Kalenderbild September: Hildegart Pleus – Ein Paradigma für den Eintritt der Frauen in eine universitäre Ausbildung

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Unser Kalenderbild zeigt den Personalbogen, der am 18.10.1903 in Mönchengladbach geborenen Hildegart Pleus. Sie war von 1946 bis 1965 als Professorin an der pädagogischen Akademie in Aachen tätig.

Ihre Reifeprüfung legte sie nach ihrem Schulbesuch des Oberlyzeums in Lüdinghausen von 1920 bis 1923 ab. In den Jahren 1923/24 konnte sie dort ebenfalls die Lehrbefähigung für Volks-, mittlere und höhere Schulen erzielen. Die Lehrbefähigung erhielt Hildegart Pleus am 29. Februar 1924 mit dem Prädikat „Gut“.

Auf der Rückseite des Personalbogens ist zu sehen, dass sie die Lehrbefähigung für die Fächer Mathematik, Biologie und Deutsch erhielt und ihre pädagogische Prüfung am 5. März 1935 in Berlin ablegte.

Erst im 19. Jahrhundert war es Frauen möglich, sich akademisch weiter zu bilden. Dies war nicht zuletzt der Verdienst der Frauenrechtsbewegung im 19. Jahrhundert, die Bildungschancen erkämpfte und eine Bildungsreform anstrebte. Aufgrund der Initiative der Frauen wurde das erste Mädchengymnasium im Jahre 1893 in Karlsruhe eröffnet. Zunächst gingen Mädchen und Jungen in getrennte Schulen. Die Schulen der Mädchen nannten sich „Lyzeen“.

Dennoch war es noch immer nicht möglich, dass sie nach erfolgreichem Abschluss eine Universität oder eine Hochschule besuchen und ein Studium absolvieren konnten.

Auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es nicht üblich, dass Frauen eine akademische Bildung erreichen konnten. Selbige war zunächst der begüterten Gesellschaftsschicht vorbehalten. Vor dem ersten Weltkrieg kündigten die Nationalsozialisten an, den Anteil weiblicher Studierender auf unter 10 Prozent senken zu wollen, änderten allerdings schon im Jahre 1935 ihre Meinung zu diesem Vorhaben. 1939 erreichte der Anteil studierender Frauen mit 50 Prozent und knapp 250.000 Studentinnen kriegsbedingt ihren Zenit.

Hildegart Pleus zählt somit zu den Frauen des 20. Jahrhunderts, die nicht nur studieren konnten, sondern auch einen Zugang in den Wissenschaftsbetrieb erhielten. Sie ist ein Paradigma für den Eintritt der Frauen in die universitäre Ausbildung vor allem, da sie nicht nur selbst ein Mädchengymnasium besuchen konnte, sondern  einen Universitätsabschluss erzielte und selbst als Professorin tätig war.

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Vorlesungsverzeichnisse, eine wichtige Quelle für die Geschichte der RWTH Aachen University

AMA AMA 2 AMA 1Seit der Gründung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule im Jahr 1870 wurden gedruckte Verzeichnisse der akademischen Veranstaltungen ausgegeben, die für das Personal und die Lehrpläne eine bedeutende Quelle darstellen. Bis 2004/05 gab es diese Publikation als Druckerzeugnis.
Wer sie einsehen möchte, findet unter unseren “Digitalen Angeboten” Digitalisate bis derzeit Sommersemester 1967 vor. Bei einigen gibt es eine Schrifterkennung im PDF, das ist aber für alle geplant.
Die gedruckten Vorlesungsverzeichnisse gibt es nicht nur in Aachen, sondern in einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Bibliotheken im deutschsprachigen Raum. Man findet die Standorte in der sogenannten Zeitschriftendatenbank. Für den Jahrgang 1970 zum Beispiel sind die Bibliotheken unter diesem Link aufgeführt: von Wien bis Greifswald, von Regensburg bis Bochum. Natürlich kann man die Jahrgänge auch über Fernleihe bestellen.
Wer nur einige Angaben aus den Vorlesungsverzeichnissen benötigt, kann uns gerne eine Email schicken. Wir recherchieren dann kostenlos und scannen, falls erforderlich, gebührenfrei ein paar Seiten.
Im Rahmen unserer Öffnungszeiten können die VV gern bei uns vom ersten bis letzten Jahrgang eingesehen werden. Eine Ausleihe ist grundsätzlich nicht möglich. Für (sehr seltene) Ausnahmen sprechen Sie uns bitte an.
Außerhalb des Hochschularchivs kann man die VV in Aachen vor allem in der Hochschulbibliothek einsehen. Die älteren muss man leider aus dem Magazin bestellen, die Jahrgänge 1960 bis 2004/05 stehen im Lesesaal (Infozentrum 2. Obergeschoss, auf der linken Seite, siehe Bild). Die Öffnungszeiten sind sehr viel großzügiger als bei uns: bis Mitternacht lässt sich in ihnen schmökern.
Es gibt noch weitere Standorte (Mathematik-Bibliothek und Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung), aber deren Öffnungszeiten sind nicht so bürgerfreundlich wie die der Hochschulbibliothek.
Ab 2001 wurden die Vorlesungsverzeichnisse auch elektronisch veröffentlicht. Die in der Zeitschriftendatenbank eingetragene URL  http://www.campus.rwth-aachen.de/rwth/all/groups.asp führt zu den elektronischen Ausgaben (man kann rechts oben die Semester einstellen). Diese sind aber auch in RWTH Publications und, dauerhaft archiviert, in der Deutschen Nationalbibliothek online nutzbar. Ab 2018/19 dient RWTHonline als Nachweis.
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Kalenderbild August- Der Fall Schwerte- Schneider

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Das diesmonatige Kalenderbild bildet die Umschlagseite eines Buches zum Fall Schwerte- Schneider ab.

Hans Schwerte war von 1970- 1973 Rektor der RWTH Aachen. Gemeinhin war er als liberaler Professor der RWTH hochgeschätzt. Am 27.04.1995 wurde dieses Bild endgültig, durch eine Selbstanzeige Schwertes zerstört. Dies war nämlich nicht seine richtige Identität gewesen. Hans Schwerte wurde, nicht wie er angegeben hatte, am 03.10.1910 in Hildesheim geboren, sondern als Hans Ernst Schneider am 15.12.1909 in Königsberg.

Schneider war seit 1936 als Gaufachstellenleiter in der Abteilung Volkssturm und Heimat, und später als stellvertretender Abteilungsleiter bei der NS-Kulturgemeinde tätig gewesen. 1937 trat er dann der NSDAP sowie der SS bei, wo er einen rasanten Aufstieg erlebte. 1938 wurde er zum hauptamtlichen Referenten des „Rasse- und Siedlungshauptamtes“ und darauffolgend zum Referenten des Amtes „Ahnenerbe“ ernannt. In diesem Bereich soll er, nach eigenen Angaben, nur volkskundliche Forschung betrieben haben. Es ist jedoch heute bekannt, dass dieses Amt den Transport von Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager organisierte. Während dieser Tätigkeiten war Schneider vermehrt in Österreich und den Niederlanden eingesetzt worden. 1940-1942 wurde er dann dauerhaft in die Niederlande abkommandiert, dort war er als Verbindungsoffizier des „Ahnenerbes“ tätig. Das primäre Ziel war die „Germanisierung der Niederlande“. Bis 1945 war er anschließend Leiter der Dienststelle „Germanischer Wissenschaftseinsatz“ welche mit der Entwicklung des Konzeptes „Totaler Kriegseinsatz in der Wissenschaft“ betraut war. 1945 wechselte Schneider in das Amt III C („Kultur“) des Reichhauptamtes. Hier beteiligte er sich an der Umgruppierung von Teilen des SD- Apparates und vermutlich auch an der Aktenvernichtung.

Ende April floh Schneider dann nach Lübeck, wo er die neue Identität, Hans Schwerte annahm. Nach eigenen Angaben wohl aus Angst vor Verfolgung. Mit Hilfe eines Arztes und seiner Frau wurden alle Spuren der NS-Vergangenheit beseitigt, und Hans Schneider für im Krieg gefallen erklärt. Mit seiner neuen Identität stand dann einer Promotion in Erlangen im Jahr 1948 nichts mehr im Wege. 1958 folgten die Habilitation und der Einstieg in die wissenschaftliche Laufbahn mit einer dortigen Dozentenstelle. 1964 wurde Schwerte zum außerplanmäßigen Professor, 1965 dann zum ordentlichen Professor berufen. Von 1970-1973 war er, wie oben bereits erwähnt, dann Rektor der RWTH Aachen. 1983 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen, und 1990 wurde er zum Ehrensenator ernannt. Schon seit seiner Berufung gab es Gerüchte über eine falsche Identität, die sich jedoch erst zwischen 1989 und 1994 verdichteten und im Juni 1994 als Information an den damaligen Rektor Habetha getragen wurden. Dies blieb jedoch ohne Folgen. Die Aufklärung des Falles begann erst ein Jahr später, möglicherweise auf Druck niederländischer Medien. Der Zusammenhang zur folgenden Selbstanzeige Schwertes ist bis heute ungeklärt, wie noch viele andere Aspekte dieses Falles. Im Mai 1995 verzichtete Schwerte auf die Würden des Ehrensenators, sowie auf das Bundesverdienstkreuz, beides wurde ihm anschließend aberkannt. Im selben Jahr wurde ihm die Ehrung zum Professor vom Wissenschaftsministerium gegen arglistiger Täuschung entzogen, auf eine Entziehung des Doktorgrades verzichtete man 1996 jedoch. Auch die Ermittlungen gegen ihn wegen Beihilfe zum Mord wurden im Oktober 1996 eingestellt. Am 18.12.1999 verstarb Schwerte dann, ohne seinen alten Namen wieder aufgenommen zu haben, in Marquardstein/ Oberbayern.

 

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Kalenderbild Juli: Wespienhaus- ein schönes Gebäude aus dem alten Aachen

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Akte 1137

Auf unserem Kalenderbild des Monats Juli ist die Fassade vom Wespienhaus zu sehen, das an der Kleinmarschierstraße 45 / Ecke Heppionsgasse (Elisabethstraße) stand.

Das Bild zeigt eine symmetrische Vorderfront im Maßstab 1:100. Leider sind wenige Informationen und Erinnerungen über das Wespienhaus überliefert. Der Bau begann im Jahr 1734 und wurde im Jahr 1737 vollendet.

Architekt war Johann Josef Couven. Dieser hat mehrere Gebäude in Aachen entworfen. Zum Beispiel begann er zwischen 1728 und 1732 gemeinsam mit Gilles Doyen das Aachener Rathaus umzugestalten. Er entwarf die Neugestaltung der Rathaustreppe mit dem Eingangsportal. 1735 gestaltete er das Blausteinbecken für den Karlsbrunnen auf dem Rathausplatz. Dazu konstruiert er später noch zwei bronzenen Fischskulpturen.

Der Name für das Haus stammt von Johann von Wespien. Er war Tuchfabrikant und Bürgermeister der Reichstadt Aachen. Er wurde in den Jahren 1756 und 1759 gewählt. Innerhalb seiner zweiten Amtszeit verstarb er.

Das Anwesen war am Anfang ein repräsentatives Privathaus. 1838 wurde es durch Joseph van Gülpen zu einer Tuchfabrik umfunktioniert. Im Jahr 1901 wurde das Untergeschoss aus wirtschaftlichen Gründen zu einem Ladenlokal. Dies war nicht so gewinnbringend wie erhofft und somit musste die komplette Innenausstattung verkauft werden.  Die Stadt Aachen wollte das Haus kaufen, hierfür fehlte jedoch Budget.

Das Objekt wurde 1940 von dem Architekten Johann Everling rekonstruiert. Über den Grund des Wiederaufbaus das Wespienhaus gibt es leider keine Informationen.  Am 14. Juli 1943 wurde das Wespienhaus durch einen Funkenflug schwer beschädigt, kurz danach wurde es durch Sprengbomben vollständig zerstört.

Quelle: Akte 1137 - Hochschularchiv RWTH Aachen

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Kalenderbild Juni: Versicherung und RWTH?

Kalenderbild Juni

Signatur: 397 b

Bei dem Kalenderbild Juni handelt es sich um einen Brief von der Aachener und Münchner Feuer-Versicherungs-Gesellschaft. Hierbei geht es um die Zusicherung der Finanzierung eines Kunstmuseums an der RWTH, die damals königliche Technische Hochschule hieß. Der Briefkopf der Vereinbarung besteht aus zwei Wappen, die leicht schräg aufgestellt wurden. Auf dem einen Abzeichen ist ein Adler (steht für die Stadt Aachen) und auf dem anderen ist ein Mönch abgebildet (steht für die Stadt München). Darunter ist ein Banner mit dem Namen Aachener und Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft. Unterhalb wächst eine Blume nach oben und verziert und verbindet die beiden Wahrzeichen miteinander. Die Spitze des Briefkopfes wird durch eine Burg gekrönt.

Der Text des Briefes lautet:

      Aachen, den 17. Juni 1901

   An den Rektor der königlichen Technischen Hochschule Herrn Professor Dr. von Mangoldt Hochwohlgeboren.

Hier.

In Erwiderung auf die geehrte Zuschrift vom 28. vor. Mts. (vorherigen Monats) benachrichtigen wir Sie ergebenst, daß wir die Höhe des Beitrags, welchen wir für die Begründung eines Kunstmuseums an der königlichen Technischen Hochschule in Aussicht genommen haben, auf M (Mark) 30.000 festgesetzt haben. Und zwar knüpfen wir diese Zuwendung an die gleichen Bedingungen, von welchen die Stadt Aachen und der Aachener Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit ihre Beihülfen (Beihilfen) abhängig gemacht haben.

 

 Hochachtungsvoll!

Aachener und Münchner Feuer-Versicherungs-Gesellschaft.

Die Direktion

 gez. Dorst

 

Es ist interessant zu erfahren, wie man Briefe vor über 100 Jahren verfasst hat. Da erkennt man, dass sich manche Begrifflichkeiten im Laufe des Jahrhunderts verändert haben. Der Aufbau der schriftlichen Übereinkunft unterscheidet sich aber kaum von unseren aktuellen Briefen.

Die Aachener und Münchener Versicherung hat damals zur Gründung der Hochschule beigetragen und fördert diese heute noch.

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Eine Führung durch das Gedächtnis der RWTH

Letzte Woche Dienstag, am 04.06.2019 haben wir, das Team des Hochschularchivs der RWTH, in Zusammenarbeit mit RWTHextern erneut zu einer Führung geladen. Die Teilnehmerzahl wurde auf 20 Personen begrenzt und etwa genauso viele fanden wir auch am genannten Treffpunkt an. Diese große Zahl an Interessenten freut uns natürlich immer sehr, weil wir gerne die Bedeutsamkeit unseres Archivs und der Archivkultur im Allgemeinen den Zuhörern vermitteln.

Gerne machen wir dafür auch mal ein Auge zu und schließen eins der Magazine des Archivs auf, damit die Besucher über die zahlreichen unterschiedlichen Archivalien staunen können, welche die Historie der RWTH lebendig verkörpert. Außerdem ist seit einigen Jahren in unserer Führung ein Einblick in die Arbeit eines Archivars zu sehen. Wir zeigen auf, welche alltäglichen Arbeiten das Archivwesen für die Mitarbeiter bereithält und stellen vor wie wir Akten umbetten um sie „bis zum Ende des Universums“ haltbar zu machen. Auch die modernen Aspekte der Archivarbeit zeigen wir hier auf: Wir sind nicht nur auf diesem Blog fleißig. Unser digitaler Fußabdruck lässt sich auch auf Facebook, Instagram und YouTube finden. In der Führung wollen wir genau dies auch rüberbringen. Ein Archiv ist gar nicht so staubig und langweilig wie man denkt. Auch wir sind im 21. Jahrhundert angekommen und um Teil unseres Teams zu sein muss man Technik verstehen und nicht ablehnen!

Jedoch legen wir in unseren Führungen auch Wert darauf Wissenswertes über den Sitz des Archivs, dem Alten Regierungsgebäude am Theaterplatz, zu vermitteln. Die Baugeschichte dieses Gebäudes reicht 200 Jahre zurück und ist voller spannender Wendungen und Anekdoten – Wusstest du zum Beispiel, dass Bismarck hier mal gearbeitet hat? Aber auch die schlechten Ausschnitte der Geschichte des Gebäudes werden bei uns vermittelt. Anhand des Gestapodenkmals im Haupteingang und des Separatistendenkmals an der Treppe des Foyers wollen wir diese Einschnitte bei jeder Führung verdeutlichen.

Durch diese Führungen wollen wir das Gedächtnis der RWTH den interessierten Besuchern vorstellen und verdeutlichen, wieso wir eine wichtige Aufgabe in sämtlichen Bereichen der Wissensvermittlung einnehmen.

Wir bedanken uns sehr bei allen Interessenten für die gespitzten Ohren und die Nachfragen, welche zeigen, dass sie auch wirklich interessiert bei der Sache waren und freuen uns sehr darüber, dass die Zusammenarbeit mit der RWTHextern so ausgezeichnet geklappt hat. Gerne stehen wir auch in Zukunft für weitere Führungen zur Verfügung.

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Beruflicher Neuanfang- vielleicht im Archiv ?

LianeIch bin aus gesundheitlichen Gründen auf der beruflichen Neuorientierung unterwegs. Durch eine Maßnahme bei der Tertia, bin ich auf das Archiv der RWTH aufmerksam geworden. Ich ging mit gemischten Gefühlen zum Vorstellungsgespräch, dass Herr Graf und Filis mit mir führten. Aber schon nach dem ersten Gespräch waren meine Anspannungen verschwunden. Ich spürte sofort eine Sympathie, die mir sagte, das wird ein nettes Miteinander haben werden.

Mein erster Praktikumstag war ein Donnerstag, der 4.04.2019. Ich wurde von Filis durchs Archiv geführt und wir haben alle Formalitäten geklärt. Um schon mal einen kleinen Einblick in das, was mich ab dem nächsten Tag in einem Archiv erwartet, zu bekommen, habe ich zum Abschied nach dem ersten Tag, der schon nach 2 Stunden beendet war, einen Praktikumsleitfaden mit nach Hause bekommen. Zu Hause angekommen, ließ es mir keine Ruhe, mich dem Leitfaden zu widmen. Als ich ihn gelesen hatte, war ich mir sicher, dass ich keine Langeweile verspüren werde und es zudem noch interessant werden würde.

Im Praktikumsleitfaden ist aufgelistet, welche Aufgaben ich erledigen und welche Module ich absolvieren muss, um das Praktikum erfolgreich abzuschließen. Zu den Pflichtaufgaben gehören unter anderem das Verzeichnen und Umbetten von Akten, sowie das Korrekturlesen der Findbuchdateien. Die Module sollen dem Praktikanten Wissen vermitteln, dass für die Arbeit im Archiv vonnöten ist. Einige Module werden von Herrn Graf, dem Geschäftsführer des Hochschularchivs selbst durchgeführt und andere von den studentischen Mitarbeiterinnen. Des Weiteren gehört die optimale Aufbewahrung  der Archivalien zur alltäglichen Aufgabe eines Archivsmitarbeiters. Akten müssen in speziellen Archivmappen umgebettet und von Büroklammern und von Plastik befreit werden.  Die Beantwortung von Anfragen und Recherchen gehören ebenfalls zu den Aufgaben von Praktikanten. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass hat mir besonders großen Spaß gemacht, da ich mit eigenen Augen lesen konnte, wie der Interessent für diese Arbeit dankbar war.

Was ich aber vor allem noch betonen muss, ist das Arbeitsklima. Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, der ich hier gegenüberstand, ist mir schon lange nicht mehr begegnet. Es ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Jeder hatte seine Projekte und seinen Aufgabenbereich und trotz allem, wurde sich hier die Zeit genommen und auch mal über andere Dinge ein Pläuschchen gehalten.  Außerdem habe ich hier nicht das Gefühl gehabt für jemanden bestimmten oder andere zu arbeiten, sondern es war ein miteinander arbeiten.  Ganz wichtig ist die Öffentlichkeitsarbeit. So gibt es zum Beispiel jeden Freitag einen Bilderfreitag von den studentischen Mitarbeitern oder auch Praktikanten verfasst, der auf Facebook und Instagram zu finden ist.

Ich kann nur sagen, dass ich viele neue Erkenntnisse, was die Arbeit in einem Archiv anbelangt, mitnehme.

Ich wünsche allen studentischen Mitarbeitern und Herr Graf alles Gute für die Zukunft und allen zukünftigen Praktikanten eine interessante und schöne Zeit im Archiv.

LG eure Liane

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Praktikumsbericht: Eine Reise durch die Zeit

Neues Dokument 2019-05-07 14.48.56_1Mit Geschichte verbinden viele Menschen einen langweiligen Schulunterricht, ab und an gab es einen Museumsbesuch, der möglicherweise auch nicht interessanter war als die Schulbank zu drücken. So erging es zumindest mir in meiner Schulzeit. Geschichte war mir damals zu theoretisch und es wurde nie das besprochen, was einen am meisten interessierte. Nach meiner Ausbildung zur Köchin, machte ich dennoch mein Abi nach und studiere jetzt Gesellschaftswissenschaften an der RWTH Aachen. Meine Schwerpunkte gelten der neuzeitlichen Geschichte, sowie der internationalen Politik. Es war aber auch direkt klar, dass ich im ersteren Bereich ein Praktikum machen möchte. Ein Studienfreund brachte mir daraufhin das Hochschularchiv der RWTH näher. Hier ist Geschichte nicht nur blasse Theorie, sondern ist zum Anfassen und Erleben da. Da die RWTH seit 1870 besteht, haben Akten und Bilder schon eine Menge turbulenter Zeiten erlebt und auch überlebt. Solche Akten in den Händen zu halten ist tatsächlich ein bisschen so, wie in eine Zeitmaschine zu steigen und durch die Zeit zu reisen. Damit dies so bleibt, besteht die Aufgabe eines Archivs darin, die Archivalien weiterhin im guten Zustand für die Zukunft zu erhalten.

 Bevor man sich jedoch auf Zeitreise begibt, gibt es natürlich Regeln und Aufgaben die mit Hilfe der freundlichen Mitarbeiter erklärt werden. Der sogenannte Praktikantenleitfaden enthält viele Module, um das Arbeiten in einem Archiv zu lernen. So wird einem das sorgfältige Umbetten von Akten näher gebracht oder Herr Dr. Graf schult einen im Umgang der Paläographie, also dem Lesen von alten Schriften.

Schön fand ich immer die Bilderfreitage, die von uns Praktikanten erstellt werden, wodurch man sich in ein bestimmtes Thema/Bild der RWTH Geschichte einlesen kann, um dann einen kleinen Bericht zu verfassen. Dieser wird dann jeden Freitag auf Facebook und Instagram geteilt. Durch Absprache mit den Mitarbeitern kann man auch eine kleine Bilderserie verfassen, die jeden Dienstag geteilt wird und in dem man eine kleine historische Geschichte der RWTH zu einer bestimmten Thematik ausarbeitet. Ich entschied mich hier für das Bauprojekt des Super C und der dazugehörigen Baugeschichte.

Wichtig ist auch, dass man neben den Modulen eine kleine obligatorische und selbstständige Aufgabe übernimmt. Ich habe mich hier dem Archivieren von Personalakten verschrieben. Personalakten archivieren ist eine wichtige und nicht endende Aufgabe des Archivs. Die ehemaligen Angestellten der Hochschule sind die Basis der RWTH. Sie geben dem Ganzen ein Gesicht und ermöglichten den Studenten ein reibungsloses Studium.

Alles in allem muss man sagen, dass die drei Monate Praktikum rasant vergingen. Es wurde zum Glück nie langweilig. Selbst wenn man den Leitfaden abgearbeitet hatte, gab es noch genug zu tun. Die Archivarbeit endet nie und muss immer wieder auf den aktuellen Stand gehalten werden, damit auch in Zukunft die Geschichte der RWTH erhalten bleibt. Neben vielen neuen Dingen die ich mir, dank der Mitarbeiter, angeeignet habe, habe ich zudem noch unglaublich nette Menschen kennengelernt, auf deren Hilfe für kleine und große Probleme immer Verlass ist.  Wer also ebenfalls auf Zeitreise gehen möchte, um Geschichte rund um die Hochschule zu entdecken, der ist im Archiv sehr gut aufgehoben.

Hiermit möchte ich mich bei Herrn Dr. Graf und seinen Mitarbeiterinnen für die tolle Zeit bedanken.

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Kalenderbild Mai: Als Student in Aachen wohnen

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Sig.: ZHV 1/40a, S. 2.

Als Folge des Krieges wurde der Wohnraum in Aachen knapp. Die Zahl der Studierenden nach Kriegsende stieg von 2000 auf 6000 an. Aus dieser Situation heraus entschloss sich die technische Hochschule dazu, ein Studentendorf zu planen. Damit sollte eine gute und preiswerte Unterkunft für die Studierenden geschaffen werden. Die Studierenden in Aachen nehmen stetig zu. Waren es 1970 noch 13.500, so stieg die Zahl bis zum Jahr 2000 schon auf ca.27.500. Derzeit beträgt die Zahl der Studierenden ca.45.000.

Unser Kalenderbild zeigt eine Aufstellung der Wohnheime von 1972.

Es gab 14 Wohnheime mit 2215 Bettenplätzen und zudem noch 20 private Wohnheime mit ca.400 Bettenplätzen.

Während es 1972 ca.15.000 Studenten waren, wuchs in den letzten Jahrzehnten die Anzahl der Studierenden um tausende. Viele neue, moderne Wohnanlagen sind seit 1972 dazu gekommen. So zum Beispiel: Bärenstr.5 und 19–21, Eckertweg 20, Am Weißenberg 16–18 u.v.m..

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Ein Einblick in das Leben Otto Blumenthals – Eine Lebensgeschichte rekonstruiert durch Briefe

Entlassungsschreiben Blumenthals (Signatur: 508)

Entlassungsschreiben Blumenthals (Signatur: 508)

Die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (auch unter ihrem Akronym SUB Göttingen bekannt) stellte am 03. April diesen Jahres eine besondere Sammlung Briefe auf ihrer Webseite zur Verfügung. Die 61 Briefe von Otto Blumenthal, einem bekannten Mathematiker, Wahlaachener und ehemaligen Mitglied der RWTH, an seinen Lehrer und Förderer David Hilbert sind wichtige Quellen und zeugen von dem engen Verhältnis beider zueinander. Datiert sind die Briefe von 1906 bis 1939. Die Brieffreundschaft der beiden endete erst mit Hilberts Tod. Die Digitalisate sind aus dem Nachlass David Hilberts.

Wir vom Hochschularchiv haben auch einen Brief, welcher einen Einblick in das Leben Blumenthals liefert. Doch dieser ist von einer anderen Natur als das freundliche Hin und Her der Brieffreunde. Jener Brief vom 22. September 1933 ist das Entlassungsschreiben Blumenthals aus seinem Dienst an der RWTH. Der Grund für die Entlassung? Paragraph 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Blumenthal, der sich selbst zum Protestantismus hatte taufen lassen, war von Geburt her jüdisch. Dies reichte aus um ihn von seinem Lehrstuhl in der Mathematik, welchen er zu diesem Zeitpunkt fast 28 Jahre an der RWTH bekleidet hatte, zu entlassen.

Der damalige Rektor Paul Röntgens versuchte noch mit einem Bittschreiben dagegen vorzugehen, blieb aber leider erfolglos. Aufgrund der Judenverfolgung wurde Blumenthal zusammen mit seiner Frau im April 1943 in das KZ Herzogenbusch verschleppt. Danach wurden sie ins Durchgangslager Westerbork gebracht, wo seine Frau starb. Blumenthal selbst kam im Januar 1944 in das Ghetto Theresienstadt und verstarb dort im selben Jahr an einer Lungenentzündung.

Um an den Leidensweg der Koryphäe Blumenthal zu erinnern, gibt es im Hauptgebäude der RWTH eine Gedenktafel, sowie eine im Boden eingelassene Tafel von der Vereinigung „Wege gegen das Vergessen“, die vor seinem letzten Wohnsitz in der Limburger Straße 22 eingelassen wurde.

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