Erster digitaler Tag des offenen Denkmals

Heute findet bundesweit der Tag des offenen Denkmals unter dem Motto „Chance Denkmal: Erinnern, erhalten, neu denken“ statt. „Erinnern und erhalten“, das passt sehr gut zu uns und unserer Arbeit im Archiv, die sich genau diesen Themen widmet. Gerade in der jetzigen Zeit ist der Begriff „neu denken“ passend, da auch die Umsetzungen des Tags des offenen Denkmals dieses Jahr digital gedacht wird.

Hierzu präsentieren wir euch eine Room-Tour durchs Archiv, damit ihr einen kleinen Eindruck bekommt, wie bei uns das Motto gelebt wird. Wir freuen uns schon auf die Zeit, wenn wir euch wieder persönlich im Archiv begrüßen dürfen.

Die Room-Tour findet ihr auf unserem Youtube-Kanal.
Hier findet ihr noch mehr zum Tag des offenen Denkmals.

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Kalenderbild September 2020: 35 Jahre Uniklinikum Aachen – Ein Jubiläum für Klinik und Universität

Signatur 2.16 ak

Unser Kalenderbild des Monats September zeigt eine Aufnahme des Uniklinikum Aachens, welche als Bestandteil einer Fotoreihe zwischen 1975 und 1980 beim Bau des Gebäudes von Helmut Kommans aufgenommen wurde. Der Fotograf überließ uns sein Werk, anhand dessen ich nun einen kurzen Einblick in die Geschichte unserer Universitätsklinik geben möchte.


Durch die Gründung der Medizinischen Fakultät am 18. Juni 1966 wurden die städtischen Krankenhäuser zwar zur Universitätsklinik ernannt, doch durch Raumknappheit und die steigende Patientenzahl wurde ein Neubau schnell erforderlich. Zudem konnte bei einer neuen Klinik die Idee, Krankenversorgung, Forschung und Lehre, kurz: Theorie und Praxis, unter einem Dach zu vereinen, umgesetzt werden – ein Modell, das zu dieser Zeit einmalig in Europa war. So wurden und werden weiterhin Vorlesungen, Vorträge, Forschungseinrichtungen und die praktische Arbeit am Patienten in einem Gebäude untergebracht. Auch der Sammelbau der Biologie, zu dem wir ebenfalls einige Dias archivierten, ist ein Teil dieses Konstrukts.
Bevor das Uniklinikum aber am 21. März 1985 feierlich eingeweiht werden konnte, verzögerten sich die Bauarbeiten, die 1975 begonnen wurden, deutlich.


Entworfen wurde das Uniklinikum von den Aachener Architekten „Weber,Brand & Partner“ in Zusammenarbeit mit Benno Schachner. Die Fotografie verdeutlicht die außergewöhnliche Architektur des Uniklinikums, bei der die Gebäudetechnik mit rotem Stahlgerüst und den gelb gestreiften Rohren sichtbar bleibt. Auch die Innenarchitektur ist mit der Farbgestaltung in Grün-, Silber und Gelbtönen außergewöhnlich und präsentiert den Stil der „technischen Moderne“, in  dem die Klinik entworfen wurde. Das ungewöhnliche Aussehen soll dabei das Ziel verdeutlichen, auf allen Ebenen – ärztlich, technisch, didaktisch und administrativ – „ein sinnvolles Zusammenwirken (…) zu erreichen“.


In diesem Jahr sollen rund 418 Millionen Euro in verschiedene Bau- und Sanierungsprojekte als Maßnahmen des Modernisierungsprogramms des Landes NRW investiert werden. So soll das Ziel der sinnvollen Zusammenarbeit unterstützt und der hohe Standard der Universitätsklinik der RWTH Aachen weiterhin gewährleistet werden, damit sie auch in Zukunft alle Menschen so unterstützen kann, wie sie es benötigen.

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Lebendige Geschichte im Hochschularchiv

Geschichte ist eine kontrovers beurteilte Thematik. Während die einen davon schwärmen, reißen die anderen Witze, man solle doch endlich die Vergangenheit hinter sich lassen und im Jetzt ankommen. Egal welche Meinung jemand vertritt, eines scheinen die meisten zu wissen: „Studiere das nicht!“, sagen sie, „Damit findest du ja doch keinen Job.“
In der Oberstufe war mir trotzdem klar, dass oben genannte Reaktionen mich nicht mehr beeindrucken –  komme, was wolle, ich wollte Geschichte studieren! Und da ich bis zum Studienbeginn noch Zeit hatte, die genutzt werden wollte, entschloss ich mich dazu, praktische Erfahrungen zu sammeln. Bei beruflichen Interessen, die Engagement erfordern, Interessen also wie meine im historischen Themengebiet, kann es nicht schaden, Praktika zu absolvieren.
Durch Erzählungen stieß ich bei meiner Suche auf das Hochschularchiv und bewarb mich auf gut Glück. Nicht einmal eine Woche später absolvierte ich meine Einführung bei Filis Falldorf.

Erst durch mein Praktikum wurde mir bewusst, welche Unwissenheit und Vorurteile gegenüber Archiven verbreitet sind, sodass mich die Frage „Was ist ein Archiv?“ sehr beschäftigte.

Von Anfang an fühlte ich mich wohl. Alle Mitarbeiter*innen waren freundlich, entgegenkommend und nett. Auch war meine Unerfahrenheit kein Problem. Ich kann mich noch sehr genau erinnern, wie wenig Ahnung ich anfangs vom Archivwesen hatte und wie ich nach dem ersten Telefonat mit Frau Falldorf „Was genau ist ein Archiv?“ bei Google eingab, nur so zur Sicherheit. Zwar hatte ich das übliche Allgemeinverständnis dafür, was man sich unter dem Begriff „Archiv“ so vorzustellen hat, doch war das doch recht schwammig. Und wo war die Grenze zwischen einem „normalen“ und einem Hochschularchiv?
Durch die Module, die jeder Praktikant bei den Mitarbeiter*innen und bei Herrn Dr. Graf durchläuft, bekam ich eine gute Übersicht über das Grundkonstrukt und die Arbeit im Archiv. So erhielt ich zum Beispiel eine Einführung in die Paläografie, in Websitegestaltung, zuverlässige und korrekte Recherchemöglichkeiten, Online-Präsentationen, Bibliotheksorganisation und vieles mehr. Besonders gut gefielen mir dabei das Modul „Urheberrecht“ und das Umbetten alter Akten, die von Büroklammern befreit, vor Schimmel bewahrt werden müssen, usw. Aber auch die anderen Module waren interessant und bereiteten mich gut auf die praktische Arbeit vor, die bald begann.

Von Anfang an wurde mir gesagt, dass viel Wert auf „Learning by Doing“ gelegt werde und so konnte ich mich sehr schnell selbst einbringen und Verantwortung übernehmen. Dabei orientierte ich mich an einem mir anfangs ausgehändigten Leitfaden, der verschiedene Aufgaben auflistete und keine Langeweile aufkommen ließ. Ich wurde damit allerdings nie allein gelassen und konnte immer auf Hilfe und Unterstützung vertrauen. Durch gute Gespräche und Kommunikation war es ebenfalls möglich, meine obligatorischen Aufgaben mit meinen Interessen zu verbinden. So darf man sich die Sonderaufgabe zum Beispiel frei aussuchen, beim Video drehen durfte ich Vorschläge äußern und sie umsetzen, um nur wenige Beispiele zu nennen.
Ein Praktikum beim Hochschularchiv hält unglaublich viele Möglichkeiten für einen bereit, die Zeit auf unterschiedlichste Weise zu nutzen und Ideen umzusetzen, was vor allem an der Vielfältigkeit der Arbeit liegt. Vom Beantworten einer Anfrage über das Umbetten und Verzeichnen von Akten bis hin zu Social Media stehen einem alle Wege offen sich einzubringen. Besonders interessant ist dabei, dass jede Aufgabe eine Überraschung sein kann. Eine Anfrage eines Benutzers kann sich auf jedes nur mögliche Thema beziehen, das Entziffern von alten Schriften kann mal leichter, mal schwieriger sein und täglich hat man die Chance neue Einblick zu erlangen in all die Einzelschicksale aus längst vergangener Zeit. Sei es ein über 100 Jahre altes Fotoalbum, das verschiedene Teile Aachens abbildet, Personalakten von den Student*tinnen, die bereits vor bis zu 150 Jahren die RWTH Aachen besuchen, oder die Frauen in der Wissenschaft wie zum Beispiel Eleanor von Erdberg, die bei mir besonderen Eindruck hinterlassen haben – befinde ich mich im Hochschularchiv, spüre ich die Geschichte aus den Magazinen flüstern. Und das Wunderbare ist, dass, egal wie klein die zu erledigende Aufgabe auch sein mag, man selbst etwas zu diesem für die Ewigkeit gedachten Gedankengut beitragen kann.

Ich jedenfalls habe die Zeit im Hochschularchiv sehr genossen und möchte mich hiermit bei Herrn Dr. Graf und seinen Mitarbeiter*innen bedanken. Ich bin sehr dankbar, dass ich trotz der Corona-Lage die Möglichkeit bekommen habe, das Archiv, die damit verbundene Arbeit und das nette Team kennen zulernen.

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Das Verfahren des Hochschularchivs der RWTH Aachen während der Corona-Krise

Alle Mitarbeiter/-innen versuchen den Archivbetrieb aufrechtzuerhalten und arbeiten an verschiedenen Projekten im Homeoffice wie zum Beispiel dem Verzeichnen von Promotionskarten. Ein Austausch des Teams findet per Mail, telefonisch und im WhatsApp-Chat statt. Via Mail verschicken die Mitarbeiter/-innen nach getaner Arbeit eine Tagesmitteilung, die alle über den aktuellen Stand in Kenntnis setzt. Jede/r meldet sich überdies mindestens einmal die Woche telefonisch bei dem Geschäftsführer und Archivar, Dr. Klaus Graf, um sich mit diesem persönlich auszutauschen. Alle Aufgaben, die nicht dringend im Archiv verrichtet werden müssen, werden von zu Hause erledigt. Zum Datenaustauch nutzen wir die Campuscloud „Sciebo“. Anfragen zum Fotobestand können beispielweise, da dieser zum Großteil digitalisiert ist, im Homeoffice beantwortet werden. Alle weiteren Anfragen werden schnellstmöglich bearbeitet, sobald jemand vor Ort ist. Das Archiv ist jede Woche mindestens acht Stunden besetzt. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen gestatten wir nur dringende Benutzungen vor Ort. Für diese Benutzung haben wir Regeln festgesetzt, die die Hygiene während der Einsicht der Archivalien gewährleisten soll. Weil wir nur wenige Benutzungen zulassen, haben wir uns als Team dazu entschieden, einen höheren Anteil als sonst einzuscannen und zu fotografieren, um dies zu kompensieren. Außerdem versuchen wir mit dem Teilen von drei Beiträgen pro Woche – anstelle der üblichen zwei – auf unseren Social-Media-Kanälen Facebook und Instagram mit Archivnutzern und anderen Interessierten im Kontakt zu bleiben.

Wie das Verfahren bei unseren Kollegen in anderen Archiven ist, könnt ihr bei der Blogparade erfahren.

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Kalenderbild August 2020: Ehre, wem Ehre gebührt – Die Borchers-Plakette an der RWTH

Borchers-Plakette, verliehen an Dr. Hans-Karl Janssen

Wie aufmerksamen Leser*innen in unserem Posting am 29. April bekannt sein wird, ist auf manchen Promotionskarten der RWTH vermerkt, dass die betreffende Promotion mit einer Borchers-Plakette ausgezeichnet wurde. Nun stellt sich die Frage, was diese Auszeichnung bedeutet und welchen Hintergrund diese besitzt.

Vergeben wird die Borchers-Plakette als besondere Ehrung bei Erreichung eines Doktortitels an der RWTH durch den Rektor. Vorgabe ist dabei, dass die Prüfung mit dem Zusatz „mit Auszeichnung“ („summa cum laude“) absolviert werden muss. Die Ehrung ist dabei studiengangübergreifend. Dem Ausgezeichneten wird zudem seit 2006 eine Ehrennadel überreicht.

Namensgeber der Auszeichnung ist Professor Dr. Dr.-Ing. E.h. Wilhelm Borchers. Dieser war Angehöriger der RWTH in Form der Rolle des Ordinarius für Metallhüttenkunde vom 1. Oktober 1897 bis zu seinem Tode am 6. Januar 1925. Die Bezeichnung „Ordinarius“ beschreibt dabei die Person, die einen Lehrstuhl an einer Hochschule innehält. Wie in seinem Titel durch das Kürzel „Dr. Ing. E.H.“ (Doctor honoris causa) vermerkt wurde er mit einem Ehrendoktortitel bei seiner Promotion ausgezeichnet.

Professor Dr. Dr.-Ing. E.h. Wilhelm Borchers bekleidete von 1904 bis 1909 das Amt des Rektors. Die Borchers-Stiftung wurde in dieser Amtszeit, genauer am 01. Juli 1909, gegründet.

Rückseite einer Promotionskarte

Am Beispiel der gezeigten Promotionskarte sieht man, dass die Auszeichnung zusammen mit den Datum ihrer Verleihung auf der Rückseite der Promotionskarte vermerkt ist.

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Kalenderbild Juli 2020: Der Rektor, die Studenten der RWTH und die 60er Jahre – Eine aufwühlende Kombination

Unser Kalenderbild Juli zeigt zwei Fotos von einer Störaktion sowie die Stellungnahme des damaligen Rektors, H. Opitz, zu anderen Protestaktion im Zuge der 1968er Bewegung an der RWTH Aachen.

Auf den Fotos sieht man hier eine klassische Form des Protestes, wie sie oft an den Hochschulen dieses Landes vorgetragen wurde. Mit Rufen störten Studenten die Veranstaltung. Sie forderten mit ihren bekannten Slogans „Unter den Talaren – Muff von tausend Jahren“ die Hochschulen dazu auf, sich zu entnazifizieren. Auf den Fotos ist eine Störaktion zu sehen, welche sogar so weit ging, dass die Polizei gerufen werden musste.

Störaktion im Zuge der 1968er-Bewegung an der RWTH Aachen
Quelle: Fotosammlung 8.3.1. (l.o.), 8.3.1_c (l.u.) , Akte 12013 b (r.)

Störaktion zu sehen, welche sogar so weit ging, dass die Polizei gerufen werden musste.

Doch wie wild es wirklich in der RWTH während der 1968er-Bewegung zuging, erahnt man erst, wenn man sich die Zeit nimmt, die Stellungnahme des Rektors Herwert Opitz vom 12.06.1968 durchzulesen. Natürlich machen die Fotos auf den ersten Blick einen besseren Eindruck als der schlichte schwarze Text auf weißem Papier, dennoch hat er mich persönlich mehr fasziniert.

Dieser beschreibt die gewaltsame Seite der 60er-Jahre an der RWTH. Es ist hierbei jedoch vorsichtig mit der Quelle umzugehen – Fotografien lügen seltener, Worte sind da kritischer. Es ist offensichtlich, dass die Stellungnahme des Rektors nur auf die negativen Auswirkungen seiner Widersacher eingeht. Denn das waren die Studenten, welche seiner Meinung nach protestieren. Auch wenn man versucht, die Quellen möglichst kritisch zu betrachten, muss man zugeben, dass man eine neue Ebene der Bewegung kennenlernt.

Das sogenannte „Komitee“ aus Widersachern versperrte die Türen und versuchte, gewaltbereit ihre Mitstudenten vom Eintritt in das große Hörsaalgebäude und das Reiffmuseum abzuhalten. Dabei wurde sogar einer ihrer Kommilitonen so verletzt, dass er Schnittwunden erlitt, welche teilweise genäht werden mussten. Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet. Hier wurde es also sehr ernst.

Die 60er-Jahre an unserer RWTH waren also sehr turbulent. Sie stellen eine spannende Forschungsthematik dar, mit der wir uns als Team immer wieder gerne beschäftigen. 2018 haben wir zum Beispiel im Rahmen der Ausstellung „Flashes of the Future“ im Ludwig Forum einen kleinen Teil dieser Ausstellung mit Dokumenten aus unseren Beständen mitgestaltet. Online haben wir dazu einen Ausstellungskatalog für euch bereitgestellt. Darüber hinaus bietet das Archiv zu diesem Thema viele weitere Archivalien. Also kommt gerne vorbei und stöbert selbst in unseren Beständen! 

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Kalenderbild Juni 2020: Alle guten Dinge sind Drei – Ein Aquarell von Otto Gruber

Aus der langen Liste der Rektoren, welche die RWTH Aachen seit ihrer Gründung am 10. Oktober 1870 geleitet haben, sticht Otto Gruber ganz besonderes hervor. Er leitete die Hochschule nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten von 1934 bis 1937 und förderte in diesem Zeitraum die „Nazifizierung“ des Hochschulwesens enorm. Mit dem Kalenderbild (Kb.) Juni findet nun bereits zum dritten Mal eines seiner Aquarelle Eingang in den Jahreskalender des Hochschularchives.

Aquarell vom Otto Gruber, Rektor der RWTH Aachen von 1934-1937
(Quelle: Sammlung Gruber)

Erstmalig präsentierten wir ein Aquarell Grubers im Juni 2014 und erneut im April 2018. Wenn man diese beiden Aquarelle  mit dem aktuellen Kalenderbild vergleicht, fällt eine zentrale Gemeinsamkeit auf. Alle drei Aquarelle vermitteln dem Betrachter einen ruhigen, ja fast schon idyllischen Eindruck der dort abgebildeten Landschaften: sei es ein Friedhof mit verschieden ländlichen Gebäuden im Hintergrund (Kb. Juni 2014), ein Dorf in Mitten von Feldern (Kb. April 2018) oder ein Lands-/Gutsherrenhaus im Grünen (Kb. Juni 2020). Auffällig ist zudem der Umstand, dass Gruber bei allen Bildern viele unterschiedliche Grüntöne verwendet hat, welche den Betrachter – neben den Motiven selbst – zum Innehalten und Reflektieren animieren.

Unser diesjähriger Kalender ist jedoch kein gewöhnlicher, da er ganz im Zeichen des 150-Jährigen Jubiläums der RWTH Aachen steht. Auch wenn Otto Gruber der Hochschule „nur“ vier Jahre lang vorstand, so ist dieser Zeitraum für die gesamtgeschichtliche Entwicklung des Aachener Hochschulwesens umso gewichtiger angesichts des historischen Kontextes der Machtergreifung der Nationalsozialisten unter der Führung Adolf Hitlers.

Unter diesem Gesichtspunkt sind die o.g. Kalenderbilder aus den Jahren 2014 und 2018 entstanden. Sie beschreiben den Werdegang Otto Grubers, seine Rolle im nationalsozialistischen Staat als Rektor der RWTH Aachen und berücksichtigen auch seine weitere Lebensgeschichte nach Gründung der BRD. Das aktuelle Kalenderbild soll angesichts des 150-jährigen Jubiläums noch einmal hervorheben, welchen Einfluss Otto Grubers auf die Entwicklung der RWTH genommen hat.

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Regeln zu dringenden Benutzungen

Für dringende Benutzungen vor Ort gilt die obenstehende Ordnung.
Diese ist bitte zu beachten.

Euer Team des des Hochschularchives der RWTH Aachen

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Studentenverbindung Pomerania

Unser Archivar, Herr Dr. Klaus Graf, kam vor einiger Zeit in den Besitz von dem leicht abgegriffenen braunen Fotoalbum, welches ich beim Schreiben gerade vor mir liegen habe. Er hatte es auf einem Flohmarkt gekauft. Beim ersten Hinschauen war ich ein wenig verwirrt, was dieses Exemplar denn nun mit der Hochschule zu tun haben könnte. Doch man muss wohl Henri Cartier-Bresson immer rechtgeben wenn er schreibt: „Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.“ Denn beim zweiten Hinsehen wurde mir der wahre Wert des Fotoalbums bewusst.

Der Besitzer dieses Fotoalbums, wie ein Blick auf die Rückseite eines seiner Portraits verrät, heißt Kurt Grünwald. Im Fotoalbum selber befindet sich keine Auskunft über seine Geburts- und Sterbedaten. Dafür mussten wir das Essener Stadtarchiv bemühen. Kurt Grünwald war der Sohn von Paul Grünwald, ein Abteilungsvorsteher bei der Firma Krupp. Er wurde am 3.10.1909 in Essen geboren und hat im Jahr 1928 seine Abiturprüfung in der Krupp-Oberrealschule in Essen abgelegt. Er kehrte ihm Jahre 1939 mit dem Titel des Diplomingenieurs wieder nach Essen zurück. Verstorben ist Kurt Grünwald am 09.06.1976 in Melle (Niedersachsen).  Außerdem schickte das Stadtarchiv Essen uns eine Fotografie zum Abgleich mit dem Fotoalbum. Durch den Bildabgleich konnten wir verifizieren, dass der Kurt Grünwald, den uns das Stadtarchiv Essen beschrieb auch wirklich die Person aus dem Fotoalbum ist.

Das Stadtarchiv Essen, für deren Mithilfe wir uns hiermit herzlich bedanken wollen, hat also schon einige Informationen für uns bereitgestellt. Doch erst ein Blick in die einzelnen Seiten des Fotoalbums füllen die bloßen Eckdaten seines Lebens mit Geschichten.

Grob lässt sich das Fotoalbum in 3 Themenbereiche gliedern: Vor dem Eintritt in die Studentenverbindung, nach Eintritt in die Studentenverbindung Landsmannschaft „Pomerania“ und ein Sammelsurium an unterschiedlichen Werken am Ende des Fotoalbums.

Kurt Grünwald begann sein Studium im Jahre 1929 in Aachen und trat zuerst der Landsmannschaft „Pomerania“ bei. Über die Landsmannschaft „Pomerania“ ist bekannt, dass sie am 09.11.1792 an der Universität Halle an der Saale von Studenten aus Pommern gegründet wurde. Der Name „Pomerania“ lässt sich vom Namen der Gründungsstadt der Pommern ableiten. Laut Unterlagen der Universität Halle traten bereits 1717 Studenten aus Pommern in Halle der „Pomerania“ bei, somit zählt die Landsmannschaft „Pomerania“ zu eine der ältesten Studentenverbindungen in Deutschland. Die pommerschen Landesfarben himmelblau-weiß wurden zu den Farben der Verbindung, wobei schwarz als Symbol der lebenslangen Freundschaft bis zum Tode hinzugefügt wurde.

Jene Aachener Pomerania, so wie wir sie heute kennen, hat ihren Ursprung in zwei verschiedenen Studentenverbindungen desselben Namens.
Die erste Pomerania wurde in Halle am 9.11.1792 gegründet und hatte dort ihren Sitz bis zur zwangsweisen Auflösung. Die zweite Pomerania wurde in Wismar am Polytechnikum  gegründet (12.5.1920). Diese siedelte nach Aachen über und bildeten zunächst die Freie akademische Verbindung Pomerania.

Diese (erste) Aachener Pomerania wurde Mitglied der DL (Deutsche Landsmannschaft) 1924-26. Da man in Aachen nur eine kleine Altherrenschaft hatte, war die Anschaffung/Unterhaltung eines Hauses nicht möglich. Stattdessen wurden wechselnde Kneiplokale belegt. Das kann man auch gut am Fotoalbum nachvollziehen. Viele der Versammlungen fanden an den unterschiedlichsten Orten statt.
In der Zeit des Nationalsozialismus kam das Verbindungswesen in ganz Deutschland unter die Räder und die Pomerania in Aachen als auch in Halle, die bis dahin zwei getrennte Verbindungen in der DL waren, wurden suspendiert.

Nach dem Krieg rekonstituieren sich beide Verbindungen. 1952 kam es dann zur Vereinigung beider Verbindungen aus der die heutige Aachener Pomerania hervorgegangen ist, und die sich auf Alte Herren aus beiden Verbindungen stützt. Insofern findet sich im heutigen Wappen sowohl der Wahlspruch der alten Pomerania Halle als auch der alten Pomerania Aachen. Ebenso ist im Wappen ein Teil des Stadtwappens von Aachen als auch von Halle zu sehen.
Seit 1961 besitzt die Pomerania auch ein Haus in der Turmstraße 4, welches zentral zur RWTH liegt.

Mit der Landsmannschaft feierte Kurt Grünwald ein Karnevalsfest, verbrachte mit ihr einen Mensurtag in Mausbach und besuchte den Pelzerturm, wie die Fotos dokumentieren. Auch der Besuch einer Vorlesung bei Professor Benrath für anorganische und Elektrochemie, der auch Direktor eines Laboratoriums war, ist auf einem der Fotos zu sehen. Zudem scheint Grünwald Freunde in den Mitgliedern der „Pomerania“ gefunden zu haben. – So fanden wiederholte Grenzlandfahrten zwischen 1929 und 1931 von Eupen nach Malmedy statt. An diesen nahmen auch die „Pommerdamen“, die Diplomingenieure Lehning und Schmidt teil. Zudem besuchte die „Pomerania“ eine Weihnachtskneipe und einen Exbummel in Derichsweiler. Im Jahre 1931 schloss sich eine Grenzlandfahrt nach Monschau an. Auch mit sportlichen Erfolgen beispielsweise beim Faustball, wo sie den 2. Platz belegten, konnten sie überzeugen. Vom 03. bis zum 05.07.1931 fand das 12. Stiftungsfest der Landsmannschaft „Pomerania“ in Aachen statt. Und auch die Damen kamen nicht zu kurz, wie Bilder vom Begrüßungsabend und dem Frühschoppen in Kornelimünster belegen. Am Ende des Fotoalbums wird zudem eine Exkursion im Jahre 1935 nach Bochum, Hamborn, Haspe, Soest abgebildet. Aber auch der Nationalsozialismus, der zunehmend Einzug in Aachen hielt, wird dokumentiert.

Wie die Bilder im Fotoalbum belegen, handelt es sich bei der „Pomerania“ um eine Studentenverbindung, die, wie auch anderen Studentenverbindungen, den Studierenden eine Möglichkeit für gemeinsame Aktivitäten bot und auch heute noch bietet.

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Kalenderbild Mai 2020: Nachschlagen in der Vergangenheit

Unser Kalenderbild zum Mai zeigt eine Jubiläumsausgabe zum 100-jährigen Bestehen des Aachener Adressbuches von 1838 bis 1938. Dieses Werk wurde uns von der Bibliothek des Historischen Instituts der RWTH überlassen und stellt eine besondere Publikation in unserer Bibliothek dar. Das Adressbuch in gebundener Form gibt es zwar heute immer noch, aber die Internetnutzung hat deren Gebrauch so gut wie abgelöst. 1938 war man allerdings auf ein solches Nachschlagewerk noch angewiesen.

Ganz links in der Collage ist das Coverbild des Buches zu erkennen. Die beiden anderen Fotos zeigen Seiten aus dem Werk, wo aufgelistet wird, wo die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) damals ihre Standorte hatte, gekrönt von einem Hakenkreuz. Die rechte Seite gibt eine Übersicht zu den verschiedenen Behörden. Eine weitere Seite dieses Buches hält außerdem fest, dass Adolf Hitler damals der Ehrenbürger der Stadt Aachen war.

Neben diesen Inhalten hat dieses Buch noch mehr als Adressen und Namen zu bieten. Darin ist auch die Entwicklungsgeschichte zum damaligen Adressbuch mit Bildern festgehalten. Das erste Aachener Adressbuch wurde 1838 von der Druckerei und Verlagsanstalt „Peter Ulrichs“ gedruckt. Die Adressbücher von 1838 bis 1970 von Aachen sind online einsehbar, sowie auch deren Vorgänger. Außerdem findet man in diesem Werk: Telefonnummern, Werbungen, einen Rückblick und Ausblick von Aachen mit Fotos und Zeichnungen zur Straßenverteilung. Es ist also mehr als bloß ein Adressbuch – es hält ein Stück der Geschichte von Aachen fest.

Jubiläumsausgabe 100 Jahre Aachener Adressbuch 1838 bis 1938 (Quelle: Hochschularchivbibliothek Hb 1938)

 

 

 

 

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