Das Archiv – Geschichte zum Anfassen

PraktikumsfotoAuf das Archivwesen wurde ich zum ersten Mal im Rahmen eines Seminars in meinem Geschichtsstudiengang aufmerksam. Mit den Teilnehmern meines Seminares und dem Dozenten besuchten wir ein Archiv in Köln und erfuhren von den Mitarbeitern eine Menge interessanter Informationen zur Arbeit im Archiv. Schnell wurde für mich selbst klar, dass ich mein Pflichtpraktikum in einem Archiv leisten will. Ich erkundigte mich nach Archiven in Aachen und wurde auf das Hochschularchiv der RWTH Aachen aufmerksam. Als Studierender der Universität zu Köln hatte ich zu Beginn Sorge, dass lediglich RWTH-Studenten für ein Praktikum im Hochschularchiv in Frage kämen. Doch zu meinem Glück sagte mir eine freundliche Stimme am Telefon, dass das Hochschularchiv für alle Studierenden offen steht und jeder ein Praktikum absolvieren darf.

Nach Abschicken meiner Bewerbungsunterlagen wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Dieses Gespräch führte ich mit Filis und Herrn Graf, dem Geschäftsführer des Archivs. Filis erklärte mir einiges über die Arbeit im Hochschularchiv und gab mir einen Leitfaden für Praktikanten mit. Dieser Leitfaden sah einige Module vor, die für ein erfolgreiches Praktikum gemacht werden müssen.

Zwei Wochen vor Beginn meines Praktikums machte Filis eine Einführung mit mir, erklärte mir nochmal meine kommenden Aufgaben im Detail und zeigte mir die Räumlichkeiten des Hochschularchivs, genauer die Magazine in denen die Archivalien der RWTH aufbewahrt werden. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus: Alle diese historischen Dokumente, Akten, Bücher und Plakate und ich bin mittendrin. Viele Menschen verknüpfen mit dem Archiv einen Ort der Langeweile, an dem sich alte verstaubte Bücher und Akten meterhoch türmen. Doch mir als Geschichtsstudenten und seit Kindheit geschichtsinteressierten Menschen bereitet so ein Ort große Freude. Immer wieder stoppte ich an irgendwelchen Kisten, um mir die Inhalte anzuschauen. An meinem ersten Tag durfte ich an einem Kalenderbild arbeiten, das jeden Monat auf der Homepage des Hochschularchivs hochgeladen wird. Die Fertigstellung des Kalenderbildes erfüllte mich schon mit Stolz, denn zum ersten Mal habe ich meinen Beitrag zur Arbeit im Hochschularchiv geleistet. Matrikelbücher transkribieren, Dokumente umbetten, Verzeichnen von verschiedenen Akten in das System gehörten zu meinen weiteren Aufgaben, die ich mit Freude, aber auch manchmal mit Frust erledigte. Frust, weil ich beim Umbetten manchmal winzige Klammern, die viermal in dieselbe Stelle getackert wurden, entfernen musste, ohne dabei das Papier zu beschädigen. Doch die Freude überwog stets bei den anstehenden Aufgaben.

In den Modulen wurden mir und den anderen Praktikanten die Fertigkeiten für die Arbeit im Archiv näher gebracht. In Modulen wie Websitegestaltung oder Videobearbeitung lernten wir, worauf es heutzutage beim Archiv auch ankommt: Die sozialen Medien spielen auch im Archivwesen eine Rolle. Denn auf diese Weise kann man mehr Menschen erreichen und sie für die Archivarbeit begeistern. In seinen Modulen brachte uns Herr Graf die zentralen und allgemeinen Themen des Archivwesens bei: “Archivrecht”, “Urheberrecht” oder “Recherchemöglichkeiten” hießen einige der Module, in denen wir viel von ihm lernten.

Als Geschichtsstudent stellte ich mir oft vor, wer schon alles dieses fast 100 Jahre alte Matrikelbuch, das vor mir lag und das ich transkribieren musste, noch in der Hand hatte. Es fühlte sich oftmals an wie eine Reise in die Vergangenheit. Mich hat es immer mit Freude erfüllt, so ein Buch in die Hand zu nehmen. Mir wurde klar, dass ich ein Stück Geschichte in der Hand hielt. Das Archiv ist im wahrsten Sinne Geschichte zum Anfassen.

Ich möchte mich sehr herzlich bei Dr. Graf und den Mitarbeiterinnen Filis und Sarah bedanken, die mir stets hilfsbereit zur Seite standen und mir viel beigebracht haben.

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