Kalenderbild Oktober: Das Relief des Bergbaugebäudes

Fotosammlung 9.3.al

Fotosammlung 9.3.al

Das Kalenderbild im Monat Oktober ist eine Postkarte von 1904 aus unserer Postkartensammlung und stellt das Bergbaubegäude der RWTH dar. 1897 noch unter dem Namen „Bergbauakademie“ eingeweiht, ist auch heute noch die Wüllnerstraße 2, als „Institut für Bergbaukunde“, zentrale Anlaufstelle für Studierende des Bergbaus. Auf dem Bild nur schwer zu erkennen, sind die Reliefs jeweils links und rechts des Haupteinganges. Diese wurden mit Bau des Gebäudes 1896 von Karl Krauß angebracht. Karl Krauß, 1859 in München geboren, war Bildhauer des Historismus und wurde 1889 als Dozent für „Modellieren und Bossieren“ an die RWTH berufen; 1997 erhielt er den Professortitel. Neben den Reliefs zählen weitere bedeutende Kunstwerke im Aachener Raum zu seinen Werken. Darunter 1904 ein Bahkauv-Denkmal, das jedoch im 2. Weltkrieg eingeschmolzen wurde und daher nicht erhalten ist, 1906 verschieden Büsten für den Aachener Bismarckturm und eine Büste des damaligen Rektors Friedrich Heinzerling der RWTH, sowie die Mitgestaltung des Aachener Rathauses. Die Reliefs sind jedoch mit Hinblick auf das Gebäude, an dem sie angebracht sind, besonders interessant. Sie schildern den Ablauf eines Bergbau-Projekts.

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Krau%C3%9F#/media/File:Aachen_Bergbaugeb%C3%A4ude_Reliefs.jpg  CC BY-SA 3.0

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Krau%C3%9F#/media/File:Aachen_Bergbaugeb%C3%A4ude_Reliefs.jpg CC BY-SA 3.0

Bei beiden Reliefs ist zentral eine geflügelte Figur zu erkennen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dies die heilige Barbara, Schutzpatronin des Bergbaus. Ihr Attribut, der dreifenstrige Turm, ist in der rechten oberen Ecke des linken (im Bild hier obrigen)Reliefs dargestellt. Dieses lässt darauf schließen, dass das erste Relief über Tage stattfindet. Ein weiterer Hnweis hierfür sind die links abgebildeten Männer in Anzügen, die etwas ausrechnen oder planen; vermutlich die Statiker des Projekts. Rechts dagegen sind schon Männer in Arbeiteruniform anwesend – die Statiker besprechen ihren Plan mit den Arbeitern. Die heilige Barbara ‚übergibt‘ quasi die Rechnung der Statiker an die Arbeiter und hält somit ihre schützende Hand über diese. Das zweite Relief zeigt die Arbeitsschritte unter Tage: Links das Ausmessen und rechts das Abtragen der Gesteinsschichten. Auch hierbei ist die Schutzpatronin zentral und ‚hilft‘ beim Abtragen. Ihre zentrale Rolle als Schützerin vor Unglück der Bergleute, indem sie die Berechnungen der Statiker überwacht, oder ihre Rolle als Begleiterin und Helferin der Bergleute, spiegeln ihre Funktion als Schutzpatronin wieder. Karl Krauß hat das Bergbaugebäude vielleicht, der Tradition gemäß, unter ihren Schutz stellen wollen.

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