Kalenderbild August: Vom Chemischen Laboratorium zu Talsperren

8August_93bh-Postkarte

Sig.: 9.3.bh

Das aktuelle Kalenderbild ziert eine Postkarte mit dem Foto des Chemischen Laboratoriums, das an der Stelle des heutigen Super-C stand. Das Gebäude entstand als Teil der Königlichen Polytechnischen Akademie, welches 1869 vom damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm gründete wurde. Von 1875 bis 1879 wurde das Laboratorium neben dem heutigen Hauptgebäude im Stile des Klassizismus erbaut, jedoch im Laufe des Zweiten Weltkrieges zerstört. Das Gebäude entwarf der Architekt Franz Clemens Ewerbeck in Zusammenarbeit mit dem späteren Rektor des Polytechnikums, Otto Intze, als Baukonstrukteur.

Sig. 1.2.1. Intze

Sig.: 1.2.1. Intze

Otto Intze wurde am 17. Mai. 1843 in Laage geboren. Sein Talent für Ingenieurswesen zeigte sich schon bei seiner ersten Arbeitsstelle bei einer britischen Eisenbaugesellschaft, die ihn nach Russland führte. Dort bemerkte man, dass Intze schnell ohne jegliche Vorkenntnisse ingenieurwissenschaftliche Zusammenhänge erfasste und in der Lage war, sie weiterzuentwickeln. Deshalb entschied er sich in Hannover Ingenieurswesen zu studieren. Im Dezember 1872 wurde Otto Intze in Aachen an der Polytechnischen Akademie zum Professor in Baukonstruktion, Baustofflehre und Wasserbau ernannt. Otto Intzes größter Verdienst war die Schaffung des Intze-Prinzips, das die Wasseraufbewahrungstürme verbesserte und sie preisgünstiger machte. Dadurch konnte die moderne Wasserversorgung im Ruhrgebiet schneller und sicherer ausgebaut werden.

Im Laufe der Zeit spezialisierte er sich auf die Projektierung von Talsperren. Besonderes Augenmerk legte er auf die Sicherheit der entstehenden Talsperren, da sie oft brachen und Todesopfer forderten. Um diesem vorzubeugen, entschloss sich Otto Intze die natürliche Form der Täler zu nutzen und sie in den Bau miteinzubinden. Hierbei kam ihm sein Prinzip zur Hilfe: So baute er die Sperren mehrere Meter in den Felsen hinein und verwendete als Mörtel eine Mischung aus Kalk, Sand und Trass, woraus ein besonders harter Mörtel entstand. Die Mauern baute er im bogenförmigen Grundriss. Zur Stabilisierung der Mauern entstanden keilförmige Aufschüttungen aus Lehm. Ziel war es, stabile Talsperren zu schaffen, die seinen Vorstellungen nach ewig halten würden. In der Realität mussten die ersten in den Dreißigern des 20. Jahrhunderts wegen drohenden Bruches abgerissen werden. Der Großteil ist jedoch bis heute erhalten. Von 1898 bis 1901 war Otto Intze zum Rektor der Aachener Polytechnischen Akademie berufen. In seiner Amtszeit war er bei den Studierenden aufgrund seines lebendigen und sowohl Theorie, als auch Praxis miteinander verbindenden, Vortragstiles beliebt. Am 28. Dezember 1904 starb er in Aachen.

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