Wie das so lief, im Hochschularchiv

schriftzugFür mein Studium der Gesellschaftswissenschaften war ich auf der Suche nach einem Platz für ein Pflichtpraktikum. Durch eine Empfehlung von außen wurde ich dann auf das Hochschularchiv der RWTH als Praktikumsgeber aufmerksam gemacht. Nach eifriger Recherche auf ihrer Internetseite habe ich mich schließlich beworben und hatte von Anfang August bis Ende Oktober 2016 die Möglichkeit, mein Praktikum im Archiv zu absolvieren. Ich wurde herzlich ins Team aufgenommen, und aus dieser schönen Zeit kann ich eine Menge für die Zukunft mitnehmen.

Der erste Tag begann mit einer Einführung, wo alle Räumlichkeiten gezeigt und ein Überblick über das Arbeitsfeld gegeben wurde. Das Archiv verfügt über zwei Büros und einen Benutzerraum mit Bibliothek. Den wichtigsten Teil aber machen die Magazine aus, das sind die Räume, in denen die Archivalien gelagert werden. Am nächsten Tag ging es dann schon mit der eigentlichen Arbeit los. Ich durfte mit einer Anfrage, die per E-mail gekommen war, beginnen. Dazu habe ich dann recherchiert und die mir erklärten Methoden angewandt. Die Beantwortung von Anfragen gehört mitunter zu einer der Hauptaufgaben im Archiv, da sie auch immer zeitnah erledigt werden sollten. Die Anfragen unterscheiden sich in ihrem Arbeitsumfang, von kleinen bis großen Anfragen ist alles dabei. Aber trotzdem stellt diese Aufgabe nur eine neben vielen dar.

Für jeden Praktikanten gibt es eine Liste an Modulen und obligatorischen Aufgaben. Diese dienen dazu, einen in alle Bereiche einzuarbeiten und das Arbeitsfeld im Archiv näherzubringen. Eines der Module beschäftigt sich beispielsweise mit der Paläographie, der Lehre von alten Schriften. Da gibt Herr Graf, gelernter Archivar und Geschäftsführer, einem das Handwerk, alte Handschriften lesen zu können, mit auf den Weg. Natürlich unterscheiden sich die Schriften mit der Zeit immer wieder, aber das Aneignen neuer Buchstaben fällt durch diese Grundlage wesentlich leichter. Durch dieses Mittel kann man den Schätzen des Hochschularchivs viel mehr entnehmen. Am Anfang scheint es schwer und unübersichtlich, hat man sich aber einmal eingearbeitet, fällt es immer leichter. Genau wie beim Umbetten von Akten zu der Bestandserhaltung: Bei diesem Modul geht es darum, die Akten in einen Zustand zu versetzen, der sie für die Zukunft verwahren soll. Das heißt, es werden alle Mittel aus den Akten, die den in der Akte enthaltenen Dokumenten schaden können, entfernt. Dazu gehören das Befreien von Metallklammern und Plastik mit Weichmachern, die Wiederherstellung des Papiers, die Entfernung von Dreck, Falten und Eselsohren. Die Archivalien werden schließlich bis zum „Ende des Universums“ aufbewahrt, wie Herr Graf es so schön formuliert hat.

Auch kann man aus dem Praktikum viel für das Studium mitnehmen. Das Modul Recherchemöglichkeiten bietet neben anderen Modulen überraschende Möglichkeiten, die einem beispielsweise bei der Bearbeitung einer Hausarbeit weiterhelfen können. Auch die Öffentlichkeitsarbeit für das Archiv kommt nicht zu kurz. Ob Facebook, Google+, YouTube oder die Homepage des Archivs – es gibt viele Seiten zu pflegen. Einmal im Monat gibt es dazu ein neues Kalenderbild, und jeden Freitag wird ein Bild auf Grundlage eines Fotos oder Dokuments aus den Beständen, der sogenannte „Bilderfreitag“, veröffentlicht. Dabei kann man gut die gelernten Tricks vom Recherchieren anwenden, seine Ausdrucksweise verbessern und lernt stets durch die Rückmeldung der Kollegen was dazu. Die Arbeit im Archiv besteht also nicht nur darin, Dokumente für die Nachwelt zu verwahren, sondern sie auch zu teilen.

Bei Recherchen kann einem ein Bild oder ein interessantes Dokument ins Auge fallen, was man später noch einmal verwenden könnte. So ist es möglich, sich kreativ einzubringen, und das Archiv ist immer offen und freut sich über neue Anregungen. Durch diese Praxis erfährt man selbstständiges Arbeiten und bekommt so mit der Zeit eine Routine rein, wobei man trotzdem immer was Neues entdeckt und es nie langweilig wird. Mein Wissen aus einem Excel-Kurs, den ich im Rahmen der Uni absolviert hatte, konnte ich für das Erstellen von Übersichten anwenden und so vieles wiederentdecken und neu erfahren.

Beim Tag des offenen Denkmals war ich ebenfalls dabei. Da konnten sich die Besucher das ehemalige Regierungsgebäude ansehen und etwas über seine Geschichte erfahren, sowie einen Blick in die Räume und die Arbeit des Archivs bekommen. Ich war als Fotografin tätig. Das Aufgabenrepertoire ist also sehr groß und man bekommt einen breiten Überblick in die Arbeit eines Archivs. Erst durch praktische Möglichkeiten kann man sich verbessern. Die Zeit im Archiv hat mir sehr gut gefallen, und ich kann nur jedem raten, der auf der Suche nach einem Praktikumsplatz ist und Erfahrungen in einer spannenden Tätigkeit sammeln möchte, sich hier zu bewerben. Die Arbeit im Archiv hat nicht den verstaubten Charakter, der ihr nachgesagt wird, sondern bietet eine breites und interessantes Arbeitsfeld.

Die Unsicherheit vom Anfang ist schnell verflogen, da die Mitarbeiter sehr nett und hilfsbereit sind, man kann immer fragen, wenn man mal nicht weiter weiß. Der Austausch mit den Kollegen war immer hilfreich. Schnell übernimmt man Verantwortung und wird Teil des Teams. Ich werde die Zeit sehr vermissen, auch den süßen Chihuahua Franz, der stets gute Laune mitbringt und mit seinem süßen Hundeblick jeden um den Finger wickelt. Ich bedanke mich herzlichst für die schöne Zeit und wünsche dem Hochschularchiv und all seinen Mitarbeitern alles Glück und Gute für die Zukunft.

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Der Aufstieg des Professor Haase – Kalenderbild November

Das Kalenderbild für den November zeigt ein Foto des Labors der Physikalischen Chemie. Es zeigt mehrere Studenten und Dozenten bei ihrer Laborarbeit.

Chemisches Laboratorium

Chemisches Laboratorium (Sig. 2.4.3 f)

Der Lehrstuhl für Physikalische Chemie wurde 1906 in Aachen als Lehrstuhl für „Theoretische Hüttenkunde und Physikalische Chemie“ gegründet, allerdings erst 1934 als eigenständiger Lehrstuhl von der Hüttenkunde separiert und neu eingerichtet. Die Physikalische Chemie forscht an der Grenze von Chemie und Physik und wendet im Besonderen Methoden der Physik auf Objekte der Chemie an.

Leider sind weder der exakte Aufnahmepunkt des Fotos noch die abgelichteten Forscher zu identifizieren. Jedoch lässt sich sagen, dass das Foto in den 1960er Jahren entstanden sein muss.

Diese Jahre gehören allerdings zu der Zeit, in der Rolf Haase für die RWTH tätig war. 1953 aus Berlin nach Aachen umhabilitiert, war er zunächst Privatdozent, bevor er 1957 zum Außerplanmäßigen Professor am Lehrstuhl der Physikalischen Chemie ernannt wurde. In seiner Laufbahn an der RWTH war er ab 1964 außerordentlicher und ab 1968 bis zur Emeritierung 1986 ordentlicher Professor. Des Weiteren bekleidete er 1960-62 und 1969-70 das Amt eines Wahlsenators.

Prof. Dr. Rolf Haase machte sich mit Arbeiten und Beiträgen rund um die Thermodynamik einen Namen. So erhielt er 1958 von der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie den Nernst-Haber-Bodenstein-Preis. Rolf Haase starb 1997 im Alter von 78 Jahren in Aachen.

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Kalenderbild Oktober: Das Relief des Bergbaugebäudes

Fotosammlung 9.3.al

Fotosammlung 9.3.al

Das Kalenderbild im Monat Oktober ist eine Postkarte von 1904 aus unserer Postkartensammlung und stellt das Bergbaubegäude der RWTH dar. 1897 noch unter dem Namen „Bergbauakademie“ eingeweiht, ist auch heute noch die Wüllnerstraße 2, als „Institut für Bergbaukunde“, zentrale Anlaufstelle für Studierende des Bergbaus. Auf dem Bild nur schwer zu erkennen, sind die Reliefs jeweils links und rechts des Haupteinganges. Diese wurden mit Bau des Gebäudes 1896 von Karl Krauß angebracht. Karl Krauß, 1859 in München geboren, war Bildhauer des Historismus und wurde 1889 als Dozent für „Modellieren und Bossieren“ an die RWTH berufen; 1997 erhielt er den Professortitel. Neben den Reliefs zählen weitere bedeutende Kunstwerke im Aachener Raum zu seinen Werken. Darunter 1904 ein Bahkauv-Denkmal, das jedoch im 2. Weltkrieg eingeschmolzen wurde und daher nicht erhalten ist, 1906 verschieden Büsten für den Aachener Bismarckturm und eine Büste des damaligen Rektors Friedrich Heinzerling der RWTH, sowie die Mitgestaltung des Aachener Rathauses. Die Reliefs sind jedoch mit Hinblick auf das Gebäude, an dem sie angebracht sind, besonders interessant. Sie schildern den Ablauf eines Bergbau-Projekts.

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Krau%C3%9F#/media/File:Aachen_Bergbaugeb%C3%A4ude_Reliefs.jpg  CC BY-SA 3.0

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Krau%C3%9F#/media/File:Aachen_Bergbaugeb%C3%A4ude_Reliefs.jpg CC BY-SA 3.0

Bei beiden Reliefs ist zentral eine geflügelte Figur zu erkennen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dies die heilige Barbara, Schutzpatronin des Bergbaus. Ihr Attribut, der dreifenstrige Turm, ist in der rechten oberen Ecke des linken (im Bild hier obrigen)Reliefs dargestellt. Dieses lässt darauf schließen, dass das erste Relief über Tage stattfindet. Ein weiterer Hnweis hierfür sind die links abgebildeten Männer in Anzügen, die etwas ausrechnen oder planen; vermutlich die Statiker des Projekts. Rechts dagegen sind schon Männer in Arbeiteruniform anwesend – die Statiker besprechen ihren Plan mit den Arbeitern. Die heilige Barbara ‚übergibt‘ quasi die Rechnung der Statiker an die Arbeiter und hält somit ihre schützende Hand über diese. Das zweite Relief zeigt die Arbeitsschritte unter Tage: Links das Ausmessen und rechts das Abtragen der Gesteinsschichten. Auch hierbei ist die Schutzpatronin zentral und ‚hilft‘ beim Abtragen. Ihre zentrale Rolle als Schützerin vor Unglück der Bergleute, indem sie die Berechnungen der Statiker überwacht, oder ihre Rolle als Begleiterin und Helferin der Bergleute, spiegeln ihre Funktion als Schutzpatronin wieder. Karl Krauß hat das Bergbaugebäude vielleicht, der Tradition gemäß, unter ihren Schutz stellen wollen.

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Ein Trip durch das ehemalige Gestapo-Gebäude: TdoD 2016

Der Tag des offenen Denkmals hat uns gestern eine große Anzahl an Besuchern beschert, über die wir uns sehr gefreut haben! Diese hatten sowohl einen Einblick in das Gebäude bekommen, als auch in die Arbeit des Hochschularchivs. Dazu ein Foto vor der Gedenktafel, die an die Separatistenaufstände im Jahr 1923 erinnern soll:

TdoD 2

 

 

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Der September ist Reiff: Korrespondenz aus dem Reiff-Museum

09_September

Akte 840

Transkription:

Aachen, den 5. Mai 1909

An seine Magnifizenz den Herrn Rektor hier

Ew. (Euer) Magnifizenz,

teile ich ergebenst mit, daß der Assistent am Reiffmuseum und der kunstgeschichtlichen Versammlung Herr stud arch (Student der Architektur) Johann Schuhmacher mit dem 30. April aus seiner Stellung ausgeschieden ist, da er seine Studien an der Universität Bonn fortsetzen will. An seine Stelle hat sich Herr Dr. Brinkmann aus Berlin zum Eintritt bereit erklärt und, da bei Beginn des Semesters eine Hülfe (Hilfe) für mich unentbehrlich war, die Stelle vorbehaltlich nachträglicher Genehmigung am 1. Mai angetreten. Ich bitte um Genehmigung desselben.

Der Professor für Kunstgeschichte

M. Schmid

Dieser Brief, bei dem es um Personaländerungen im Reiff-Museum geht, ist an den ehemaligen Rektor der Hochschule, Professor Wilhelm Borchers, gerichtet. Der Brief wurde verfasst von Professor Max Schmid (ab 1919/20: Schmid-Burgk), dem damaligen Professor für Kunstgeschichte und wichtiger Schlüsselfigur in der Geschichte des Reiff-Museums. Dieser übernahm 1894/95 die Stelle von Professor Vischer und begann damit seinen Hochschuldienst.

Franz Reiff, selber Professor und der Namensgeber des Instituts, schaffte sich eine umfangreiche Sammlung an Kunstwerken an, unter denen sich Originale, Kopien und Aquarelle von bekannten Künstlern befanden. Zu seinen bekanntesten Sammlungen gehörten unter anderem auch Werke von Tizian, Rubens und Rembrandt. Reiff war dabei selbst als Künstler tätig und nutzte das Kunstarsenal auch zur Vermarktung seiner eigenen Werke. Des Weiteren wurden die Sammlungen als Anschauungsmaterial für die Studierenden der Architektur genutzt. Reiff verstarb 1902 und hinterließ seine Sammlung testamentarisch der Hochschule. Dabei übernahm Professor Max Schmid-Burgk die Leitung und erweiterte den Bestand, zu dem auch Werke von Wassily Kandinsky wie „Der blaue Berg“ und „Improvisation24“, gehörten. Durch Schmid-Burgk wurde 1908 der Öffentlichkeit ein Zugang zu den gesammelten Werken möglich. Zur Eröffnung waren es eine Anzahl von ungefähr 300 Kunstwerken, davon 200 Kopien von Originalgemälden. Der Bestand änderte sich dabei aber immer wieder über die Jahre. Von 1909 bis 1925 organisierte Schmid-Burgk insgesamt 16 Ausstellungen. Ihm wird dabei auch ein besonderes Gespür für moderne Kunst zugesagt. Mit dem Tod Schmid-Burgks im Jahre 1925 fehlte dem Reiff-Museum ein für die Pflege der Sammlung beauftragter Leiter. Daraus folgten der Verkauf und die Verschenkung vieler Werke. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gingen in den Folgejahren weitere Kunstwerke verloren und gerieten in Vergessenheit. Zudem sorgte eine nicht fachgerechte Aufbewahrung für weitere Verluste.

Der obige Brief ist in die Zeit einzuordnen, als das Reiff-Museum bereits für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden war. Der Bitte Professor Schmid-Burgks, den Platz des ehemaligen Assistenten Johann Schumacher durch den Doktor Albert Erich Brinkmann zu ersetzen, wurde schließlich durch Rektor Borchers zugestimmt. Zum Gedenken an Max Schmid- Burgk wurde 1928 unter anderem eine Büste im Reiff-Museum für ihn aufgestellt.

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Vine-Videos, Facebook und Co. – Mein Praktikum im Hochschularchiv

Tatsache: Im Studiengang Gesellschaftswissenschaften muss ein Praktikum pflichtweise absolviert werden. Als ich mich vor einigen Monaten auf der Suche nach einem Praktikum befand, stolperte ich auf Hinweis einer Tutorin über das Hochschularchiv der RWTH. Für jemanden, der überlegt, seine Bachelorarbeit in der Geschichtswissenschaft zu schreiben DIE Gelegenheit, mit der „handfesten“ Materie in Berührung zu kommen. Da ich mir zu diesem Zeitpunkt ziemlich sicher war, dass ein anderes bereits absolviertes Praktikum nicht anerkannt werden würde, bewarb ich mich also im Archiv. Weil zu diesem Zeitpunkt noch Praktikanten am Archiv waren, wurde der Juli als Startpunkt ausgemacht. Obwohl mein anderes Praktikum vor Beginn meiner Arbeit im Archiv anerkannt wurde, entschied ich mich dann, ein „freiwilliges“ Praktikum zu absolvieren. Das hat sich, im Nachhinein betrachtet, als sehr gute Entscheidung erwiesen:

Wenn man an Arbeit in einem Archiv denkt, denkt man vielleicht an Akten abstauben in abgedunkelten Hinterzimmern. Die tatsächliche Arbeit im Archiv belehrt einen aber schnell des Besseren – Ich kann mir kein Unternehmen vorstellen, das besser auf Praktikanten vorbereitet ist als das RWTH-Archiv. Der Modulplan, der im Laufe des Praktikums abgearbeitet wird, führt einen abwechslungs- und umfangreich durch alle Bereiche des Archivs: Vom Archivrecht über die Beantwortung von Anfragen bis hin zu Websitegestaltung oder dem Erstellen von Vine-Videos.

Vines? Tatsächlich. Das Archiv ist wesentlich moderner als man vielleicht denken würde. Bereits bei der Vorstellung wird man auf die Onlinepräsenz des Archivs verwiesen – Facebook & Co lassen grüßen. Auch ein Archiv geht mit der Zeit und ist online genauso wie offline erreichbar.

Natürlich darf man trotz allem nicht vergessen, worin die Hauptaufgabe eines Archivs besteht. Die Arbeit mit Archivgut steht im Vordergrund, sei es zur Recherche aufgrund einer externen Anfrage oder zur Bestandserhaltung. Aber auch das gestaltet sich als sehr zeitvertreibend: Auf der Suche nach Informationen stößt man immer wieder auf (gefühlt) uralte Akten von Professoren um 1900, Studenten, Korrespondenzen, Lebensgeschichten. Auch wurde die Arbeit teilweise interessant durch die gelernten Tricks abseits des Archivs, wie zum Beispiel in den Modulen Informationsrecherche und Urheberrecht.

Die ganze Arbeit fand in einem entspannten kleinen Team statt und war von einer angenehmen Atmosphäre geprägt. Obwohl es einiges an Arbeit zu tun gibt, wurde es zu keinem Moment stressig. Zu Beginn war alles neu für mich, trotzdem wurde ich gut eingeführt – auch wenn man kaum etwas verstand ging den Archivmitarbeitern nie die Geduld verloren. Man konnte immer fragen, wenn es irgendwo Probleme gab und einem wurde sofort geholfen.

Insofern ist das Archiv der RWTH der ideale Ort um sein Praktikum zu absolvieren. In angenehmem Umfeld mit abwechslungsreichen Tätigkeiten vergeht die Zeit wie im Flug!

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Kalenderbild August: “Graf Zeppelin II”

Das beigefügte Bild zeigt einen Einblick in das Innere des in den späten dreißiger Jahren gebauten LZ 130 Luftschiffes „Graf Zeppelin II“. Es war das letzte große Starrluftschiff und Schwesterschiff der in den Jahren 1931 bis 1936 gebauten „Hindenburg“. Benannt wurde es, wie bereits eines der Luftschiffe vor ihm, nach Ferdinand Graf von Zeppelin.

08_August

Sig. 8.2.1.k

Die Geschichte der Zeppelin-Luftfahrt, die bereits in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts durch die Arbeit von Graf von Zeppelin begann, erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte. Während in der ersten Zeit besonders die Planung und Konzeption neuer Luftschiffe im Vordergrund standen, waren die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg vor allem durch zahlreiche Unfälle geprägt. Auch einige der Zeppeline, die ab 1909 für die kommerzielle Fahrgastbeförderung benutzt wurden, kamen bei Einsätzen zu Schaden; Personen wurden dabei jedoch nicht verletzt.

Während des Ersten Weltkriegs wurden Luftschiffe für Aufklärungsmissionen und strategische Bombeneinsätze verwendet. Sie galten als neue Spitzentechnologie und waren Flugzeugen tatsächlich aus technischer Sicht überlegen, doch in den vielen Fällen wurden sie von Militärangehörigen besetzt, denen das nötige Wissen um die richtige Bedienung von Luftschiffen fehlte. Trotz allem konnten vor allem an der Ostfront Erfolge erzielt werden. Im Verlauf des Krieges gelang es den Alliierten zunehmend besser, durch weiterentwickelte Jagdflieger und die Abhörung des Funkverkehrs die Bedrohung, die von den Bombenattacken der Luftschiffe ausging, zu eliminieren, indem man sie zerstörte. Auch auf deutscher Seite kam es zu Weiterentwicklungen von Flugzeugen, die letztlich, allerdings primär aus Kostengründen, in vielen Fällen anstelle von Luftschiffen eingesetzt wurden. Nach der deutschen Niederlage und der Forderung nach vollständiger Entwaffnung der Streitkräfte seitens der Alliierten wurden die Kriegsluftschiffe entweder zerstört oder den Gegnern übergeben.

Nachdem in den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg die deutsche Produktion und Inbetriebnahme von Zeppelinen erschwert, bzw. von den Alliierten verboten wurde, gelang es der Luftschiffbau Zeppelin GmbH einen amerikanischen Auftrag für den Bau eines Zeppelins zu ergattern. Darauf folgte im Jahre 1926 die Produktion eines neuen Luftschiffes, das als der erfolgreichste Zeppelin überhaupt in die Geschichte eingehen sollte: LZ 127 „Graf Zeppelin“.

Mit der Fertigstellung dieses Luftschiffes war der Höhepunkt der Zeppelin-Luftfahrt erreicht. Es wurde ein transatlantischer Liniendienst eingerichtet und eine stetig steigende Zahl an Passagieren befördert. Während der nationalsozialistischen Zeit wurden die existierenden Zeppeline vor allem für Propagandazwecke seitens der NSDAP missbraucht. Am 06. Mai 1937 ging die „Hindenburg“ bei einem Landeanflug in Flammen auf und wurde dabei vollständig zerstört. Dieses Unglück leitete das Ende der deutschen Zeppelingeschichte ein. Anders als im des Ersten Weltkrieges spielten Luftschiffe während des Zweiten Weltkrieges keine Rolle: Im März 1940 wurde die Abwrackung der letztlich verbliebenen Zeppeline angeordnet, die Luftschiffhallen gesprengt.

Der 1977 gegründete Verein für Zeppelin-Luftschifffahrt Zeppelinheim e.V. (ehemals Zeppelin-Kameradschaft) hat es sich seit seiner Gründung zum Ziel gesetzt, das Wissen und die Tradition um die Zeppeline der damaligen Zeit für gegenwärtige und zukünftige Generationen zu bewahren. Das hier zu sehende Bild entstammt einer Sammlung von Originalaufnahmen von verschiedenen Zeppelinen aus unterschiedlichen Jahren.

 

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Stellenausschreibung Hilfskraft

Wir suchen eine neue studentische Hilfskraft, die uns bei unserer Arbeit im Archiv unterstützt. Wir freuen uns auf Eure Bewerbungen!

Mehr Informationen dazu unter http://web-p.zhv.rwth-aachen.de/mainzhv.php?scriptid=job&param=vorschau&nr=17976&typ=hiwi

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Eine durchweg tolle Zeit! – Praktikumsbericht

Etwa drei Monate ist es her, dass ich mich auf panischer Suche nach einem Praktikumsplatz befand. Aufgrund der Verkettung einiger unglücklicher Umstände wurde mir mein im letzten Semester absolviertes Praktikum nicht anerkannt und eine schnelle Alternative musste her. Doch wo suchen? Welcher Betrieb hatte noch so kurzfristig Kapazitäten frei, um eine Spontanpraktikantin unterzubringen?

Ziemlich frustriert und skeptisch sah ich mich um, hielt Augen und Ohren nach möglichen Stellen offen und schickte eine Reihe von Anfragen an Betriebe, die mich interessierten – meine Erwartungen hielten sich jedoch in Grenzen. Ich rechnete nicht damit, von irgendwem eine Zusage zu erhalten. Kaum hatte ich mich allerdings mit dem Hochschularchiv der RWTH in Verbindung gesetzt, erhielt ich prompt eine Antwort, die mich wieder hoffen ließ. Ich wurde zum Gespräch eingeladen, und die Leute vom Archiv – zuvorkommend, wie sie sind – machten das für mich für unmöglich Gehaltene möglich: Bereits kurz nach diesem Treffen durfte ich als Praktikantin meine Arbeit dort beginnen.

Ich muss gestehen, dass ich vor meinem Praktikum über wenig Wissen im Bereich Archivwesen verfügte. Natürlich konnte ich mir, wie wohl die meisten Menschen, ungefähr vorstellen, was die grundsätzliche Aufgabe eines Archivs ausmacht. An dieser Stelle möchte auch ich den bereits viel zitierten Satz anbringen, der diese gut zusammenfasst: „Das Hochschularchiv ist das Gedächtnis der RWTH Aachen.“ Doch wie genau kommt dieses „Gedächtnis“ zustande? Wodurch wird etwas wertvoll genug, um ins „Gedächtnis“ aufgenommen zu werden (Modul: Bewertung)? Wie wird es gehegt und gepflegt, um es so lange wie möglich für die Nachwelt festzuhalten (Modul: Bestandserhaltung)? Und was muss man beachten, wenn man dieses „Gedächtnis“ für die Öffentlichkeit zugänglich macht, bzw. machen will (Modul: Archivrecht)? Diese und viele weitere Fragen begleiten einen über die Dauer des Praktikums hinweg, und ihre Antworten sind sehr spannend und aufschlussreich. In Form von einzelnen Modulen und Aufgaben, die es zu absolvieren gilt, erhält man Einblicke ins Archivwesen – und nicht selten sogar Tricks und Kniffe fürs Studium, mit denen man so vielleicht nicht gerechnet hätte (Stichwort: Literaturrecherche)!

Eine für mich absolut tolle Erfahrung war die freundliche, kollegiale Atmosphäre vor Ort. Ich glaube, dass es nicht gelogen ist, wenn ich behaupte, dass ich mich bei keinem meiner bisherigen Arbeitsplätze so wohl gefühlt habe wie hier im Archiv. Das Arbeitsklima ist entspannt und produktiv: Selbstständiges Arbeiten wird zwar gefordert und gefördert, aber wenn man etwas nicht (mehr) weiß oder nicht versteht, ist jederzeit jemand zur Stelle, der einem unter die Arme greift und weiterhilft. Neben der Arbeit kommt natürlich auch das Miteinander in Form von persönlichen Gesprächen nicht zu kurz und rundet somit den Gesamteindruck eines großartigen Arbeitsplatzes ab, zu dem man immer gerne kommt.

Ich hätte niemals gedacht, dass meine anfängliche Misere dazu führen könnte, dass ich so schöne und lehrreiche Erfahrungen sammle, die ich jetzt rückblickend auf keinen Fall mehr missen möchte. Selbst, wenn es mir vor manchen Modulen ein wenig gegraust hat (Paläographie!), merkt man schnell: Mit der richtigen Hilfe geht alles! Und ein Glück, dass man diese im Hochschularchiv bekommt.

Ich bedanke mich recht herzlich für diese wunderbare Zeit und kann jeder Person, die auf der Suche nach einem Praktikumsplatz ist, das Hochschularchiv nur wärmstens ans Herz legen!

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Kalenderbild Juli

Das Kalenderbild des Monats Juli zeigt einen Auszug aus der Diplomprüfungsordnung vom Mai 1916. Der Ausschnitt ist eine Genehmigung des “Ministers der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten” und gestattet eine Ausnahmeregelung bezüglich einer Unterbrechung des Studiums durch einen Kriegseinsatz.

Kalenderbild Juli

Sig.: Akte 57b1

Da die Studienordnung einen sechsmonatigen Praktikumseinsatz ohne Unterbrechung vorsieht, wurde es in den Kriegsjahren für viele Studenten schwierig, ihr Studium unter den widrigen Umständen des Krieges weiter fortzusetzen. Aus diesem Grund wurde diese Ausnahmengenehmigung ausgesprochen, welche erlaubte, ein Praktikum für den Kriegseinsatz zu unterbrechen und anschließend in den Ferien fortzuführen.

In dieser Online-Präsentation gibt es noch weitere Informationen zur RWTH im Ersten Weltkrieg.

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