Alfred Meusel: Ein Beispiel für die Hochschulpolitik 1933-1945

Meusel

Alfred Meusel, aus Hochschularchiv Ga 1995/3

Ein ganz aktueller Aufsatz widmet sich einem ehemaligen Professor der RWTH Aachen, Alfred Meusel. Die Arbeit wurde uns als Belegexemplar zugesendet, da das Hochschularchiv dem Autor Archivmaterial zur Verfügung gestellt hat. Alfred Meusel, der 1960 im Alter von 64 Jahren starb, war ein bekannter Historiker und Soziologe, zu dessen zahlreichen Leistungen und Positionen unter anderem die Mitgründung der „Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“ im Jahre 1953 und die Rektorschaft des Museums für deutsche Geschichte zählen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt dabei neben der Beschäftigung Meusels mit dem tragischen Bewusstsein, welches sich gegen den zu seiner Zeit stark ausgeprägten Fortschrittsgedanken, den Determinismus sowie den Glauben an die Vernunftvorherrschaft richtete, insbesondere auf der frühen Freundschaft zu einem der Väter der deutschen Soziologie, Ferdinand Tönnies, der Meusels wissenschaftliches Selbstverständnis maßgeblich beeinflusste. Er verdankte Tönnies auch seine Hilfsassistentenstelle am Volkswirtschaftlichen Institut der TH Aachen, dessen Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre er ab 1922 provisorisch übernahm. Anschließend folgte ein steiler Karriereanstieg. Im Mai 1930 wurde er zum Ordinarius für Volkswirtschaftslehre und Soziologie ernannt, was Meusel zu einem der jüngsten Lehrstuhlinhaber in der Weimarer Republik machte. 1931 erhielt er die Position als Dekan der Fakultät für Allgemeine Wissenschaften. Im Wintersemester 1932/33 wurde er schließlich in den Senat der Hochschule aufgenommen. Wie bei zahlreichen seiner Kollegen fand seine wissenschaftliche Laufbahn an der TH Aachen infolge des Nationalsozialismus allerdings ein jähes Ende, als ihm 1933 aufgrund seiner politischen Einstellung die Lehrerlaubnis entzogen wurde und ihn schließlich zur Emigration nach Großbritannien zwang. Wer mehr über Meusels Leben und Werk erfahren möchte, findet den Artikel von Alexander Wierzock unter dem Titel „Tragisches Bewusstsein und sozialer Pessimismus als wissenschaftliche Erkenntnisvoraussetzung: Alfred Meusel und Ferdinand Tönnies“ direkt bei uns im Hochschularchiv oder alternativ in Ausgabe 62 (2014) der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentare sind geschlossen.