die Zeichen von „Love, Peace and Harmonie“ hatten jedoch ernste Hintergründe. So gab es im Frühjahr 1968 den Prager Frühling, auch gingen viele für das Ende des Vietnamkriegs auf die Straße. In Deutschland gab es Studentenbewegungen die dafür protestierten und dies nicht immer friedlich. Das allgemeine Gefühl stand jedoch im Zeichen des Umbruchs, des Neuen vorher nicht dagewesenen. Die Jugend entwuchs ihren elterlichen Autoritäten und forderte Selbstbestimmung und eine konsequente Auseinandersetzung mit den Folgen des zweiten Weltkrieges. Die 68er sind auch heute noch für viele eine ganz besondere Zeit, die es davor und danach so nie wieder gab. Kein Wunder, dass die Ausstellung, die am 19. August 2018 ihren Abschluss fand, ein großer Erfolg war.Wir danken, dass wir Teil dieser außergewöhnlichen Exposition sein durften.

Auf unserer Homepage unter der Rubrik “Präsentationen” könnt ihr euch unseren Ausstellungskatalog dazu anschauen. Die da gezeigten Dokumente sind nur ein kleiner Ausschnitt aus unseren umfangreichen Beständen. Es lohnt sich also auch bei uns im Archiv nach weiteren Archivalien auf die Suche zu begeben.

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Ein Praktikum im Hochschularchiv: Von „kleinen“ und „großen“ Taten

Seite aus dem Matrikelbuch 1932-1951 und Vorlesungsverzeichnis

Seite aus dem Matrikelbuch 1932-1951 und Vorlesungsverzeichnis 1899.

Wenn man ein Studium der Geisteswissenschaften absolviert, steht man im Hinblick auf sein späteres Berufsleben vor einem kleinen Problem: Anders als ein Ingenieur oder Lehrer haben wir keinen klar vorgezeichneten Weg zum späteren Beruf, sondern unzählige Möglichkeiten, von denen wir manchmal nicht einmal wissen, dass sie existieren. So bietet es sich im Laufe des Studiums an, mithilfe von Praktika erste Berufserfahrungen zu sammeln, um herauszufinden, welche Arbeit zu einem passt und welche Talente man dafür mitbringen muss. Doch als Studentin der RWTH Aachen mit einem vollen Stundenplan stellte es sich als gar nicht so leicht heraus, eine geeignete Stelle zu finden, die es mir gleichzeitig ermöglichte, auch weiterhin meinen studentischen Pflichten nachzukommen.

Nach einiger Recherche und Erkundungen bei Kommilitonen stieß ich auf das Hochschularchiv der RWTH Aachen als möglichen Praktikumsgeber. Auf dessen Homepage wurde ich auch schnell unter der Rubrik „wir suchen…Praktikanten“ fündig und bewarb mich spontan auf eine Stelle. Nach einem ersten Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und dem Leiter des Archives war für mich sehr schnell klar: Hier möchtest du auf jeden Fall ein Praktikum absolvieren. Nun werden sich manche die Frage stellen: Warum denn gerade in einem Archiv, wenn man auch eine Werbeagentur, einen Verlag oder eine Regierungseinrichtung wählen könnte? Die Antwort darauf ist ganz einfach: Ich bevorzugte das Hochschularchiv aufgrund der exzellenten und durchdachten Praktikantenbetreuung. Anders als in vielen großen Einrichtungen hat man hier flexible Arbeitszeiten und feste Ansprechpartner, die jeder Zeit Fragen beantworten können und bei den anfallenden Aufgaben unterstützend zu Seite stehen. Das Praktikum hat durch den „Leitfaden“ des Archives einen Katalog von Arbeitsschritten und kleinen Unterrichtseinheiten, die der Praktikant in freier Reihenfolge sowohl bei den Mitarbeiterinnen als auch bei der Archivleitung absolviert. So besteht der Arbeitsalltag aus „kleinen“ und „großen“ Taten, die durch Abwechslungsreichtum und Substanz bestechen. Zu den „kleinen“ Taten gehören z.B. das Umbetten einer Akte oder das Verzeichnen einer Studienarbeit, wobei ich hier betonen muss, dass dies zwar „kleine“, aber auf keinen Fall unwichtige, Aufgaben sind. Jeder Handgriff im Archiv hat den Zweck, etwas für die Ewigkeit zu schaffen und als Praktikant trägt man von Anfang zu diesem Ziel bei. Zu den „großen“ Taten zählen unter anderem die Recherchearbeiten, die man zur Beantwortung der Anfragen von Interessierten aus aller Welt, durchführt. Man folgt den Spuren derer, die lange vor uns an der RWTH waren, manchmal sogar bis in das Gründungsjahr 1870 zurück. Mittels alter Matrikelbücher, Zeitungsausschnitten, Fotografien, aber auch durch die Nutzung moderner Hilfsmittel, wie digitalisierter Datenbanken, tastet man sich Schritt für Schritt an zuvor unbekannte Orte und Personen heran und hilft dabei, ihr Leben und Werk sowie ihren Bezug zur Universität Aachen herauszuarbeiten.

Wenn ich nach vier Monaten nun abschließend zurück auf meine Zeit im Hochschularchiv der RWTH Aachen blicke, dann kann ich nur sagen, dass sich jeder Moment gelohnt hat. Ich habe mein Wissen erweitern können, eine umsichtige und stets freundliche Betreuung erfahren und jenseits meines Studiums erste berufliche Eindrücke sammeln können.

Ich bedanke mich an dieser Stelle nochmal in aller Form bei Herrn Dr. Klaus Graf und seinen drei Mitarbeiterinnen für die gute Zeit im Archiv.

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Kalenderbild März: „Teilen wie im richtigen Leben, neu erfunden für das Web.“, lautet das Motto von Google+.

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Unser Kalenderbild im März zeigt unsere Seite auf dem Netzwerk Google+.

Das soziale Netzwerk wurde vom US-amerikanischen Unternehmen Google LLC ins Leben gerufen. Am 28. Juni 2011 ging es online und hatte im April 2015 111 Millionen monatliche aktive Nutzer und im April 2016 3 Millionen registrierte Benutzer.

Am 7 November 2011 startete unter Google+, Seiten für Unternehmen und Organisationen unter dem Namen „+Pages“. Fortan war es möglich sich als Unternehmen oder Verein zu präsentieren. Auch wir als Hochschularchiv der RWTH Aachen sind dort aktiv. Unser erster Beitrag ging am 22.11.2011 online. Bis heute haben wir dort 95 Follower, die wir über aktuelle Sachen informieren.

Im Oktober 2018 wurde bekannt, dass Google+ Anfang April eingestellt wird. Nutzer können ihre Daten bis zum 2. April sichern und archivieren. Danach werden alle privaten Profile nicht mehr zugänglich sein.

Gründe für das Einstellen ist ein Desinteresse an der sozialen Plattform. User äußerten sich ironisch über die Seite: „Google+ ist das Fitness Studio des Internets. Alle angemeldet, aber keiner geht hin.“

Des Weiteren war die Plattform immer werbefrei, es kam also kein finanzielle Spritze beim Unternehmen an, was dazu führte das die Seite nicht gepflegt und weiterentwickelt wurde. CEO Sundar Pichai gibt sich jedoch optimistisch, wenn es um ein neues Konzept von Google+ geht: „Man muss sich von der damaligen Zeit distanzieren, Google ist erwachsen geworden. Ein neues Netzwerk wird sicher kommen.“

Wir dürfen gespannt sein und sind als Hochschularchiv ganz sicher wieder dabei.

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Freiwillig acht Wochen im Archiv verbringen?

Neues Dokument 2018-12-07 15.16.14_1Nazi-Akten mit Teilnehmerbogen zum Reichsparteitag, Prozessakten zum Schmuggel unter Studenten oder Stundenpläne aus dem 19. Jahrhundert – dies sind nur ein paar Beispiele für die breitgefächerte Aktenbestand des Hochschularchivs der RWTH.

Mich hat immer gestört, dass in der Schule der Geschichtsunterricht ausschließlich mit dem Fokus auf ganz Deutschland stattfand. Bei mir kamen aber oft Fragen zur regionalen Geschichte auf: Wie haben sich die beiden Weltkriege auf Aachen ausgewirkt? War die RWTH nationalsozialistisch? Und wie sah das mit den ersten Frauen an der RWTH aus? Und genau zu solchen Fragen findet man hier im Archiv die Antworten. Wissenschaftler und Privatpersonen senden die unterschiedlichsten Anfragen, die ich als Praktikant schnell selbstständig bearbeiten darf. Wie ein Detektiv sucht man dann nach Stichworten, die zur Anfrage passen könnten und stöbert in Akten und Büchern. Denn entgegen meiner Erwartungen ist dies kein staubiges Museum! Die Akten, seien sie auch noch so alt und fragil, darf ein Praktikant, übrigens auch ein Besucher, anfassen und lesen.

Nach einem Praktikum im Hochschularchiv kann ich nun behaupten, Matrikelbücher von 1871 und Dokumente aus den beiden Weltkriegen in der Hand gehalten zu haben. Unterlagen, die die meisten nur als Fotos aus Geschichtsbüchern kennen!

Beim Umbetten von Akten, d.h. deren Überführung in einen archivgerechten Zustand, und durch die Beantwortung von Anfragen habe ich Dokumente gefunden, die mich zur weiteren Recherche im Rahmen unserer „Bilderfreitage“ inspiriert haben. Nun weiß ich beispielsweise nach einer Recherche zu einer Wettbewerbszeichnung des Elisenbrunnens, dass diese Sehenswürdigkeit, an der ich als Aachenerin andauernd vorbeilaufe, nicht das Original, sondern eine Rekonstruktion nach dem Zweiten Weltkrieg ist!

Die Mitarbeiter trauten mir zahlreiche Aufgaben zu und halten sich als Helfer, Berater und Korrekturleser bereit. In Modulen mit ihnen und dem Archivar, Herrn Graf, werden die nötigen Kompetenzen der Archivarbeit gelehrt. Nun fragen sich die meisten wohl: Wozu, wenn ich doch gar kein Archivar werden will? Natürlich werde ich mein Wissen, wie ich eine Akte für die Aufbewahrung bis in die Ewigkeit vorbereite, höchstwahrscheinlich nicht im Alltag benötigen. Dafür werden mir aber meine hier erlernten oder vertieften Kompetenzen bezogen auf Recherchemöglichkeiten und Urheberrecht bestimmt im Studium noch weiterhelfen! Darüber hinaus, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal fähig wäre, die Schrift aus dem 16. Jahrhundert entziffern zu können. Aber genau dies habe ich im Paläographie-Modul erlernt.

Wer also einfach nur seinen Horizont erweitern möchte und geschichtliches Interesse mitbringt, wird das Praktikum ebenso wertschätzen wie ein Student, der auf der Suche nach einem Pflichtpraktikum ist! Die angenehme Atmosphäre und der seltene Umgang mit Praktikanten, diese nicht als Last, sondern vielmehr als kompetente Aushilfe wahrzunehmen, führen nun dazu, dass es mir schwerfällt, zu gehen.

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Kalenderbild Februar 2019: Die rätselhafte Postkarte

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Sig. 12.1.3.j

Das Kalenderbild für den Februar 2019 stellt uns alle vor ein kleines Rätsel. Es stammt aus einem Nachlass, der dem Archiv überlassen wurde. Der Nachlass selbst besteht aus den verschiedensten, alten Postkarten, die Gebäude und Personen der RWTH Aachen im frühen und späten 20. Jahrhundert darstellen. Die vorliegende Fotografie zeigt ein Gruppenbild, auf dem 16 Männer unterschiedlichen Alters posieren. Sie alle tragen leicht verschmutzte Arbeitskleidung und halten in ihrer Mitte ein Schild mit der Aufschrift „Elektrowerkstatt 1925“. Wer die Männer auf der Postkarte waren und zu welcher Institution sie innerhalb der Hochschule gehörten, ist uns leider nicht bekannt. Der einzige Hinweis, der überhaupt ihre Zugehörigkeit zur Universität bestätigt, ist der Bleistiftvermerk „TH Aachen“, der in feiner Handschrift auf die Rückseite der Karte gezeichnet wurde.

Welchen Aufgabenbereich die Männer speziell abdeckten, ist leider nicht überliefert. Wir können nur vermuten, dass sie entweder dem Fachbereich Elektrotechnik zugehörten und eventuell Studenten und Dozenten aktiv bei Beratung, Aufbau und Durchführung von Versuchen bzw. Testobjekten unterstützt haben oder, dass sie allgemein für die Instandhaltung der Universität und ihrer Gerätschaften zuständig waren und die gerade defekten Maschinen der einzelnen Fachschaften in ihrer Elektrowerkstatt reparierten. Vielleicht halfen sie auch bei Beidem. Gehen wir davon aus, dass die Männer auf unserer Postkarte ähnliche Arbeiten verrichteten, wie heute die Angestellten der Elektro-und Elektronikwerkstatt des Institutes für Allgemeine Mechanik der RWTH Aachen, dann hätten die Arbeiter der Elektrowerkstatt im Jahre 1925 wissenschaftliche Mitarbeiter betreut, ihnen bei der Inbetriebnahme von Versuchsanlagen geholfen sowie eigene Elektroniker ausgebildet.

Unsere rätselhafte Postkarte kann uns zwar leider nicht die Namen der auf ihr abgebildeten Männer verraten und auch nicht, welche Tätigkeiten die 16 ausgeführt haben. Doch gibt sie uns einen ganz entscheidenden Hinweis: eine Universität kann nicht allein durch Professoren und Studenten bestehen. Sie ruht auf den Schultern der Männer (und Frauen), die mit Zuverlässigkeit, Fleiß, und Geschicklichkeit konstruieren, reparieren und betreuen. Ohne sie wäre die RWTH Aachen heute nicht Arbeitergeber und Ausbildungsstätte für tausende von Menschen aus aller Welt. Für jeden Einzelnen von uns gilt heute genauso, wie für die Männer auf dem Bild:

„Wer sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat, hat bestes Rüstzeug für das Leben“

Richard von Weizsäcker (1920 – 2015)

Quelle: https://gutezitate.com/zitat/103466

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Kalenderbild Januar 2019: Aller Anfang ist schwer… ein Stundenplan der alten Schule.

1_VV 1973 74 Im Jahre 2019 bietet die Rheinisch Westfälische Hochschule Aachen eine schier unglaubliche Anzahl an Studiengängen für Männer und Frauen aus aller Welt: von Chemie über Raumfahrtechnik bis hin zu Geographie ist für beinahe jedes Interesse ein Forschungsfeld vertreten. Von ihren Anfängen bis zur ihrer Vielfalt im Jahre 2019 war es jedoch ein weiter Weg.

Das Kalenderbild 2019 zeigt einen Ausschnitt aus ebendiesen ersten Jahren. Zu sehen ist der „Stunden-Plan für die Polytechnische Schule zu Aachen“ aus dem Studienjahr 1873/74, also nur drei Jahre nach ihrer Eröffnung im Jahre 1870. Wir sehen, dass eine Studienwoche von Montag bis Samstag reichte und mit Ausnahme von Sonnabend jeder Tag um sieben Uhr in der Früh begann und bis 19.00 Uhr am Abend andauerte. Überraschend ist hierbei, dass dies nicht die Stundenplanübersicht für einen bestimmten Studiengang ist, sondern für alle damals angebotenen Fächer. So belegen die Studenten in ihren ersten Jahren an der Hochschule alle die gleichen Veranstaltungen. Dazu heißt es im Kursbuch von 1873/74: „die Studienpläne sind so eingerichtet, dass möglichst lange Zeit die Studien der vier Fachschulen dieselben Fächer begreifen, um nach dem ersten oder auch zweiten Studienjahre, nachdem der Studirende [sic] seine Fähigkeiten selbst kennen gelernt hat, einen etwaigen Uebertritt [sic] von einem Fache zum andern zu erleichtern“(S.24).

Was heißt dies nun konkret für einen Studenten im Jahre 1873/74? Der Student kann der Übersicht entnehmen, dass das erste Studienjahr weiß markiert ist, das zweite gelb, das dritte grün, das vierte für Architekten sowie Ingenieure rot und für Maschinentechniker blau. Die Abkürzungen So. und Wi. zeigen, ob die Veranstaltung im Sommer-bzw. Wintersemester angeboten wird. Die römischen Ziffern (I. bis IV.) weisen auf das Studienjahr hin und die Buchstaben A. J. G. M. Ch. und H. stehen für Architekten, Ingenieure, Geodäten, Maschinentechniker, Chemiker und Hüttenleute. Als Erklärungsbeispiel dient uns der vergrößerte Ausschnitt: dort ist ersichtlich, dass die gelb unterlegte Lehrveranstaltung „Wasserbau I. Elemente. Intze. A.J.II. So“ immer montags von sieben bis acht Uhr im Sommersemester für Studenten des zweiten Lehrjahres stattfindet und sich an Architekten und Ingenieure richtet.

Es zeigt sich also, dass die RWTH Aachen in ihren ersten Jahren einige Unterschiede zur heutigen Zeit aufweist. Zu allererst richtete sich die Universität mit ihrem rein naturwissenschaftlichen Ausbildungsprogram ausschließlich an junge Männer. Der Schwerpunkt lag insbesondre auf „Maschinenbau, den chemischen Gewerbe, dem Hüttenfach, dem Ingenieurwesen und dem Hochbau“. Weibliche Studierende sowie gesellschaftswissenschaftliche Fächer waren damals ausgeschlossen.  Die RWTH Aachen hat sich im Laufe von beinahe 150 Jahren also um einiges verändert und weiterentwickelt. Aus der „Polytechnischen Schule“ wurde eine Hochschule mit eigenem Promotionsrecht und aus ehemals 32 Dozenten und 225 Studenten wurden 547 Professoren (Stand 2017) und 45256 Studierenden beider Geschlechter.   https://de.wikipedia.org/wiki/RWTH_Aachen http://www.archiv.rwth-aachen.de/web/rea/Seite/zeitleiste.htm

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Kalenderbild Dezember – Doctor of Immortality, Hiwi-Hinrichtungen und Weihnachtswahn

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Sig. 10210

Das Aachener Prisma war eine Zeitschrift des AStA von 1953 bis 1982. Hier sehen wir die 12. Ausgabe des Jahres 1975.

Auf dem Bild ist das Cover der Zeitschrift abgebildet. Speziell zur Weihnachtsausgabe ist die Collage in Rot gestaltet, im Gegensatz zu den sonst schwarz-weißen Deckblättern mit ihren abstrakt-deskriptiven Bildern und Collagen. Der Notizzettel mit „Nicht vergessen: „Das Fest der Liebe!“ (Viel kaufen)“ kritisiert die rein materialistische Ausrichtung des Festes. Ein zurechtgeschnittenes Bild eines Obdachlosen und ein weißer Streifen bilden eine angedeutete Geschenkverschnürung. Zuletzt schmücken noch die Daten der Feiertage und ein „Love!“ in Kreideoptik die Seite. Nicht gerade subtil, aber wenn wir an die Weihnachtsfeste unseres Jahrtausends denken, ist Subtilität wohl auch nicht nötig.

Themen waren unter anderem Nachrichten des AStA, politische Stellungnahmen und Kommentare sowie Betrachtungen des erweiterten Universitätskosmos mit Bildungspolitik, Fernstudien, akademische Grade und Hiwi-Stellen. Mit Satire, Humor und Fakten wurden Themen besprochen, die von Interesse für die studentischen Leser waren. Besonders beliebte Ziele von Spott waren vor allem die Universität, die Politik und die Wirtschaft, deren Systeme und Handlungen gezielt aufs Korn genommen wurden.

So rät der erste Autor schon dazu, eine kirchliche Universität in den USA zu gründen, um von dort aus Doktortitel in alle Welt zu verkaufen. Durch den Schutz, den Kirchen in den USA genießen, und die einfachen Möglichkeiten dort sowohl Kirchen als auch Universitäten zu gründen, wäre dies eine ausgezeichnete Möglichkeit vor Weihnachten noch ein wenig Geld zu verdienen. Eine Empfehlung, die ich übrigens allen Lesern auch heute noch weiterreichen kann, da sich an den Umständen nur wenig geändert hat. Wer also schon immer stolzer Besitzer des Titels „Doctor of Immortality“ sein wollte, hat auch heute noch die Möglichkeit dazu.

In diesem Stile geht es weiter, von einem (fiktiven) Interview zum Forschungsfeld der (ebenso fiktiven) Hättologie, der Wissenschaft Niederlagen in augenscheinliche Siege zu verwandeln; über Kritik an der Bildungspolitik und dem Einfluss der Wirtschaft auf diese; bis hin zu einer Betrachtung der Lebensumstände der Arbeiterklasse in Russland. Einige oder eher die meisten der Themen kommen dem Leser auch heute noch aktuell vor. So ist die Bildungspolitik weiterhin ein Zankapfel für alle Beteiligten, die globale Politik scheint viel von der Hättologie gelernt zu haben und Betrug mit unverdienten Titeln und Graden ist nicht erst seit Guttenberg ein Problem. Trotz der 43 Jahre, die seither vergangen sind, hat sich scheinbar wenig an den Themen geändert, die präsentiert werden.

Auch geboten werden Buchempfehlungen zu einer großen Bandbreite an Werken, ein Veranstaltungskalender, der die kommenden Theatervorstellungen präsentiert, und ein karikativer Comic samt weihnachtlichem Witz.

Gekostet hat so ein Jahresabo des Prismas damals noch 18.- DM, zuzüglich 6.- DM für den Versand. Dafür bekam man monatlich eine Ausgabe zugesandt. Wie üblich für kleinere Zeitschriften finanziert aber auch diese sich durch Werbung. Jede zweite Seite wird zusätzlich geschmückt durch eine oder mehrere Anzeigen, von denen einige durchaus fremd anmuten für jemanden, der in der Zeit der Internetwerbung und Zielgruppenanalysen aufgewachsen ist. „Rum and Maple … auch Frauen lieben sein Aroma“ wirbt da ein Tabak oder auch „Zinkstaubfarbe schützt den Stahl!“. Überhaupt finden sich viele Anzeigen für Tabak und Zigaretten, besonders in mehreren der anderen Ausgaben konkurrieren diverse Hersteller mit ganzen Seiten um die Leser. Aber auch Versicherungen, Autohändler, Technikläden und lokale Copyshops präsentieren ihre Waren und Dienste. Und ein „Dr.Müller`s Sex-Shop mit Non Stop-Kino“ (heute ein Friseursalon) preist seine Colorfilme an. Hier finden wir vielleicht eine der größten Veränderungen. Die Art und Präsentation der Werbung hat sich stark verändert, ebenso wie es die Geschäftszweige selbst taten. Es bleibt wohl doch nicht alles beim Alten. Wenn schon nicht politisch, dann doch im Alltag.

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Ein Praktikum, auch noch im Archiv?

Ein guter Freund von mir hat einmal, nach einigen Wirrungen, ein Studium der Geschichtswissenschaften in Bonn begonnen. Was ich davon gesehen habe war zwar interessant, aber am Ende der Gespräche blieb immer eine Frage: was macht man damit? Archäologe, Bibliothekar, Archivar, etc, die Auswahl ist breit gefächert. Nichts davon war das, was mein Freund sich erhofft hatte. Gerade ein Archivar wollte er nicht werden, zu langweilig, zu weit ab von dem was irgendwie erfüllend wäre. Damals musste ich ihm zustimmen, auch ich konnte mir nicht vorstellen wie dieser Beruf auch nur entfernt Spaß machen könnte. Den ganzen Tag in etwas verbringen das wir uns als eine Mischung aus Besucherloser Bibliothek und einstaubendem Museum vorstellten. Deshalb war ich zuerst etwas skeptisch als mir von Kommilitoninnen ein Praktikum im Hochschularchiv der RWTH vorgeschlagen wurde. Aber Pflichtpraktikum ist Pflichtpraktikum und wenn Freunde das sagen muss ja wohl etwas dran sein, oder? Also habe ich die Bewerbung losgeschickt und einen Vorstellungstermin absolviert. Noch war ich skeptisch, würde ich diesmal mehr tun als nur einzuscannen? Spoiler: es heißt digitalisieren und gehört auch dazu. Aber fangen wir vorne an. Der frisch gebackene Praktikant im Hochschularchiv ist keine reine Kaffeemaschine. Anhand von Modulen bekommt man schrittweise beigebracht wie die Archivarbeit funktioniert und was es alles zu tun gibt. Hat man erklärt bekommen was es wie zu tun gilt kann man loslegen. Sie oder er darf Anfragen bearbeiten, Archivalien umbetten und Bestanderhaltung durchführen, Recherchieren, Digitalisieren, Korrekturlesen, Bestände verzeichnen und in der Öffentlichkeitsarbeit mitwirken. Alles unter dem wachsamen Auge der Mitarbeiterinnen, die stets für Fragen offen sind und weiterhelfen wo es nur geht, Korrekturlesen und selbst beim vierten Mal nachfragen nur leicht genervt sind. Zusätzlich lehrt Dr. Graf noch weitere theoretische Kompetenzen wie Urheberrecht, Paläographie oder Archivrecht. Es ist eine unerwarteterweise sehr abwechslungsreiche Arbeit bei der man abends immer wieder das Gefühl hat, wirklich etwas geschafft zu haben. Seien es nun einige hartnäckig Tackernadelverseuchte Akten aus der Nazizeit die man erfolgreich vor der Verschmutzung durch Rost bewahrt und in neue Umschläge umgebettet hat, oder eine besonders komplizierte Anfrage auf die man kurz vor dem Aufgeben doch noch eine zufriedenstellende Antwort geben konnte. Erwähnenswert ist auch die Atmosphäre. Wo man als Praktikant in einem Unternehmen immer nur ein Besucher ist, sich an den Zuständigen hängt und still seine kleine Beschäftigungstherapie abarbeitet; ist man im Hochschularchiv schnell ein wichtiger Teil des Teams. Vorschläge werden aufgenommen, Meinungen erfragt und Arbeit wertgeschätzt. Nachdem ich nun über einen Monat im Hochschularchiv verbracht habe muss ich sagen: so langweilig wie erwartet ist der Beruf des Archivars eindeutig nicht. Wer ein Interesse an Geschichte und alten Texten hat wird sich im Archiv gut aufgehoben fühlen. Sig 122b Deutsche Universitätszeitung 1949 Seite 7 -geschnittenSig 122b Deutsche Universitätszeitung 1949 Seite 15 -geschnitten                                             Bildsignaturen: Sig.122b. Aus der Deutschen Universitätszeitung (4. Jahrgang, Nr. 23; Veröffentlicht am 2. Dezember 1949)

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Another day at the archive

Es scheinen sich fast schon Generationen von Praktikanten an der Türschwelle des Hochschularchivs die Klinke in die Hand gedrückt zu haben. Gesellschafts- aber auch Literatur- und Sprachwissenschaftler, die noch auf der Suche nach dem obligatorischen Pflichtpraktikum sind, werden hier am Hochschularchiv fündig. Nun geht auch meine Zeit hier zu Ende und meine letzte Aufgabe ist es, meine Erlebnisse hier archivgerecht niederzuschreiben. Die Klischees übIMG-20181116-WA0000er das Archiv sind natürlich allgegenwärtig. Staubtrocken, dröge und langweilig. Dies wird jedoch jeder verneinen, der schon mal am Hochschularchiv tätig war. In der täglichen Arbeit mit den Akten, Bildern und Dossiers begegnen euch nicht nur die Einflüsse der NS-Diktatur (z.B. bei der Entlassung des jüdischen Luftfahrttechnikers Theodore von Kármán), sondern auch der Studentenbewegung 1968 auf das Zusammenleben der RWTH. Geschichtliches Interesse kommt hier natürlich auch zu Gute. Aber nun zu den Aufgaben während des Praktikums. In sogenannten Modulen sollen vielfältige Aufgaben abgeschlossen werden, um einen zu abwechslungsarmen Arbeitstag zu verhindern. Dazu gehören nicht nur Aufgaben wie das Verzeichnen (Einpflegen von Archivmaterial in das Computerprogramm Midosa), oder das Umbetten, bei dem Akten neu abgeheftet werden (keine korrodierten Büroklammern!). Ebenso häufig kommen Anfragen an das Hochschularchiv. Privatpersonen suchen nach Freunden und Verwandten oder Historiker suchen nach Informationen für ihre wissenschaftlichen Arbeiten. Das Team des Hochschularchivs leistet hier viel Unterstützung. Doch es geht nicht nur um Aufgaben, die streng als Archivarbeit bezeichnet werden können, sondern auch um Öffentlichkeitsarbeit. Im Netz gilt es, den Klischees des Archivs entgegenzuwirken. Dazu gehören nicht nur die veröffentlichten Bilderfreitage und Kalenderbilder, sondern auch die Pflege der sozialen Netzwerke. Erst seit kurzer Zeit sind wir auch bei Instagram  zu finden. Lasst also ein Like und ein Abo da. ;) Aber es blieb nicht nur beim praktischen Arbeiten, auch die Theorie kommt im Hochschularchiv nicht zu kurz. Mit dem Geschäftsführer und Archivar Herrn Graf absolvieren die Praktikanten Module, die theoretisches Hintergrundwissen vermitteln sollen. Thematisch geht es hier z. B. um den Konflikt zwischen Informationsfreiheitsgesetz und des Archivgesetzes. An dieser Stelle bleibt mir nur noch mich bei den Mitarbeitern hier zu bedanken, die mich so freundlich aufgenommen haben. In dem Sinne sei allen verzweifelt nach Praktika suchenden Menschen das Hochschularchiv empfohlen.

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Kalenderbild zum Monat November: Senatsfeier

Nicht wenige Studierende beklagen sich immer wieder über die überbordende Bürokratie an Hochschule. Formulare müssen fristgerecht in einem unbekannten Gebäudekomplex eingereicht, Anmeldungen zu Veranstaltungen durchgeführt und der BAföG-Antrag inklusive mehrseitigem Anhang abgegeben werden. Dennoch muss eine große Organisation wie die RWTH Aachen auf einen großen Verwaltungsapparat zurückgreifen, um einen möglichst reibungslosen Ablauf für Studierende, sowie die Angestellten an der Universität zu gewährleisten.

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Sig. 11.2 g

Zu den Aufgaben des Senats gehört die Selbstverwaltung der Hochschule und gibt Empfehlungen an das Rektorat. Dazu gehören z.B. der Haushaltsplan für die weitere Entwicklung der Hochschule und Stellungnahmen zu den pro Semester einmal durchgeführten Evaluationen zur Lehre. Gerade an einer technischen Hochschule ist eine solche Kooperation mit der Wirtschaft sinnvoll. Selbstständige Entscheidungen kann der Senat nicht treffen bis auf den Beschluss zur Verleihung von akademischen Ehrungen. Das führt uns zu dem Kalenderbild des Novembers, das lediglich den Titel „Senatsfeier“ trägt, ohne dass der Anlass erläutert wird.

Auch wenn der Anlass der Feier nicht bekannt ist, sind die Kleidungen der vordersten drei Personen bemerkenswert. Talare gelten seit dem Mittelalter als ein gängiges Kleidungsstück von Professoren. An den Farben des Gewandes lässt sich die jeweilige Fakultät ableiten, da jedoch die Hochschulen keinen einheitlichen Farbkanon verwendeten, ist auch die Zuordnung der Farben zu den Fakultäten auf dem Bild nicht möglich.

Zu den besonderen Anlässe, zu denen der Senat zu einer Feier zusammenkommt, gehören die Würdigung besonderer Leistungen in Forschung und Lehre von Persönlichkeiten der Hochschule. Der Titel des Ehrensenators gilt als höchste Auszeichnung, die eine Universität vergeben kann. Besonderes Engagement von Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und von Stiftungen wird ebenso oftmals mit dieser besonderen Ehre ausgezeichnet. Wer jedoch aus welchem Grund in diesem Bild geehrt wird, geht aus dem Bild nicht hervor. Nicht nur die Kleidung, sondern auch das Ambiente, das mit Blumen reich geschmückt wurde, weist auf eine besondere Feier hin. Ein ebenso in einem Talar gekleideter Mann hält im Bild mittig eine Rede an einem reich mit Blumen ausgestatteten Pult. Dies lässt den Schluss zu, dass diese Veranstaltung zu einer Ehren gehalten wird.

Seit dem Beginn der Studentenrevolten Ende der 1960er Jahre wurde der Talar abgeschafft. Berühmtheit erhielt ein Transparent von den Asta-Vorsitzenden Detlev Albers und Gert Hinnerk Behlmer mit der Aufschrift „Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren“. Eine Anspielung auf die aus Sicht der oben genannten Akteure fehlende Aufarbeitung des Nationalsozialismus bei der Professorenriege. Aufgrund dessen lässt sich das Bild zumindest zeitlich grob einordnen. Ob bei dieser Senatsfeier an der RWTH ebenfalls Studierende gegen die Professoren protestierten, ist hingegen unklar.

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