Berichte eines „Kellerkindes“? – Praktikumsbericht

Bild Praktikumsbericht Wie oft wurde ich schon mit diesem Klischee konfrontiert?! Archive sind dunkel, staubig und man ist die ganze Zeit in irgendwelchen Kellern. Ich kann sagen: Nein!

Im Gegensatz zu vielen anderen Praktikanten hier am Hochschularchiv der RWTH ging ich, durch meine studentische Stelle an einem anderen Archiv, schon mit dieser Vorerfahrung in mein Praktikum.

–          Moment studentische Stelle? Anderes Archiv? Warum dann noch das Praktikum?

Jaja, ich kann eure Gedanken hören. Die Antwort ist ganz einfach. Ich wollte mal was Anderes sehen, zudem noch neue Erfahrungen sammeln und vielleicht auch mit neuen Inspirationen zurückkehren. Nebenbei sieht es im Lebenslauf ganz nett aus, und zudem stand eh noch ein Pflichtpraktikum an. Also warum nicht fünf Fliegen mit einer Klappe schlagen? Ist ja fast wie beim tapferen Schneiderlein ;). Da bot es sich an, dass gerade an meiner Uni, der Rheinischen Friedrichs-Wilhelm-Universität Bonn das Programm „Erlebnis Archiv“ angeboten wurde. Ich habe mich also angemeldet, und mich für das Hochschularchiv der RWTH Aachen entschieden.

–          Moment du kommst aus Bonn und machst dein Praktikum in Aachen? Gab es nichts Näheres?

Auch hier kann ich wieder eure Gedanken hören. Ja, es hätte nähere Stellen gegeben. Aber um mal unseren betreuenden Professor zu zitieren: „In kleinen Archiven kann man sehr viel lernen.“ Zudem wohnen meine Eltern in der Nähe von Aachen, ich bin hier also aufgewachsen und irgendwie mit der Stadt und der Hochschule verbunden, war diese doch immer Ziel unserer schulischen Exkursionen. So ich hatte mich also erfolgreich beworben und habe anschließend ein Bewerbungsgespräch erfolgreich gemeistert. Also konnte mein Praktikum losgehen. Ich startete an einem Donnerstag und wurde erst einmal zwei Stunden von Frau Falldorf in die Geheimnisse des Archives eingeweiht.

–          Was für Geheimnisse gibt es denn da?

Das müsst ihr schon selbst rausfinden, ich empfehle ein Praktikum ;). Damit ihr schon mal wisst was auf euch zukommt: Das Praktikum im Archiv ist in Module und obligatorische Aufgaben unterteilt. Dies gibt dem Ganzen Struktur und, besonders für die ersten Tage einen Leitfaden an dem man sich orientieren kann. Zu den obligatorischen Aufgaben gehört das Umbetten und Verzeichnen von Akten, die Erstellung eines Kalenderbildes, posten eines Beitrages zum „Bilderfreitag“ auf Facebook und Instagram, das Verfassen eines Praktikumsberichts und bis vor kurzem noch das Korrekturlesen von Karteikarten. Dazu kommen noch Module bei den Mitarbeitern, die einen Einstieg in die verschiedenen Programme und Tätigkeiten erleichtern und erklären. Ein ebenso elementarer Teil des Praktikums sind die Module beim Archivleiter Herrn Dr. Graf, die einen theoretischen Einblick in die Arbeit eines Archivars bieten. Über diesen Katalog aus Modulen und obligatorischen Aufgaben hinaus bietet das Hochschularchiv viel Raum für persönliche Stärken und Vorlieben. Dem, der sich noch weiter mit dem Thema Archiv beschäftigen möchte, empfehle ich wärmstens den Blog von Herrn Dr. Graf, mit dem Namen Archivalia. Ihr seht schon das Hochschularchiv ist auch digital gut aufgestellt.

–          Also nichts mit Kellerkind?

NEIN!

Abschließend lässt sich sagen, dass ich mich hier sehr wohl und gut aufgehoben gefühlt habe, dass ich viele neue Inhalte und Ideen mitnehmen werde und mein Praktikum gerne in Erinnerung behalte. Ich möchte mich bei Fillis, Sarah, Janine, Franz und Herrn Dr. Graf für die schöne Zeit und die vielen neuen interessanten Einblicke bedanken.

Das Bild ist unter dem Link zu finden.

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Kalenderbild Oktober: „27 000 Studenten in Aachen. Existenzkampf an den Hochschulen“

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Aachener Prisma von 1973 (Signatur:10210)

Auf unserem Kalenderbild für den Monat Oktober ist das Titelbild der Studentenzeitschrift „Aachener Prisma“ von November 1973 zu sehen.

Das Bild zeigt eine Statue zweier Männer, die mit bloßen Körpern miteinander kämpfen. Der Untertitel darunter lautet: „27 000 Studenten in Aachen. Existenzkampf an den Hochschulen“. Mit dem Bild wird der Konkurrenz- und Existenzkampf an den Universitäten symbolisch dargestellt. Seit dem zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Studierenden nämlich immer stärker an, sodass sich die Studierendenzahl innerhalb weniger Jahre vervielfachte.

Der Ausgabe der Aachener Prisma zufolge, verzeichnete die RWTH 1973 etwa 27 000 Studierende, womit sich die Anzahl innerhalb von drei Jahren verdoppelt hatte. Noch 1972 waren es nur ca. 15 000. Damit stieg der Druck auf die Universität und auch auf die Stadt, denn die Lehrenden mussten sich auf eine viel höhere Anzahl Lernwilliger einstellen und Wohnraum war knapp geworden. Der plötzliche Anstieg stellte die RWTH somit schon vor rein logistische Herausforderungen. Alle Studierenden mussten in Lehrveranstaltungen aufgenommen und unterrichtet werden. Eine persönlichere Lehre in kleinem Kreis war dabei schwierig. Zudem musste sich die RWTH gegenüber anderen Hochschulen profilieren und ihren Status als hervorragende Universität bewahren.

Auch wenn die Gesamtzahl der Studierenden nach 1991 wieder leicht fiel (innerhalb von zehn Jahren von ca. 37 000 auf 27 000 Studenten), beträgt sie derzeit etwa 45 000. Die Universität ist inzwischen eher auf so viele Studierende eingestellt, deshalb gibt es Vorlesungen für ca. 1000 Leute. Auch heute stellt dies die Lehrenden vor logistische Herausforderungen, da viele Hörsäle nicht für solche Menschenmengen ausgelegt sind. Der größte Hörsaal, im Auditorium Maximum, fasst 1200 Leute und wird deshalb viel genutzt. Dank moderner Technik, werden viele Vorlesungen aber auch per Video noch in andere Hörsäle live übertragen. Die Gratwanderung zwischen der Stoffmenge und der gezielten und besten Vermittlung des Stoffs, gilt es für die Lehrenden zu meistern.

Damit hat der Konkurrenzkampf aber wohl den absoluten Existenzkampf abgelöst. Vor allem der Fokus auf die Naturwissenschaften bzw. das Technische, das ja auch im Namen zu finden ist, grenzt die RWTH von eher geisteswissenschaftlichen Universitäten ab und hebt sie hervor. Daher ist sie bei vielen Studierenden beliebt. Die große Bandbreite an Studiengängen und Lehrveranstaltungen bieten zahlreiche Möglichkeiten seine Ausbildung zu gestalten. Trotzdem muss man sich als Einzelner gegen viele andere Studierende beweisen.

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Manchmal lohnt es sich, genauer hinzuschauen…

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Signatur: 870

Der zu sehende Brief ist am 12. Januar 1915 in der Sütterlinschrift verfasst worden. Auf den ersten Blick scheint er ein wichtiges Dokument zu sein, bei genauerem Hinsehen stellt man aber fest, dass es sich um einen Beschwerdebrief eines Herrn Dr. Boecker handelt. Nach langer Arbeit haben wir ihn erfolgreich transkribieren können:

Aachen, Salvatorstr. 16 den 12 Januar 1915

Euer Magnificenz beehre ich mich, mitzuteilen,

daß meine Dienstwohnung dicht neben dem Kneiplokale der Teutonia gelegen ist und nur eine dünne Mauer mich davon trennt.

In Friedenszeit mußte ich an jedem Kneipabend, der bis Morgens 5 Uhr sich ausdehnte,

auswärts eine Schlafstelle aufsuchen. Jetzt während des Krieges ist in der vorigen Nacht

bis 3 Uhr diesen Morgen Klavier gespielt worden, so daß ich nicht schlafen konnte,

was mir um so mehr wehe tat als ich an schwerem Bronchialkatarh seit 4 Wochen leide

und im Schlafe einige Ruhe suche.

Ich bitte, der Teutonia bedeuten zu wollen,

auf mich kranken Mann, der demnächst 80 Jahre alt wird Rücksicht zu nehmen und mir

und sich selbst die Nachtruhe zu gönnen.

Hochachtend Rektor der Salvatorkirche. Dr. Boecker

In Zusammenarbeit von Miriam Weyers und Melina Vogler erstellt und transkribiert.

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Praktikumsbericht: Geschichtsbegegnung im Hochschularchiv

praktikumsfotoAnfang diesen Jahres habe ich mich für ein Praktikum im Hochschularchiv der RWTH  beworben. Da ich angenommen wurde, bin ich mit gemischten Gefühlen hingegangen; mit freudiger Erwartung und Aufregung, was mich da erwartet. Ich habe eine sehr gute Einführung von Frau Falldorf erhalten.

Am ersten Tag wurden mir die verschiedensten Programme, wie man etwas im Hochschularchiv ausfindig macht, gezeigt. Als Verzeichnungsprogramm, sprich Datenbank, ist hier z.B. Midosa XML zu nennen. Es gibt neben den Datenbanken noch ein Karteikartensystem. Die Datenbank und das Karteisystem sind größtenteils identisch,  ergänzen sich aber auch manchmal je nach Projekt. Eine Aufgabe war es, die Karteikarten nach alten Signaturen zu überprüfen und diese ggf. durch neue Signaturen zu ersetzen.

Dann kamen die ersten Anfragen. Zum einen suchte jemand nach Informationen über seine verstorbenen Verwandten. Zum anderen erreichten uns viele Anfragen von Personen die nach ihren Hausarbeiten und Diplomen fragten. Auch zwei Journalisten haben Anfragen gestellt. Der erste Journalist hat für ein Buch recherchiert, dass er schreiben wollte und die zweite Journalistin wollte wissen, ob eine bestimmte Person, die im Internet bloggt und die RWTH als ehemaligen Studienplatz angibt, auch wirklich an der RWTH studiert hat. Es machte Spaß für die verschiedensten Anfragen zu recherchieren.

Außerdem durfte ich zwei Artikel zu Kalenderbildern anfertigen und einen Bilderfreitag, welche dann auf dieser WebseiteFacebook und Instagram veröffentlicht wurden. Eines der Kalenderbilder war  ein Schreiben aus dem Jahre 1901. Es war ein Vertrag zwischen der RWTH und der Aachener und Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft. Die alte Handschrift zu entziffern war für mich sehr faszinierend. Dieser Brief musste transkribiert werden. Eine grobe Transkribierung dazu lag bereits vor. Das andere Kalenderbild war eine Zeichnung des Wespienhauses, das heutzutage nicht mehr in Aachen steht. Ich fand es sehr interessant, hier auch immer wieder etwas über Aachens Geschichte zu erfahren.

Die Praktikumsmodule, die das Hochschularchiv anbietet, finde ich interessant. Für mich war sehr viel neu und ich konnte mein Wissen stets ausbauen. Egal, ob der Archivar Herr Dr. Graf oder seine Mitarbeiterinnen, Frau Falldorf, Frau van den Eynden oder Frau Schmidtmann die Module gemacht hatten, sie brachten alles sehr verständlich rüber. Es wurde zum Beispiel über Internetrecherche gesprochen. Das Thema Urheberrecht, welches man als Modul bei Herrn Dr. Graf absolviert, ist zwar ein recht trockenes Thema, dennoch hat Herr Dr. Graf es spannend verpackt und deutlich erklärt. Hierzu hat er auch Beispiele eingebracht, dass es in verschiedenen Ländern auch andere Gesetze gibt als in Deutschland, z.B. die Panoramafreiheit. Was habe ich noch gelernt? Ich habe gelernt Abgaben umzubetten. Dafür muss u.a. darauf geachtet werden, dass Metall von den Archivalien entfernt wird. Außerdem müssen die Dokumente dann in neue, archivgerechte Aktenmappen geheftet werden. Meiner Meinung nach sind die Aufgaben sehr spannend und abwechslungsreich gestaltet.

Das gesamte Praktikum war sehr bereichernd für mich, da ich sehr viel Neues gesehen und gelernt habe. Ich bin froh im Hochschularchiv gewesen zu sein und auch mehr über die Tätigkeit eines Archivars bzw. einer studentischen Hilfskraft im Hochschularchiv erfahren zu haben. Es ist jedem zu empfehlen, das Hochschularchiv zu besuchen. Es ist ein Ort, an dem man der Geschichte begegnen kann.

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Tag des offenen Denkmals 2019


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Am 08.09.2019 fand unser alljährlicher Tag des offenen Denkmals statt. Diesmal unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur.“ Hier gaben wir einen Ausblick auf die Gebäudegeschichte des Regierungsgebäudes und die Denkmäler zum ersten und zweiten Weltkrieg. Darüber hinaus öffneten wir unsere Pforten zum Hochschularchiv, wo man einen Einblick in unserer Archivarbeit erhielt und in ein Magazin reinschnuppern konnte.

Habt ihr auch Interesse dabei zu sein? Dann schaut doch nächstes Jahr vorbei. Am 13.09.2020 ist es wieder soweit.

Wir danken unseren Besuchern für das Interesse und freuen uns auf den nächsten Tag des offenen Denkmals!

 

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Kalenderbild September: Hildegart Pleus – Ein Paradigma für den Eintritt der Frauen in eine universitäre Ausbildung

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Unser Kalenderbild zeigt den Personalbogen, der am 18.10.1903 in Mönchengladbach geborenen Hildegart Pleus. Sie war von 1946 bis 1965 als Professorin an der pädagogischen Akademie in Aachen tätig.

Ihre Reifeprüfung legte sie nach ihrem Schulbesuch des Oberlyzeums in Lüdinghausen von 1920 bis 1923 ab. In den Jahren 1923/24 konnte sie dort ebenfalls die Lehrbefähigung für Volks-, mittlere und höhere Schulen erzielen. Die Lehrbefähigung erhielt Hildegart Pleus am 29. Februar 1924 mit dem Prädikat „Gut“.

Auf der Rückseite des Personalbogens ist zu sehen, dass sie die Lehrbefähigung für die Fächer Mathematik, Biologie und Deutsch erhielt und ihre pädagogische Prüfung am 5. März 1935 in Berlin ablegte.

Erst im 19. Jahrhundert war es Frauen möglich, sich akademisch weiter zu bilden. Dies war nicht zuletzt der Verdienst der Frauenrechtsbewegung im 19. Jahrhundert, die Bildungschancen erkämpfte und eine Bildungsreform anstrebte. Aufgrund der Initiative der Frauen wurde das erste Mädchengymnasium im Jahre 1893 in Karlsruhe eröffnet. Zunächst gingen Mädchen und Jungen in getrennte Schulen. Die Schulen der Mädchen nannten sich „Lyzeen“.

Dennoch war es noch immer nicht möglich, dass sie nach erfolgreichem Abschluss eine Universität oder eine Hochschule besuchen und ein Studium absolvieren konnten.

Auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es nicht üblich, dass Frauen eine akademische Bildung erreichen konnten. Selbige war zunächst der begüterten Gesellschaftsschicht vorbehalten. Vor dem ersten Weltkrieg kündigten die Nationalsozialisten an, den Anteil weiblicher Studierender auf unter 10 Prozent senken zu wollen, änderten allerdings schon im Jahre 1935 ihre Meinung zu diesem Vorhaben. 1939 erreichte der Anteil studierender Frauen mit 50 Prozent und knapp 250.000 Studentinnen kriegsbedingt ihren Zenit.

Hildegart Pleus zählt somit zu den Frauen des 20. Jahrhunderts, die nicht nur studieren konnten, sondern auch einen Zugang in den Wissenschaftsbetrieb erhielten. Sie ist ein Paradigma für den Eintritt der Frauen in die universitäre Ausbildung vor allem, da sie nicht nur selbst ein Mädchengymnasium besuchen konnte, sondern  einen Universitätsabschluss erzielte und selbst als Professorin tätig war.

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Vorlesungsverzeichnisse, eine wichtige Quelle für die Geschichte der RWTH Aachen University

AMA AMA 2 AMA 1Seit der Gründung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule im Jahr 1870 wurden gedruckte Verzeichnisse der akademischen Veranstaltungen ausgegeben, die für das Personal und die Lehrpläne eine bedeutende Quelle darstellen. Bis 2004/05 gab es diese Publikation als Druckerzeugnis.
Wer sie einsehen möchte, findet unter unseren „Digitalen Angeboten“ Digitalisate bis derzeit Sommersemester 1967 vor. Bei einigen gibt es eine Schrifterkennung im PDF, das ist aber für alle geplant.
Die gedruckten Vorlesungsverzeichnisse gibt es nicht nur in Aachen, sondern in einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Bibliotheken im deutschsprachigen Raum. Man findet die Standorte in der sogenannten Zeitschriftendatenbank. Für den Jahrgang 1970 zum Beispiel sind die Bibliotheken unter diesem Link aufgeführt: von Wien bis Greifswald, von Regensburg bis Bochum. Natürlich kann man die Jahrgänge auch über Fernleihe bestellen.
Wer nur einige Angaben aus den Vorlesungsverzeichnissen benötigt, kann uns gerne eine Email schicken. Wir recherchieren dann kostenlos und scannen, falls erforderlich, gebührenfrei ein paar Seiten.
Im Rahmen unserer Öffnungszeiten können die VV gern bei uns vom ersten bis letzten Jahrgang eingesehen werden. Eine Ausleihe ist grundsätzlich nicht möglich. Für (sehr seltene) Ausnahmen sprechen Sie uns bitte an.
Außerhalb des Hochschularchivs kann man die VV in Aachen vor allem in der Hochschulbibliothek einsehen. Die älteren muss man leider aus dem Magazin bestellen, die Jahrgänge 1960 bis 2004/05 stehen im Lesesaal (Infozentrum 2. Obergeschoss, auf der linken Seite, siehe Bild). Die Öffnungszeiten sind sehr viel großzügiger als bei uns: bis Mitternacht lässt sich in ihnen schmökern.
Es gibt noch weitere Standorte (Mathematik-Bibliothek und Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung), aber deren Öffnungszeiten sind nicht so bürgerfreundlich wie die der Hochschulbibliothek.
Ab 2001 wurden die Vorlesungsverzeichnisse auch elektronisch veröffentlicht. Die in der Zeitschriftendatenbank eingetragene URL  http://www.campus.rwth-aachen.de/rwth/all/groups.asp führt zu den elektronischen Ausgaben (man kann rechts oben die Semester einstellen). Diese sind aber auch in RWTH Publications und, dauerhaft archiviert, in der Deutschen Nationalbibliothek online nutzbar. Ab 2018/19 dient RWTHonline als Nachweis.
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Kalenderbild August- Der Fall Schwerte- Schneider

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Das diesmonatige Kalenderbild bildet die Umschlagseite eines Buches zum Fall Schwerte- Schneider ab.

Hans Schwerte war von 1970- 1973 Rektor der RWTH Aachen. Gemeinhin war er als liberaler Professor der RWTH hochgeschätzt. Am 27.04.1995 wurde dieses Bild endgültig, durch eine Selbstanzeige Schwertes zerstört. Dies war nämlich nicht seine richtige Identität gewesen. Hans Schwerte wurde, nicht wie er angegeben hatte, am 03.10.1910 in Hildesheim geboren, sondern als Hans Ernst Schneider am 15.12.1909 in Königsberg.

Schneider war seit 1936 als Gaufachstellenleiter in der Abteilung Volkssturm und Heimat, und später als stellvertretender Abteilungsleiter bei der NS-Kulturgemeinde tätig gewesen. 1937 trat er dann der NSDAP sowie der SS bei, wo er einen rasanten Aufstieg erlebte. 1938 wurde er zum hauptamtlichen Referenten des „Rasse- und Siedlungshauptamtes“ und darauffolgend zum Referenten des Amtes „Ahnenerbe“ ernannt. In diesem Bereich soll er, nach eigenen Angaben, nur volkskundliche Forschung betrieben haben. Es ist jedoch heute bekannt, dass dieses Amt den Transport von Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager organisierte. Während dieser Tätigkeiten war Schneider vermehrt in Österreich und den Niederlanden eingesetzt worden. 1940-1942 wurde er dann dauerhaft in die Niederlande abkommandiert, dort war er als Verbindungsoffizier des „Ahnenerbes“ tätig. Das primäre Ziel war die „Germanisierung der Niederlande“. Bis 1945 war er anschließend Leiter der Dienststelle „Germanischer Wissenschaftseinsatz“ welche mit der Entwicklung des Konzeptes „Totaler Kriegseinsatz in der Wissenschaft“ betraut war. 1945 wechselte Schneider in das Amt III C („Kultur“) des Reichhauptamtes. Hier beteiligte er sich an der Umgruppierung von Teilen des SD- Apparates und vermutlich auch an der Aktenvernichtung.

Ende April floh Schneider dann nach Lübeck, wo er die neue Identität, Hans Schwerte annahm. Nach eigenen Angaben wohl aus Angst vor Verfolgung. Mit Hilfe eines Arztes und seiner Frau wurden alle Spuren der NS-Vergangenheit beseitigt, und Hans Schneider für im Krieg gefallen erklärt. Mit seiner neuen Identität stand dann einer Promotion in Erlangen im Jahr 1948 nichts mehr im Wege. 1958 folgten die Habilitation und der Einstieg in die wissenschaftliche Laufbahn mit einer dortigen Dozentenstelle. 1964 wurde Schwerte zum außerplanmäßigen Professor, 1965 dann zum ordentlichen Professor berufen. Von 1970-1973 war er, wie oben bereits erwähnt, dann Rektor der RWTH Aachen. 1983 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen, und 1990 wurde er zum Ehrensenator ernannt. Schon seit seiner Berufung gab es Gerüchte über eine falsche Identität, die sich jedoch erst zwischen 1989 und 1994 verdichteten und im Juni 1994 als Information an den damaligen Rektor Habetha getragen wurden. Dies blieb jedoch ohne Folgen. Die Aufklärung des Falles begann erst ein Jahr später, möglicherweise auf Druck niederländischer Medien. Der Zusammenhang zur folgenden Selbstanzeige Schwertes ist bis heute ungeklärt, wie noch viele andere Aspekte dieses Falles. Im Mai 1995 verzichtete Schwerte auf die Würden des Ehrensenators, sowie auf das Bundesverdienstkreuz, beides wurde ihm anschließend aberkannt. Im selben Jahr wurde ihm die Ehrung zum Professor vom Wissenschaftsministerium gegen arglistiger Täuschung entzogen, auf eine Entziehung des Doktorgrades verzichtete man 1996 jedoch. Auch die Ermittlungen gegen ihn wegen Beihilfe zum Mord wurden im Oktober 1996 eingestellt. Am 18.12.1999 verstarb Schwerte dann, ohne seinen alten Namen wieder aufgenommen zu haben, in Marquardstein/ Oberbayern.

 

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Kalenderbild Juli: Wespienhaus- ein schönes Gebäude aus dem alten Aachen

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Akte 1137

Auf unserem Kalenderbild des Monats Juli ist die Fassade vom Wespienhaus zu sehen, das an der Kleinmarschierstraße 45 / Ecke Heppionsgasse (Elisabethstraße) stand.

Das Bild zeigt eine symmetrische Vorderfront im Maßstab 1:100. Leider sind wenige Informationen und Erinnerungen über das Wespienhaus überliefert. Der Bau begann im Jahr 1734 und wurde im Jahr 1737 vollendet.

Architekt war Johann Josef Couven. Dieser hat mehrere Gebäude in Aachen entworfen. Zum Beispiel begann er zwischen 1728 und 1732 gemeinsam mit Gilles Doyen das Aachener Rathaus umzugestalten. Er entwarf die Neugestaltung der Rathaustreppe mit dem Eingangsportal. 1735 gestaltete er das Blausteinbecken für den Karlsbrunnen auf dem Rathausplatz. Dazu konstruiert er später noch zwei bronzenen Fischskulpturen.

Der Name für das Haus stammt von Johann von Wespien. Er war Tuchfabrikant und Bürgermeister der Reichstadt Aachen. Er wurde in den Jahren 1756 und 1759 gewählt. Innerhalb seiner zweiten Amtszeit verstarb er.

Das Anwesen war am Anfang ein repräsentatives Privathaus. 1838 wurde es durch Joseph van Gülpen zu einer Tuchfabrik umfunktioniert. Im Jahr 1901 wurde das Untergeschoss aus wirtschaftlichen Gründen zu einem Ladenlokal. Dies war nicht so gewinnbringend wie erhofft und somit musste die komplette Innenausstattung verkauft werden.  Die Stadt Aachen wollte das Haus kaufen, hierfür fehlte jedoch Budget.

Das Objekt wurde 1940 von dem Architekten Johann Everling rekonstruiert. Über den Grund des Wiederaufbaus das Wespienhaus gibt es leider keine Informationen.  Am 14. Juli 1943 wurde das Wespienhaus durch einen Funkenflug schwer beschädigt, kurz danach wurde es durch Sprengbomben vollständig zerstört.

Quelle: Akte 1137 – Hochschularchiv RWTH Aachen

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Kalenderbild Juni: Versicherung und RWTH?

Kalenderbild Juni

Signatur: 397 b

Bei dem Kalenderbild Juni handelt es sich um einen Brief von der Aachener und Münchner Feuer-Versicherungs-Gesellschaft. Hierbei geht es um die Zusicherung der Finanzierung eines Kunstmuseums an der RWTH, die damals königliche Technische Hochschule hieß. Der Briefkopf der Vereinbarung besteht aus zwei Wappen, die leicht schräg aufgestellt wurden. Auf dem einen Abzeichen ist ein Adler (steht für die Stadt Aachen) und auf dem anderen ist ein Mönch abgebildet (steht für die Stadt München). Darunter ist ein Banner mit dem Namen Aachener und Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft. Unterhalb wächst eine Blume nach oben und verziert und verbindet die beiden Wahrzeichen miteinander. Die Spitze des Briefkopfes wird durch eine Burg gekrönt.

Der Text des Briefes lautet:

      Aachen, den 17. Juni 1901

   An den Rektor der königlichen Technischen Hochschule Herrn Professor Dr. von Mangoldt Hochwohlgeboren.

Hier.

In Erwiderung auf die geehrte Zuschrift vom 28. vor. Mts. (vorherigen Monats) benachrichtigen wir Sie ergebenst, daß wir die Höhe des Beitrags, welchen wir für die Begründung eines Kunstmuseums an der königlichen Technischen Hochschule in Aussicht genommen haben, auf M (Mark) 30.000 festgesetzt haben. Und zwar knüpfen wir diese Zuwendung an die gleichen Bedingungen, von welchen die Stadt Aachen und der Aachener Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit ihre Beihülfen (Beihilfen) abhängig gemacht haben.

 

 Hochachtungsvoll!

Aachener und Münchner Feuer-Versicherungs-Gesellschaft.

Die Direktion

 gez. Dorst

 

Es ist interessant zu erfahren, wie man Briefe vor über 100 Jahren verfasst hat. Da erkennt man, dass sich manche Begrifflichkeiten im Laufe des Jahrhunderts verändert haben. Der Aufbau der schriftlichen Übereinkunft unterscheidet sich aber kaum von unseren aktuellen Briefen.

Die Aachener und Münchener Versicherung hat damals zur Gründung der Hochschule beigetragen und fördert diese heute noch.

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