Praktikumsbericht: Alte Quellen, neue Methoden – Von Paläographie bis Internetrecherche

Zehn Wochen lang verbrachte ich einen bedeutenden Teil meiner Zeit im Hochschularchiv der RWTH Aachen. Grund dafür war ein Pflichtpraktikum im Rahmen des Studiengangs Literatur- und Sprachwissenschaft, für welches mir das Archiv ein geeigneter Ort erschien. Schließlich geht mit dem Interesse an Literatur auch eine natürliche Faszination für alte Schriftstücke und sonstige Quellen einher. Ein paralleles Informatikstudium brachte dazu noch die Beschäftigung mit der Aufbewahrung, Kategorisierung und Nutzung von Informationen mit sich. Im Archivwesen überschneiden sich diese verschiedenen Sphären, weshalb ich mich auf Empfehlung einer früheren Praktikantin für das Hochschularchiv entschied.

Die Organisation des Praktikums von Seiten des Archivs erwies sich als exzellent. Gerade für eine Institution mit so wenigen Beschäftigten und beschränkten Mitteln war die Betreuung hervorragend, der Überblick über die mehr und weniger alltägliche Arbeit im Archiv umfassend und die für mich angedachten Tätigkeiten interessant. Grundlage für den instruktiven Teil des Praktikums bildete ein Katalog von Modulen und obligatorischen Aufgaben, durch die ich neues Wissen und neue Fertigkeiten erlangen und diese anschließend praktisch erproben konnte. Auf diese Weise bekam ich einen Einblick in die verschiedensten Bereiche mit denen die Archivarbeit verbunden ist: Vom Archiv- und Urheberrecht, über das Bewerten, Verzeichnen, Erhalten und Digitalisieren von Akten und Fotos, bis hin zu Paläographie (dem Lesen alter Schriften), Internetrecherche, Websitegestaltung und Videobearbeitung.

Besonders die Module zu Paläographie und Internetrecherche möchte ich hervorheben. Im Laufe von anderthalb Stunden versetzte mich die Einführung in die Paläographie in die Lage, ein handgeschriebenes Dokument aus dem 16. Jahrhundert (wenn auch mühsam) zu entziffern, wo sich mir vorher nicht mehr als vereinzelte Buchstaben erschlossen. Und auch bei der Anleitung zur Internetrecherche, in der ich mich vorher durchaus als versiert einschätzte, lernte ich einige neue Kniffe und spezialisierte Dienste kennen, auf die ich in Zukunft sicherlich gerne zurückgreifen werde. Dies sind nur zwei Beispiele für Dinge, die man im Rahmen eines Praktikums im Archiv lernt, welche aber auch unabhängig von dem spezifischen Feld des Archivwesens interessant und hilfreich sind.

Allerdings habe ich im Archiv nicht nur Neues gelernt, sondern hatte zahlreiche Aufgaben und war in sämtliche Arbeitsabläufe des Archivalltags eingebunden: Die Recherche in Findmitteln, das Auffinden und Reponieren von Akten in den Magazinen, die Beantwortung von Benutzeranfragen, die Betreuung der Website und Social-Media-Präsenz des Archivs, das Verfassen von Artikeln und kürzeren Beiträgen zu bestimmten Archivalien, das Verzeichnen neuer Abgaben, das Umbetten neuer und alter Akten in archivgerechte Aufbewahrungsmappen und mehr – die Aufgaben waren zahlreich und vielfältig. An allem durfte ich selbstständig und mit einem Vertrauensvorschuss arbeiten und fühlte mich von Anfang an als Teil des Teams.

Die Arbeitsatmosphäre war dabei stets angenehm und gesellig, bei Fragen war stets eine Ansprechperson verfügbar und nach einigen Wochen hatte ich eine gute Vorstellung von den wichtigsten Aspekten der Archivarbeit. Unabhängig davon, ob ich meine Zukunft im Bereich des Archivwesens sehe, habe ich viel gelernt und bin mit meinem Praktikum sehr zufrieden. Auf dieser Basis kann ich das Hochschularchiv der RWTH als Praktikumsgeber wärmstens weiterempfehlen und bedanke mich beim Team für die schöne Zeit.

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