Kalenderbild zum Oktober: Glückwunschschreiben von E. Baronetzky, Rektor der staatlichen Ingenieursschule für Textilwesen, an Herrn Schwerte, Rektor der Rhein.-Westf. technische Hochschule Aachen, zum 100jährigen Bestehen der RWTH Aachen

10-S025-Kalender2018

S025

Aachen, den 16.10.1970

Magnifizenz,

Wenn eine kleine Institution wie die Staatliche Ingenieursschule für Textilwesen Aachen am heutigen Tage einer großen Ausbildungsstätte wie der RWTH Aachen zu ihrem 100 jährigen Bestehen gratuliert, so tut sie das in dem Bewusstsein, sich dieser Ausbildungsstätte aus Tradition besonders verbunden zu fühlen. War das Bestehen der Textilingenieursschule doch letzlich der Grund, dass hier in Aachen …

Zu sehen ist die Vorderseite des handgeschriebenen Briefes, welche mit einer Stadtansicht der Stadt Aachen in schwarz-weiß verziert ist. Der Briefkopf ist ein Abdruck eines Kupferstiches des Künstlers Matthäus Merian d. Ä. und zeigt detailliert die Stadt Aachen und ihre Umgebung. Schaut man sich als Betrachter das Bild genauer an, scheint es so, als ob der Betrachter auf einem nahegelegenen Hügel steht und auf die Dächer der Stadt sowie die bewirtschafteten Felder vor den Toren der Stadt Aachen herunterschaut. Die Umgebung der Stadt sowie die Bauern, Reisenden und Händler sind eher schemenhaft und undeutlich erkennbar und fallen im Gesamtbild kaum auf. Die Stadt selbst ist deutlich detaillierter abgebildet, was durch die unterschiedlich gemusterten Hausdächer und die detailgetreue Abbildung von Dom und Rathaus deutlich wird. Dom und Rathaus fallen durch ihre Größe im Gesamtbild auf, da beide im Zentrum der Stadt über alle Gebäude hinausragen. Achtet man auf die Stadtmauern und den Graben, kann man sich herleiten in welchem Jahrhundert die Stadt Aachen auf dem Bild abgebildet worden ist. In diesem Fall ist auch der Künstlername Matthäus Merian eine große Hilfe, da dieser um 1642 deutsche Städte als Kupferstiche abgebildet hat. Durch diese Erkenntnisse kann man sagen, dass dieses Bild der Stadt Aachen zwischen 1642 und 1650 entstanden ist. Achtet man auf die beiden Buchstaben in der oberen Mitte des Bildes, kann man erahnen, dass dort das Wort Aachen als Beschreibung des Bildes stehen soll. Der beidseitig handbeschriebene Brief ist von Egon Baronetzky, Rektor der staatlichen Ingenieursschule für Textilwesen verfasst worden, welcher Hans Schwerte, dem Rektor der RWTH Aachen für das 100-jährige Bestehen der RWTH Aachen gratuliert. Auf der zweiten Seite des Briefes lobt er das Verhältnis beider Institute zueinander und für die Region Aachen. Er hofft, dass sich die Zusammenarbeit in Zukunft verstärken und die beiden Institute noch lange miteinander arbeiten werden. Aus den Glückwünschen und dem Datum des Briefes kann man darauf schließen, dass die RWTH Aachen im September 1870 gegründet worden ist. Neben diesem Brief gibt es weitere Briefe und Telegramme mit Glückwünschen von allen Universitäten, mit denen die RWTH zu dieser Zeit Kontakt hatte. Teilweise sind diese Briefe Rückmeldungen auf die versendeten Anfragen für die Teilnahme an der 100-Jahr-Feier vom 14.10.1970 bis 16.10.1970.

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Erlebnis Entheften: Praktikumsbericht

20180928_143410Um als Geschichtsstudent einen Einblick in einen Beruf außerhalb der Lehrerlaufbahn kennenzulernen, absolvierte ich am Hochschularchiv der RWTH Aachen ein vierwöchiges Praktikum. Hierauf bin ich durch das Programm „Erlebnis Archiv“ aufmerksam geworden, das vom Landschaftsverband Rheinland ins Leben gerufen wurde. Es ermöglicht Studierenden insbesondere der Geschichtswissenschaft einen unkomplizierten Weg in ein Praktikum in einem Stadt-, Hochschul- oder Wirtschaftsarchiv.

Die Praktikanten des Hochschularchivs werden anhand eines Leitfadens, der praxisorientiert Einblick in alle relevanten Aufgabenkomplexe, die im Archiv anfallen, gibt, durch ihr Praktikum geführt. Neben praktischen Tätigkeiten enthält dieser theoretische Module, die durch den Archivar, Herrn Dr. Klaus Graf und die Mitarbeiterinnen, geleitet werden und die in wichtige Hilfsmittel und rechtliche Grundlagen der Archivarbeit einführen.

Die anfallenden Aufgaben enthalten naturgemäß relativ viel bürokratische Arbeit am Computer, die Arbeit mit EDV-Programmen ist aber nur ein Teil der Arbeit. Als Geschichtsstudent hat mich insbesondere das sogenannte Umbetten begeistert. Es ist zentral für die ordnungsgemäße Erhaltung der Archivbestände. So müssen zum Beispiel Heftklammern der Originalakte entfernt werden, damit die Dokumente nicht durch Rost angegriffen werden, denn die Archivalien sollen bestenfalls für die Ewigkeit im Archiv verbleiben und zugänglich sein. Das Interessante ist hier aber nicht der handwerkliche Teil der Arbeit, sondern der inhaltliche Zugang zu den Dokumenten. So bergen Bewerbungsunterlagen, die kurz nach Wiederaufnahme des Hochschulbetriebs nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, Informationen über stark durch den Krieg und die NS-Zeit geprägte Schicksale, über Mitläufer, Täter und Opfer und über die schweren Jahre des Neubeginns, die immer wieder, in jedem Lebenslauf, den man vom Rest der Bewerbung „entheften“ muss, aus einer anderen Perspektive beleuchtet werden. Man arbeitet in diesem Aufgabenfeld also unmittelbar an der Quelle und kann seine Fähigkeiten im wissenschaftlichen Schreiben durch die Öffentlichkeitsarbeit des Archivs erweitern, indem man eine Quellenkritik für interessante Dokumente verfasst und im Onlineauftritt des Archivs veröffentlicht.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der abwechslungsreichen Arbeit im Archiv. Alle Studierenden, die an einem Praktikum im Hochschularchiv interessiert sind, empfehle ich, weitere Praktikumsberichte zu lesen, um auch andere Aufgabenbereiche der Praktikanten näher kennenzulernen. Ich kann die Absolvierung eines Praktikums im Archiv auch ans Herz legen, weil das Arbeitsumfeld sehr angenehm ist. Die Arbeitszeiten sind relativ flexibel und Anregungen und Wünsche kann man mit den Mitarbeiterinnen auf Augenhöhe besprechen, sodass man sich als Teil eines Teams fühlt, in dem man seine Fähigkeiten sinnvoll einbringen kann.

Bei Herrn Dr. Graf und den Mitarbeiterinnen des Archivs möchte ich mich zuletzt in aller Form dafür bedanken, in das Berufsfeld „Archivar“ in einer so angenehmen Atmosphäre eingeführt worden zu sein.

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Unsere Bibliothek hat Zuwachs bekommen:

BrancoDas Buch „Wilhelm Branco (1844-1928)- Geologe- Paläontologe- Darwinist. Eine Biografie“ von Winfried Mogge ist ab sofort bei uns erhältlich. Wer immer schon etwas über Wilhelm Branco wissen wollte, ist mit diesem Buch gut beraten. Wie der Titel schon verspricht, war Branco ein vielseitig interessierter und engagierter Wissenschaftler. Winfried Mogge beleuchtet dabei sowohl sein Privatleben als auch seine verschiedenen wissenschaftlichen Einsatzfelder. Auf dem Foto ist außerdem unsere Karteikarte zu ihm abgebildet und ein Vorlesungsverzeichnis, wo erwähnt wird, dass er 1881 an unsere Universität berufen wurde. Unter folgendem Link könnt ihr euch schon mal einen Überblick über ihn und seinen Werdegang verschaffen: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Branca.

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Tag des offenen Denkmals 2018

CollageWir bedanken uns bei den zahlreichen Teilnehmern unserer Führung zum Tag des offenen Denkmals. Gestern Nachmittag durften wir, wie jedes Jahr, einen Beitrag zum Tag des offenen Denkmals leisten. Unter dem Motto „Entdecken was uns verbindet“ informierten wir über die Geschichte des Gebäudes und das Archivwesen mit all seinen Facetten. Wir haben für euch einige Eindrücke zusammengestellt, die ihr euch gerne anschauen könnt. Bei Interesse könnt ihr gerne nächstes Jahr dabei sein!

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Kalenderbild September: Was das Hochschularchiv mit der Separatistenbewegung verbindet

Sig. Hochschularchiv - Kriegerdenkmal

Sig. Hochschularchiv – Kriegerdenkmal

Wenn man sich auf den Weg in das Hochschularchiv begibt, dann begegnet man dem obenstehenden Kriegerdenkmal prominent im Treppenhaus. Doch was genau steckt hinter diesem Denkmal?

Zuerst einmal sollte man festhalten, dass dieses Denkmal mittels des Spruches „Aus der Nacht unserer Gräber erwachse als Frucht des Opfers der Friede“ auf im Separatistenaufstand des Jahres 1923 getötete Polizisten verweist. Das Kriegerdenkmal erinnert jedoch nicht rein ausschließlich an die während des Separatistenaufstandes getöteten Polizisten; es soll zusätzlich die Erinnerung an die acht im ersten Weltkrieg gefallenen Regierungsbeamten des ehemaligen Regierungsgebäudes wachhalten. Darüber hinaus kommt diesem Denkmal eine noch weitere Bedeutung zu: Es soll ebenfalls an die Naziopfer und Gefallenen des Zweiten Weltkrieges erinnern, wie die linke Tafel anzeigt („1939-1945 unseren Toten zum Gedächtnis“). Der Kopf des Soldaten, der oberhalb angebracht ist, unterstreicht hierfür die sowohl martialische als auch heldenhafte Symbolik des Denkmals.

Der Separatistenaufstand des Jahres 1923 ist eine Nachwehe des ersten Weltkrieges und steht in einem engen Zusammenhang mit dem Begriff der Rheinischen Republik. Darunter fasst man die Bestrebungen, einen eigenen Staat im Rheinland zu gründen. Dies geht auf die harten Restriktionen des Versailler Vertrages des Jahres 1919 zurück. Die linksrheinischen Gebiete wurden seit 1919 von belgischen, französischen und britischen Truppen besetzt. Aachen selbst befand sich bereits 1918 unter französischer als auch belgischer Besatzung, wobei die französische Besatzung bereits im Jahre 1920 endete, während die belgische Besatzung elf Jahre andauerte. Genau zu dieser Zeit entstanden (zwischen 1918 und 1923) separatistische Überlegungen. Anhänger eines solchen Gedankenguts nannten sich Separatisten, Sonder- oder Freibündler (Quelle). Ihren Höhepunkt erlebte diese Bewegung 1923 als unter anderem die Reichsverwaltung zerschlagen und ein eigener Verkehrsapparat eingerichtet wurde. Es kam zu zahlreichen Gründungen von separatistischen Organisationen entlang der Rheinlinie. Eine von diesen war die „Rheinische Unabhängigkeitspartei Frei Rheinland“, die eine Abspaltung des Rheinlandes von Preußen forderte sowie für die Errichtung einer Rheinischen Republik eintrat.

Auch in Aachen wurde im August 1923 ein Büro für die Rheinische Unabhängigkeitspartei eröffnet. Zudem begann man mit der Verteilung von Pamphleten mit separatistischen Parolen. Die erste geschlossene Versammlung der Separatisten fand am 13.09.1923 statt, bei der ein Rheinstaat propagiert wurde. Am 21. Oktober desselben Jahres wurde dann im Rathaus die unabhängige Rheinische Republik ausgerufen. Infolgedessen besetzten diverse separatistische Gruppen unter der Führung von Leo Deckers und Dr. Guthardt öffentliche Gebäude wie die Post, das Rathaus oder die Reichsbank (Quelle). Die Lage heizte sich weiter auf, sodass am Folgetag sowohl Bürger als auch Gewerkschaftler und Studenten die Büros der Separatisten stürmten, nachdem am gleichen Tag Schüsse von Separatisten auf Gegendemonstranten in der Nähe des Theaters fielen. Zusammen mit der Polizei wurde schließlich am 25.10. das von den Separatisten belagerte Regierungsgebäude gestürmt, wobei die drei Polizisten, an die das Kriegerdenkmal erinnert, getötet wurden. Um die Situation zu entschärfen griff folglich die belgische Besatzungsmacht konsequent ein: die TH wurde geschlossen, alle nicht aus Aachen stammenden Studenten wurden ausgewiesen wie auch der Polizeipräsident. Die Reichsregierung konnte sich in diesen Konflikt nicht einbringen, da der Versailler Vertrag ihnen untersagte, militärische Truppen in das Rheinland und das Ruhrgebiet zu schicken (Quelle). Als tatsächliche Machthaber wurden die Separatisten von den Belgiern anerkannt, denn diese unterstützten wie auch die Franzosen die Errichtung eines unabhängigen rheinischen Staates, der eng mit Frankreich und Belgien zusammenarbeitet. Die Separatisten konnten sich jedoch nicht lange an dieser Position halten aufgrund der vorherrschenden sozialen Problemen; schließlich konnten sie nicht einmal ihre eigenen Anhänger ausreichend mit Nahrung und Geld versorgen. Am 02.11. unternahmen die Separatisten einen letzten Anlauf, dass Aachener Rathaus zu besetzen, doch unter dem Befehl des belgischen Hochkommissars Baron Edouard Rolin-Jaequemyns (Quelle), der den Druck von Großbritannien und den USA spürte, die einer Loslösung des Ruhrgebietes einschließlich des Rheinlandes wegen der unabsehbaren internationalen politischen und ökonomischen Konsequenzen negativ gegenüber standen, wurde das Ende der separatistischen Regierung angeordnet, indem die Separatisten die Stadt verlassen mussten (Quelle). Damit war die separatistische Bewegung gescheitert, doch vergessen ist sie nicht, wie das Kalenderbild bzw. das Kriegerdenkmal im Treppenhaus auf dem Weg zum Hochschularchiv zeigt.

Sig. Hochschularchiv - Inschrift

Sig. Hochschularchiv – Inschrift

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Ein Praktikum im Hochschularchiv – mehr als nur Kaffee kochen

Ich befand mich im vierten Semester des Bachelor-Studienganges Gesellschaftswissenschaften der RWTH und fand es an der Zeit, mein sehr theorielastiges Studium mit einem Praktikum beim Hochschularchiv aufzulockern. Es ist die eine Sache, sich mit Geschichte zu befassen, aber eine andere, sie hautnah im Archiv zu erleben und erhalten zu dürfen.

Ich fühlte mich während des Praktikums oftmals in der Zeit zurückversetzt. Dies lag besonders an den alten Briefen, Postkarten und Fotos, die mit sauberer Schreibschrift und ihren Aufnahmen von heute kaum noch erkennbaren Gebäuden, Vorplätzen und Kleidungsstilen Momentaufnahmen ihrer Zeit widerspiegelten.

Es gab jedoch auch unleserliche Briefe und Sachakten, deren Lektüre durch das Praktikantenmodul „Paläographie“ stark erleichtert wurde. Sowie das Schreiben im 16. Jahrhundert ein Handwerk war, so erlernte ich während des Praktikums die Kunst, diese alten Schriften zu lesen und die zehn goldenen Regeln der Paläographie anzuwenden.

Das Archiv bietet eine Vielzahl an Praktikantenmodulen und betraut einen mit viel Selbständigkeit und Verantwortung. Darunter fällt „Bewertung“, die Bürde zu entscheiden was archivwürdig ist und übernommen werden soll. Man lernt im „Archivrecht“ alles Grundlegende zu Datenschutz und Sperrfristen und im Modul „Urheberrecht“ den Umgang mit geistigem Eigentum. Der Exkurs über Recherchemöglichkeiten bietet einem noch über das Studium hinaus die Möglichkeit der Bibliotheks- und Archivnutzung online.

Die Module sind zwar Pflicht, bieten aber abwechslungsreiche und willkommene Aufgaben. Ich konnte mich oft nicht entscheiden, welches ich zuerst angehen möchte. Besonders Umbetten und Verzeichnen gaben mir stets das Gefühl etwas am Tag geleistet zu haben. Ein Gefühl, das man in vielen Praktika vielleicht nicht hat.

Die Beantwortung von eingehenden Anfragen gehörte zu den spannendsten und obligatorischsten Aufgaben, dies wurde besonders aufregend, wenn es internationale Anfragen auf Englisch waren. Man vertieft sich, ehe man sich versieht, in die akribische Recherche nach Themen, Personen und Orten, von denen und ihrem Wirken man sonst vielleicht nie etwas erfahren hätte. Das Stöbern in der Geschichte Aachens und der RWTH war nicht nur interessant, sondern machte auch erfinderisch. Ich weiß noch, als uns Studierendenverzeichnisse, Nachrufe und das Gefallenendenkmal des Ersten Weltkrieges (am Eingang der Aula) Aufklärung über den Verbleib von Architekturstudenten boten.

Mein Praktikum half mir bei meiner Berufsorientierung auf jeden Fall weiter und war mehr als nur ein Pflichtpraktikum. Sollte ich keine Laufbahn im Archivwesen einschlagen, so werde ich mit Sicherheit meine Abneigung gegenüber korrodierten Tackerklammern und Klebeband beibehalten. Den Hang zur Ordnung werde ich erst recht übernehmen. Ich durfte viel lernen, das ich aus meinem Praktikum mitnehmen möchte. Besonders im Umgang mit Menschen – seien es Nutzer oder Mitarbeiter. Bei Letzteren möchte ich mich für die Hilfe, Arbeitsatmosphäre und schöne Zeit bedanken.

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Unsere Empfehlung: Website zum E-Learning Bestandserhaltung

Die Website E-Learning Bestandserhaltung (https://www.bestandserhaltung.eu/home.html) bietet für all diejenigen Einblicke, die sich noch nicht mit der Thematik Bestandserhaltung befasst haben. Entworfen und gestaltet wurde die Website von fünf Archiven aus Belgien, Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden. Sie ist optisch sehr modern und ansprechend gestaltet und dürfte somit auch die jüngere Generation ansprechen. Online klickt man sich durch die verschiedenen Aufgaben. Durch die visuelle Unterstützung von Videos wird der Kurs aufgelockert und bietet zudem noch einen praxisnahen Einblick, den man als Außenstehender in der Form wahrscheinlich nicht erhalten würde.

Inhaltlich fiel auf, dass wir als Hochschularchiv bereits den dort angeführten Standards innerhalb unserer Möglichkeiten gerecht werden. Dementsprechend befürworten wir die dort angeführte Methodik und haben keinerlei negative Punkte gefunden.

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Kalenderbild zum August: NS-Fragebogen zur Einstellung von Katharina Ruland als Dozierende

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Signatur: SP2

Bei der Frau, die in einem weißen Kittel auf dem schwarz-weiß Foto in der linken oberen Ecke zu sehen ist, handelt es sich um Katharina Ruland. Sie bewarb sich am 26. Februar 1934 als Dozierende an der RWTH und hat dazu einen entsprechenden Fragebogen ausgefüllt. Die erste Seite des Fragebogens (auf die zweite Seite wird später noch Bezug genommen) ist unser Kalenderbild für den Monat August.

Bereits auf den ersten Blick wird deutlich, dass die erste Seite des Fragebogens in drei Bereiche aufgeteilt ist. Neben dem bereits erwähnten Foto sind im oberen Teil die privaten Daten, sowie solche mit Bezug zur Universität selbst zu finden, während im unteren Teil die bisherige wissenschaftliche Laufbahn beschrieben wird.

Über Katharina Ruland erfahren wir, dass sie am 29. April 1891 in Köln geboren wurde, unverheiratet ist und keine Kinder hat. Sie studierte von 1915 bis 1920 in Bonn, promovierte und hatte im Anschluss daran zwei Assistenzstellen inne. Bei ihrer zweiten Stelle war sie von 1928 bis 1929 in Aachen beschäftigt. Der Fragebogen gibt keine Auskunft darüber, wann Katharina Ruland anfing am Chemischen Institut (Fakultät Stoffwirtschaft) zu arbeiten. Jedenfalls entschloss sie sich, die Dozentenschaft anzustreben und dafür den abgebildeten Fragebogen auszufüllen.

Für sich genommen ist der Fragebogen nichts Besonderes, da sein Verwendungszweck – d. h. die Einstellung als Dozierende – als etwas „Normales“ erscheint. Diese Einschätzung ändert sich aber dramatisch, wenn man den Fragebogen in den zeitlichen Kontext einordnet und zwar zu Beginn der NS-Zeit. Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die vollständige Macht über die Weimarer Republik und fingen an diese nach und nach in eine Diktatur zu verwandeln. Ein zentraler Bestandteil dabei war die Unterdrückung bzw. Beseitigung aller Regimefeinde (Parteien, Verbände etc.), sowie unliebsamer bzw. regimekritischer Personen. Gewiss, unmittelbar nach der Machtübernahme übte sich das NS-Regime in Zurückhaltung, um keine außenpolitischen Reaktionen zu provozieren, die die Pläne der Nationalsozialisten vorzeitig vereitelt hätten. Nachdem aber das NS-Regime seine Macht zementiert hatte, wurden Parteien, Verbände und alle regimekritischen Menschen überhaupt immer brutaler und in aller Öffentlichkeit verfolgt. Grundlage für diese Verfolgungen waren häufig Denunziationen aus dem persönlichen Umfeld der verfolgten Personen durch Freunde oder Arbeitskollegen. Auch behördliche Unterlagen wie Personalakten bzw. Fragebögen haben hierbei eine Rolle gespielt. So konnte es sein, dass Angaben zur Staatsangehörigkeit, Religion und Parteizugehörigkeit im schlimmsten Fall über das Leben einer Person entscheiden konnten.

Die Einstellung Katharina Rulands zum NS-Regime lässt sich aufgrund fehlender Informationen nicht eindeutig feststellen. Ihre deutsche Staatsangehörigkeit lässt vermuten, dass es ihr besser erging als anderen gesellschaftlichen Gruppen wie bspw. den Juden. Auf der zweiten Seite des Fragebogens (die hier nicht abgebildet ist) erfahren wir, dass Ruland keine Beziehung zur Jugendbewegung bzw. zur Hitlerjugend oder vergleichbaren Vereinigungen hatte und auch kein Mitglied der NSDAP war. Insofern hat es den Anschein, als ob sie eine „Durchschnitts-Bürgerin“ war. Mit Gewissheit lässt sich dies aber nicht sagen, da sich ihr weiterer Werdegang aufgrund der fehlenden Informationen nicht rekonstruieren lässt. Auch ist – zumindest theoretisch – die Möglichkeit nicht auszuschließen, dass manche Angaben nicht der Wahrheit entsprachen.

Der von ihr ausgefüllte Fragebogen gewährte dem Leser bzw. Betrachter einen guten Eindruck in ein allgegenwärtiges Gefühlszustand der damaligen Zeit: dem Gefühl einer permanenten Unsicherheit, der Angst als Staatsfeind verfolgt zu werden und dem Umstand, dass das eigene Leben u. U. nur von den Buchstaben auf einem Blatt Papier abhängen konnte.

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Juli von Kaven

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Signatur: Akte 34 a

Das Kalenderbild Juli zeigt einen Brief von dem ehemaligen Direktor August von Kaven an den neu ernannten Ingenieur M. J. Jacobs. Königlich erhebt sich am damaligen offiziellen Briefkopf der Hochschule ein Adler mit weit ausgebreiteten Schwingen, ausgestattet mit den Symbolen der Macht: Krone, Reichsapfel und Zepter. Zum Verständnis hier eine Transkribierung seines Briefes:

Aachen, den 30. Juli 1877

Die Direction der königl. Rhein. Westphäl. Polytechnischen Schule

An den Ingenieur Herrn A(ndreas) J(acobus) Jacobs 

-Hier-

Anbei übersende ich Ihnen mit meinem Glückwunsche das Diplom-Zeugnis.

Zum Gebrauche bei Versendungen von Zeugnissen erhalten Sie eine Anzahl Copien (Kopien) beigefügt.

(Streichung der nächsten vier Zeilen)

Der Director

Gezeichnet: von Kaven

Ad acta (Lat.: Zu den Akten legen)

Zum Zeitpunkt des Briefes war August von Kaven bereits sieben Jahre als Direktor für die Hochschule tätig. Der am 19.03.1927 geborene Bremer wurde am 01.10.1870 zum ordentlichen Professor ernannt und begann 1870 seinen Dienst als erster Direktor der Hochschule. Bis 1879 dauerte seine Dienstzeit an, aber das war nur eine seiner zahlreichen Positionen.

Zum einen war von Kaven an der Fakultät für Bauingenieurwesen angestellt mit dem Schwerpunkt auf dem Lehrgebiet „Wege und Eisenbahnbau“. Außerdem war er als Vorsteher der Fachschule für Ingenieurwesen und Hochbau (1871-1879) und Vorstand der Fachschule für Ingenieurwesen (1879-1882) aktiv. Zudem war er ordentlicher Lehrer für Wege- und Eisenbahnbau und auch Leiter in diesem Bereich für die Modell- und Plansammlung (1871-1891).

Er ist der Namensgeber für den bekannten Kavenring, ein Ehrenring der RWTH. Dieser wird für besondere Verdienste um die Hochschule verliehen. Der Ring trägt eine Gravur an der Innenseite: Von Kaven und Mens Agitat Molem (Lat.: Der Geist bewegt die Materie). Dazu wird dann noch eine Urkunde überreicht. Aber das war nicht das Einzige: Nach ihm wurde auch eine Straße benannt – die Kavenstraße. Diese befindet sich nicht unweit der Studententürme. Und es gibt ein Grabdenkmal auf dem Aachener Westfriedhof, das an ihn erinnert. August von Kaven hat also deutlich seine Spuren in ganz Aachen hinterlassen. Bis zu seinem Tod für die Hochschule tätig, verstarb August von Kaven im Alter von 64 Jahren am 19.05.1891 in Aachen.

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Gipsform des Kavenrings

Das Archiv bietet neben diesem Brief von ihm auch Fotos, seine Ernennungsurkunde zum Direktor, Einträge in Vorlesungsverzeichnissen und noch vieles mehr. Wer also auf der Suche nach Informationen zu August von Kaven ist – es lohnt sich reinzuschauen! Unter diesem Link könnt ihr zudem mehr über ihn und seinen Werdegang erfahren.

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Wie schnell die Zeit im Archiv doch vergehen kann!

Abschlussbericht

Quelle: https://pixabay.com/de/uhr-taschenuhr-uhrwerk-uhrmacher-3179167/

Entgegen meiner ursprünglichen Erwartung ist meine Zeit im Hochschularchiv sehr schnell vergangen. Ehe ich es überhaupt bemerkt habe, befinde ich mich schon in meiner letzten Praktikumswoche und möchte die Zeit, in der ich diesen Abschlussbericht schreibe, dafür nutzen, um meine Erfahrung noch einmal in Ruhe Revue passieren zu lassen. Dabei komme ich zu dem Schluss, dass meine ursprünglichen Annahmen darüber, wie mein Praktikum verlaufen könnte, und meine Erfahrungen an dessen Ende widersprüchlicher nicht sein könnten.

Als ich mich für einen Praktikumsplatz im Hochschularchiv beworben habe, tat ich dies unter der Annahme, dass die Arbeit nicht sonderlich abwechslungsreich, sondern eher langweilig und eintönig sein würde. Auch die bloße Vorstellung einer Praktikumsdauer von drei Monaten hat – um einmal ganz ehrlich zu sein – nicht wirklich dazu geführt, dass ich meinem ersten Tag im Archiv entgegengefiebert habe. Umso mehr bin ich froh darüber sagen zu können, dass ich mich so sehr getäuscht habe. In den vergangenen drei Monaten hatte ich zahlreiche und z. T. sehr verschiedenartige Aufgaben zu erfüllen. Häufig galt es, immer wieder aufs Neue kreativ zu sein und dabei zugleich einem bestimmten Arbeitsschema zu folgen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Insofern war ein langweiliger und eintöniger Arbeitstag undenkbar und meine Annahmen über das Arbeiten im Archiv wurden einer 180-Grad-Wende unterzogen.

Bereits der erste Praktikumstag hielt für mich eine Überraschung bereit: Ich wurde lediglich durch das Archiv geführt und es wurden die ganzen Formalien abgeklärt. So endete der Tag bereits nach 1,5 Stunden. Mal davon abgesehen, dass dieser angenehm kurz war, erhielt ich etwas, was mich zum einen überrascht hat, zum anderen aber auch dahingehend motiviert hat, mich auf meinen ersten „richtigen“ Arbeitstag zu freuen: den Praktikantenleitfaden. Denn bereits ein kurzer Blick auf diesen hatte mir gezeigt, dass ich einiges an Arbeit vor mir hatte und Langeweile ausgeschlossen war.

Im Praktikantenleitfaden ist detailliert aufgelistet, welche obligatorischen Aufgaben ich erledigen und welche Module ich absolvieren muss, um mein Praktikum erfolgreich abzuschließen zu können. So gehören bspw. zu den Pflichtaufgaben das Verzeichnen und Umbetten von Akten sowie das Korrekturlesen der Findbuchdatei. Die Module sollen dem Praktikanten Wissen vermitteln, das für die Arbeit im Archiv unabdingbar ist. Dabei werden manche Module (z. B. Recherchemöglichkeiten und Bewertung) von Herrn Graf, dem Geschäftsführer des Hochschularchives, und andere Module (z. B. Bibliotheksorganisation und Magazine/Registratur) von den Mitarbeitern vermittelt. Ein in diesem Zusammenhang sehr interessanter To-Do-Punkt ist die „alternative Sonderaufgabe“.

Diese wird bei jedem Praktikanten individuell festgelegt, je nach dem was so gerade ansteht. Im meinem Fall bedeutet dies jeden Freitag beim Auf- und Umräumen im Magazin vier mitzuhelfen. Diese Aktion ist Bestandteil einer Inventur, die kurz nach meinem Praktikumsbeginn initiiert wurde. So habe ich – zusammen mit anderen Praktikanten und Mitarbeitern – seitdem jeden Freitag umgebettet, aufgeräumt, Abfall entsorgt und angefangen, die im Zuge der Inventur umgebetteten Akten zu verzeichnen. Nie vergessen werde ich den Anblick, als wir sämtliche kassierten Akten, den Papiermüll und einen Haufen Elektroschrott entsorgt hatten. Der dadurch frei gewordene Platz kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Nur um dies einmal in Zahlen auszudrücken: Wir haben ca. 20 Kubikmeter Abfall entsorgt.

Was ich aber – neben der Arbeit an sich – am besten finde, ist das im Archiv herrschende Arbeitsklima. Gewiss jeder hat seinen eigenen Aufgabenbereich und (Verzeichnis-)Projekte, die er oder sie vorantreibt. Aber an jedem Arbeitstag kam es immer wieder vor, dass man sich zwischendurch mal zusammengesetzt und über alles möglich gequatscht hat – nur nicht über die Arbeit selbst! Der Arbeitsoutput hat darunter nicht gelitten, sodass man am Ende jedes Tages sagen kann: „Wir haben heute was geschafft.“ Ich selbst habe dies sehr genossen und mich auch stets über die mir entgegengebrachte Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit gefreut. Auch die flachen Hierarchien haben dazu beigetragen, dass ich als Praktikant das Gefühl hatte, nicht „für jemanden“ zu arbeiten, sondern vielmehr „mit anderen“. Dadurch hat sich bei mir in kurzer Zeit ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt, das der Grund dafür ist, dass sich meine Zeit gefühlt hier so schnell dem Ende zugeneigt hat.

Summa summarum kann ich all denjenigen, die ein Praktikum im Hochschularchiv in Erwägung ziehen, nur versichern, dass sie dies nicht bereuen werden. Ich habe mich vom ersten Tag an sowohl in fachlicher als auch in menschlicher Hinsicht sehr gut aufgehoben gefühlt und hoffe, dass zukünftige Praktikanten die gleichen Erfahrungen wie ich machen können.

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