Kalenderbild Februar: Wer ist der Mann neben dem Eisbären?

Das Kalenderbild für den Monat Februar zeigt einen Eisbären neben einem Mann im Trenchcoat. Gut, sofern Eisbären nicht plötzlich kalte Tatzen bekommen haben und daher dazu übergangen sind, Schuhe zu tragen und auf zwei Beinen zu gehen, handelt es sich bei dem vermeintlichen Eisbären offensichtlich um einen Menschen im Kostüm. Doch die viel spannendere Frage lautet, wer ist der Herr neben dem pelzigen Gesellen?

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Um den Herren auf dem Foto handelt es sich um keinen Geringeren als den Mathematiker Herrn Prof. Dr. Reutter. Reutter wurde am 26.08.1911 in Karlsruhe geboren und verstarb ebendort am 28.08.1990. 1953 auf den Lehrstuhl für Mathematik, insbesondere Darstellende Geometrie, an der RWTH Aachen berufen, verübte er dort einen großen Teil seiner Zeit als Hochschullehrer (1953–1979). Sein Wissen über viele Disziplinen innerhalb der Mathematik fand bei seinen Kollegen große Anerkennung.

Dass das damals noch recht junge Studienfach namens „Informatik“ 1971 als Nebenfach für den Diplomstudiengang Mathematik an der Universität Aachen belegt werden konnte und schließlich schon zum Wintersemester 1972/73 zum eigenständigen Diplomstudiengang mit 76 Studienfängern innerhalb der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät avancierte, ist nicht zuletzt das Verdienst dieses Hochschullehrers. Freilich wäre das ohne die Unterstützung von den Professoren der benachbarten Studiengänge nicht möglich gewesen. Von 1965–1970 übernahm Prof. Dr. Reutter zudem die Leitung des Rechenzentrums.

Kurz nach dem 70. Geburtstag des Mathematikers verlieh ihm die RWTH Aachen die akademische Würde eines Ehrensenators, wie aus dem Schreiben des damaligen Rektors (Sig. 12083) zu entnehmen ist:

„Rektor und Senat der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen haben auf Beschluß des Senats Herrn Professor Dr. rer. techn. Fritz Reutter aus Aachen in Anerkennung seiner großen Verdienste um Erhalt, Konsolidierung und Ausbau des Instituts für Geometrie und Praktische Mathematik, um die Leitung des Rechenzentrums sowie insbesondere um die Hochschulselbstverwaltung und damit um die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen die Würde eines Ehrensenators verliehen.“

In seiner Rede zur Ernennung zum Ehrensenator ermutigt er u. a. Absolventen, sich nicht allzu sehr in Sorgen zu verlieren, keinen angemessenen Arbeitsplatz zu finden.

„Heute erscheinen die Aussichten für die Zukunft vielen wieder getrübt. Die Ungewissheit, wie sich bevorstehende Strukturänderungen an den Hochschulen auswirken, die finanziellen und personellen Restriktionen, die Sorge nach Abschluss des Studiums, keinen befriedigenden Arbeitsplatz zu bekommen, gehören zu den Anlässen für die Sorgen. Wenn ich an 1945 zurückdenke, wo es ungleich viel größere Schwierigkeiten gab, dann bestünde eigentlich kein Grund zu Pessimismus, wenn der Wille und die Einsatzbereitschaft bei allen Beteiligten sich mit damals messen kann.“ (Sig. 12083. S. 5).

Angesichts der Bologna-Reform mit der Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge kommt seinen Worten nach wie vor Aktualität vor, wenn er davor warnt, dass „man [nur] nicht versuchen [darf], den Freiraum für eigenverantwortliches Handeln durch zu viele Regeln soweit einzuschränken, dass der Mut zur Eigeninitiative (ohne die wissenschaftliches Leben nicht denkbar ist) ganz unterdrückt wird.“ (Sig. 12083. S. 5).

Reutter genoss bei seinen Kollegen hohes Vertrauen und war dazu in der Lage, im Falle von Konflikten zu einem für alle Beteiligten guten Ausgleich zu kommen. So verwundert es nicht, dass er auch ein Herz für Eisbären hatte. Mit welchem Anliegen konnte Reutter ihm wohl behilflich sein?

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