Abschlussbericht Praktikum

Zunächst einmal eher ahnungslos über die Arbeit, die in einem Archiv genau verrichtet wird, bewarb ich mich beim Hochschularchiv der RWTH für ein Praktikum. Die Bewerbung verlief unbürokratisch und unkompliziert und so konnte ich sechs Wochen der Semesterferien für einen Einblick in das Hochschularchiv nutzen. Dieser Zeitraum erschien mir auch angemessen, da das Archiv nur an drei Tagen in der Woche geöffnet war und meine durchschnittliche Arbeitszeit ca. 13 Stunden pro Woche umfasste.

Am ersten Tag wurde ich mit den Mitarbeitern, den Räumlichkeiten und der Struktur des Praktikums vertraut gemacht. Es stehen verschiedene Module und Aufgaben in einem Praktikantenleitfaden, die man im Laufe der Zeit bearbeitet. Dies ist sehr nützlich, da man sowohl selbst immer einen guten Überblick hat, was noch auf einen zukommt und welche Aufgaben man schon abhaken kann, als auch die Mitarbeiter schnell nachsehen können, welche Sachen man noch zeigen und erklären kann, so dass man wirklich einen guten Überblick über alle Bereiche und Aufgaben bekommt.

Unter anderem habe ich eine neue Benutzerordnung für das Archiv geschrieben, mich mit Kriterien der Bestandserhaltung auseinandergesetzt und Einträge im mit dem Programm Midosa XML digitalisierten Findbuch korrekturgelesen. Auch für mich gänzlich neue Sachen, wie ein Paläographie-Modul sowie die Module über Archivrecht und Urheberrecht, waren Bestandteil des Praktikanten-Leitfadens. Hier wurde in erster Linie Hintergrundwissen vermittelt, das man benötigt, um Akten zuordnen zu können oder Anfragen von Nutzern darauf zu prüfen, welches Material diese einsehen dürfen. Es war gut, den direkten Praxisbezug und viele Beispiele vor Augen zu haben. Besonders interessant fand ich das Modul Recherchemöglichkeiten, wo ich auch einige nützliche Tipps für mein Studium bekommen habe, und ich war beeindruckt von dem Stellenwert, den die Web-Präsenz für das Hochschularchiv hat und den Möglichkeiten der Online-Nutzung, die auf der Archiv-Homepage bestehen. Das ist bei vielen anderen Archiven in Deutschland noch lange keine Selbstverständlichkeit. Ein netter Nebeneffekt bei der Arbeit in den Magazinen: Beim Durchsehen von Akten findet man immer wieder interessante Dokumente oder Artikel aus der Geschichte der RWTH oder Aachens. Nach einiger Zeit durfte ich auch eine Benutzeranfrage beantworten und einen Nachlass in dem MidosaXML-Programm verzeichnen, der anschließend noch nach Archiv-Kriterien umgebettet werden musste. In der Praxis erforderte die Bestandserhaltung auf jeden Fall die meiste Geduld und Sorgfalt, da je nach Zustand der Akte die Papiere einzeln von Folien und Metallheftern befreit werden mussten, eventueller Schimmelbefall mit kleinen Schwämmchen „weg-radiert“ werden musste und vorhandene Risse mit Archibond und einem Mini-Bügeleisen zu „kleben“ waren. Außerdem erfuhr ich noch Details darüber, nach welchen Kriterien Akten aus der Verwaltung bewertet und ins Archiv aufgenommen werden. Längst nicht alle Dokumente können aufbewahrt werden, es erfolgt immer eine Auswahl durch einen Archivar. Der Rest der Akten muss vernichtet werden; dieser Vorgang heißt Kassation. Ein Vorlesungsverzeichnis zu digitalisieren und das Modul Fotoverzeichnung waren weitere Aufgaben, die ich während meines Praktikums bearbeitet habe.

Insgesamt waren es auf jeden Fall sehr abwechslungsreiche Arbeiten; das hat mir gut gefallen. Das Arbeitsklima war sehr angenehm und die Mitarbeiter freundlich und haben mir bei Fragen immer weitergeholfen. Abschließend bleibt mir zu sagen, dass ich ein Praktikum beim Hochschularchiv jedem empfehlen kann, der sich für diesen Bereich interessiert oder neugierig ist, was in einem Archiv genau gemacht wird.

Bianca Rosso

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