Kalenderbild Februar 2021: Die fünfte Jahreszeit und die lange Tradition dahinter

Foto vom Kostümfest an der RWTH Aachen, 1967 Quelle: Fotosammlung 3.2.8_cf

Wenn überall verkleidete Menschen unterwegs sind und zu lauter Musik tanzen, dann ist wieder Karneval. Auch am 28. Januar 1967 wurde anscheinend schön gefeiert, wie uns das Bild anhand der abgebildeten Personen zeigt. Am Sonntagabend ab 20 Uhr konnten sich RWTH-Angehörige in der Mensa unter dem Motto „Was Ihr (sein) wollt…“ gut amüsieren. Im Hochschularchiv werden zahlreiche weitere Aufnahmen aufbewahrt. Beispielsweise von den Kostümfesten und Winterfesten aus den Jahren 1961 oder 1966.

Karneval oder auch Fasching ist ein Brauch, der die Zeit vor der vierzigtägigen Fastenzeit feiert. In vielen Ländern der Welt wird Karneval gerne und gut zelebriert. Jedoch hat jedes Land seine Besonderheiten. In Deutschland beginnt die „fünfte Jahreszeit“ traditionell am 11. November um 11:11 Uhr und endet mit dem Aschermittwoch. Eine kleine Unterbrechung gibt es zur Weihnachtszeit vom 1. Advent bis zur Ankunft der „Heiligen Drei Könige“ am 6. Januar.

Wer denkt, Karneval wäre eine Erfindung der Neuzeit, der irrt sich. Die Kulturgeschichte des Karnevals begann bereits vor 5.000 Jahren im damaligen Mesopotamien. Eine altbabylonische Inschrift aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. bestätigt, dass ein siebentägiges Fest gefeiert wurde, und dies wurde nach Beginn des neuen Jahres als symbolische Hochzeit eines Gottes zelebriert. Die Inschrift vermittelte schon damals die Idee des Gleichheitsprinzips bei Feierlichkeiten, wo der Versklavte seinem über ihn herrschenden Herren gleichgestellt wurde. Dieses Prinzip begleitet den Karneval bis heute noch. Im alten Rom feierte die ganze Stadt die Saturnalien. Drei Tage lang im Dezember befand sich Rom im Ausnahmezustand. Die Festtage wurden zu Ehren von Saturn gefeiert und um den Abschluss der Winteraussaat zu würdigen. Im Mittelalter, etwa vom 12. bis zum 16. Jahrhundert, gab es um den 6. Januar sogenannte Narrenfeste, wo viel parodiert wurde. Ab dem 17. Jahrhundert tauchte der Karneval in vielerlei Quellen auf und ähnelte immer mehr dem Brauch, den wir heute kennen. Eins ist allerdings bis heute noch nicht ganz klar, woher der Begriff Karneval überhaupt stammt. Die Brauchtumsforscher vermuten eine Ableitung aus dem Lateinischen „carne vale“, was übersetzt so viel bedeutet wie „Fleisch, lebe wohl“. Der lateinische Begriff soll sich dann im Mittelalter zu „carnelevarium“ beziehungsweise ‎„Vorfastenzeit“ entwickelt haben und im 17. Jahrhundert wurde dieser zu einem italienischen Substantiv „carnevale“. An Karneval nehmen die Menschen allerdings nicht nur vom Fleisch Abschied, sondern lassen in der Fastenzeit auch oft Süßigkeiten oder Alkohol weg (Quelle 1 & Quelle 2).

Bis heute begeistern die farbenprächtigen und kreativen Kostüme, stimmungsvolle Musik sowie Prunksitzungen mit lustigen, aber auch politischen Büttenreden alljährlich die kleinen und großen Karnevalsliebhaber. Viele Menschen lieben es, sich in der „fünften Jahreszeit“ zu verkleiden, denn es ist die Gelegenheit schlechthin, der eigenen Rolle zu entfliehen und in eine ganz Neue zu schlüpfen. Mit einem Kostüm können andere Verhaltensweisen aufgezeigt werden, die in den eigentlichen Alltagsrollen nicht gezeigt werden können oder wollen. Besonders an Karneval ist, dass in dieser Zeit sich ganz neue Möglichkeiten des Kontakts und der Kommunikation eröffnen. Die Menschen können für eine Weile ihre Alltagssorgen vergessen, um Spaß zu haben und die Vorfastenzeit gemeinsam zu feiern.

In diesem Jahr ist allerdings vieles ganz anders. Die Corona-Pandemie hat nicht nur das soziale Leben stark eingeschränkt, sondern auch das kulturelle und somit auch den Karneval. Bereits der Beginn der „fünften Jahreszeit“, der 11. November 2020, konnte nicht wie gewohnt mit Menschenmassen und Feiern eingeläutet werden. Zu gefährlich seien Menschenansammlungen derzeit und zu hoch das Risiko, das Virus weiterzuverbreiten. Schon im September 2020 war klar, dass der Karneval in der Saison 2020/21 weitgehend ausfallen muss. Die Narrenzeit, wie wir sie sonst kennen wird es dieses Jahr also nicht geben, aber dies ist nicht der erste Ausfall. In der Geschichte des Kölner Karnevals gab es ab 1823 sogar mehrfache Absagen. Oftmals waren Kriege oder schwere Konflikte die Ursache. 1871 konnte der Rosenmontagszug wegen dem Deutsch-Französischen Krieg nicht stattfinden. Zwischen 1915 und 1926 war der Erste Weltkrieg sowie die anschließende Besatzung des Rheinlandes die Ursache. Auch während des Zweiten Weltkriegs war ans Feiern kaum zu denken, doch auch Konflikte innerhalb des Festkomitees oder die Weltwirtschaftskrise 1931 und 1932 sorgten dafür, dass der Zug abgeblasen werden musste. Obwohl die Jecken in Köln als wetterfest gelten und nichts sie eigentlich aus der Ruhe bringen kann, musste der Zug 1968 wegen des schlechten Wetters entfallen. Anlässig des zweiten Golfkrieges 1991 wurde der Rosenmontagszug aus Anteilnahme nicht veranstaltet. Stattdessen zogen einige Kölner spontan unter dem Motto „Kamelle statt Bomben“ los. Mit dieser Aktion wurde übrigens auch der „Geisterzug“ wieder eingeführt.

Nun steigt die Hoffnung nach dem Ausfall für die Saison 2020/21, dass 2021/22 wieder die ganze Welt gemeinsam feiern, schuckeln und fröhlich lachen kann.

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