Neues von der “(Lithographischen) Anstalt”

4April_Sig.932

Signatur: Akte 932

Auf unserem aktuellen Kalenderbild ist ein detailreicher Briefkopf zu sehen, der zeigt, dass Geschichte selbst an simplen Dingen spürbar werden kann. Viel mehr als es heute der Fall ist, waren Briefköpfe ein wichtiges Aushängeschild für Firmen.

Die „La Ruell’sche Accidenzrduckerei und lith. Anstalt“, die den zugehörigen Brief 1907 an die Königliche Technische Hochschule (RWTH) schrieb, geht auf Joseph La Ruelle (*31. März 1822; +8. August 1900) zurück. Inhaltlich bezieht sich der Brief auf einen Druckauftrag der Hochschule für Personalverzeichnisse, indem die Druckerei über gestiegene Kosten informiert. La Ruelle veröffentlichte unter anderem 1871 den „Aachener Anzeiger“ zum ersten Mal, welcher täglich unabhängig von Politik und Konfession erschien und daher eine breite Masse an Lesern erreichte. Er gilt daher als Schöpfer des Typs des Generalanzeigers in Deutschland. Er verlegte außerdem das „Politische Tagesblatt“, welches zwei Mal täglich erschien und ab 1881 einen wöchentlichen Generalanzeiger für die Kreise Monschau, Eupen, Jülich, Düren, Schleiden, Geilenkirchen, Heinsberg, Erkelenz und den Landkreis Aachen.

La Ruelles Akzidenzdruckerei fertigte seine Zeitungen selbst an und war eine Zeit lang führend im Umkreis. So war sie auch die erste Druckerei in Aachen mit einer Rotationsmaschine. Gelegenheitsdrucke wie etwa Prospekte, Einladungen oder Briefe waren eine gute zusätzliche Einnahmequelle. Genau deswegen war der Briefkopf auch so ein wichtiges Werbemittel. Die Druckerei hatte hier die Möglichkeit, etwas von ihrer Arbeit zu zeigen. Auf einem Bild kann man ihren damaligen Standort (Johanniterstraße, in der Nähe des heutigen Karlsgrabens) und zugleich die angebotenen Leistungen sehen. Inhaber war zur Entstehungszeit des Bildes La Ruelles Schwiegersohn Joseph Deterre, der bereits einige Jahre vor La Ruelles Tod die Geschäfte übernahm.

Die lebendige Gestaltung der Schrift, die Arbeit mit verschiedenen Schriftarten und die fein ausgearbeiteten Details machen diesen Briefkopf zu etwas Besonderem. Was damals als zweckmäßige Werbung gedient haben mag, lässt sich heute wie ein Kunstwerk betrachten.

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