Kalenderbild Dezember – Doctor of Immortality, Hiwi-Hinrichtungen und Weihnachtswahn

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Das Aachener Prisma war eine Zeitschrift des AStA von 1953 bis 1982. Hier sehen wir die 12. Ausgabe des Jahres 1975.

Auf dem Bild ist das Cover der Zeitschrift abgebildet. Speziell zur Weihnachtsausgabe ist die Collage in Rot gestaltet, im Gegensatz zu den sonst schwarz-weißen Deckblättern mit ihren abstrakt-deskriptiven Bildern und Collagen. Der Notizzettel mit „Nicht vergessen: „Das Fest der Liebe!“ (Viel kaufen)“ kritisiert die rein materialistische Ausrichtung des Festes. Ein zurechtgeschnittenes Bild eines Obdachlosen und ein weißer Streifen bilden eine angedeutete Geschenkverschnürung. Zuletzt schmücken noch die Daten der Feiertage und ein „Love!“ in Kreideoptik die Seite. Nicht gerade subtil, aber wenn wir an die Weihnachtsfeste unseres Jahrtausends denken, ist Subtilität wohl auch nicht nötig.

Themen waren unter anderem Nachrichten des AStA, politische Stellungnahmen und Kommentare sowie Betrachtungen des erweiterten Universitätskosmos mit Bildungspolitik, Fernstudien, akademische Grade und Hiwi-Stellen. Mit Satire, Humor und Fakten wurden Themen besprochen, die von Interesse für die studentischen Leser waren. Besonders beliebte Ziele von Spott waren vor allem die Universität, die Politik und die Wirtschaft, deren Systeme und Handlungen gezielt aufs Korn genommen wurden.

So rät der erste Autor schon dazu, eine kirchliche Universität in den USA zu gründen, um von dort aus Doktortitel in alle Welt zu verkaufen. Durch den Schutz, den Kirchen in den USA genießen, und die einfachen Möglichkeiten dort sowohl Kirchen als auch Universitäten zu gründen, wäre dies eine ausgezeichnete Möglichkeit vor Weihnachten noch ein wenig Geld zu verdienen. Eine Empfehlung, die ich übrigens allen Lesern auch heute noch weiterreichen kann, da sich an den Umständen nur wenig geändert hat. Wer also schon immer stolzer Besitzer des Titels „Doctor of Immortality“ sein wollte, hat auch heute noch die Möglichkeit dazu.

In diesem Stile geht es weiter, von einem (fiktiven) Interview zum Forschungsfeld der (ebenso fiktiven) Hättologie, der Wissenschaft Niederlagen in augenscheinliche Siege zu verwandeln; über Kritik an der Bildungspolitik und dem Einfluss der Wirtschaft auf diese; bis hin zu einer Betrachtung der Lebensumstände der Arbeiterklasse in Russland. Einige oder eher die meisten der Themen kommen dem Leser auch heute noch aktuell vor. So ist die Bildungspolitik weiterhin ein Zankapfel für alle Beteiligten, die globale Politik scheint viel von der Hättologie gelernt zu haben und Betrug mit unverdienten Titeln und Graden ist nicht erst seit Guttenberg ein Problem. Trotz der 43 Jahre, die seither vergangen sind, hat sich scheinbar wenig an den Themen geändert, die präsentiert werden.

Auch geboten werden Buchempfehlungen zu einer großen Bandbreite an Werken, ein Veranstaltungskalender, der die kommenden Theatervorstellungen präsentiert, und ein karikativer Comic samt weihnachtlichem Witz.

Gekostet hat so ein Jahresabo des Prismas damals noch 18.- DM, zuzüglich 6.- DM für den Versand. Dafür bekam man monatlich eine Ausgabe zugesandt. Wie üblich für kleinere Zeitschriften finanziert aber auch diese sich durch Werbung. Jede zweite Seite wird zusätzlich geschmückt durch eine oder mehrere Anzeigen, von denen einige durchaus fremd anmuten für jemanden, der in der Zeit der Internetwerbung und Zielgruppenanalysen aufgewachsen ist. „Rum and Maple … auch Frauen lieben sein Aroma“ wirbt da ein Tabak oder auch „Zinkstaubfarbe schützt den Stahl!“. Überhaupt finden sich viele Anzeigen für Tabak und Zigaretten, besonders in mehreren der anderen Ausgaben konkurrieren diverse Hersteller mit ganzen Seiten um die Leser. Aber auch Versicherungen, Autohändler, Technikläden und lokale Copyshops präsentieren ihre Waren und Dienste. Und ein „Dr.Müller`s Sex-Shop mit Non Stop-Kino“ (heute ein Friseursalon) preist seine Colorfilme an. Hier finden wir vielleicht eine der größten Veränderungen. Die Art und Präsentation der Werbung hat sich stark verändert, ebenso wie es die Geschäftszweige selbst taten. Es bleibt wohl doch nicht alles beim Alten. Wenn schon nicht politisch, dann doch im Alltag.

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