Kalenderbild August- Der Fall Schwerte- Schneider

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Das diesmonatige Kalenderbild bildet die Umschlagseite eines Buches zum Fall Schwerte- Schneider ab.

Hans Schwerte war von 1970- 1973 Rektor der RWTH Aachen. Gemeinhin war er als liberaler Professor der RWTH hochgeschätzt. Am 27.04.1995 wurde dieses Bild endgültig, durch eine Selbstanzeige Schwertes zerstört. Dies war nämlich nicht seine richtige Identität gewesen. Hans Schwerte wurde, nicht wie er angegeben hatte, am 03.10.1910 in Hildesheim geboren, sondern als Hans Ernst Schneider am 15.12.1909 in Königsberg.

Schneider war seit 1936 als Gaufachstellenleiter in der Abteilung Volkssturm und Heimat, und später als stellvertretender Abteilungsleiter bei der NS-Kulturgemeinde tätig gewesen. 1937 trat er dann der NSDAP sowie der SS bei, wo er einen rasanten Aufstieg erlebte. 1938 wurde er zum hauptamtlichen Referenten des „Rasse- und Siedlungshauptamtes“ und darauffolgend zum Referenten des Amtes „Ahnenerbe“ ernannt. In diesem Bereich soll er, nach eigenen Angaben, nur volkskundliche Forschung betrieben haben. Es ist jedoch heute bekannt, dass dieses Amt den Transport von Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager organisierte. Während dieser Tätigkeiten war Schneider vermehrt in Österreich und den Niederlanden eingesetzt worden. 1940-1942 wurde er dann dauerhaft in die Niederlande abkommandiert, dort war er als Verbindungsoffizier des „Ahnenerbes“ tätig. Das primäre Ziel war die „Germanisierung der Niederlande“. Bis 1945 war er anschließend Leiter der Dienststelle „Germanischer Wissenschaftseinsatz“ welche mit der Entwicklung des Konzeptes „Totaler Kriegseinsatz in der Wissenschaft“ betraut war. 1945 wechselte Schneider in das Amt III C („Kultur“) des Reichhauptamtes. Hier beteiligte er sich an der Umgruppierung von Teilen des SD- Apparates und vermutlich auch an der Aktenvernichtung.

Ende April floh Schneider dann nach Lübeck, wo er die neue Identität, Hans Schwerte annahm. Nach eigenen Angaben wohl aus Angst vor Verfolgung. Mit Hilfe eines Arztes und seiner Frau wurden alle Spuren der NS-Vergangenheit beseitigt, und Hans Schneider für im Krieg gefallen erklärt. Mit seiner neuen Identität stand dann einer Promotion in Erlangen im Jahr 1948 nichts mehr im Wege. 1958 folgten die Habilitation und der Einstieg in die wissenschaftliche Laufbahn mit einer dortigen Dozentenstelle. 1964 wurde Schwerte zum außerplanmäßigen Professor, 1965 dann zum ordentlichen Professor berufen. Von 1970-1973 war er, wie oben bereits erwähnt, dann Rektor der RWTH Aachen. 1983 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen, und 1990 wurde er zum Ehrensenator ernannt. Schon seit seiner Berufung gab es Gerüchte über eine falsche Identität, die sich jedoch erst zwischen 1989 und 1994 verdichteten und im Juni 1994 als Information an den damaligen Rektor Habetha getragen wurden. Dies blieb jedoch ohne Folgen. Die Aufklärung des Falles begann erst ein Jahr später, möglicherweise auf Druck niederländischer Medien. Der Zusammenhang zur folgenden Selbstanzeige Schwertes ist bis heute ungeklärt, wie noch viele andere Aspekte dieses Falles. Im Mai 1995 verzichtete Schwerte auf die Würden des Ehrensenators, sowie auf das Bundesverdienstkreuz, beides wurde ihm anschließend aberkannt. Im selben Jahr wurde ihm die Ehrung zum Professor vom Wissenschaftsministerium gegen arglistiger Täuschung entzogen, auf eine Entziehung des Doktorgrades verzichtete man 1996 jedoch. Auch die Ermittlungen gegen ihn wegen Beihilfe zum Mord wurden im Oktober 1996 eingestellt. Am 18.12.1999 verstarb Schwerte dann, ohne seinen alten Namen wieder aufgenommen zu haben, in Marquardstein/ Oberbayern.

 

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