Wie schnell die Zeit im Archiv doch vergehen kann!

Abschlussbericht

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Entgegen meiner ursprünglichen Erwartung ist meine Zeit im Hochschularchiv sehr schnell vergangen. Ehe ich es überhaupt bemerkt habe, befinde ich mich schon in meiner letzten Praktikumswoche und möchte die Zeit, in der ich diesen Abschlussbericht schreibe, dafür nutzen, um meine Erfahrung noch einmal in Ruhe Revue passieren zu lassen. Dabei komme ich zu dem Schluss, dass meine ursprünglichen Annahmen darüber, wie mein Praktikum verlaufen könnte, und meine Erfahrungen an dessen Ende widersprüchlicher nicht sein könnten.

Als ich mich für einen Praktikumsplatz im Hochschularchiv beworben habe, tat ich dies unter der Annahme, dass die Arbeit nicht sonderlich abwechslungsreich, sondern eher langweilig und eintönig sein würde. Auch die bloße Vorstellung einer Praktikumsdauer von drei Monaten hat – um einmal ganz ehrlich zu sein – nicht wirklich dazu geführt, dass ich meinem ersten Tag im Archiv entgegengefiebert habe. Umso mehr bin ich froh darüber sagen zu können, dass ich mich so sehr getäuscht habe. In den vergangenen drei Monaten hatte ich zahlreiche und z. T. sehr verschiedenartige Aufgaben zu erfüllen. Häufig galt es, immer wieder aufs Neue kreativ zu sein und dabei zugleich einem bestimmten Arbeitsschema zu folgen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Insofern war ein langweiliger und eintöniger Arbeitstag undenkbar und meine Annahmen über das Arbeiten im Archiv wurden einer 180-Grad-Wende unterzogen.

Bereits der erste Praktikumstag hielt für mich eine Überraschung bereit: Ich wurde lediglich durch das Archiv geführt und es wurden die ganzen Formalien abgeklärt. So endete der Tag bereits nach 1,5 Stunden. Mal davon abgesehen, dass dieser angenehm kurz war, erhielt ich etwas, was mich zum einen überrascht hat, zum anderen aber auch dahingehend motiviert hat, mich auf meinen ersten „richtigen“ Arbeitstag zu freuen: den Praktikantenleitfaden. Denn bereits ein kurzer Blick auf diesen hatte mir gezeigt, dass ich einiges an Arbeit vor mir hatte und Langeweile ausgeschlossen war.

Im Praktikantenleitfaden ist detailliert aufgelistet, welche obligatorischen Aufgaben ich erledigen und welche Module ich absolvieren muss, um mein Praktikum erfolgreich abzuschließen zu können. So gehören bspw. zu den Pflichtaufgaben das Verzeichnen und Umbetten von Akten sowie das Korrekturlesen der Findbuchdatei. Die Module sollen dem Praktikanten Wissen vermitteln, das für die Arbeit im Archiv unabdingbar ist. Dabei werden manche Module (z. B. Recherchemöglichkeiten und Bewertung) von Herrn Graf, dem Geschäftsführer des Hochschularchives, und andere Module (z. B. Bibliotheksorganisation und Magazine/Registratur) von den Mitarbeitern vermittelt. Ein in diesem Zusammenhang sehr interessanter To-Do-Punkt ist die „alternative Sonderaufgabe“.

Diese wird bei jedem Praktikanten individuell festgelegt, je nach dem was so gerade ansteht. Im meinem Fall bedeutet dies jeden Freitag beim Auf- und Umräumen im Magazin vier mitzuhelfen. Diese Aktion ist Bestandteil einer Inventur, die kurz nach meinem Praktikumsbeginn initiiert wurde. So habe ich – zusammen mit anderen Praktikanten und Mitarbeitern – seitdem jeden Freitag umgebettet, aufgeräumt, Abfall entsorgt und angefangen, die im Zuge der Inventur umgebetteten Akten zu verzeichnen. Nie vergessen werde ich den Anblick, als wir sämtliche kassierten Akten, den Papiermüll und einen Haufen Elektroschrott entsorgt hatten. Der dadurch frei gewordene Platz kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Nur um dies einmal in Zahlen auszudrücken: Wir haben ca. 20 Kubikmeter Abfall entsorgt.

Was ich aber – neben der Arbeit an sich – am besten finde, ist das im Archiv herrschende Arbeitsklima. Gewiss jeder hat seinen eigenen Aufgabenbereich und (Verzeichnis-)Projekte, die er oder sie vorantreibt. Aber an jedem Arbeitstag kam es immer wieder vor, dass man sich zwischendurch mal zusammengesetzt und über alles möglich gequatscht hat – nur nicht über die Arbeit selbst! Der Arbeitsoutput hat darunter nicht gelitten, sodass man am Ende jedes Tages sagen kann: „Wir haben heute was geschafft.“ Ich selbst habe dies sehr genossen und mich auch stets über die mir entgegengebrachte Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit gefreut. Auch die flachen Hierarchien haben dazu beigetragen, dass ich als Praktikant das Gefühl hatte, nicht „für jemanden“ zu arbeiten, sondern vielmehr „mit anderen“. Dadurch hat sich bei mir in kurzer Zeit ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt, das der Grund dafür ist, dass sich meine Zeit gefühlt hier so schnell dem Ende zugeneigt hat.

Summa summarum kann ich all denjenigen, die ein Praktikum im Hochschularchiv in Erwägung ziehen, nur versichern, dass sie dies nicht bereuen werden. Ich habe mich vom ersten Tag an sowohl in fachlicher als auch in menschlicher Hinsicht sehr gut aufgehoben gefühlt und hoffe, dass zukünftige Praktikanten die gleichen Erfahrungen wie ich machen können.

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