Kalenderbild März: Lesen will gelernt sein

Naturgemäß finden sich in einem Archiv auch immer wieder alte Akten, mit denen man nicht immer sofort etwas anzufangen weiß, so auch das Kalenderbild des Monats März (Sig. 840). Ein solches Dokument sieht durch die unbekannte Schrift zunächst einmal ungewohnt aus und macht es auf den ersten Blick für uns heutzutage vermeintlich nicht zu entziffern. Durch die besonderen Schwünge und Ausprägungen der Buchstaben entsteht sogar ein eleganter Eindruck, der nicht wirklich zu den eher massiv anmutenden Formen der gebrochenen (Stempel-) Schrift passt. Um herauszufinden, was sich hinter dem Dokument eigentlich verbirgt, benötigt man Kenntnisse in Paläographie, also in der Lehre alter Schriften. Hierbei entziffert man die Wörter Stück für Stück und orientiert sich an bekannten Formen. Eine mühsame aber unerlässliche Fähigkeit, möchte man mit Quellen arbeiten.

3März_Sig.840

Die hier verwendete Kurrentschrift legt nach ihrer Transkription folgenden Inhalt dar:

 

Der Minister der geistlichen Unterrichts und Medizinal-Angelegenheiten

Berlin 10.64., den 18. August 1909

 

Nach dem daß Gesetz, betreffend die Bereitstellung von Mitteln zur Diensteinkommenßverbesserung für die unmittelbaren Staatßbeamten, zur Außführung gelangt ist, sind die Mehraußgaben zu ermitteln, welche darnach in dem nächstjährigen Staatl. Haushaltßetat einzustellen sind. Zu dem Ende sind die nach Maßgabe deß Runderlasseß vom 11. Steptember 1892-H III 2537 einzureichenden Nachweisungen über den Stand der Besoldungen am 1. Oktober 1909 auf den Mehrbedarf zu erstrecken, welcher infolge der neuen Besoldungßordnung bei dem Wohnungßgeldzuschüssen und bei den Bezügen der Diätarisch beschäftigten Beamten entstehen.

Die Nachweisungen sind dementsprechend nach der für den dießjährigen Oktobertermin anderweit vorgeschriebenen, in drei Exemplaren beigefügten Vordrucken baldigst auszustellen und für dieseß Jahr biß zum 15. September einzureichen. Indem ich noch bemerke, daß die Nachweisungen selbstredend auf die am 1. Oktober d. Jß. Fällig werdenden Gehaltß u.s.w. Zulagen zu berücksichtigen haben, mache ich den nachgeordneten Behörden die pünktliche Innehaltung deß gestellten Terminß noch besonders zur Pflicht.

Gesehen.

Aachen den 23. August 1909

Der Regierungspräsident.

An die nachgeordneten Behörden

An den Herren Rektor der Königlichen Technischen Hochschule in Aachen

 

Es handelt sich also um ein Dokument, in dem die Modalitäten eines geänderten Einkommens für Staatsbeamte und die damit verbundenen Etatänderungen thematisiert werden. So war es möglich durch paläographische Kenntnisse und ein wenig Übung ein zunächst scheinbar völlig unleserliches Dokument zu entziffern. Nach dieser beinahe detektivischen Arbeit ernüchtert der eher profane Inhalt des Dokuments unter Umständen. Doch wer weiß, was sich hinter der nächsten „unleserlichen“ Seite versteckt.

 

Anmerkung: Das in diesem Dokument vorkommende sogenannte “runde S” gibt es heutzutage in dieser Form nicht mehr, daher wurde es in der Transkription durch ein ß ersetzt.

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Kalenderbild Februar: Von Düsenflugzeugen in Bahnhöfen und anderen Kuriositäten

9.4.5.w_CremerReutterDass selbst alte Bilder auch heute noch aktuell sind, zeigt das Kalenderbild des Monats Februar durch  das lebhafte Duo der beiden Professoren Fritz Reutter und Hubert Cremer. So ist deren Vita und ihr Wirken an der RWTH bis heute spürbar, wie zum Beispiel am Rechen- und Informationszentrum, an dessen Planung und Arbeit sie maßgeblich beteiligt waren.

Doch fangen wir einmal ein wenig früher an: Hubert Cremer war lange Jahre Professor für Mathematik am Lehrstuhl und Institut für Mathematik und Großrechneranlagen, dessen Direktor er auch schließlich am 5.9.1960 wurde. Des Weiteren war er von 1961 bis 1965 auch Leiter des Rechenzentrums und beschäftigte sich somit mit der (elektronischen) Datenverarbeitung. Seine Vorlesungen über elektronische Rechenanlagen und die damit verbundenen Kolloquien und natürlich sein Wirken außerhalb dieser Veranstaltungen sorgte in den Kreisen der Industrie und der Verwaltung für die Erkenntnis, dass die elektronische Datenverarbeitung in Zukunft in enormem Maße an Bedeutung gewinnen würde. Hubert Cremer war jedoch kein trockener Akademiker, sondern lebte auch seine kreative Seite aus, indem er Gedichte wie das folgende Verfasste:

Der Lichtblitzzug

Da mir die Erde nicht genug,

fahr ich mit Einsteins Lichtblitzzug.

Der Einstein ist der Kondukteur,

das gibt doch sicher ein Malheur.

Daß ich mich zeitlich orientir,

trag ich die Lichtuhr stets bei mir;

die Bahndammuhren gehen nicht gleich;

das ist fast wie Österreich.

Und 10 hoch 50 Meter mißt des Zuges Länge, daß Ihr’s wißt;

Er führt die Klassen 1,2,3,;

Ein Postabteil ist auch dabei.

Auch ein Speisewagen führt

Der Lichtzug mit, wie sich’s gebührt;

Doch immer komm ich hin, oh Schreck,

denn er ist 1000 Meilen weg.

In meinem Abteil fährt ganz keß

Ein Kind, behauptend folgendes:

Es führ zum Zwillingsbruder, der

Ein Großpapa und Greis schon wär.

Das All durchsausen, welch Genuß!

Ach das war Bahnhof Sirius.

Wo nimmt der Zug die Energie?

Sein Motor heißet Phantasie!

(Cremer, Hubert (1982): Carmina Mathematica. J.A. Mayer: Aachen. S.57)

Passend zu dieser Materie äußerte Cremer zu dem Architekten des neu entstehenden Rechenzentrums in den 1960er Jahren: “Sie müssen sich vorstellen, daß Sie einen Bahnhof für die erste Eisenbahn zu bauen hätten, von dem in absehbarer Zeit auch Düsenflugzeuge starten müssen” (RWTH Aachen (1967): Alma Mater Aquensis. Berichte aus dem Leben der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Essen, S.43)

Ebendiese visionäre Haltung in Bezug auf das neue Feld der Informationstechnologie prägte sein Handeln und sein Engagement an der RWTH und führte zu der Zusammenarbeit mit Fritz Reutter. Reutter, seines Zeichen Inhaber des Lehrstuhls für Geometrie und praktische Mathematik, wurde sein Nachfolger und Leiter des Rechenzentrums und wirkte auf dessen Bau und Förderung hin. Wie Cremer setzte sich auch Reutter für den Ausbau der Rechen- und Informationstechnologie an der RWTH ein und gestaltete als Vorsitzender des vorbereitenden Ausschusses für das Studium der Informatik den neu enstehenden Studiengang der Informatik wesentlich mit. Dieses Engagement beider Herren prägte die RWTH nachhaltig und war vermutlich durch ihren kreativen Geist bedingt, der sie schon früh erkennen ließ, wie zukunftsträchtig „ihre“ Technologie seien würde. Dies führte dazu, dass Reutter zum Ehrensenator der RWTH ernannt (eine bedeutsame Würde der Universität), und Cremer durch die Ehrenplakette der Hochschule in Gold geehrt wurde.

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Neue Aufbewahrungsfristen – schon mitbekommen?

Am 07.11.2016 gab es eine Änderung in der Richtlinie zur Aufbewahrung, Aussonderung, Archivierung und Vernichtung von Akten und Unterlagen der RWTH Aachen. Genauere Informationen finden Sie unter folgendem Link. Wenn Sie als anbietungspflichtige Institution eine Abgabe tätigen möchten/müssen, downloaden Sie bitte folgendes Dokument: Formular für Abgaben

Schicken Sie dies bitte vollständig ausgefüllt an unsere E-Mail Adresse. Bitte sondern Sie keine Dokumente im eigenen Ermessen aus. Bei Fragen können Sie sich gerne telefonisch oder per Mail an uns wenden.

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Hochschularchiv der RWTH Aachen
Theaterplatz 14
52062 Aachen
 
E-Mail: archiv@rwth-aachen.de
Tel.: 0241 / 80 – 26386
Fax.: 0241 / 80 – 22357
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Belegexemplar: „Wirtschaft.Wissen.Schaffen.“

Paul Thomes, Robert Peters, Tobias Dewes:
Wirtschaft.Wissen.Schaffen.
30 Jahren Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
1986-2016
Aachen, 2016.
 
 

Das vorliegende Belegexemplar wurde uns von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften zugesandt, welche im vergangenen Jahr ihr dreißigjähriges Jubiläum feierte. Zunächst mag das abwegig klingen – erst so kurz besteht eine wirtschaftswissenschaftliche Fakultät an der RWTH Aachen? Wirtschaftswissenschaften an sich gibt es in Aachen zwar schon seit Gründung der Hochschule, doch wurde eine Fakultät für Wirtschaftswissenschaften erst im Februar 1986 konstituiert. Für die ungefähr 7000 Studenten sind 489 Personen der Fakultät 8 und den wirtschaftswissenschaftlichen Instituten zuständig, von denen 221 als Studentische Hilfskräfte angestellt sind. In der Schrift stellt die Fakultät ihre „vier Gesichter“ vor: Leben, Lehren, Lernen und Forschen. Nach der Gründung der Philosophischen Fakultät im Jahr 1965, der die Wirtschaftswissenschaft untergeordnet war, bestanden bereits seit 1971 Pläne zur Gründung einer Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Wie aus dem Protokoll der Konstituierungssitzung zu entnehmen ist (Sig. BN 5_13.05.1986), fand schließlich am 07. Februar 1986 mit der Gründung dieser Fakultät statt. Erster Dekan wurde Prof. Dr. Vormbaum und Prodekan Prof. Dr. Hirsch.

Für den Rückblick stellte das Hochschularchiv verschiedene Dokumente zur Verfügung. Hierbei handelt es sich zum einen um Übersichten von Studienangeboten und Ausschnitten aus Vorlesungsverzeichnissen. Auf der anderen Seite wurden Bilder der zuständigen Dozenten und Professoren bei ihren Sitzungen ausgewählt.

Konstituierung Wiwi

Zur weiterführenden Lektüre empfehlen wir die Präsentation zum 50-jährigen Jubiläum der Philosophischen Fakultät.

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Kalenderbild Januar: Eine kurze Geschichte des Audimax – Von Karl (Schlüter) zu C.A.R.L.

Das Kalenderbild dieses Monats zeigt das Audimax der RWTH bei Nacht und erreichte uns mit der Datierung „1953/54“. Ein Blick in die Geschichte des Audimax verrät, dass das Gebäude erst 1954 errichtet wurde; da man außerdem schneebedeckte Autos erkennen kann, liegt der Schluss nahe, dass das Foto zum Ende des Jahres 1954 entstanden sein muss.

Schwarz-Weiß-Foto vom Audimax bei Nacht

Das Audimax bei Nacht, vermutlich im Winter 1954 (Sig.: 2.1.2.a)

Das Audimax wurde im Zuge des Wiederaufbaus und der Vergrößerung der Hochschule nach dem Zweiten Weltkrieg unter Leitung des Architekten Karl Schlüter errichtet. Schlüter, der an der RWTH Architektur studierte und später beim Staatshochbauamt Aachen den Bauvorhaben für die RWTH vorstand, war eine prägende Figur im Bild der Hochschule und zeichnet für mindestens 20 Neubauten und 12 Um- und Erweiterungsbauten verantwortlich, wobei das Audimax naturgemäß eines der größten Projekte darstellte. Erste Planungen für ein neues großes Hörsaalgebäude begannen bereits im Jahr 1950 und unterliefen zahlreichen Veränderungen bis das Audimax 1954 in seiner heutigen Form fertiggestellt wurde. Das Gebäude beherbergt drei Hörsäle: den für ca. 1000 Studierende ausgelegten „großen“ Hörsaal und die, nach der Farbe ihrer Bestuhlung benannten, „roten“ und „grünen“ Hörsäle mit je knapp 500 Sitzplätzen. Zusätzlich gibt es Garderoben, zahlreiche weitere kleinere Räume mit wechselnder Funktion, Lernplätze für Studierende und mehr. Der damals 4,5 Millionen DM teure Neubau erforderte Innovationen in der verwendeten Klima-, Beleuchtungs- und Projektionstechnik und resultierte in einem architektonisch einzigartigen Gebäude, das heute als ortsfestes Denkmal gemäß §3 DSchG NRW geschützt ist. Der große Hörsaal des Audimax bleibt bis heute der größte Hörsaal der RWTH und wird neben seiner unabdinglichen Rolle als Ort der meistbesuchten Vorlesungen regelmäßig für Vorträge, Lesungen, Kabarett, Theater und weitere Veranstaltungen genutzt. Nichtsdestotrotz haben der Zahn der Zeit und unzählige Nutzer_innen ihre Spuren hinterlassen und das Gebäude ist dringend sanierungsbedürftig. Pläne für eine Sanierung bekundet der BLB schon seit 2010, aufgrund des akuten Hörsaalmangels müssen diese allerdings ruhen bis durch die Eröffnung des neuen Hörsaalzentrums „C.A.R.L.“ Ersatz für das Audimax geschaffen wird (Pressemitteilung der RWTH, Wikipedia-Artikel zum CARL). Der neue Hörsaalkomplex wird die zentrale Rolle des Audimax übernehmen und soll, nach mehrfacher Verschiebung des Termins, zum Sommersemester 2017 in Betrieb genommen werden (der Probebetrieb läuft bereits). Das Audimax wird damit entlastet und in seiner Rolle als größtes Hörsaalgebäude abgelöst – seinen Platz in der Geschichte der RWTH hat es aber jetzt schon sicher.

Mehr Informationen:

  • Zu Bau und Architektur des Audimax: Jahrbuch der RWTH Aachen (1955-56), S. 143-146, 161-163.
  • Zu Karl Schlüter: Alma Mater Aquensis (Band II 1964), S. 71-74.
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Blog des Hochschularchivs nun auch in Planet History!

Nachdem in einem Beitrag für das Redaktionsblog von Archivar Klaus Graf, der die Archivblogs vorstellte, auch unser Weblog, das älteste Archivblog im deutschsprachigen Raum, genannt wurde, hat Michael Schmalenstroer uns in seinen Aggregator Planet History aufgenommen. Damit können jetzt die Besucher des Planet History oder diejenigen mit einem RSS-Feed der Seite auch die Meldungen des Hochschularchivs im Kontext mit vielen anderen Geschichtsblogs lesen.

Mit einem Entwurf der Neujahrsrede Rektor Hans-Dieter Ohlenbuschs aus unseren Beständen wünschen wir abschließend allen Lesern ein frohes neues Jahr!

12144_NeujahrsredeRektor1986

Sig.: Akte 12144

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Archivkalender 2017

Wie in jedem Jahr haben wir auch für 2017 einen Kalender mit Dokumenten und Fotos aus unseren Beständen zusammengestellt.

Hier kann der Archivkalender als PDF kostenlos heruntergeladen werden. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, den Kalender gegen einen kleinen Unkostenbeitrag bei uns zu bestellen.

Das Deckblatt des Archivkalenders für das Jahr 2017

Das Deckblatt des Archivkalenders für das Jahr 2017.

Wer jedoch noch einen tieferen Einblick in die Bestände des Hochschularchivs erlangen möchte, dem sei unsere Google+ und Facebookseite ans Herz gelegt, auf der wir jeden Freitag ein Bild aus unseren Beständen veröffentlichen.

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Praktikumsbericht: Alte Quellen, neue Methoden – Von Paläographie bis Internetrecherche

Zehn Wochen lang verbrachte ich einen bedeutenden Teil meiner Zeit im Hochschularchiv der RWTH Aachen. Grund dafür war ein Pflichtpraktikum im Rahmen des Studiengangs Literatur- und Sprachwissenschaft, für welches mir das Archiv ein geeigneter Ort erschien. Schließlich geht mit dem Interesse an Literatur auch eine natürliche Faszination für alte Schriftstücke und sonstige Quellen einher. Ein paralleles Informatikstudium brachte dazu noch die Beschäftigung mit der Aufbewahrung, Kategorisierung und Nutzung von Informationen mit sich. Im Archivwesen überschneiden sich diese verschiedenen Sphären, weshalb ich mich auf Empfehlung einer früheren Praktikantin für das Hochschularchiv entschied.

Die Organisation des Praktikums von Seiten des Archivs erwies sich als exzellent. Gerade für eine Institution mit so wenigen Beschäftigten und beschränkten Mitteln war die Betreuung hervorragend, der Überblick über die mehr und weniger alltägliche Arbeit im Archiv umfassend und die für mich angedachten Tätigkeiten interessant. Grundlage für den instruktiven Teil des Praktikums bildete ein Katalog von Modulen und obligatorischen Aufgaben, durch die ich neues Wissen und neue Fertigkeiten erlangen und diese anschließend praktisch erproben konnte. Auf diese Weise bekam ich einen Einblick in die verschiedensten Bereiche mit denen die Archivarbeit verbunden ist: Vom Archiv- und Urheberrecht, über das Bewerten, Verzeichnen, Erhalten und Digitalisieren von Akten und Fotos, bis hin zu Paläographie (dem Lesen alter Schriften), Internetrecherche, Websitegestaltung und Videobearbeitung.

Besonders die Module zu Paläographie und Internetrecherche möchte ich hervorheben. Im Laufe von anderthalb Stunden versetzte mich die Einführung in die Paläographie in die Lage, ein handgeschriebenes Dokument aus dem 16. Jahrhundert (wenn auch mühsam) zu entziffern, wo sich mir vorher nicht mehr als vereinzelte Buchstaben erschlossen. Und auch bei der Anleitung zur Internetrecherche, in der ich mich vorher durchaus als versiert einschätzte, lernte ich einige neue Kniffe und spezialisierte Dienste kennen, auf die ich in Zukunft sicherlich gerne zurückgreifen werde. Dies sind nur zwei Beispiele für Dinge, die man im Rahmen eines Praktikums im Archiv lernt, welche aber auch unabhängig von dem spezifischen Feld des Archivwesens interessant und hilfreich sind.

Allerdings habe ich im Archiv nicht nur Neues gelernt, sondern hatte zahlreiche Aufgaben und war in sämtliche Arbeitsabläufe des Archivalltags eingebunden: Die Recherche in Findmitteln, das Auffinden und Reponieren von Akten in den Magazinen, die Beantwortung von Benutzeranfragen, die Betreuung der Website und Social-Media-Präsenz des Archivs, das Verfassen von Artikeln und kürzeren Beiträgen zu bestimmten Archivalien, das Verzeichnen neuer Abgaben, das Umbetten neuer und alter Akten in archivgerechte Aufbewahrungsmappen und mehr – die Aufgaben waren zahlreich und vielfältig. An allem durfte ich selbstständig und mit einem Vertrauensvorschuss arbeiten und fühlte mich von Anfang an als Teil des Teams.

Die Arbeitsatmosphäre war dabei stets angenehm und gesellig, bei Fragen war stets eine Ansprechperson verfügbar und nach einigen Wochen hatte ich eine gute Vorstellung von den wichtigsten Aspekten der Archivarbeit. Unabhängig davon, ob ich meine Zukunft im Bereich des Archivwesens sehe, habe ich viel gelernt und bin mit meinem Praktikum sehr zufrieden. Auf dieser Basis kann ich das Hochschularchiv der RWTH als Praktikumsgeber wärmstens weiterempfehlen und bedanke mich beim Team für die schöne Zeit.

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Kalenderbild Dezember: Weihnachten im Magazin

Zur Einstimmung auf die Weihnachtszeit bietet das diesjährige Kalenderbild für den Dezember einen Einblick in ein Magazin des Hochschularchivs, inklusive festlicher Dekoration.

Dezember

Während Sie bei der Recherche im Archiv oft nur mit Findmitteln, ausgewählten Archivalien und unserem Team zu tun haben, bleiben die Magazine den meisten Augen verborgen. Es gibt aber auch die Möglichkeit sich bei einer Führung durch die Magazine einen Eindruck davon zu verschaffen, wie die Bestände des Archivs gelagert sind. Diese Gelegenheit besteht beispielsweise am Tag der Archive und dem Tag des offenen Denkmals.

Bei den Zahlen auf den abgebildeten Kartons handelt es sich übrigens nicht um einen überdimensionierten Adventskalender, sondern um die Signaturen der enthaltenen Archivalien, welche Sie zum Beispiel bei der Suche über unsere Online-Findmittel ermitteln können.

Das Team des Hochschularchivs wünscht einen entspannten Dezember und — später im Monat — frohe Feiertage!

PS: Auch im nächsten Jahr wird es wieder einen Kalender geben. Mehr Informationen dazu folgen in Kürze.

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Wie das so lief, im Hochschularchiv

schriftzugFür mein Studium der Gesellschaftswissenschaften war ich auf der Suche nach einem Platz für ein Pflichtpraktikum. Durch eine Empfehlung von außen wurde ich dann auf das Hochschularchiv der RWTH als Praktikumsgeber aufmerksam gemacht. Nach eifriger Recherche auf ihrer Internetseite habe ich mich schließlich beworben und hatte von Anfang August bis Ende Oktober 2016 die Möglichkeit, mein Praktikum im Archiv zu absolvieren. Ich wurde herzlich ins Team aufgenommen, und aus dieser schönen Zeit kann ich eine Menge für die Zukunft mitnehmen.

Der erste Tag begann mit einer Einführung, wo alle Räumlichkeiten gezeigt und ein Überblick über das Arbeitsfeld gegeben wurde. Das Archiv verfügt über zwei Büros und einen Benutzerraum mit Bibliothek. Den wichtigsten Teil aber machen die Magazine aus, das sind die Räume, in denen die Archivalien gelagert werden. Am nächsten Tag ging es dann schon mit der eigentlichen Arbeit los. Ich durfte mit einer Anfrage, die per E-mail gekommen war, beginnen. Dazu habe ich dann recherchiert und die mir erklärten Methoden angewandt. Die Beantwortung von Anfragen gehört mitunter zu einer der Hauptaufgaben im Archiv, da sie auch immer zeitnah erledigt werden sollten. Die Anfragen unterscheiden sich in ihrem Arbeitsumfang, von kleinen bis großen Anfragen ist alles dabei. Aber trotzdem stellt diese Aufgabe nur eine neben vielen dar.

Für jeden Praktikanten gibt es eine Liste an Modulen und obligatorischen Aufgaben. Diese dienen dazu, einen in alle Bereiche einzuarbeiten und das Arbeitsfeld im Archiv näherzubringen. Eines der Module beschäftigt sich beispielsweise mit der Paläographie, der Lehre von alten Schriften. Da gibt Herr Graf, gelernter Archivar und Geschäftsführer, einem das Handwerk, alte Handschriften lesen zu können, mit auf den Weg. Natürlich unterscheiden sich die Schriften mit der Zeit immer wieder, aber das Aneignen neuer Buchstaben fällt durch diese Grundlage wesentlich leichter. Durch dieses Mittel kann man den Schätzen des Hochschularchivs viel mehr entnehmen. Am Anfang scheint es schwer und unübersichtlich, hat man sich aber einmal eingearbeitet, fällt es immer leichter. Genau wie beim Umbetten von Akten zu der Bestandserhaltung: Bei diesem Modul geht es darum, die Akten in einen Zustand zu versetzen, der sie für die Zukunft verwahren soll. Das heißt, es werden alle Mittel aus den Akten, die den in der Akte enthaltenen Dokumenten schaden können, entfernt. Dazu gehören das Befreien von Metallklammern und Plastik mit Weichmachern, die Wiederherstellung des Papiers, die Entfernung von Dreck, Falten und Eselsohren. Die Archivalien werden schließlich bis zum „Ende des Universums“ aufbewahrt, wie Herr Graf es so schön formuliert hat.

Auch kann man aus dem Praktikum viel für das Studium mitnehmen. Das Modul Recherchemöglichkeiten bietet neben anderen Modulen überraschende Möglichkeiten, die einem beispielsweise bei der Bearbeitung einer Hausarbeit weiterhelfen können. Auch die Öffentlichkeitsarbeit für das Archiv kommt nicht zu kurz. Ob Facebook, Google+, YouTube oder die Homepage des Archivs – es gibt viele Seiten zu pflegen. Einmal im Monat gibt es dazu ein neues Kalenderbild, und jeden Freitag wird ein Bild auf Grundlage eines Fotos oder Dokuments aus den Beständen, der sogenannte „Bilderfreitag“, veröffentlicht. Dabei kann man gut die gelernten Tricks vom Recherchieren anwenden, seine Ausdrucksweise verbessern und lernt stets durch die Rückmeldung der Kollegen was dazu. Die Arbeit im Archiv besteht also nicht nur darin, Dokumente für die Nachwelt zu verwahren, sondern sie auch zu teilen.

Bei Recherchen kann einem ein Bild oder ein interessantes Dokument ins Auge fallen, was man später noch einmal verwenden könnte. So ist es möglich, sich kreativ einzubringen, und das Archiv ist immer offen und freut sich über neue Anregungen. Durch diese Praxis erfährt man selbstständiges Arbeiten und bekommt so mit der Zeit eine Routine rein, wobei man trotzdem immer was Neues entdeckt und es nie langweilig wird. Mein Wissen aus einem Excel-Kurs, den ich im Rahmen der Uni absolviert hatte, konnte ich für das Erstellen von Übersichten anwenden und so vieles wiederentdecken und neu erfahren.

Beim Tag des offenen Denkmals war ich ebenfalls dabei. Da konnten sich die Besucher das ehemalige Regierungsgebäude ansehen und etwas über seine Geschichte erfahren, sowie einen Blick in die Räume und die Arbeit des Archivs bekommen. Ich war als Fotografin tätig. Das Aufgabenrepertoire ist also sehr groß und man bekommt einen breiten Überblick in die Arbeit eines Archivs. Erst durch praktische Möglichkeiten kann man sich verbessern. Die Zeit im Archiv hat mir sehr gut gefallen, und ich kann nur jedem raten, der auf der Suche nach einem Praktikumsplatz ist und Erfahrungen in einer spannenden Tätigkeit sammeln möchte, sich hier zu bewerben. Die Arbeit im Archiv hat nicht den verstaubten Charakter, der ihr nachgesagt wird, sondern bietet eine breites und interessantes Arbeitsfeld.

Die Unsicherheit vom Anfang ist schnell verflogen, da die Mitarbeiter sehr nett und hilfsbereit sind, man kann immer fragen, wenn man mal nicht weiter weiß. Der Austausch mit den Kollegen war immer hilfreich. Schnell übernimmt man Verantwortung und wird Teil des Teams. Ich werde die Zeit sehr vermissen, auch den süßen Chihuahua Franz, der stets gute Laune mitbringt und mit seinem süßen Hundeblick jeden um den Finger wickelt. Ich bedanke mich herzlichst für die schöne Zeit und wünsche dem Hochschularchiv und all seinen Mitarbeitern alles Glück und Gute für die Zukunft.

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