Manchmal lohnt es sich, genauer hinzuschauen…

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Signatur: 870

Der zu sehende Brief ist am 12. Januar 1915 in der Sütterlinschrift verfasst worden. Auf den ersten Blick scheint er ein wichtiges Dokument zu sein, bei genauerem Hinsehen stellt man aber fest, dass es sich um einen Beschwerdebrief eines Herrn Dr. Boecker handelt. Nach langer Arbeit haben wir ihn erfolgreich transkribieren können:

Aachen, Salvatorstr. 16 den 12 Januar 1915

Euer Magnificenz beehre ich mich, mitzuteilen,

daß meine Dienstwohnung dicht neben dem Kneiplokale der Teutonia gelegen ist und nur eine dünne Mauer mich davon trennt.

In Friedenszeit mußte ich an jedem Kneipabend, der bis Morgens 5 Uhr sich ausdehnte,

auswärts eine Schlafstelle aufsuchen. Jetzt während des Krieges ist in der vorigen Nacht

bis 3 Uhr diesen Morgen Klavier gespielt worden, so daß ich nicht schlafen konnte,

was mir um so mehr wehe tat als ich an schwerem Bronchialkatarh seit 4 Wochen leide

und im Schlafe einige Ruhe suche.

Ich bitte, der Teutonia bedeuten zu wollen,

auf mich kranken Mann, der demnächst 80 Jahre alt wird Rücksicht zu nehmen und mir

und sich selbst die Nachtruhe zu gönnen.

Hochachtend Rektor der Salvatorkirche. Dr. Boecker

In Zusammenarbeit von Miriam Weyers und Melina Vogler erstellt und transkribiert.

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