Archiv ist…mehr als gedacht!

 LeaPlum_2Die Leiterin des Hochschularchivs, Frau Prof. Dr. Roll, hatte im Rahmen einer ihrer Vorlesung die Möglichkeit, dort ein Praktikum zu absolvieren, vorgestellt und somit mein Interesse geweckt. Da ich Gesellschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Soziologie studiere, hatte ich dies zuvor nicht in Betracht gezogen. Nach einem ersten Gespräch verständigten wir uns auf einen Praktikumsbeginn im Oktober. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur eine abstrakte Vorstellung meiner zukünftigen Tätigkeiten auf Basis der vorab ausgehändigten Modulübersicht und ging dementsprechend gespannt in meine erste Woche im Archiv. Mein Praktikum begann in medias res mit dem Besuch eines Filmteams der WDR Lokalzeit Aachen, das Bilder und Urkunden von Maria Lipp für einen Beitrag abfilmte. Dies war ein guter Indikator für die kommende Zeit. Archivalltag ist alles – aber nicht vorhersehbar! Die Modularisierung einiger Praktikumsbestandteile verbindet Theorie und Praxis anschaulich. Darüber hinaus erhält man die Gelegenheit, sich auch in Bereichen auszutesten, die man sonst nicht erschließen würde. In meinem Fall trifft dies besonders auf die viel erwähnte Paläographie zu. Ohne das zugehörige Modul hätte ich mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals mit alten Schriften beschäftigt. Ich muss eingestehen, dass die dort erworbenen Kenntnisse während des Stöberns mehrfach Anwendung gefunden haben, auch wenn ich eingangs davon nicht sonderlich überzeugt war. Im Großen und Ganzen zeichnet sich das Praktikum durch eine gesunde Mischung aus anspruchsvollen und entspannten Tätigkeiten aus. (Für mich) überraschenderweise habe ich durch dieses Praktikum Gefallen an Öffentlichkeitsarbeit gefunden. Dies war im Vorhinein für mich in keinster Weise erstrebenswert und hatte für mich den Stellenwert des „Irgendwas mit Medien“. Durch die aktive Nutzung Facebooks lernte ich die technischen Möglichkeiten dessen aus Unternehmersicht kennen. Der geschäftliche Umgang mit Facebook unterscheidet sich stark von der privaten Nutzung. Es gilt ungleich mehr Faktoren zu beachten, um Beiträge zu erstellen, die für NutzerInnen interessant genug sind, um sie zu bemerken, aber auch präzise genug, um schnell erfassbar zu sein. Im Zuge dessen konnte ich mir die Archivbestände durch Sichtung einer Vielzahl an Archivalien erschließen. Besonders imponiert hat mir die freie, selbstständige und kollegiale Arbeit. Jeder hat seinen eigenen Zuständigkeitsbereich und trotzdem kann man sich zu jedem Zeitpunkt auf die KollegInnen verlassen. Auch wir PraktikantInnen sind Teil des Teams. Jeder denkt mit und trotzdem arbeitet man weitestgehend eigenständig sowie selbstverantwortlich. Daraus ergibt sich ein großer Gestaltungsspielraum. Zudem gibt es einen großen Pool an Aufgaben, die es zu erfüllen gilt. Somit kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile oder gar Untätigkeit auf. Meine Zeit im Archiv ist wie im Flug vergangen. Es war eine aufregende und lehrreiche Zeit mit einem starken Team, das mich mit offenen Armen aufgenommen und mir Raum gegeben hat, meine Ideen gemeinsam umzusetzen. An dieser Stelle möchte ich eine klare Empfehlung an alle Praktikumssuchenden aussprechen. Hier habt ihr die Möglichkeit strukturiert und selbstbestimmt als Teammitglied zu arbeiten.

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Irgendein Praktikum? – Nein, ein ganz besonderes!

PraktikantinSchwaebisch„Und was machst du jetzt nach der Schule?“ „Erstmal ein Praktikum beim Hochschularchiv“ „Aha, also etwas mit Akten?“ – Ja klar, aber mit noch viel mehr!

Die Aufgaben in einem Hochschularchiv sind unglaublich vielseitig. Durch mein Praktikum habe ich die Chance bekommen, all diese Aufgaben kennenzulernen.

Selbst Aufgabenbereiche mit den unspannenden Bezeichnungen wie „Umbetten“ oder „Verzeichnen“ machen erstaunlicherweise sehr viel Spaß. Ich selbst hätte nie gedacht, was für ein tolles Gefühl es sein kann, Dokumente mit speziellem Kleber zu reparieren und mit einem Latexschwamm zu reinigen. Der Gedanke, dass man die Akten so für die Ewigkeit haltbar macht oder dies zumindest versucht, ist einfach schön.

Generell hat mich die Nähe zu all den unterschiedlichen Dokumenten, die aus einer früheren und damit auch fremden Zeit stammen, sehr beeindruckt. Man kann unglaubliches geschichtliches Wissen besitzen, aber es ist dennoch etwas ganz anderes und vor allem besonderes, wenn man ein Dokument aus einer vergangenen Zeit dann in den Händen hält. Das hat mich immer wieder fasziniert.

Das Umbetten bot außerdem die Gelegenheit, spannende Dokumente zu entdecken! Um diese dann mit der Öffentlichkeit zu teilen, gab es die Möglichkeit, einen Facebook-Post zu erstellen. Die Idee des Bilderfreitags mit der „Archivalie der Woche“ fand ich von Anfang an eine tolle Idee. Sich dafür einen interessanten Text zu überlegen, hat mir immer Freude gemacht.

Es gab aber noch vieles weiteres, was ich lernen durfte! Im Modul „Archivrecht“ habe ich etwas über die langen Sperrfristen gelernt, im Modul „Bewertung“ über den Druck, der auf einem Archivar lastet, das „Richtige“ aufzuheben und im Modul „Paläographie“  alte Schriften zu lesen.

Nicht zu vergessen zu erwähnen ist eine der Hauptaufgaben im Archiv: das Beantworten von Anfragen. Jede Anfrage stellt einen vor neue Herausforderungen. So kam es beispielsweise, dass wir einmal im Team damit beschäftigt waren, Unterschriften zu vergleichen, weil wir den Namen eines Dekans, der gesucht wurde, herausfinden wollten. Das haben wir am Ende auch zum Glück geschafft!

Meistens wird man für seine Recherchebemühungen auch mit einer netten Dankesmail belohnt. Darüber habe ich mich auch immer sehr gefreut.

Natürlich gibt es auch Dinge, die weniger spannend sind. Das Einscannen von Vorlesungsverzeichnissen zum Beispiel. Aber auch das muss gekonnt sein! Und das Korrekturlesen der sogenannten Findbuchdatei muss schließlich auch von jemandem erledigt werden. Wie bei den wenigsten Praktika, hat man im Hochschularchiv auch das Gefühl, eine Unterstützung zu sein.

Was ich außerdem gelernt habe: sechs Wochen können verdammt schnell vergehen!  Ich hatte nicht nur eine besonders lehrreiche, sondern auch eine  sehr erlebnisreiche Zeit. Deshalb bin ich auch sehr traurig, dass es so schnell zu Ende ging. Ich nehme aus dem Praktikum sehr viel mit und bin daher sehr dankbar, dass ich es im Hochschularchiv machen durfte, obwohl ich noch keine Studentin bin.

Insgesamt kann ich nur bestätigen, ein Praktikum im Hochschularchiv lohnt sich wirklich und bereichert einen ungemein. Ich möchte mich beim gesamten Team für jegliche Einweisungen und Hilfestellungen bedanken. Ich hab mich während meines Praktikums immer sehr wohl und gut aufgehoben gefühlt.

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Kalenderbild November: Großes Labor mit kleinen Strukturen

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Sig.: Rückseite der AMA 1997/1998

Das Kalenderbild des Monats November zeigt ein Foto des AN-Instituts “Adavanced Micro Electronic Center Aachen”. Dies ist auch bekannt als AMICA, welches von Schnee umgeben und der Sonne bestrahlt, die Rückseite der ALMA MATER AQUENSIS (AMA) der Jahre 1997 und 1998 ziert. Die AMA war ein Magazin, in dem alles rund um die stattgefundenen Ereignisse der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule zu lesen war, also das Jahrbuch der RWTH. Im Allgemeinen gilt AMICA als Brücke zwischen Physik  und Elektrotechnik.

AMICA wurde 1997 nach einem Beschluss der nordrhein-westfälischen Landesregierung durch den ehemaligen Leiter des Instituts für Halbleitertechnik Herrn Professor Heinrich Kurz gegründet und wird von der gemeinnützigen AMO GmbH, Gesellschaft für Angewandte Mikro- und Optoelektronik, geleitet. Inzwischen feierte das Nanotechnologiezentrum am 7.Juli sein 20-jähriges Jubiläum und hat seit seiner Gründung eine beachtliche Entwicklung hingelegt.

Die Amo hat sich internationales Ansehen verschafft und kooperiert mit über 200 führenden Industriepartnern aus der ganzen Welt. Weiterhin ist sie durch ihre Herstellung des Graphen Transistor ein prominenter Teil des europäischen Projekts „Graphene Flagship“ geworden. Im 400 Quadratmeter großen Reinraumlabor werden, neben der Optimierung von Bauteilen für Kommunikationsmedien wie Handy und Computer, auch wesentliche Bauelemente eines Computers erforscht wie zum Beispiel “high-k-Isolatoren”.

Nach dem plötzlichen Tod des Geschäftsführer Professor Heinrich Kurz übernahm im Februar 2017 Professor Dr. Max Christian Lemme die Leitung der AMO GmbH. Er förderte die Reinrauminfrastruktur der  AMICA und die Ausrichtung der Amo im Bereich der Mikro- und Nanoelektronik. Die Tradition des Gründers soll durch ihn fortgesetzt werden. Die Amo als „Pfadfinder“ für neue Technologien und AMICA dient als der zuverlässige Partner, um diese zu verwirklichen.

Festzustellen ist auch, dass das Nanotechnologielabor AMICA nicht nur eine äußerst wichtige Rolle für die AMO spielt, sondern auch für Studenten viele Möglichkeiten bietet. Diese  können dort Teil des internationalen Forschungsteams werden und ihre Abschluss- oder Doktorarbeit schreiben.

Abschließend lässt sich sagen, dass AMICA ein großes und bedeutsames Labor der RWTH ist, in dem neue Technologien erforscht werden und sie noch zukünftig vielversprechende Innovationen entwickeln werden.

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Kalenderbild Oktober: wat jehen mia die andan an?

10Oktober_Asta-Studienführer_Collage

Signatur: S5096

KalenderOktoberBild2Das Kalenderbild des Monats Oktober zeigt die Vorder- und Rückseite des 136-seitigen Studienführers der RWTH Aachen aus dem Jahr 1963. Damit war es der erste Studienführer, den der Allgemeine Stundentenausschuss (kurz AstA) seit 1957 herausgegeben hat, und diente, wie auch heutige Ausgaben, der Informations- und Orientierungshilfe von Erstsemester-Studenten. Zusammen gestellt und redigiert wurde diese Ausgabe von Ingemar Lange, dem damaligen Pressereferenten des AstA.

Schon beim ersten Betrachten des Hefts fallen einem dieKalenderOktoberBild1 Zeichnungen einiger Aachener Wahrzeichen auf: die Plastik Karls des Großen am Karlsbrunnen, den Aachener Dom, das Ponttor, die Pferdestatue am Theater,das Hauptgebäude der RWTH sowie das damals noch junge Audimax-Hörsaalgebäude, welches 1954 errichtet wurde. Darüber hinaus werden aber auch zeitlose Themen für Student/innen angesprochen; vielseitig fließen sie in die Collage ein: Mietzahlungen, Vorurteile gegenüber den Ingenieursfächern, unzählige Graphen und Formeln, Liebesangelegenheiten und die Anmerkung „wat jehen mia di andan an?“ auf Öcher Platt sprechen pars pro toto für das KalenderOktoberBild3Aachener Studentenleben allgemein.

Für die Zeichnungen verantwortlich ist Prof. Dipl.-Ing. Konrad Schalhorn. Von ihm liegen dem Archiv noch weitere Bilder vor. Seine Skizzen lassen auf seinen persönlichen Hintergrund schließen: von 1958 bis 1965 studierte er Architektur an der RWTH – so erschließt sich auch sein Augenmerk auf Gebäude und Kunst und die Verwirklichung dieses Designs auf Millimeterpapier. Prof. Schalhorn ist auch für die Spende des Studienführers und der Vorlagezeichnung an das Archiv zu danken.

Des Weiteren wurde unter Schmeissers Amtszeit auch der Bau des ersten Wohnheimturms an der Roermonder Straße, des Otto-Petersen-Hauses, veranlasst. Es wurde 1965 fertiggestellt. Schmeisser trat sein Amt als Rektor der RWTH jedoch bereits einen Monat nach Veröffentlichung des Studienführers im Oktober am 12. November an Prof. Aschoff ab, unter dessen Leitung beispielsweise die Philosophische Fakultät gegründet wurde – für mich als Literaturwissenschafts- und Philosophiestudentin ein Meilenstein in der Aachener Hochschulgeschichte!

Signatur: 1.2.1 Kar

Was passierte sonst im Jahr 1963?

Am 7. Mai dieses Jahres hatte die RWTH einen schweren Verlust zu betrauern: Theodore von Kármán, Leiter des Aachener Instituts für Mechanik und flugtechnische Aerodynamik und Gründer der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen, von der ihr schon auf unserem letzten Kalenderblatt mehr erfahren habt, verstarb. Nach ihm sind viele Einrichtungen der Universität und sogar eine Straße benannt. Das Kármán-Auditorium, welches gegen Mitte der 1970er Jahre fertiggestellt wurde, hat übrigens mit Beginn des Sommersemesters dank der Fertigstellung des neuen Hörsaalgebäudes C.A.R.L. am Westbahnhof nach nunmehr fast 50 Jahren ausgedient. Es ist noch unklar, ob es umfassend saniert werden soll – da es unter Denkmalschutz steht, wird es der Stadt aber wohl zumindest erhalten bleiben.

Quellen: Fotos/Scans aus dem Archivbestand, Alma Mater Aquensis 1963, Websitenlinks, Gerald Eimer: http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/karman-auditorium-hat-bald-ausgedient-1.1581178 (eingesehen: 07.07.2017)

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„Höllische Nachbarn“ im Hochschularchiv der RWTH – Das Modul Paläographie

Sig.: 508 b; Vorderseite

Bei unserer Recherche zu einer Anfrage sind wir auf einen außergewöhnlichen Fund gestoßen. Zwischen all den oftmals langweilig wirkenden Sachakten entdeckten wir einen Beschwerdebrief eines damaligen Dozenten an den ehemaligen Rektor Röntgen. Er beschreibt die angeblichen Fantasiegespinste einer Frau aus seiner Nachbarschaft, welche er mit nationalsozialistischem Jargon denunziert. Da uns der Vorfall interessierte, recherchierten wir weiter und fanden den diesem Schreiben vorausgegangenen handschriftlichen Beschwerdebrief eben dieser Nachbarin. Darin beschreibt sie ihre Sicht der Dinge.

Als uns der Brief jedoch in die Hände gefallen ist, konnten wir zunächst kaum ein Wort nach der Kopfzeile entziffern. Während diese noch in den uns bekannten römischen Buchstaben verfasst ist, ist der nachfolgende Text in einer althochdeutschen Schreibschrift verfasst. Hier sieht ein d aus wie ein v, es gibt je nach Position im Wort verschiedene s-Buchstaben, das ch erinnert an ein y – und darüber hinaus haben noch zahlreiche weitere Probleme das Lesen erschwert. Erst durch das Modul Paläographie bei Herrn Graf lüftete sich das Geheimnis um diesen kuriosen Nachbarschaftsstreit.

Hier lernten wir zunächst die zehn goldenen Regeln der Paläographie (unter anderem, dass es sich im Zweifel immer um ein w handelt und man notfalls ein Wort rückwärts zu entziffern versuchen sollte). Dann dröselten wir einzelne gut leserliche Worte und Textzeilen auf und übertrugen jeden Buchstaben auf ein separates Blatt. Auf dieses konnten wir bei schwierigeren Textstellen zurückgreifen. Nach und nach entschlüsselte sich uns so der Brief. Doch bevor Sie unsere Übertragung lesen, versuchen Sie doch einmal selbst, den ein oder anderen Satz zu entschlüsseln! Falls Sie Hilfe dabei brauchen, können Sie folgendes Video anschauen, das von uns Praktikanten zu diesem spannenden und hilfreichen Modul erstellt wurde. Wir sind auf jeden Fall sehr glücklich, das Modul Paläographie mit so einem interessanten Zufallsfund vorstellen zu können.

Nachfolgend finden Sie unsere Transkription des Textes:     Aachen, den 28.5.33. Hochverehrter Herr Prof. Dr. Röntgen,  

Endes-Unterzeichnete erlaubt sich Euer Magnifizenz, folg. zu Ihrer Beurteilung zu unterbreiten:

Sig.: 508 b; Rückseite

Wir bewohnen seit 3 Jahren das Parterre im Hause Rütscherstr. 52. Der Privat Dozent H. Dr. Schröder der techn. Hochschule bewohnt seit 3 Monate [sic!] die 2te Etage desselben Hauses. Das Dienstmädchen des Herrn Dr. Schröder hat die üble Gewohnheit den Mülleimer, der Mittags 12 Uhr geleert wird, entweder in meinen [sic!] Vorgärtchen hineinzuschmeißen, wo frisch alles wächst, oder in den Flur bis Abends spät zu stellen; oft noch den Kindersportwagen dabei. Der Hauseigentümer sowie das Hausgesetz verbieten solches, der Flur muß frei sein. Dem H. Dr. Schröder wurde es mitgeteilt. Er versprach auch Abhülfe, aber trotzdem war es immer dasselbe.

Dieses ist die Grundlage für den folg. großen Streit. Ich nehme an, daß Frau Dr. Schr. mit den Herausforderungen Ihres Dienstmädchens uns gegenüber einverstanden ist, da sie samt Mädchen sogar meine verh. Tochter, die nicht im Hause wohnt, auf der Straße ausgelacht haben; und als meine Tochter sich später darüber beschwerte, wir uns noch Grobheiten mußten sagen lassen.

Am Dienstag Abend, dem 23. d. M. kam es nun zum offenen Streit.

Der Eimer stand bis 6 Uhr Abends in der Straße, wurde dann vom Dienstmädchen in den Flur gestellt. Um 7 Uhr als die Familie der I Et. (?) [sic!] nach Hause kam, von dieser in unsere Schlafzimmer Tür gestellt.

Darauf befahl ich meiner Tochter den Eimer in die Straße zu stoßen. Als gegen 8 Uhr Herr Dr. Schr. mit seiner Familie nach Hause kam, erlaubte sich das Dienstmädchen die Schimpfnamen – „wer hat den Eimer herausgestellt, den ich hereingestellt habe, diese Saubande und s. w.“

Mein Mann öffnete die Küchentür und frug – „gehen diese Schimpfnamen uns an?[“] Herr Dr. Schr. gebot darauf meinem Mann Ruhe, lächerlich in unserer eigenen Wohnung. Dann drehte er sich um, er stand fast in unsere Küche hinein, er hob den schweren Stock, [den] er bei sich führte und wollte mit der Krücke auf meine 33 jähr. Tochter schlagen. Mein Mann suchte den Schlag zurück zu halten mit dem linken Arm und [er] hielt ihn über den Arm ins Gesicht auf das linke Auge, welches noch heute in verschiedenen Farben zu sehen ist. Dann holte er zum 2ten Schlag aus worauf meine Tochter die ernste Situation überblickend 2 kleine allu. Milchkesselchen schnappte, in den Flur schmiß ohne jedoch den H. Dr. zu treffen. Frau Dr. Schr. stand mit dar neben mit dem Riemen des Sportwagens, ebenfalls zum Schlagen bereit. Es folgten dann noch ein[ige] Schimpfereien, und ich schloss unsere Wohnung ab; um alles weitere zu verhüten.

Ich hätte mir gewünscht, Sie hochverehrter Herr hätten diesen Mann gesehen, wie der sich benahm. Ich frage Sie nun: ist das national-akademisch??? Ist das der Erfolg der großen Rede des Herrn Dr. Sch.??

Es ist unerhört, daß sich ein 70 jähr. alter, unbescholtener Mann, der 36 Jahre in Staatsdiensten gestanden und unter eigener Lebensgefahr in der Besatzungszeit dem Staate Dienste geleistet und Inhaber des Verdienstkreuzes I. Kl. ist – sich von einem jungen Mann, muß das Gesicht schänden lassen?? Das hochverehrter Herr nur zur [sic!] Ihrer Kenntnis und Beurteilung.

 Mit vorzügl. Hochachtung Frau Hein. Jansen geb. Louise [Fey/Fich/Fech] Rütscherstr. 52 p.


von Alina Menden und Sarah Schmidtmann

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Die Kunst des richtigen Lesens

Zur Grundausbildung eines Archivars gehört beispielsweise neben Fertigkeiten im Verzeichnen und der Bestandserhaltung auch das Transkribieren alter Texte. Dabei verhält es sich wie beim Übersetzen vom Lateinischen ins Deutsche: Übung macht den Meister!

Seit Jahren weist Klaus Graf seine Studenten – und auch die Mitarbeiter und Praktikanten des Hochschularchivs – in die Kunst der Paläographie, der Lehre von alten Schriften, ein und formulierte aus diesem Grund zehn Regeln, die dem Laien als kleine Unterstützung beim Transkribieren dienen sollen. In einem kurzen Video stellen unsere beiden Praktikantinnen diese vor:

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Macht und Pracht im Hochschularchiv der RWTH

TdoD_2017_5Am 10. September 2017 war es wieder soweit: Wie jedes Jahr öffneten die Mitarbeiter des Hochschularchivs auch am vergangenen Sonntag das Tor des alten Aachener Regierungsgebäudes für die Besucher des Tag des offenen Denkmals.

So steht die Geschichte des 1827 von Johann Peter Cremer erbauten Gebäudes am Theaterplatz ganz im Zeichen des diesjährigen Mottos: Macht und Pracht. Napoleon Bonaparte und Otto von Bismarck sind wohl die prominentesten Namen, die in Zusammenhang mit dem Gebäude stehen dürften. Doch auch die unangenehmen Seiten der deutschen Geschichte sind an dem Gebäude nicht spurlos vorbeigegangen, wenn man dabei an das an die Separatistentage in Aachen erinnernde Denkmal im Treppenhaus des Gebäudes denkt oder an die Gedenktafel am Eingang des Gebäudes, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert, da die GESTAPO ab 1933 in einem Teil des Hauses untergebracht war.

Das Motto des diesjährigen TdoD lässt sich außerdem an der Geschichte der RWTH Aachen University verdeutlichen, wie die Mitarbeier des Hochschularchivs durch eine Reihe von Archivalien, die während der Führung durch die Räumlichkeiten auslagen, demonstrierten.

Mit ca. 60 Besuchern war auch der diesjährige TdoD ein voller Erfolg und wir bedanken uns daher für das Interesse der Besucher und freuen uns schon auf den nächsten Denkmaltag!

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Verstaubt und dröge? Von wegen! – Mein Praktikum im Hochschularchiv

PraktikantinAlinaMendenAls Studentin der Literaturwissenschaft habe ich häufig mit alten Texten zu tun – selten bekommt man da eines der kostbaren Originale in die Hand. Ganz anders ist das im Archivwesen: hier arbeitet man buchstäblich eigenhändig mit wunderbaren, erschreckenden, andächtigen und häufig total überraschenden Zeitzeugnissen – und zwar selbstständig, von Anfang an.

Was ich schnell in meiner Zeit als Praktikantin des Hochschularchivs gelernt habe: kaum eine Akte ist so langweilig, wie sie von außen aussieht! Man findet in jedem Karton mitreißende Familiengeschichten, bahnbrechende Lebenswege und Dokumente aus Zeiten, die den Studierenden meines Alters sonst sehr fern sind.

Das Hochschularchiv macht Geschichte hautnah erfahrbar und greifbar. Die größte Freude war es mir immer, die persönlichen Anliegen der Nutzer des Archivs zu beantworten. Täglich wenden sich Leute ans Archiv, um Informationen zu ihren Vorfahren, Verwandten oder Bekannten zu erhalten. Nicht selten steckt die eine oder andere faszinierende oder traurige Geschichte dahinter, die wir Praktikanten dann während der Recherche aufdecken. Fast fühlt man sich wie ein Detektiv, wenn man beispielsweise einen Nachbarschaftsstreit durch verschiedene Briefwechsel auflöst oder von Menschen liest, die sich für ihre Herkunft in den 30er-Jahren rechtfertigen und um das Leben ihrer Familie bangen mussten.

Am schönsten an dieser Arbeit sind die vielen Dankesmails und –anrufe von Personen, denen wir mit unserer Recherche weiterhelfen konnten. Und das ist im Wesentlichen – zumindest in meinen Augen – die Aufgabe eines Archivs. Den Zugang zu Informationen bereiten, die, so klein und unbedeutend sie auch erscheinen mögen, für manche Menschen eine große Bedeutung haben könnten. Den Spaß an dieser Arbeit habe ich jeden Tag im Büro des Archivs zu spüren bekommen, denn an keinem anderen Ort habe ich jemals ein so tolles und motiviertes Arbeitsklima erlebt! Nicht zuletzt die vielen gemeinsamen Mittagspausen, in denen wir über Serien, die Uni und Gruselgeschichten erzählt, vor allem aber viel genascht haben, waren jeden Morgen ein guter Grund, um vorfreudig zum Praktikum zu gehen. Aber auch die Selbstständigkeit der Praktikanten wird vom Archivteam gefördert: vom ersten Tag an wird man auf die Archivalien „losgelassen“ und für eigene Ideen oder Projekte ist immer Platz und reichlich Unterstützung vorhanden. Hier wächst man an seinen Aufgaben und darüber hinaus. So bleibt mir nur jedem zu raten, ein Praktikum im Hochschularchiv in Erwägung zu ziehen.

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Meine Zeit im Hochschularchiv – Mehr als nur ein Pflichtpraktikum !

Wenn mich Kommilitonen fragen würden, was ich ihnen für ein Studium in den Gesellschaftswissenschaften auf jeden Fall ans Herz legen würde ist meine Antwort klar: Ein Praktikum im Hochschularchiv. Doch wieso ist das so?

Da gibt es zum einen die objektiven Gründe: Das PrSoSe 1968 198aktikum im Hochschularchiv ist keins dieser typischen „Kaffeekocher“- und „Zuarbeiter“-Praktika. In ihm lernt man nicht jemanden nach dem Mund zu reden und acht Wochen lang bloß beschäftigt zu wirken. Hier hat man einen eigenen Modulkatalog, der von den Praktikantinnen abgearbeitet werden muss. Dadurch wird anhand von obligatorischen Aufgaben sowie kurzen Vorträgen und Übungen das Wissen der Praktikanten erweitert und ein fester Rahmen gegeben. So einen durchdachten Praktikumsplan hatte in meinem Freundeskreis kein Anderer. Zum Modulkatalog gehörte zum Beispiel das Modul „Paläographie“ indem wir einen von uns ausgesuchten Brief zu transkribieren lernten. Wir lernten aber auch Webeinträge zu verfassen und bei Facebook, Google+ und unserer Internetseite Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und das „harte Faktenwissen“ über Urheber- und Archivrecht. Im Laufe der Zeit und der Abarbeitung des Modulkatalogs hatten wir immer mehr Spielraum und wurden immer selbständiger. In dieser freundlichen Atmosphäre wurde man zum Mitdenken, Mitentscheiden und auch mal Selbstentscheiden angeregt. Wir wurden von den anderen Mitarbeitern auf einer Augenhöhe behandelt und ermutigt, über uns hinauszuwachsen und uns selbst kennen zu lernen.

Nach dem Modul „Verzeichnen eines (Teil-)Bestandes“ bekam ich meinen eigenen kleinen Teilbestand zum Verzeichnen. Ein volles Regal wollte verzeichnet, sortiert und archivgerecht gelagert werden. Meine Freunde verstanden die Welt nicht mehr als ich ihnen stolz Fotos von meinem Fortschritt zeigte und ihnen am Freitagabend schon erzählte, was ich Montag machen werde- und das ich mich darüber freue.

Und da sind wir auch bei den persönlichen Gründen: Das Praktikum im Hochschularchiv hat mir persönlich wahnsinnig viel Spaß gemacht. Die Mitarbeiterinnen des Hochschularchivs waren schnell mehr „Freunde“ als „Kollegen“ und wir haben viel gelacht. Von ihnen habe ich viel Unterstützung bekommen und Sicherheit, wenn ich gerade dabei war, etwas Neues zu erlernen, aber auch genügend Freiraum, etwas so zu machen, wie ich es möchte – ein seltenes Glück! Durch die Bilderfreitage und das Beantworten der Anfragen lernte ich auch aus anderen Bereichen stetig hinzu. Für ein Kalenderbild lernte ich alles über die Beschaffenheit von Ringflügel, für eine Anfrage mal etwas zur proRWTH, dem Förderverein, einzelnen Professoren oder der FVA, der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen: Jeder Tag brachte mir ein bisschen mehr Sicherheit und Routine, aber auch eine neue spannende Thematik, die es zu entdecken gab.

Die einzelnen Module haben mir alle genau so viel Spaß gemacht wie das beschriebene Modul „Verzeichnen eines (Teil-)Bestandes“ und auch die anderen anfallenden Tätigkeiten habe ich genossen – so sehr, dass ich mich freue hier bald ehrenamtlich arbeiten zu dürfen – ein Gütekriterium an sich!

Auch wenn ich es vorher wirklich nicht geglaubt habe, ist nun „Archivarin“ eine Berufsperspektive, welche ich in Betracht ziehe und ich bin sehr dankbar, dass mir dies von dem Hochschularchiv aufgezeigt wurde. Aus diesen Gründen kann ich jedem Gewi- und LuS-Studenten nur ans Herz legen hier sein Praktikum zu machen.

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Kalenderbild September: Freizeitaktivitäten an der RWTH – Mehr als nur Hochschulsport !

9September_8.2.2.ap_Modell Ringflügel_ca. 1952-54

Signatur: 8.2.2 ap

Als Studentin der RWTH kenne ich natürlich das Angebot des Hochschulsports, habe viele Freunde die beim Kontakthüpfen ihre Pfunde purzeln lassen. Leider muss ich zugeben, dass ich darüber hinaus mir nie über weitere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung der RWTH Gedanken gemacht habe. Dabei bietet die RWTH ein weites Spektrum an studentischen Eigeninitiativen und wissenschaftlichen Vereinigungen an. Diese Erkenntnis habe ich vor allem durch die Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Foto gewonnen.

Auf dem Kalenderbild des Monats  Septembers sieht man das Werk einer solchen wissenschaftlichen Vereinigung, der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen. Die FVA wurde schon in Jahre 1920 unter der Leitung von Theodore von Kármán und Wolfgang Klemperer gegründet. Damals wurde der Segelflug als Möglichkeit gesehen eine Lücke im Versailler Friedensvertag auszunutzen. Durch ein Verbot der Siegermächte war es den Deutschen nicht erlaubt in der motorisierten Luftfahrt Forschungen voranzutreiben (wie bei jeder zu militärischen Zwecken nutzbaren Forschung), jedoch galt dieses Verbot nicht für die militärisch nicht ernst genommenen Gleitflugzeugbauten. Vor allem durch die Unterstützung Kármáns wurde die deutsche Forschung im Gebiet der Strömungslehre durch diese wissenschaftliche Vereinigung geprägt. Die Anfangsjahre der FVA verliefen somit sehr erfolgreich, jedoch mussten ab der Machtübernahme der NS-Regierung viele organisatorische und politische Einschränkungen hingenommen werden und ab 1940 wurde der Flugplatz der FVA durch die Luftwaffe belegt. Durch einen Luftangriff wurde die Flugzeughalle der FVA im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört.  Am 13. November 1950 erfolgte die Neugründung der FVA. Als eines der ersten Projekte nach dem Krieg wurde der im Bild abgebildete Ringflügel in Angriff genommen.

Auf dem oben sichtbaren Foto sieht man das erste Modell eines Ringflügels, welcher unter Aufsicht des Ingenieurs J. Herrmann entstand. Ziel dieser Arbeit war es, die Flugeigenschaften eines solchen Flugzeuges zu untersuchen. Man erhoffte sich eine Minimalisierung des Baugewichts und mit Hilfe des, kurze Zeit vorher wiederbelebten, Lehrstuhls für Flugzeugbau wollte man die deutsche Forschung wieder vorantreiben. Die Hoffnung der FVA war es, die deutsche Forschung, welche im Jahre 1945 stehengeblieben war, wieder mit einem spannenden Forschungsobjekt zu beleben. Das erste kleine Modell flog auch erfolgreich.

Aufgrund der erfolgreichen Flüge des Modells wurde bald mit der Erarbeitung eines großen Ringflügels begonnen.  Dadurch, dass die Berechnungen für das große Modell und Windkanaltests erst 1955 ermöglicht werden konnte, wurde das Flugzeug ohne hinreichende Berechnungen trotzdem erbaut. Erst später stellte sich dann heraus, dass der Ringflügel im Schnellflug die Tendenz hatte über ein kopflastiges Moment die Rückenfluglage aufzusuchen – das Flugzeug war also nicht flugfähig. Die kostspieligen und umfangreichen Umbauarbeiten wollte die FVA nicht vornehmen, weshalb der Rohbau nach weiteren zwei Jahren um Platz zu schaffen wieder zerstört wurde.

Noch heute lebt die FVA als wissenschaftliche akademische Fliegergruppe und Teil der Idaflieg (Interessensgemeinschaft deutscher akademischer Fliegergruppe) als Dachverband weiter. Die FVA sucht immer neue Mitglieder unter den Student/innen der RWTH und FH. Dabei sind zwar Kenntnisse auf dem Gebiet erwünscht, aber nicht zwingend notwendig. Jeder ist willkommen und kann hier  weitere Informationen zum Eintritt finden.

Denn unserer RWTH hat noch viel mehr zu bieten, als man im ersten Moment denken könnte. Deswegen sollte sich jeder die Zeit nehmen, alle Angebote der RWTH zu sichten! Weitere Informationen über die historische Geschichte der FVA finden sich bei uns in der eigenen Bibliothek des Hochschularchivs,  welche gerne besucht werden darf.

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