Kalenderbild Oktober: wat jehen mia die andan an?

10Oktober_Asta-Studienführer_Collage

Signatur: S5096

KalenderOktoberBild2Das Kalenderbild des Monats Oktober zeigt die Vorder- und Rückseite des 136-seitigen Studienführers der RWTH Aachen aus dem Jahr 1963. Damit war es der erste Studienführer, den der Allgemeine Stundentenausschuss (kurz AstA) seit 1957 herausgegeben hat, und diente, wie auch heutige Ausgaben, der Informations- und Orientierungshilfe von Erstsemester-Studenten. Zusammen gestellt und redigiert wurde diese Ausgabe von Ingemar Lange, dem damaligen Pressereferenten des AstA.

Schon beim ersten Betrachten des Hefts fallen einem dieKalenderOktoberBild1 Zeichnungen einiger Aachener Wahrzeichen auf: die Plastik Karls des Großen am Karlsbrunnen, den Aachener Dom, das Ponttor, die Pferdestatue am Theater,das Hauptgebäude der RWTH sowie das damals noch junge Audimax-Hörsaalgebäude, welches 1954 errichtet wurde. Darüber hinaus werden aber auch zeitlose Themen für Student/innen angesprochen; vielseitig fließen sie in die Collage ein: Mietzahlungen, Vorurteile gegenüber den Ingenieursfächern, unzählige Graphen und Formeln, Liebesangelegenheiten und die Anmerkung „wat jehen mia di andan an?“ auf Öcher Platt sprechen pars pro toto für das KalenderOktoberBild3Aachener Studentenleben allgemein.

Für die Zeichnungen verantwortlich ist Prof. Dipl.-Ing. Konrad Schalhorn. Von ihm liegen dem Archiv noch weitere Bilder vor. Seine Skizzen lassen auf seinen persönlichen Hintergrund schließen: von 1958 bis 1965 studierte er Architektur an der RWTH – so erschließt sich auch sein Augenmerk auf Gebäude und Kunst und die Verwirklichung dieses Designs auf Millimeterpapier. Prof. Schalhorn ist auch für die Spende des Studienführers und der Vorlagezeichnung an das Archiv zu danken.

Des Weiteren wurde unter Schmeissers Amtszeit auch der Bau des ersten Wohnheimturms an der Roermonder Straße, des Otto-Petersen-Hauses, veranlasst. Es wurde 1965 fertiggestellt. Schmeisser trat sein Amt als Rektor der RWTH jedoch bereits einen Monat nach Veröffentlichung des Studienführers im Oktober am 12. November an Prof. Aschoff ab, unter dessen Leitung beispielsweise die Philosophische Fakultät gegründet wurde – für mich als Literaturwissenschafts- und Philosophiestudentin ein Meilenstein in der Aachener Hochschulgeschichte!

Signatur: 1.2.1 Kar

Was passierte sonst im Jahr 1963?

Am 7. Mai dieses Jahres hatte die RWTH einen schweren Verlust zu betrauern: Theodore von Kármán, Leiter des Aachener Instituts für Mechanik und flugtechnische Aerodynamik und Gründer der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen, von der ihr schon auf unserem letzten Kalenderblatt mehr erfahren habt, verstarb. Nach ihm sind viele Einrichtungen der Universität und sogar eine Straße benannt. Das Kármán-Auditorium, welches gegen Mitte der 1970er Jahre fertiggestellt wurde, hat übrigens mit Beginn des Sommersemesters dank der Fertigstellung des neuen Hörsaalgebäudes C.A.R.L. am Westbahnhof nach nunmehr fast 50 Jahren ausgedient. Es ist noch unklar, ob es umfassend saniert werden soll – da es unter Denkmalschutz steht, wird es der Stadt aber wohl zumindest erhalten bleiben.

Quellen: Fotos/Scans aus dem Archivbestand, Alma Mater Aquensis 1963, Websitenlinks, Gerald Eimer: http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/karman-auditorium-hat-bald-ausgedient-1.1581178 (eingesehen: 07.07.2017)

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„Höllische Nachbarn“ im Hochschularchiv der RWTH – Das Modul Paläographie

Sig.: 508 b; Vorderseite

Bei unserer Recherche zu einer Anfrage sind wir auf einen außergewöhnlichen Fund gestoßen. Zwischen all den oftmals langweilig wirkenden Sachakten entdeckten wir einen Beschwerdebrief eines damaligen Dozenten an den ehemaligen Rektor Röntgen. Er beschreibt die angeblichen Fantasiegespinste einer Frau aus seiner Nachbarschaft, welche er mit nationalsozialistischem Jargon denunziert. Da uns der Vorfall interessierte, recherchierten wir weiter und fanden den diesem Schreiben vorausgegangenen handschriftlichen Beschwerdebrief eben dieser Nachbarin. Darin beschreibt sie ihre Sicht der Dinge.

Als uns der Brief jedoch in die Hände gefallen ist, konnten wir zunächst kaum ein Wort nach der Kopfzeile entziffern. Während diese noch in den uns bekannten römischen Buchstaben verfasst ist, ist der nachfolgende Text in einer althochdeutschen Schreibschrift verfasst. Hier sieht ein d aus wie ein v, es gibt je nach Position im Wort verschiedene s-Buchstaben, das ch erinnert an ein y – und darüber hinaus haben noch zahlreiche weitere Probleme das Lesen erschwert. Erst durch das Modul Paläographie bei Herrn Graf lüftete sich das Geheimnis um diesen kuriosen Nachbarschaftsstreit.

Hier lernten wir zunächst die zehn goldenen Regeln der Paläographie (unter anderem, dass es sich im Zweifel immer um ein w handelt und man notfalls ein Wort rückwärts zu entziffern versuchen sollte). Dann dröselten wir einzelne gut leserliche Worte und Textzeilen auf und übertrugen jeden Buchstaben auf ein separates Blatt. Auf dieses konnten wir bei schwierigeren Textstellen zurückgreifen. Nach und nach entschlüsselte sich uns so der Brief. Doch bevor Sie unsere Übertragung lesen, versuchen Sie doch einmal selbst, den ein oder anderen Satz zu entschlüsseln! Falls Sie Hilfe dabei brauchen, können Sie folgendes Video anschauen, das von uns Praktikanten zu diesem spannenden und hilfreichen Modul erstellt wurde. Wir sind auf jeden Fall sehr glücklich, das Modul Paläographie mit so einem interessanten Zufallsfund vorstellen zu können.

Nachfolgend finden Sie unsere Transkription des Textes:     Aachen, den 28.5.33. Hochverehrter Herr Prof. Dr. Röntgen,  

Endes-Unterzeichnete erlaubt sich Euer Magnifizenz, folg. zu Ihrer Beurteilung zu unterbreiten:

Sig.: 508 b; Rückseite

Wir bewohnen seit 3 Jahren das Parterre im Hause Rütscherstr. 52. Der Privat Dozent H. Dr. Schröder der techn. Hochschule bewohnt seit 3 Monate [sic!] die 2te Etage desselben Hauses. Das Dienstmädchen des Herrn Dr. Schröder hat die üble Gewohnheit den Mülleimer, der Mittags 12 Uhr geleert wird, entweder in meinen [sic!] Vorgärtchen hineinzuschmeißen, wo frisch alles wächst, oder in den Flur bis Abends spät zu stellen; oft noch den Kindersportwagen dabei. Der Hauseigentümer sowie das Hausgesetz verbieten solches, der Flur muß frei sein. Dem H. Dr. Schröder wurde es mitgeteilt. Er versprach auch Abhülfe, aber trotzdem war es immer dasselbe.

Dieses ist die Grundlage für den folg. großen Streit. Ich nehme an, daß Frau Dr. Schr. mit den Herausforderungen Ihres Dienstmädchens uns gegenüber einverstanden ist, da sie samt Mädchen sogar meine verh. Tochter, die nicht im Hause wohnt, auf der Straße ausgelacht haben; und als meine Tochter sich später darüber beschwerte, wir uns noch Grobheiten mußten sagen lassen.

Am Dienstag Abend, dem 23. d. M. kam es nun zum offenen Streit.

Der Eimer stand bis 6 Uhr Abends in der Straße, wurde dann vom Dienstmädchen in den Flur gestellt. Um 7 Uhr als die Familie der I Et. (?) [sic!] nach Hause kam, von dieser in unsere Schlafzimmer Tür gestellt.

Darauf befahl ich meiner Tochter den Eimer in die Straße zu stoßen. Als gegen 8 Uhr Herr Dr. Schr. mit seiner Familie nach Hause kam, erlaubte sich das Dienstmädchen die Schimpfnamen – „wer hat den Eimer herausgestellt, den ich hereingestellt habe, diese Saubande und s. w.“

Mein Mann öffnete die Küchentür und frug – „gehen diese Schimpfnamen uns an?[“] Herr Dr. Schr. gebot darauf meinem Mann Ruhe, lächerlich in unserer eigenen Wohnung. Dann drehte er sich um, er stand fast in unsere Küche hinein, er hob den schweren Stock, [den] er bei sich führte und wollte mit der Krücke auf meine 33 jähr. Tochter schlagen. Mein Mann suchte den Schlag zurück zu halten mit dem linken Arm und [er] hielt ihn über den Arm ins Gesicht auf das linke Auge, welches noch heute in verschiedenen Farben zu sehen ist. Dann holte er zum 2ten Schlag aus worauf meine Tochter die ernste Situation überblickend 2 kleine allu. Milchkesselchen schnappte, in den Flur schmiß ohne jedoch den H. Dr. zu treffen. Frau Dr. Schr. stand mit dar neben mit dem Riemen des Sportwagens, ebenfalls zum Schlagen bereit. Es folgten dann noch ein[ige] Schimpfereien, und ich schloss unsere Wohnung ab; um alles weitere zu verhüten.

Ich hätte mir gewünscht, Sie hochverehrter Herr hätten diesen Mann gesehen, wie der sich benahm. Ich frage Sie nun: ist das national-akademisch??? Ist das der Erfolg der großen Rede des Herrn Dr. Sch.??

Es ist unerhört, daß sich ein 70 jähr. alter, unbescholtener Mann, der 36 Jahre in Staatsdiensten gestanden und unter eigener Lebensgefahr in der Besatzungszeit dem Staate Dienste geleistet und Inhaber des Verdienstkreuzes I. Kl. ist – sich von einem jungen Mann, muß das Gesicht schänden lassen?? Das hochverehrter Herr nur zur [sic!] Ihrer Kenntnis und Beurteilung.

 Mit vorzügl. Hochachtung Frau Hein. Jansen geb. Louise [Fey/Fich/Fech] Rütscherstr. 52 p.


von Alina Menden und Sarah Schmidtmann

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Die Kunst des richtigen Lesens

Zur Grundausbildung eines Archivars gehört beispielsweise neben Fertigkeiten im Verzeichnen und der Bestandserhaltung auch das Transkribieren alter Texte. Dabei verhält es sich wie beim Übersetzen vom Lateinischen ins Deutsche: Übung macht den Meister!

Seit Jahren weist Klaus Graf seine Studenten – und auch die Mitarbeiter und Praktikanten des Hochschularchivs – in die Kunst der Paläographie, der Lehre von alten Schriften, ein und formulierte aus diesem Grund zehn Regeln, die dem Laien als kleine Unterstützung beim Transkribieren dienen sollen. In einem kurzen Video stellen unsere beiden Praktikantinnen diese vor:

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Macht und Pracht im Hochschularchiv der RWTH

TdoD_2017_5Am 10. September 2017 war es wieder soweit: Wie jedes Jahr öffneten die Mitarbeiter des Hochschularchivs auch am vergangenen Sonntag das Tor des alten Aachener Regierungsgebäudes für die Besucher des Tag des offenen Denkmals.

So steht die Geschichte des 1827 von Johann Peter Cremer erbauten Gebäudes am Theaterplatz ganz im Zeichen des diesjährigen Mottos: Macht und Pracht. Napoleon Bonaparte und Otto von Bismarck sind wohl die prominentesten Namen, die in Zusammenhang mit dem Gebäude stehen dürften. Doch auch die unangenehmen Seiten der deutschen Geschichte sind an dem Gebäude nicht spurlos vorbeigegangen, wenn man dabei an das an die Separatistentage in Aachen erinnernde Denkmal im Treppenhaus des Gebäudes denkt oder an die Gedenktafel am Eingang des Gebäudes, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert, da die GESTAPO ab 1933 in einem Teil des Hauses untergebracht war.

Das Motto des diesjährigen TdoD lässt sich außerdem an der Geschichte der RWTH Aachen University verdeutlichen, wie die Mitarbeier des Hochschularchivs durch eine Reihe von Archivalien, die während der Führung durch die Räumlichkeiten auslagen, demonstrierten.

Mit ca. 60 Besuchern war auch der diesjährige TdoD ein voller Erfolg und wir bedanken uns daher für das Interesse der Besucher und freuen uns schon auf den nächsten Denkmaltag!

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Verstaubt und dröge? Von wegen! – Mein Praktikum im Hochschularchiv

PraktikantinAlinaMendenAls Studentin der Literaturwissenschaft habe ich häufig mit alten Texten zu tun – selten bekommt man da eines der kostbaren Originale in die Hand. Ganz anders ist das im Archivwesen: hier arbeitet man buchstäblich eigenhändig mit wunderbaren, erschreckenden, andächtigen und häufig total überraschenden Zeitzeugnissen – und zwar selbstständig, von Anfang an.

Was ich schnell in meiner Zeit als Praktikantin des Hochschularchivs gelernt habe: kaum eine Akte ist so langweilig, wie sie von außen aussieht! Man findet in jedem Karton mitreißende Familiengeschichten, bahnbrechende Lebenswege und Dokumente aus Zeiten, die den Studierenden meines Alters sonst sehr fern sind.

Das Hochschularchiv macht Geschichte hautnah erfahrbar und greifbar. Die größte Freude war es mir immer, die persönlichen Anliegen der Nutzer des Archivs zu beantworten. Täglich wenden sich Leute ans Archiv, um Informationen zu ihren Vorfahren, Verwandten oder Bekannten zu erhalten. Nicht selten steckt die eine oder andere faszinierende oder traurige Geschichte dahinter, die wir Praktikanten dann während der Recherche aufdecken. Fast fühlt man sich wie ein Detektiv, wenn man beispielsweise einen Nachbarschaftsstreit durch verschiedene Briefwechsel auflöst oder von Menschen liest, die sich für ihre Herkunft in den 30er-Jahren rechtfertigen und um das Leben ihrer Familie bangen mussten.

Am schönsten an dieser Arbeit sind die vielen Dankesmails und –anrufe von Personen, denen wir mit unserer Recherche weiterhelfen konnten. Und das ist im Wesentlichen – zumindest in meinen Augen – die Aufgabe eines Archivs. Den Zugang zu Informationen bereiten, die, so klein und unbedeutend sie auch erscheinen mögen, für manche Menschen eine große Bedeutung haben könnten. Den Spaß an dieser Arbeit habe ich jeden Tag im Büro des Archivs zu spüren bekommen, denn an keinem anderen Ort habe ich jemals ein so tolles und motiviertes Arbeitsklima erlebt! Nicht zuletzt die vielen gemeinsamen Mittagspausen, in denen wir über Serien, die Uni und Gruselgeschichten erzählt, vor allem aber viel genascht haben, waren jeden Morgen ein guter Grund, um vorfreudig zum Praktikum zu gehen. Aber auch die Selbstständigkeit der Praktikanten wird vom Archivteam gefördert: vom ersten Tag an wird man auf die Archivalien „losgelassen“ und für eigene Ideen oder Projekte ist immer Platz und reichlich Unterstützung vorhanden. Hier wächst man an seinen Aufgaben und darüber hinaus. So bleibt mir nur jedem zu raten, ein Praktikum im Hochschularchiv in Erwägung zu ziehen.

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Meine Zeit im Hochschularchiv – Mehr als nur ein Pflichtpraktikum !

Wenn mich Kommilitonen fragen würden, was ich ihnen für ein Studium in den Gesellschaftswissenschaften auf jeden Fall ans Herz legen würde ist meine Antwort klar: Ein Praktikum im Hochschularchiv. Doch wieso ist das so?

Da gibt es zum einen die objektiven Gründe: Das PrSoSe 1968 198aktikum im Hochschularchiv ist keins dieser typischen „Kaffeekocher“- und „Zuarbeiter“-Praktika. In ihm lernt man nicht jemanden nach dem Mund zu reden und acht Wochen lang bloß beschäftigt zu wirken. Hier hat man einen eigenen Modulkatalog, der von den Praktikantinnen abgearbeitet werden muss. Dadurch wird anhand von obligatorischen Aufgaben sowie kurzen Vorträgen und Übungen das Wissen der Praktikanten erweitert und ein fester Rahmen gegeben. So einen durchdachten Praktikumsplan hatte in meinem Freundeskreis kein Anderer. Zum Modulkatalog gehörte zum Beispiel das Modul „Paläographie“ indem wir einen von uns ausgesuchten Brief zu transkribieren lernten. Wir lernten aber auch Webeinträge zu verfassen und bei Facebook, Google+ und unserer Internetseite Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und das „harte Faktenwissen“ über Urheber- und Archivrecht. Im Laufe der Zeit und der Abarbeitung des Modulkatalogs hatten wir immer mehr Spielraum und wurden immer selbständiger. In dieser freundlichen Atmosphäre wurde man zum Mitdenken, Mitentscheiden und auch mal Selbstentscheiden angeregt. Wir wurden von den anderen Mitarbeitern auf einer Augenhöhe behandelt und ermutigt, über uns hinauszuwachsen und uns selbst kennen zu lernen.

Nach dem Modul „Verzeichnen eines (Teil-)Bestandes“ bekam ich meinen eigenen kleinen Teilbestand zum Verzeichnen. Ein volles Regal wollte verzeichnet, sortiert und archivgerecht gelagert werden. Meine Freunde verstanden die Welt nicht mehr als ich ihnen stolz Fotos von meinem Fortschritt zeigte und ihnen am Freitagabend schon erzählte, was ich Montag machen werde- und das ich mich darüber freue.

Und da sind wir auch bei den persönlichen Gründen: Das Praktikum im Hochschularchiv hat mir persönlich wahnsinnig viel Spaß gemacht. Die Mitarbeiterinnen des Hochschularchivs waren schnell mehr „Freunde“ als „Kollegen“ und wir haben viel gelacht. Von ihnen habe ich viel Unterstützung bekommen und Sicherheit, wenn ich gerade dabei war, etwas Neues zu erlernen, aber auch genügend Freiraum, etwas so zu machen, wie ich es möchte – ein seltenes Glück! Durch die Bilderfreitage und das Beantworten der Anfragen lernte ich auch aus anderen Bereichen stetig hinzu. Für ein Kalenderbild lernte ich alles über die Beschaffenheit von Ringflügel, für eine Anfrage mal etwas zur proRWTH, dem Förderverein, einzelnen Professoren oder der FVA, der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen: Jeder Tag brachte mir ein bisschen mehr Sicherheit und Routine, aber auch eine neue spannende Thematik, die es zu entdecken gab.

Die einzelnen Module haben mir alle genau so viel Spaß gemacht wie das beschriebene Modul „Verzeichnen eines (Teil-)Bestandes“ und auch die anderen anfallenden Tätigkeiten habe ich genossen – so sehr, dass ich mich freue hier bald ehrenamtlich arbeiten zu dürfen – ein Gütekriterium an sich!

Auch wenn ich es vorher wirklich nicht geglaubt habe, ist nun „Archivarin“ eine Berufsperspektive, welche ich in Betracht ziehe und ich bin sehr dankbar, dass mir dies von dem Hochschularchiv aufgezeigt wurde. Aus diesen Gründen kann ich jedem Gewi- und LuS-Studenten nur ans Herz legen hier sein Praktikum zu machen.

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Kalenderbild September: Freizeitaktivitäten an der RWTH – Mehr als nur Hochschulsport !

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Signatur: 8.2.2 ap

Als Studentin der RWTH kenne ich natürlich das Angebot des Hochschulsports, habe viele Freunde die beim Kontakthüpfen ihre Pfunde purzeln lassen. Leider muss ich zugeben, dass ich darüber hinaus mir nie über weitere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung der RWTH Gedanken gemacht habe. Dabei bietet die RWTH ein weites Spektrum an studentischen Eigeninitiativen und wissenschaftlichen Vereinigungen an. Diese Erkenntnis habe ich vor allem durch die Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Foto gewonnen.

Auf dem Kalenderbild des Monats  Septembers sieht man das Werk einer solchen wissenschaftlichen Vereinigung, der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen. Die FVA wurde schon in Jahre 1920 unter der Leitung von Theodore von Kármán und Wolfgang Klemperer gegründet. Damals wurde der Segelflug als Möglichkeit gesehen eine Lücke im Versailler Friedensvertag auszunutzen. Durch ein Verbot der Siegermächte war es den Deutschen nicht erlaubt in der motorisierten Luftfahrt Forschungen voranzutreiben (wie bei jeder zu militärischen Zwecken nutzbaren Forschung), jedoch galt dieses Verbot nicht für die militärisch nicht ernst genommenen Gleitflugzeugbauten. Vor allem durch die Unterstützung Kármáns wurde die deutsche Forschung im Gebiet der Strömungslehre durch diese wissenschaftliche Vereinigung geprägt. Die Anfangsjahre der FVA verliefen somit sehr erfolgreich, jedoch mussten ab der Machtübernahme der NS-Regierung viele organisatorische und politische Einschränkungen hingenommen werden und ab 1940 wurde der Flugplatz der FVA durch die Luftwaffe belegt. Durch einen Luftangriff wurde die Flugzeughalle der FVA im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört.  Am 13. November 1950 erfolgte die Neugründung der FVA. Als eines der ersten Projekte nach dem Krieg wurde der im Bild abgebildete Ringflügel in Angriff genommen.

Auf dem oben sichtbaren Foto sieht man das erste Modell eines Ringflügels, welcher unter Aufsicht des Ingenieurs J. Herrmann entstand. Ziel dieser Arbeit war es, die Flugeigenschaften eines solchen Flugzeuges zu untersuchen. Man erhoffte sich eine Minimalisierung des Baugewichts und mit Hilfe des, kurze Zeit vorher wiederbelebten, Lehrstuhls für Flugzeugbau wollte man die deutsche Forschung wieder vorantreiben. Die Hoffnung der FVA war es, die deutsche Forschung, welche im Jahre 1945 stehengeblieben war, wieder mit einem spannenden Forschungsobjekt zu beleben. Das erste kleine Modell flog auch erfolgreich.

Aufgrund der erfolgreichen Flüge des Modells wurde bald mit der Erarbeitung eines großen Ringflügels begonnen.  Dadurch, dass die Berechnungen für das große Modell und Windkanaltests erst 1955 ermöglicht werden konnte, wurde das Flugzeug ohne hinreichende Berechnungen trotzdem erbaut. Erst später stellte sich dann heraus, dass der Ringflügel im Schnellflug die Tendenz hatte über ein kopflastiges Moment die Rückenfluglage aufzusuchen – das Flugzeug war also nicht flugfähig. Die kostspieligen und umfangreichen Umbauarbeiten wollte die FVA nicht vornehmen, weshalb der Rohbau nach weiteren zwei Jahren um Platz zu schaffen wieder zerstört wurde.

Noch heute lebt die FVA als wissenschaftliche akademische Fliegergruppe und Teil der Idaflieg (Interessensgemeinschaft deutscher akademischer Fliegergruppe) als Dachverband weiter. Die FVA sucht immer neue Mitglieder unter den Student/innen der RWTH und FH. Dabei sind zwar Kenntnisse auf dem Gebiet erwünscht, aber nicht zwingend notwendig. Jeder ist willkommen und kann hier  weitere Informationen zum Eintritt finden.

Denn unserer RWTH hat noch viel mehr zu bieten, als man im ersten Moment denken könnte. Deswegen sollte sich jeder die Zeit nehmen, alle Angebote der RWTH zu sichten! Weitere Informationen über die historische Geschichte der FVA finden sich bei uns in der eigenen Bibliothek des Hochschularchivs,  welche gerne besucht werden darf.

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Kalenderbild August: Vom Chemischen Laboratorium zu Talsperren

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Sig.: 9.3.bh

Das aktuelle Kalenderbild ziert eine Postkarte mit dem Foto des Chemischen Laboratoriums, das an der Stelle des heutigen Super-C stand. Das Gebäude entstand als Teil der Königlichen Polytechnischen Akademie, welches 1869 vom damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm gründete wurde. Von 1875 bis 1879 wurde das Laboratorium neben dem heutigen Hauptgebäude im Stile des Klassizismus erbaut, jedoch im Laufe des Zweiten Weltkrieges zerstört. Das Gebäude entwarf der Architekt Franz Clemens Ewerbeck in Zusammenarbeit mit dem späteren Rektor des Polytechnikums, Otto Intze, als Baukonstrukteur.

Sig. 1.2.1. Intze

Sig.: 1.2.1. Intze

Otto Intze wurde am 17. Mai. 1843 in Laage geboren. Sein Talent für Ingenieurswesen zeigte sich schon bei seiner ersten Arbeitsstelle bei einer britischen Eisenbaugesellschaft, die ihn nach Russland führte. Dort bemerkte man, dass Intze schnell ohne jegliche Vorkenntnisse ingenieurwissenschaftliche Zusammenhänge erfasste und in der Lage war, sie weiterzuentwickeln. Deshalb entschied er sich in Hannover Ingenieurswesen zu studieren. Im Dezember 1872 wurde Otto Intze in Aachen an der Polytechnischen Akademie zum Professor in Baukonstruktion, Baustofflehre und Wasserbau ernannt. Otto Intzes größter Verdienst war die Schaffung des Intze-Prinzips, das die Wasseraufbewahrungstürme verbesserte und sie preisgünstiger machte. Dadurch konnte die moderne Wasserversorgung im Ruhrgebiet schneller und sicherer ausgebaut werden.

Im Laufe der Zeit spezialisierte er sich auf die Projektierung von Talsperren. Besonderes Augenmerk legte er auf die Sicherheit der entstehenden Talsperren, da sie oft brachen und Todesopfer forderten. Um diesem vorzubeugen, entschloss sich Otto Intze die natürliche Form der Täler zu nutzen und sie in den Bau miteinzubinden. Hierbei kam ihm sein Prinzip zur Hilfe: So baute er die Sperren mehrere Meter in den Felsen hinein und verwendete als Mörtel eine Mischung aus Kalk, Sand und Trass, woraus ein besonders harter Mörtel entstand. Die Mauern baute er im bogenförmigen Grundriss. Zur Stabilisierung der Mauern entstanden keilförmige Aufschüttungen aus Lehm. Ziel war es, stabile Talsperren zu schaffen, die seinen Vorstellungen nach ewig halten würden. In der Realität mussten die ersten in den Dreißigern des 20. Jahrhunderts wegen drohenden Bruches abgerissen werden. Der Großteil ist jedoch bis heute erhalten. Von 1898 bis 1901 war Otto Intze zum Rektor der Aachener Polytechnischen Akademie berufen. In seiner Amtszeit war er bei den Studierenden aufgrund seines lebendigen und sowohl Theorie, als auch Praxis miteinander verbindenden, Vortragstiles beliebt. Am 28. Dezember 1904 starb er in Aachen.

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Von Dokumenten zu You-Tube-Videos: Meine Zeit im Hochschularchiv

Auf der Suche nach einem Pflichtpraktikum für mein Studium der Gesellschaftswissenschaften empfahl mir eine Freundin das RWTH-Hochschularchiv. Nachdem ich mir die Praktikumsberichte durchgelesen und die Website genauer angesehen hatte, folgte ich ihrem Rat und bewarb mich dort. Nach einem Bewerbungsgespräch begann meine lehrreiche Zeit im Archiv.

Nach einer kurzen Einführung in die grundlegenden Aufgaben, die ein Praktikant bewältigen muss, wie im Magazin die Akten sortieren oder Findbuchdatei korrigieren, lebte ich mich immer mehr in den Alltag des Archivs ein. Als Krönung der Aufgaben galt das Anfragen-Beantworten. Sobald eine Anfragenmail aufleuchtete, erschien in den Augen sämtlicher Mitarbeiter ein Glanz der Begeisterung, denn dies bedeutete, dass der Erwählte im Archiv nach den Dokumenten suchen durfte und damit einen Einblick in vergangene Zeiten erhielt. Aber auch so stöberte man in Dokumenten herum, sei es für das Umbetten der Dokumente, um sie vor dem Verfall zu bewahren oder um Fotos einzuscannen. Von Anfang an wurde ich mithilfe von Modulen in die Aufgabenbereiche, aber auch in das Wissen eines Archivars, eingeführt, wie das oben beschriebene Umbetten der Dokumente das Modul der Bestandserhaltung darstellte. Fünf Module wurden vom Archivleiter Herr Graf persönlich gehalten: Informationsrecherche, Archivrecht, Urheberrecht, Paläographie und Bewertung, die sowohl sehr informativ und spannend als auch auf den Alltag anwendbar waren.

Enorm viel Wert wurde auf die Digitalisierung und Online-Präsenz des Archivs gelegt. Dadurch hofft Herr Graf an neue Dokumente zu gelangen, denn: Je mehr das Archiv auf sich aufmerksam macht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Institute Akten abgeben. Auch die Öffentlichkeit auf die Existenz des Archivs aufmerksam zu machen, gehört zu den Anliegen. So wurden verschiedene Möglichkeiten der Präsenz diskutiert, von Snapchat bis hin zu Jodel. Geeinigt hat man sich auf YOU-Tube Videos (Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=VS7_J1yKGOI), woraufhin wir in Gruppenarbeit ein Video gegen Ende meines Praktikums realisieren durften. Immer wieder durfte ich Texte schreiben, die entweder im Weblog, Google+ oder Facebook veröffentlicht wurden (siehe der Bilderfreitag https://www.facebook.com/ArchivRWTH/?ref=aymt_homepage_panel ).

Dank der humorvollen Mitarbeiterinnen und einer entspannten Atmosphäre, die noch zusätzlich von Franz, dem Archivhund, gefördert wurde, war es nie peinlich Fragen zu stellen.

Insgesamt war das Praktikum im Hochschularchiv eine meiner besten Zeiten im Studium. Wenn ich mich für ein Praktikum entscheiden müsste, würde ich es immer wieder hier machen, denn: Es war äußerst gut strukturiert (siehe die Module), half mir neue Blickwinkel auf das Archivwesen und die Welt zu gewinnen und hatte die besten Mitarbeiter, die man sich vorstellen kann. Deshalb Danke Claudia, Filis, Janine, Joana, Herr Graf, Sarah, Alina und Franz. :)

 

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Vielfältig, hilfreich und produktiv, so war es im Hochschularchiv

Als ich auf der Suche nach einer Praktikumsstelle im Rahmen des Pflichtpraktikums meines StudiengaIMAG0154nges Gesellschaftswissenschaften war, stieß ich auf die Seite des Hochschularchivs der RWTH Aachen. Wegen der durchweg sehr positiven Praktikumsberichte auf der Homepage und meinem Studienschwerpunkt in dem Fach Geschichte, entschloss ich mich, Kontakt zum Hochschularchiv aufzunehmen und mich auf eine freie Praktikumsstelle zu bewerben, welche ich schließlich auch bekam.

Ab dem ersten Tag im Hochschularchiv machte mir das Praktikum sehr viel Spaß. Dies lag zum einen an dem top organisierten Ablauf des Praktikums. Dieser zeigt sich daran, dass jeder Praktikant eine Reihe von Modulen belegen muss, welche alle Seiten der Archivarbeit beleuchten. Diese reichen vom Modul Paläographie (das Lesen alter Schriften) – bei welchem ich regelrecht verzweifelte, am Ende aber doch ein Erfolgserlebnis hatte, als ich zumindest bruchstückhaft einen in alter deutscher Handschrift verfassten Text entziffern konnte -, über das Modul Umbetten und Bestandserhaltung von alten Akten – bei dem ich Dokumente aus der NS-Zeit umbettete und auch beim 100sten Mal Heil-Hitler-Lesen zusammenzuckte –  bis hin zum Modul Websitegestaltung und Online-Präsentation, da die Onlinepräsenz für ein modernes Archiv unerlässlich ist. Durch die verschiedenen Module wurden die vielfältigen und abwechslungsreichen Bereiche der Archivarbeit erst richtig deutlich.

Doch nicht nur das Ableisten der Module gehörte zu meinen Praktikumstätigkeiten. Auch das Erledigen alltäglicher Archivarbeit, wie das Beantworten von Anfragen, das Einscannen von Fotos, das Verfassen von Artikeln zum Bilderfreitag und zum Kalenderblatt des Monats, spielte eine große Rolle. Dass ich während dieser alltäglichen Arbeiten so viel in so kurzer Zeit lernte, lag vor allem in dem Vertrauensvorschuss der mir gegeben wurde. Ab dem ersten Tag durfte ich Aufgaben selbstständig erledigen, wuchs mit meinen Aufgaben und der Bestätigung, die ich für diese bekam und fühlte mich sofort als Teil des Archivmitarbeiterteams. Bei Fragen war jederzeit gerne jemand zur Stelle, um sie wenn nötig auch noch ein drittes Mal zu erklären. Ein angenehmeres, besseres und konstruktiveres Arbeitsklima kann man sich eigentlich nicht wünschen.

Meine Freunde, welche sich größtenteils nicht für Geschichte interessieren, waren am Anfang skeptisch und konnten sich nicht vorstellen, was ich überhaupt den ganzen Tag in so einem Archiv machte. Nachdem ich aber immer mehr von den vielfältigen Aufgaben meiner Praktikumsstelle und spannenden Funden in den Akten erzählte, wurden sie immer begeisterter und betonten vor allem, dass es wohl keine Praktikumsstelle gäbe, die durch die verschiedenen Module so gut strukturiert und organisiert sei. Ich kann ein Praktikum im Archiv also nicht nur geschichtsbegeisterten Studenten empfehlen, da es wirklich so viele verschiedene Aufgaben gibt, dass jeder etwas für sich entdecken kann.

Mittlerweile bin ich echt traurig, dass die Praktikumszeit so schnell vorbeiging und werde mit Sicherheit in Zukunft ab und zu mal vorbeischauen. Ein großes Dankeschön an alle Mitarbeiter für eine ganz tolle Praktikumszeit, die Hilfe in allen Bereichen, die persönlichen Gespräche und vor allem auch die Süßigkeitenkiste :)

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